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Predigberg

Startplätze:3
Landungen:1
Koord.:46.9632°N, 10.2070°E
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Geländekarte

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Start- & Landeplätze

3 Startplatzätze, 1 Landeplatz

Predigberg Startplatz 1

Start
Höhe2212m ü. M.
Koord.46.9632, 10.2070
WindSW, W, NW
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Predigberg Startplatz 2

Start
Höhe2295m ü. M.
Koord.46.9648, 10.2161
WindN
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Predigberg Startplatz 3

Start
Höhe2383m ü. M.
Koord.46.9634, 10.2201
WindO
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Predigberg Landeplatz

Landung
Höhe1544m ü. M.
Koord.46.9742, 10.2022
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Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Monographie des Predigbergs: Der umfassende Pilotenguide für Galtür Executive Summary: Ein alpines Juwel im Wandel der Zeit

Der Predigberg in Galtür, gelegen im hochalpinen Herzen der Silvretta-Gruppe am Ende des Tiroler Paznauntals, repräsentiert in der Welt des Gleitschirmfliegens weit mehr als nur eine Ansammlung von GPS-Koordinaten. Er ist ein Symbol für die raue, unverfälschte Schönheit des freien Fliegens, aber auch ein prominentes Beispiel für den strukturellen Wandel, den viele klassische Fluggebiete derzeit durchlaufen. Während offizielle Datenbanken wie die des DHV oft dazu neigen, ein statisches Bild der Gegebenheiten zu zeichnen – Koordinaten, Startrichtungen, Höhendifferenzen –, offenbart die Realität vor Ort eine dynamische Entwicklung, die für den besuchenden Piloten von entscheidender Bedeutung ist.

Die wichtigste Erkenntnis für jeden Piloten, der eine Reise in dieses Gebiet plant, ist der fundamentale logistische Paradigmenwechsel, der seit dem Jahr 2022 stattgefunden hat. Über Jahrzehnte hinweg war der Predigberg synonym mit dem "Rundum-Sorglos-Paket" der Flugschule High & Fun und dem legendären Fliegerhotel Silbertaler. Mit dem Ruhestand der Betreiber und der Schließung des Hotels ist diese Ära der "betreuten Logistik" zu Ende gegangen. Der Predigberg transformiert sich von einem bequem per Shuttle erreichbaren Startplatz hin zu einem exklusiven Ziel für eigenverantwortliche Alpinisten und Hike & Fly-Enthusiasten.

Dieser Bericht, der in seiner Detailtiefe und seinem Umfang weit über herkömmliche Geländebeschreibungen hinausgeht, dient als unverzichtbares Kompendium für den modernen Piloten. Er bietet nicht nur eine mikroskopisch genaue Analyse der topografischen und aerologischen Gegebenheiten, sondern auch strategische Handlungsempfehlungen für die neue logistische Realität. Von den komplexen Talwindsystemen des Paznauns über die taktische Planung von Streckenflügen in das vergletscherte Jamtal bis hin zu überlebenswichtigen Sicherheitswarnungen bezüglich der Landeplatzbeschaffenheit – dieses Dokument lässt keine Frage unbeantwortet. Es richtet sich an den erfahrenen Piloten, der das Besondere sucht und bereit ist, sich intensiv mit seinem Fluggebiet auseinanderzusetzen, um sicher und genussvoll in einer der spektakulärsten Landschaften der Ostalpen zu fliegen.

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Geografische und Topografische Einordnung: Das Terrain verstehen

Um den Predigberg fliegerisch zu meistern, muss man zunächst seine geografische Einbettung verstehen. Galtür, auf 1.584 Metern Seehöhe gelegen, ist der höchstgelegene Ort im Paznauntal. Anders als die weiter talabwärts gelegenen, oft hektischen Tourismuszentren wie Ischgl, bietet Galtür durch seine Lage am Talschluss eine topografische Arena, die durch die massiven Gebirgsstöcke der Verwallgruppe im Norden und der Silvretta im Süden definiert wird. Der Predigberg selbst ist ein süd-exponierter Bergrücken, der sich nördlich des Ortes erhebt und somit als perfekter Kollektor für die solare Einstrahlung dient.

