StartseiteFluggebieteDeutschlandBayernVogelsang Bayrischzell

Vogelsang Bayrischzell

Startplätze:2
Landungen:1
Koord.:47.6653°N, 12.0354°E
Piloten-GuideStartplätzeInfoAnmelden
In Google Maps öffnen

Geländekarte

3D terrain map preview

Start- & Landeplätze

2 Startplatzätze, 1 Landeplatz

Vogelsang West Startplatz

Start
Höhe1558m ü. M.
Koord.47.6653, 12.0354
WindW
Korrekt?

Landeplatz Bayrischzell

Landung
Höhe790m ü. M.
Koord.47.6708, 12.0168
Korrekt?

Vogelsang Ost-Startplatz

Start
Höhe1558m ü. M.
Koord.47.6633, 12.0346
WindO
Korrekt?

Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Fluggebiet Vogelsang (Bayrischzell): Das umfassende Handbuch für Piloten

Korrekt?

Einführung: Ein alpines Juwel im Mangfallgebirge

Das Fluggebiet Vogelsang, gelegen im malerischen Oberen Sudelfeld oberhalb von Bayrischzell, nimmt eine singuläre Sonderstellung in der Topografie der Bayerischen Voralpen ein. Während benachbarte Berge wie der Wallberg am Tegernsee oder das Brauneck in Lenggries oft durch hohe Frequenzen, kommerziellen Tandembtrieb und eine ausgeprägte touristische Infrastruktur geprägt sind, gilt der Vogelsang als ein Refugium für den sportlich orientierten, selbstständigen Piloten. Es ist ein Gelände, das nicht durch schiere Masse, sondern durch Klasse, landschaftliche Schönheit und aerologische Raffinesse besticht.

Geografisch positioniert an der strategisch bedeutsamen Schnittstelle zwischen dem Mangfallgebirge und dem weiten Inntal, bietet der Vogelsang mit einer Startplatzhöhe von ca. 1.563 m MSL (Nordost) bzw. 1.450 m MSL (West) einen idealen Einstieg in weite Streckenflüge Richtung Osten zum Kaisergebirge sowie in Richtung Süden. Das Gelände wird vom Drachenfliegerclub Bayrischzell e.V. (DCB) betreut und zeichnet sich durch eine gut organisierte, aber strikt regulierte Infrastruktur aus, die den Erhalt des Flugbetriebs in einem sensiblen ökologischen Umfeld sichert.  

Die Topografie ist geprägt durch steile Westhänge, die in das Ursprungtal abfallen, und das weitläufige, sanft gewellte Plateau des Sudelfelds im Rücken der Startplätze. Diese spezifische geologische Konstellation sorgt für aerologische Bedingungen, die den Vogelsang zu einem hervorragenden Soaring- und Thermikberg machen. Insbesondere bei überregionalen Westlagen, die an anderen, turbulenteren Alpenrandbergen oft schon zu kritischen Bedingungen führen, bietet der Vogelsang häufig noch fliegbare, laminare Strömungen. Dennoch ist der Berg kein Anfängergelände für die ersten Alleinflüge ohne Aufsicht; die komplexe Talwindsystematik und spezifische Gefahrenquellen am Landeplatz erfordern eine hohe Flugdisziplin und präzise Planung.

Korrekt?

Meteorologie und Aerologie: Das Windsystem verstehen

Die meteorologische Einschätzung ist am Vogelsang der Schlüssel zu einem sicheren Flug. Das Gelände ist primär ein "Abendberg" und ein klassisches Westwind-Revier, doch die Teufel stecken im Detail der lokalen Talwinde und thermischen Entwicklungen.

Korrekt?

Die Dominanz der Westströmung

Der Vogelsang spielt seine Stärken vor allem bei Wetterlagen aus, die von westlichen Strömungen dominiert werden. Während reine Thermikflüge oft schon ab dem späten Vormittag möglich sind, entfaltet das Gebiet sein volles Potenzial oft erst am Nachmittag und frühen Abend. Wenn sich die Hänge des Ursprungtals aufgeheizt haben und der überregionale Westwind auf die Flanken trifft, entsteht ein breites, oft laminares Aufwindband. Dieses "Magic Soaring" ist die Paradedisziplin des Vogelsangs und erlaubt stundenlanges Fliegen im thermodynamischen Aufwind, oft bis in den Sonnenuntergang hinein.

