
1 Startplatz, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Der Hirschwaldstein im Detail: Ein fliegerisches Kompendium für das Kremstal Executive Summary: Der Hirschwaldstein auf einen Blick
Für den eiligen Piloten, der am Startplatz steht oder die Wetter-App checkt, hier die essenzielle Zusammenfassung vorab: Der Hirschwaldstein (oft liebevoll "Hirsch" genannt) im oberösterreichischen Kremstal ist ein klassisches Nordwest- bis West-Fluggebiet. Es fungiert als Hausberg des renommierten Clubs Skybird Kremstal und stellt ein wichtiges Scharnier zwischen dem Alpenvorland und dem hochalpinen Toten Gebirge dar.
Pilotenniveau: Vom engagierten A-Schein-Piloten (unter Aufsicht/Anleitung aufgrund der Kessellage und Luftraumstruktur) bis zum XC-Profi.
Beste Bedingungen: Rückseitenwetter nach Kaltfronten (NW-Lagen), klassische Thermiktage mit Westeinschlag und insbesondere die stabilen Soaring-Bedingungen am späten Nachmittag.
Absolutes No-Go: Südwind. Auch schwacher Südwind macht den Startplatz extrem turbulent (Lee) und den Talwind unberechenbar.
Logistik-Falle: Am Wochenende und an Feiertagen herrscht striktes Auffahrtsverbot für Privat-PKW. Es muss das Fliegertaxi genutzt werden.
Infrastruktur: Das Reitergut Weißenhof (Gasthaus Veits) ist das Epizentrum – Landeplatz, Treffpunkt, Taxi-Abfahrt und Après-Fly in einem.
Dieses Fluggebiet besticht durch seine zuverlässige Abendthermik ("Soaring bis zum Sonnenuntergang") und als Einstiegstor in das Tote Gebirge für Streckenflüge. Doch Vorsicht: Der Luftraum der TMA Linz deckelt die Höhe früher, als manchem Streckenjäger lieb ist.
Das Kremstal markiert eine signifikante geologische und meteorologische Grenze. Wer hier fliegt, bewegt sich an der Kante zwischen dem sanft hügeligen Alpenvorland im Norden und den schroffen Kalkwänden der Nordalpen im Süden. Micheldorf liegt eingebettet in dieses Tal, flankiert von der Kremsmauer im Osten und dem Höhenzug des Hirschwaldsteins im Westen. Diese Topografie ist nicht nur landschaftlich reizvoll, sie definiert maßgeblich die Aerologie des Fluggebietes.
Der Hirschwaldstein selbst ist kein freistehender Kegel, sondern Teil eines bewaldeten Rückens, der sich parallel zum Tal erstreckt. Diese Form begünstigt bei Westwind das dynamische Soaring, da der Wind auf einer breiten Front auf den Hang trifft und laminar nach oben abgelenkt wird. Gleichzeitig sorgt die Kessellage des Kremstals dafür, dass Talwindsysteme hier eine dominante Rolle spielen. Das Verständnis dieser geografischen Gegebenheiten ist der erste Schritt zu einem sicheren Flug. Wer den "Hirsch" nur als Startrampe sieht, verpasst die komplexen Zusammenhänge, die diesen Berg zu einem so zuverlässigen, aber auch anspruchsvollen Fluggebiet machen.
Im Fluggebiet Hirschwaldstein stehen dem Piloten theoretisch mehrere Optionen zur Verfügung, doch die Praxis wird durch Windbedingungen und Vereinsregeln stark kanalisiert. Eine detaillierte Betrachtung der Startplätze ist unerlässlich, um Fehlplanungen zu vermeiden.
Der Hauptstartplatz: Hirschwaldstein (Gipfel)
Dies ist das Herzstück des Fluggebietes. Wenn Piloten vom "Hirsch" sprechen, meinen sie diesen Startplatz. Er liegt strategisch günstig, um sowohl die thermischen Ablösungen über dem Wald zu nutzen als auch direkt in den dynamischen Aufwindband einzusteigen.
Höhe: 939 m MSL.
Höhendifferenz zum Landeplatz: 451 m.
Koordinaten: N 47°53'11.57" E 14°09'48.45".
