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Motta Naluns

Startplätze:2
Landungen:1
Koord.:46.8095°N, 10.2727°E
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Geländekarte

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Start- & Landeplätze

2 Startplatzätze, 1 Landeplatz

Motta Naluns Startplatz 1

Start
Höhe2110m ü. M.
Koord.46.8095, 10.2727
WindSO
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Motta Naluns Startplatz 2

Start
Höhe2168m ü. M.
Koord.46.8129, 10.2732
WindO-S
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Motta Naluns Landeplatz

Landung
Höhe1309m ü. M.
Koord.46.7950, 10.2855
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Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Motta Naluns: Der umfassende Piloten-Almanach für das Unterengadin

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Einführung: Ein Fluggebiet für den Connaisseur

In der Welt des Gleitschirmfliegens gibt es Orte, die jeder kennt – die „Mekkas“ wie Kössen, Bassano oder Fiesch, wo der Himmel an guten Tagen von Nylon übersät ist und die Logistik so reibungslos funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk. Und dann gibt es Orte wie Motta Naluns im Unterengadin. In den Datenbanken des Deutschen Hängegleiterverbands (DHV) oder des Schweizerischen Hängegleiter-Verbandes (SHV) erscheint Motta Naluns oft als ein weiteres, solides Fluggebiet mit Bergbahnanschluss: Startrichtung Süd/Südost, Höhendifferenz knapp 850 Meter, Schwierigkeitsgrad mittel. Doch diese trockenen Daten werden der Realität dieses alpinen Juwels nicht gerecht. Motta Naluns ist kein Fast-Food-Fluggebiet für den schnellen Abgleiter zwischendurch. Es ist ein hochalpines Amphitheater, das vom Piloten Respekt, meteorologisches Verständnis und taktisches Feingefühl verlangt – und ihn dafür mit Flugerlebnissen belohnt, die an landschaftlicher Dramatik und aerologischer Qualität in den Alpen ihresgleichen suchen.  

Dieser Bericht, verfasst aus der Perspektive eines erfahrenen Piloten und Reisejournalisten, zielt darauf ab, weit über die Basisinformationen hinauszugehen. Er ist eine Exegese des Fliegens im Engiadina Bassa. Wir werden nicht nur klären, wo gestartet wird, sondern warum an bestimmten Tagen der „Brüscha“ (der lokale Talwind) die Thermik zerreißt, während er sie an anderen Tagen verstärkt. Wir werden analysieren, warum die Route nach Zernez als „Rennstrecke“ gilt und welche mikroklimatischen Fallen zwischen Ardez und Guarda lauern. Wir betrachten die Symbiose aus Naturschutz und Flugsport in einem Tal, das Lebensraum für Bartgeier und Steinböcke ist. Dieser Guide ist für den Piloten geschrieben, der nicht nur konsumieren, sondern verstehen will – den „Thinking Pilot“, der bereit ist, sich auf die wilde Schönheit des Schweizer Nationalparks und die kulturelle Tiefe der rätoromanischen Schweiz einzulassen.

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Die Geografie der Freiheit

Das Unterengadin unterscheidet sich fundamental von seinem bekannteren Nachbarn, dem Oberengadin. Während sich das Oberengadin um St. Moritz als weites, seenreiches Hochtal präsentiert, verengt sich das Tal ab der Brail-Linie (der Grenze zwischen Ober- und Unterengadin) spürbar. Der Inn gräbt sich tiefer in den Fels, die Flanken werden steiler, die Dörfer kleben wie Schwalbennester an den Sonnenterrassen. Scuol, der Hauptort auf ca. 1.250 m ü. M., liegt in einem geschützten Talkessel, dominiert von den Engadiner Dolomiten im Süden (mit dem markanten Piz Lischana) und der Silvrettagruppe im Norden.  

Für den Gleitschirmflieger bedeutet diese Topografie vor allem eines: definierte Linien. Anders als in offenen Voralpengebieten, wo man flächig fliegen kann, gibt das Relief im Unterengadin die Wege vor. Es ist ein Spiel mit den Graten, den Expositionen und den Talwindsystemen, die hier kanalisiert und beschleunigt werden. Der Hausberg Motta Naluns, ein weites Plateau auf der Nordseite des Tals (Südexposition), dient als perfekte Startrampe in dieses System. Mit Startplätzen auf über 2.150 m ü. M. befindet man sich bereits beim Auslegen über der Inversionsgrenze vieler Tage und oft auf Augenhöhe mit den Gipfeln der gegenüberliegenden Seite.

