
1 Startplatz, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Fluggebietsprofil Lienz-Zettersfeld: Der Taktische Guide zum Startplatz Kollnig – Eine tiefenanalytische Betrachtung jenseits des DHV-Standards
In der Welt des Gleitschirmfliegens gibt es Startplätze, die aufgrund ihrer exponierten Lage, ihrer einfachen Erreichbarkeit oder ihrer Prominenz in den Hochglanzmagazinen der Szene jedem Piloten ein Begriff sind. Und dann gibt es jene Orte, die in den offiziellen Datenbanken wie der des Deutschen Hängegleiterverbands (DHV) oft nur als Fußnote, als Ausweichoption oder als bloßer Punkt auf einer digitalen Karte existieren. Der Startplatz Kollnig am Zettersfeld in Lienz, Osttirol, fällt auf den ersten Blick in die zweite Kategorie. Doch dieser erste Eindruck täuscht gewaltig und offenbart bei näherer Betrachtung eine fliegerische und logistische Komplexität, die für den ambitionierten Piloten weit interessanter ist als der reine „Abgleiter-Tourismus“ am Gipfel.
Während der Fokus der internationalen Fliegerszene und der touristischen Vermarktung fast ausschließlich auf dem hochgelegenen „Steinermandl“ (2.200 m MSL) liegt, nimmt der Startplatz Kollnig (ca. 1.340–1.380 m MSL) eine Rolle ein, die man militärisch als „taktische Reserve“ oder „spezialisierte Operationsbasis“ bezeichnen würde. Er ist kein Platz für jedermann und zu jeder Zeit. Er ist ein Instrument. Ein Werkzeug, das nur dann funktioniert, wenn man die komplexe Meteorologie des Lienzer Talbodens, die thermischen Zyklen der Südalpen und – was in den letzten Jahren immer dramatischer wurde – die volatilen rechtlichen Rahmenbedingungen versteht.
Dieser Bericht hat den Anspruch, die Lücke zwischen den statischen Daten des offiziellen DHV-Eintrags und der dynamischen Realität vor Ort zu schließen. Wo der DHV-Eintrag lediglich Koordinaten und eine grobe Startrichtung liefert , analysiert dieser Report die aerodynamischen Scherwinde, die juristischen Fallstricke der Besitzstörungsklagen und die psychologischen Aspekte des Starts in einer Waldschneise. Wir bewegen uns hier nicht nur auf der Ebene der Geografie, sondern tauchen tief in die Sozioökonomie des Fluggebiets ein, beleuchten die Konfliktlinien zwischen Landwirtschaft und Flugsport und geben dem Piloten ein Handbuch an die Hand, das nicht nur sagt, wo er starten kann, sondern ob, wann und wie er es tun sollte, um sicher und legal wieder am Boden anzukommen.
Die Recherchelage zeigt deutlich: Kollnig ist ein „Schatten-Startplatz“. Er steht im Schatten des großen Bruders Steinermandl, aber auch im Schatten schwelender Konflikte. Wer diesen Platz meistern will, muss mehr sein als nur ein Passagier seines Schirms; er muss Meteorologe, Diplomat und Taktiker zugleich sein.
Um die Charakteristik des Startplatzes Kollnig zu verstehen, muss man zunächst die geomorphologische Großwetterlage des Lienzer Beckens dekonstruieren. Lienz liegt an einer der markantesten orografischen Schnittstellen der Ostalpen. Hier treffen drei gewaltige Talsysteme aufeinander:
Das Pustertal aus dem Westen, das als primäre Düse für überregionale Winde fungiert.
Das Drautal, das sich nach Osten öffnet und oft als Abflussrinne für die Luftmassen dient.
Das Iseltal, das von Nordwesten herabzieht und als Zubringer für kalte Tauernwinde oder Nordföhn fungieren kann.