Korrekt?

Die Gefahr der "falschen" Winde

Eine kritische Besonderheit, die in der Gefahreneinweisung des Clubs immer wieder betont wird, ist die Täuschungsgefahr durch bestimmte Windrichtungen. Piloten müssen hier extrem wachsam sein, da die Topografie Winde umlenken und maskieren kann.

Besondere Vorsicht ist bei Südost (SE) und Nord-Nordwest (NNW) bis Nord (N) geboten. Diese Windrichtungen können am Startplatz fälschlicherweise als "gut" interpretiert werden, da sie phasenweise anstehen. Die Club-Experten warnen jedoch eindringlich mit dem Hinweis "Pass auf!!!". Bei diesen Anströmungen entstehen durch vorgelagerte Geländekanten und Schneisen oft unsichtbare Turbulenzen und Rotoren im Abflugbereich. Ein Start bei diesen Bedingungen gleicht einem Glücksspiel mit der Lee-Falle.  

Zudem ist bei Nullwind Vorsicht geboten. Der Weststartplatz ist eine Waldschneise. Ein Start ohne stabilen Gegenwind erfordert eine absolut saubere Vorwärtsstarttechnik und einen entschlossenen Lauf. Ein Abbruch im steilen Gelände der Schneise ist schwierig und risikoreich, weshalb Anfängern von Starts bei Windstille ("0-Wind") am Weststartplatz explizit abgeraten wird.

Korrekt?

Inversionsgefahr und Kessellage

Bayrischzell liegt in einer klassischen Kessellage am Zusammenfluss von Ursprungtal und Leitzachtal. Dies hat mikroklimatische Konsequenzen, insbesondere im Herbst und Winter. Es ist keine Seltenheit, dass am Startplatz am Oberen Sudelfeld strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen herrschen, während der Landeplatz im Tal noch unter einer zähen Kaltluftseen-Inversion liegt. Für den Piloten bedeutet dies, dass er beim Abgleiten in die Inversionsschicht eintaucht, was oft mit einem abrupten Verlust der Thermik, einer Zunahme der Feuchtigkeit (Beschlagen des Visiers) und eventuell wechselnden Windrichtungen unterhalb der Inversion verbunden ist.

Korrekt?

Logistik und Infrastruktur: Der Weg zum Start

Der Vogelsang ist kein klassischer "Drive-in"-Flugberg wie etwa der Hochfelln oder der Tegelberg. Die Logistik erfordert Planung, Kleingeld und – je nach Saison – auch eine gewisse körperliche Grundkondition. Diese Hürde sorgt jedoch auch dafür, dass der Berg selten überlaufen ist.

Korrekt?

Saisonale Unterschiede: Sommer vs. Winter

Die Erreichbarkeit der Startplätze unterscheidet sich fundamental zwischen der Sommer- und der Wintersaison, was bei der Flugplanung zwingend berücksichtigt werden muss.

Sommerbetrieb (ca. Mai bis November): In der schneefreien Zeit ist das Auto das primäre Zubringermittel.

Anfahrt: Die Anreise erfolgt über Bayrischzell auf die B307 in Richtung Sudelfeldpass. Kurz nach dem Ortsausgang beginnt der Anstieg.

Mautstraße: Piloten biegen auf die Sudelfeldstraße ab. Diese ist eine private Mautstraße. Die Kosten variieren, liegen aber typischerweise zwischen 2,00 € und 5,00 € pro PKW. Es ist ratsam, passendes Kleingeld mitzuführen, auch wenn moderne Schrankensysteme zunehmend Karten akzeptieren.  

Parken: Das Ziel ist der Berggasthof Walleralm. Hier stehen Parkplätze zur Verfügung. Es ist wichtig, die Parkordnung zu beachten, um Konflikte mit dem Gastronomiebetrieb und Wanderern zu vermeiden.

