
1 Startplatz, 3 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Das Kompendium Schoberstein: Ein aerologischer und taktischer Tiefenführer für Gleitschirmflieger
Der Schoberstein (1.285 m) ist weit mehr als nur eine geographische Erhebung im oberösterreichischen Voralpenland; er fungiert als aerodynamischer Scharnierpunkt zwischen dem flachen Alpenvorland und den massiven Felswänden der Ennstaler Alpen und des Sensengebirges. Für die Gleitschirm-Community repräsentiert dieser Berg eine spezifische Philosophie des Fliegens, die sich fundamental von der konsumorientierten "Lift-and-Fly"-Mentalität unterscheidet. Als reiner "Walk & Fly"-Berg selektiert der Schoberstein sein Publikum bereits vor dem Start. Wer hier abhebt, hat sich den Höhenunterschied aus eigener Kraft erarbeitet, was zu einer grundlegend anderen Wertschätzung des Fluges und einer fokussierten Atmosphäre am Startplatz führt.
Dieser Bericht dient nicht nur als bloße Geländebeschreibung, sondern als umfassende Analyse für Piloten, die das Gelände "lesen" und verstehen wollen. Er geht über die Standardinformationen des DHV oder lokaler Vereine hinaus, indem er die mikrometeorologischen Besonderheiten des Ennstals, die komplexen Talwindsysteme und die strategischen Nuancen des Streckenflugs (XC) detailliert aufschlüsselt. Wir betrachten den Schoberstein als Fallstudie für das Fliegen am Alpennordrand – einer Zone, die durch den abrupten Übergang von Flachland zu Hochgebirge meteorologisch besonders reizvoll, aber auch anspruchsvoll ist.
Die Faszination dieses Berges liegt in seiner Dualität: Er bietet einerseits eine gutmütige Spielwiese für den geneigten "Hike & Fly"-Piloten, der einen ruhigen Abgleiter im Herbstlicht sucht. Andererseits verwandelt er sich bei labilen Wetterlagen im Frühjahr in einen thermischen "Hexenkessel", der als Startrampe für FAI-Dreiecke jenseits der 100-Kilometer-Marke dient. Diese Vielseitigkeit erfordert jedoch ein tiefes Verständnis der lokalen Gegebenheiten, insbesondere der Interaktion zwischen dem überregionalen Meteowind und den lokalen thermischen Ausgleichsströmungen, die im Enns- und Steyrtal oft gegensätzliche Vektoren annehmen können.
Um die fliegerischen Charakteristika des Schobersteins zu verstehen, ist eine detaillierte Betrachtung seiner Topographie unerlässlich. Der Berg markiert den nordöstlichen Eckpfeiler des Nationalparks Kalkalpen und steht als isolierter Vorposten vor den höheren Ketten des Sengsengebirges.
Der Gipfelaufbau des Schobersteins präsentiert sich als markante Pyramide, die jedoch asymmetrische Flanken aufweist.
Die Süd- und Südostflanken: Diese Bereiche sind für den Flugsport von primärem Interesse. Sie fallen steil, teils felsdurchsetzt, in Richtung Trattenbach und Molln ab. Durch diese Exposition fangen sie die Sonnenenergie bereits in den frühen Morgenstunden effizient ein. Dies macht den Schoberstein zu einem klassischen "Vormittagsberg", an dem die Thermik oft schon einsetzt, während westlich ausgerichtete Startplätze noch im thermischen Schlaf liegen. Die steilen Rinnen und Rippen wirken hierbei als natürliche Kollektoren, die die erwärmte Luft kanalisieren und an definierten Abrisskanten – oft direkt vor dem Startplatz – in Bartform freigeben.
Die Nordflanke: Im Gegensatz dazu fällt das Gelände nach Norden hin schroff und bewaldet Richtung Ternberg ab. Diese Seite ist thermisch oft benachteiligt und liegt bei den vorherrschenden Startwindrichtungen (S/SO) im Lee. Für den Piloten bedeutet dies, dass ein Überfliegen des Grates nach Norden ohne ausreichende Arbeitshöhe sofort in turbulente Abwindfelder führt. Ein Verständnis dieser "Lee-Falle" ist überlebenswichtig, besonders bei stärkerem Süwind, der über den Grat greift.
