
1 Startplatz, 2 Landeplatzätze
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Fluggebiet Martele: Der Ultimative Piloten-Guide für das Mölltal
In der weiten und vielfältigen Landschaft des europäischen Gleitschirmfliegens existieren Orte, die wie Magneten auf die Massen wirken. Namen wie Greifenburg, Kössen oder Bassano del Grappa rufen sofort Bilder von "Gleitschirm-Wolken" hervor, von hektischem Treiben am Startplatz und dem fast schon unvermeidlichen Kampf um den besten Platz im Aufwindband. Diese Orte haben ihre Berechtigung; sie bieten Infrastruktur, Sicherheit durch die Menge und bewährte "Rennstrecken". Doch abseits dieser pulsierenden Arterien des Flugsports gibt es noch eine andere Welt. Es ist eine Welt der Stille, der rauen, unverfälschten Natur und der fliegerischen Intimität.
Einer dieser seltenen Orte ist das Fluggebiet Martele (oft auch Marterle geschrieben), hoch über der Gemeinde Rangersdorf im Kärntner Mölltal gelegen. Während im benachbarten Drautal an der Emberger Alm an guten Tagen hunderte Schirme den Himmel bunt färben, findet man am Martele oft jene Einsamkeit, die den Ursprung des Fliegens ausmacht. Es ist kein Gebiet für den reinen Konsumenten, der den Komfort einer Bergbahn und eines planierten Startplatzes mit Teppichboden erwartet. Das Martele ist ein Ort für den "Soul-Flyer", für den Piloten, der bereit ist, sich mit der Topografie, der Meteorologie und den Eigenheiten eines hochalpinen Startplatzes auf 1.838 Metern Seehöhe intensiv auseinanderzusetzen.
Dieser Bericht ist weit mehr als eine bloße Ansammlung von Koordinaten und Startrichtungen. Er ist als umfassendes Kompendium konzipiert, das den Anspruch erhebt, tiefer zu gehen als jeder Standard-Datenbankeintrag. Wir werden die aerologischen Feinheiten des Mölltals sezieren, die thermischen Trigger-Punkte rund um die berühmte Wallfahrtskirche analysieren und die potenziellen Gefahrenzonen beleuchten, die in keinem offiziellen Führer stehen. Basierend auf detaillierten Flugberichten, Unfallanalysen und topografischen Studien bietet dieser Guide das Rüstzeug für sichere und unvergessliche Flüge in einer der schönsten Regionen der Alpen.
Das Martele ist nicht einfach nur eine Wiese am Berg. Es ist ein strategischer Schlüsselpunkt auf der Alpensüdseite, der – wenn man ihn zu lesen versteht – das Tor zu gewaltigen Streckenflügen in Richtung Großglockner oder über die Kreuzeckgruppe hinweg öffnet. Doch dieser Schlüssel muss verdient werden. Die Anreise erfordert Geduld, der Startplatz Respekt und die Landung im talwinddurchströmten Mölltal volle Konzentration. Wer diese Hürden nimmt, wird mit einem Panorama belohnt, das von den sanften Nockbergen bis zu den vergletscherten Spitzen der Hohen Tauern reicht, und mit Thermikbärten, die einen sanft, aber bestimmt, an die Basis auf über 3.000 Meter heben können.
Um das Fluggebiet Martele fliegerisch zu beherrschen, ist ein fundiertes Verständnis der geografischen Gegebenheiten unerlässlich. Das Gelände ist nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil eines komplexen Talsystems, das eigene Gesetze diktiert.
Das Mölltal ist eines der markantesten Längstäler Kärntens. Es erstreckt sich grob von Nordwesten nach Südosten und wird von zwei mächtigen Gebirgsgruppen flankiert: Im Norden erheben sich die Hohen Tauern mit der Goldberggruppe und der Ankogelgruppe, im Süden bildet die Kreuzeckgruppe die Barriere zum Drautal. Diese geografische Ausrichtung hat weitreichende Konsequenzen für das Mikroklima und die Windsysteme.
