
1 Startplatz, 2 Landeplatzätze
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Der Zauberberg von Oben: Eine umfassende aerologische, historische und logistische Monografie des Fluggebiets Schatzalp in Davos
In der europäischen Ruhmeshalle der Freiflugdestinationen nimmt Davos eine Position von seltener Distinktion ein. Es ist nicht nur die zuverlässige Aerologie, die Piloten aus dem gesamten Alpenraum in das Landwassertal zieht, sondern die majestätische topografische Architektur der Landschaft selbst. Während das Jakobshorn oft und lautstark den Titel der "Hauptflugarena" der Region für sich beansprucht – und dies aufgrund seiner omnidirektionalen Startmöglichkeiten und der perfektionierten Infrastruktur auch mit gewissem Recht tut –, weiß der wahre Kenner, der Connoisseur der alpinen Lüfte, dass das eigentliche Juwel des Tals oft im Verborgenen glänzt. Für den morgendlichen Thermikjäger, den Liebhaber des Hike & Fly und den Piloten, der die Stille der massentouristischen Hektik vorzieht, ist die Schatzalp die wahre "Grande Dame" von Davos.
Dieser Bericht dient nicht als einfacher Führer, sondern als eine erschöpfende Exegese des Startplatzes Schatzalp. Anders als die standardisierten Datenbankeinträge des DHV oder anderer Verbände, die sich oft auf nackte Koordinaten und Windrichtungen beschränken, seziert dieses Dokument die aerologischen Nuancen, die historische Atmosphäre, die logistischen Realitäten und die spezifischen Risikoprofile, die mit dem Fliegen vom "Zauberberg" verbunden sind. Gelegen an den sonnendurchfluteten Südosthängen der Strelakette, bietet die Schatzalp ein Flugerlebnis, das technisches Gebirgsfliegen mit einer Reise durch die literarische und architektonische Geschichte der Schweizer Alpen verwebt.
Die Schatzalp ist mehr als nur eine Startrampe; sie ist ein strategischer Einstiegspunkt in das thermische System von Davos. Ihre Exposition ermöglicht einen thermischen Beginn weit bevor der Talboden erwacht, was sie zur ersten Wahl für "Early Bird"-Flüge und die morgendliche Thermikjagd macht. Doch ihre Position an der Nordflanke des Tals setzt sie auch den komplexen Wechselwirkungen des Davoser Talwindsystems aus, insbesondere der Intrusion von Luftmassen über den Wolfgangpass, was ein distinktes "Flugfenster" schafft, das Piloten mit rigoroser Disziplin respektieren müssen.
Um die Schatzalp als Fluggebiet in ihrer Gänze zu begreifen, ist es unerlässlich, zunächst das Gefäß zu verstehen, in dem sich die Luftmassen bewegen: das Landwassertal. Davos Platz und Davos Dorf bilden auf ca. 1.560 Metern über Meer (AMSL) ein hochalpines urbanes Band, das sich geologisch und meteorologisch als komplexe Düse manifestiert. Das Tal ist grob von Nordost nach Südwest orientiert, eine Ausrichtung, die für die lokalen Windsysteme von entscheidender Bedeutung ist.
Das Tal wird von zwei dominanten Gebirgsstöcken flankiert, die in einem ständigen thermischen Dialog stehen:
Die Südost-Seite (Jakobshorn-Gruppe): Diese Seite ist charakterisiert durch sanft ansteigende, grasbewachsene Schultern, die zu Gipfeln wie dem Jakobshorn (2.590m) und dem Brämabüel aufsteigen. Diese Flanke ist nach Nordwesten ausgerichtet, was bedeutet, dass sie die Morgensonne erst spät empfängt, dafür aber am späten Nachmittag oft noch lange thermisch aktiv bleibt.
Die Nordwest-Seite (Strela-Kette): Hier residiert die Schatzalp. Diese Seite ist geprägt von steilen, südexponierten Hängen, die wie gigantische Sonnenkollektoren fungieren und die Energie der Sonne effizient einfangen. Zur Kette gehören markante Gipfel wie das Schiahorn (2.709m) und der Strelapass. Diese Exposition ist der Schlüssel zum Verständnis der Schatzalp: Sie ist die "Sonnenseite" am Vormittag.