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Aerologie und Meteorologie: Das unsichtbare Spielfeld

Ein Fluggebiet ist immer nur so gut wie das Verständnis des Piloten für die Luftmassen, die es bewegen. Im Unterengadin ist dieses Verständnis überlebenswichtig. Die aerologische Situation wird durch das komplexe Zusammenspiel von überregionalen Wetterlagen und lokalen thermischen Windsystemen bestimmt.

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Das Duell der Winde: Brüscha vs. Maloja

Ein weit verbreiteter Irrtum unter Gastpiloten ist die Annahme, das gesamte Engadin würde vom berühmten Malojawind dominiert. Dies ist eine gefährliche Vereinfachung. Während der Malojawind im Oberengadin als verlässlicher "Uhrwerk-Wind" aus Südwest das Tal hinunterweht, endet sein direkter Einflussbereich oft bei Zernez oder Susch.  

Im Unterengadin regiert ein anderer Herrscher: der Brüscha. So nennen die Einheimischen den klassischen Talwind, der von Landeck (Österreich) her das Inntal heraufströmt – also aus Nordosten bis Osten kommt.

Merkmal Malojawind (Oberengadin) Brüscha (Unterengadin) Herkunft Bergell / Südwest Inntal (Landeck) / Nordost Richtung Talabwärts (geografisch) Talaufwärts (geografisch) Charakter Laminar, oft stark (bis 30 km/h) Thermisch durchsetzt, böig Einflussgebiet Maloja bis Zernez Martina bis Scuol/Ardez Tageszeit Setzt oft schon vormittags ein Startet meist gegen 11:00-12:00 Uhr Export to Sheets

Die Konvergenzzone: Die spannendste meteorologische Situation entsteht an Tagen, an denen beide Systeme stark ausgeprägt sind. Irgendwo zwischen Ardez und Zernez prallen der aus Südwest kommende Malojawind und der aus Nordost wehende Brüscha aufeinander. Diese Konvergenzlinie ist für Streckenflieger (XC-Piloten) der heilige Gral. Hier wird die Luftmasse zum Aufsteigen gezwungen, was großflächiges, oft sanftes Steigen ermöglicht. Die Position dieser Konvergenz ist nicht fix; sie verschiebt sich je nach Luftdruckgradienten und thermischer Aktivität. Ein XC-Pilot, der von Motta Naluns Richtung Zernez fliegt, muss diese Zone "lesen" können. Sieht man vor sich eine Wand aus Wolken, die höher reicht als der Rest? Das ist die Konvergenz. Dreht der Wind am Boden plötzlich um 180 Grad? Man hat die Linie überflogen.

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Thermische Charakteristik: Der Hochofen

Motta Naluns ist ein klassischer Südhang. Die Sonneneinstrahlung trifft hier fast den ganzen Tag im idealen Winkel auf den Boden. Dies, kombiniert mit der trockenen Luft des inneralpinen Klimas (das Unterengadin gehört zu den trockensten Regionen der Schweiz), sorgt für exzellente Thermikgüte.  

Der "Hausbart": Direkt östlich der Bergstation Motta Naluns, über den Felskanten und Lawinenverbauungen, löst sich meist zuverlässig der erste Bart ab. Er ist der Einstieg in den Fahrstuhl nach oben. An guten Tagen (besonders im Frühjahr) sind integrierte Steigwerte von 4 bis 6 m/s keine Seltenheit, Spitzenwerte können 8 m/s überschreiten.  

Basishöhen: Im Hochsommer liegt die Wolkenbasis (Cloudbase) oft extrem hoch. Höhen von 3.500 bis 4.000 m ü. M. sind keine Utopie, sondern an Hammertagen Realität. Dies ermöglicht Talquerungen mit enormen Sicherheitsreserven und eröffnet Flugwege über die Gipfelgrate hinweg, die in niedrigeren Gebieten undenkbar wären.  

