
1 Startplatz, 1 Landeplatz
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Der Ultimative Fluggebietsführer: Zettersfeld & Lienz – Strategien, Aerologie und Insider-Wissen für den anspruchsvollen Piloten Vorwort: Die Faszination des "Lienzer Beckens"
In der Welt des Gleitschirmfliegens gibt es Orte, die man besucht, um einfach nur „herunterzukommen“, und es gibt Orte, die den Piloten herausfordern, ihn lehren, die Atmosphäre zu lesen, und ihn mit unvergesslichen Panoramen belohnen. Lienz in Osttirol gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Es ist nicht nur ein Startplatz; es ist eine komplexe Arena aus Windsystemen, thermischen Hotspots und taktischen Entscheidungsmöglichkeiten. Während der offizielle DHV-Eintrag die Fakten liefert – Startrichtung, Höhe, Landeplatz – zielt dieser Report darauf ab, die Seele des Fluggebiets zu sezieren. Wir bewegen uns weg von der bloßen Auflistung von Koordinaten hin zu einer tiefgreifenden Analyse der aerologischen Zusammenhänge, die den Unterschied zwischen einem kurzen Abgleiter und einem 200-Kilometer-FAI-Dreieck ausmachen.
Das Zettersfeld, oft als die „Sonnenterrasse“ von Lienz bezeichnet, ist mehr als nur ein Skigebiet mit Sommerbetrieb. Es ist der Schlüssel zu einem der vielseitigsten Flugareale der Alpen. Gelegen auf der Südseite des Alpenhauptkamms, geschützt durch die massiven Barrieren der Hohen Tauern im Norden, bietet Lienz ein Mikroklima, das Flugtage ermöglicht, wenn der Rest Österreichs unter einer dicken Wolkendecke oder im Föhnsturm begraben liegt. Doch diese Privilegierung kommt mit einem Preisschild: Das Verständnis des komplexen Talwindsystems, das hier drei Täler – das Drautal aus Westen, das Drautal aus Osten und das Iseltal aus Norden – in einem gigantischen Mischkessel vereint, ist nicht optional, sondern überlebenswichtig.
Dieser Bericht richtet sich an den Piloten, der nicht nur Konsument, sondern Akteur sein will. Er ist für den Streckenjäger, der das berüchtigte „Mölltaldreieck“ bezwingen will, für den Genussflieger, der das perfekte „Sunset-Soaring“ sucht, und für den Familienvater, der Flugurlaub und Familienzeit harmonisch verbinden möchte. Wir werden jeden Aspekt beleuchten: von der mautpflichtigen Auffahrt zur Faschingalm bis hin zur psychologischen Vorbereitung auf die Leefallen am Anna-Schutzhaus.
Teil 1: Geographie und Klimatologie – Warum Lienz anders funktioniert
Lienz liegt strategisch günstig am Zusammenfluss von Isel und Drau. Diese Lage ist entscheidend für das Flugwetter. Im Norden ragen die Hohen Tauern auf, mit Gipfeln weit über 3.000 Metern (Großglockner, Großvenediger). Diese Barriere wirkt wie ein gigantischer Schutzschild gegen schlechtes Wetter aus dem Norden. Wenn in Salzburg oder München Regenfronten durchziehen, kann man in Lienz oft noch bei strahlendem Sonnenschein fliegen. Dies nennt man den "Nordstau-Effekt", bei dem sich die Wolken am Hauptkamm stauen und südlich davon oft föhnige Aufheiterungen oder sogar stabile Schönwetterfenster entstehen.
Im Süden begrenzen die Lienzer Dolomiten das Tal. Diese schroffen Kalkfelsen sind nicht nur optisch ein Kontrast zu den sanften Grasbergen des Zettersfelds, sondern auch thermisch anders zu bewerten. Sie heizen sich schneller auf, speichern die Wärme aber anders als die bewaldeten und grasbewachsenen Hänge im Norden. Das Zettersfeld selbst ist ein Südhang par excellence. Es fängt die Sonneneinstrahlung von früh morgens bis spät abends ein, was es zu einem der thermisch zuverlässigsten Gebiete macht. Bereits im Februar, wenn anderswo noch tiefer Winter herrscht, entwickeln sich hier die ersten nutzbaren Thermikblasen, die Toplandungen und längere Flüge ermöglichen.