Der Startplatz Martele befindet sich auf der Nordseite des Tals, an den südlichen Ausläufern der Schober- und Goldberggruppe. Dies ist für Thermikflieger die entscheidende Information: Der Hang ist nach Süden bis Südosten (O-SO) exponiert. In der Fliegersprache ist dies die "Sonnenseite". Während die gegenüberliegenden Hänge der Kreuzeckgruppe am Vormittag noch im Schatten liegen oder nur flach angestrahlt werden, trifft die Sonne hier schon früh im rechten Winkel auf das Gelände.
Die Höhendifferenz ist beachtlich. Der Startplatz liegt auf 1.838 Metern, der offizielle Landeplatz in Lainach auf etwa 836 Metern. Dies ergibt einen Höhenunterschied von rund 1.010 Metern. Dieser "Arbeitshöhe" ist mehr als ausreichend, um thermischen Anschluss zu finden oder – sollte die Thermik ausbleiben – genügend Zeit für Flugmanövertrainings zu haben, bevor man sich auf die Landeeinteilung konzentriert.
Das Gelände um das Marterle wird in Datenbanken oft lapidar als "kuppiert" beschrieben. Dieser Begriff verdient eine detaillierte Aufschlüsselung, da er für die Startphase kritisch ist. "Kuppiert" bedeutet, dass wir es nicht mit einer gleichmäßig geneigten Wiese wie auf der Emberger Alm zu tun haben. Stattdessen ist das Gelände wellig, durchzogen von Mulden, kleinen Hügeln und Geländekanten.
Die Wallfahrtskirche als Landmarke: Die Kirche "Marterle" ist nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein topografisches Highlight. Sie liegt exponiert auf einem Sattel bzw. einer Geländerippe. Diese Position macht sie weithin sichtbar, bedeutet aber auch, dass sie den Winden stärker ausgesetzt ist. Um die Kirche herum fällt das Gelände in verschiedene Richtungen ab, was bei wechselnden Windrichtungen zu komplexen Umströmungseffekten führen kann – ein Punkt, den wir im Kapitel zur Sicherheit noch intensiv behandeln werden.
Der Waldgürtel: Unterhalb der Almwiesen, auf denen gestartet wird, beginnt der dichte Nadelwald, der typisch für diese Höhenlage in den Zentralalpen ist. Dieser Waldgürtel ist thermisch hochinteressant. Der dunkle Wald speichert Wärme anders als die hellen Almwiesen. An der Grenzlinie zwischen Wiese und Wald, oft "Abrisskante" genannt, lösen sich häufig die besten Bärte ab.
Zellinkopf und Leitenkopf: Östlich des Startplatzes dominiert der Zellinkopf das Relief, weiter im Hintergrund der Leitenkopf (2.449m). Diese Gipfel und die zu ihnen führenden Grate sind die natürlichen Leitlinien für den Aufstieg. Sie bilden Barrieren für den Wind und Kollektoren für die Thermik.
Das Verständnis des Wetters ist im Hochgebirge der Schlüssel zum Überleben und zum Genuss. Das Martele unterliegt spezifischen meteorologischen Gesetzen, die sich aus seiner Lage ergeben.
Wie in jedem großen Alpental herrscht auch im Mölltal ein ausgeprägtes Talwindsystem. Dies ist der vielleicht wichtigste Faktor für die Flugplanung am Martele.
Der Mechanismus: An thermisch aktiven Tagen heizen sich die großen Felsmassive der Hohen Tauern und der angrenzenden Regionen stark auf. Die Luft steigt auf (anabatische Winde) und saugt Luft aus den Vorländern nach. Im Mölltal strömt diese Luftmasse vom Becken bei Lienz und Spittal das Tal hinauf (Talaufwind).
