
1 Startplatz, 0 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Fluggebiet-Report: Der ultimative Guide zum Lattenkopf – Eine Analyse zweier Welten
Dieser umfassende Forschungsbericht dient als definitive Referenz für Gleitschirmpiloten, die den Startplatz „Lattenkopf“ ins Auge gefasst haben. Er geht in Tiefe, Analyse und Detailgrad weit über die standardisierten Datenbankeinträge des DHV (Deutscher Hängegleiterverband) oder touristische Broschüren hinaus. Ziel ist es, nicht nur Geodaten zu liefern, sondern ein tiefgreifendes Verständnis für die Aerologie, die logistischen Herausforderungen und die taktischen Nuancen des Geländes zu vermitteln.
Eine kritische Vorbemerkung ist für die Sicherheit und Planung unerlässlich: Der Begriff „Lattenkopf“ ist in der Fliegerszene ein Homonym, das zwei völlig unterschiedliche, aber gleichermaßen relevante alpine Ziele beschreibt. Eine Verwechslung kann zu fatalen Fehlplanungen führen – sei es durch die Anreise ins falsche Land oder die Vorbereitung auf falsche Windbedingungen. Dieser Report analysiert beide Destinationen mit gleicher Akribie:
Der „offizielle“ Lattenkopf (Tirol, Österreich): Ein klassischer, in der DHV-Datenbank gelisteter Sommer-Startplatz (2.272 m) oberhalb von Ischgl im Paznauntal. Er ist ein thermisch potenter Ausgangspunkt für Flüge in der Silvretta-Gruppe, unterliegt jedoch aktuell massiven regulatorischen Umbrüchen, die bis hin zu saisonalen Flugverboten reichen.
Der „heimliche“ Latschenkopf (Bayern, Deutschland): Ein Gipfel am Brauneck bei Lenggries, der in der Pilotensprache oft zu „Lattenkopf“ verkürzt oder verwechselt wird. Er ist kein offizieller Startplatz mit Infrastruktur, sondern das Premium-Ziel für Hike & Fly-Enthusiasten und Streckenflieger, die dem Trubel am Brauneck-Hauptstartplatz entfliehen wollen, um den Einstieg zur Benediktenwand zu finden.
Strategische Einschätzung: Für den Streckenflug-Piloten (XC) bietet der bayerische Latschenkopf den taktisch klügeren Einstieg in das Karwendel-Dreieck, erfordert jedoch physische Anstrengung. Der Tiroler Lattenkopf in Ischgl ist ein hochalpines Erlebnis für Piloten, die Shuttle-Logistik nicht scheuen und die komplexe Talwind-Situation des Paznauns beherrschen. Beide Gebiete verlangen dem Piloten ein hohes Maß an meteorologischem Verständnis ab, da sie anfällig für spezifische Lee-Situationen sind.
Es ist ein Phänomen der digitalen Flugplanung, dass Namen oft Schall und Rauch sind, bis man am falschen Berg steht. Die Analyse der Suchanfragen und Foreneinträge zeigt, dass Piloten oft nach „Lattenkopf Brauneck“ suchen, obwohl der Berg dort „Latschenkopf“ heißt. Umgekehrt suchen Piloten „Lattenkopf Ischgl“ und erwarten eine Bergbahn, die es dort so nicht gibt.
Der Tiroler Lattenkopf (2.272 m) ist ein Ausläufer der Samnaungruppe. Sein Name leitet sich vermutlich von der hölzernen Verbauung (Latten) oder der Grenzmarkierung ab. Er liegt exponiert über dem Talkessel von Ischgl und fungiert als thermischer Auslöser für das Talwindsystem. Der bayerische Latschenkopf (1.712 m) am Brauneck verdankt seinen Namen dem Bewuchs mit Legföhren (Latschen). Er ist der höchste Punkt des Höhenrückens, der sich von der Brauneck-Bergstation nach Osten zieht. Fliegerisch ist er relevant, da er oft über der Inversion liegt, wenn das Isartal noch im Nebel versinkt.