Der Schoberstein sitzt genau auf der Wasserscheide zwischen zwei mächtigen Talsystemen, die das Flugwetter dominieren.
Das Ennstal (Östlich): Ein breites, nordwärts gerichtetes Tal, das als massive Leitlinie für den Talwind fungiert. Der "Ennstaler" ist unter Segelfliegern und Paragleitern berüchtigt für seine Stärke. An thermischen Tagen saugt das inneralpine Hitzetief Luftmassen aus dem Alpenvorland durch dieses Tal an. Für den Schoberstein-Piloten bedeutet dies, dass am Landeplatz in Ternberg oft ein kräftiger Nordwind herrscht, während am Gipfel noch schwacher Südwind oder thermische Ablösungen dominieren. Die Scherungsschicht zwischen diesen Luftmassen liegt oft auf Höhe des Gasthauses Klausriegler (ca. 700-800 m) und kann extrem turbulent sein.
Das Steyrtal (Westlich): Auch hier bildet sich ein Talwindsystem aus, das jedoch oft weniger aggressiv ist als das des Ennstals. Dennoch müssen Piloten, die Richtung Molln fliegen, mit einem Einfließen der Luftmassen von Norden nach Süden rechnen.
Diese topographische Konstellation macht den Schoberstein zu einem klassischen "Konvergenz-Berg". Wenn die Talwinde aus beiden Tälern aufsteigen und sich über den Kämmen mit dem überregionalen Wind treffen, können exzellente Steigwerte entstehen – oder unfliegbare Turbulenzen, je nach Windstärke.
Im Gegensatz zu den hochfrequentierten Flugbergen der Alpen, wie dem Gaisberg oder der Gerlitzen, existiert am Schoberstein keine mechanische Aufstiegshilfe für Personen. Diese Barriere ist gewollt und prägt die Kultur am Berg. Der "Hike" ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern integraler Bestandteil des Flugerlebnisses. Er dient als physisches Warm-up und ermöglicht dem Piloten, bereits während des Aufstiegs die Wetterentwicklung, die Wolkenbilder und die Windzeichen in den Baumwipfeln zu studieren.
Für die Planung des Aufstiegs stehen zwei Hauptrouten zur Verfügung, die sich in Charakter, Exposition und Logistik stark unterscheiden. Die Wahl der Route sollte nicht nur von der körperlichen Fitness, sondern auch von der geplanten Flugstrategie (Landeort) und der Tageszeit abhängig gemacht werden.
Parameter Route Trattenbach (Nord/Ost) Route Molln (Süd/West) Startpunkt
Gasthof Klausriegler / Parkplatz Talstation Materialseilbahn (Ternberg)
Parkplatz Koglergut (nach Gh. Steiner-Kraml, Molln)
Höhendifferenz ca. 650 - 700 Höhenmeter ca. 600 - 800 Höhenmeter Gehzeit (Durchschnitt)
1:00 Std. (Sportlich) bis 1:30 Std.
1:30 Std. bis 2:00 Std.
Geländecharakter Steil, direkt, oft im Waldschatten. Der "Direttissima"-Ansatz. Landschaftlich reizvoller, offener, sonniger. Flachere Passagen. Logistik Ideal für Piloten aus dem Raum Steyr/Enns. Parkplätze oft voll. Ruhiger, weiter Anfahrtweg aus dem Zentralraum. Schatten/Sonne Vormittags schattig (gut im Hochsommer). Vormittags sonnig (heiß im Sommer, angenehm im Winter). Wasserquellen Wenig Quellen am steilen Steig. Trinkwasser mitführen. Quellen im unteren Bereich vorhanden.
Strategische Überlegungen zur Routenwahl
Die "After-Work"-Variante: Für den schnellen Feierabendflug im Sommer empfiehlt sich fast ausschließlich die Trattenbach-Route. Der steile Waldweg erlaubt einen schnellen Höhengewinn im kühlen Schatten. Oben angekommen, steht man direkt am Schobersteinhaus und den Startplätzen.
Die "Genuss-Tour": Wer den Aufstieg als Teil einer Wanderung sieht oder mit nicht-fliegenden Begleitern unterwegs ist, sollte die Mollner Seite wählen. Der Weg bietet schönere Ausblicke in den Nationalpark Kalkalpen und ist weniger "brutal" in der Steigung.