Der letzte Fußmarsch: Ab der Walleralm ist die Weiterfahrt für den Individualverkehr – und damit auch für Gleitschirmflieger – strikt verboten. Eine Schranke und Verbotsschilder markieren das Ende der Fahrmöglichkeiten. Von hier aus müssen Piloten ihre Ausrüstung zu Fuß zum Startplatz tragen. Der Weg zum Weststartplatz dauert etwa 15 bis 20 Minuten und führt über ca. 250 Meter Distanz leicht ansteigend durch das Almgebiet.  

Winterbetrieb (ca. Dezember bis April): Sobald der Skibetrieb am Sudelfeld aufgenommen wird, ändert sich die Logistik drastisch.

Sessellift: Die Auffahrt erfolgt nun primär mit dem modernen 8er-Sessellift (Kitzlahner/Sudelfeld).

Einschränkungen: Die Beförderung mit dem Lift ist oft reglementiert. Häufig ist die Mitnahme von Sportgeräten nur Piloten gestattet, die auch Ski dabei haben ("Ski & Fly"). Reine Fußgängerbeförderung mit Gleitschirmrucksack ist nicht immer garantiert und sollte vorab an der Kasse geklärt werden.

Zufahrtsverbot: Sobald Schnee auf den Straßen liegt oder die Pisten präpariert sind, ist die PKW-Auffahrt zur Walleralm faktisch unmöglich und verboten. Die Straße wird Teil des Loipen- und Pistennetzes.

Korrekt?

Gebühren und Club-Regeln

Der Erhalt und die Pacht des Fluggeländes werden durch den Drachenfliegerclub Bayrischzell e.V. (DCB) finanziert. Um diese Kosten zu decken, sind Gastpiloten verpflichtet, eine Tagesgebühr zu entrichten.

Gebühr Zahlungsweise Hinweise 5,00 € / Tag PayPal / Digital

QR-Codes befinden sich auf der Homepage des DCB und an Schildern am Startplatz. Bestätigung auf dem Handy speichern!

5,00 € / Tag Bar / Analog

Bezahlung beim Wirt der Walleralm ist alternativ möglich (historisch 3 €, aktuell 5 €)

 

Zusätzlich zur Gebühr besteht eine strikte Eintragungspflicht im Flugbuch, das an der Walleralm ausliegt. Dies dient nicht nur der statistischen Erfassung, sondern ist auch eine behördliche Auflage. Eine wichtige Regelung betrifft die Frequenz: Sollte das Flugbuch mehr als 36 Einträge an einem Tag aufweisen, haben Clubmitglieder Vorrang. Der Startleiter vor Ort ist berechtigt, den Start für Gastpiloten temporär zu beschränken, um eine Überfüllung des Luftraums und Konflikte zu vermeiden.

Korrekt?

Startplätze: Charakteristik und Anforderungen

Der Vogelsang bietet Startmöglichkeiten für verschiedene Windrichtungen, wobei der Fokus klar auf dem westlichen Sektor liegt. Die Startplätze erfordern eine solide Rückwärtsstarttechnik und eine genaue Beurteilung der Windverhältnisse, da das Gelände alpinen Charakter besitzt.

Korrekt?

Vogelsang West (Naturstartplatz)

Dies ist der unbestrittene Hauptstartplatz für Gleitschirmflieger und Drachenflieger. Er bietet die besten Bedingungen für die vorherrschenden Westwindlagen.

Höhe: ca. 1.450 m MSL.  

Ausrichtung: West (W) bis Südwest (SW).  

Charakteristik: Es handelt sich um einen frei angeströmten Wiesenstart mit einer als "optimal" beschriebenen Neigung. Der Aufbauplatz befindet sich komfortabel direkt hinter dem Startbereich auf einem breiten Sattel, was ein stressfreies Sortieren der Leinen ermöglicht. Nach der Abrisskante fällt das Gelände zügig ab, was ein sicheres Abheben erleichtert. Dennoch darf man sich nicht täuschen lassen: Die Schneisensituation erfordert, dass der Schirm sauber steigt und nicht seitlich ausbricht.  

