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Herndleck

Startplätze:1
Landungen:2
Koord.:47.9283°N, 14.3284°E
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Start- & Landeplätze

1 Startplatz, 2 Landeplatzätze

Herndleck Startplatz

Start
Höhe1026m ü. M.
Koord.47.9283, 14.3284
WindN-O
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Herndleck Landeplatz 1

Landung
Höhe352m ü. M.
Koord.47.9357, 14.3503
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Herndleck Landeplatz 2

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Overview

Das Ultimative Piloten-Handbuch: Herndleck (Ternberg) Jenseits des DHV-Eintrags: Eine Tiefenanalyse für Gleitschirmpiloten und Streckenjäger Einführung: Das verkannte Juwel im Ennstal

In der Welt des Gleitschirmfliegens gibt es Startplätze, die jeder kennt – die berühmten "Hotspots" wie Kössen, Bassano oder die Gerlitzen, die in jedem Magazin und auf jedem YouTube-Kanal omnipräsent sind. Und dann gibt es jene Orte, die in den offiziellen Datenbanken wie der des DHV (Deutscher Hängegleiterverband) nur als unscheinbare Punkte auf der Landkarte erscheinen, oft versehen mit knappen, fast bürokratischen Beschreibungen wie "Hanggelände für Gleitschirme" oder "einfacher Startplatz". Das Herndleck in der oberösterreichischen Marktgemeinde Ternberg ist ein solcher Ort. Doch wer sich von der Nüchternheit des offiziellen Eintrags täuschen lässt, verpasst eines der faszinierendsten, lehrreichsten und potenziell lohnendsten Fluggebiete der Voralpen.  

Für den eingeweihten Piloten repräsentiert das Herndleck weit mehr als nur eine Wiese mit Höhenunterschied. Es ist ein mikroklimatisches Laboratorium, ein historisches Relikt alpiner Erschließungsgeschichte und – für den, der es zu lesen weiß – ein strategisches Tor zu weitreichenden Streckenflügen (XC) entlang der Enns und darüber hinaus. Während viele Piloten auf der Durchreise die prominenteren und infrastrukturell stärker erschlossenen Nachbarn wie den Schoberstein oder die Hohe Wand ansteuern, bietet das Herndleck eine Qualität, die in den modernen Alpen immer seltener wird: Ruhe, thermische Verlässlichkeit abseits des Massenbetriebs und eine technische Raffinesse, die den fliegerischen Verstand schärft.

Dieser Bericht hat den Anspruch, die Informationslücke zwischen den rudimentären Basisdaten der Geländedatenbanken und der komplexen, gelebten Realität vor Ort vollständig zu schließen. Wir werden nicht nur analysieren, wo der Startplatz liegt, sondern wie er funktioniert, warum bestimmte Windwerte der dortigen Wetterstation nicht nur ungenau, sondern potenziell lebensgefährlich irreführend sein können, und welche taktischen Entscheidungen den Unterschied zwischen einem fünfminütigen Abgleiter und einem 100-Kilometer-FAI-Dreieck ausmachen.

Unsere Analyse stützt sich auf eine umfassende Auswertung lokaler Vereinsdaten des Cumulus Paragleiter Eisenwurzen (CPE) , detaillierte Berichte der Flugschule Ternberg , topographische Kartenanalysen und meteorologische Langzeitbeobachtungen. Wir werden die "Geheimtipps" beleuchten, die nirgendwo sonst niedergeschrieben sind – von den tückischen "Löchern" im Startlauf, die schon so manchen Knöchel gefordert haben , bis hin zur unsichtbaren Gefahr alter Liftkabel, die wie Damoklesschwerter über unachtsamen Kappen hängen.  

Teil 1: Geographische und Historische Kontextualisierung Das Ennstal: Ein Windkanal der Voralpen

Um das Herndleck fliegerisch zu verstehen, muss man zunächst das Ennstal verstehen. Ternberg liegt an einer geographischen Nahtstelle, wo das Alpenvorland abrupt in die steilen, bewaldeten Flanken der Voralpen übergeht. Der Fluss Enns, der sich hier seinen Weg nach Norden zur Donau bahnt, bildet nicht nur eine markante Orientierungslinie, sondern fungiert auch als mächtiger Ventilator.