Die Schatzalp selbst ist eine Terrasse auf etwa 1.861m, die historisch für das berühmte Sanatorium terrassiert wurde. Der eigentliche Startplatz liegt jedoch höher, oberhalb des Waldgürtels, nahe dem Restaurant Strelaalp und dem markanten "länglichen weißen Haus" auf einer Höhe von ungefähr 1.980m bis 2.100m AMSL. Diese Positionierung ist strategisch brillant und tückisch zugleich: Hoch genug, um über der Inversion zu stehen, aber tief genug, um bei starkem Talwind in die Scherungszone zu geraten.
Die vertikale Separation zwischen dem Startplatz Schatzalp (ca. 1.980m) und dem Landeplatz in Davos (1.535m) beträgt etwa 445 Meter. Auf dem Papier erscheint dies als unspektakulärer "Abgleiter". Doch diese reine Zahl täuscht über die fliegerische Realität hinweg. Da die horizontale Distanz zu den Landeplätzen (Bolgen oder Carjöl) extrem kurz ist, ergibt sich ein steiler Gleitwinkelbedarf, sollte man sich entscheiden, direkt zum Landeplatz zu fliegen.
Das Gelände fällt unterhalb der Strelaalp steil ab, bestehend aus dichten Schutzwäldern und steilen Weiden. Dies bedeutet für den Piloten eine schnelle Entscheidungspflicht: Sobald man die Hangkante verlässt und sich vom Relief löst, ist man "committed". Es gibt keine sicheren Notlandewiesen im Steilwald zwischen Schatzalp und Davos Platz. Die Entscheidung, ob man im Hangaufwindband verweilt oder den Talquerung zum Landeplatz antritt, muss daher mit präziser Höhenkalkulation getroffen werden. Man befindet sich hier nicht in einem weiten Talbecken mit unendlichen Aussenlandemöglichkeiten, sondern in einem alpinen V-Tal mit urbaner Bebauung am Grund.
Die meteorologische Eignung der Schatzalp wird durch das Spannungsfeld zweier gegensätzlicher Kräfte definiert: der lokalen thermischen Aufheizung der Südflanke und dem überregionalen Talwindsystem des Landwassertals. Das Verständnis dieser Interaktion unterscheidet den sicheren Piloten vom Risikoflieger.
Aufgrund ihrer Südost-Exposition empfängt die Schatzalp-Flanke die direkte Einstrahlung der Sonne praktisch ab Sonnenaufgang. Dieser geografische Vorteil schafft ein Mikroklima, in dem sich anabatische (hangaufwärts gerichtete) Strömungen deutlich früher entwickeln als auf der gegenüberliegenden Jakobshorn-Seite.
Thermische Abreisskanten: Der Übergang vom Waldgürtel (bis ca. 1.900m) zu den alpinen Matten der Strelaalp bildet eine thermische Kontrastlinie. Der dunkle Nadelwald speichert die Wärme anders als die offenen Wiesen, was oft genau an der Baumgrenze, direkt unterhalb des Startplatzes, verlässliche Ablösungen generiert. Diese Thermiken sind zwischen 10:00 Uhr und 12:00 Uhr oft von moderater Stärke und ideal für den Einstieg.
Saisonalität: Im Winter, wenn der Sonnenstand niedrig ist (Azimut tief im Süden), sind diese Südhänge oft die einzigen funktionierenden Thermikquellen im tiefen Tal, da das Jakobshorn im Schatten liegt oder nur flach angestrahlt wird. Im Sommer hingegen funktionieren sie zuverlässig, bis der Talwind sie "überspült".
Der wohl kritischste Risikofaktor für die Schatzalp ist der Davoser Talwind. Im Gegensatz zu vielen Alpentälern, in denen der Wind einfach "talaufwärts" strömt, herrscht in Davos ein komplexes System, das durch den Wolfgangpass dominiert wird.
Der Mechanismus: Luft strömt vom Prättigau über den Wolfgangpass (1.631m) in das Landwassertal. Dieser Wind manifestiert sich typischerweise als Nordost-Wind. Er wird durch die Düsenwirkung des Passes beschleunigt und fließt dann talabwärts von Davos Dorf in Richtung Davos Platz und weiter Richtung Filisur.