Die Unterscheidung ist nicht nur semantisch, sondern sicherheitsrelevant:
Windsysteme: Ischgl (Ost-West-Tal) hat ein aggressives Talwindsystem. Lenggries (Nord-Süd-Tal) wird vom "Bayerischen Wind" (Nordüberströmung) dominiert. Ein Pilot, der sich auf Ischgler Bedingungen vorbereitet und am Brauneck steht, wird die Leefallen falsch einschätzen.
Logistik: Ischgl erfordert Shuttle-Organisation oder lange Hikes. Brauneck bietet eine Bergbahn-Unterstützung mit anschließendem Fußmarsch.
Bevor wir uns der Topografie widmen, müssen wir die aktuelle regulatorische Lage in Ischgl analysieren, die als "volatil" bezeichnet werden muss. Ischgl, bekannt als Lifestyle-Metropole der Alpen, hat seine Haltung zum Gleitschirmsport in den letzten Jahren drastisch verschärft.
Analyse der Restriktionen: Recherchen und lokale Berichte deuten darauf hin, dass ab der Wintersaison 2025/2026 ein weitgehendes Flugverbot für Ischgl im Gespräch ist oder bereits in Teilen umgesetzt wurde.
Ursache: Die Konflikte resultieren aus der extremen Dichte des Skibetriebs, dem hohen Aufkommen an Versorgungs- und VIP-Hubschraubern sowie einer strategischen Neuausrichtung des Tourismusverbandes Paznaun-Ischgl, der den Luftraum über den Pisten freihalten möchte.
Auswirkung auf den Lattenkopf: Der Startplatz Lattenkopf ist primär ein Sommerfluggelände. Die Restriktionen zielen stark auf den winterlichen Liftbetrieb am Pardatschgrat und Idjoch ab. Im Winter ist der Lattenkopf aufgrund der Schneelage und Lawinengefahr ohnehin kaum zugänglich.
Das Schlupfloch (Insider-Wissen): Während die Bergbahnen für Piloten im Winter oft "No-Go-Zones" sind, bleibt der Lattenkopf im Sommer über Forstwege erreichbar. Die Nutzung erfordert jedoch zwingend die Kooperation mit lokalen Flugschulen (z.B. High & Fun Galtür oder Twinfly), da private Auffahrten auf den Forststraßen streng verboten sind.
Strategische Empfehlung: Planen Sie Ischgl aktuell nur als Sommerziel und nur nach telefonischer Rücksprache mit dem örtlichen Club oder der Flugschule. Ein "wildes" Hinfahren und Fliegen ist riskant und kann zu hohen Bußgeldern führen. Weichen Sie im Zweifel auf die benachbarten, fliegerfreundlicheren Gebiete Kappl oder See aus, die explizit mit ihrer Infrastruktur für Piloten werben.
Der Startplatz Lattenkopf liegt nordwestlich über Ischgl und bietet eine beeindruckende Aussicht auf die Silvretta-Gruppe. Er ist kein "Teppich-Startplatz", sondern eine alpine Wiese.
Koordinaten: N 47°01'04.32", E 10°16'07.05".
Höhe: 2.272 m AMSL.
Höhendifferenz: Ca. 920 m bis zum Landeplatz Ischgl (1.350 m).
Ausrichtung: SO bis S (Südost bis Süd).
Charakteristik: Wiesenstartplatz, teils durchsetzt mit Steinen und alpiner Vegetation. Die Neigung ist mittelsteil, was den Startlauf erleichtert, aber bei Nullwind ein engagiertes Laufen erfordert.
Im Gegensatz zu den komfortablen Gondel-Startplätzen (wie dem Pardatschgrat), ist der Lattenkopf ein logistischer "Sonderfall", der Planung erfordert.
