
1 Startplatz, 1 Landeplatz
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Das definitive Kompendium für den Startplatz Rottenstein (Steinfeld/Drautal): Ein aerologisches und logistisches Tiefenprofil
Im Herzen der europäischen Gleitschirmszene nimmt das Drautal eine fast mythische Stellung ein. Während jedoch tausende Piloten jährlich zur Emberger Alm bei Greifenburg pilgern – einem Ort, der oft als das "Wimbledon des Drachen- und Gleitschirmfliegens" bezeichnet wird – existiert nur wenige Kilometer östlich eine fliegerische Enklave, die selbst erfahrenen Alpinpiloten oft nur als Randnotiz bekannt ist: Rottenstein. In den Datenbanken des DHV oft nüchtern als "einfacher Wiesenstartplatz" klassifiziert, offenbart sich bei näherer Betrachtung ein hochkomplexes, strategisch wertvolles Fluggebiet, das spezifische Vorteile gegenüber seinem berühmten Nachbarn bietet.
Dieser Bericht zielt darauf ab, über die rudimentären Datenbankeinträge hinauszugehen und eine erschöpfende Analyse des Fluggebiets Rottenstein zu liefern. Er richtet sich an den ambitionierten Streckenpiloten (XC), den sicherheitsbewussten Genussflieger und den Hike & Fly-Athleten, der die Nuancen der lokalen Aerologie und Logistik verstehen muss, um das volle Potenzial dieses "Geheimtipps" auszuschöpfen.
Rottenstein ist nicht einfach nur ein Ausweichberg. Es ist ein thermischer Einstiegspunkt in das Drautal-System, der eine völlig andere Taktik erfordert als der Start von der Emberger Alm. Die relative Abgeschiedenheit, kombiniert mit einer streng reglementierten Logistik, schafft eine Exklusivität, die in den Hochalpen selten geworden ist. Während man an der Emberger Alm oft Teil eines massiven "Gaggles" (Pilotenschwams) ist, bietet Rottenstein die Möglichkeit zur solitären thermischen Entfaltung – vorausgesetzt, man beherrscht die spezifischen Regeln dieses sensiblen Ökosystems.
Rottenstein liegt geographisch präzise verortet auf der Nordseite des Drautals, eingebettet in die südlichen Ausläufer der Kreuzeckgruppe. Diese Positionierung ist aerologisch von entscheidender Bedeutung. Im Gegensatz zu den gegenüberliegenden Gailtaler Alpen, die oft schroff und felsig abfallen, zeichnet sich die Kreuzeckgruppe in diesem Sektor durch steile, aber bewaldete und mit Wiesen durchzogene Flanken aus. Der Startplatz selbst befindet sich auf einer Höhe von ca. 1.270 bis 1.290 Metern über dem Meeresspiegel (MSL).
Der Höhenunterschied zum Talboden in Steinfeld (ca. 600 m MSL) beträgt etwa 670 bis 700 Meter. Dies mag im Vergleich zu den fast 1.100 Metern Höhendifferenz der Emberger Alm zunächst bescheiden wirken. Doch die reine Metrik täuscht über die thermische Effizienz hinweg. Die Südausrichtung (S) des Hanges fungiert als idealer Kollektor für die solare Einstrahlung, die hier fast senkrecht auf die Hangneigung trifft, insbesondere in den Vormittagsstunden, wenn die Sonne im Südosten steht.
Ein wesentliches Merkmal von Rottenstein ist seine Positionierung relativ zur Talachse. Das Gelände liegt etwas zurückversetzt oberhalb der Ortschaft Steinfeld. Diese Lage bietet einen gewissen Schutz vor dem oft turbulenten Talwindsystem, das in den unteren Schichten des Drautals dominant ist. Während Startplätze, die direkt in den Talwind hineinragen, oft schon mittags "verblasen" sind, erlaubt die topographische Nische von Rottenstein oft Starts auch dann noch, wenn im Tal bereits ein kräftiger Ostwind etabliert ist.
Gleichzeitig ist das Gelände nach Westen hin durch den markanten Bergrücken, der zum Stagor (2.289 m) aufsteigt, begrenzt. Diese Barriere ist Segen und Fluch zugleich: Sie schützt vor westlichen Winden, kann aber bei starkem überregionalem Westwind massive Leeturbulenzen erzeugen, die bis in den Startbereich herunterreichen. Die Analyse der Topographie zeigt, dass Rottenstein kein isolierter Hügel ist, sondern eine Rippe im komplexen Rippensystem der Kreuzeckgruppe, was für die XC-Planung (siehe Abschnitt 9) essenziell ist.