Winter-Access: Im Winter sind beide Routen oft verschneit. Grödel (Microspikes) oder sogar Schneeschuhe sind dann Pflicht. Die Trattenbach-Seite wird durch die Frequenz der Begehungen oft schneller zu einer rutschigen Eispiste getreten, was den Abstieg (falls nicht geflogen werden kann) gefährlich macht.
Ein Mythos, der sich hartnäckig hält, ist die ständige Verfügbarkeit der Materialseilbahn für Gleitschirmrucksäcke. Hier ist Klartext nötig:
Offizieller Status: Die Materialseilbahn dient der Versorgung des Schobersteinhauses und ist kein öffentliches Transportmittel für Sportgeräte.
Die Realität: Der Hüttenwirt (Roland Grillmayr) ist sehr kooperativ, aber der Betrieb der Bahn ist aufwendig. Es besteht kein Anspruch auf Transport.
Best Practice: Bei Gruppen oder geplanten Übernachtungen kann telefonisch angefragt werden. Für den Einzelpiloten gilt: "Light is right". Wer am Schoberstein fliegt, sollte seine Ausrüstung auf ein "Hike & Fly"-Setup optimiert haben (Schirm < 4kg, Gurtzeug < 2kg). Wer mit einer 20kg-Wettkampfausrüstung anreist und auf die Bahn hofft, wird oft enttäuscht werden.
Das Verständnis der Meteorologie ist am Schoberstein der Schlüssel zwischen einem traumhaften Flug und einem gefährlichen Erlebnis. Die Lage am Alpenrand macht das Gebiet anfällig für schnelle Wetterwechsel und komplexe Windinteraktionen.
Das dominante meteorologische Phänomen ist der Talwind im Ennstal.
Mechanismus: Sobald die Sonne die Hänge des Gesäuses und der inneralpinen Täler erwärmt, entsteht ein massiver Sog. Kalte Luft aus dem Alpenvorland strömt durch die Pforte bei Steyr in das Ennstal ein.
Zeitlicher Ablauf:
Vormittags: Meist Windstille oder leichter Bergwind (Flussabwärts).
Mittags: Der Talwind setzt ein, oft abrupt.
Nachmittag: Der Wind erreicht seinen Höchststand, oft mit 20-30 km/h im Talboden bei Ternberg.
Die Gefahr für Piloten: Wer am späten Nachmittag vom Schoberstein abgleitet, kann oben herrliche Bedingungen haben, fliegt aber im Sinkflug in eine massive Scherungsschicht ein. In ca. 800m bis 500m Höhe trifft der (evtl. südliche) Höhenwind auf den (nördlichen) Talwind.
Symptome: Plötzliches Zerreißen der Thermik, massives Sinken, starke Turbulenz ("Waschmaschine").
Gegenmaßnahme: Aktives Fliegen, "Klapper" antizipieren, und bei der Landung in Ternberg auf einen strammen Wind einstellen (Vorhaltewinkel!).
Der Schoberstein wird in Pilotenkreisen als hervorragender Thermikberg gelobt, aber oft im gleichen Atemzug vor seiner "Sonnenböigkeit" gewarnt.
Ursache: Die felsigen, südseitigen Rippen heizen sich extrem schnell auf. Die Thermikblasen lösen sich nicht kontinuierlich als "Schlauch" ab, sondern oft impulsartig und explosiv.
Auswirkung: Dies führt zu starken, ruppigen Steigwerten, gefolgt von ebenso starkem Sinken. Das "Zentrieren" des Bartes erfordert hohe Konzentration und schnelle Reaktionen an der Bremse. Es ist kein "Schaukelsessel"-Fliegen wie an manchen Grasbergen im Pinzgau.
Tageszeitliche Empfehlung:
Anfänger/Genussflieger: Start bis 11:00 Uhr oder wieder ab 16:30 Uhr (im Sommer), wenn die Thermik "weicher" wird (Magic Light).
XC-Piloten: Nutzen die "harte" Zeit zwischen 12:00 und 15:00 Uhr für maximale Steigwerte, um auf Strecke zu gehen.
Als Berg am Nordrand der Alpen ist der Schoberstein klassisches Föhngebiet.
Diagnose: Ein Druckunterschied von mehr als 4 hPa zwischen Bozen und Innsbruck/Salzburg ist ein Alarmzeichen.
