
1 Startplatz, 1 Landeplatz
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Das Neukenroth-Kompendium: Eine aerologische und taktische Analyse des Fluggebiets im Frankenwald
Dieser Bericht stellt keine herkömmliche Geländebeschreibung dar, wie sie in den Standard-Datenbanken des DHV oder anderen Fluggebietsführern zu finden ist. Er ist vielmehr als umfassende operative Anweisung und strategische Analyse für Gleitschirmpiloten konzipiert, die das Fluggebiet Neukenroth im Frankenwald nicht nur befliegen, sondern in seiner komplexen Mikrometeorologie und logistischen Struktur verstehen wollen. Während konventionelle Quellen oft nur Basisdaten wie Startrichtung und Höhendifferenz listen, zielt dieses Dokument darauf ab, die Lücke zwischen reinen Datenpunkten und der gelebten fliegerischen Realität vor Ort zu schließen.
Neukenroth ist, objektiv betrachtet, kein Fluggebiet für den Massentourismus. Es fehlt die Infrastruktur großer Bergbahnen, und die topografischen Gegebenheiten verlangen dem Piloten ein Maß an Disziplin und technischer Fertigkeit ab, das an weitläufigen Wiesenstartplätzen oft vernachlässigt werden kann. Es ist ein "Piloten-Gelände" im engsten Sinne des Wortes – ein Ort, an dem fliegerisches Handwerk, präzise Wetterbeobachtung und Respekt vor der Natur über den Erfolg des Flugtages entscheiden. Die Einordnung als "Schwer" und die Empfehlung ausschließlich für "sehr sichere Starter" sind keine bürokratischen Floskeln, sondern resultieren aus einer harten Analyse der physikalischen Gegebenheiten: Eine enge Waldschneise, limitierte Landeoptionen und eine komplexe Luftraumstruktur durch benachbarten Motorflugverkehr definieren das Risikoprofil. Dieser Bericht wird diese Faktoren sezieren, um dem Piloten ein mentales Modell des Geländes zu vermitteln, noch bevor der erste Fuß auf den Waldboden gesetzt wird.
Das Fluggebiet liegt im Landkreis Kronach im bayerischen Oberfranken, präzise verortet oberhalb der Ortschaft Neukenroth, einem Ortsteil der Gemeinde Stockheim. Geografisch befinden wir uns im Frankenwald, einem Mittelgebirge, das oft im Schatten der Alpen oder des Schwarzwaldes steht, fliegerisch jedoch durch seine spezifische Orografie besticht. Der Frankenwald fungiert als geologische Brücke zwischen dem Thüringer Schiefergebirge im Nordwesten und dem Fichtelgebirge im Südosten. Diese Lage ist für die Aerologie von entscheidender Bedeutung: Das Gelände wirkt als erste nennenswerte Barriere für östliche Strömungen, was bei entsprechenden Wetterlagen zu zuverlässigen Aufwindbändern führen kann, aber auch lokale Düse-Effekte provoziert.
Der Startplatz selbst thront auf einer Höhe von 481 Metern über dem Meeresspiegel (MSL). Dies mag im Vergleich zu alpinen Startplätzen niedrig erscheinen, doch im Kontext der lokalen Topografie des Frankenwaldes, wo die Täler tief und steil eingeschnitten sind, ergibt sich eine signifikante Exposition gegenüber den vorherrschenden Luftmassen. Die Hänge fallen hier steil ab, oft bewaldet bis zur Kammlinie, was thermische Abrisskanten schafft, die bei niedriger Basis oft besser funktionieren als hochalpine Startplätze. Die Landung erfolgt auf ca. 370 Metern MSL , was eine reine Höhendifferenz von nur etwa 110 Metern ergibt. Diese "geringe" Arbeitshöhe diktiert die Taktik: Es gibt keinen Spielraum für das Suchen von Thermik. Der Einstieg muss unmittelbar erfolgen, oder der Flug endet als kurzer Abgleiter.
Die Zulassung des Geländes ist strikt auf die physischen Limitationen der Schneise zugeschnitten. Es ist essenziell, dass Gastpiloten diese Beschränkungen nicht als Schikane, sondern als Resultat jahrzehntelanger Erfahrung des Geländehalters, dem Gleitschirmverein Rennsteig e.V., verstehen.