Das Verständnis der Meteorologie ist der Schlüssel zur sicheren Befliegung von Rottenstein. Das Drautal ist klimatisch eine der interessantesten Regionen der Ostalpen, geprägt durch seine Ost-West-Ausrichtung und die Abschirmung durch die Hohen Tauern im Norden.
Für Piloten, die aus anderen Alpenregionen kommen, ist das Talwindsystem im Drautal oft kontraintuitiv. Der vorherrschende Talwind bläst hier tagsüber oft aus Osten (Talaufwind aus Richtung Villach/Spittal), nicht wie in vielen anderen Tälern aus Westen. Dieser "Drautaler Ostwind" ist der Motor, der das Fliegen hier so zuverlässig, aber auch anspruchsvoll macht.
Am Startplatz Rottenstein macht sich dies oft durch eine komplexe Schichtung bemerkbar. Während am Startplatz auf 1.300 Metern oft noch thermische Ablösungen oder ein leichter Südwind herrschen, kann im Talboden bei Steinfeld (600 m) bereits ein strammer Ostwind mit 20-30 km/h wehen. Diese Scherungsschicht (Shear Layer) muss beim Landeanflug zwingend einkalkuliert werden. Ein Pilot, der in der Thermikblase startet, wird beim Abstieg in die Talwindschicht auf Turbulenzen treffen, wo die vertikale Thermik auf den horizontalen Talwind trifft.
Die Südausrichtung des Hanges sorgt dafür, dass Rottenstein thermisch oft früher "anspringt" als die höher gelegenen Startplätze der Emberger Alm, die teils noch im Schatten oder in der Inversion liegen können.
Vormittagsphase (10:00 - 12:00 Uhr): Die ersten Ablösungen entwickeln sich über den Wiesen unterhalb des Startplatzes. Dies ist die ideale Zeit für Genussflieger und erste XC-Versuche.
Mittagsphase (12:00 - 14:00 Uhr): Die Thermik wird kräftiger und zerrissener. Der Talwind beginnt, das System zu dominieren.
Nachmittagsphase (ab 15:00 Uhr): Der Talwind erreicht oft seinen Höhepunkt. An guten Tagen konvergiert die Luftmasse über den Kämmen und ermöglicht stundenlanges Soaring ("Magic Lift"), doch in Rottenstein selbst kann der Startplatz nun im Lee leichter thermischer Kanten liegen, wenn der überregionale Wind nicht perfekt passt.
Nordföhn: Wie fast alle Südalpen-Fluggebiete ist Rottenstein bei Nordföhn extrem gefährlich. Die Kreuzeckgruppe wird überspült, und die Leewalzen drücken bis ins Tal. Flugverbot!
Südstau: Bei Südstau kann Rottenstein länger fliegbar bleiben als die Nordalpen, doch die Wolkenbasis sinkt oft ab und es kommt zu Überentwicklungen.
Inversionen: Im Herbst und Winter liegt Rottenstein oft oberhalb der Inversionsschicht, die das Tal mit Nebel füllt ("Nebelmeer"). Dies macht den Platz zu einem exzellenten Winterfluggebiet (siehe Abschnitt 10), während das Tal im grauen Dunst versinkt.
Eine vergleichende Analyse der meteorologischen Eignung zeigt deutliche Unterschiede zu den Nachbargebieten.
Pilotendichte: Während an der Emberger Alm an guten Tagen hunderte Schirme in der Luft sind, was Stress und Kollisionsrisiko erhöht, ist Rottenstein oft menschenleer. Dies ist ein signifikanter Sicherheitsfaktor für Piloten, die "Airspace Anxiety" haben.
Ausbildungseignung: Rottenstein ist explizit für Schulungen kommissioniert. Dies bedeutet, dass die Aerologie als "fehlerverzeihender" eingestuft wird als die thermisch oft brutaleren Hänge der Emberger Alm ("Greifenburg Bowl").
Logistische Hürde: Der Preis für die Ruhe in Rottenstein ist die komplexere Logistik (kein Shuttlebus-System wie an der Emberger Alm), was als natürlicher Filter wirkt.
Die Logistik ist in Rottenstein der kritischste Flaschenhals und unterscheidet sich fundamental von kommerziellen Fluggebieten. Das Missachten der lokalen Regeln führt hier schneller zur Schließung des Geländes als jeder Flugunfall.