Die Windrichtung: Der Talwind weht im Bereich Rangersdorf/Lainach primär aus Südosten bis Osten. Dies ist tückisch, da der überregionale Wind oft aus Westen kommt.
Die Intensität: Aufgrund von Talverengungen kann der Talwind im Mölltal am Nachmittag beträchtliche Stärken erreichen (20-30 km/h sind keine Seltenheit). Für den Startplatz am Martele (1.838m) ist der Talwind meist kein direkter Störfaktor beim Start, da er in den tieferen Schichten fließt. Er wird jedoch zum dominanten Faktor bei der Landung und beim Streckenflug.
Die Scherungsschicht: Eine besondere Gefahr lauert in der Interaktionszone. Wenn in der Höhe (ab 2.000m) ein leichter Westwind (meteo) herrscht und im Tal ein kräftiger Ostwind (Talwind) weht, bildet sich dazwischen eine turbulente Scherungsschicht. Piloten berichten oft, dass sie beim Abstieg zur Landung plötzlich "durchgeschüttelt" werden, wenn sie diese unsichtbare Grenze passieren. Ein aufmerksamer Blick auf die Windsäcke am Landeplatz (Ostwind) und die Wolkenzugbahn am Gipfel (Westwind) ist daher Pflicht.
Die O-SO-Ausrichtung des Startplatzes macht das Martele zu einem klassischen Vormittagsgebiet.
Der Heizbeginn: Sobald die Sonne über die Bergkämme im Osten steigt, wird der Hang am Martele direkt bestrahlt. Oft ist das Gebiet schon ab 10:00 oder 10:30 Uhr thermisch aktiv, deutlich früher als reine Südhänge oder gar Westseiten.
Die Qualität der Thermik: Die Thermik wird oft als "ehrlich" und kräftig beschrieben. Unterstützt durch den Trigger-Effekt der Gebäude (Kirche, Gasthof, Parkplatz) und den Kontrast zwischen Wald und Wiese, entstehen hier zuverlässige Aufwindschläuche.
Die Inversion: Im Winter und Frühjahr bildet sich im Mölltal oft eine zähe Inversion (Kaltluftsee im Tal). Da das Martele mit über 1.800 Metern sehr hoch liegt, befindet man sich oft oberhalb dieser Inversion in der wärmeren, sonnigen Luftmasse. Dies ermöglicht traumhafte Flüge über dem "Nebelmeer", während im Tal noch Frost herrscht. Der Flug durch die Inversionsschicht zur Landung kann dann jedoch kurzzeitig turbulent sein.
Das Mölltal liegt auf der Alpensüdseite. Damit ist es anfällig für Nordföhn. Wenn nördlich des Alpenhauptkamms ein Hochdruckgebiet liegt und südlich ein Tief, strömt die Luft über die Tauernkämme und fällt ins Mölltal hinab.
Warnzeichen: Die typischen Föhnmauer-Wolken auf dem Tauernhauptkamm sind vom Martele aus oft gut sichtbar (Blick nach Norden).
Gefahr: Auch wenn der Startplatz geschützt wirken mag, kann der Föhn in der Höhe extrem turbulent sein. Ein "Durchgreifen" des Föhns bis zum Boden ist im engen Mölltal oft brutal. Die Faustregel der Einheimischen lautet: "Siehst du die Föhnwalze am Sonnblick, bleib am Boden."
Der Startplatz am Martele ist kein englischer Rasen. Er ist alpin, natürlich und erfordert eine saubere Starttechnik.
Untergrund: Wiese, durchsetzt mit alpinen Kräutern und vereinzelt Steinen. Eine dicke Auslegeplane ist nicht vorhanden, daher sollte man beim Auslegen der Leinen penibel darauf achten, dass sich nichts in den Kräutern verhakt.
Neigung: Der Hang beginnt moderat und wird dann steiler. Dies ist ideal für einen kontrollierten Aufziehvorgang. Man hat Zeit, den Schirm zu korrigieren, bevor man in den steileren Beschleunigungsbereich kommt.
