
1 Startplatz, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Greifenburg: Die Kathedrale des Streckenflugs – Ein umfassender Piloten-Report
Greifenburg im Oberen Drautal ist weit mehr als nur ein Punkt auf der Landkarte eines Gleitschirmfliegers; es ist eine Institution. Unter erfahrenen Piloten wird der Name mit einer Ehrfurcht ausgesprochen, die sonst nur Orten wie Saint-André-les-Alpes in Frankreich oder Valle de Bravo in Mexiko zuteilwird. Es ist der Inbegriff der "Rennstrecke der Alpen", ein Ort, an dem die Topografie und die Meteorologie eine Symbiose eingehen, die Streckenflüge (XC) nicht nur ermöglicht, sondern fast schon erzwingt. Für Piloten, die ihre ersten 50, 100 oder gar 200 Kilometer fliegen wollen, ist die Emberger Alm oft der Ort, an dem diese Träume Realität werden. Doch dieser Ruf zieht auch Massen an, und die scheinbare Einfachheit des "Drautal-Autobahn-Fliegens" birgt tückische Gefahren, die in keinem Standard-Guide stehen.
Dieser Bericht, verfasst aus der Perspektive eines erfahrenen Streckenpiloten und Analysten alpiner Fluggebiete, zielt darauf ab, die Lücke zwischen den oberflächlichen Informationen der Tourismusverbände und der komplexen Realität in der Luft zu schließen. Wir werden tief in die Aerologie des Drautals eintauchen, die psychologischen Fallen des "Pulk-Fliegens" beleuchten und jene unsichtbaren Linien in der Luft kartieren, die über einen Rekordflug oder eine Außenlandung im Talwind entscheiden.
Eignungsprofil und Zielgruppe
Greifenburg ist kein Anfängergebiet im klassischen Sinne, obwohl es oft so beworben wird. Die Infrastruktur ist anfängerfreundlich, die Luft zur Mittagszeit ist es nicht.
Ideal für: Ambitionierte Freizeitpiloten (B-Schein Niveau), die Streckenflugerfahrung sammeln wollen; Wettkampfpiloten auf Trainingsmission; Genussflieger, die die Abendthermik nutzen.
Bedingt geeignet für: A-Schein-Neulinge ohne Fluglehrerbegleitung. Die thermischen Bedingungen im Frühjahr und Frühsommer können brutal sein ("glashart"), und der Talwind am Landeplatz erreicht Stärken, die eine präzise Rückwärtsstart- und Starkwindlandetechnik erfordern.
In den folgenden Kapiteln werden wir jeden Aspekt dieses Weltklasse-Fluggebiets sezieren – von der molekularen Ebene der Thermikentstehung an den Südhängen der Kreuzeckgruppe bis hin zur makroskopischen Logistik des Shuttle-Systems.
Um Greifenburg zu verstehen, muss man zuerst das Drautal verstehen. Es ist nicht einfach ein Tal; es ist ein Windkanal, der von der Natur für Segelflugzeuge und Gleitschirme optimiert wurde.
Das Drautal verläuft in diesem Abschnitt fast perfekt von West nach Ost. Diese Orientierung ist der Schlüssel zum Erfolg.
Die Nordseite (Südhänge): Die Kreuzeckgruppe bildet die nördliche Begrenzung des Tals. Ihre Flanken sind nach Süden ausgerichtet und fallen steil ins Tal ab. Diese Exposition sorgt für eine maximale Sonneneinstrahlung von früh morgens bis spät abends. Die Hänge sind thermisch hochaktiv und durch Rippen und Schneisen strukturiert, die als zuverlässige Abrisskanten (Triggerpunkte) fungieren.
Die Südseite (Nordhänge): Gegenüber liegen die Gailtaler Alpen mit ihren schroffen Kalkwänden. Obwohl sie im Schatten liegen können, bieten sie an stabilen Tagen oder bei speziellen Windlagen ("Nordstau-Refugium") interessante Alternativen und sind der Schlüssel für komplexe Dreiecksflüge.
Der Talboden: Er ist breit, flach und landwirtschaftlich genutzt, was eine unendliche Anzahl an sicheren Außenlandemöglichkeiten bietet. Das nimmt dem Piloten den Stress ("Mental Load"), immer einen offiziellen Landeplatz in Gleitreichweite haben zu müssen.