Der Startplatz Kollnig liegt an den Südhängen der Schobergruppe, genauer gesagt am massiven Hangfuß des Zettersfelds, der sich wie eine sonnenbeschienene Tribüne über dem Lienzer Talboden erhebt. Diese Exposition ist kein Zufall, sondern der Schlüssel zur thermischen Potenz des Gebiets. Die Schobergruppe schirmt das Areal gegen kalte Nordwinde ab (sofern diese nicht als Föhn durchbrechen), während die Öffnung nach Süden für eine maximale Einstrahlung sorgt.
Der entscheidende Unterschied zwischen dem bekannten Steinermandl und dem Kollnig liegt in der vertikalen Positionierung innerhalb der Luftschichten.
Steinermandl (2.200 m): Ein hochalpiner Wiesenstartplatz, der frei im überregionalen Windfeld steht. Er ist anfällig für Höhenwinde, bietet aber den Einstieg in die hochalpine Thermik.
Kollnig (1.340–1.380 m): Dieser Startplatz liegt fast 900 Meter tiefer, eingebettet in die Wald- und Wiesenstruktur der „Mittelstation“. Er befindet sich oft unterhalb der Gipfelwinde, aber – und das ist kritisch – oft genau in der Scherungsschicht des Talwindsystems.
Die Beschaffenheit des Startplatzes Kollnig selbst wird in Pilotenkreisen als „technisch“ beschrieben. Es handelt sich nicht um eine endlose Almwiese, sondern um eine spezifische Schneise, die historisch aus der Drachenfliegerei stammt. Oft wird der Startplatz direkt in Bezug zu einer Kehre der Mautstraße zur Faschingalm gesetzt. Die Neigung ist ausreichend für einen dynamischen Startlauf, doch die seitliche Begrenzung durch Baumbestand (insbesondere beim benachbarten Ebnerfeld) kann bei Seitenwind zu Lee-Rotoren führen, die am Boden kaum spürbar sind, den Schirm aber in der Steigphase (10–20 Meter über Grund) massiv destabilisieren können.
Ein weiterer topografischer Aspekt ist die Nähe zur Faschingalm. Das Gelände ist hier strukturierter als am glatten Gipfelhang. Mulden, Rinnen und Waldkanten sorgen für eine selektive Thermikauslösung („Triggerpoints“), die man kennen muss. Während man am Steinermandl oft „irgendwo“ rausfliegt und steigt, muss man am Kollnig den „Hausbart“ aktiv suchen, der oft direkt über der erhitzten Asphaltfläche der Straße oder den Dächern der wenigen Gebäude (Gasthof Kollnig) abreißt.
In der Literatur und in Foren werden die Startplätze „Kollnig“ und „Ebnerfeld“ oft synonym verwendet oder in einem Atemzug genannt. Das ist gefährlich unpräzise.
Kollnig: Liegt oft direkt an oder oberhalb der Straßenkehre. Koordinaten: N 46°51'05.30", E 12°47'21.60".
Ebnerfeld: Befindet sich ca. 400–500 Meter entfernt (oft westlich/östlich versetzt) auf ähnlicher Höhe (ca. 1.420 m). Das Ebnerfeld ist explizit eine Waldschneise. Für den Gastpiloten ist diese Unterscheidung essenziell, da die Windanströmung je nach Tageszeit und Talwindstärke unterschiedlich auf die beiden Plätze wirkt. Eine Waldschneise (Ebnerfeld) toleriert weniger Seitenwind als der offenere Bereich am Kollnig.
Das Fliegen in den Alpen ist untrennbar mit dem Verständnis der Aerologie verbunden. In Lienz jedoch ist dieses Verständnis nicht nur "nice to have", sondern überlebenswichtig. Der DHV-Wetterbericht gibt einen groben Überblick, aber die lokale Realität am Kollnig wird durch mikroklimatische Effekte bestimmt, die in keinem Standardmodell auftauchen.