Inversionen: Im Winter neigt das Engadin zu starken Bodeninversionen. Während es im Tal bei -15°C klirrend kalt ist, kann es am Startplatz auf 2.150 m in der Sonne angenehm warm sein. Der Durchstich durch die Inversion beim Landeanflug ist oft spürbar durch Windscherungen und Temperatursturz.

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Die Rolle der Seitentäler

Scuol ist der Mündungspunkt mehrerer Seitentäler, insbesondere des Val S-charl von Süden und des Val Clozza von Norden. Diese Täler fungieren als Belüftungssysteme.

Gefahr: Am späten Nachmittag, wenn die Thermik in den Seitentälern zusammenbricht, kann kühle Luft (Katabatischer Wind) aus diesen Tälern schlagartig in das Haupttal fließen und den Landeplatz in Scuol mit unerwarteten Windrichtungen oder Turbulenzen fluten.

Venturi-Effekt: An der Einmündung des Val S-charl in das Inntal kann der Talwind (Brüscha) beschleunigt werden. Wer hier zu tief fliegt, riskiert, "eingeparkt" zu werden oder gegen den Wind nicht mehr vorwärtszukommen.

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Infrastruktur und Logistik: Der Weg zur Basis

Ein entscheidender Faktor für die Attraktivität eines Fluggebiets ist die Zugänglichkeit. Das Unterengadin punktet hier mit einer Mischung aus Schweizer Effizienz und entspannter Bergbahnkultur.

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Anreise: Die Logik der Schiene

Obwohl viele Piloten das Auto bevorzugen, um ihre voluminöse Ausrüstung zu transportieren, ist die Anreise mit der Rhätischen Bahn (RhB) nach Scuol eine Überlegung wert. Die Strecke von Chur durch den Vereina-Tunnel oder über die Albulalinie gehört zum UNESCO-Welterbe und stimmt mental auf das Hochgebirge ein.

Der Bahnhof Scuol-Tarasp: Er ist Endstation und liegt strategisch genial. Die Talstation der Bergbahnen Scuol-Motta Naluns befindet sich direkt neben dem Bahnhof. Ein Fußweg von weniger als 200 Metern verbindet den Bahnsteig mit der Gondel. Für Piloten, die Streckenflüge planen und eventuell in einem anderen Dorf (z.B. Zernez oder Ardez) landen, ist die Bahnlinie im Tal der perfekte "Rückholer". Der Takt ist dicht (stündlich), und die Züge sind geräumig genug für Gleitschirmrucksäcke.  

Parken: Wer mit dem Auto kommt, findet an der Talstation einen großen, aber kostenpflichtigen Parkplatz. An Wochenenden im Winter kann dieser voll werden, daher lohnt sich frühes Erscheinen.

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Die Bergbahn: Ticket zur Freiheit

Der Transport zum Startplatz erfolgt mit der Gondelbahn Scuol – Motta Naluns.

Betriebszeiten: Die Bahn operiert saisonal.

Wintersaison: Mitte Dezember bis Mitte April. Betriebszeiten meist 8:30 – 16:30 Uhr.

Sommersaison: Ende Mai bis Anfang November.

Achtung Revisionszeiten: Zwischen den Saisonen (November bis Anfang Dezember und Ende April bis Ende Mai) steht die Bahn still. In diesen Zeiten gehört der Berg den Hike & Fly Piloten, die bereit sind, die 900 Höhenmeter zu Fuß zu bewältigen.  

Tarife: Die Bergbahnen Scuol bieten spezielle Konditionen für Gleitschirmflieger an. Es gibt Einzelfahrten und Tageskarten.

Tipp: Für Piloten, die "Ski & Fly" betreiben, ist der normale Skipass oft die bessere Wahl, da er auch die Nutzung der Sessellifte (Naluns, Clünas, Champatsch) inkludiert, die zu noch höheren Startplätzen führen. Das reine Gleitschirmticket gilt oft nur für die Gondelbahn.  

Gästekarten: Wer in Scuol übernachtet, erhält oft die "Gästekarte", die im Sommer die kostenlose Nutzung der Bergbahnen beinhaltet. Dies macht einen Flugurlaub in Scuol ökonomisch extrem attraktiv im Vergleich zu Gebieten wie Zermatt oder Interlaken, wo jede Fahrt ein kleines Vermögen kostet.