Auswirkung auf die Schatzalp: Der Startplatz Schatzalp ist nach Süd/Südost ausgerichtet. Der Talwind kommt jedoch aus Nordost (vom Wolfgangpass) oder, in selteneren Fällen bei speziellen Druckkonstellationen, als "Malojawind" (Südwestwind, der über den Malojapass bis ins Engadin und selten bis Davos drückt, wobei der klassische Davoser Talwind meist der NE-Wind ist).
Die Lee-Situation: Wenn der Talwind aus Nordost an Stärke gewinnt (typischerweise ab 13:00 Uhr im Sommer, an starken Tagen früher), strömt er quer oder hinter den Strukturen der Strelakette vorbei oder prallt in einem spitzen Winkel auf die Hänge. Dies verwandelt den Startbereich der Schatzalp in eine potenzielle Leeseite. Der thermische Hangaufwind kämpft dann gegen die Scherung des Talwindes. Wenn der überregionale Talwind dominant wird (typischerweise >20 km/h), wird der Startplatz turbulent. Noch gefährlicher ist der Flugweg zum Landeplatz: Man muss durch die Scherschicht sinken, wo die ruhige Hangluft auf den turbulenten Talwind trifft.
Die "Malojawind"-Verwechslung: Es ist wichtig, den Begriff "Malojawind" im Kontext von Davos präzise zu verwenden. Während der echte Malojawind ein Phänomen des Engadins ist (Bergell-Wind, der über den Pass "fällt"), sprechen Piloten in Davos oft vom "Talwind", der vom Wolfgangpass kommt. Ein starker überregionaler Südwestwind kann jedoch auch in Davos durchgreifen und würde dann am Startplatz Schatzalp (Südost-Ausrichtung) eher als Seitenwind oder, je nach Stärke, als Frontalwind (wenn er das Tal "hoch" kommt) anstehen. Die Hauptgefahr für die Schatzalp ist jedoch der klassische Nordost-Talwind vom Wolfgangpass, der den Startplatz ins Lee setzt.
Die offizielle Empfehlung und die Weisheit der lokalen Piloten besagen unmissverständlich: Im Sommer setzt ab Mittag der Talwind ein, und am Startplatz muss mit Abwinden oder Turbulenzen gerechnet werden. Die Schatzalp ist daher klassifiziert als ein Vormittags- bis Mittagsfluggebiet.
Während offizielle Datenbanken oft nur Koordinaten liefern, erfordert die Realität vor Ort, den Startplatz in der alpinen Natur zu finden und korrekt einzuschätzen. Der Startplatz Schatzalp ist keine planierte Piste, sondern ein Stück lebendige, landwirtschaftlich genutzte Natur.
Der primäre Startbereich befindet sich oberhalb des Restaurants Strelaalp. Um ihn zu finden, darf man nicht bei der Bergstation der Bahn verweilen, sondern muss weiter aufsteigen.
Visuelle Landmarke: Suchen Sie nach einem markanten, länglichen, weißen Haus ("längliches, weisses Haus") , das am Hang oberhalb des Restaurants liegt. Es hebt sich deutlich vom dunklen Holz der Ställe und des Restaurants ab.
Position: Das optimale Startgelände liegt etwas links und oberhalb dieses weißen Gebäudes.
Koordinaten: GPS N 46°48'18.73" E 9°49'01.72" (ungefähres Zentrum des nutzbaren Hangs).
Höhe: ca. 1.980m AMSL.
Gelände: Der Startplatz ist eine alpine Wiese. Anders als die im Winter gewalzten Startplätze am Jakobshorn, ist dieser Platz "raw". Piloten müssen extrem wachsam sein bezüglich "Kuhtritten" – tiefen Löchern, die das Weidevieh bei feuchtem Boden hinterlässt. Diese, sowie harte Grasbulten, stellen echte Stolperfallen dar, die bei einem dynamischen Vorwärtsstart oder bei Nullwind-Sprints zu Bänderverletzungen führen können. Ein gründlicher "Line-Check" und eine Inspektion des Laufwegs vor dem Einhängen sind obligatorisch.
Neigung: Der Hang ist mäßig steil ("mittelsteil" bis steil), was eine gute Beschleunigung ermöglicht. Dies ist vorteilhaft, da man hier oft bei schwachem Wind startet, bevor die starke Thermik einsetzt.