Das Tal verläuft in diesem Abschnitt grob von Süd nach Nord. Diese Ausrichtung ist entscheidend für das lokale Windsystem. An thermisch aktiven Tagen entsteht ein klassischer Talwind, der von der Donau kommend in die Alpen hineinzieht (Tal einwärts, also Nordwind). Da das Herndleck-Startgelände nach Nordost (NO) ausgerichtet ist , profitiert es oft von diesem überregionalen Windsystem, das den Hang laminar anströmt. Doch die Medaille hat eine Kehrseite: Wird der Talwind zu stark – etwa durch eine Überlagerung mit einem überregionalen Bayerischen Wind oder einer Kaltfrontannäherung – kann die Situation am Landeplatz im Talboden schnell anspruchsvoll werden, während oben am Berg noch trügerische Ruhe herrscht.  

Das Erbe des Skisports: Fluch und Segen

Ein wesentliches Merkmal des Herndlecks, das seine heutige fliegerische Nutzung definiert, ist seine Geschichte als ehemaliges Skigebiet. Bis 1992 wurden hier Weltcup-Rennen ausgetragen , eine Tatsache, die heute kaum noch vorstellbar erscheint, wenn man die ruhigen, teils verwilderten Hänge betrachtet.  

Diese Historie hat zwei direkte Konsequenzen für Gleitschirmpiloten:

Die Schneise: Der Startplatz ist keine natürliche Almwiese, sondern eine künstlich angelegte, ehemalige Skipiste. Das bedeutet, er ist eine relativ schmale, lange Schneise im Wald. Dies kanalisiert den Wind auf eine spezifische Weise ("Düseneffekt"), sorgt aber auch dafür, dass bei Seitenwind (besonders Nord) schnell Turbulenzen durch die seitlichen Baumreihen entstehen können.  

Die Infrastruktur-Relikte: Obwohl der Liftbetrieb längst eingestellt ist, sind die physischen Narben der Erschließung noch vorhanden. Die Trasse des ehemaligen Schlepplifts verläuft direkt neben dem Startplatz. Das alte Stahlseil ist noch gespannt und stellt eine der größten, oft übersehenen Gefahren am Startplatz dar. Rostig, schwer sichtbar vor dem dunklen Waldhintergrund und absolut unnachgiebig bei einer Berührung mit Leinen oder Tuch, ist dieses Seil ein stiller Wächter der Vergangenheit, der absolute Konzentration beim Startaufbau fordert.  

Teil 2: Logistik, Anreise und Vorbereitung Der Weg zum Berg: Anreise und Parken

Das Herndleck liegt in der Gemeinde 4452 Ternberg, gut erreichbar über die A1 (Westautobahn). Von der Abfahrt Enns folgt man der B115 Eisenstraße in südlicher Richtung bis nach Ternberg. Die Anreise ist unkompliziert, doch die "letzte Meile" zum Startpunkt erfordert Planung.  

Der Parkplatz: Der primäre Ausgangspunkt für Piloten, die nicht den Shuttle-Service nutzen oder am Landeplatz parken, ist der Parkplatz der ehemaligen Herndleck-Lifte. Es handelt sich hierbei um die Talstation des stillgelegten Skigebiets.

Navigation: In vielen Navigationssystemen ist dieser Punkt als "Herndleck Lift" oder "Ternberg Herndleck" zu finden.

Wichtig: Es gibt keine aktive Bergbahn mehr. Piloten, die eine bequeme Gondelfahrt wie am Bischling oder in Kössen erwarten, werden enttäuscht sein. Das Herndleck ist ein Berg für Sportler oder Organisierer.  

Kapazität: Der Parkplatz ist großzügig dimensioniert (ein Relikt aus Ski-Zeiten), aber an guten Flugtagen teilen sich Piloten den Platz mit Wanderern, die zur Grünburger Hütte aufsteigen wollen.  

Das Shuttle-System: Da der Höhenunterschied zwischen dem Talboden in Ternberg und dem Startplatz beträchtlich ist (über 600 Meter), ist ein "Hike & Fly" vom Tal aus eine sportliche Unternehmung. Die meisten Piloten nutzen daher eine Kombination aus Auto und Fußmarsch oder den organisierten Shuttle.