Anders als reine Sommerfluggebiete bietet Lienz fast das ganze Jahr über fliegbare Bedingungen, wobei jede Jahreszeit ihren eigenen Charakter und ihre eigenen Gefahren mit sich bringt.
Frühling (März – Mai): Die "Hammerzeit" für Streckenflieger. Die Temperaturgradienten sind hoch (kalte Luft in der Höhe, starke Sonneneinstrahlung am Boden). Die Basis ist oft noch tief, aber die Steigwerte können brutal sein. Der Talwind ist in dieser Zeit noch moderat, da die Schneeschmelze die Talsohle kühlt.
Sommer (Juni – August): Die Zeit des Talwinds. Ab Mittag wird das Fliegen im Tal zur Herausforderung (siehe Kapitel Aerologie). Dafür bietet der Abend das legendäre "Magic Lift" oder Restitutionsfliegen, bei dem das gesamte Zettersfeld großflächig trägt.
Herbst (September – November): Die schönste Zeit für Genussflieger. Die Luft ist ruhig, die Sicht oft glasklar ("Fernsicht bis zum Großglockner"), und die Farben der Lärchenwälder sind spektakulär. Thermik ist immer noch vorhanden, aber sanfter.
Winter (Dezember – Februar): Dank der Südlage und der Infrastruktur (Skigebiet) ist Lienz auch im Winter attraktiv. Oft liegt im Tal eine Inversion (Nebel oder Kaltluftsee), während man oben am Steinermandl (2.200m) in der Sonne startet und über dem Nebel soart. Toplandungen sind hier an der Tagesordnung, da der Talflug oft nur in die Suppe führen würde.
Teil 2: Die Startplätze – Taktische Analyse
Das Zettersfeld ist kein einzelner Startplatz, sondern ein gestaffeltes System von Möglichkeiten. Die Wahl des richtigen Startplatzes entscheidet oft über den Erfolg des Tages – oder darüber, ob man nach 10 Minuten im Talwind steht.
Dies ist der Premium-Startplatz und der Ausgangspunkt für fast alle ernsthaften Streckenflüge.
Lage: Direkt neben der Bergstation des 4er-Sessellifts "Steinermandl". Man steigt aus dem Lift und steht quasi auf der Wiese.
Topographie: Eine riesige, hindernisfreie Almwiese, die leicht nach Süden/Südosten geneigt ist. Sie bietet Platz für bis zu 100 Piloten gleichzeitig, was Stress beim Auslegen eliminiert.
Aerologie: Aufgrund der exponierten Lage greift hier der überregionale Wind voll durch. Bei leichter Nordströmung kann man hier manchmal noch im Lee starten, was gefährlich ist (Rotoren!). Bei Südwestlage ist dies der perfekte Einstieg in das Soaring-Band.
Besonderheit: Der Liftbetrieb ist der limitierende Faktor. Im Sommer fährt der Steinermandl-Lift oft bis Ende September. Danach muss man entweder laufen (ca. 1 Stunde ab Zentrum) oder den tieferen Startplatz wählen.
Startrichtung: SO bis SW. Ideal für die Thermik, die sich ab dem späten Vormittag an den Rippen löst.
Das Plateau, auf dem die Gondelbahn ankommt, ist das logistische Herzstück. Von hier aus verteilen sich Wanderer und Skifahrer.
Startplatz Faschingalm: Erreichbar über eine Mautstraße oder im Winter per Ski-Transfer.
Charakteristik: Ein Wiesenstartplatz, der etwas geschützter liegt als das Steinermandl.
Taktik: Dies ist oft der Ausweichstartplatz, wenn es am Gipfel zu stark bläst (z.B. bei Föhn-Tendenzen, die oben schon spürbar sind, unten aber noch laminar anliegen).