Keine Seilbahn: Es führt keine direkte Bergbahn zum Lattenkopf. Die Lifte bedienen primär die Idalp und den Pardatschgrat auf der gegenüberliegenden oder südlichen Talseite.
Forststraßen-Regelung: Der Zugang erfolgt über Forstwege, die für den öffentlichen Verkehr gesperrt sind.
Verbot: Die private Auffahrt mit dem PKW ist streng untersagt. Schranken und Kontrollen durch die Bergwacht oder Forstverwaltung sind üblich.
Die Lösung (Shuttle): Die Flugschule High & Fun Galtür und Twinfly organisieren Shuttles oder besitzen die notwendigen Berechtigungen für Auffahrten im Rahmen von Schulungen oder geführten Touren.
Hike & Fly: Der Aufstieg zu Fuß ist jederzeit möglich und wird geduldet.
Dauer: Von der Talsohle oder Mittelstationen (sofern Betrieb) muss mit ca. 1,5 – 2,5 Stunden gerechnet werden.
Schwierigkeit: Technisch einfach (T2), aber konditionell fordernd, da man oft in der prallen Sonne aufsteigt (Südhang). Wasserquellen sind rar, daher sollte ausreichend Flüssigkeit mitgeführt werden.
Das Paznauntal ist berüchtigt für sein komplexes und kräftiges Windsystem. Der Lattenkopf, als Südstartplatz, interagiert direkt mit dem Talwindsystem, was ihn zu einem "Schönwetter-Biest" machen kann.
Der "Paznauner" Talwind:
An thermischen Tagen entwickelt das Tal einen kräftigen Talwind, der von Landeck kommend das Tal hinaufzieht (Ostwind im Tal).
Gefahr: Am Landeplatz in Ischgl kann dieser Talwind bereits mittags 20-30 km/h erreichen. Da das Tal bei Ischgl relativ eng ist, entstehen starke Turbulenzen und Lee-Effekte hinter Häuserzeilen und Geländekanten.
Startbedingungen am Lattenkopf:
Ideal bei schwachem überregionalem Nordwind (der durch die Höhe der Silvretta abgeschirmt wird) oder leichtem Südwind.
Thermik: Der Startplatz heizt sich früh auf. Ab 11:00 Uhr können hier thermische Ablösungen stark und zyklisch sein. Es ist kein Anfängergelände zur Mittagszeit.
Lee-Falle: Bei starkem Westwind (häufige Höhenströmung) liegt der Startplatz zwar im Luv, aber der Flugweg ins Tal führt oft durch turbulente Scherzonen, wo der Westwind über die Kämme "schwappt" und sich mit dem kanalisierten Talwind mischt.
Saison: Die beste Zeit ist Juni bis September. Im Frühjahr liegt oft noch Schnee, der den Zugang erschwert, und die Thermik ist extrem ruppig.
Ischgl bietet wenig Fehlerverzeihung bei der Landung. Die enge Bebauung und die Infrastruktur (Seilbahnen, Stromleitungen) verlangen eine präzise Landeeinteilung.
Hauptlandeplatz Ischgl (Sportplatz):
Lage: Westlich des Sportplatzes, neben der Umfahrungsstraße B188.
Koordinaten: N 47°01'49.34", E 10°16'40.24" (Hinweis: Koordinaten variieren leicht je nach Quelle, Orientierung am Sportplatz ist essenziell).
Tücke: Der Landeplatz ist thermisch aktiv und oft turbulent ("Waschmaschine"). Achten Sie auf die Langlaufloipe im Winter (Landeverbot!) und Zäune im Sommer.
Abstand: 50m Abstand horizontal/vertikal zur Straße und Seilbahnen einhalten! Dies ist eine strikte Auflage der Austro Control und der lokalen Halter.
Notlandeplatz Pardatschalpe:
Lage: Westlich der Mittelstation Silvrettabahn (ca. 1.670 m).