Lokale Anzeichen: Die Sicht wird extrem klar ("Föhnmauer" im Süden sichtbar), die Wolken (Lenticularis) stehen still, während die Luft am Boden unruhig wird.
Gefahr: Auch wenn am Südstartplatz "guter Wind" von vorne ansteht, kann dies der erste Vorbote des durchbrechenden Föhns sein. Sobald der Föhnsturm die Grate erreicht, entstehen im Lee (Richtung Ternberg) lebensgefährliche Rotoren.
Regel: Bei Föhnprognose (auch leichtem Föhn) ist der Schoberstein für Gleitschirme tabu.
Im Spätherbst und Winter bietet der Schoberstein oft die einzigen fliegbaren Stunden, wenn das Flachland unter einer zähen Hochnebeldecke liegt.
Das Szenario: Oben am Gipfel herrscht strahlender Sonnenschein und T-Shirt-Wetter (Inversion), unten in Ternberg liegt graue Suppe bei Minusgraden.
Die "Lücke": Oft liegt die Obergrenze des Nebels bei ca. 500-600 Metern. Der Landeplatz beim Gasthaus Klausriegler (ca. 660-700m) ragt dann wie eine Insel aus dem Nebelmeer, während der Hauptlandeplatz in Ternberg unlandbar ist.
Check-Prozedur: Vor dem Start zwingend die Webcam am Schobersteinhaus und Webcams im Tal prüfen. Ein "Blindflug" durch den Nebel ist illegal (Luftraumverletzung VFR), gefährlich (Stromleitungen, Orientierungsverlust) und verantwortungslos.
Der Schoberstein bietet mehrere Startoptionen, die alle ihre spezifischen Tücken haben. Eine Besichtigung vor dem Auspacken ist obligatorisch.
Dieser Startplatz ist der meistfrequentierte und befindet sich unmittelbar unterhalb der Terrasse des Schobersteinhauses.
GPS-Koordinaten: 47° 54' 17'' N, 14° 19' 30'' O.
Höhe: 1.237 m MSL.
Ausrichtung: Ideal für Südost (135°) bis Süd (180°).
Topographie: Eine mittelsteile Naturwiese, die nach ca. 30-40 Metern Anlauf in steileres, felsdurchsetztes Gelände und anschließend in Wald übergeht.
Starttechnik:
Bei Wind: Rückwärtsaufziehen ist Standard. Der Platz bietet genug Raum, um den Schirm sauber zu sortieren.
Bei Nullwind: Hier ist Entschlossenheit gefragt. Der Anlaufweg ist begrenzt. Ein Abbrechen des Starts muss vor der Geländekante erfolgen. Wer hier zögert, landet im Gebüsch oder in den Baumwipfeln unterhalb.
Risiko "Hütten-Rotor": Bei starkem Ostwind kann die Hütte selbst oder die Geländestruktur östlich davon Turbulenzen erzeugen, die in den Startbereich hereinziehen. Achten Sie auf den Windsack direkt an der Hütte!
Lage: Etwas westlich des SE-Platzes, direkt unterhalb des Gipfelkreuz-Bereichs.
Ausrichtung: Süd (180°) bis Südwest (225°).
Charakter: Kürzer, steiler und oft "technischer" als der SE-Start.
Einsatzbereich: Dieser Platz ist die Wahl, wenn der Wind eine deutliche Westkomponente hat. Während der SE-Startplatz dann im leichten Lee des Vorbaus liegt, wird dieser Platz laminar angeströmt.
Etwa 300 Meter östlich des Gipfels befindet sich eine weitere Startmöglichkeit.
Höhe: 1.225 m MSL.
Ausrichtung: Ost (90°) bis Nordost (45°).
Einsatz: Dieser Startplatz wird selten genutzt, ist aber essentiell, wenn der Wind auf Ost oder Nordost dreht. Ein Start am Hauptstartplatz wäre dann mit massivem Seitenwind oder Lee verbunden.
Flugweg: Von hier startet man direkt Richtung Trattenbach-Tal. Der Anschluss an die Thermik der Südseite ist mühsam und erfordert oft, um den Grat herumzufliegen – was bei Ostwind (Lee auf der Westseite!) sehr anspruchsvoll sein kann.