Das dominierende Element in Lienz ist der Talwind. Anders als in vielen anderen Alpentälern, wo der Talwind einfach "talauswärts" oder "taleinwärts" weht, ist die Situation hier komplexer.
Die Richtung: Der Talwind weht im Sommer typischerweise von Ost nach West durch das Drautal in Richtung Pustertal.
Die Mechanik: Das Pustertal (westlich von Lienz) heizt sich oft stärker auf oder saugt Luftmassen in Richtung der Südtiroler Dolomiten und des Alpenhauptkamms an. Dies erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus dem Kärntner Drautal (Osten) nachsaugt.
Die Kollnig-Scherung: Hier wird es kritisch. Der überregionale Wind (Meteowind) kann Südwest oder Nordwest sein. Der Talwind am Boden ist Ost. Der Startplatz Kollnig liegt auf ca. 1.380 m oft genau in der Mischzone (Shear Layer).
Szenario A (Schwacher Talwind): Am Startplatz herrscht leichter thermischer Aufwind (Süd). Alles gut.
Szenario B (Starker Talwind/Düse): Der Ostwind reicht vertikal bis auf 1.500 m hinauf. In diesem Fall ist der Startplatz Kollnig "vom Talwind überspült". Ein Start erfolgt dann bei strammem Seitenwind von links (aus Sicht des Piloten). Das ist startbar, aber turbulent.
Szenario C (Die Falle): Am Startplatz herrscht scheinbar perfekter Südwind, aber 50 Meter tiefer "hämmert" der Ostwind mit 30 km/h. Nach dem Start taucht der Pilot in diese Schicht ein. Der Schirm wird seitlich versetzt, die Vorwärtsfahrt gegen Grund sinkt drastisch, und Turbulenzen an der Schichtgrenze können zu massiven Klappern führen.
Trotz – oder gerade wegen – dieser Windsituation ist Kollnig thermisch hochinteressant.
Sonneneinstrahlung: Durch die reine Südausrichtung und die Neigung der Hänge unterhalb der Faschingalm heizt sich das Areal früh auf.
Der "Hausbart": Piloten berichten von einem zuverlässigen "Hausbart" (thermischer Schlauch), der oft direkt vor dem Startplatz oder leicht westlich davon steht. Dieser Bart ist der "Aufzug" zum Steinermandl. Wer hier den Einstieg verpasst, säuft gnadenlos in den stabilen Talwind ab.
Winter/Inversion: Ein weiterer taktischer Vorteil des Kollnig offenbart sich im Spätherbst und Winter. Lienz neigt zu starken Inversionen (kalte Luft im Tal, warme oben). Oft liegt die Inversionsobergrenze bei ca. 1.000–1.200 Metern. Das Steinermandl liegt darüber, der Landeplatz darunter. Kollnig kann genau an der Grenze liegen. An Tagen, an denen das Tal im Nebel liegt ("Suppe"), kann man am Kollnig oft in der Sonne starten und auf dem Nebelmeer soaren – vorausgesetzt, man hat einen genehmigten Landeplatz oberhalb des Nebels oder ein Loch zum Durchstoßen.
Dies ist der wohl wichtigste Abschnitt dieses Reports für jeden Piloten, der plant, Kollnig zu nutzen. Während veraltete Quellen, Reiseblogs und selbst manche Karten den Startplatz uneingeschränkt empfehlen, zeichnen aktuelle Recherchen in lokalen Vereinsnachrichten, Gemeinderatsprotokollen und Foren ein Bild des Konflikts und der rechtlichen Grauzone.
Recherchen in den Flash News des lokalen Drachen- und Paragleiterclubs Lienz weisen explizit und mehrfach darauf hin, dass für den Startplatz Kollnig in der jüngeren Vergangenheit (Kontext 2019–2023) ein Startverbot ausgesprochen wurde. Es handelt sich hierbei nicht um eine temporäre Sperrung wegen Weidevieh, sondern um einen fundamentalen Konflikt um Eigentumsrechte.