Windanzeiger: Dies ist ein kritischer Punkt. Da es sich um einen "inoffiziellen" oder nur semi-offiziellen Startplatz handelt (im Gegensatz zu den vom Club gepflegten Plätzen am Jakobshorn), ist typischerweise KEIN permanenter Windsack vorhanden. Es gibt keinen Mast, keine Fahne. Piloten müssen zwingend ihr eigenes Windband (am Wanderstock) mitbringen oder extrem sensibel auf natürliche Indikatoren achten: Wie bewegen sich die Gräser? Zieht Rauch vom Kamin des Restaurants Strelaalp? Wie stehen die Blätter der Bäume an der Waldgrenze unterhalb?
Hindernisse: Im Sommer ist das Gebiet Weideland. Elektrische Zäune sind allgegenwärtig. Es ist eine Frage der Ehre und der Sicherheit, diese Zäune nicht zu beschädigen und Abstand zu weidenden Tieren zu halten. Ein Start mitten durch eine Kuhherde ist ein absolutes No-Go und gefährdet den Zugang zum Gelände für alle.
Richtung: Ost (O) bis Süd (S) ist das Mandat. Ein leichter Südost-Wind ist ideal, da er thermisch unterstützt den Hang hinaufzieht.
Verbotene Richtungen: West- oder Nordwinde sind hier tabu. Ein Westwind kommt oft über den Strelagrat und führt zu sofortigem Rotor und Turbulenz am Startplatz. Wenn der Wind am Startplatz den Hang hinunter weht (Rückenwind) oder böig von der Seite (West) einfällt, nicht starten. Dies ist das klassische Warnsignal, dass der überregionale Wind oder der Talwind das lokale thermische System dominiert.
Die Erreichbarkeit der Schatzalp ist einer ihrer größten Vorzüge und bietet das Potenzial für eine "schnelle Runde", das hochalpine Plätze oft vermissen lassen. Der Zugang selbst ist eine Reise in die Zeit der Belle Époque.
Die Reise beginnt in Davos Platz, an der Talstation der Schatzalpbahn (Promenade 63, 7270 Davos Platz).
Frequenz: Die Bahn verkehrt in einem dichten Takt, meist alle 15 bis 20 Minuten (tagsüber durchgehend, abends reduziert).
Dauer: Die Fahrt ist kurz und effizient; in nur 4 Minuten überwindet man die Höhendifferenz zum Resort-Level (1.861m).
Kostenstruktur (Stand 2025/2026):
Erwachsene Einzelfahrt: CHF 25.00.
Tageskarte Fliegen (Spezialticket): CHF 50.00. Dies ist ein exzellentes Angebot für Piloten, die mehrere Flüge planen oder das Gebiet intensiv nutzen wollen. Es amortisiert sich bereits ab der zweiten Fahrt.
Gästekarte/Davos Klosters Card: Bietet oft Rabatte oder inkludierte Fahrten im Sommer, jedoch ist bei Sportgeräten (Gleitschirm) oft Vorsicht geboten – klären Sie an der Kasse, ob der Schirm als Gepäck extra kostet.
Parken: Es gibt Parkplätze direkt an der Talstation oder in den öffentlichen Parkhäusern von Davos Platz (z.B. Parkhaus Arkaden), die jedoch kostenpflichtig sind.
Für den fitnessorientierten Piloten ist die Schatzalp ein klassisches Hike & Fly Ziel, das sich perfekt in ein morgendliches Trainingsprogramm integrieren lässt.
Route: Von Davos Platz aus führt ein Netzwerk von Wanderwegen (die "Zauberberg"-Wege) durch den Wald hinauf. Der Weg ist gut markiert und technisch einfach (T1/T2).
Zeit: Ein fitter Wanderer erreicht den Startplatz in 45 bis 60 Minuten.
Erlebnis: Der Aufstieg führt vorbei an den historischen Gebäuden, durch dichte Wälder und bietet immer wieder Blicke auf das urbane Davos. Es ist eine meditative Vorbereitung auf den Flug, fernab vom Trubel der Großkabinenbahnen.