Platzangebot: Es gibt genug Platz für mehrere Schirme, um gleichzeitig ausgelegt zu werden. Dennoch ist gegenseitige Rücksichtnahme gefragt, da das Gelände "kuppiert" ist und nicht jeder Quadratmeter gleich gut zum Starten geeignet ist.
Aufgrund der O-SO-Ausrichtung und der thermischen Aktivität herrscht am Startplatz meist ein leichter Anströmwind.
Rückwärtsstart: Dies ist die absolut empfohlene Startmethode am Martele. Sie erlaubt den visuellen Check der Kappe und der Leinen vor dem eigentlichen Abheben. Da der Wind am Vormittag oft thermisch durchsetzt ist (Ablösungen), kann man so den idealen Moment abpassen ("Ziehen, wenn der Wind anzieht").
Vorwärtsstart: Nur bei absoluter Windstille oder sehr schwachem Wind zu empfehlen. Aufgrund der Unebenheiten im Boden (Kuppen) ist ein langer Startlauf im Vorwärtsgang stolperanfällig.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn der Wind nicht sauber von vorne (Südost) kommt.
Westwind: Wenn der überregionale Wind stark aus West bläst, liegt der Startplatz Martele im Lee des westlich gelegenen Bergrückens. Dies ist eine absolute "No-Go"-Situation. Auch wenn es am Startplatz windstill erscheint oder ein leichter "Rotor-Aufwind" den Hang hinaufweht, lauert in der Luftmasse darüber massive Turbulenz.
Nordwind: Ähnlich verhält es sich bei Nordwind, der über den Grat fällt. Die Wallfahrtskirche kann hier als Indikator dienen: Beobachten Sie Fahnen oder Rauch in der Umgebung der Kirche genau.
Das Martele ist der Startpunkt für einige der schönsten Streckenflüge Kärntens. Es bietet eine ruhigere Alternative zu den "Rennstrecken" des Drautals, mit nicht minder beeindruckendem Potenzial.
Nach dem Start ist das erste Ziel der Höhengewinn. Meist bietet sich der Bereich direkt östlich des Starts, in Richtung Zellinkopf, an. Hier zieht die Thermik oft zuverlässig hoch.
Taktik: Fliegen Sie nah an das Relief, aber halten Sie immer genug Abstand für einen Kreisflug. Suchen Sie die Abrisskanten, wo Wald in Fels oder Wiese übergeht.
Geduld: Am Vormittag sind die Bärte oft noch eng und zerrissen. Geduld ist gefragt. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn es beim ersten Versuch nicht klappt. Das Landefeld ist groß genug für einen zweiten Versuch (bei Toplandung) oder einen sicheren Abgleiter.
Eine der beliebtesten Routen führt vom Martele das Tal hinauf in Richtung Heiligenblut/Großglockner.
Wegpunkte: Martele -> Zellinkopf -> Flattach -> Mallnitz.
Charakter: Man fliegt entlang der sonnenbeschienenen Nordhänge. Die Basis liegt hier oft extrem hoch. Ein Pilot berichtet von einer Wolkenbasis bei 3.300 Metern. In dieser Höhe fliegt man oft über den Gipfeln und genießt einen atemberaubenden Blick auf die Gletscherwelt.
Schlüsselstellen: Die Querung der Seitentäler (z.B. bei Flattach) ist die Herausforderung. Hier muss man oft weit nach hinten an den Hang fliegen ("Talschluss"), um nicht zu viel Höhe zu verlieren, oder man wagt den Sprung mit viel Höhe.
Für ambitionierte Piloten dient das Martele als Einstieg in ein FAI-Dreieck.
Die Route: Martele -> Querung über die Kreuzeckgruppe ins Drautal (Emberger Alm) -> Lienz -> zurück ins Mölltal.