Eignung: Aufgrund der exponierten Lage ist dieser Startplatz ideal für Soaring im Abendwind. Die Thermik löst sich hier oft zuverlässig ab. Wie bereits erwähnt, ist der Start bei Nullwind anspruchsvoll ("Schneisenstart"-Problematik) und sollte routinierten Piloten vorbehalten bleiben.

Korrekt?

Vogelsang West (Rampe)

Historisch gesehen war der Vogelsang ein Drachenfliegerberg, wovon die alte Rampe zeugt.

Höhe: 1.460 m MSL.

Zustand und Nutzung: Es handelt sich um eine sehr steile Holzrampe. Seit der Etablierung und Pflege des breiten Naturstartplatzes wird diese Rampe jedoch kaum noch genutzt. Sie gilt fliegerisch als anspruchsvoll ("nahezu Klippenstart") und ist nur für Drachenpiloten oder extrem geübte Gleitschirmpiloten bei absolut optimalen Windverhältnissen sicher. Für den durchschnittlichen Gleitschirmpiloten ist der Naturstartplatz stets die sicherere und komfortablere Wahl.

Korrekt?

Vogelsang Nordost (NO)

Dieser Startplatz fristet ein Nischendasein, ist aber strategisch wichtig, wenn der Wind nicht aus der Hauptrichtung weht.

Höhe: 1.500 m - 1.563 m MSL, gelegen näher am Gipfelbereich bzw. der Liftstation.  

Ausrichtung: Ost-Nordost (O-NO).

Logistik: Wer hier starten will, muss sein Fluggerät von der Walleralm deutlich weiter und steiler bergauf tragen als zum Weststart. Dies wirkt als natürlicher Filter für die Pilotenanzahl.  

Aerologische Falle: Der Nordstartplatz liegt bei der häufigen Westwindlage im Lee des Gipfels! Ein Start ist hier bei überregionaler Westströmung absolut lebensgefährlich und verboten. Der Platz wird primär genutzt, wenn der "Bayerische Wind" (Ostströmung) ansteht oder thermische Ablösungen am Vormittag dies zulassen. Bei Nullwind ist der Nordstart oft die einfachere Option im Vergleich zum steilen Weststart.

Korrekt?

Der Landeplatz Bayrischzell: Die "Graben"-Falle

Der offizielle Landeplatz befindet sich am südlichen Ortsrand von Bayrischzell. Er wirkt auf den ersten Blick wie eine großzügige Wiese, birgt aber tückische Details, die ihn fliegerisch anspruchsvoller machen, als es die reine Größe vermuten lässt. Eine präzise Landeeinteilung und vorherige Besichtigung sind hier nicht nur Kür, sondern Pflicht.

Korrekt?

Technische Daten und Lage

Höhe: ca. 800 m MSL. Dies ergibt eine Höhendifferenz zum Start von ca. 768 m.  

Position: Der Landeplatz liegt südöstlich der großen Straßenkreuzung, wo die Deutsche Alpenstraße (B307) auf die Straße zum Sudelfeld und nach Kufstein trifft.

Begrenzung: Die offizielle Landefläche ist der Bereich zwischen zwei Bachläufen, südlich des Windsacks.

Korrekt?

Gefahrenschwerpunkte: Graben und Lee

Der Landeplatz weist zwei signifikante Gefahrenquellen auf, die in jedem Briefing erwähnt werden müssen und schon manchen Piloten (und dessen Fahrwerk) überrascht haben:

Der Graben: Mitten durch die Landewiese verläuft ein Entwässerungsgraben quer zur typischen Landerichtung. Dieser ist aus der Höhe – besonders bei hohem Gras oder diffusem Licht – extrem schwer bis gar nicht zu erkennen. Eine Landung im Graben kann zu schweren Stauchungen, Knöchelverletzungen und Materialschäden führen. Piloten müssen ihren Landepunkt aktiv so planen, dass sie entweder deutlich vor oder hinter dem Graben aufsetzen. Eine Besichtigung zu Fuß vor der Auffahrt wird dringend empfohlen.  