Nach dem Verlassen der Standseilbahn an der Bergstation (1.861m):
Folgen Sie dem Wegweiser Richtung "Strelaalp".
Sie passieren das historische Hotel Schatzalp und die botanischen Gärten (Alpinum).
Der Weg führt weiter bergauf zum Restaurant Strelaalp (1.920m).
Nach dem Restaurant führt ein Wanderweg den Hang hinauf. Gehen Sie weiter bis zum erwähnten "länglichen weißen Haus".
Die totale Gehzeit von der Bahn beträgt ca. 10 bis 15 Minuten. Das Aufwärmen ist also inklusive.
Sobald man in der Luft ist, bietet die Schatzalp verschiedene taktische Optionen, die jedoch stark von der Tageszeit abhängen.
Die unmittelbare Umgebung des Startplatzes bietet oft schon gute Soaring-Möglichkeiten entlang der Baumgrenze. Die Südost-Fassade des Hotels und die massiven Stützmauern des Sanatoriums speichern Wärme und geben oft zuverlässige "Hausbärte" ab.
Szenisches Highlight: Der Flug vorbei am Hotel Schatzalp – jenem Jugendstil-Meisterwerk, das Thomas Mann zu seinem Roman inspirierte – ist ein visuelles Erlebnis von seltener Qualität. Der Kontrast zwischen der gelb-weißen historischen Architektur und dem dunklen Nadelwald ist fotogen und atmosphärisch dicht. Achten Sie jedoch strikt auf den Abstand zu den Gebäuden und den Gästen auf den Terrassen. Lärmbelästigung und tiefes Überfliegen sind hier absolut zu vermeiden, um das Verhältnis zum Hotelmanagement nicht zu gefährden.
Um den Flug zu verlängern, entscheiden sich viele Piloten für einen Wechsel auf die Jakobshorn-Seite oder eine Querung Richtung Schiahorn.
Querungs-Strategie: Die Talquerung erfordert ausreichende Höhe. Da die Landeplätze auf 1.535m liegen und der Start auf ca. 1.980m, hat man theoretisch nur knapp 445m Arbeitshöhe. Das ist wenig. Wenn man nicht unmittelbar nach dem Start Steigen findet, ist man bereits im Anflug auf den Landeplatz.
Der Sprung zum Jakobshorn: Bei guter Thermik kann man versuchen, das Tal zum Brämabüel zu queren. Dies ist jedoch taktisch anspruchsvoll, da man gegen den potenziellen Talwind fliegt und in der Talmitte Sinken erwarten muss.
Die Route Richtung Schiahorn/Parsenn: Eine logischere Erweiterung ist der Flug entlang der Flanke Richtung Norden zum Schiahorn. Hier muss man jedoch sehr genau auf die Windrichtung achten. Kommt der Wind vom Wolfgangpass (Nordost), fliegt man hier gegen den Wind und in potenzielle Leebereiche der Rippen.
Im Winter ändert sich der Charakter der Schatzalp. Das Gebiet ist Teil des "Slow Mountain" Skigebiets (wenn in Betrieb).
Schnee-Start: Die Kuhglocken sind weg, der Schnee bedeckt die Löcher. Der Start ist auf dem präparierten Schnee oft einfacher und smoother.
Kaltluftseen: Beachten Sie, dass im Winter der Talboden von Davos extrem kalt werden kann. Die Inversion ist oft ausgeprägt. Während es oben in der Sonne angenehm warm ist, fliegt man unten in einen "Kühlschrank". Dies kann den Endanflug verlängern (dichtere Luft), aber auch Turbulenzen an der Inversionsgrenze verursachen.
Ein erfolgreicher Flug von der Schatzalp steht und fällt mit der Landestrategie. Davos ist ein dicht besiedeltes Tal, und "irgendwo landen" ist aufgrund von Stromleitungen, Straßen, der Rhätischen Bahn und landwirtschaftlichen Restriktionen keine Option.
Die Landeplatzwahl muss vor dem Start basierend auf der Jahreszeit getroffen werden. Ein Fehler hier führt zu Konflikten mit Landwirten oder Sicherheitsrisiken.
Der primäre Landeplatz im Sommer ist Bolgen.
Ort: Die große Wiese direkt vor dem Restaurant Bolgen Plaza, am Fuße des Jakobshorns.