Das Verständnis des Talwinds ist die Lebensversicherung jedes Piloten in Greifenburg. Im Gegensatz zu vielen anderen Alpentälern, wo der Talwind oft aus Westen (vom Vorland in die Alpen hinein) weht, dominiert im Drautal der Ostwind.
Mechanismus und Timing
Der Talwind entsteht durch das thermische Ansaugen der großen inneralpinen Massifen (z.B. Hohe Tauern) und lokale Druckausgleiche.
Vormittags (bis ca. 11:00 Uhr): Oft herrscht Windstille im Tal oder ein leichter Bergwind (Abfluss) aus West. Dies ist die ruhigste Phase.
Mittags (ab 12:00 Uhr): Der Ostwind setzt ein. Er beginnt sanft, gewinnt aber schnell an Fahrt.
Nachmittags (14:00 - 17:00 Uhr): Der Höhepunkt. Der "Drautaler" kann am Landeplatz Windspitzen von 30-40 km/h erreichen. Dies ist für Gleitschirme grenzwertig. In der Höhe (über 1500m) merkt man davon oft nichts, da man im überregionalen Wind oder der Thermik fliegt, aber der Abstieg in das "Windband" im Tal muss geplant sein.
Die Interaktion mit dem Meteowind
Ein kritischer Faktor ist die Überlagerung mit dem Höhenwind.
Bei Westwind in der Höhe: Dies ist die klassische XC-Wetterlage. Der Westwind in der Höhe schiebt die Piloten die "Rennstrecke" hinunter, während der Ostwind im Tal entgegenweht. Das führt zu einer Windscherung in der Höhe der Inversion oder der Hangkante. Diese Scherung kann Turbulenzen verursachen, aber oft ermöglicht sie auch das "Einparken" beim Soaren.
Bei Nordwind: Gefährlich! Die Emberger Alm liegt im Lee der Hohen Tauern. Wenn der Nordüberdruck zu groß wird, schwappt der Föhn über den Alpenhauptkamm. In Greifenburg kann es noch fliegbar wirken, während in den Tauerntälern der Sturm tobt. Anzeichen sind linsenförmige Wolken (Lenticularis) und ein zerrissenes Wolkenbild.
Das Drautal neigt, besonders im Herbst und Winter, zu Inversionen. Der Kaltluftsee im Tal kann zäh sein. Der Startplatz auf der Emberger Alm (ca. 1700m) liegt jedoch oft oberhalb dieser Inversion. Das führt zu dem Phänomen, dass man oben in herrlicher Sonne und Wärme startet, aber bei der Landung in ein kühles, dampfiges Tal eintaucht. Für den Streckenflug bedeutet dies: Wer absäuft und unter die Inversion fällt, kommt oft nicht mehr hoch ("Game Over").
Die Emberger Alm bietet eine Infrastruktur, die auf Masse ausgelegt ist, aber dennoch ihre Tücken hat. Es gibt nicht "den" Startplatz, sondern ein Ensemble aus Möglichkeiten, die je nach Bedingung gewählt werden sollten.
Dies ist die Bühne, auf der sich das tägliche Drama abspielt. Hier treffen Weltmeister auf Flugschüler.
Koordinaten: N 46° 46' 21'', E 13° 08' 59''.
Höhe: 1.720 m - 1.735 m MSL.
Ausrichtung: Süd bis Süd-West (S-SW).
Charakteristik: Eine breite, maschinell gepflegte Schneise im Wald. Der Untergrund ist Wiese, ideal für das Auslegen des Schirms. Die Neigung ist "mittelsteil" – steil genug, um schnell Fahrt aufzunehmen, aber flach genug, um den Schirm kontrolliert aufzuziehen.
Infrastruktur: Direkt am Startplatz befinden sich Windsäcke, oft eine elektronische Wetterstation und Sitzbänke für Zuschauer.
Die "Start-Walze": Aufgrund der Waldschneisen-Situation kann bei starkem thermischen Ablösen oder leichtem Seitenwind eine Rotor- oder Walzenbildung in der Schneise entstehen. Achten Sie penibel auf die Windspione in den seitlichen Baumwipfeln. Wenn diese sich wild drehen, warten Sie ab!
Drachen-Rampe: Am linken Rand (Blickrichtung Tal) befindet sich eine Holzrampe für Drachenflieger. Paragleiter sollten diesen Bereich freihalten, da Drachen weniger flexibel im Startabbruch sind.