Die Lee-Falle: Am westlichen Rand des Landeplatzes steht eine hohe Baumreihe. Da am Vogelsang oft Westwind herrscht, liegen diese Bäume genau im Luv der Landewiese. Dies bedeutet, dass die Wiese selbst im Lee liegt. Bei stärkerem Westwind erzeugen diese Bäume ausgeprägte Leewirbel ("Rotoren"), die bis weit in die Wiese hineinreichen können. Der Endanflug kann hierdurch extrem turbulent werden, mit plötzlichem Durchsacken in Bodennähe. Ein ausreichender Sicherheitsabstand zu den Bäumen im Queranflug ist lebenswichtig.

Korrekt?

Das Wind-Paradoxon

Ein klassisches meteorologisches Phänomen in Bayrischzell ist die Entkopplung von Höhen- und Bodenwind, die Piloten oft verwirrt.

Situation am Gipfel: Es herrscht strammer, laminarer Westwind, der perfektes Soaring ermöglicht.

Situation im Tal: Am Landeplatz herrscht oft Windstille oder es wehen leichte Talwindsysteme aus Nord oder Süd. Piloten dürfen sich keinesfalls darauf verlassen, dass der Wind am Boden dieselbe Richtung und Stärke hat wie am Startplatz. Der Talboden von Bayrischzell ist ein Knotenpunkt verschiedener Täler (Ursprungtal, Leitzachtal), was zu eigenwilligen Zirkulationen führen kann. Der Blick auf den Windsack im Endanflug ist essenziell und wiegt schwerer als die Windprognose.

Korrekt?

Anflugregeln und Lärmschutz

Straßenüberflug: Im Landeanflug (Endteil) dürfen die angrenzenden Straßen (B307 und Sudelfeldstraße) nicht tief überflogen werden. Es gilt eine strikte Mindesthöhe von 100 Metern über der Straße. Dies dient nicht nur der Sicherheit, sondern auch dem Lärmschutz und der Vermeidung von Schreckreaktionen bei Autofahrern. Ein zu tiefer Anflug über die Straße führt schnell zu Ärger mit Anwohnern und Behörden.  

Helikopter-Protokoll: Das Gebäude der Bergwacht grenzt direkt an den Landeplatz. Bei Helikopterbetrieb (sei es Landung oder Anflug) gilt ein absolutes Landeverbot auf der Standardfläche. Piloten müssen in diesem Fall sofort abdrehen und auf eine Ausweichfläche in mindestens 500 m Entfernung ausweichen. Diese Regel gilt auch, wenn der Rotor der Maschine steht, der Hubschrauber aber einsatzbereit auf dem Platz steht.

Korrekt?

Flugpraxis: Thermik und Streckenflug (XC)

Der Vogelsang ist weit mehr als nur ein Abgleiterberg. Er bietet Zugang zu thermisch aktiven Zonen und dient als Sprungbrett für ambitionierte Streckenflüge in die Zentralalpen.

Korrekt?

Thermikquellen und Hausbärte

Die Thermik am Vogelsang ist oft zuverlässig, aber aufgrund der Geländeform anspruchsvoll zu zentrieren.

Der Westhang: Die steilen, teils bewaldeten und teils felsdurchsetzten Flanken unterhalb des Weststarts heizen sich am Nachmittag optimal auf. Sie liefern die primären Aufwinde, die oft als "Hausbart" bezeichnet werden. Da der überregionale Westwind hier frontal auftrifft, vermischt sich dynamischer Aufwind (Soaring) mit thermischem Aufwind. Dies führt dazu, dass die Bärte zahlreich stehen, aber durch den Windversatz oft "zerrissen" und eng sind. Ein aktiver Flugstil ist erforderlich.  