Schwierigkeit: Die Querung der Kreuzeckgruppe ist anspruchsvoll, da man vom Mölltaler Windsystem in das Drautaler System wechselt. Oft ist die Kreuzeckgruppe die Wetterscheide. Man sollte hier nur mit maximaler Höhe queren.
Ein Unfallbericht aus dem Jahr 2007 mahnt eindringlich zur Vorsicht: Ein Pilot stürzte ab, nachdem er in "Turbulenzen im Bereich der Wallfahrtskirche Marterle" geraten war und sein Schirm kollabierte.
Analyse: Die Kirche steht auf einem Sattel. Wenn der Wind nicht exakt ansteht, bilden sich hier Rotoren. Fliegen Sie niemals zu tief und zu nah hinter oder seitlich der Kirche, wenn Sie die Windrichtung nicht 100% sicher eingeschätzt haben. Halten Sie Sicherheitsabstand zum Gelände, besonders in Bodennähe.
Der Flug endet – wenn man nicht auf Strecke geht – im Talboden bei Rangersdorf/Lainach.
Es gibt zwei primäre Landeoptionen :
Landeplatz 1 (Lainach): Koordinaten N 46°51'27.80" E 12°56'42.10", Höhe 836m. Dies ist eine große Wiese direkt neben der Straße.
Landeplatz 2: Koordinaten N 46°52'15.50" E 12°58'50.20", Höhe 828m, etwas weiter östlich gelegen.
Die größte Herausforderung bei der Landung ist der Talwind.
Windrichtung: Erwarten Sie Ostwind bis Südostwind.
Lande-Einteilung: Eine Landung muss zwingend gegen den Wind erfolgen. Da der Talwind stark sein kann, ist ein weiter Hinausfliegen in den Talmitte oft nicht ratsam (Gefahr des Abbtreibens).
Die Positionslinie: Bauen Sie Ihre Höhe seitlich versetzt zum Landeplatz ab (Position).
Endanflug: Drehen Sie früh genug in den Endanflug. Vermeiden Sie es, "zu kurz" zu kommen. Es ist besser, in der Mitte der riesigen Wiese zu landen und 50 Meter zu laufen, als am Ende über einem Zaun oder der Straße hängen zu bleiben.
Gradient: Beachten Sie, dass der Wind am Boden durch Reibung schwächer sein kann als in 50m Höhe (Windgradient). Lassen Sie den Schirm im Endanflug "laufen" (Hände hoch, volle Fahrt), um Durchsacken zu vermeiden, und bremsen Sie erst kurz vor dem Aufsetzen progressiv durch.
Das Martele ist kein Flugzentrum mit "Vollkasko-Service". Es erfordert Eigeninitiative.
Es gibt keine Bergbahn. Die Auffahrt erfolgt mit dem privaten PKW oder einem organisierten Shuttle (falls verfügbar).
Die Straße: Von Rangersdorf führt eine Bergstraße hinauf zum Marterle. Diese ist in der Regel mautpflichtig. Ein Münzautomat oder eine Schranke ist zu erwarten – nehmen Sie unbedingt Kleingeld (Münzen) mit. Die Straße ist asphaltiert, aber typisch alpin: schmal, kurvig und teilweise steil.
Winter: Im Winter oder bei Schneelage kann die Straße unpassierbar sein. Informieren Sie sich vorab.
Für Piloten empfiehlt sich das Hotel Margarethenbad in Lainach als strategisches Basecamp.
Der Piloten-Vorteil: Das Hotel liegt im Talboden, unweit der Landeplätze.
Die Webcam: Das Hotel betreibt eine eigene Webcam, die nach Nordosten blickt. Dies ist ein unschätzbares Tool. Ein Blick auf die Webcam am Morgen verrät:
Hängt Nebel im Tal?
Wie ist die Bewölkung über den Bergen (Raggaköpfe, Leitenkopf)?
Liegt Schnee am Landeplatz?
Bewegen sich die Bäume (Windindikator)?