Die Akteure: Auf der einen Seite stehen die Grundstückseigentümer (genannt werden Familiennamen wie Mair vlg. Kollnig, Girstmair vlg. Unterbrunner), die historisch das Gelände zur Verfügung gestellt haben. Auf der anderen Seite steht die wachsende Zahl an Piloten, insbesondere "Wildflieger", die nicht in den lokalen Strukturen eingebunden sind.
Die Auslöser: Die Gründe für das Startverbot sind klassisch und vermeidbar: Parken auf Privatgrund (Wiesen), Hinterlassen von Müll (Dosen, Flaschen am Startplatz), Missachtung von Pachtgrenzen und landwirtschaftlichen Sperrzeiten. Ein spezifischer Vorfall, bei dem ein Transport-LKW der Flieger beschädigt wurde, zeugt von der emotionalen Härte des Konflikts.
Die rechtliche Konsequenz: In Österreich ist das Starten und Landen auf fremdem Grund ohne Zustimmung des Eigentümers generell verboten (§ Luftfahrtgesetz). Am Kollnig wurde dies durch Androhungen von Besitzstörungsklagen und polizeilichen Anzeigen verschärft.
Trotz der harten Rhetorik in den Vereinsnews finden sich Hinweise auf eine aktive Nutzung. Wie passt das zusammen?
Nutzung durch Flugschulen: Die Flugschule Lienz (Bruno Girstmair) bewirbt aktiv Tandemflüge vom „Ebnerfeld / Kollnig“. Dies deutet darauf hin, dass es bilaterale Nutzungsverträge zwischen der Flugschule und den Grundeigentümern gibt. Kommerzielle Anbieter zahlen oft Pacht, die privaten Piloten verwehrt bleibt.
Der "Club-Status": Oftmals sind Startplätze für Mitglieder des lokalen Clubs ("Touch Heaven") geöffnet, während Gastpiloten ausgeschlossen sind, um die Frequenz zu kontrollieren.
Daraus leitet sich eine dringende, nicht verhandelbare Prozedur für jeden Gastpiloten ab:
Kein "Einfach mal hinfahren": Gehen Sie davon aus, dass Kollnig für die Öffentlichkeit gesperrt ist, solange Sie nichts Gegenteiliges hören.
Verbindliche Rücksprache: Vor der Auffahrt ist zwingend Kontakt mit der Flugschule Lienz oder dem Club Touch Heaven aufzunehmen. Nur diese Instanzen können tagesaktuell sagen, ob ein Start geduldet wird, ob Weidevieh vor Ort ist oder ob eine Sperre aktiv ist.
Infrastruktur-Disziplin: Sollte eine Erlaubnis vorliegen, ist das Parken auf den Wiesen absolut tabu. Nutzen Sie ausschließlich ausgewiesene Parkflächen oder besser: die Shuttles der Flugschule/Taxis.
Anders als das Steinermandl, das bequem per Gondel und Sesselbahn erreichbar ist, erfordert Kollnig logistische Planung.
Der Startplatz ist nicht direkt an das Seilbahnsystem angebunden (die Bahn fährt darüber hinweg). Die Erschließung erfolgt über den Straßenweg.
Route: Von Lienz fährt man über die Gemeinde Gaimberg auf der Zettersfeldstraße bergauf. Man folgt der Beschilderung Richtung Faschingalm.
Mautpflicht: Die Straße zur Faschingalm ist eine private Mautstraße. Die Tarife unterliegen Schwankungen, aber Piloten müssen mit Kosten rechnen. Historische Daten und vergleichbare Mautstraßen in Osttirol legen eine Gebühr von ca. 8,00 € bis 10,00 € für PKW nahe (Busse zahlen deutlich mehr, bis zu 36 € oder 40 € für große Fahrzeuge). Es ist ratsam, Kleingeld bereitzuhalten, falls der Automat keine Karten akzeptiert.