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Unterkunft: Basislager für Piloten

Scuol bietet eine breite Palette an Unterkünften, aber für Piloten gibt es einige spezifische Empfehlungen.

Camping Sur En: Etwas flussabwärts von Scuol gelegen (bei Sent). Dieser Campingplatz ist ganzjährig geöffnet und bei Outdoor-Sportlern sehr beliebt. Er liegt zwar nicht direkt an der Bahn, aber der Postbus verbindet den Platz mit der Talstation. Die Atmosphäre ist entspannt, und man trifft oft andere Flieger.  

Chasa Alpina: Direkt an der Talstation gelegen. Diese Gruppenunterkunft ist ideal für Flugschulen oder Vereine, die ein Fluglager organisieren. Die Zimmer sind einfach, aber die Lage ist unschlagbar – man fällt quasi aus dem Bett in die Gondel.  

Hotel Bellaval: Nahe dem Bahnhof und der Bahn. Ein klassisches Engadiner Hotel, das oft von Individualreisenden genutzt wird.

Wellness als Backup: Ein Flugurlaub im Engadin ist nicht komplett ohne das Bogn Engiadina. Dieses Thermalbad ist weltberühmt. Nach einem langen Flug (oder einem Tag, an dem es nicht fliegbar war) in den warmen Außenbecken zu liegen und auf die Berge zu schauen, ist Teil des Scuol-Erlebnisses. Viele Hotels bieten vergünstigte Eintritte an.

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Die Startplätze: Taktik und Topografie

Auf dem Plateau von Motta Naluns angekommen, bietet sich dem Piloten ein weites Feld an Möglichkeiten. Doch Vorsicht: Die Wahl des falschen Startplatzes zur falschen Zeit kann den Flugtag beenden, bevor er begonnen hat. Wir unterscheiden primär zwei offizielle Startplätze, die je nach Windregime angesteuert werden müssen.

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SP1: Der Ost-Startplatz (Der Thermik-Einstieg)

Koordinaten: ca. 46.8129° N, 10.2731° E

Höhe: 2.173 m ü. M.

Zugang: Von der Bergstation aus folgt man dem Wanderweg Richtung Sent/Clünas für ca. 100 bis 200 Meter. Man hält sich dann rechts und steigt auf eine sanfte Kuppe.

Charakteristik: Dieser Startplatz ist leicht geneigt und bietet Platz für mehrere Schirme gleichzeitig. Er ist nach Osten bis Südosten ausgerichtet.

Taktischer Vorteil: Da dieser Platz etwas höher liegt als die Bergstation und der Süd-Startplatz, startet man hier oft oberhalb der ersten Abrisskante. Das erleichtert den direkten Einstieg in die Thermik, die oft östlich der Station hochzieht.

Ideale Bedingungen: Bei schwachem Wind, Bise (Nordostströmung) oder leichter Osttendenz ist dies der Platz der Wahl. Der Talwind (Brüscha) streicht hier oft laminar hoch.

Gefahr: Bei starkem Westwind liegt dieser Startplatz im Lee der Bergstation und der davorliegenden Geländekuppe. Turbulenzen sind hier vorprogrammiert. Ein Blick auf den Windsack an der Bergstation ist obligatorisch!

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SP2: Der Süd-Startplatz (Die Rampe)

Koordinaten: ca. 46.8097° N, 10.2726° E

Höhe: 2.116 m ü. M.

Zugang: Direkt unterhalb der Sonnenterrasse des Bergrestaurants "La Motta". Man muss quasi nur aus der Gondel fallen.

Charakteristik: Ein steilerer Wiesenhang, der direkt nach Süden abfällt. Im Winter wird hier oft eine Schneepiste speziell für Gleitschirme präpariert.

Ideale Bedingungen: Perfekt bei reinem Südwind oder Südwestwind. Auch wenn die Thermik direkt den Hang heraufzieht, ist dies der sicherere Startplatz im Vergleich zum Ost-Startplatz (bei Westeinschlag).