Logistik: Die Mautstraße ist eine Option für Piloten, die unabhängig von den Betriebszeiten der Bergbahn sein wollen (z.B. für Abendflüge nach Liftschluss). Die Kosten liegen bei ca. 9,00 € für PKWs.
Ein Startplatz mit zwei Gesichtern. Er liegt deutlich tiefer, unterhalb der Baumgrenze.
Lage: Mitten im Wald, erreichbar über die Straße zur Faschingalm.
Gefahrenpotenzial: Da es sich um eine Waldschneise handelt, ist der Wind hier kanalisiert. Bei reinem Anströmwind (Süd/Südost) ist der Start einfach. Sobald jedoch eine Seitenwindkomponente (West oder Ost) hinzukommt, entstehen durch die flankierenden Bäume starke Leewirbel und Rotoren in der Schneise.
Empfehlung: Anfänger sollten diesen Startplatz meiden, wenn nicht absolut perfekte Bedingungen herrschen oder ein Fluglehrer vor Ort ist. Er wird oft von Schulen genutzt, da er schnell mit dem Bus erreichbar ist, aber er verzeiht wenig Fehler in der Startphase.
Infrastruktur: Windsack und Toilette sind vorhanden.
Der tiefste Punkt, um noch am Zettersfeld einzusteigen.
Charakteristik: Als "leicht" eingestuft, aber thermisch oft schon zu tief, um sicher wegzukommen, wenn die Inversion tief liegt.
Nutzung: Eher selten genutzt von Streckenfliegern, meist für Schulungszwecke oder schnelle Abgleiter im Herbst.
Der Hochstein ist der Hausberg von Lienz, westlich der Stadt gelegen. Er ist Austragungsort des Weltcup-Skirennens und bietet eine völlig andere Perspektive.
Lage: Start auf einer Skipiste (Schneise) am Ende des Schlepplifts (Sektion 3).
Zugang: Im Sommer ist die Auffahrt mit dem Auto bis zum Parkplatz möglich, gefolgt von einer 10-minütigen Wanderung. Alternativ mit den Hochsteinbahnen (Sektion 1-3), wenn in Betrieb.
Taktik: Der Hochstein funktioniert oft morgens früher als das Zettersfeld, da seine Ostflanken von der Morgensonne direkt angestrahlt werden. Er ist auch der Startplatz für "Frühstücksflüge".
Dolomitenmann-Start: Der Startplatz "Kühbodentörl" (unterhalb des Spitzkofels) für den Wettbewerb ist extrem alpin, steil und geröllhaltig. Er liegt deutlich höher und ist für den Normalpiloten nicht zu empfehlen bzw. oft gar nicht erreichbar.
Teil 3: Aerologie – Das Biest namens Talwind
Wer in Lienz fliegt, muss Hydrodynamik verstehen. Das Talwindsystem hier ist eines der ausgeprägtesten in den Ostalpen und bestimmt den Flugtag mehr als jeder andere Faktor.
Lienz liegt an einem meteorologischen Knotenpunkt. Das Drautal zieht sich von West nach Ost, aber bei Lienz knickt es leicht ab und nimmt das Iseltal aus Norden auf.
Der "Bayerische": Oft wird der Talwind in Oberkärnten (Drautal ab Spittal) als "Bayerischer Wind" bezeichnet. Er saugt die Luftmassen aus dem Becken von Klagenfurt und Villach nach Westen an. Bei Lienz trifft dieser Ostwind auf die Luftmassen aus dem Pustertal (Westwind) und dem Iseltal (Nordwind).
Die Düsenwirkung: Da das Tal bei Lienz relativ breit ist, aber durch Verengungen (z.B. bei Nikolsdorf oder Richtung Sillian) begrenzt wird, entstehen Venturi-Effekte.
Tagesgang:
Vormittags: Ruhe. Leichte Hangaufwinde, ideal für Schulung.
Mittags (ab ca. 12:00/13:00): Der Talwind setzt ein. Er kommt meist aus Osten (vom unteren Drautal). Die Geschwindigkeit nimmt rapide zu.
Nachmittags: Windgeschwindigkeiten von 30-40 km/h im Talboden sind im Sommer keine Seltenheit. Das macht Landungen extrem anspruchsvoll.