Es gehört zur Reife eines Piloten, den Rückweg zu Fuß anzutreten. Am Schoberstein gelten folgende rote Linien:
Nordwind: Der Schoberstein fällt nach Norden steil ab. Bei Nordwind liegen alle Hauptstartplätze im massiven Lee des Gipfels. Starts sind lebensgefährlich (Klapper in Bodennähe).
Starker Westwind: Zwar gibt es den Südwest-Start, aber wenn der überregionale Westwind zu stark ist ( > 20 km/h), zieht er über den Grat und verwirbelt die Südseite.
Gewitter: Als exponierter Gipfel ist der Schoberstein blitzschlaggefährdet. Bei aufziehenden Gewittern aus dem Westen (Salzkammergut) bleibt oft wenig Zeit, da die Fronten schnell ziehen.
Um am Schoberstein oben zu bleiben, muss man wissen, wo die Thermik "abreißt".
Der "Hütten-Bart": Direkt vor dem Startplatz heizt sich die Wiese auf. Oft findet man den Bart unmittelbar nach dem Start. Fehler vieler Anfänger: Sie fliegen sofort geradeaus weg.
Taktik: Nach dem Start eng am Hang bleiben (Abstandregeln und Vorfahrt beachten!), die Fahrt aufnehmen und auf das "Piepsen" warten. Oft steht der Bart nur 50-100m vor dem Startplatz.
Der "Wald-Bart" (Richtung Trattenbach): Fliegt man vom Startplatz nach links (Osten), trifft man dort, wo die Wiese in den Wald übergeht, oft auf eine zuverlässige, aber enge Thermik. Hier ist sauberes Kreisen gefragt.
An guten Tagen kann es am Schoberstein voll werden. Da der "Auftriebsgürtel" oft schmal ist (direkt am Hang), gelten die Ausweichregeln strikt:
Hang rechts vor Hang links: Wer den Hang zur rechten Schulter hat, hat Vorfahrt.
Überholen: Immer rechts (vom Hang weg) überholen. Niemals zwischen Pilot und Hang drängeln!
Drehrichtung: Im Bart gibt der erste Pilot die Drehrichtung vor. Alle Nachfolgenden müssen sich anpassen.
Top-Landen ist am Schoberstein Volkssport, aber technisch anspruchsvoll.
Risiko: Man landet in thermisch aktiver Luft. Was im Tal ein laminarer Endanflug ist, ist hier ein Tanz mit Böen und Ablösungen.
Landeplätze oben:
Bei Wind aus N bis SO: Landung auf der Fläche ca. 150m südöstlich der Hütte (oft als "Startplatz Trattenbach" bezeichnet). Hier ist die Anströmung sauberer.
Bei Wind aus S bis NW: Landung direkt südöstlich der Hütte (blau markierter Bereich auf lokalen Karten). Achtung: Das Gebäude wirft bei NW-Wind einen Rotor auf die Landefläche. Ein Durchstarten ist wegen der Bäume unterhalb oft schwierig oder unmöglich. Diese Variante ist nur Experten zu empfehlen, die ihren Schirm auch im Sackflug präzise steuern können.
Die Wahl des Landeplatzes muss bereits vor dem Start getroffen werden, basierend auf der aktuellen Talwindsituation.
Dies ist die Standard-Landerichtung für die meisten Piloten.
Landeplatz Koordinaten (ca.) Höhe Schwierigkeit Besonderheiten Übungswiese / Klausriegler
47° 54' 17'' N, 14° 19' 58'' O
~660 m Leicht bis Mittel Liegt am Hangfuß. Dient als Notlandeplatz bei Nebel im Tal. Oft thermisch aktiv! Vorsicht vor Weidezäunen. Landeplatz Ternberg (Ort)
47° 56' 06'' N, 14° 20' 59'' O
~375 m Leicht Große Wiese. Achtung: Hier schlägt der Ennstal-Talwind voll durch (oft Nordwind). Windsack genau beobachten! Landevolte entsprechend anpassen (oft Landung Richtung Süden nötig, also gegen den Talwind).
Der Anflug nach Ternberg: Der Gleitweg ist lang. Man sollte nicht zu tief abfliegen. Auf dem Weg dorthin überfliegt man den Brandkogel. Hier kann man bei Westwind nochmals aufsoaren ("Retten"), aber bei Nordwind (Talwind) ist der Brandkogel eine Leefalle.