Gefahren:

Die Seilbahn: Die Kabel der Gondelbahn verlaufen westlich (in Startrichtung rechts) des Startplatzes. Der Abstand ist zwar ausreichend, aber bei einem missglückten Start mit anschließendem Pendeln oder bei starkem Seitenwind von links kann man in die Nähe der Kabel gedrückt werden. Regel: Nach dem Abheben sofort leicht links orientieren, weg von den Kabeln!

Der "Publikumseffekt": Da der Startplatz direkt unter der Restaurantterrasse liegt, ist man oft von Zuschauern umringt. Dies kann psychologischen Druck aufbauen ("Startdruck"). Es ist essenziell, sich nicht drängen zu lassen, die 5-Punkt-Checkliste laut und deutlich abzuarbeiten und erst zu starten, wenn alles passt.

Skifahrer: Im Winter kreuzen Skifahrer oft unterhalb des Startplatzes, obwohl Absperrungen vorhanden sind. Ein Kollisionsrisiko besteht beim Startlauf.

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Alternativstartplätze: Prui und Ftan

Wenn die Basis tief liegt oder der Wind auf dem Gipfelplateau von Motta Naluns zu stark ist, bietet die Ebene von Ftan/Prui eine Ausweichmöglichkeit.

Prui (2.060 m): Erreichbar mit dem Sessellift von Ftan. Der Startplatz liegt etwas geschützter und weiter östlich. Er ist oft am Vormittag thermisch aktiv, bevor der große Talwind durchbricht.

Startrichtung: Süd.

Vorteil: Man startet etwas abseits des Trubels von Motta Naluns. Der Flugweg führt über Ftan direkt zum Landeplatz Scuol.

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High-Alpine Starts: Schlivera und Champatsch

Für Piloten, die im Winter oder Hochsommer noch höher hinauswollen, bieten die Sessellifte Zugang zu Startplätzen auf fast 2.800 Metern.

Champatsch (2.783 m): Ein hochalpiner Startplatz im Norden des Skigebiets. Nur für erfahrene Piloten. Hier oben ist der Wind oft deutlich stärker und unbeeinflusst von Bodenreibung.

Vorsicht: Diese Bereiche liegen im Winter oft nahe an Wildruhezonen. Informieren Sie sich tagesaktuell an der Tafel bei der Talstation, ob ein Start hier legal ist.

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Streckenflug (XC): Die Engadiner Rennstrecke

Scuol ist nicht nur ein Ort zum Fliegen, es ist ein Sprungbrett in die Hochalpen. Die Topografie des Unterengadins bietet klare Linien, die sowohl für XC-Einsteiger als auch für Profis attraktiv sind.

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Route 1: Der "Süd-Express" nach Zernez

Dies ist der Klassiker und wohl die beliebteste Strecke im Unterengadin. Das Ziel ist meist Zernez oder, für Ambitionierte, das Oberengadin (Samedan/St. Moritz).

Phase 1: Höhe machen: Nach dem Start auf Motta Naluns ist das erste Ziel der Piz Clünas oder der Piz Champatsch. Man muss hier satt Höhe machen (idealerweise 2.800m+), bevor man die Querung Richtung Ardez ansetzt.

Phase 2: Die Sonnenterrassen: Der Flugweg führt entlang der nördlichen Talseite (die nach Süden ausgerichtet ist). Man fliegt über die Dörfer Ftan, Ardez und Guarda. Diese Dörfer liegen auf plateauförmigen Terrassen, die exzellente thermische Trigger sind.

Taktik: Fliegen Sie "Thermik für Thermik". Versuchen Sie nicht, Strecke zu machen, indem Sie das Gaspedal durchdrücken, sondern nehmen Sie jeden Bart mit, um hoch zu bleiben. Der Talwind unten im Tal kann bei Ardez sehr stark werden. Wer hier "absäuft" und tief ins Tal gerät, hat einen unangenehmen Rückweg oder eine turbulente Landung vor sich.

Phase 3: Die Schlüsselstelle Zernez: Vor Zernez weitet sich das Tal. Hier, am Zusammenfluss von Spöl und Inn, treffen oft der Brüscha und der Malojawind aufeinander. Diese Zone ist oft turbulent, aber thermisch sehr aktiv. Wer bis hierher kommt, hat meist schon 20-30 km auf dem Tacho.