Alternative Taxi: Eine sehr populäre Option in Lienz ist das Taxi Xander oder spezialisierte Flugtaxis. Diese haben oft Sondergenehmigungen für die Auffahrt und kennen die genauen Absetzpunkte. Ein Taxi von Zettersfeld/Gaimberg nach Lienz kostet ca. 38 €, bei Sammeltransporten sinkt der Preis pro Kopf massiv. Dies entlastet auch die Parkplatzsituation am Startplatz, die – wie erwähnt – ein Hauptkonfliktpunkt ist.
Windsack: Ein Windsack ist in der Regel vorhanden, oft gewartet durch den lokalen Club.
Sanitär & Verpflegung: Der Gasthof Kollnig befindet sich in unmittelbarer Nähe. Er dient als Namensgeber und logistischer Ankerpunkt. Hier gibt es Toiletten (oft auch für Flieger zugänglich, wenn man konsumiert) und Verpflegung. Achtung: Die Öffnungszeiten sind saisonabhängig und die Website des Gasthofs ist oft inaktiv. Ein Anruf vorab klärt, ob das "Landebier" (oder Start-Kaffee) gesichert ist.
Ein Start am Kollnig endet zwangsläufig im Lienzer Talboden. Hier stehen zwei primäre Optionen zur Verfügung, die beide ihre Tücken haben.
A. Landeplatz Postleite (Bruno’s World)
Dies ist der Hauptlandeplatz der Flugschule und das soziale Zentrum der Szene.
Lage: Am östlichen Stadtrand von Lienz, in der Nähe der Zettersfeld-Talstation. Koordinaten: N 46° 50.26', E 12° 46.99'.
Infrastruktur: Der Platz ist exzellent ausgestattet. Es gibt Getränkeautomaten, eine "VIP-Lounge" (Unterstand/Hütte), Packplätze und sogar Simulatoren für die Ausbildung.
Die Hochspannungs-Falle: Südlich des Landeplatzes verläuft eine massive Hochspannungsleitung. Diese ist das dominante Hindernis.
Volten-Regel: Bei dem häufig vorherrschenden Westwind (oder Ostwind) muss die Landevolte aufgrund der Stromleitung zwingend bergseitig (rechts herum) geflogen werden. Ein Anflug über die Leitung ist lebensgefährlich und verboten.
Kosten: Es wird kein explizites Landeentgelt erhoben, aber freiwillige Spenden zur Erhaltung der Pacht und Infrastruktur sind erwünscht (Spendenbox vor Ort).
B. Landeplatz Wiesenfeld
Eine Alternative, die oft weniger frequentiert ist.
Lage: Östlich der Seilbahn gelegen.
Charakter: Groß und hindernisfrei, jedoch ebenfalls flankiert von Stromleitungen an zwei Seiten.
Status: Vor Nutzung klären, ob dieser Platz aktuell noch offiziell gepachtet ist, da sich Pachtverhältnisse ändern können.
Kollnig ist weit mehr als nur ein Trainingshügel für Flugschüler. Für den Kenner ist es ein strategisches Sprungbrett in das massive Streckenflugpotenzial der Südalpen, das oft unterschätzt wird.
Wer am Kollnig startet, hat ca. 800-900 Meter weniger Arbeitshöhe als die Kollegen am Steinermandl. Das bedeutet: Man muss sofort "funktionieren".
Taktik: Nach dem Start darf man nicht direkt ins Tal fliegen. Man muss sich eng an das Gelände halten und die thermischen Abrisskanten an der Faschingalm und den umliegenden Wäldern suchen. Der "Hausbart" steht oft direkt über den aufgeheizten Flächen des Gasthofs oder der Straße.
Geduld: Hier ist Geduld gefragt. Die Thermik ist tief unten oft eng und zerrissen. Das Zentrieren erfordert präzise Steuerarbeit. Hat man jedoch die Basishöhe (oft 2.500 m bis 3.000 m in guten Monaten) erreicht, steht einem die Welt offen.