Strategie: Wenn der Talwind in Ischgl zu stark aussieht (erkennbar an Staubfahnen, sich biegenden Bäumen oder weißen Schaumkronen auf Speicherteichen), ist das Toplanden oder die Landung auf der Pardatschalpe die sicherere Option. Von dort kann man später abgleiten oder mit der Bahn ins Tal fahren (Betriebszeiten beachten!).
Viele Piloten, die in Foren nach "Lattenkopf" suchen, meinen eigentlich den Latschenkopf am Brauneck. Dieser Gipfel ist kein DHV-gelisteter Startplatz mit Infrastruktur, Windsack oder Startleiter. Er ist ein alpines Naturstartgelände für erfahrene Piloten, die Eigenverantwortung leben.
Während am Brauneck-Gipfelhaus oder am Garland-Startplatz an guten Tagen 50 Schirme gleichzeitig auslegen und sich Piloten gegenseitig anschreien, herrscht am Latschenkopf oft Stille. Er liegt ca. 45-60 Gehminuten östlich der Bergstation entlang des Höhenrückens. Diese Distanz filtert das Publikum: Hier fliegen nur jene, die bereit sind, für ihren Startplatz zu arbeiten.
Startpunkt: Bergstation Brauneck-Kabinenbahn (1.556 m). Alternativ kompletter Aufstieg vom Tal (ca. 2,5 - 3 Stunden via Garland).
Route: Man folgt dem gut ausgebauten Höhenweg Richtung Benediktenwand (Osten). Man passiert den Schrödelstein und das Stangeneck. Der Weg ist ein klassischer Wanderweg, der an Wochenenden stark frequentiert sein kann.
Dauer: Ca. 1 Stunde entspanntes Gehen von der Bahn.
Schwierigkeit: T2 (Bergwandern). Trittsicherheit erforderlich, aber kein Klettern. Im Winter (Schnee) sind Grödel oder Schneeschuhe absolut empfehlenswert, da der Weg oft vereist ist.
Logistik-Tipp: Das Ticket der Brauneckbahn gilt für Berg- und Talfahrt. Wer am Latschenkopf feststellt, dass der Wind nicht passt, muss zurücklaufen. Ein "One-Way-Ticket" ist für Piloten Standard, aber bedenken Sie den Rückweg.
Ausrichtung: Süd / Süd-West.
Gelände: Almwiesen, teilweise durch Latschen (Kieferngewächse) durchsetzt – daher der Name. Es gibt keine gemähte Piste. Man muss sich eine Lücke zwischen den Latschen suchen.
Schwierigkeit: Anspruchsvoller als der Brauneck-Hauptstartplatz. Unebenes Gelände, Stolperfallen (Wurzeln, Steine), keine Windsäcke.
Starttechnik: Rückwärtsaufziehen ist fast immer Pflicht, um die Leinen vor dem Verheddern in den Latschen zu kontrollieren. Ein Vorwärtsstart ist nur bei idealem Wind und absolut freier Bahn ratsam.
Der Latschenkopf ist oft der Einstieg in die "große Hausrunde" oder das Karwendel-Dreieck.
Der "Bart" am Latschenkopf: Oft steht hier eine zuverlässige Thermik, die weniger "zerrissen" ist als direkt am Brauneck-Gipfelhaus (Garland), wo sich viele Piloten gegenseitig behindern. Der Bart löst oft an den Latschenfeldern ab, die sich in der Sonne stark aufheizen.
Route zur Benediktenwand: Vom Latschenkopf aus quert man weiter nach Osten zur Benediktenwand. Hier ist Vorsicht geboten: Die Nordwände der Benediktenwand können bei falscher Windrichtung massives Lee erzeugen.