Der Rückweg: Oft ist der Rückweg ein Genussflug. Mit dem Brüscha im Rücken und der Konvergenzlinie als Leitplanke kann man oft mit minimalem Kreisaufwand zurück nach Scuol "surfen".

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Route 2: Die "Österreich-Connection" (Ostrunde)

Der Flug Richtung Nordosten (talabwärts) nach Österreich ist landschaftlich reizvoll, aber luftrechtlich anspruchsvoller.

Wegpunkte: Sent, Ramosch, Tschlin. Man fliegt vorbei am imposanten Schloss Tarasp (auf der anderen Talseite sichtbar) und folgt dem Inn Richtung Martina.

Luftraum: Ab der Landesgrenze bei Martina gelten die österreichischen Luftraumregeln. Zudem muss man auf den Luftraum des Flugplatzes Samedan (Süd) und diverse militärische Übungszonen achten. Ein Blick ins DABS (Daily Airspace Bulletin Switzerland) und auf die ICAO-Karte ist Pflicht.

Herausforderung: Das Tal wird Richtung Landeck breiter, die Thermikquellen liegen weiter auseinander. Zudem fliegt man hier oft gegen den einfallenden Talwind (Brüscha), was den Hinweg mühsam und den Rückweg (mit Rückenwind) schnell macht – genau umgekehrt zur Zernez-Route.

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Die Talquerung: Ein Spiel mit dem Feuer?

Ein Wechsel auf die südliche Talseite (zu den Engadiner Dolomiten) ist verlockend, da die Felswände spektakulär aussehen.

Warnung: Die Südseite (Nordhänge) ist thermisch oft weniger aktiv und vor allem: Die Landemöglichkeiten sind extrem spärlich. Zwischen den steilen Geröllfeldern und dem dichten Wald gibt es kaum Notlandeplätze. Zudem wirkt der starke Talwind in der Talmitte als massive Barriere ("Windwand"). Eine Querung sollte nur mit sehr komfortabler Überhöhung (3.000m+) gewagt werden.

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Der Landeplatz: Nadelöhr im Tal

Der Landeplatz Scuol ist offiziell, großzügig bemessen und gut mit Windsäcken ausgestattet. Dennoch birgt er Tücken, die schon manchen erfahrenen Piloten überrascht haben. Eine saubere Landeeinteilung (Volte) ist hier keine Kür, sondern Pflicht.

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Lage und Anflug

Der Landeplatz (LP1) befindet sich auf ca. 1.310 m ü. M., westlich des Bahnhofs Scuol-Tarasp und oberhalb der großen Parkplätze der Bergbahnen.

Topografie: Der Landeplatz ist eine terrassierte Wiese. Er fällt leicht ab.

Windsäcke: Es gibt meist zwei Windsäcke. Einer steht direkt am Landeplatz, ein zweiter oft weiter Richtung Bahnhof/Parkplatz. Diese können unterschiedliche Windrichtungen anzeigen, wenn sich Thermikblasen lösen!

Die "Parkplatz-Thermik": Der große Asphaltparkplatz unterhalb des Landeplatzes heizt sich im Sommer extrem auf. Hier lösen sich regelmäßig aggressive, enge Thermikblasen ab.

Szenario: Ein Pilot im Endanflug fliegt zu tief über den Parkplatz, wird von einer Ablösung erfasst, hebt plötzlich wieder 10 Meter an und überschießt den Landeplatz.

Gegenmaßnahme: Planen Sie den Endanflug nicht zu knapp über dem Parkplatz. Halten Sie Reserven und seien Sie auf "Bocken" gefasst.

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Das Damoklesschwert: Die Hochspannungsleitung

Das wohl kritischste Hindernis im Scuoler Talboden ist die Hochspannungsleitung. Sie quert das Tal und verläuft in der Nähe des Landeplatzes.

Gefahr: Piloten, die versuchen, jeden Meter Höhe auszukurbeln ("Kratzen") oder die Volte schlampig fliegen, können in die Nähe der Leitungen geraten. Vor dem dunklen Waldhintergrund sind die Kabel oft schwer zu erkennen.

Regel: Die Landevolte findet strikt südlich der Leitungen und nördlich der Parkplätze statt. Die Leitungen sind die absolute "No-Go-Line".