Die Zufahrt erfolgt von Steinfeld aus über eine asphaltierte Bergstraße, die gut beschildert ist ("Rottenstein"). Die Fahrtzeit beträgt ca. 15 Minuten. Die Straße windet sich durch den Wald und passiert kleine Weiler.
Das kritische Nadelöhr: Am Startplatz selbst gibt es keinen offiziellen Großparkplatz. Der verfügbare Platz am Feldrand ist extrem begrenzt. Es existiert eine strikte, mit den Landwirten vereinbarte Regelung: Maximal 3 Autos dürfen direkt am oberen Abzweig parken.
Konsequenz: Sobald diese drei Plätze belegt sind, ist das Parken dort illegal. Das Abstellen von Fahrzeugen auf den Zufahrtswegen, in Wiesen oder vor Holzlagerplätzen ist strengstens untersagt und provoziert massive Konflikte mit den Anrainern.
Die Lösung (Gasthaus Moser): Piloten müssen den ausgewiesenen Parkplatz beim Gasthaus Moser nutzen. Dieser befindet sich ca. 100 Meter vor dem Startplatz-Abzweig. Von dort ist es ein kurzer Fußmarsch. Es wird dringend empfohlen, Fahrgemeinschaften ab dem Landeplatz in Steinfeld zu bilden, um die Fahrzeugfrequenz am Berg zu minimieren.
Im Gegensatz zur Emberger Alm, wo in der Saison stündlich Shuttles verkehren, gibt es in Rottenstein keinen öffentlichen Shuttle-Dienst.
Selbstorganisation: Piloten müssen sich selbst organisieren (Hitchhiking, zweites Auto, Fahrgemeinschaften).
Flugschule: Die Flugschule FlyCarinthia bietet Transporte für ihre Schüler an. Externe Piloten können unter Umständen mitfahren, dies ist jedoch nicht garantiert und muss individuell geklärt werden.
Rottenstein ist ein Gelände, das unter der Ägide der Flugschule FlyCarinthia (Gerhard Fischer) steht.
Regelwerk: Es gilt eine faktische Registrierungspflicht. Freiflieger dürfen die Gebiete von FlyCarinthia nur nach vorheriger Anmeldung oder im Beisein eines Fluglehrers nutzen.
Kosten: Für Flugschüler der Schule sind Start- und Landegebühren inkludiert. Externe Piloten sollten sich auf eine Tagesgebühr einstellen (historisch ca. 5,50 € für Tageskarten in der Region, Preise können variieren). Die Anmeldung dient nicht nur der Gebührenerhebung, sondern auch der Frequenzkontrolle, um das Gelände nicht zu überlasten.
Der Startplatz Rottenstein ist in seiner Einfachheit trügerisch. Er bietet exzellente Bedingungen, verlangt aber Aufmerksamkeit bei der Wahl des genauen Spots.
Es existieren zwei primäre Startbereiche :
Der große Hauptstartplatz (Wiese): Eine breite, hindernisfreie Wiese oberhalb des Weilers. Sie ist für Gleitschirme und Drachen geeignet und bietet Platz für mindestens 10 Schirme gleichzeitig. Die Neigung ist mittelsteil, was einen einfachen Vorwärtsstart ermöglicht, aber auch Rückwärtsaufziehen bei Wind begünstigt.
Der kleine Ausweichstartplatz: Dieser befindet sich etwas abseits (ca. 4 Gehminuten den Feldweg hoch, rechts bei einer Bank). Er ist oft die Alternative, wenn der Hauptstartplatz wegen hohem Gras (Futterwiese!) vom Bauern gesperrt ist.
Wichtig: Es ist essenziell, vor dem Auslegen zu prüfen, welche Wiese gerade gemäht ist oder betreten werden darf. Im Zweifel immer den kleineren, weniger landwirtschaftlich genutzten Spot wählen oder den Bauern fragen.
Ein psychologisch und taktisch wichtiges Detail ist die fehlende Sichtverbindung zum Landeplatz. Vom Startplatz aus ist der Landeplatz in Steinfeld nicht sichtbar. Er wird durch Geländerippen und Waldstücke verdeckt.
Implikation: Piloten müssen sich die Position des Landeplatzes (westlich von Steinfeld, nahe dem Campingplatz/Schwimmbad) vor dem Auffahren auf der Karte oder beim Vorbeifahren exakt einprägen. Nach dem Start fliegt man zunächst "ins Blaue" hinaus, bis sich das Tal öffnet und der Blick auf den Talboden frei wird.