Wenige hundert Meter östlich und höher gelegen befindet sich der obere Startplatz.
Koordinaten: N 46° 46' 36'', E 13° 09' 00''.
Höhe: ca. 1.860 m MSL.
Ausrichtung: Süd-Ost (SO) bis Süd (S).
Zugang: Vom Hauptstartplatz führt ein steiler Wanderweg hinauf (ca. 15-20 Minuten, schweißtreibend mit Ausrüstung). Alternativ fahren manche Shuttles gegen Aufpreis oder nach Absprache weiter hoch.
Warum hier starten?
Höhenvorteil: Die zusätzlichen 140 Meter können an stabilen Tagen den entscheidenden Unterschied machen, um über die Inversion oder an die Basis zu kommen.
Windrichtung: Bei einer leichten Ost-Tendenz steht der Wind hier oft besser an als in der SW-Schneise des Hauptstartplatzes.
Ruhe: Es ist deutlich weniger Betrieb. Wer dem "Lemming-Start" entgehen will, nimmt den Fußmarsch in Kauf.
Warnung: Bei Westwind liegt dieser Startplatz tendenziell im Lee des westlich vorgelagerten Bergrückens (Naßfeldriegel). Hier ist bei Westlagen absolute Vorsicht geboten.
Wenn im März die Alm noch tief verschneit ist, aber die Thermik im Tal schon brummt, ist dies der "Place to be".
Höhe: 1.068 m MSL.
Ausrichtung: Süd (S).
Charakter: Eine Wiese im unteren Drittel des Berges.
Nutzung: Vor allem im Winter und zeitigen Frühjahr oder für Schulungsflüge. Im Sommer thermisch oft uninteressant, da man zu tief einsteigt.
Merkmal Thermiktreff (Hauptstart) Hoher Start Wiesflecker Höhe (MSL) 1.720 m 1.860 m 1.068 m Erreichbarkeit Shuttle / PKW (direkt) Fußmarsch (15 min) / Shuttle (selten) PKW / Shuttle Ausrichtung S-SW SO-S S Frequenz Sehr Hoch (Crowded) Mittel bis Niedrig Saisonabhängig Drachenrampe Ja Nein (Wiese) Nein Beste Zeit Ganzjährig (wenn schneefrei) Stabile Tage / Ostlagen Winter / Frühjahr Schwierigkeit Einfach bis Mittel Mittel (Gelände flacher) Einfach Export to Sheets
Die Logistik in Greifenburg ist legendär effizient und trägt maßgeblich zur Popularität bei. Man benötigt kein eigenes Auto, um hier glücklich zu werden.
Das Rückgrat des Flugbetriebs ist der organisierte Shuttle-Dienst. Verschiedene Anbieter konkurrieren hier, was zu einer hohen Frequenz führt.
Haupt-Treffpunkt: Direkt am Landeplatz beim Fliegercamp (am Badesee). Hier warten die Busse (meist 9-Sitzer Kleinbusse oder größere Taxis).
Abfahrtszeiten:
Hauptsaison (Juni-Aug): An guten Tagen praktisch im Pendelverkehr. Sobald ein Bus voll ist (was oft nur 10 Minuten dauert), fährt er ab. Offiziell oft stündlich (z.B. 09:00, 10:00, 11:00), aber in der Praxis viel öfter.
Nebensaison: Feste Zeiten beachten oder telefonisch anfragen. Die Rezeption des Fliegercamps hilft hier weiter.
Kosten: Eine Auffahrt kostet für Piloten typischerweise zwischen 10 € und 15 € (inklusive Landegebühr/Mautanteil – Bargeld bereithalten!). Dies ist oft günstiger als die Maut mit dem eigenen PKW, wenn man alleine fährt.
Das "Bus-Briefing": Nutzen Sie die 20-30 minütige Auffahrt. Lauschen Sie den Gesprächen der Locals oder Fluglehrer im Bus. Oft werden hier die aktuellen Tagesbedingungen ("Basis auf 3000m", "Ostwind kommt früher") diskutiert.
Wer unabhängig sein will oder Familie dabei hat, kann selbst hochfahren.
Zustand: Eine gut ausgebaute, zweispurige Asphaltstraße. Auch für Wohnmobile (bis zu einer gewissen Größe) befahrbar, aber steil.