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Der "Brüscha"-Effekt am Boden

Der Talwind kann im engen Talkessel von Scuol beschleunigt werden (Düsen-Effekt). Windgeschwindigkeiten von 25-30 km/h am Landeplatz sind an thermischen Nachmittagen keine Seltenheit.

Taktik: Fliegen Sie die Positionslinie (Leg 1 der Volte) mit ausreichend Vorhaltewinkel gegen den Wind. Lassen Sie sich nicht vom Wind in den Lee-Bereich hinter den Häusern oder Bäumen treiben. Landen Sie aktiv!

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Abbau und Etiquette

Gefaltet wird auf dem sogenannten Faltplatz, einem kleinen Wiesenstück zwischen der Kantonsstraße und der Quartierstraße, etwas abgesetzt von der eigentlichen Landebahn.

Bitte: Falten Sie nicht mitten auf der Landewiese. Dies blockiert nachfolgende Piloten und Schulbetrieb. Die Bauern im Engadin sind kooperativ, aber das Betreten von hohem Gras (Futterwiesen) außerhalb der gemähten Landezone führt schnell zu Konflikten.

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Saisonale Strategie: Ein Jahr in Scuol

Motta Naluns ist kein reines Sommerfluggebiet. Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Charakter und ihre eigenen Gesetze.

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Winter (Dezember – Februar): Das Reich von Ski & Fly

Das Engadin ist schneesicher. Für Piloten bedeutet das: Ski anschnallen!

Ski & Fly: Dies ist die Königsdisziplin im Winter. Mit kleinen Schirmen (Miniwings oder Speedflyer) oder normalen Gleitschirmen kann man direkt von der Piste starten. Die Infrastruktur ist perfekt darauf ausgelegt.

Vorteil: Man ist nicht an die zwei offiziellen Startplätze gebunden. Solange man keine Skifahrer gefährdet, kann man fast überall auf dem Plateau starten.

Thermik: Ja, auch im Januar! Die steilen, dunklen Wälder unterhalb von Motta Naluns heizen sich in der tiefstehenden Sonne auf. Kleine, zähe Bärte sind möglich.

Kälte: Unterschätzen Sie niemals den Windchill. Bei -10°C Lufttemperatur und 40 km/h Fluggeschwindigkeit frieren Finger in Minuten ein. Beheizbare Handschuhe sind hier kein Luxus, sondern PSA (Persönliche Schutzausrüstung).

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Frühling (März – Mai): Die Hammer-Zeit

Wenn der Schnee im Tal schmilzt, aber oben noch liegt, entstehen enorme Temperaturdifferenzen.

Bedingungen: Brutal starke Thermik. Steigwerte von 8 m/s sind möglich. Dies ist die Zeit für Rekordflüge, aber nichts für Anfänger oder Piloten mit schwachen Nerven.

Gefahr: Die Luft ist oft turbulent ("sportlich"). Wer hier startet, sollte sein Schirmhandling (aktives Fliegen) perfekt beherrschen.

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Sommer (Juni – August): High Base & Talwind

Die Thermik wird etwas weicher, aber die Basis steigt enorm an.

High Base: Basishöhen von 4.000 Metern erlauben Flüge, bei denen man sich wie ein Astronaut fühlt. Man blickt auf die Gletscher der Bernina-Gruppe herab.

Talwind: Der Brüscha erreicht sein Maximum. Landungen in Scuol können am Nachmittag anspruchsvoll werden (starker Wind, Turbulenzen).

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Herbst (September – November): Golden Season

Das "Lärchenbrennen" (Verfärbung der Nadelbäume) taucht das Tal in Gold.

Genussfliegen: Die Luft wird ruhig, glasklar und laminar. Die Thermik ist sanft. Dies ist die beste Zeit für "Genussflieger" und Fotografen.

Event: Achten Sie auf das "Lai Nair Fliegen", ein lokales Treffen, das oft im Herbst stattfindet.

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Sicherheit, Naturschutz und Regeln

Das Engadin ist nicht nur ein Spielplatz für Menschen, sondern ein fragiles Ökosystem.