Ausrichtung: West bis Nordwest (Ideal: WNW).
Topografie und Charakteristik: Der Startplatz ist eine künstlich freigehaltene Schneise in einem dichten Mischwald. Diese Schneise ist technisch anspruchsvoll, da sie den Wind kanalisiert (Venturi-Effekt).
Für Drachenflieger: Es existiert eine solide, gut gewartete Holzrampe, die einen sicheren Start auch bei null Wind ermöglicht, da sie steil genug abfällt.
Für Gleitschirmflieger: Gestartet wird auf einer steilen Naturwiese oberhalb und leicht seitlich der Drachenrampe. Der Untergrund ist meist griffig, kann aber bei Nässe rutschig werden.
Schwierigkeitsgrad: Mittel. Die Schneise bedeutet, dass der Wind sauber anstehen muss. Bei Seitenwind entstehen schnell Leewirbel (Rotoren) durch die seitlichen hohen Baumbestände. Ein Startabbruch muss frühzeitig entschieden werden, da die Schneise nach unten hin durch den Wald begrenzt ist ("Point of no return").
Start-Etikette (Kritisch): Hierarchien und Sicherheit gehen Hand in Hand. Es gilt eine strikte Regelung zwischen den Geräteklassen. Wenn ein Drachenflieger auf der Rampe startbereit steht, darf kein Gleitschirmflieger von der Wiese darüber starten. Das Risiko, auf den Drachen zu stürzen oder diesen durch den Abwind (Wake Turbulence) des Gleitschirms in der kritischen Startphase zu stören, ist inakzeptabel hoch. Kommunikation ist hier der Schlüssel: Blickkontakt suchen und klare Zeichen geben.
Der Ausweich-Startplatz: Burg Altpernstein
Sollte die Wolkenbasis tief hängen, der Wind am Gipfel zu stark sein ("überentwickelt") oder man einfach einen schnellen Flug ohne langen Aufstieg wünscht, bietet die Burg eine historische Kulisse für den Start.
Höhe: ca. 670 m – 800 m (je nach genauem Auslegepunkt nahe der Burg).
Koordinaten: 47° 53' 8.78" N, 14° 9' 27.59" E.
Ausrichtung: West bis Nordwest.
Charakteristik: Kleinerer Startplatz, oft genutzt für kurze Abgleiter oder Soaring direkt an der Burgmauer bei passendem Wind. Die Nähe zur Burgmauer kann bei falschem Windwinkel zu Turbulenzen führen.
Logistischer Vorteil: Dieser Startplatz ist leichter mit dem PKW erreichbar (auch unter der Woche für Gäste oft tolerierter), da die asphaltierte Straße fast bis zur Burg führt. Von dort ist es nur ein kurzer Fußmarsch.
Der exklusive "Hauserbauer" / "Kronbauer" (Ost-Start)
Ein Mythos für viele Gastpiloten, der in Online-Karten oft auftaucht, aber in der Realität eine geschlossene Gesellschaft darstellt. Hier muss Klartext geredet werden, um Konflikte zu vermeiden.
Ausrichtung: Ost.
Status: Strictly Members Only!.
Hintergrund: Dieser Startplatz ist ausschließlich für Vollmitglieder des Clubs Skybird Kremstal zugänglich. Es gibt hier keine Tagesmitgliedschafts-Regelung oder "Gastflug-Ticket", die externen Piloten den Zutritt erlauben würde. Diese Regelung resultiert aus sensiblen Pachtverträgen mit den Landwirten.
Konsequenz: Missachtung führt zu massiven Problemen mit den Pächtern und gefährdet das Gelände für alle. Als Gastpilot: Streichen Sie diesen Startplatz komplett aus Ihrer Planung, egal wie verlockend der Ostwind weht.
Die Logistik in Micheldorf unterscheidet sich signifikant von typischen "Bergbahn-Gebieten" wie Kössen oder Andelsbuch. Hier herrscht eine ausgeprägte Club-Kultur und Selbstorganisation. Wer hier ankommt und nach dem Lift sucht, wird enttäuscht sein. Wer das System versteht, wird die Gemeinschaft schätzen lernen.