Mautgebühr: Die Straße ist privat bewirtschaftet.
PKW: ca. 26,00 € pro Auffahrt (Stand 2024/2025 Schätzung basierend auf ).
Spar-Tipp: Mit der Kärnten Card ist die Maut oft reduziert oder gar kostenlos (genaue Konditionen saisonal prüfen!). Wer einen längeren Urlaub in Kärnten plant, für den amortisiert sich die Karte (ca. 60-70€/Woche) oft schon nach 2-3 Auffahrten.
Parken: Oben gibt es große Parkplätze bei den Gasthöfen (Sattlegger/Fichtenheim). Bitte nicht auf den Wiesen oder in den Zufahrten der Hütten parken. Das Verhältnis zu den Almwirten ist gut, soll aber nicht durch wildes Parken strapaziert werden.
Der Aufstieg zu Fuß ist möglich, aber eine sportliche Herausforderung.
Route: Vom Landeplatz (ca. 620m) folgt man Wanderwegen Richtung Emberger Alm. Man kreuzt mehrfach die Straße.
Höhenmeter: Über 1.100 hm.
Dauer: 2,5 bis 3,5 Stunden für durchschnittlich trainierte Geher.
Belohnung: Das Bier auf der Alm schmeckt besser, und man spart Maut/Shuttle.
Jetzt kommen wir zum Kern der Sache: Wie bleibt man oben, wenn andere absaufen? Greifenburg hat seine eigenen Gesetze.
Viele Piloten starten und fliegen direkt geradeaus über die Waldschneise. Das ist oft ein Fehler.
Die Realität: Direkt vor dem Startplatz ("Thermiktreff") ist die Thermik oft zerrissen, weil der Waldgürtel unterbrochen ist und der Wind durchpfeift.
Der Insider-Tipp: Fliegen Sie nach dem Start sofort nach links (Osten). Folgen Sie der Hangkante für ca. 300 bis 500 Meter.
Der Trigger: Dort, wo der Wald eine kleine Nase bildet oder eine leichte Geländerippe sichtbar ist, steht fast immer der zuverlässigste Bart ("Windradl-Bart" oder "Sattlegger-Bart"). Hier sammeln sich die erfahrenen Piloten.
Taktik: Geduld! Drehen Sie hier ein, auch wenn es anfangs nur schwach steigt. Dieser Bart ist der "Lift" in das obere Stockwerk. Verlassen Sie ihn nicht unter 2.200m, wenn Sie auf Strecke gehen wollen.
Viele Anfänger wollen sofort auf die andere Talseite (Süden, Gailtaler Alpen).
Fehler: Eine zu frühe Querung ohne ausreichende Höhe endet oft am Talboden.
Regel: Queren Sie das Drautal erst, wenn Sie an der Basis sind (idealerweise > 2.500m). Die Talmitte ist oft thermisch tot oder sinkt großflächig ("Drautal-Senke").
Ziel: Visieren Sie auf der Gegenseite markante Gipfel wie den Gaugen oder den Stagor an. Diese stehen exponiert im Wind und triggern zuverlässig.
Am späten Nachmittag (ab 16:30/17:00 Uhr) ändert sich der Charakter des Gebiets.
Restitution: Die großen Felswände der Kreuzeckgruppe geben die gespeicherte Wärme ab. Zusammen mit dem nachlassenden Talwind entsteht ein großflächiges, sanftes Steigen ("Magic Air").
Route: Man kann oft kilometerweit die Hangkante entlang soaren, ohne einen Kreis zu drehen. Das ist die Zeit für entspannte Genussflüge in den Sonnenuntergang. Vorsicht: Nicht zu spät landen, da die Dämmerung in den Bergen schnell hereinbricht.
Greifenburg ist berühmt für drei klassische Routen, die aufeinander aufbauen.
Die Einsteiger-Strecke. Man bleibt immer auf der sicheren Nordseite des Tals.
Route: Emberger Alm -> Richtung Westen bis Oberdrauburg -> Wende -> Zurück zum Landeplatz.
Distanz: ca. 35-40 km (Hin und Zurück).
Wegpunkte:
Start: Höhe machen am Hausbart.
Knotenpunkte: Vorbei an Berg im Drautal und Dellach. Man springt von Rippe zu Rippe.
Wende: Die Kirche von Oberdrauburg oder das "Anna-Schutzhaus" am Berg.