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Die Architektur des Berges

Die Morphologie des Predigbergs ist für thermisches Fliegen nahezu ideal modelliert. Aus dem Talboden steigen zunächst steile, teilweise bewaldete Flanken auf, die in den mittleren Lagen in weite, von Lawinengalerien und Felsdurchsetzten Rinnen unterbrochene Almwiesen übergehen. Diese Struktur sorgt dafür, dass sich Thermikblasen, die im Talboden entstehen, an den Flanken ablösen und entlang des Berges nach oben ziehen können. Die Südexposition garantiert dabei eine frühzeitige Erwärmung, während die im Hintergrund liegenden Felsmassive als zuverlässige Abrisskanten für die Bartbildung fungieren.

Ein entscheidendes Merkmal des Predigbergs ist seine Positionierung relativ zum Talverlauf. Da das Paznauntal hier eine leichte Kurve beschreibt und sich zum Talschluss hin verengt, interagieren die Luftmassen des Talwindes intensiv mit der Orographie. Der Predigberg fungiert dabei oft als Prallhang für den talauswärts strömenden Wind oder als Leithangschiene für den thermischen Talwind, je nach vorherrschender Wetterlage. Diese Interaktion schafft ein Mikroklima, das sowohl Chancen als auch Risiken birgt und im weiteren Verlauf dieses Berichts detailliert analysiert wird.

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Die "Big Three": Detaillierte Analyse der Startplätze

Der Begriff "Predigberg Startplatz" ist in der Praxis eine Vereinfachung. Tatsächlich handelt es sich um ein gestaffeltes System aus drei primären Startmöglichkeiten, die unterschiedliche aerologische Funktionen erfüllen. Diese Differenzierung ist entscheidend für die Flugplanung, da sie es dem Piloten ermöglicht, auf verschiedene Windregime und Tageszeiten flexibel zu reagieren. Die pauschale Angabe einer einzigen Koordinate, wie sie in einfachen Verzeichnissen oft zu finden ist, wird der Komplexität des Geländes nicht gerecht.

Startplatz 1: Der "West-Klassiker" (Basis-Lager)

Dieser Startplatz ist das Herzstück des Fluggebiets und dient den meisten Piloten als primärer Ausgangspunkt. Er befindet sich auf einer markanten Schulter, die weit genug aus dem Waldgürtel herausragt, um eine saubere Anströmung zu gewährleisten.

Höhe: 2.212 m MSL.  

GPS-Koordinaten: N 46°57'47.37", E 10°12'25.18".  

Aerologische Ausrichtung: Südwest bis West (SW-W), mit Toleranzbereich bis Nordwest (NW).  

Geländebeschaffenheit: Es handelt sich um eine klassische alpine Wiese, durchsetzt mit festen Grasbüscheln und vereinzeltem Gestein. Die Neigung ist als moderat bis mittelsteil einzustufen, was den Startlauf erleichtert, aber auch bei Nullwind ein engagiertes Anlaufen erfordert.

Taktische Nutzung: Dieser Platz spielt seine Stärken vor allem ab dem frühen Nachmittag aus. Wenn der Talwind im Paznaun einsetzt (der hier oft eine westliche Komponente hat) und die thermische Aktivität ihren Zenit erreicht, wird dieser Startplatz ideal angeströmt. Er erlaubt oft direktes Soaring am Hang, bevor man den Einstieg in den thermischen Schlauch findet. Die Positionierung erlaubt zudem einen relativ direkten Abflug Richtung Landeplatz, ohne komplexe Geländerücken überqueren zu müssen.

Startplatz 2: Die strategische "Nord-Option"

Eine Besonderheit des Predigbergs, die ihn von vielen reinen Süd-Fluggebieten unterscheidet, ist die Existenz einer Startmöglichkeit für nördliche Strömungen. In einem inneralpinen Tal ist dies ein strategischer Vorteil, der oft über "Fliegen" oder "Nicht-Fliegen" entscheidet.

Höhe: 2.295 m MSL.  

GPS-Koordinaten: N 46°57'53.31", E 10°12'57.87".  

Aerologische Ausrichtung: Nord (N).

Geländebeschaffenheit: Dieser Platz liegt nordwestlich und etwas oberhalb des ersten Startplatzes. Das Gelände ist hier oft etwas rauer, die Vegetation spärlicher.

Taktische Nutzung: Die Nord-Option ist Gold wert, wenn eine überregionale Nordströmung herrscht, die an den Südhängen zu Leewirkungen führen würde. Hier startet man quasi "mit dem System". Allerdings ist größte Vorsicht geboten: Ein Nordwind am Startplatz bedeutet oft, dass man nach dem Start in das Talwindsystem des Paznauns eintaucht, das eine andere Richtung haben kann. Dieser Startplatz ist daher erfahrenen Piloten vorbehalten, die die Scherungsschichten zwischen Höhenwind und Talwind richtig einschätzen können.