Abend-Soaring: Wenn sich am späten Nachmittag die Thermik beruhigt, aber der Westwind laminar ansteht, beginnt die schönste Zeit am Vogelsang. Das Gebiet verwandelt sich in ein riesiges, ruhiges Aufwindband. Flüge bis in den Sonnenuntergang sind keine Seltenheit und bieten ein spektakuläres Panorama auf den Wendelstein und das bayerische Oberland.

Korrekt?

Streckenflug (XC): Das Tor zum Kaiser

Für Streckenpiloten ist der Vogelsang der Startpunkt für eine der klassischen Routen der bayerischen Alpen: Der Sprung zum Wilden Kaiser.

Die Route: Vom Vogelsang führt der Weg zunächst nach Osten über den Großen Traithen. Dies ist die erste Hürde, da hier oft schon Höhe gemacht werden muss. Weiter geht es zum Brünnstein, einem markanten Felsgipfel.

Die Schlüsselstelle (Talquerung): Vom Brünnstein aus erfolgt der "große Sprung" über das weite Inntal (Bereich Kiefersfelden/Oberaudorf) hinüber zum Zahmen Kaiser und weiter zum Wilden Kaiser. Diese Querung ist die aerologische Schlüsselstelle. Piloten benötigen hier eine sehr hohe Basis ("maximale Arbeitshöhe"), da das Inntal für seinen kräftigen Talwind (der "Bayerische Wind" aus Ost oder der klassische Talwind aus Nord) bekannt ist. Wer hier zu tief ankommt, wird gnadenlos "ausgespült" und muss im Inntal landen.

Weiterflug: Wer den Anschluss an den Kaiser schafft, dem steht die "Pinzgau-Rennstrecke" offen. Von hier aus sind Flüge weiter Richtung Osten zu den Loferer Steinbergen und zum Hochkönig möglich. Ziele wie Bischofshofen oder Zell am See rücken dann in greifbare Nähe.  

Lokale Alternativen: Wer nicht gleich die ganz große Strecke sucht, kann sich an der "Kleinen Reibn" versuchen: Ein Dreiecksflug, der die Kette Seebergkopf – Jägerkamp – Rotwand – Vogelsang verbindet. Hierbei bleibt man weitgehend im Einflussbereich der lokalen Landemöglichkeiten.

Korrekt?

Sicherheit: Vorschriften, Verbote und Naturschutz

Sicherheit am Vogelsang bedeutet nicht nur Eigenschutz, sondern auch Schutz des Geländes und der Natur. Verstöße können zur Schließung des Fluggebiets führen.

Korrekt?

Die obligatorische Gefahreneinweisung

Es existiert eine formelle und bindende Vorschrift des Geländehalters: Vor dem allerersten Flug muss jeder Pilot (egal ob Gleitschirm oder Drachen) eine Gefahreneinweisung erhalten. Diese Einweisung ist kein unverbindlicher Ratschlag, sondern Bedingung für die Startberechtigung. Sie beinhaltet detaillierte Informationen zu:

Der exakten Flugstrecke und den offiziellen Notlandeflächen.

Der Lage und Gefahr des Speichersees.

Den Leebereichen westlich der Seilbahn.

Korrekt?

Speichersee und Seilbahnen

Zwei menschengemachte Strukturen stellen am Sudelfeld besondere Gefahren dar:

Speichersee: Am Sudelfeld existieren große Speicherseen für die künstliche Beschneiung im Winter. Diese Seen stellen thermisch oft eine Abwindzone dar (kühles Wasser). Eine Wasserlandung in einem solchen Speichersee ist extrem gefährlich. Die Ufer sind oft mit glatter, rutschiger Folie ausgekleidet, die ein Herauskommen aus eigener Kraft fast unmöglich macht – insbesondere mit vollgesaugter Ausrüstung. Ein ausreichender Sicherheitsabstand ist daher überlebenswichtig.  

Seilbahn-Überflug: Der Flugbetrieb ist nur dann gestattet, wenn ein sicheres Überfliegen der Seilbahnanlagen (Sessellifte, Materialseilbahnen) mit ausreichendem Höhenabstand gewährleistet ist. Ein Einfliegen in die Seile wäre fatal.