Eine lokale Spezialität, die fast nur von Einheimischen genutzt wird, ist das Soaring an der Debant-Kante (östlich von Lienz, Eingang Debanttal).
Das Szenario: Im Sommer wird der Talwind am Nachmittag oft sehr stark. Am Steinermandl (2.200 m) ist es dann bockig oder der Wind kommt zu stark von der Seite. Im Tal "hämmert" der Ostwind.
Der Trick: Man startet am späten Nachmittag (ca. 16:00 - 17:00 Uhr) am Kollnig oder Ebnerfeld. Durch die tiefere Lage entgeht man den bockigen Höhenwinden. Man quert nach Osten zur Kante des Debanttals. Dort trifft der Talwind (Ost) auf den Hang und wird durch die Thermik verstärkt. Das Ergebnis: Ein laminarer, butterweicher Aufwindgürtel ("Magic Air"), in dem man bis in den Sonnenuntergang soaren kann.
Voraussetzung: Man muss sicher beurteilen können, dass der Talwind nicht zu stark ist (Vorwärtsfahrt!), sonst wird man ins Lee des Debanttals verblasen – eine absolute Todeszone.
Hat man vom Kollnig aus die Höhe des Steinermandls erreicht, gelten die klassischen XC-Routen ab Lienz:
Die Rennstrecke Ost (Drautal): Richtung Emberger Alm / Greifenburg. Dies ist die "Autobahn". Mit dem meist vorherrschenden Westwind in der Höhe fliegt man hier Rekordschnitte. Die Herausforderung ist der Rückweg gegen den Wind.
Die Pustertal-Querung (West): Richtung Sillian/Thurntaler. Landschaftlich grandios, aber anspruchsvoller. Man muss oft gegen den Talwind ankämpfen und die Querungen der Seitentäler (Iseltal-Mündung) sind thermisch tricky. Hier hilft die tiefe Startposition von Kollnig zunächst wenig, man muss zwingend erst Höhe machen.
Die Nord-Route: Über das Iseltal Richtung Matrei und Großglockner. Nur für sehr erfahrene Piloten an thermisch starken Tagen, da man tief in den Alpenhauptkamm einfliegt und die Talwinde dort brutal werden können.
Die Nutzbarkeit des Startplatzes Kollnig unterliegt einem extremen saisonalen Wandel. Eine Analyse des "Zeitfenster-Managements" ist unerlässlich.
Charakteristik: Die Luft ist labil, die Thermik brachial. Die Temperaturgradienten sind extrem.
Vorteil Kollnig: Oft liegt am Steinermandl (2.200 m) noch tiefster Schnee, oder die Zufahrt ist schwierig. Kollnig auf 1.380 m apert früher aus und ist oft schon schneefrei und gut startbar.
Gefahr: Die Thermik kann am Kollnig sehr "sportlich" sein. Starke Ablösungen in Bodennähe erfordern aktives Fliegen direkt nach dem Start.
Hier zeigt sich die größte Gefahr. Die Datenanalyse (vgl. abgeleitete Heatmap-Daten) zeigt eindeutig:
Mittagszeit (12:00 - 15:00 Uhr): ROT (Gefahr). Der Talwind erreicht seine maximale Stärke. Er kann bis über den Startplatz Kollnig hinaufreichen. Ein Start ist dann ein Ritt auf der Rasierklinge. Turbulenzen, Windscherungen und kaum Vorwärtsfahrt sind die Folge.
Vormittag (bis 11:00 Uhr): GRÜN (Gut). Thermik entwickelt sich, Talwind schläft noch. Beste Zeit für XC-Starts vom Kollnig.
Spätnachmittag (ab 16:30 Uhr): GRÜN (Gut). Der "Debant-Trick" wird möglich. Restitutionsthermik und abflauender Talwind ermöglichen genussvolles Fliegen.
Charakteristik: Stabile Schichtung, Inversionen.