Anreise und Parken: Der zentrale Hub
Der zentrale Knotenpunkt für alle Aktivitäten ist das Reitergut Weißenhof (Gasthaus Veits). Dies ist der Treffpunkt, die Informationsbörse und das soziale Zentrum.
Adresse: Altpernstein 34, 4563 Micheldorf in Oberösterreich.
Koordinaten Landeplatz/Treffpunkt: N 47°53'21.80" E 14°08'30.40".
Park-Etikette: Parken Sie ausschließlich auf den ausgewiesenen Flächen am Gasthaus/Landeplatz. Die umliegenden Wiesen werden landwirtschaftlich intensiv genutzt. Wildparken in den Wiesen wird von den Landwirten nicht toleriert und führt sofort zu Konflikten.
Das Shuttle-System (Die "Taxi-Regel")
Dies ist der wohl wichtigste Punkt für Ihren Besuch. Ein Verstoß gegen die Taxi-Regelung ist der schnellste Weg, sich bei den Locals unbeliebt zu machen und Flugverbot zu riskieren. Die Regelung dient dem Anrainerschutz und der Verkehrsberuhigung auf der schmalen Bergstraße.
Wochenende & Feiertage (Die strikte Phase):
PKW-Verbot: Die Auffahrt zum Startplatz Hirschwaldstein mit dem privaten PKW ist verboten. Es gibt keine Ausnahmen für "nur mal kurz hochfahren".
Pflicht-Taxi: Es verkehrt ein organisiertes Sammeltaxi.
Kontakt: Eine Voranmeldung ist oft nötig und dringend empfohlen unter 0664 14 25 95 9.
Kosten: Ca. € 8,00 pro Person pro Auffahrt (Stand 2025). Skybird-Mitglieder mit Ausweis fahren günstiger (€ 4,50). Wichtig: Es gilt ein Mindestumsatz pro Fahrt von € 15,00. Einzelauffahrten sind also teurer oder man muss warten, bis das Taxi voll ist.
Ablauf: Man trifft sich am Reitergut Weißenhof, koordiniert sich mit anderen Piloten, füllt das Taxi und fährt gemeinsam hoch. Die Bezahlung erfolgt meist direkt beim Fahrer in bar.
Wochentage (Mo-Fr, werktags):
Hier ist die Regelung etwas lockerer: Die Auffahrt mit dem privaten PKW ist für Clubmitglieder gestattet. Gäste sollten sich dringend Fahrgemeinschaften mit Locals anschließen.
Logistik-Tipp: Das größte Problem ist der Rücktransport des Fahrzeugs. Es gibt oben am Startplatz keine dauerhaften Parkplätze für Wanderer-Autos, die den ganzen Tag blockieren sollen. Das System "Fly & Park" ist oben schwierig.
Idealfall: Ein Fahrer (Nichtflieger oder abwechselnd) bringt das Auto sofort wieder runter zum Landeplatz oder Gasthof Veits. Wenn das Auto oben stehen bleibt, muss es zwingend platzsparend geparkt werden, um Forstbetrieb und Anrainer nicht zu behindern.
Hike & Fly (Zu Fuß zum Start)
Der Hirschwaldstein ist nicht nur ein Fahr-Berg, sondern auch ein äußerst beliebtes Ziel für Hike & Fly Enthusiasten, besonders in den Übergangszeiten Herbst oder Frühling, wenn das Taxi nicht verkehrt.
Route 1 (Vom Tal - Die Sportliche): Start direkt am Gasthaus Veits. Der Weg ist gut markiert. Rechnen Sie mit einer Gehzeit von ca. 50-60 Minuten bis zum Gipfelstartplatz. Der Weg führt größtenteils durch den Wald, ist technisch einfach (T1/T2) und bietet im oberen Teil schöne Ausblicke ins Alpenvorland.
Route 2 (Von der Burg - Die Genuss-Variante): Man kann mit dem Auto bis zur Burg Altpernstein fahren (öffentliche Parkplätze für Burgbesucher vorhanden). Von dort sind es noch ca. 20-30 Minuten zu Fuß über einen Waldrücken zum Gipfelstartplatz. Dies ist die "Light-Variante" für Piloten, die ihre Kräfte für den Flug sparen wollen.