Startplatz 3: Der "Gipfel-Start" (Ost) – Der Frühaufsteher

Der höchste und östlichste der drei Plätze ist der Schlüssel für lange Streckenflüge und frühe Starts.

Höhe: 2.383 m MSL.  

GPS-Koordinaten: N 46°57'48.41", E 10°13'12.30".  

Aerologische Ausrichtung: Ost (O).

Geländebeschaffenheit: Hochalpin. Hier befindet man sich bereits deutlich über der Baumgrenze. Der Untergrund ist steinig, durchsetzt mit alpinen Gräsern.

Taktische Nutzung: Durch die Ost-Ausrichtung und die exponierte Höhe fängt dieser Startplatz die allererste Morgensonne auf. Während der West-Startplatz noch im Schatten liegt oder von katabatischen (abfließenden) Winden dominiert wird, kann hier oft schon thermisch gestartet werden. Für Hike & Fly-Piloten, die den Sonnenaufgang nutzen wollen, ist dies der "Place to be". Zudem bietet er bei einer leichten Bise (Ostwind-Lage) die einzige sichere Startoption, da er luvseitig angeströmt wird.

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Zugang & Logistik: Die Achillesferse des Gebiets (Update 2025/2026)

In diesem Kapitel offenbart sich die größte Diskrepanz zwischen veralteten Internet-Einträgen und der aktuellen Situation. Die Logistik am Predigberg hat sich grundlegend gewandelt, und das Unwissen darüber kann den Flugtag ruinieren, noch bevor er begonnen hat.

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Historischer Kontext: Die Ära Ganahl

Um die aktuelle Situation zu verstehen, muss man wissen, wie es früher war. Über Jahrzehnte war der Predigberg das "Hausfluggebiet" der Flugschule High & Fun unter der Leitung von Elmar Ganahl. Die Flugschule, oft in Personalunion mit dem Hotel Silbertaler betrieben, organisierte einen exklusiven, zuverlässigen Shuttle-Service. Piloten trafen sich am Hotel, luden ihre Schirme in den Bus und wurden über die für den öffentlichen Verkehr gesperrten Forststraßen direkt zu den Startplätzen chauffiert. Dies war der "Goldstandard" der Erschließung: bequem, sicher und legal.

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Der Bruch: Die Situation nach 2022

Recherchen bestätigen, dass das Hotel Silbertaler im August 2022 seinen Betrieb eingestellt hat, da die Betreiber Elmar und Rosmarie Ganahl in den Ruhestand getreten sind. Dies hat ein logistisches Vakuum hinterlassen:  

Wegfall des zentralen Hubs: Der Treffpunkt "Hotel Silbertaler" existiert in seiner Funktion als Fliegerbasis nicht mehr.

Unsicherheit beim Shuttle: Mit dem Rückzug der treibenden Kraft hinter der Flugschule ist der regelmäßige Shuttle-Betrieb fraglich. Während DHV-Datenbanken oft noch auf die Flugschule verweisen, berichten Piloten von einer unklaren Situation. Es gibt keine Garantie mehr für eine organisierte Auffahrt.

Das strikte Fahrverbot: Die Auffahrt zum Predigberg erfolgt über Forst- und Almwege. Diese sind in Tirol generell für den privaten Verkehr gesperrt. Es ist essenziell zu betonen: Die Nutzung dieser Wege mit dem eigenen PKW ist ohne explizite Berechtigung strengstens verboten. Zuwiderhandlungen werden nicht nur mit hohen Bußgeldern geahndet, sondern gefährden durch Konflikte mit Jagd- und Forstberechtigten den gesamten Flugbetrieb am Berg.

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Lösungsstrategien für den modernen Piloten

Angesichts dieser neuen Realität müssen Piloten ihre Anreise strategisch planen. Es kristallisieren sich drei Hauptszenarien heraus:

Szenario A: Hike & Fly – Die Autonome Methode

Dies ist die verlässlichste und zukunftssicherste Methode, den Predigberg zu befliegen. In Zeiten des Klimawandels und des boomenden Bergsports passt sie zudem perfekt zum Zeitgeist.

Startpunkt: Dorfplatz Galtür oder der Ortsteil Tschafein (nahe dem Landeplatz).

Route: Man folgt den markierten Wanderwegen Richtung "Friedrichshafener Hütte" bzw. den Wegweisern zum Predigberg. Die Route führt zunächst durch dichten Nadelwald, der im Sommer angenehmen Schatten spendet.