Das Gelände ist für Gleitschirme (GS) im Solo- und Tandembetrieb zugelassen. Der Start von Hängegleitern (Drachen) ist an diesem spezifischen Startplatz physikalisch unmöglich und daher untersagt, da die schmale Schneise nicht den erforderlichen Spannweiten-Freiraum für eine sichere Startlaufphase bietet und das Manövrieren mit sperrigem Gerät im steilen Waldgelände prohibitive Risiken birgt. Ebenso ist der Schulungsbetrieb explizit ausgeschlossen. Dies hat weitreichende Konsequenzen für die Atmosphäre am Startplatz: Es gibt keinen permanent anwesenden Fluglehrer, keine Funkbetreuung für Schüler und keine organisierte "Ground Crew". Jeder Pilot agiert eigenverantwortlich. Das Fehlen von Schulungsbetrieb bedeutet jedoch auch, dass der Luftraum nicht durch unerfahrene Piloten verdichtet wird, was die Sicherheit bei dynamischen Soaring-Bedingungen erhöht.
Um das Startrisiko in Neukenroth zu minimieren, ist eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Topografie des Startplatzes unerlässlich. Wir sprechen hier nicht von einer Almwiese, sondern von einer baulichen Intervention in einem dichten Forstbestand.
Der Startplatz wird in Pilotenkreisen oft als "Schneise" bezeichnet. Die Koordinaten N 50°19'32.70" E 11°16'11.23" markieren den oberen Punkt einer künstlich freigehaltenen Waldgasse. Diese Schneise ist nach Ost-Nordost (ONO) bis Ost-Südost (OSO) ausgerichtet. Aerodynamisch betrachtet fungiert eine solche Schneise wie eine Düse oder ein Venturi-Rohr. Wenn der Wind frontal (aus Osten) ansteht, wird er durch die seitlichen Baumreihen kanalisiert und im Startbereich leicht beschleunigt. Dies kann beim Aufziehen des Schirms von Vorteil sein, da der dynamische Druck erhöht wird und der Schirm schneller steigt.
Jedoch birgt dieser "Tunnel-Effekt" auch Gefahren: Kleine Abweichungen der Windrichtung, die im freien Gelände kaum spürbar wären, führen an den Rändern der Schneise zu massiven Turbulenzen. Die seitlichen Baumwände wirken als harte Abrisskanten für jeden Wind, der nicht exakt parallel zur Schneisenachse weht. Ein Pilot, der in der Mitte der Schneise steht, mag laminaren Wind verspüren, während nur wenige Meter höher oder seitlich bereits die "Dirty Air" der Baumwipfel-Rotoren lauert.
Der Untergrund der Schneise besteht größtenteils aus Naturboden, durchsetzt mit Grasbewuchs und Wurzelwerk. Aufgrund der Beschattung durch den umgebenden Hochwald trocknet dieser Boden nach Regenfällen deutlich langsamer ab als offene Wiesenflächen. Piloten müssen daher stets mit rutschigem Untergrund rechnen. Dies ist besonders kritisch, da der Startlauf in steiles Gelände führt. Ein Ausrutschen während der Beschleunigungsphase kann nicht nur den Startabbruch erzwingen, sondern auch zu Verletzungen führen oder das Material beschädigen, wenn der Pilot in das seitliche Unterholz stürzt.
Die Steilheit der Schneise diktiert eine offensive Starttechnik. Ein "Laufenlassen" des Schirms, wie es an flachen Hängen möglich ist, um erst später Geschwindigkeit aufzunehmen, ist hier fehl am Platz. Der Pilot muss vom ersten Schritt an maximale Energie in das System bringen, um den Schirm schnell über den Scheitelpunkt zu führen und sofortige Tragfähigkeit herzustellen.
Ein kritisches Sicherheitsmerkmal dieses Startplatzes ist die Unmöglichkeit eines späten Startabbruchs. In der Luftfahrt definiert man den V1-Punkt als die Geschwindigkeit, ab der ein Start nicht mehr sicher abgebrochen werden kann. In Neukenroth liegt dieser Punkt räumlich sehr früh. Sobald der Pilot die ersten Meter beschleunigt hat und sich der Hangkante bzw. dem Ende der gerodeten Fläche nähert, muss der Start durchgezogen werden.
Ein Zögern oder ein Versuch, den Schirm kurz vor den Baumwipfeln "totzubremsen", würde unweigerlich in einem Baumlandungsszenario oder einem Absturz im steilen, unzugänglichen Gelände unterhalb der Schneise enden. Der Bereich unterhalb des Starts ist mit hohen Bäumen bewachsen, die überspült werden müssen. Es gibt keinen sanften Auslaufbereich. Diese psychologische Komponente erhöht den Stresslevel für ungeübte Piloten signifikant: Die Entscheidung "Go" oder "No-Go" muss final getroffen werden, bevor der Schirm überhaupt vollständig oben ist. Sobald der Schirm oben steht und der Pilot sich zum Tal dreht, gibt es faktisch nur noch den Weg nach vorne.