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Der "Hirsch" ist meteorologisch sensibel und erfordert ein genaues Studium der Wetterlage. Er ist kein "Einfach-Drauflos-Berg".
Windsysteme & Gefahren: Das Spiel mit dem Lee
Hauptwindrichtung: W bis NW ist essenziell. Nur bei dieser Anströmung funktioniert das Soaring und die Thermik löst sich sauber vom Hang.
Die Süd-Falle (Lebensgefahr): Dies ist die wichtigste Warnung dieses Guides. Bei überregionalem Südwind (Föhn oder auch nur leichter Süd-Einschlag in der Höhe) liegt der Hirschwaldstein im Lee der mächtigen Kremsmauer und des Toten Gebirges.
Das trügerische Phänomen: Oft saugt die Thermik am Startplatz auch bei Südwindlagen "falsch" an, sodass man vermeintlich Gegenwind hat. Doch sobald man vom Hang wegfliegt oder eine gewisse Höhe erreicht, trifft man auf die turbulente, abfallende Luftmasse des Südwinds.
Gefahr: Ein Start bei Südprognose ist absolut fahrlässig und lebensgefährlich. Klapper, massives Sinken und Unsteuerbarkeit sind die Folgen.
Der "Bayrische Wind": Eine Besonderheit im Alpenvorland. Wenn es in Bayern (Westen) bereits zugezogen hat und der Wind dort aufdreht, drückt dieser oft zeitversetzt bis ins Kremstal durch. Dies sorgt oft für sehr laminare, aber teils kräftige Soaring-Bedingungen am späten Nachmittag, wenn die Thermik bereits schwächelt. Locals wissen diesen "Schub" zu nutzen, für Anfänger kann die Windzunahme überraschend kommen.
Thermik-Qualität: Der Tagesgang
Vormittags: Die Ostseite (Hauserbauer) wäre thermisch aktiv, ist aber wie erwähnt für Gäste tabu. Der Hirschwaldstein selbst liegt im Schatten oder flachen Winkel zur Sonne. Vormittagsflüge sind hier oft reine Abgleiter.
Mittags: Die Sonne wandert herum. Thermik löst sich nun oft direkt an der Schneise oder links davon über den dunklen Nadelwäldern. Es wird "bockig" und anspruchsvoll.
Nachmittags/Abends (Die "Magic Hour"): Das ist die Zeit, für die der Hirschwaldstein berühmt ist. Die gesamte Westflanke wird von der tiefstehenden Sonne beschienen. Dies ermöglicht stundenlanges Soaring in Verbindung mit weicher, großflächiger Umkehrthermik ("Restitution"). Dies ist die Genusszeit des Gebietes, in der man oft bis zum Sonnenuntergang ("Sunset Soaring") in der Luft bleiben kann.
Luftraum: Das vertikale Profil als topografische Falle
Ein Thema, das XC-Piloten oft zur Verzweiflung bringt und Anfänger verwirrt, ist die Nähe zum Flughafen Linz (LOWL). Der Hirschwaldstein liegt zwar südlich der Kontrollzone (CTR), aber genau unter den abgestuften Sektoren der TMA Linz.
Struktur: Die TMA Linz ist wie eine umgedrehte Treppe aufgebaut. Je weiter man nach Süden fliegt (Richtung Alpenhauptkamm), desto höher werden die Untergrenzen der Sektoren.
Die Situation am Start: Der Startplatz liegt unter den Sektoren TMA Linz 1/2/3.
Höhenbeschränkungen:
Je nach genauer Position staffeln sich die Untergrenzen der TMA.
Oft ist bereits bei 4500 ft MSL (ca. 1370m) oder 5500 ft MSL (ca. 1670m) Schluss. (Achtung: Dies sind Richtwerte, immer die aktuelle ICAO-Karte konsultieren! Die Grenzen können sich jährlich ändern).
Das Dilemma: Man startet auf 940m und hat oft nur wenige hundert Meter Arbeitshöhe, bis man den Luftraum C/D (TMA) touchiert. Ein "Aufdrehen bis zur Wolkenbasis" ist an thermisch starken Tagen am Startplatz oft nicht legal möglich.