Wildschutz: Absolute Priorität! Der Bereich nördlich des Grates (Richtung Isartal) ist ein striktes Flugverbotszone (Wildschutzgebiet), besonders im Winter/Frühjahr zum Schutz von Raufußhühnern und dem Steinadler. Flüge müssen zwingend südlich des Grates erfolgen. Ein Mindestabstand von 150m über Grund ist einzuhalten! Verstöße gefährden das gesamte Fluggebiet Brauneck.
Vom Latschenkopf fliegt man in der Regel zurück zum offiziellen Landeplatz in Lenggries (neben der Bergbahn).
Gleitwinkel: Die Distanz ist größer als vom normalen Startplatz. Bei starkem Talwind (Nord) kann der Vorwärtsflug zäh werden. Planen Sie genug Höhe ein, um sicher über den Garland-Sattel zurückzukommen.
Landeplatz Lenggries: Große Wiese, Windsack vorhanden. Achten Sie auf die strikte Landevolte (Linksvolte), um Konflikte mit Drachenfliegern und Schulungsbetrieb zu vermeiden.
Das Verständnis der Meteorologie ist der Schlüssel zur sicheren Nutzung beider "Lattenköpfe". Hier zeigen sich die dramatischen Unterschiede zwischen dem Nordalpenrand (Brauneck) und den Zentralalpen (Ischgl).
Die folgende Tabelle vergleicht die Bedingungen beider Gebiete, um Piloten bei der Saisonplanung zu unterstützen.
Ein Phänomen, das jeden Latschenkopf-Aspiranten treffen kann, ist der "Bayerische Wind".
Mechanismus: Ein regionaler Wind aus Nord/Nordost, der oft erst am Nachmittag einsetzt, wenn sich das Flachland aufheizt und Luft in die Alpen saugt.
Gefahr: Der Latschenkopf ist nach Süden ausgerichtet. Wenn der Bayerische Wind stark wird, fließt er über den Grat (Nordseite) und erzeugt auf der Südseite (Startplatz) ein massives Lee.
Erkennungszeichen: Wenn am Brauneck-Gipfelhaus die Fahnen stramm nach Süden zeigen (Nordwind) oder man im Isartal Wolkenschatten schnell nach Süden ziehen sieht, ist ein Start am Latschenkopf lebensgefährlich, auch wenn es im Windschatten der Latschen trügerisch ruhig wirkt. In diesem Fall: Abstieg zu Fuß oder Start am Nordstartplatz (sofern man den Schirm dorthin trägt).
Im Paznaun ist der Talwind der dominante Faktor.
Mechanismus: Das Tal verläuft Ost-West. Bei Sonneneinstrahlung saugt das Engadin und das Hochgebirge Luft an. Der Wind strömt von Landeck (Osten) das Tal hinauf.
Effekt: Am Lattenkopf (Südstart) hat man oft Seitenwind von links. Kritischer ist die Landung: In Ischgl verengt sich das Tal, was zu einem Düseneffekt führt. Landungen nach 14:00 Uhr im Sommer gleichen oft einem Ritt auf der Kanonenkugel.
Vorzeichen: Beobachten Sie den Pardatschgrat. Wenn dort die Gondeln stark schaukeln oder der Wind den Schnee über die Kämme treibt, ist der Talwind bereits zu stark für eine sichere Landung im Talboden.
Dieser Abschnitt enthält Informationen, die Sie nicht auf den Tafeln an der Talstation finden. Es ist das destillierte Wissen lokaler Piloten.
Der Tipp: Während Ischgl tagsüber hektisch, thermisch überentwickelt und talwindverseucht ist, bieten die späten Nachmittagsstunden im Sommer (ab 17:00 Uhr) oft traumhafte Restitution (Magic Lift).
Warum? Die Westflanken des Paznauns und die riesigen Felsmassive der Silvretta geben die gespeicherte Wärme ab. Der Talwind beruhigt sich langsam, die Luft wird laminarer.