Direkt beim Startplatz (bzw. bei der Kirche) gibt es oft einen Almgasthof. Nach einem "Parawaiting" oder vor dem Start ist dies der ideale Ort für eine Stärkung. Unten im Tal in Rangersdorf und Lainach gibt es weitere Gasthöfe und Einkaufsmöglichkeiten.
Sicherheit beginnt im Kopf. Das Martele verzeiht weniger Fehler als ein geschulter Übungshang.
Notrufnummern: Speichern Sie die alpinen Notrufnummern: 140 (Bergrettung Österreich) und 112 (Euro-Notruf).
Lagebestimmung: Wissen Sie immer, wo Sie sind. "Am Martele" ist präzise, aber bei einem Außenlande-Unfall im XC-Flug benötigen die Retter Koordinaten.
Stromleitungen: Achten Sie bei der Landung und beim Tiefflug im Tal auf Stromleitungen und Seilbahnkabel (Materialseilbahnen zu den Höfen), die oft schwer sichtbar sind.
Um den Charakter des Marteles wirklich zu verstehen, hilft der Vergleich mit dem großen Nachbarn.
Merkmal Martele (Rangersdorf) Greifenburg (Emberger Alm) Frequentierung Gering ("Geheimtipp") Extrem Hoch (Massenstartplatz) Erreichbarkeit PKW / Mautstraße Shuttle-Busse, Top-Infrastruktur Startrichtung O-SO (Vormittag!) S-SO Stressfaktor Niedrig (Entspanntes Auslegen) Hoch (Startleiter, Drängeln) Flugcharakter Alpin, Naturerlebnis, "Soul" Wettkampf, Leistung, Party Saison Frühjahr bis Herbst Ganzjährig (stark im Sommer) Export to Sheets
Daten und Pilotenberichte legen nahe, dass die Verkehrsdichte am Martele nur einen Bruchteil dessen beträgt, was an der Emberger Alm herrscht. Wer Ruhe sucht, ist hier richtig. Wer Shuttle-Service und Fliegerbar am Landeplatz braucht, fährt besser nach Greifenburg.
Hike & Fly: Parken Sie das Auto am Landeplatz in Lainach und wandern Sie hinauf. Es sind gut 1.000 Höhenmeter, aber der Weg durch die Wälder ist meditativ. Das Ankommen an der Wallfahrtskirche hat eine besondere Qualität.
Der "Mittags-Gap": Nutzen Sie das Zeitfenster zwischen 11:00 und 13:00 Uhr. Während an den reinen Südhängen die Thermik erst anzieht, steht sie am Martele (O-SO) schon voll an. Sie können schon hoch über dem Grat sein, wenn die anderen erst starten.
Kultur-Bonus: Besuchen Sie die Wallfahrtskirche vor dem Start. Sie ist die höchstgelegene Wallfahrtskirche Kärntens. Ein kurzer Moment der Ruhe dort oben erdet ungemein vor dem Abheben.
Das Fluggebiet Martele in Rangersdorf ist ein Juwel für den selbstständigen Piloten. Es bietet keine "Rundum-Sorglos"-Infrastruktur, und genau das ist seine Stärke. Es filtert die Massen heraus und belohnt jene, die sich die Mühe der Anreise und der Auseinandersetzung mit dem Gelände machen.
Mit einer Höhendifferenz von über 1.000 Metern, einer thermisch begünstigten Ausrichtung und dem Anschluss an die großen Rennstrecken der Tauern bietet es alles, was das Fliegerherz begehrt. Doch es fordert auch Respekt: vor dem Talwind, vor der hochalpinen Aerologie und vor den Tücken des Geländes.
Wer diesen Respekt mitbringt, wird am Martele Flüge erleben, die lange im Gedächtnis bleiben – nicht wegen der Kilometerzahl, sondern wegen der Intensität des Erlebens in einer der ursprünglichsten Ecken der Alpen.