Da der Startplatz oft oberhalb der Inversion oder der Talwindschicht liegt, kann am Start perfekter Südwind mit 10 km/h herrschen, während 200 Meter tiefer bereits der Ostwind "schubbert". Beim Rausfliegen spürt man oft einen deutlichen "Bump" oder Turbulenz, wenn man diese Scherschicht durchstößt. Piloten sollten darauf vorbereitet sein, den Schirm aktiv zu stabilisieren und nicht panisch zu reagieren.
Nach dem Start beginnt die taktische Phase des Fluges. Rottenstein bietet hierbei spezifische "House Thermals" (Hausbärte), die wie Fahrstühle in das obere Stockwerk des Drautals fungieren.
Die zuverlässigste Thermikquelle befindet sich fast unmittelbar rechts (westlich) vom Startplatz.
Lage: Über der kleinen Kirche, die am Hang klebt, und den umliegenden Gehöften.
Mechanismus: Die Gebäude und die asphaltierten Zufahrtswege heizen sich schneller auf als die umliegenden Wiesen. Der leichte Südwind schiebt diese Warmluftblasen den Hang hinauf, wo sie an der Waldkante oder direkt über der Kirche abreißen.
Taktik: Nach dem Start nicht sofort geradeaus ins Tal fliegen ("absaufen"), sondern eng am Hang nach rechts orientieren, Höhe halten und über der Kirche das Steigen suchen. Wer hier die Basis macht, hat das Ticket für den Streckenflug gelöst.
Bei reinem thermischen Fliegen ist Rottenstein ein Genuss. Wenn jedoch der Talwind zu stark wird und bis auf Startplatzhöhe hinaufreicht, kann man im dynamischen Aufwind (Soaring) am Hang bleiben.
Warnung: Vorsicht ist geboten, wenn der Wind zu sehr auf Ost dreht. Die Rippe östlich des Startplatzes kann dann ein Lee werfen. Bei Westwind hingegen liegt der gesamte Startbereich im Lee des Stagor-Massivs. Rottenstein ist ein reines Süd- bis Südost-Fluggebiet.
Piloten müssen sich der Koexistenz mit Modellfliegern bewusst sein. Der Hang wird gerne für Modellsegelflug genutzt.
Sicherheitsregel: Modellflugzeuge sind klein, extrem schnell und für Gleitschirmpiloten schwer zu sehen. Meiden Sie niedrige Hangpassagen ("Kratzen"), wenn Modellflieger am Start sind. Suchen Sie den Blickkontakt zu den Piloten am Boden, um deren Flugsektor zu identifizieren.
Die Landung im Drautal ist aufgrund der Infrastruktur (Stromleitungen, Bahnlinie, Fluss) und des Talwindes der anspruchsvollste Teil des Fluges. Für Rottenstein-Piloten gibt es drei relevante Optionen, die sich in Schwierigkeitsgrad und Risiko massiv unterscheiden.
Dies ist der empfohlene Landeplatz für alle Piloten, insbesondere für Gäste und Schüler.
Lage: Westlich von Steinfeld, in der Nähe des Campingplatzes Bergfriede und des Schwimmbads.
Koordinaten: N 46°45'20.33", E 13°14'26.65" (Höhe: 630-640 m).
Charakteristik: Eine riesige, hindernisfreie Wiese.
Schwierigkeit: Sehr einfach.
Besonderheit: Da er als Schulungsgelände dient, ist er absolut hindernisfrei gehalten. Es gibt einen Windanzeiger. Hier zu landen ist stressfrei, solange man den Talwind beachtet, der hier meist laminar aus Osten kommt.
Östlich von Steinfeld befindet sich ein weiterer Landeplatz, der oft verlockend wirkt, aber extreme Vorsicht erfordert.
Lage: Bei der Ortschaft Radlach (630 m).
Gefahr: Diese Wiese ist von Hochspannungsleitungen umzingelt!.
Empfehlung: Dieser Platz sollte nur von sehr erfahrenen Piloten genutzt werden, die das Gelände vorab besichtigt haben. Für Gastpiloten gilt: Meiden. Die optische Weite täuscht über die tödliche Gefahr der fast unsichtbaren Kabel hinweg.
Wer Strecke fliegt, landet oft nicht in Steinfeld, sondern fliegt weiter bis zum Fliegercamp Greifenburg.