Das Verständnis der Luftmassenbewegung ist in Neukenroth überlebenswichtig. Die Schneise verzeiht keine falschen Windrichtungen und keine meteorologische Nachlässigkeit.
Der Startplatz funktioniert fast ausschließlich in einem extrem engen Sektor. Die idealen Bedingungen herrschen bei reinem Ostwind.
Ideal: 90° (Ost). Hier strömt die Luft frontal und unverwirbelt in die Schneise. Der oben beschriebene Düseneffekt sorgt für konstanten Auftrieb.
Toleranzbereich: Der fliegbare Sektor erstreckt sich von ca. 70° (ONO) bis 100° (OSO).
Die "Hard Cut"-Grenze: Sobald der Wind diesen Sektor verlässt, wird das Gelände unfliegbar, auch wenn die Windstärke moderat erscheint. Bei Nord- (NNO) oder Südkomponenten (SSO) ("Crosswind") entstehen an den Rändern der Waldschneise massive Leewirbel (Rotoren). Ein Gleitschirm, der in der Schneise startet, während der Höhenwind schräg über den Wald streicht, befindet sich in einer trügerischen Ruhezone. Sobald er die schützende Höhe der seitlichen Bäume übersteigt, trifft er auf die Scherungsschicht zwischen der kanalisierten Luft in der Schneise und dem Querwind darüber. Dies führt oft zu massiven Klappern in Bodennähe – dem "Albtraum-Szenario" jedes Piloten.
Die Vereinsregeln warnen explizit vor Rotoren und Leewirbeln bei seitlicher Anströmung. Es ist dringend geraten, diese Warnung nicht als Haftungsausschluss, sondern als physikalische Tatsache zu betrachten.
Eine Besonderheit in Neukenroth ist die Empfehlung einer Mindestwindgeschwindigkeit von 10 km/h. Für viele Piloten, die "Nullwind-Starts" von großen Wiesen gewohnt sind, mag dies kontraintuitiv klingen, doch in Neukenroth ist es eine Sicherheitsnotwendigkeit.
Auftriebsreserve über Hindernissen: Wie bereits erwähnt, befinden sich im Abflugbereich unterhalb der Schneise hohe Bäume. Um diese sicher zu überfliegen, benötigt der Schirm sofortiges Steigen. Bei Nullwind muss der Pilot extrem schnell laufen (Groundspeed), um die nötige Airspeed für minimales Sinken zu erreichen. Auf dem unebenen Waldboden ist ein solcher Sprint risikobehaftet. Fehlt die Fahrt, "sackt" der Schirm nach dem Abheben durch und die Baumwipfel kommen bedrohlich nah.
Stabilisierung: 10 km/h Gegenwind sorgen dafür, dass der Schirm beim Aufziehen (Rückwärtsstart empfohlen) schneller füllt, schneller steigt und der Pilot mehr Zeit zur Kontrolle hat, bevor er die Entscheidung zum Abheben trifft.
Vermeidung von "Sled-Rides": Da die Höhendifferenz nur 110m beträgt, ist ein Start bei Nullwind oft ein reiner "Abgleiter" von weniger als 2 Minuten. Die 10 km/h Basiswind erhöhen die Chance, im dynamischen Hangaufwind zu bleiben ("Soaring") oder Thermikanschluss zu finden, signifikant. Ohne diesen dynamischen Support lohnt sich der logistische Aufwand des Aufstiegs kaum.
Der Frankenwald ist thermisch durchaus aktiv, auch wenn er keine alpinen Höhendifferenzen bietet. Neukenroth profitiert bei Ostlagen von der morgendlichen Sonneneinstrahlung. Die Hänge, die nach Osten exponiert sind, heizen sich bereits in den frühen Vormittagsstunden auf.
Triggerpunkte (Ablöse-Stellen): Die Waldkanten und die Übergänge von Wald zu Wiesen im Tal sind klassische thermische Abrisskanten. Ein Pilot sollte nach dem Start nicht blind ins Tal fliegen, sondern entlang der Waldkante suchen. Oft löst sich die Thermik genau dort ab, wo die Schneise den geschlossenen Wald unterbricht, da hier unterschiedliche Erwärmungseigenschaften (Boden vs. Baumkronen) aufeinandertreffen.
Inversionen: In den Herbst- und Wintermonaten neigt der Frankenwald zu Inversionswetterlagen. Hierbei sammelt sich Kaltluft in den Tälern. Da der Startplatz auf 480m liegt und das Tal auf ca. 370m, kann es vorkommen, dass der Startplatz knapp oberhalb oder innerhalb der Inversionsschicht liegt. Ein Blick auf die Modellvorhersagen (Temp-Diagramme) ist essenziell, um sicherzustellen, dass die Luftschichtung labil genug für einen sicheren Flug ist.