Organisierte Auffahrten: Der lokale Verein, Cumulus Paragleiter Eisenwurzen (CPE), und die Flugschule Ternberg organisieren häufig Auffahrten. Der Treffpunkt hierfür ist fast immer der Landeplatz im Tal (nahe der Flugschule oder Landeplatz 1).  

Insider-Tipp: Es gibt keinen festen Fahrplan wie bei einem Bus. Die Auffahrten basieren auf Bedarf und Freiwilligkeit. Es ist dringend ratsam, vor dem ersten Besuch Kontakt über die Vereins-Hotline (+43 664 1817214) aufzunehmen oder, noch besser, sich in die lokalen Kommunikationskanäle (WhatsApp-Gruppe) integrieren zu lassen, sofern dies für Gäste möglich ist. Wer einfach "auf gut Glück" am Landeplatz steht, kann unter Umständen lange warten.  

Fahrgemeinschaften: An guten Tagen bilden sich spontan Fahrgemeinschaften am Landeplatz. Die lokale Etikette gebietet es, sich an den Spritkosten zu beteiligen und Autos nicht wild am Berg stehen zu lassen, sondern den Parkplatz an der ehemaligen Talstation zu nutzen.

Hike & Fly: Der sportliche Zugang

Für Piloten, die unabhängig von Shuttles sein wollen, bietet das Herndleck eine hervorragende "Hike & Fly"-Option, die allerdings nicht im Tal beginnt, sondern am ehemaligen Liftparkplatz.

Die Route: Vom Parkplatz der ehemaligen Talstation führt ein markierter Wanderweg zum Startplatz.

Dauer & Höhendifferenz: Der Aufstieg dauert für einen durchschnittlich fitten Piloten mit Ausrüstung etwa 20 bis 30 Minuten und überwindet ca. 200 Höhenmeter.  

Charakter: Der Weg führt durch den Wald und über Lichtungen. Er ist technisch nicht anspruchsvoll (T1/T2), kann aber nach Regenfällen matschig sein. Gutes Schuhwerk (mindestens knöchelhohe Bergschuhe, die auch zum Fliegen geeignet sind) ist Pflicht.

Vorteil: Diese kurze Wanderung dient nicht nur dem Aufwärmen. Sie ermöglicht eine genaue Inspektion der Windverhältnisse in der Baumwipfelhöhe, lange bevor man den Startplatz erreicht. Rauschen die Wipfel laut? Aus welcher Richtung biegen sich die Äste? Diese Beobachtungen sind oft wertvoller als jeder digitale Wetterbericht.

Gebühren und Mitgliedschaft: Ein Pakt der Fairness

Das Herndleck ist kein "freies" Gelände im anarchischen Sinne. Es ist ein gepflegtes Vereinsgelände, dessen Erhalt Geld und Arbeit kostet (Pachtverträge, Weidepflege, Wegerhaltung). Der CPE bittet Gastpiloten daher um einen Beitrag.

Tagesmitgliedschaft: Die Gebühr für Gastflieger beträgt € 4,- pro Tag. Ein sehr moderater Preis im Vergleich zu anderen Fluggebieten.  

Bezahlmodus: Da keine permanente Kassa oder ein Ticketautomat am Startplatz steht, erfolgt die Zahlung oft auf Vertrauensbasis oder direkt bei Vereinsmitgliedern bzw. in der Flugschule. Die Bankdaten des Vereins (IBAN: AT19 3408...) sind öffentlich auf der Website zugänglich.  

Warum zahlen? Neben dem offensichtlichen Erhalt des Geländes dient die Gebühr auch der Legitimation gegenüber den Grundbesitzern und der Jägerschaft. Ein Verein, der Einnahmen generiert und seine Gäste "im Griff" hat, ist ein stärkerer Verhandlungspartner. "Schwarzfliegen" gefährdet direkt den Fortbestand dieses sensiblen Geländes.