Koordinaten: N 46°47'22.68" E 9°49'18.57".
Höhe: 1.535m AMSL.
Charakteristik: Groß, flach und grasbewachsen.
Wind: Generell sicher, kann aber um die Mittagszeit thermisch aktiv sein. Der Talwind (von Nord/Nordost) strömt das Tal hinauf, was einen Standardanflug gegen den Wind (meist Richtung Davos Dorf/See schauend) ermöglicht.
Infrastruktur: Er liegt direkt neben der Talstation der Jakobshornbahn und dem Bahnhof Davos Platz. Perfekt für den "Touch-and-Go" oder die Heimreise.
Vorsicht: Im Sommer ist dies oft eine belebte Zone mit Spaziergängern und Bikern. Aufmerksamkeit beim Endanflug ist gefordert.
Im Winter ist die Bolgen-Wiese eine Skipiste und der Zielraum für Skifahrer. Landen ist hier streng verboten.
Ort: Verschieben Sie den Anflug nach Südwesten zum Gebiet Carjöl, direkt hinter/neben der Talstation des Sessellifts Carjöl.
Erkennungszeichen: Suchen Sie nach der gelben Werbetafel von Air-Davos, die oft den Landepunkt markiert.
Koordinaten: N 46°47'14.14" E 9°49'5.23".
Oberfläche: Schnee. Der Platz wird oft von der lokalen Flugschule (Air-Davos) gewalzt oder präpariert.
Gefahren: Die Nähe zur Langlaufloipe und den Seilen des Sessellifts erfordert einen präzisen Anflug. Überfliegen Sie keinesfalls tief die aktiven Skipisten oder die Lifttrasse. Die Trennung von Flug- und Skisport ist hier überlebenswichtig für den Fortbestand des Fluggebiets.
Es gibt in Davos Bereiche, die für Gleitschirme tabu sind. Verstöße hiergegen gefährden das Fluggebiet massiv.
Davosersee (Seewiese): Der früher genutzte Landeplatz am Davosersee ist während der Vegetationszeit (Sommer) GESCHLOSSEN. Es konnte keine Einigung mit den Landeigentümern erzielt werden. Landen Sie hier nicht, auch wenn die Wiese verlockend aussieht. Im Winter, wenn der See zugefroren oder die Wiese schneebedeckt ist, mag es geduldet sein, aber offiziell ist es kein Landeplatz mehr.
Golfplatz: Der Golfplatz nimmt einen großen Teil des Talbodens zwischen Davos Platz und Dorf ein. Landungen dort sind unerwünscht ("Gleitschirme werden nicht gerne gesehen"). Ein Gleitschirm auf dem Green stört den Spielbetrieb und beschädigt den Rasen. Nur im absoluten Notfall nutzen und dann sofort den Platz verlassen.
Wildruhezonen: Besonders im Winter sind die Wälder um Davos Schutzzonen für das Wild. Fliegen Sie nicht tief über den Waldgürtel, besonders nicht in den Randstunden. Konsultieren Sie die aktuelle Karte auf wildruhezonen.ch.
Warum sollte man die Schatzalp fliegen, wenn das Jakobshorn höher ist und eine Seilbahn bis zum Gipfel hat? Hier ist der direkte Vergleich für den Entscheidungsprozess:
Merkmal Schatzalp (1.980m) Jakobshorn (2.590m) Parsenn (2.200m+) Primäre Saison Sommer (Vormittag), Winter Ganzjährig Winter / Sommer Beste Tageszeit 09:00 - 12:00 11:00 - 16:00 Vormittag / Früher Nachmittag Wind-Ausrichtung SO - S Alle (N, S, W) S - SO Zugang Standseilbahn + 15min Fußweg Seilbahn (0 min Fußweg) Standseilbahn + Seilbahn Crowd-Faktor Niedrig / Ruhig Hoch (Flugschulen, Tandems) Mittel Atmosphäre Nostalgisch, Naturnah Sportlich, Hochalpin Hochalpin, Ski-Resort Hauptvorteil Frühe Thermik, wenig Wind am Morgen Höhe, Infrastruktur, XC-Einstieg Zugang zu großen XC-Routen Hauptrisiko Talwind-Lee (Nachmittag) Starker Meteo-Wind Föhn-Exposition Export to Sheets
Das Experten-Fazit: Wählen Sie die Schatzalp, wenn Sie einen friedlichen Morgenflug suchen, Hike & Fly trainieren wollen oder dem "Zirkus" am Jakobshorn entfliehen möchten. Wählen Sie das Jakobshorn, wenn Sie maximale Arbeitshöhe und Streckenflugpotenzial am Nachmittag suchen.