Vorgehen: Auffahrt (bzw. Shuttle mit der Flugschule) am späten Nachmittag. Start am Lattenkopf in die weiche Abendsonne. Die Landung in Ischgl ist dann oft stressfrei, und das Panorama der glühenden Berge ist unbezahlbar.
Webcam-Hack: Nutzen Sie die Webcam am Palinkopf oder Idalp (), um die Windfahnen der Liftstationen zu prüfen. Zeigen diese starkes Westwind-Driften (Wolken ziehen schnell über die Kämme), bleiben Sie am Boden.
Das Problem: Viele Piloten starten am Brauneck-Garland (Oststart) und saufen sofort ab, weil sie zu früh Richtung Landeplatz fliegen oder im Lee der Baumreihe hängen bleiben.
Der Latschenkopf-Vorteil: Wer die Mühe des Hikes zum Latschenkopf auf sich nimmt, startet höher und weiter östlich. Man kann direkt in den Bart einsteigen, der oft zuverlässig über den Latschenfeldern steht. Man hat eine viel bessere Ausgangsposition (Arbeitshöhe) für den Weiterflug zur Benediktenwand als die Piloten, die am Garland noch mühsam "kratzen".
Taktik: Nach dem Start am Latschenkopf nicht sofort ins Tal stechen. Suchen Sie den Bart leicht versetzt vor dem Gipfel. Mit dieser Höhe können Sie dann entspannt über die Köpfe der Garland-Flieger hinweggleiten.
Vom Latschenkopf aus ist ein klassisches 30-50 km FAI-Dreieck möglich, das auch für fortgeschrittene Anfänger machbar ist (an guten Tagen).
Start: Latschenkopf.
WP 1: Benediktenwand (Osten). Hier Höhe machen (Basis oft 2.500m+).
Querung: Sprung über das Isartal ins Karwendel (Vorsicht: Talwindsystem Isar!). Zielen Sie nicht direkt auf den Karwendel-Gipfel, sondern versetzt in Luv.
WP 2: Westliche Karwendelspitze oder Soiernspitze.
Rückflug: Via Walchensee und Jochberg zurück zum Brauneck/Landeplatz Lenggries.
Beide Gebiete liegen in ökologisch und luftrechtlich sensiblen Zonen. Ignoranz schadet hier dem gesamten Sport.
Ischgl:
Hubschrauber: Ischgl hat eine extrem hohe Dichte an Hubschrauberflügen (VIP-Shuttles, Rettung, Versorgungshubschrauber für Hütten). Regel: Bei Hubschrauber-Sichtkontakt sofort abspiralen oder Ohren anlegen. Der Hubschrauber hat immer Vorrang. Rechnen Sie jederzeit mit Flugverkehr, auch in Bodennähe!
Grenze: Die Schweizer Grenze (Samnaun) ist in Gleitweite. Beachten Sie die Zoll- und Luftraumregeln der Schweiz. Das Überfliegen der Grenze ist unproblematisch, aber eine Außenlandung in der Schweiz (Nicht-EU für Zoll) mit Ausrüstung kann Fragen aufwerfen.
Brauneck (Latschenkopf):
Uhu-Schutz: Im Frühjahr (Januar bis Juli) gibt es oft temporäre Sperrungen bestimmter Sektoren (besonders Felswände an der Benediktenwand) für die Uhu-Brut. Informieren Sie sich zwingend auf der Website der Lenggrieser Gleitschirmflieger () vor dem Start.
Tandem: Gewerbliche Tandemflüge sind in Lenggries streng reglementiert und erfordern eine Genehmigung des Vereins. Private Tandemflüge sind erlaubt, aber Startgebühren und Versicherungsnachweispflicht beachten!
Abstand: Halten Sie strikt 50m Abstand (vertikal/horizontal) zu allen Seilbahnanlagen. Das Überfliegen der Seile ist nur mit ausreichender Sicherheitsreserve gestattet.
Speichern Sie diese Nummern vor dem Flug ein:
Notruf Österreich (Ischgl): 144 (Rettung), 140 (Alpinnotruf).