Teil 3: Der Startplatz Herndleck (NO) – Eine detaillierte Anatomie Topographie, Beschaffenheit und Tücken

Der Startplatz Herndleck (Koordinaten: N 47°55'42", E 14°19'42" ) liegt auf ca. 1026m MSL. Wie bereits erwähnt, handelt es sich um eine ehemalige Skipiste. Diese Genese bestimmt seine Geometrie und Beschaffenheit maßgeblich.  

Die "Löcher"-Problematik: Ein kritisches Detail, das im offiziellen DHV-Bericht fehlt, aber auf Plattformen wie ParaglidingMap explizit als Warnung geführt wird, sind "Löcher im Anlauf".  

Analyse: Da es sich um eine aufgelassene Piste handelt, ist der Untergrund nicht so planiert wie auf einem englischen Rasen. Über die Jahre haben sich Setzungen, Auswaschungen und Tierbauten gebildet. Es gibt Wellen, kleine Gräben und versteckte Vertiefungen, die oft von Gras überwachsen sind.

Gefahr: Besonders bei Nullwind-Starts, die am Herndleck aufgrund der geschützten Waldschneise häufig vorkommen und ein energisches, schnelles Laufen erfordern, besteht akute Umknickgefahr. Ein Fehltritt in voller Beschleunigung kann Bänderisse oder Brüche zur Folge haben.

Empfehlung: Piloten sollten den geplanten Startlaufweg vor dem Auslegen des Schirms zwingend einmal ohne Schirm ablaufen ("Walk the Line"). Prüfen Sie den Boden auf Löcher und Unebenheiten. Markieren Sie sich geistig eine "saubere Spur".

Das Schlepplift-Relikt: Rechts des Startplatzes (in Startrichtung blickend) verläuft die Trasse des stillgelegten Schlepplifts.  

Die Gefahr: Das alte Stahlseil hängt noch. Es ist rostig und rau. Ein Berühren mit der Kappe oder den Leinen – etwa beim Aufziehen oder bei einem Startabbruch – führt fast garantiert zu Rostflecken, die schwer zu entfernen sind, oder zu Mikrorissen im Tuch und Mantelbeschädigungen an den Leinen.  

Taktik: Halten Sie sich beim Aufbauen eher links oder mittig auf der Schneise. Bei Seitenwind von links (Nordkomponente) muss man besonders aufpassen, da der Schirm beim Aufziehen nach rechts tendieren könnte – genau in Richtung des Seils. Ein asymmetrisches Aufziehen oder ein sofortiger Startabbruch ist besser als ein Kontakt mit dem Stahl.

Die Startrichtung und das Gelände: Der Startplatz fällt zunächst relativ sanft ab und wird dann steiler. Es gibt kleine Geländestufen ("Kanten"), die man kennen muss.  

Starttechnik: Bei gutem Wind (Vorwärtsstart) ist das Gelände einfach. Bei Nullwind (Rückwärtsstart oft schwierig) muss man lange und konsequent laufen. Die erste Kante kann dazu verleiten, sich zu früh ins Gurtzeug zu setzen. Widerstehen Sie diesem Impuls! Laufen Sie, bis Sie wirklich frei sind. Ein "Hinsetzen" auf der Kante führt oft zum Durchsacken in die darunterliegende flachere Sektion und zum Startabbruch.

Windfenster und die tödliche "Holfuy-Falle"

Die Ausrichtung des Startplatzes ist Nordost (NO). Dies definiert die fliegbaren Windsektoren eng.

Ideal: Wind aus NO bis O. In diesem Sektor wird der Hang laminar und sauber angeströmt. Der Start ist ein Genuss, und die Thermik wird oft direkt vor dem Startplatz zuverlässig ausgelöst.  

Problematisch: Reiner Nordwind. Durch den vorgelagerten Brandkogel und den dichten Baumbewuchs an der Seite der Schneise kann Nordwind Turbulenzen verursachen ("Leewalzen" hinter den Bäumen) oder den Startplatz komplett abschatten. Oft spürt man am Startplatz fast nichts, während 50 Meter höher in der Luft Scherungen warten.  

Gefährlich (No-Go): Westwind (W) und Südwest (SW). Dies ist der wichtigste Sicherheitsaspekt am Herndleck.