Lage: Am Badesee Greifenburg.
Vorteil: Direkter Anschluss an die Infrastruktur (Bar, Shuttle zur Emberger Alm).
Nachteil: Hohes Verkehrsaufkommen. Hier landen Drachen, Starrflügler und Gleitschirme gleichzeitig. Eine strikte Landevolte (Südvolte beachten!) ist zwingend erforderlich.
Rottenstein bietet einen strategisch wertvollen Einstieg in die "Drautal Rennstrecke". Anders als an der Emberger Alm, wo man oft im Pulk startet, kann man hier isoliert Höhe machen und sich dann taktisch klug in den "Traffic" einfädeln.
Dies ist die Standardroute für erste Streckenflüge (20-50 km).
Start & Aufbau: Start in Rottenstein -> Thermik am "Kirchen-Bart" zentrieren -> Aufdrehen bis über Gratniveau (mind. 1.800 - 2.000 m).
Übergang zum Stagor: Vom Rottenstein-Grat quert man nach Westen zum markanten Gipfel des Stagor (2.289 m). Dies ist der Schlüsselmoment. Man muss mit genügend Höhe ankommen, um am Stagor wieder Anschluss zu finden.
Die Rennstrecke: Hat man den Stagor gemeistert, liegt das gesamte obere Drautal vor einem. Die Route führt über das Anna-Schutzhaus, den Knoten und weiter Richtung Lienz/Sillian.
Vorteil: Man startet östlich der Emberger Alm und hat somit bei Westwind (falls vorhanden) Rückenwind auf dem ersten Schenkel, oder man nutzt den Talwind, um an den Hängen "aufzuheizen".
Der Flug zum Weissensee ist visuell spektakulär, aber aerologisch tückisch.
Die Herausforderung: Der Weissensee liegt in einem parallelen Hochtal südlich des Drautals. Um dorthin zu gelangen, muss man den massiven Bergrücken der Kreuzeckgruppe bzw. der Gailtaler Alpen queren.
Taktik: Man benötigt eine Basishöhe von ca. 2.200 m+ über Rottenstein/Stagor. Dann erfolgt die Querung (Talquerung) nach Süden über das Drautal hinweg zur gegenüberliegenden Talseite (Gailtaler Alpen).
Gefahrenzone: Der Weissensee selbst wirkt wie eine Düse. Wenn man dort "absäuft" (landet), ist der Rückweg mühsam, da man im tiefen Tal sitzt. Landemöglichkeiten am See sind vorhanden (z.B. Techendorf, Wiesen am Ostufer), aber oft eng und thermisch aktiv.
Erfolgsrezept: Viele Piloten nutzen den Weissensee nur als Wendepunkt in der Luft und gleiten sofort zurück ins sichere Drautal zum Landen in Greifenburg oder Steinfeld.
Der Flug nach Osten Richtung Spittal an der Drau und zum Goldeck ist oft mühsamer.
Das Problem: Man fliegt oft gegen den etablierten Ost-Talwind an. Dies reduziert die Gleitzahl über Grund massiv.
Machbarkeit: Diese Route funktioniert am besten an Tagen mit schwachem Talwind oder einer leichten Westkomponente in der Höhe. Der Anschluss an den Tschiernock (Nockberge) ist möglich, erfordert aber eine weite Talquerung bei Spittal.
Rottenstein ist ein Paradies für Hike & Fly, besonders in der Übergangszeit (Herbst/Frühling), wenn die Bergbahnen (Emberger Alm, Goldeck) geschlossen sind oder Schnee die hohen Zufahrten blockiert.
Der logischste Aufstieg folgt dem "Berghöfewanderweg".
Startpunkt: Landeplatz Steinfeld oder Ortszentrum (ca. 600 m).
Route: Der Weg führt idyllisch durch Wälder und vorbei an historischen Bergbauernhöfen wie der "Manharthube" und "Holzmann".
Daten:
Höhenmeter: ca. 700 hm.
Distanz: ca. 6-7 km.
Dauer: 1,5 bis 2 Stunden für durchschnittlich fitte Geher.
Schwierigkeit: Technisch einfach (T1/T2), meist auf Forstwegen oder Pfaden, selten steiles Gelände.
Belohnung: Der Startplatz bietet Bänke zur Rast. Da die Straße bis oben asphaltiert ist, ist der Weg auch bei leichter Schneelage oft gespurt oder begehbar.