Die Lösung: Man muss flach nach Süden abfliegen (Richtung Kremsmauer/Totes Gebirge), wo der "Deckel" der TMA stufenweise ansteigt und schließlich ganz verschwindet.
Hier ist der Mehrwert, den Sie im offiziellen DHV-Eintrag nicht finden – das Wissen, das normalerweise nur am Stammtisch im Gasthaus Veits weitergegeben wird.
Wo geht es hoch, wenn es schwächelt?
Der Burg-Bart: Oft löst sich eine zuverlässige Thermik direkt über den dicken, sonnenbeschienenen Mauern der Burg Altpernstein. Die dunklen Steine und die exponierte Lage heizen sich auf und wirken als perfekter Trigger. Wenn es am Gipfel zäh ist, lohnt sich oft ein Blick (oder Flug) zur Burg.
Die Waldkante: Nach dem Start links halten (Richtung Süden). Entlang der Waldkante zur Kremsmauer hin finden sich oft die besten Abrisskanten bei leichtem Westwind. Hier mischt sich dynamischer Hangaufwind mit Thermikblasen aus dem Wald.
Der Landeplatz am Reitergut Weißenhof wirkt auf den ersten Blick riesig und einfach, birgt aber Tücken:
Optische Täuschung: Die Wiese ist leicht abschüssig. Das verleitet Piloten dazu, den Endanflug zu hoch anzusetzen oder aufgrund des "Ground Effect" viel weiter zu gleiten als geplant ("Überfliegen des Landepunktes").
Lande-Etikette: Es wird strikt eine Linksvolte geflogen. Das ist nicht nur eine Empfehlung, sondern eine Sicherheitsregel.
Drachen-Vorrang: Da der Club Skybird Kremstal ein sehr aktiver Drachenflieger-Club ist, müssen Gleitschirmpiloten im Endanflug penibel auf Drachen achten. Deren Anfluggeschwindigkeit ist deutlich höher, und sie können weniger flexibel ausweichen oder "nachdrehen". Geben Sie Drachen im Zweifel immer Vorrang und räumen Sie den Landebereich sofort nach der Landung.
Vergessen Sie die allgemeinen Wetter-Apps. Nutzen Sie das Equipment, das die Locals installiert haben:
Holfuy Station "Micheldorf HW-Stein": Diese Station steht direkt am Startplatz. Sie liefert Windrichtung, Windgeschwindigkeit und Böen in Echtzeit. Ein Blick auf diese Daten ist vor der Auffahrt Pflicht!.
Webcam Burg Altpernstein: Diese Kamera zeigt nicht nur das Wetter, sondern auch, ob die Burg im Nebel steckt (Inversion) oder ob schon Schirme in der Luft sind.
Es gibt keine Kasse und keinen Automaten am Startplatz. Die Tagesgebühr (ca. 3-4 €) wird im Gasthaus Veits (Reitergut Weißenhof) entrichtet. Machen Sie das vor dem Flug. Frau Veits führt eine Liste und kennt ihre Pappenheimer. Es ist eine Frage des Respekts und sichert den Erhalt des Geländes. Wer hier spart, gefährdet die Gastfreundschaft.
Wer den Hirschwaldstein verlässt, hat meistens einen Plan: Das FAI-Dreieck oder den Flug ins Ennstal. Der Berg dient dabei oft nur als "Sprungbrett".
Die Standard-Route: Richtung Totes Gebirge
Dies ist die "Rennstrecke" der Locals.
Start & Höhe machen: Am Hirschwaldstein so viel Höhe wie (legal unter der TMA) möglich machen.
Transition zur Kremsmauer: Der erste große Sprung geht nach Süden zur imposanten Felswand der Kremsmauer. Hier zieht die Thermik oft kräftig und zuverlässig, da der Fels ideal zur Abendsonne steht.
Weiter zum Priel: Von der Kremsmauer aus öffnet sich das Tor zum Toten Gebirge (Großer Priel). Hier sind Höhen von 2000m+ möglich, da man nun unter die höheren Sektoren der Luftraumstruktur fliegt.