Die Holfuy-Falle: Am Startplatz befindet sich eine moderne Holfuy-Wetterstation. In der Ära der Digitalisierung verlassen sich viele Piloten blind auf die App-Daten. Doch am Herndleck ist dies ein fataler Fehler.

Das Phänomen: Der Verein warnt explizit und eindringlich: Bei Westwind liefert diese Station unzuverlässige Werte!. Der Grund liegt in der Topographie. Der Startplatz liegt bei Westwind im Lee des Bergrückens. Der Wind bläst über den Grat hinweg, und am Startplatz bildet sich oft eine "Totwasserzone" oder ein leichter Rotor, der als schwacher Wind aus wechselnden Richtungen (oder sogar als leichter Aufwind) interpretiert werden kann.  

Das Szenario: Ein Pilot prüft die App. Die Station Herndleck zeigt "3 km/h aus Südost". Perfekt, denkt er. In Wahrheit bläst über dem Grat ein 30 km/h Westwind. Der Pilot startet in die vermeintlich ruhige Luft, steigt auf und wird sofort, sobald er die Baumwipfelhöhe oder den Grat überhöht, vom Westwind erfasst und in die Leewalze gedrückt. Dies ist ein Szenario für schwerste Unfälle (Klapper, Kontrollverlust in Bodennähe).

Die Lösung (Verifizierung): Prüfen Sie immer und zwingend die Werte der benachbarten Station Schoberstein. Der Schoberstein ist exponierter und zeigt die überregionale Strömung ehrlich an. Wenn der Schoberstein Westwind anzeigt, ist das Herndleck unfliegbar – egal, was die lokale Station am Startplatz behauptet.  

Teil 4: Flugtaktik, Thermik und Meteorologie Der "Hausbart" und der Einstieg

Hat man den Start sicher absolviert, beginnt die Jagd nach dem Aufwind. Das Gelände bietet eine klassische thermische Auslösekante, die jedoch Wissen erfordert.

Die Standard-Route: Unmittelbar nach dem Start fliegt man eine Rechtskurve über den alten Lift hinweg.  

Die "Thermikküche": Das Ziel ist der Hangbereich über den Wochenendhäusern in Richtung Trattenbachtal. Hier, an der geologischen Abbruchkante, löst die Thermik meist zuverlässig ab. Der Kontrast zwischen Wald und bebautem Gebiet sowie die Kante selbst wirken als perfekte "Trigger".  

Zeitfenster: Die beste Thermikqualität findet man typischerweise zwischen 11:30 und 14:30 Uhr. Dies ist für einen Ost/Nordost-Hang charakteristisch, da er von der Vormittagssonne optimal aufgeheizt wird. Wer zu spät kommt (später Nachmittag), findet hier oft nur noch Schatten und abfließende Kaltluft, es sei denn, man weicht auf andere Sektoren aus.  

Aufdrehen: Wer hier den "Hausbart" erwischt und Höhe macht, hat den Schlüssel zum XC-Flug in der Hand. Die Wolkenbasis (Cloudbase) ist oft erreichbar. Mit ausreichender Höhe (Sicherheitsabstand zum Gelände!) kann man dann die weiteren Optionen erkunden.

Streckenflug-Optionen (XC): Das Tor zu den Voralpen

Das Herndleck ist nicht nur ein "Abgleiter-Berg", sondern ein ideales Sprungbrett für Flüge in die tieferen Voralpen. Es dient oft als Startpunkt für Aufgaben im XContest oder im lokalen Herndleck-Cup.  

Richtung Süden/Südwest (Die Klassiker-Route):

Mit Basishöhe quert man vom Herndleck Richtung Kruckabrettl.

Von dort führt der Weg weiter zum Schoberstein und zur Hohen Dirn.  

Diese Route entlang der Bergkreten funktioniert bei NO-Lagen hervorragend, da die Hänge angestrahlt und dynamisch angeströmt werden. Es ist eine "Rennstrecke" für Genussflieger.

Taktik: Achten Sie beim Queren des Trattenbachtals auf die Talwindeffekte. Sinken kann hier stark sein.