Korrekt?

Naturschutz und Sperrzonen

Wildalpjoch – Ein historisches Missverständnis: In älteren Fluggebietsführern oder Köpfen mag das Wildalpjoch noch als potenzieller Startplatz existieren. Aktuelle Daten weisen jedoch explizit darauf hin, dass die luftrechtliche Zulassung widerrufen wurde ("Take-offs prohibited"). Es gilt ein striktes Flugverbot, um den Vogelsang als genehmigtes Gelände nicht zu gefährden. Auch wenn Meldungen über abgelaufene Brutsaisons im Nationalpark Berchtesgaden kursieren, haben diese nichts mit dem lokalen Verbot am Wildalpjoch zu tun.  

Adlerschutz: Die gesamte Region um Rotwand und Soinsee ist Habitat des Steinadlers. Brutzeiten und Horstschutzzonen sind absolut tabu. Piloten sind verpflichtet, sich vor Ort über aktuelle temporäre Sperrungen (z.B. während der Brutzeit im Frühjahr) zu informieren und diese strikt einzuhalten.

Korrekt?

Hike & Fly: Sportliche Alternativen

Für Piloten, die den Aufstieg als Teil des Erlebnis sehen ("Hike & Fly"), bietet die Region Bayrischzell exzellente Optionen, die weit über den bloßen Zustieg von der Walleralm hinausgehen.

Korrekt?

Vogelsang "Classic"

Dies ist die Standard-Tour für Piloten, die sich die Maut sparen wollen oder außerhalb der Betriebszeiten der Mautstraße unterwegs sind.

Route: Der Aufstieg beginnt direkt am Landeplatz in Bayrischzell. Man folgt zunächst der Alpenstraße und biegt dann auf den Wanderweg W1/W2 ab. Der Weg führt durch den Wald und über Almwiesen hinauf zur Walleralm.

Dauer/Höhe: Man muss mit ca. 1,5 Stunden Gehzeit und etwa 700-750 Höhenmetern rechnen.

Vorteil: Man ist völlig unabhängig von Schrankenzeiten und genießt die Ruhe des Aufstiegs durch den Bergwald.

Korrekt?

Jägerkamp / Nagelspitz (Der Nachbar)

Oft in einem Atemzug mit dem Vogelsang genannt, bietet der Jägerkamp eine wunderbare Alternative, besonders im Herbst.

Startplatz Nagelspitz: Dieser liegt auf ca. 1.490 m, etwas unterhalb des Gipfels, und ist nach Nordwest (NW) ausgerichtet.

Route: Der Aufstieg erfolgt meist von Neuhaus (Schliersee) oder vom Spitzingsattel aus. Um den Trainingseffekt zu maximieren, empfiehlt sich die Route über den Jägerkamp-Gipfel (1.720 m) mit anschließendem kurzen Abstieg zum Startplatz.

Besonderheit: Der Startplatz Nagelspitz wird in Berichten als "Traum" beschrieben – eine breite, oben flache und dann steiler werdende Wiese. Er ist die perfekte Ausweichoption bei Nordwestlagen, wenn der Vogelsang Weststart zickig sein könnte.

Korrekt?

Seebergkopf

Ein weiterer lokaler Berg, der sich für Hike & Fly anbietet, ist der Seebergkopf (1.538 m).

Charakter: Der Aufstieg gilt als "moderat" bis "hart" (je nach Route und Tempo) und überwindet knapp 800 Höhenmeter.

Fliegen: Der Seebergkopf bietet Startmöglichkeiten, wird aber seltener beflogen als der Vogelsang. Er ist eher ein Ziel für Individualisten, die Ruhe suchen.

Korrekt?

Infrastruktur & Aprés-Fly: Wo Piloten einkehren

Nach einem erfolgreichen Flug ("Aprés-Fly") bietet das Sudelfeld und Bayrischzell gehobene bayerische Gemütlichkeit. Der soziale Aspekt ist hier fast so wichtig wie das Fliegen selbst.

Korrekt?