Abends: Der Wind dreht oft auf "Bergwind" (Katabatisch), aber das dauert im Sommer bis spät in die Nacht.
Dies ist die gefährlichste Zone für Piloten, die vom Zettersfeld starten und "absaufen".
Das Szenario: Oben am Steinermandl (2.200m) herrscht herrlicher Südwestwind (überregional). Unten im Tal (670m) bläst strammer Ostwind.
Die Konfliktzone: Irgendwo dazwischen, oft auf Höhe des Ebnerfelds (1.400m) oder tiefer, treffen diese Luftmassen aufeinander. Diese Scherungsschicht ist extrem turbulent. Wer hier hinein sinkt, erlebt bockige Luft, klappende Schirme und kaum Vorwärtsfahrt.
Taktik: Niemals zu tief "kratzen", wenn der Talwind schon eingesetzt hat. Immer eine sichere Höhe bewahren, um mit Reserve zum Landeplatz zu gleiten und die Turbulenzzone schnell durchstoßen zu können.
Lienz ist südlich des Hauptkamms. Wenn im Norden hoher Druck herrscht (Föhnlage), stürzt die Luft über die Tauern herab.
Der Weg: Die Luft fließt durch das Iseltal (Matrei) wie ein Fluss. Lienz liegt direkt am Ausgang dieses Tals.
Das Phänomen: Oft sieht man am Zettersfeld noch blauen Himmel und ruhige Bedingungen, während der Föhnsturm schon durch das Iseltal bricht.
Warnzeichen: Lenticularis-Wolken (Föhnfische) über dem Großglockner oder Venediger. Eine ungewöhnlich klare Fernsicht ("Föhnauge"). Wenn die Bergbahnen oben Wind melden, obwohl unten Ruhe herrscht -> Alarmstufe Rot. Bei Nordwestlagen ist das Gebiet besonders gefährlich, da das Zettersfeld dann im Lee des Iseltal-Ausflusses liegt.
Teil 4: Streckenflug (XC) – Strategien für Weitflieger
Lienz ist ein fantastischer Ausgangspunkt für große FAI-Dreiecke, aber es ist komplexer als die "Rennstrecke" im Pinzgau. Hier muss man Täler queren und Windsysteme taktisch nutzen.
Dies ist die "Brot-und-Butter"-Strecke für Piloten, die ihre ersten 50-100 km fliegen wollen.
Start: Steinermandl.
Leg 1: Zuerst Höhe machen am Zettersfeld. Mindestens 2.500m sind ratsam, bevor man das Tal quert.
Querung: Man quert das Lienzer Becken Richtung Süden/Südosten zum Hochstein oder direkt weiter zu den Lienzer Dolomiten (Spitzkofel-Massiv).
Weiterweg: Entlang der Südkette (Dolomiten) Richtung Osten bis zur Emberger Alm (Greifenburg).
Vorteil: Man fliegt oft mit dem Wind (Westkomponente in der Höhe) oder nutzt die zuverlässigen Hausbärte der Südkette.
Rückweg: Der Rückweg von Greifenburg nach Lienz ist oft schwieriger, da man gegen den "Bayerischen" Talwind ankämpfen muss, der am Nachmittag stark ist. Hier ist Geduld gefragt oder man landet in Greifenburg und nutzt den Zug (Drautalbahn) zurück nach Lienz.
Diese Route ist legendär, aber gefürchtet. Sie wird im Forum als "einer der schwereren Hunderter" bezeichnet und ist definitiv nichts für Anfänger.
Der Plan: Start Zettersfeld -> Iselsberg -> Mölltal (Richtung Großglockner) -> Querung zurück.
Die Schlüsselstelle "Kärntner A-loch": Dieser Bereich am Übergang ins Mölltal ist berüchtigt. Die Topographie verengt sich, und verschiedene Windsysteme prallen aufeinander.
Gefahr Anna-Schutzhaus: Im Bereich des Anna-Schutzhauses entstehen oft heftige Leewirkungen. Piloten berichten von Situationen, in denen sie mit Hochleistern (Enzo) "rückwärts fliegen" mussten oder extreme Turbulenzen erlebten.