Im Winter, wenn die Emberger Alm oft tief verschneit und unzugänglich ist (oder nur per Skitourenausrüstung erreichbar), bietet Rottenstein oft noch Zugang. Die Südseite schneit schnell aus.
Abgleiter: Im Winter sind hier stabile Abgleiter in ruhiger Luft die Norm. Ideal für Präzisionslandetrainings oder einfach, um im Winter "Airtime" zu sammeln, wenn anderswo nichts geht.
Ein gelungener Flugtag steht und fällt mit der Infrastruktur am Boden. Steinfeld bietet hier exzellente, pilotenfreundliche Optionen.
Das Camping Bergfriede (Gasthof-Pension) in Steinfeld/Mitterberg ist die strategische Basis für Rottenstein-Flieger.
Der USP (Unique Selling Point): Gäste des Hauses nutzen Start- und Landeplätze oft kostenlos. Dies spart die Tagesgebühren.
Ausstattung: 30 Stellplätze, Zimmer und Ferienwohnungen. Es herrscht eine familiäre "Urlaub am Bauernhof"-Atmosphäre.
Lage: Direkt an der Zufahrtsstraße zum Startplatz gelegen, was die Logistik minimiert.
Am Berg: Es gibt keine Gastronomie direkt am Startplatz! Piloten müssen Wasser und Verpflegung selbst mitbringen. Das Gasthaus Moser am Parkplatz hat unregelmäßige Öffnungszeiten – nicht darauf verlassen!
Im Tal (Steinfeld):
Supermarkt: Ein SPAR Markt befindet sich im Ortszentrum für die Proviantbeschaffung.
Après-Fly: Die "Cafe Pizzeria Troja" ist der lokale Klassiker für die Pizza nach dem Flug. Auch "meine JausnZeit" bietet lokale Snacks an.
Fliegercamp Greifenburg: Wer mehr Trubel und Party sucht, ist im Fliegercamp am Badesee Greifenburg besser aufgehoben (4 km westlich). Dort gibt es eine Bar, direkten Seezugang und eine hohe Dichte an Gleichgesinnten. Die Anfahrt nach Rottenstein ist von dort jedoch weiter.
Die Erhaltung des Fluggebiets Rottenstein hängt von der strikten Einhaltung der Regeln ab. Es ist ein "Geduldetes Gelände" auf Privatgrund, kein öffentlicher Park.
Das Drautal ist weitgehend frei von komplexen Luftraum-Beschränkungen (CTR/TMA) in den flugrelevanten Höhen, solange man nicht extrem hoch (über FL 125/195) oder weit nach Osten Richtung Klagenfurt fliegt. Dennoch gilt:
Segelflugsektoren: Achten Sie auf Segelflieger. Das Drautal ist eine Hauptroute für Segelflugzeuge im Streckenflug.
Militär: In Österreich gibt es temporäre militärische Tieffluggebiete. Ein Blick auf die aktuelle ICAO-Karte oder Austro Control Drohnen-App ist Pflicht.
Parkdisziplin: Das 3-Auto-Limit ist heilig.
Müll: "Leave no trace". Nehmen Sie alles wieder mit.
Landwirtschaft: Landen Sie niemals im hohen Gras (Futterwiese). Nutzen Sie im Zweifel den Abbauplatz am Rand. Falten Sie Ihren Schirm nicht mitten auf der Wiese, wenn der Bauer gerade mäht oder arbeitet.
Rottenstein ist weit mehr als der "kleine Bruder" der Emberger Alm. Es ist ein technisch interessantes, logistisch anspruchsvolles, aber fliegerisch lohnendes Fluggebiet, das dem kundigen Piloten Ruhe und Qualität bietet. Es ist der perfekte Ort für:
XC-Piloten, die dem Stress des Massenstarts entfliehen wollen.
Hike & Fly-Enthusiasten, die einen ehrlichen Aufstieg mit einem thermischen Flug verbinden wollen.
Einsteiger, die in der sicheren Umgebung der Flugschule FlyCarinthia ihre ersten Höhenflüge und Thermikerfahrungen sammeln möchten.
Wer die Regeln respektiert, das Auto beim Moser parkt und den "Kirchen-Bart" findet, wird in Rottenstein Flugtage erleben, die in ihrer Qualität den berühmten Nachbarn in nichts nachstehen – oft sogar mit dem besseren Blick auf den Weissensee und ohne den Kampf um jeden Meter im Bart.