Notruf Deutschland (Brauneck): 112 (Euro-Notruf), Bergwacht Bayern.
Funk: In den Alpen ist PMR Kanal 8 (446.09375 MHz) oft der "Open Channel" für Piloten, aber verlassen Sie sich in Notfällen nie allein auf Funk, da Täler oft abschatten.
Ein Flugtag endet nicht mit der Landung. Hier sind die besten Tipps für das "Après-Flight".
Ischgl: Wer den klassischen Ischgl-Vibe sucht (aber im Sommer entspannter), geht in die Trofana Alm. Wer es bodenständiger und fliegerfreundlicher mag, besucht das Kitzloch. Beachten Sie: Auch im Sommer sind die Preise in Ischgl oft auf "Premium-Niveau".
Brauneck: Die Stie-Alm () liegt direkt im Fluggebiet (unterhalb des Latschenkopfs). Sie ist ideal für eine Buttermilch oder Kaspressknödel direkt nach dem Hike, bevor man startet. Am Landeplatz in Lenggries trifft sich die Szene am Kiosk der Flugschule oder im Jaudenstadl direkt am Draxlhang.
Ischgl: Im Sommer oft überraschend günstig, da die großen Hotels leerer sind als im Winter. Suchen Sie nach "Bike & Fly" Angeboten oder "Silvretta Card Premium" Partnerbetrieben, da hier oft die Bergbahnnutzung inkludiert ist (spart Geld für Begleitpersonen/Wanderer).
Lenggries: Ein Campingplatz am Brauneck ist vorhanden, aber oft voll. Der Parkplatz an der Talstation wird von Campern oft "geduldet" genutzt (Grauzone, bitte sauber halten!), offiziell ist Übernachten dort aber oft untersagt. Pensionen in Wegscheid sind oft ruhiger und näher am Landeplatz.
Manchmal passt es einfach nicht. Hier sind die Ausweichpläne:
Wenn Ischgl zu föhnig ist: Fahren Sie ins Lechtal (Jöchelspitze) oder an den Arlberg (St. Anton). Diese Täler haben oft andere Ausrichtungen und Windsysteme. Der Arlberg ist bei Ostwind oft geschützter.
Wenn Brauneck Nordwind hat: Der Wallberg am Tegernsee geht oft besser bei leichtem Nord, ist aber anspruchsvoller (Klippenstart). Alternativ: Blomberg (nahe Bad Tölz), der "kleine Bruder" des Braunecks. Er funktioniert bei Nord/Nordost gut zum Soaren und hat eine entspannte Bahn.
Der Lattenkopf in Ischgl ist ein fliegerisches Relikt aus einer Zeit, als der Skizirkus noch nicht alles dominierte – ein wunderschöner, hochalpiner Wiesenstartplatz, der heute durch Bürokratie und Verbote bedroht ist. Er ist ein Ziel für den Sommer, für Individualisten, die bereit sind, logistische Hürden zu nehmen und sich mit der Flugschule vor Ort abzustimmen. Er belohnt mit Hochgebirgs-Feeling und einer starken Thermik.
Der Latschenkopf am Brauneck hingegen ist die Freiheit vor der Haustür Münchens. Er erfordert Schweiß (Hike) und meteorologischen Respekt (Bayerischer Wind), belohnt aber mit den besseren Thermikeinstiegen, dem direkten Zugang zum Streckenflugnetz und der Ruhe, die man am Hauptgipfel vergeblich sucht.
Die goldene Regel für beide Berge: Unterschätzen Sie nie den lokalen Talwind. In Ischgl ist er eine Düse, in Lenggries eine walzende Kraft. Fliegen Sie konservativ, respektieren Sie die Wildschutzzonen, und genießen Sie zwei der schönsten Panoramen der Alpen – egal ob Sie "Latten" oder "Latschen" sagen.