Taktik: Wer das Mölltal fliegt, sollte die Westflanken am späten Nachmittag nutzen ("Magic Evening Thermals"). Aber Vorsicht: Wenn man im Mölltal absäuft, ist die Landung schwierig (enges Tal, starker Wind). Und der Rückweg nach Lienz erfordert oft eine Querung gegen den Talwind durch das Drautal-Lee.
Eine landschaftlich traumhafte Option.
Route: Vom Zettersfeld nach Westen queren (über Matrei oder direkt entlang der Nordkette) Richtung Sillian und weiter nach Innichen/Südtirol.
Reiz: Der Blick auf die Drei Zinnen und die Dolomiten ist unvergleichlich.
Herausforderung: Das Pustertal ist bekannt für seinen starken Ostwind (der nach Südtirol hineinzieht). Man hat also oft Gegenwind auf dem Hinweg. Die Rückkehr am Abend mit Rückenwind ist dafür ein Genuss.
Teil 5: Landeplätze & Sicherheit – Wo Präzision zählt
Die Landung in Lienz ist, bedingt durch den Talwind, der kritischste Teil des Fluges.
Dies ist der Treffpunkt der lokalen Szene und der Flugschule.
Lage: In Gaimberg/Oberlienz, leicht erhöht am Hangfuß.
Koordinaten: N 46° 50.26' E 12° 46.99'.
Besonderheit: Da der Platz am Hang liegt, muss die Landeeinteilung (Volte) sauber geflogen werden.
Talwind-Falle: Bei starkem Ostwind muss man im Endanflug deutlich "vorhalten" (Krabben-Gang), um nicht am Platz vorbeigeblasen zu werden. Ein "Verblasen" kann hier unangenehm enden (Bäume, Zäune).
Service: Oft gibt es hier Getränke ("Gut-Gelandet-Bier") und eine gemütliche Atmosphäre zum Debriefing.
Der riesige Platz im Talboden, südlich der Drau.
Lage: Gegenüber vom Campingplatz Falken (670m MSL).
Vorteil: Sehr groß und flach. Ideal für Drachenflieger oder Gleitschirmpiloten, die beim Campingplatz wohnen.
Tödliche Gefahr: Hochspannungsleitungen! Der Platz wird an zwei Seiten von Stromleitungen begrenzt. Diese sind gegen den dunklen Waldhintergrund oder bei Dämmerung extrem schwer zu sehen. Man muss sich den Platz vor dem Start unbedingt vom Boden aus ansehen und die Position der Masten einprägen.
Wind: Hier unten im Talboden ist der Talwind am stärksten und laminarsten. Man landet oft fast "im Stehen", muss aber aufpassen, nicht rückwärts getrieben zu werden.
Östlich von Lienz liegt der Flugplatz Nikolsdorf.
Status: Kontrollierter Flugverkehr (Segelflieger, Motorflugzeuge).
Regel: Gleitschirme haben in der Platzrunde nichts verloren, es sei denn, es gibt spezifische Absprachen (Sektoren).
Lärmschutz: Unbedingt vermeiden, niedrig über die Ortschaft Nikolsdorf zu fliegen. Dies führt zu Konflikten mit Anrainern und gefährdet das Fluggebiet.
Teil 6: Infrastruktur & Logistik – Der stressfreie Trip
Damit der Flugtag entspannt bleibt, hier die harten Fakten zu Preisen und Transport (Stand Saison 2025/2026).
Die Lebensader des Gebiets.
Preise: Die reguläre Tageskarte für Skifahrer/Wanderer ist teuer (ca. 61 € im Winter). Paragleiter sollten an der Kasse explizit nach Einzelfahrten oder Punktekarten fragen. Oft gibt es Tarife um die 18,00 - 29,00 € für eine Bergfahrt (Sektion 1+2), auch wenn diese nicht fett auf den Plakaten stehen.
Betriebszeiten:
Winter: Anfang Dezember bis Ende März (z.B. 29.03.2026). Täglich 09:00 - 16:00 Uhr.