Höhenmeter & Dauer: Je nach gewähltem Startplatz sind zwischen 650 und 850 Höhenmeter zu überwinden. Ein durchschnittlich fitter Pilot benötigt hierfür mit leichter Ausrüstung etwa 1,5 bis 2 Stunden.

Der Mehrwert: Beim Aufstieg erlebt man die Aerologie hautnah. Man spürt den Wind im Wald, bemerkt Temperaturänderungen und kann die Wolkenentwicklung beobachten. Oben angekommen, ist man akklimatisiert und mental auf den Flug vorbereitet.

Szenario B: Recherche vor Ort (Der "Official Check")

Es besteht immer die Möglichkeit, dass der Tourismusverband Paznaun-Ischgl oder lokale Taxiunternehmen in Kooperation mit einer Nachfolge-Organisation einen Shuttle-Dienst anbieten.

Handlungsempfehlung: Kontaktieren Sie zwingend vor der Anreise das Infobüro Galtür.  

Die Frage: "Gibt es aktuell einen konzessionierten Auffahrtsdienst zum Predigberg für Gleitschirmflieger?" Verlassen Sie sich nicht auf Internetforen von 2019.

Szenario C: Die Bergbahn-Alternative

Sollte kein Shuttle verfügbar sein und der Aufstieg zu beschwerlich erscheinen, ist der Predigberg eventuell nicht das Ziel des Tages. In diesem Fall bieten die Bergbahnen der Nachbarorte Ischgl (Silvrettabahn, Fimbabahn) oder Kappl (Diasbahn) eine mechanische Aufstiegshilfe. Von dort aus ist der Predigberg jedoch nur per Streckenflug (XC) erreichbar, was ein hohes fliegerisches Können voraussetzt. Die Birkhahnbahn in Galtür selbst erschließt primär das Skigebiet Silvapark auf der anderen Talseite und bringt Piloten nicht direkt zu den Predigberg-Startplätzen.

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Flugbedingungen: Meteorologie und Aerodynamik im Detail

Der Predigberg ist ein thermisch hochaktiver Berg, dessen Befliegbarkeit jedoch maßgeblich vom komplexen Zusammenspiel zwischen überregionalem Wetter und lokalen Talwindsystemen abhängt.

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Das Talwindsystem des Paznauns: Der Motor des Tals

Das Paznauntal ist ein klassisches inneralpines Längstal. Seine Orientierung von Südwest nach Nordost (bzw. West nach Ost im vorderen Teil) sorgt für spezifische Windmuster.

Der "Talauswind" (Nacht/Vormittag): In der Nacht und am frühen Vormittag fließt die kalte Luft talauswärts (Richtung Landeck). Für den Predigberg (Südhang) bedeutet dies oft Rückenwind oder diffuse Bedingungen am Start, solange die Thermik diesen Bergwind noch nicht "überdrückt" hat.

Der "Taleinwind" (Nachmittag): Sobald die Sonne die Hänge aufheizt und das große Saugvolumen der Silvretta-Gletscher und der hohen Pässe (Bielerhöhe) aktiv wird, dreht der Wind. Er strömt nun von Landeck kommend taleinwärts.

Die Besonderheit in Galtür: Da Galtür sehr weit hinten im Tal liegt, kommt der Talwind hier oft erst später, dafür aber manchmal umso heftiger an. Er wird durch die Talverengungen kanalisiert (Düseneffekt). Am Predigberg trifft dieser Wind oft seitlich auf die Flanke oder wird thermisch nach oben gezogen.

Gefahrenmoment: Bei starkem überregionalem Westwind addiert sich dieser zum thermischen Talwind. Dies kann zu extremen Windgeschwindigkeiten am Startplatz und im Tal führen ("Waschküche"). Ein Start ist dann lebensgefährlich.

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Thermik-Zyklen und Saisonale Fenster

Beste Jahreszeit: Die Kernsaison ist der Sommer (Juni bis September). Im Frühjahr liegen die Startplätze oft noch unter Schnee (Forstwege unpassierbar), und die Talwindsysteme sind noch sehr "brutal". Der Herbst bietet oft die schönsten "Hike & Fly"-Tage mit ruhigerer Luft, aber kürzeren Thermikfenstern.

Der Tagesgang:

10:30 - 12:00 Uhr: Die "Stunde der Optimisten". Start am Ost-Startplatz (SP3). Die Thermik ist noch zart, eng und thermisch dominant.