Einkehr am Berg

Walleralm: Sie ist der logistische Dreh- und Angelpunkt des Fluggebiets. Hier wird das Auto geparkt, hier wird die Landegebühr bezahlt, hier liegt das Flugbuch aus. Ein Besuch in diesem klassischen Berggasthof gehört zum Pflichtprogramm, um mit den Locals in Kontakt zu kommen und aktuelle Infos zu erhalten.  

Speck-Alm: Nur wenige Meter weiter am Oberen Sudelfeld gelegen, ist die Speck-Alm eine Institution. Sie ist bekannt für ihre hausgeräucherten Speck-Spezialitäten und wurde mehrfach, unter anderem mit dem "Skiarea-Award" als beliebteste Skihütte, ausgezeichnet. Die Alm bietet zudem Übernachtungsmöglichkeiten und Seminarräume, was sie für Flugschulen oder Vereinsausflüge interessant macht.

Korrekt?

Unterkünfte im Tal

Wer länger bleibt, findet in Bayrischzell eine breite Palette an Unterkünften, vom einfachen Zimmer bis zum 4-Sterne-Resort.

Das Bayrischzell: Ein modernes Familotel mit gehobenem Standard und einem speziellen "Move & Relax" Konzept, das sich gut für sportliche Gäste eignet.  

Tannerhof: Ein traditionsreiches Naturhotel und Gesundheitsresort, das sich auf Wellness und Entschleunigung spezialisiert hat.  

Camping: In der direkten Region Schliersee/Bayrischzell ist das Angebot an Campingplätzen begrenzt. Viele Piloten bevorzugen daher die Gasthöfe mit Zimmern ("Fremdenzimmer") oder weichen auf Campingplätze im Inntal oder am Schliersee aus.

Korrekt?

Fazit: Für wen ist der Vogelsang geeignet?

Der Vogelsang in Bayrischzell ist ein Fluggebiet mit zwei Gesichtern. Einerseits lockt es mit traumhaften Soaring-Bedingungen, einer zuverlässigen Abendthermik und dem Potenzial für große Streckenflüge Richtung Kaisergebirge. Andererseits verzeiht es wenig Fehler: Die Logistik mit dem Fußmarsch, die komplexe Aerologie am Startplatz (Schneiseneffekt) und die tückischen Gefahren am Landeplatz (Graben, Lee) fordern den Piloten.

Der Vogelsang ist daher kein Anfängerberg für die ersten Alleinflüge direkt nach der A-Schein-Prüfung, insbesondere nicht bei thermisch aktiven Bedingungen oder starkem Talwind. Er richtet sich an den selbstständigen, umsichtigen Piloten, der sein Gerät beherrscht, Wetterlagen einschätzen kann und diszipliniert genug ist, Gefahreneinweisungen ernst zu nehmen.

Für Genussflieger und Streckenpiloten, die diese Hürden meistern, ist er jedoch eine Perle der Bayerischen Alpen. Die Kombination aus sportlichem Anspruch, landschaftlicher Schönheit und der urigen Hüttenkultur auf der Walleralm macht ihn zu einem der authentischsten Fluggebiete der Region.

Checkliste für den ersten Besuch:

Kleingeld & Handy: Münzen für die Maut und PayPal/App für die Landegebühr bereithalten.

Briefing: Gefahreneinweisung beim Club (DCB) oder erfahrenen Locals einholen (Pflicht!).

Landeplatz-Check: Den Windsack und vor allem den Graben am Landeplatz vor der Auffahrt zu Fuß besichtigen.

Zeitmanagement: Genügend Zeit für den Fußmarsch zum Start und die Einkehr danach einplanen.

Respekt: Natur, Tiere und Regeln achten – damit dieses Fluggebiet noch lange erhalten bleibt.

Korrekt?

Fluggebiete in der Nähe

Rampoldplatte
Bayern
Sulzberg
Bayern
Thalhäusl
Bayern
Brannenburg Segelflugplatz
Bayern
Jägerkamp/Nagelspitz
Bayern
Mehr in Bayern
Bergrettung
112