Sommer: Mitte Juni bis Ende September/Oktober.
Pausen: In der Nebensaison (April/Mai und November) stehen die Bahnen still! Dann hilft nur die Mautstraße oder "Hike & Fly".
Die Alternative für Individualisten.
Zufahrt: Über Gaimberg.
Kosten: Ca. 9,00 € pro PKW (Fahrzeuge bis 2,40m Höhe). Ein Automat steht an der Auffahrt, Kleingeld oder Karte bereithalten.
Ziel: Man kommt bis zur Faschingalm. Von dort muss man zum Steinermandl noch laufen (ca. 45 Min) oder den Sessellift nehmen (wenn in Betrieb).
Camping Falken: Der "Place to be" für Piloten. Man kann direkt gegenüber landen, duschen und ein Bier trinken. Sehr gut ausgestattet, sauber und pilotenfreundlich.
Hütten am Berg:
Steinermandl Panorama-Restaurant: Direkt am Startplatz. Perfekt für den Kaffee vor dem Start oder das Warten auf bessere Bedingungen.
Mecki's Dolomiten-Panoramastubn (Faschingalm): Bekannt für exzellente Osttiroler Küche (Schlipfkrapfen!).
Stadt Lienz: Bietet vom 4-Sterne-Hotel bis zum Hostel alles. Das mediterrane Flair am Hauptplatz lädt zum Abendessen ein.
Teil 7: Alternativen & Familie ("Non-Flying" Guide)
Lienz punktet extrem hoch im "Family Factor". Während Papa oder Mama fliegt, muss sich der Rest der Familie nicht langweilen.
Osttirodler: Am Hochstein (Gegenüberseite) befindet sich einer der spektakulärsten Alpine Coaster der Alpen. Die Fahrt durch den Wald ist ein Highlight für Kinder und Adrenalinjunkies.
Tristacher See: Südlich von Lienz gelegen, ist dies der einzige Badesee Osttirols. Er erreicht im Sommer angenehme 24 Grad. Ein perfekter Ort, um nach dem Flug abzukühlen.
Neualplseen: Eine wunderschöne Wanderung vom Steinermandl aus. Sie führt durch eine fast unwirkliche Landschaft aus Grasbuckeln und kleinen Seen. Gehzeit ca. 1-1,5 Stunden, absolut familientauglich.
Wenn Lienz nicht geht (z.B. Nordföhn), ist man schnell woanders:
Sillian / Thurntaler (30 Min Fahrt): Weiter westlich im Pustertal. Startet oft früher thermisch, aber Vorsicht vor dem Talwind.
Greifenburg / Emberger Alm (30 Min Fahrt): Das Mekka der Streckenflieger. Hier ist die Infrastruktur (Shuttle, Landeplatz) zu 100% auf Flieger ausgerichtet, aber es ist oft auch extrem voll ("Air Traffic Jam").
Stall / Mölltal: Kleineres, ruhigeres Gebiet, wenn man dem Trubel entfliehen will.
Fazit: Die Lienz-Strategie
Das Zettersfeld ist eine Diva. Behandle sie mit Respekt, und sie schenkt dir Flüge, von denen du deinen Enkeln erzählen wirst. Ignoriere ihre Launen (Talwind, Föhn), und sie bestraft dich sofort.
Die Goldene Regel für Lienz: Nutze den Vormittag. Sei um 10:00 Uhr an der Bahn, um 11:00 Uhr in der Luft. Mach deine Strecke oder genieße die Thermik. Und wenn um 14:00 Uhr der "Bayerische" im Tal aufdreht, sitze bereits beim Landebier am Camping Falken oder soare entspannt am Steinermandl in 2.500 Metern Höhe dem Sonnenuntergang entgegen – wohl wissend, dass du erst landest, wenn der Talwind eingeschlafen ist.
Fliegen in Lienz heißt, Meteorologie live zu erleben. Es ist das perfekte Klassenzimmer für Piloten, die den nächsten Schritt vom "Abgleiter" zum "Atmosphären-Leser" machen wollen. Guten Flug!