Richtung Norden (Die Nachmittags-Option):

Ab ca. 14:00 Uhr, wenn die Sonne weiter nach Westen wandert und die NO-Hänge des Herndlecks langsam in den Schatten geraten, lohnt sich der Flug Richtung Brandkogel (Nordseite).  

Hier unterstützt oft der Talwind aus dem Ennstal das Soaren bis zum Sonnenuntergang. Die Nordseite des Brandkogels wird am späten Nachmittag oft noch thermisch oder dynamisch versorgt.

Achtung: Es herrscht ein striktes Startverbot am Brandkogel selbst! Man fliegt dort hin, um zu soaren, aber man landet oder startet dort keinesfalls. Dies ist eine Vereinbarung mit Grundbesitzern und Jägern, die unbedingt respektiert werden muss.  

Meteorologische Besonderheiten des Ennstals

Das Verständnis der lokalen Meteorologie ist der Schlüssel zum sicheren und erfolgreichen Fliegen am Herndleck.

Der Talwind: Das Ennstal fungiert als massiver Luftkanal.

Mechanik: An thermischen Tagen saugen die Zentralalpen Luft an. Der Talwind zieht von der Donau kommend in die Alpen hinein (Nord nach Süd).

Auswirkung am Landeplatz: Am Landeplatz im Talboden kann der Wind am Nachmittag deutlich auffrischen (20-30 km/h), auch wenn am Startplatz (1000m) noch schwacher Wind herrscht. Dies führt zu starken Windgradienten im Landeanflug.

Tipp: Beobachten Sie beim Abgleiten oder beim Soaren frühzeitig Rauchfahnen, Fahnen oder die Blätterbewegungen der Pappeln im Tal. Planen Sie Vorhaltewinkel ein und stellen Sie sich auf eine steile Landekurve gegen den Wind ein.

Inversionen: Im Herbst, der klassischen Zeit für ruhige Gleitflüge, neigt das Ennstal zu zähen Hochnebeldecken.

Die Höhe: Das Herndleck mit ~1000m liegt oft genau an der Obergrenze oder knapp darunter.

Szenario: Oben in der Sonne, Start auf dem Nebelmeer. Das ist optisch eines der spektakulärsten Erlebnisse.

Gefahr: Ein Start über einer geschlossenen Nebeldecke ist ohne Sicht zum Boden illegal und lebensgefährlich. Wenn das "Loch" zum Landeplatz zuwächst, während man in der Luft ist, droht eine Landung im Blindflug – mit hohem Risiko für Orientierungsverlust und Kollision mit Bäumen, Stromleitungen oder Gebäuden. Stellen Sie sicher, dass das Nebelloch stabil und groß genug ist.

Teil 5: Landung – Die unsichtbaren Felder Besonderheiten der Landeplätze

Ein kritischer Punkt für Erstbesucher, der oft zu Stress in der Luft führt: Vom Startplatz aus sieht man keinen der beiden offiziellen Landeplätze!. Man startet quasi "ins Blaue" hinein. Die Topographie und der Wald verdecken die Sicht ins Tal bis man eine gewisse Höhe abgebaut oder Strecke zurückgelegt hat. Eine genaue Einprägung der Lage auf Google Maps oder eine Besichtigung vor Ort vor der Auffahrt ist daher nicht nur empfehlenswert, sondern für die mentale Sicherheit fast überlebenswichtig.  

Es stehen primär zwei Landeoptionen zur Verfügung:

Korrekt?

Landeplatz Flugschule (Ternberg):

Lage: Dieser Platz befindet sich direkt bei der Flugschule in Ternberg (Wildgansstr. 7 / Mayrgutstr. 5).

Höhe: ca. 388m MSL.  

Volte: Hier gilt standardmäßig eine Rechtslandevolte. Dies dient der Ordnung und Vermeidung von Konflikten, da oft Schulungsbetrieb herrscht.  

Charakter: Dieser Platz ist oft thermisch aktiv, da er im Siedlungsbereich liegt. Achten Sie auf Hausbärte, die den Endanflug verlängern können. Zudem kanalisiert sich hier der Talwind.

Vorteil: Man landet direkt an der "Basis" – ideal für ein Debriefing, ein Getränk oder um Informationen für den nächsten Flug einzuholen.