Dies ist ein absolut kritischer Punkt für jeden Davos-Piloten. Jedes Jahr im Januar (meist Mitte des Monats) findet das WEF statt. Während dieser Zeit gilt eine strikte Flugverbotszone (LS-R90), die von der Schweizer Luftwaffe durchgesetzt wird.
Umfang: Radius von ca. 46km (25 NM) um Davos.
Durchsetzung: Abfangjäger und Helikopter patrouillieren permanent.
Konsequenz: Ein Einflug führt zu sofortigen juristischen Konsequenzen und möglichen militärischen Maßnahmen.
Status prüfen: Checken Sie die NOTAMs und das DABS (Daily Airspace Bulletin Switzerland) im Januar penibel. Paragliding ist in dieser Woche in Davos komplett gegroundet.
Rega (Luftrettung): Tel. 1414 (oder über die Rega-App, die Koordinaten übermittelt).
Polizei: Tel. 117.
Nächstes Spital: Spital Davos (Promenade 4).
Selbstrettung: Sollten Sie in den steilen Wäldern unterhalb der Schatzalp baumlanden ("Arborierung"), klinken Sie sich nicht aus dem Gurtzeug aus, bis Sie gesichert sind. Das Gelände ist steil und ein Absturz vom Baum kann gefährlicher sein als die Landung selbst.
Ein "Travel Journalist" weiß, dass der Flug erst endet, wenn das Bier getrunken oder die Kultur genossen ist. Die Schatzalp bietet hier Einzigartiges.
Botanischer Garten Alpinum: Wenn die Thermik nachlässt, lohnt sich ein Besuch des Alpinums (direkt beim Hotel). Es beherbergt über 3.500 Pflanzenarten aus Gebirgen der ganzen Welt.
Architektur: Das Hotel Schatzalp (eröffnet 1900) ist ein Stück lebendige Geschichte. Ein Kaffee auf der Sonnenterrasse, mit Blick auf die Davoser Landschaft, die man gerade überflogen hat, rundet das Erlebnis ab.
Sommerrodelbahn: Für den Adrenalinkick am Boden gibt es an der Schatzalp eine Sommerrodelbahn.
Die Schatzalp ist nicht der höchste Startplatz in Davos, noch der einfachste. Aber sie ist zweifellos der atmosphärischste. Sie belohnt den Piloten, der den Rhythmus des Tales versteht – jenen, der früh aufsteht, um den ersten sanften Hauch der Südost-Thermik zu erwischen, während die Stadt unten noch im Schatten liegt.
Von der Schatzalp zu fliegen bedeutet, sich mit der Geschichte von Davos auseinanderzusetzen. Während Sie am ehemaligen Luxussanatorium vorbeigleiten, schwebend zwischen den Fichtenwäldern und der Morgensonne, nehmen Sie teil an einer Tradition der "Luftkuren", die über ein Jahrhundert zurückreicht – nur dass die Kur heute aktiv, dynamisch und aus dem Gurtzeug heraus erlebt wird.
Für den besuchenden Piloten ist die Empfehlung klar: Nutzen Sie die Schatzalp als Ihr morgendliches Warm-up oder Ihr Hike & Fly Sanktuarium. Respektieren Sie den mittäglichen Talwind, achten Sie auf die Kuhspuren und genießen Sie die einzigartige Perspektive des Zauberbergs.
Haftungsausschluss: Gleitschirmfliegen ist ein Risikosport. Die Bedingungen in den Alpen können sich rapide ändern. Dieser Guide ergänzt, ersetzt aber nicht die offizielle Flugplanung, Wetterbriefings und die Einschätzung vor Ort. Konsultieren Sie immer lokale Flugschulen (z.B. Air-Davos, Flugschule Davos) für die aktuellsten Informationen.