Vorteil: Man hat immer die Bundesstraße und Landewiesen unter sich. Der Talwind hilft beim Rückweg (Rückenwind).
Schwierigkeit: Gering. Ideal für den ersten 30er.
Landschaftlich die schönste Route, aber fliegerisch anspruchsvoller.
Route: Emberger Alm -> Gaugen (Südseite) -> Stagor -> Weissensee -> Zurück.
Distanz: ca. 25-35 km.
Schlüsselstellen:
Die Querung: Vom Startplatz quert man das Tal zum Gaugen (markanter Grasberg auf der Südseite).
Der Stagor: Vom Gaugen weiter nach Osten zum Stagor (steiler Kegelberg). Hier Höhe tanken!
Der Sprung zum See: Vom Stagor fliegt man über den Bergrücken nach Süden. Plötzlich öffnet sich der Blick auf den türkisblauen Weissensee ("Vison Run" / "Wiis").
Der Rückweg (Gefahr!): Dies ist der kritische Punkt. Man muss vom Weissensee wieder zurück über den Bergrücken ins Drautal. Wer hier zu tief ist, kommt nicht mehr über den Grat und muss am Weissensee notlanden (wenig Landemöglichkeiten, Logistik-Albtraum, da lange Rückfahrt).
Die Königsdisziplin, oft 100km+.
Route: Emberger Alm -> Sillian (Pustertal) -> Goldeck (Spittal) -> Weissensee -> Emberger Alm.
Herausforderung:
Lienz: Der Übergang vom Drautal ins Pustertal bei Lienz ist schwierig. Hier prallt der Drautaler Ostwind oft auf den Pustertaler Westwind. Turbulenzzone! Zudem muss der Luftraum (CTR Lienz) umflogen werden.
Goldeck: Der Flug ganz nach Osten zum Goldeck (bei Spittal) ist einfach (Rückenwind). Aber der Rückweg gegen den dann starken Ostwind kann zur Geduldsprobe werden ("Parken in der Luft").
Zwischen dem Berg Stagor und dem Goldeck gibt es Einschnitte, durch die der Drautaler Talwind (Ostwind) in Richtung Weissensee "leckt" oder umgekehrt, je nach Drucklage.
Gefahr: Wer vom Weissensee zurück ins Drautal fliegt und dabei den tiefsten Punkt des Grats (den Pass) anvisiert, gerät oft in ein massives Lee. Der Talwind drückt durch den Pass wie durch eine Düse (Venturi-Effekt).
Regel: Überfliegen Sie den Grat zurück ins Drautal immer mit ausreichend Sicherheitshöhe (mindestens 200-300m über Grat). Fliegen Sie nie in die Einschnitte hinein, wenn Sie tief sind.
Das Drautal ist eine Energie-Trasse.
Am Landeplatz: Direkt östlich des offiziellen Landeplatzes (beim Camping) verläuft eine 110kV-Leitung quer über den Talboden. Sie ist mit Warnkugeln markiert, aber bei Gegenlicht schwer zu sehen.
Landeanflug: Planen Sie Ihre Volte so, dass Sie niemals in die Nähe der Leitungen kommen, auch nicht, wenn Sie abgetrieben werden.
An guten Tagen sind 200-300 Piloten in der Luft.
Im Hausbart: Hier herrscht oft "Krieg". Halten Sie die Drehrichtung ein (i.d.R. links, aber an Hangnähe hat der Hangflieger Vorrang – Ausweichregeln penibel beachten!).
Der "Tote Winkel": Schauen Sie vor jeder Kurve nicht nur zur Seite, sondern auch nach oben und unten. Viele Unfälle passieren, weil jemand von unten in einen Piloten hineinsteigt.
CTR Lienz: Westlich von Oberdrauburg beginnt der Nahkontrollbezirk (CTR) von Lienz. Dieser ist Luftraum D und für Gleitschirme tabu (außer es gibt spezielle Segelflugsektoren, die per Funk freigegeben sind – für Normalpiloten: Draußen bleiben!). Laden Sie sich aktuelle OpenAir-Dateien auf Ihr Vario. Ein Einflug in die CTR kann zum Verlust der Lizenz führen.
Dies ist das Epizentrum. Es liegt direkt am offiziellen Landeplatz und am Badesee.
Atmosphäre: Hier dreht sich alles ums Fliegen. Morgens sieht man Piloten beim Wettercheck, abends beim Landebier.