Wer nach Molln abgleitet, wählt die landschaftlich ruhigere Seite.
Landeplatz: Nahe Gasthof Steiner-Kraml.
Koordinaten: 47° 53' 30'' N, 14° 18' 23'' O.
Höhe: ca. 450 m.
Charakteristik: Wiesenlandung.
Gefahren: Auch das Steyrtal hat einen Talwind. Zudem ist der Landeplatz oft thermisch aktiv, da er sonnenbeschienen ist. Achten Sie auf geparkte Autos und Weidezäune am Rand der Wiese.
Anflug: Die Landevolte wird oft "über den Hügel" geflogen. Lassen Sie sich genügend Platz für den Endanflug und peilen Sie nicht direkt über die Autos.
Der Schoberstein ist aufgrund seiner exponierten Lage ein perfektes Sprungbrett für Streckenflüge. Er ermöglicht Flüge, die sowohl ins Flachland als auch tief in die Alpen führen.
Eine beliebte Aufgabe für den ersten "Hunderter" oder ein schönes Feierabend-Dreieck.
Schenkel 1: Schoberstein -> Hohe Dirn (Osten): Man fliegt die Kante entlang Richtung Osten über den Pfaffenboden.
Schlüsselstelle: Die Querung des Ennstals. Hier muss man genug Höhe tanken (mind. 1.800m), um den Talwind zu überfliegen und auf der anderen Seite an der Hohen Dirn oder dem Schieferstein wieder Anschluss zu finden.
Schenkel 2: Hohe Dirn -> Grünburger Hütte (Westen): Zurück über das Ennstal, vorbei am Schoberstein, weiter entlang des Kammes Richtung Westen zum Hochbuchberg (Grünburger Hütte).
Schenkel 3: Grünburger Hütte -> Schoberstein: Der Rückweg mit oft unterstützendem Westwind.
Für Ambitionierte führt der Weg vom Schoberstein nach Süden in das Sengsengebirge (Hoher Nock).
Herausforderung: Der Sprung vom Schoberstein zum Gamsstein oder Hochkogel. Hier fliegt man gegen den Talwind, der aus dem Nationalpark herausströmt.
Nationalpark-Status: Beim Flug über das Sengsengebirge bewegt man sich im Kerngebiet des Nationalparks. Mindestflughöhen (siehe Abschnitt 10) sind strikt einzuhalten, um Steinadler und Gamswild nicht zu stören.
Potenzial: Von hier aus öffnet sich der Weg zum Toten Gebirge (Priel-Gruppe) – eine hochalpine Szenerie, die fliegerisch und landschaftlich zur absoluten Spitzenklasse gehört.
Piloten, die vom Schoberstein Richtung Norden ins Flachland auf Strecke gehen wollen ("Flachland-XC"), müssen die Luftraumstruktur beachten.
TMA Linz: Nördlich von Ternberg beginnt gestaffelt die TMA des Flughafens Linz (LOWL).
Sektor Steyr: Oft liegt der Deckel hier bei 4.500 ft oder 5.500 ft MSL (bitte aktuelle ICAO-Karte konsultieren!). Wer an der Basis "kratzt" (oft über 2.000m), fliegt hier schnell in kontrollierten Luftraum ein.
Lösung: Vor dem Flug die aktuellen Segelflugkarten studieren und die Lufträume ins Vario/Navi laden. Ein Einflug in die TMA ohne Freigabe führt zu empfindlichen Strafen und gefährdet den Sport in der Region.
Der Schoberstein ist dicht bewaldet. Eine "Außenlandung" endet hier oft im Baum.
Protokoll: Sollte eine Baumlandung unvermeidbar sein:
Körperhaltung aufrecht, Beine zusammen, Gesicht schützen.
Nach dem Stillstand: Nicht abschnallen! Viele Piloten stürzen erst ab, wenn sie versuchen, sich aus dem Gurtzeug zu befreien.
Hilfe rufen (Handy, Funk, Trillerpfeife).
Sicherungsschlinge (Bandschlinge + Karabiner) sollte in jedem Schoberstein-Gurtzeug zur Standardausrüstung gehören, um sich am Baum zu sichern, bis die Bergrettung kommt.
Da der Schoberstein ein Hike & Fly Berg ist, neigen Piloten zu extrem leichtem Material (Single-Skin Schirme, String-Gurtzeuge).