Korrekt?

Landeplatz Ennstal (Talboden / Landeplatz 1):

Lage: Eine großzügige Wiese im flachen Talboden, oft als "Landeplatz 1" bezeichnet.  

Höhendifferenz: Satte 650m+ zum Start. Das gibt viel Zeit, um die Einteilung zu planen, verleitet aber auch dazu, die Talwindstärke unten zu unterschätzen.  

Anflug: Aufgrund der Größe ist die Einteilung einfacher, aber der Talwind aus Nord/Nordost ist hier oft stärker und laminarer als im bebauten Gebiet. Ein langer Endanflug gegen den Wind ist einzuplanen.

GPS-Koordinaten: N 47°56'08.60", E 14°21'01.00".  

Notlandemöglichkeiten und "Outlandings": Sollte der Anschluss an die Thermik verpasst werden und man "säuft ab" (Sinkflug ohne Steigen), bevor man das Tal erreicht, gibt es im Bereich der Bauernhöfe unterhalb des Herndlecks diverse Wiesen.

Strikte Etikette: Hier gilt das ungeschriebene Gesetz der Alpenfliegerei. Wiesen mit hohem Gras (Futtergras, kurz vor der Mahd) sind absolut tabu! Landen Sie nur auf bereits gemähten Wiesen oder ganz am Rand von Feldern.

Konsequenz: Eine Außenlandung im hohen Gras führt sofort zu Konflikten mit den Landwirten, die auf ihren Ertrag angewiesen sind. Solche Konflikte gefährden direkt die Pachtverträge und damit das gesamte Fluggebiet. Falten Sie Ihren Schirm am Rand zusammen und verlassen Sie das Feld auf dem kürzesten Weg (Traktorspur).  

Teil 6: Das "Ternberger Flugsystem" – Alternativen zum Herndleck

Ein "Insider" weiß: Das Herndleck steht nicht isoliert. Es ist Teil eines synergetischen Systems von Startplätzen rund um Ternberg, die je nach Windrichtung genutzt werden können. Ein guter Pilot wählt den Startplatz nach dem Wind, nicht nach der Gewohnheit.  

Postkogel (NW): Die West-Alternative

Wenn der Wind zu sehr auf West oder Nordwest dreht, wird das Herndleck wie beschrieben gefährlich (Lee). Die logische Alternative ist der Postkogel.  

Status: Vorerst freigegeben (Stand der Recherche).

Zugang: Wanderung vom Herndleck-Parkplatz oder Auffahrt.

Spezial-Regel: Es gibt einen rot markierten Bereich, in dem Toplanden strengstens verboten ist! Nutzen Sie nur die grüne Zone vor dem Stacheldrahtzaun. Diese Zonierung dient dem Schutz von Wild und Weidevieh.  

Kaiblinger Kogel (NW/W): Der Spezialist mit Zeitfenster

Dieser Startplatz ist der Spezialist für reine Westwindlagen.

Die große Einschränkung: Saisonale Sperre von April bis Ende September bei Westwind!. Dies ist eine harte Regel, die auf Jagd- und Naturschutzinteressen basiert. In dieser Zeit muss man auf andere Gebiete ausweichen (z.B. Postkogel oder ganz woanders hin).  

Anspruch: Es gibt keinen offiziellen Landeplatz unten! Man muss toplanden können oder sicher sein, dass man thermisch wegkommt oder einen weiten Gleitflug zu einem bekannten Landeplatz schafft. Dieser Platz ist nur für fortgeschrittene Piloten geeignet.

Schoberstein (S/SO): Der große Bruder

Der Schoberstein ist höher und exponierter. Er ist ideal bei Südkomponenten, wo das Herndleck (NO) im Lee wäre oder Rückenwind hätte.  

Infrastruktur: Zwei Startplätze, eine bewirtschaftete Hütte am Gipfel (Schobersteinhaus), ein Paradies für "Walk & Fly".

Synergie: Oft startet man am Schoberstein, fliegt zum Herndleck und landet im Ennstal. Die Gebiete sind thermisch verbunden.