Ausstattung: Campingplätze (Zelt/Wohnmobil), Miet-Wohnwagen, saubere Sanitäranlagen, ein kleiner Shop.
Badesee: Der Eintritt ist für Camper oft inklusive oder ermäßigt. Ein Sprung ins kühle Wasser nach einem 6-Stunden-Flug ist das Markenzeichen von Greifenburg.
Buchung: Im Juli/August oft ausgebucht! Frühzeitig reservieren oder auf die "Überlaufwiese" hoffen.
Wer den Luxus sucht, morgens nicht shutteln zu müssen:
Almhotel Fichtenheim (Sattlegger): Wolfgang Sattlegger ist selbst eine Legende. Das Hotel bietet Wellness, gutes Essen und vor allem: Man fällt vom Frühstückstisch fast direkt an den Startplatz. Ideal für Familien, da auch Wandern möglich ist.
Sattlegger’s Alpenhof: Ebenfalls direkt oben gelegen, ähnlicher Komfort.
Dünhofenhütte: Etwas uriger, Hüttencharakter.
Landeplatz-Kiosk: Einfache Gerichte (Pizza, Toast), perfekt für den Hunger direkt nach der Landung. Hier trifft man sich zur Manöverkritik.
Gasthof Trunk (Greifenburg Ort): Gute bürgerliche Küche, wenn man abends mal "richtig" essen gehen will abseits des Camping-Trubels.
Schirm: Ein "High-EN-B" ist für Greifenburg oft die beste Wahl. Er bietet genug Leistung für Strecken, ist aber in der harten Mittagsthermik entspannter zu fliegen als ein Hochleister.
Gurtzeug: Ein Beinsack (Pod) ist empfehlenswert, da es auf 3000m auch im Sommer kalt wird.
Instrumente: Ein Vario mit GPS und Luftraumwarnung ist Pflicht für Streckenflüge (wegen CTR Lienz).
Funk: PMR-Funkgerät (Kanal 8/Unterkanal oft genutzt, aber besser vor Ort fragen) für Kommunikation mit Fliegerkollegen oder Rückholern.
Monat Bedingungen Pilotenniveau März/April Extreme Thermik, hohe Basis, kalt. Experten / Profis Mai/Juni Sehr gut für weite Strecken, labil (Gewittergefahr). Fortgeschrittene Juli/August Stabil, zuverlässig, aber sehr voll. Talwind stark. Alle (mit Vorsicht) Sept/Okt "Golden Season". Sanfte Thermik, klare Sicht. Genussflieger / Anfänger Export to Sheets
Auch in Greifenburg regnet es mal oder der Nordföhn bläst.
Alternativ-Fluggebiete:
Goldeck (Spittal): Bei Nordwind oft geschützter, da weiter inneralpin und durch die Tauern besser abgeschirmt? Nein, Goldeck ist bei Nord auch heikel. Besser: Gerlitzen (bei Villach, ca. 45 min Fahrt). Die Gerlitzen geht fast immer und bei fast jeder Windrichtung (außer Sturm).
Stall (Mölltal): Kleineres Gebiet, oft ruhiger.
Non-Flying Activities:
Baden: Weissensee (Karibik-Feeling) oder Millstätter See.
Klettern: Kletterpark direkt beim Fliegercamp.
Kultur: Stadtbummel in Lienz (italienisches Flair) oder Spittal (Schloss Porcia).
Greifenburg ist zu Recht eine Weltklasse-Destination. Es bietet die seltene Kombination aus infrastrukturellem Komfort (Shuttle, Camping am Landeplatz) und sportlicher Höchstleistung. Doch der Respekt vor dem Talwind und der hochalpinen Aerologie darf nie verloren gehen.
Der finale Pro-Tipp: Fliegen Sie am ersten Tag defensiv. Landen Sie mittags, bevor der Talwind brüllt. Beobachten Sie die "Locals". Und wenn Sie dann bereit sind, lassen Sie sich vom "Greifenburg-Express" an die Basis saugen und genießen Sie den Blick auf den Großglockner im Norden und die Dolomiten im Süden. Es gibt kaum einen schöneren Ort zum Fliegen.
Quellenverzeichnis (integriert): Informationen basieren auf sowie allgemeinem Expertenwissen über alpine Meteorologie und Flugpraxis.