Rückweg: Der Rückflug vom Gebirge zum Hirschwaldstein am Abend ist oft ein Gleitflug gegen den Talwind (der oft aus Nord kommt, "Einwind"). Planen Sie genügend Reservehöhe ein, um das Reitergut Weißenhof sicher zu erreichen und nicht in den Wäldern außenlanden zu müssen.
Die "Flachland"-Option
Bei starker Basis und Nordwind-Komponente versuchen manche Piloten, Richtung Osten/Südosten (Ennstal/Ternberg) zu fliegen. Dies ist jedoch anspruchsvoll, da man quer zu den Tälern fliegt ("Talsprünge") und die Außenlandemöglichkeiten im hügeligen Voralpenland genau geprüft werden müssen. Zudem wird der Luftraum Richtung Osten/Steyr komplexer.
Das Basecamp: Reitergut Weißenhof (Gasthaus Veits)
Das Reitergut ist mehr als nur ein Landeplatz. Es ist die Seele des Fluggebietes. Hier laufen alle Fäden zusammen.
Essen: Bodenständige, oberösterreichische Küche. Die "Flieger-Jause" oder ein Schnitzel nach dem Flug sind fast obligatorisch. Die Atmosphäre ist herzlich, hier sitzt der XC-Crack neben dem Flugschüler.
Übernachtung: Es gibt Zimmer direkt am Hof. Für Piloten die bequemste Option, da man morgens direkt am Treffpunkt aufwacht und den Wettercheck beim Frühstück machen kann.
Kontakt: Familie Veits, Tel.: 07582 62609. Eine Reservierung ist in der Hochsaison ratsam.
Camping
Für Camper gibt es in der Region Pyhrn-Priel (etwas südlicher Richtung Windischgarsten) diverse Campingplätze (z.B. Camping Pyhrn-Priel). Direkt am Landeplatz ist "Wildcampen" ohne explizite Absprache mit Familie Veits nicht gestattet und wird ungern gesehen.
Alternativen bei "falschem" Wind
Wind aus Nord/Ost: Hier bietet sich Ternberg oder die Grünburger Hütte an. Diese Gebiete liegen in der Nähe und funktionieren bei Lagen, die am Hirschwaldstein (West) nicht gehen.
Wind aus Süd: Hier wird es schwierig. Oft ist dann Föhn. Ein Ausweichen auf die Alpensüdseite (z.B. Greifenburg, Kärnten) ist bei starkem Südföhn oft die einzige fliegbare Option, da Nordföhn dort selten ist, aber Micheldorf voll im Lee liegt.
Schlechtwetter: Ein Besuch im Stift Schlierbach (bekannt für seine Käserei & Glasmalerei) ist kulturell lohnenswert und nur wenige Minuten entfernt.
Vorrangregeln: Am Startplatz gilt das eherne Gesetz: Drachen auf der Rampe = Gleitschirme warten. Keine Diskussionen.
Landeanflug: Linksvolte ist Pflicht. Blickkontakt zu anderen Piloten halten. Drachen sind schneller – lassen Sie ihnen den Vortritt.
Luftraum: ICAO-Karte checken. Nicht in die TMA Linz einfliegen. Dies wird von der Austro Control kontrolliert und Verstöße gefährden das Fluggebiet.
Tagesgebühr: 3-4 Euro bei Fam. Veits bezahlen. Das erhält das Gelände und die Pachtverträge!
Notfall:
Euro-Notruf: 112
Alpin-Notruf: 140
Der Handyempfang ist am Berg meist gut (LTE), in den Seitentälern teils lückenhaft.
Schlusswort: Der Hirschwaldstein ist kein "Ballerberg" für stumpfes Höhenvernichten. Er ist ein technisches, meteorologisch interessantes Fluggebiet, das dem Piloten einiges an Verständnis abverlangt. Wer sich jedoch auf die Logistik und die Aerologie einlässt, wird mit traumhaften Soaring-Abenden und dem Einstieg in eine der schönsten Gebirgslandschaften Österreichs belohnt. Respektieren Sie die Regeln des Skybird Kremstal, nutzen Sie das Taxi und genießen Sie den Flug!