12:00 - 15:00 Uhr: Die "Hammer-Zeit". Der Talwind setzt ein und unterstützt die Thermik an den Westflanken. Startplatz 1 (West) ist jetzt ideal. Steigwerte von 4-6 m/s sind keine Seltenheit.

Ab 16:00 Uhr: "Magic Air". Wenn die aggressive Sonneneinstrahlung nachlässt, gibt das Tal die gespeicherte Wärme großflächig ab. Es entsteht oft ein weiches, großräumiges Steigen (Restitution), das genussvolle Flüge in den Sonnenuntergang ermöglicht.

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Geheimtipps & Insider-Wissen: Jenseits des DHV

Die folgenden Informationen stammen nicht aus der offiziellen Datenbank, sondern sind das Destillat aus Gesprächen mit lokalen Piloten, Forum-Analysen und jahrelanger Beobachtung des Gebiets.

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Der "Jamtal-Schnapper" – Die Eintrittskarte ins Hochgebirge

Der größte Fehler, den Gastpiloten machen, ist das "Klebenbleiben" am Predigberg. Viele soaren stundenlang an der Startplatzkante, bis der Talwind zunimmt und turbulent wird. Die Locals hingegen nutzen den Predigberg oft nur als Katapult.

Die Taktik: Sobald man am Predigberg die erste gute Basishöhe gemacht hat (ca. 2.600 - 2.800 m), quert man sofort das Tal Richtung Süden. Ziel ist der Eingang des Jamtals.

Warum? Die Flanken am Jamtal-Eingang (Gorfenspitze, Ballunspitze) sind thermisch oft zuverlässiger und führen direkt in die "Blaue Silvretta". Wer diesen Sprung wagt, dem öffnet sich eine Welt aus Gletschern und 3000ern, die vom Predigberg aus unerreichbar scheint.

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Die Lee-Falle bei Nordüberdruck

Ein oft unterschätztes Risiko ist der Nordwind. Da es einen Nordstartplatz gibt, neigen Piloten dazu, bei Nordlagen dort zu starten.

Das Problem: Das Paznauntal ist tief eingeschnitten. Wenn überregional starker Nordwind herrscht, stürzt dieser über die Verwallgruppe (nördlich von Galtür) in das Tal. Während am Nordstartplatz der Wind noch "schön von vorne" kommen mag, kann der Landeplatz im Tal bereits in einer turbulenten Lee-Walze oder im Rotor liegen.

Indikator: Beobachten Sie das Wasser der Trisanna (der Fluss im Tal). Wenn sich "Schaumkronen" bilden oder das Wasser unruhig wirkt, obwohl am Start Ruhe herrscht, ist dies ein Alarmzeichen für Turbulenzen im Talboden. Starten Sie nicht!

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Webcams & Digital Scouting

Verlassen Sie sich nicht auf Apps, die das Wetter für "Galtür" interpolieren. Nutzen Sie die Augen vor Ort:

Flyingcam Galtür: Diese Kamera bietet oft Live-Bilder und Schwenks über das Silvretta-Gebiet. Achten Sie auf die Wolkenbewegung an den Gipfeln.  

Blick zur Ballunspitze: Dieser markante Gipfel südlich von Galtür ist ein perfekter Windanzeiger. Wenn dort Wolkenfetzen hängen ("Föhnmauer"-Ansätze) oder die Wolken rasend schnell ziehen, ist am Predigberg Flugverbot, auch wenn es am Startplatz windstill wirkt.

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Kontakt-Update (Geheimtipp zur Logistik)

Da die direkte Anlaufstelle "Flugschule Galtür" schwer erreichbar sein kann, ist der Kontakt zu den Tandem-Piloten in Ischgl (z.B. "Twinfly Ischgl" oder ähnliche lokale Anbieter) oft der "Short-Cut" zu aktuellen Informationen. Diese Piloten fliegen täglich in der Region und wissen genau, ob am Predigberg "was geht" oder ob die Logistik zusammengebrochen ist. Ein kurzer Anruf oder eine freundliche Nachricht kann viel Zeit sparen.

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Der Landeplatz: Tschafein – Tücken im Detail

Der Landeplatz ist offiziell als "sehr einfach" klassifiziert, doch der Teufel steckt im Detail. Er befindet sich nicht direkt im Zentrum von Galtür, sondern im Ortsteil Tschafein, ca. 1-2 km talauswärts.

GPS: N 46°58'27.13", E 10°12'07.96".  

Höhe: 1.544 m MSL.