Warnung: Leichte Schirme reagieren oft dynamischer auf Turbulenzen (geringere Dämpfung). String-Gurtzeuge bieten oft keinen Protektor. Angesichts der "harten" Thermik und der steinigen Startplätze sollte man hier einen Kompromiss zwischen Gewicht und passiver Sicherheit finden. Ein leichter Airbag-Protektor ist dringend empfohlen.
Der Schoberstein liegt an der sensiblen Grenze zum Nationalpark Kalkalpen. Das Verhältnis zwischen Fliegern, Jägern und Naturschützern ist fragil und muss gepflegt werden.
Das Überfliegen von Weidevieh und Wildtieren in geringer Höhe ist zu vermeiden. Im Nationalpark gelten spezifische Zonen:
Kernzonen: Hier gilt oft ein strenges Wegegebot am Boden und Flugbeschränkungen in der Luft (Überflughöhen beachten).
Wildschutzgebiete: Besonders im Winter und Frühjahr (Brutzeit, Setzzeit) sind bestimmte Bereiche (z.B. Felswände im Sengsengebirge) tabu, um Stress für Steinadler und Gams zu vermeiden.
Drohnen: Der Einsatz von Drohnen ist im gesamten Nationalparkgebiet und oft auch auf den Almen rund um den Schoberstein ohne Sondergenehmigung untersagt.
Landeplätze: Landen Sie nur auf gemähten Wiesen oder den offiziellen Landeplätzen. Hohes Gras (Futtergras) ist tabu. Wenn Sie in einer ungemähten Wiese landen müssen: Schirm schnell zusammenraffen und auf dem kürzesten Weg (in der Traktorspur) die Wiese verlassen.
Müll: Was hochgetragen wird, wird auch wieder runtergetragen. Das gilt auch für Zigarettenstummel am Startplatz.
Das Schobersteinhaus (1.260 m) ist der soziale Mittelpunkt.
Hüttenwirte: Roland Grillmayr und sein Team sind sehr fliegerfreundlich.
Übernachtung: Reservierungen sind unbedingt erforderlich. Die Übernachtung ermöglicht Flüge im Sonnenaufgang ("Sunrise-Sledder") oder lange Abende mit Pilotenkollegen.
Verpflegung: Bekannt für gute Hausmannskost. "Cash only" (Nur Bargeld!) beachten.
Flugschule Ternberg: Die lokale Instanz für Ausbildung und Tandemflüge. Sie betreut auch die Landeplätze in Ternberg. Kontakt für Fragen zum Wetter oder Gelände: Hans (Mobil: +43(0)664/4108408).
Verein CPE (Cumulus Paragleiter Eisenwurzen): Der lokale Club, der sich um den Erhalt der Fluggebiete kümmert. Gastpiloten sind willkommen, sollten sich aber an die Regeln halten, um die Pachtverträge nicht zu gefährden. Eine Tagesmitgliedschaft oder Landegebühr ist oft eine Frage der Ehre und unterstützt die Pflege der Windsäcke und Wiesen.
Der Schoberstein ist eine Perle der Voralpen-Fliegerei. Er ist ehrlich, direkt und fordernd. Er schenkt nichts (außer der Aussicht), aber er belohnt den physischen Einsatz des Aufstiegs mit thermischen Möglichkeiten, die in dieser Region ihresgleichen suchen.
Wer den Schoberstein meistern will, muss mehr sein als nur ein Passagier seines Gleitschirms. Er muss Meteorologe sein (Ennstal-Wind), Athlet (Aufstieg), Stratege (Routenwahl) und Diplomat (Naturschutz). Für den Anfänger ist er unter Aufsicht eine großartige Schule für alpines Starten und Landen. Für den Profi ist er das Tor zu großen Abenteuern im Nationalpark Kalkalpen.
Respektieren Sie den Berg, den Wind und die Natur, und der Schoberstein wird Ihnen Flüge schenken, von denen Sie noch Ihren Enkeln erzählen werden.
Haftungsausschluss: Gleitschirmfliegen ist ein Risikosport. Dieser Guide basiert auf Datenstand Februar 2026 und ersetzt keine zertifizierte Ausbildung, aktuelle Wetterbriefings oder die Einschätzung vor Ort. Die Entscheidung zum Start obliegt allein dem Piloten.