Teil 7: Sicherheit, Ethik und Community – Der "Spirit" des Ennstals

Jagd und Wildschutz: Ein fragiles Gleichgewicht Das Verhältnis zwischen Fliegern und Jägern ist im Ennstal, wie fast überall in den österreichischen Alpen, ein Thema, das Fingerspitzengefühl erfordert.

Dämmerungs-Tabu: Fliegen Sie nicht bis in die späte Dämmerung hinein. Das Wild tritt in der Dämmerung aus dem Wald auf die Lichtungen (oft genau auf die Start- und Landewiesen). Störungen in dieser Zeit führen zu Stress beim Wild und zu massiven Konflikten mit der Jägerschaft, was in Jagdsperren für Piloten münden kann.

Sperrzonen respektieren: Beachten Sie strikt die saisonalen Sperren (z.B. Kaiblinger Kogel im Sommer). Ignoranz Einzelner führt zur Kollektivstrafe – der Schließung des Geländes für alle.

Seilbahnen und Hindernisse: Neben dem bereits erwähnten Schlepplift am Start gibt es im weiteren Umkreis Materialseilbahnen, die für die Versorgung von Hütten oder Almen genutzt werden.

Mollnerhütte & Gaisbergwiesen: Diese Seilbahnen sind besonders für XC-Piloten relevant, die vom Herndleck Richtung Schoberstein oder weiter queren. Die Seile sind oft dünn, grau und vor dem Fels oder Wald fast unsichtbar. Halten Sie immer ausreichenden Abstand zum Gelände (mindestens 150 Meter), wenn Sie die genaue Seilführung nicht kennen.  

Community und "Aprés-Fly": Der CPE ist ein aktiver und stolzer Verein.

Events: Der Verein organisiert regelmäßig Events wie den "Herndleck Cup" oder das "Gleitwinkelfliegen". Eine Teilnahme an solchen Events – auch als Zuschauer – lohnt sich, um die "Locals" kennenzulernen, die oft die besten Tages-Tipps haben.  

Kulinarik und Unterkunft: Für Piloten, die länger bleiben, ist der Gasthof Koglerhof eine Institution. Er liegt strategisch günstig und bietet Unterkunft sowie Verpflegung. Auch im Tal gibt es zahlreiche Pensionen (z.B. Pension Ennstal).  

Kontaktpflege: Ein freundliches "Grüß Gott" am Landeplatz, das saubere Zusammenlegen des Schirms am Rand der Wiese und das Einhalten der Parkordnung (keine landwirtschaftlichen Einfahrten blockieren!) sichern den Frieden mit den Anwohnern.

Fazit: Für wen ist das Herndleck?

Das Herndleck ist ein Flugberg für den "Connoisseur", den Kenner. Es bietet nicht den Massentourismus eines Kössen, keine Bergbahn, die tausende Touristen auf den Gipfel karrt, und keine Infrastruktur, die einem das Denken abnimmt. Stattdessen belohnt es den Piloten, der bereit ist, 20 Minuten zu laufen und sich mit Wetter und Topographie auseinanderzusetzen, mit einem naturbelassenen Startplatz, ehrlicher Thermik und einem direkten Ticket in die Weite der österreichischen Voralpen.

Wer die "Holfuy-Falle" bei Westwind meidet, die "Löcher" beim Startlauf beachtet und seinen Landeplatz vor dem Start geistig fixiert hat, wird hier einige der schönsten, ruhigsten und lehrreichsten Flüge Oberösterreichs erleben. Es ist ein Berg, der den Piloten fordert, aber reich beschenkt.

Quick-Check für den Flugtag am Herndleck:

Windrichtung: Ist NO oder O angesagt? (Perfekt). Ist Westwind angesagt? (No-Go).

Referenz-Check: Was sagt die Schoberstein-Wetterstation? Bestätigt sie die NO-Prognose oder zeigt sie Westwind (Gefahr)?

Tagesmitgliedschaft: Habe ich die €4 entrichtet? (Ehrensache).

Landeplatz: Habe ich mir die Position auf der Karte eingeprägt, da ich sie vom Start nicht sehe?

Startlauf: Habe ich die Bahn auf Löcher inspiziert?

Wir sehen uns an der Basis – hoch über dem Ennstal.

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