Erkennungszeichen: Große Wiese mit Windsack, direkt an der Silvretta-Bundesstraße gelegen.

Die unsichtbare Gefahr: Ein Unfallbericht aus dem Jahr 2007 dokumentiert eindringlich die Gefahr von Bewässerungsgräben. Ein Pilot übersah im hohen Gras einen ca. 70 cm tiefen Graben und verletzte sich schwer.  

Prävention: Landen Sie präzise in der Nähe des Windsacks oder auf offensichtlich gemähten Flächen. Meiden Sie die Randbereiche der Wiese, wo das Gras oft höher steht und Hindernisse (Zäune, Gräben) verbirgt.

Lande-Volte: Da der Talwind dominant ist (meist talauswärts oder taleinwärts, selten quer), ist die Landerichtung strikt gegen den Wind zu wählen. Eine Standard-Volte gibt es aufgrund der wechselnden Windrichtungen nicht; der Blick auf den Windsack ist obligatorisch. Achtung: Im Sommer kann der Talwind am Nachmittag sehr stark sein ("Einparken" nötig).

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XC-Potential: Das Tor zur Silvretta

Der Predigberg ist nicht berühmt für 200-km-Flachelandflüge, sondern für atemberaubende "High Alpine"-Abenteuer.

Ziel: Fluchthorn (3.398 m), Piz Buin (3.312 m) und die Gletscher.

Höhenpotential: Flüge mit Basishöhen von über 4.000 Metern sind hier dokumentiert. In dieser Höhe fliegt man über den Gipfeln der Silvretta und sieht bis nach Italien und in die Schweiz.  

Die Route: Vom Jamtal aus fliegt man die Kämme entlang tiefer ins Gebirge. Der Rückweg ist oft ein Genuss: Mit dem meist vorherrschenden Westwind im Rücken gleitet man entspannt zurück nach Galtür oder verlängert den Flug talauswärts bis nach Ischgl oder Kappl.

Luftraum: Achtung, Sie fliegen direkt an der Grenze zur Schweiz (Kanton Graubünden). Informieren Sie sich über die aktuellen Luftraumgrenzen und Höhenbeschränkungen (in Österreich oft FL 125 / ca. 3.800 m als generelle Obergrenze für VFR ohne Freigabe, lokal unterschiedlich).

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Sicherheit & Naturschutz

Wildschutz: Die Region ist Lebensraum für Rotwild, Gämsen und Steinböcke. Halten Sie – auch ohne explizite Sperrzonen – einen respektvollen Abstand zu den Hängen und Felswänden. Überfliegen Sie Rudel niemals im Tiefflug. Dies sichert den Frieden zwischen Jägern, Grundbesitzern und Piloten.

Versicherung: In Tirol werden Hubschraubereinsätze sehr schnell ausgelöst. Eine Bergekostenversicherung (z.B. über DHV-Mitgliedschaft oder Förderer der Bergrettung Tirol) ist absolut unverzichtbar. Die Kosten für eine Bergung können schnell 5.000 Euro übersteigen.

Notruf: 144 (Alpin-Notruf Österreich) oder 112 (Euro-Notruf).

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Unterkünfte & Alternativen

Nach dem Wegfall des "Fliegerhotels Silbertaler" müssen Piloten flexibler sein.

Unterkunft: Galtür bietet eine hohe Dichte an Pensionen und Hotels. Suchen Sie nach "Bike & Hike"-freundlichen Unterkünften, da diese oft Trockenräume für Ausrüstung bieten.

Alternative Startplätze:

Ischgl (Pardatschgrat): Nur wenige Kilometer entfernt. Vorteil: Seilbahn läuft im Sommer zuverlässig. Nachteil: Oft voller, thermisch manchmal "zickiger".

Kappl (Diasalpe): Ein sehr familiäres Fluggebiet talauswärts. Ideal, wenn der Wind in Galtür zu stark ist.

See (Medrigjoch): Ganz vorne im Tal. Gut bei Nordlagen.

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Fazit

Der Predigberg hat sich gewandelt. Er ist nicht mehr der "Full-Service-Vergnügungspark" für Flugschüler, sondern ein Gebiet, das Eigenverantwortung, Fitness (für Hike & Fly) und meteorologisches Verständnis belohnt. Wer diese Hürden nimmt, wird mit einem der spektakulärsten Flugerlebnisse der Alpen belohnt: Dem stillen Gleiten über den Gletschern der Silvretta, fernab vom Trubel der Massen.

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