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Wildruhezonen (WRZ): Respekt vor dem Leben

Im Winter (meist 20. Dezember bis 20. April) gelten gesetzlich verankerte Wildruhezonen. Das Engadin ist Habitat für Steinböcke, Gämsen und Rothirsche, die im Winter am energetischen Limit leben.

Die Regeln: Überflüge unter 300 Meter Bodenabstand und Landungen in diesen Zonen sind streng verboten.

Hotspots: Kritische Zonen befinden sich oft in den Waldgürteln unterhalb des Piz Champatsch und im Val Clozza.

Konsequenz: Verstöße werden mit empfindlichen Bußen geahndet. Informieren Sie sich vor jedem Flug auf wildruhezonen.ch oder an den Panoramatafeln der Bergbahn.

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Der Bartgeier: König der Lüfte

Das Engadin ist ein erfolgreiches Wiederansiedlungsgebiet für den Bartgeier. Diese riesigen Vögel (Spannweite bis 2,90 m) sind neugierig und nähern sich oft Gleitschirmen.

Verhaltenskodex: Wenn ein Bartgeier auftaucht (oder ein Steinadler):

Nicht verfolgen.

Nicht aggressiv anfliegen.

Kurs halten und den Vogel beobachten. Meist drehen sie ab, wenn sie das "komische bunte Ding" inspiziert haben. Ein Zusammenstoß wäre fatal – für den Vogel, den Piloten und das Image des Sports.

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Seilbahnen und Kabel

Neben der Gondelbahn gibt es im Tal zahlreiche Materialseilbahnen, die abgelegene Alpen versorgen (z.B. Alp Laret).

Gefahr: Diese Seile sind oft dünn und gegen den dunklen Waldhintergrund unsichtbar.

Regel: Fliegen Sie niemals knapp über Geländerücken oder durch unbekannte Waldschneisen. Halten Sie immer ausreichenden Sicherheitsabstand zum Boden (min. 50-100m in unbekanntem Gelände).

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Jenseits des Fluges: Après-Fly & Alternativen

Was tun, wenn der Föhn bläst oder der Flugtag vorbei ist? Scuol bietet mehr als nur Startplätze.

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Kulinarik und Piloten-Treffs

Marmotta Bar: Direkt an der Talstation gelegen. Dies ist der "Hangar" der Szene. Hier trifft man nach dem Landen lokale Piloten (wie die Mitglieder des Clubs Corniglias), tauscht sich über die Bedingungen aus und trinkt das obligatorische Landebier. Hier erfährt man die wahren Tipps für den nächsten Tag.  

Restaurant La Motta: Auf dem Berg. Ideal für den Kaffee vor dem Start oder das Mittagessen ("Parawaiting"), wenn man darauf wartet, dass der Wind dreht. Die Terrasse bietet perfekten Blick auf die Startplätze.  

Engadiner Nusstorte: Kein Besuch im Engadin ohne sie. Bäckereien wie Cantieni oder Benderer in Scuol sind Institutionen.

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Alternativen bei "Unfliegbarkeit"

Bogn Engiadina: Das Thermalbad ist Weltklasse. Römisch-Irisches Bad, Saunalandschaft, Außenbecken mit Bergblick. Perfekt zur Regeneration der Nackenmuskulatur nach langem Thermikkurbeln.

Schloss Tarasp: Das Wahrzeichen des Unterengadins thront auf einem Felsen. Eine Führung lohnt sich.

Biken: Die Trails um Motta Naluns sind exzellent. Viele Piloten kombinieren: Morgens fliegen, nachmittags biken (die Bergbahn transportiert auch Bikes).

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Fazit

Motta Naluns ist ein Fluggebiet mit Charakter. Es schenkt einem nichts, aber es ermöglicht alles. Wer hier fliegt, lernt, die Sprache der Berge zu lesen – den Wechsel der Winde, das Atmen der Täler, die Zeichen der Natur. Es ist der perfekte Ort für den Piloten, der dem Massentourismus der großen Flugzentren entfliehen will und stattdessen authentisches, anspruchsvolles und landschaftlich überwältigendes Fliegen sucht.

Respektieren Sie die Wildruhezonen, achten Sie auf den Brüscha und genießen Sie jeden Meter Steigen über den Engadiner Dolomiten.

Fly safe.

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