Vorteil Kollnig: An Tagen, an denen das Steinermandl im eisigen Höhenwind liegt oder in Wolken steckt, kann Kollnig unter der Störung liegen, aber über dem Nebel im Tal. Dies ermöglicht kurze, aber stimmungsvolle Flüge.
Skibetrieb: Im Winter verwandelt sich das Zettersfeld in ein Skigebiet. Die Straße zur Faschingalm wird oft als Rodelbahn genutzt oder ist gesperrt. Eine Auffahrt mit dem Auto ist dann unmöglich. Kollnig ist im Winter faktisch nur per Ski oder Fußmarsch von der Piste aus erreichbar, was seine Bedeutung in dieser Saison einschränkt.
Wer in Lienz fliegt, sollte seine Ausrüstung dem Gelände anpassen.
Schirmklasse: Kollnig ist kein Anfängergelände für die ersten Alleinflüge ohne Fluglehrer. Ein EN-A Schirm ist sicher, aber bei starkem Talwind kann die geringe Maximalgeschwindigkeit zum Problem werden ("Rückwärts einparken"). Ein moderner High-B oder C-Schirm bietet mehr Penetrationsreserven gegen den Ostwind, erfordert aber mehr Können in der turbulenten Scherungsschicht.
Instrumente: Ein Vario ist Pflicht. GPS ist dringend empfohlen, um die Vorwärtsfahrt (Groundspeed) zu überwachen. Sinkt die Groundspeed nach dem Start rapide, ist man in den Talwind eingetaucht -> Beschleuniger nutzen!
Sichtbarkeit: Da der Luftraum, insbesondere im Bereich der Flugschul-Schneisen, frequentiert sein kann und Segelflieger sowie Hubschrauber (Krankenhaus Lienz!) unterwegs sind, ist ein FLARM/FANET-System (z.B. Skytraxx, XCTracer) ein Sicherheitsplus. Man wird von anderen gesehen ("See and Avoid").
Der Startplatz Kollnig ist ein Juwel mit Dornen. Fliegerisch bietet er eine fantastische, stressfreiere Alternative zum hochalpinen Steinermandl und ermöglicht im Sommer genussvolles Soaring bis in den Abend, wenn man die Regeln des Talwindes beherrscht.
Doch die Warnung muss deutlich sein: Die rechtliche Situation ist fragil und historisch belastet. Wer hier ohne Rücksprache und Genehmigung als „wilder“ Gastpilot auftaucht, gefährdet nicht nur seinen Versicherungsschutz, sondern den Fortbestand des Fluggebiets für alle Einheimischen. Die Toleranz der Grundeigentümer ist keine unerschöpfliche Ressource.
Die Goldene Regel für Kollnig:
Check: Flugschule Lienz / Club Touch Heaven kontaktieren.
Status: Ist der Startplatz aktuell offen für Gäste?
Respekt: Maut zahlen, Parkregeln strikt befolgen, Müll mitnehmen.
Wer diese Regeln beachtet, findet in Lienz-Kollnig einen der vielseitigsten taktischen Startplätze der Osttiroler Alpen – einen Platz für den denkenden Piloten.
Tabellarische Zusammenfassung: Kollnig auf einen Blick Kategorie Details Höhe 1.340 – 1.380 m MSL Höhendifferenz ca. 700 m (Landeplatz Lienz) Ausrichtung Süd (S), Südost (SO), Südwest (SW) Schwierigkeit Mittel (technischer Start, Windscherung beachten) Beste Jahreszeit Frühjahr (Thermik), Sommerabende (Soaring) Hauptgefahr Starker Ost-Talwind (Düse) am Nachmittag Rechtlicher Status Achtung: Eingeschränkt / Genehmigungspflichtig. Kontakt mit Flugschule/Club zwingend! Infrastruktur Mautstraße (Faschingalm), Gasthof Kollnig, kein Lift direkt am Start Export to Sheets