Hat man den Start gemeistert, eröffnet sich ein fliegerisches Spektrum, das von entspanntem Abend-Soaring bis hin zu anspruchsvollen Streckenflügen reicht.
Wenn keine Thermik steht, aber der Wind konstant mit >15-20 km/h aus Ost bläst, ermöglicht die Hangkante dynamisches Soaring.
Technik: Das Soaringband ist aufgrund der geringen Höhe relativ schmal. Piloten müssen "eng am Hang" bleiben, um im besten Steigen zu fliegen. Dies erfordert hohe Konzentration und ständige Luftraumbeobachtung, insbesondere wenn mehrere Schirme in der Luft sind.
Gefahr: Beim Soaring in der Schneise und den angrenzenden Baumbereichen muss immer der Abstand zum Relief und den Baumwipfeln gewahrt bleiben. Ein "Absaufen" hinter die Baumkante ist gefährlich, da dort oft Lee-Effekte auftreten und eine Außenlandung im Wald unvermeidlich wird. Die Regel "Hang immer auf der linken Seite beim Begegnen" (Hangflugregeln) ist hier strikt einzuhalten.
Trotz der geringen Arbeitshöhe ist Neukenroth ein Ausgangspunkt für beachtliche Streckenflüge (Cross Country / XC). Der Beweis für das Potenzial des Geländes ist der dokumentierte 80 km Flug des Vereinsmitglieds Jan-Philip Rebhan (in der Szene bekannt als "Burkel"). Solche Flüge sind von einer 110-Meter-Kante aus eine taktische Meisterleistung und beweisen, dass der Anschluss an thermisch aktive Schichten möglich ist.
Strategische Analyse für XC-Piloten:
Der schnelle Einstieg: Der Schlüssel liegt im sofortigen "Aufdrehen" direkt nach dem Start. Da man wenig Höhe "zu verschenken" hat, muss der erste Bart sitzen. Es gibt keine Zeit, erst einmal ins Vorfeld zu fliegen und zu suchen. Der Pilot muss bereits beim Startlauf die Zyklizität der Thermik beobachten (z.B. Nachlassen des Windes als Zeichen für Ablösung) und exakt in die thermische Phase starten.
Die Route nach Westen: Bei Ostwind bietet sich eine Drift nach Westen an, tiefer in den Frankenwald hinein oder entlang der Kanten Richtung Thüringen. Die Topografie des Frankenwaldes mit seinen vielen Rippen und Tälern ermöglicht bei ausreichender Basishöhe ein "Hangkanten-Surfen" (Ridge Soaring) kombiniert mit thermischem Fliegen.
Saison: Die besten Bedingungen für Streckenflüge herrschen oft im Frühjahr (März/April), wenn die Temperaturgradienten hoch sind und die Bäume noch kein Laub tragen (bessere Erwärmung des Waldbodens), oder an labilen Herbsttagen mit reinem Ostwind.
Luftraum-Struktur: XC-Piloten müssen sich der Luftraumstruktur bewusst sein. Auch wenn keine großen Kontrollzonen (CTR) unmittelbar angrenzen, ist die Überlandfliegerei immer mit der Beachtung von ED-R (Beschränkungsgebieten) und Segelflugsektoren verbunden. Ein aktuelles ICAO-Kartenstudium vor dem Flug ist obligatorisch.
Der Gleitschirmverein Rennsteig e.V. betreut neben Neukenroth auch die Radspitze, die nur ca. 12 km entfernt liegt. Für Piloten, die einen mehrtägigen Aufenthalt planen, ist dies ein enormer Vorteil:
Neukenroth ist der Spezialist für Ostwind.
Radspitze deckt oft Süd/Südwest ab.
Diese Komplementarität macht die Region ("Fluggebiet Frankenwald") strategisch wertvoll. Man kann je nach Windrichtung am Morgen flexibel zwischen den Bergen wechseln. Wenn der Wind in Neukenroth auf Süd dreht und damit gefährlich wird, ist die Radspitze oft "on".
Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal von Neukenroth – und der kritischste administrative Punkt für jeden Gastpiloten – ist die komplexe Koexistenz mit dem privaten Flugplatz am Hotel Rebhan. Hier teilen sich unmotorisierte Gleitschirme und motorisierte Flugzeuge einen sehr engen Luftraum.
In unmittelbarer Nähe (ca. 2 km Entfernung, siehe ) befindet sich der Verkehrslandeplatz (bzw. das Sonderlandeplatz-Gelände) des Hotel Rebhan. Motorflugzeuge starten und landen dort regelmäßig. Um Kollisionen zu vermeiden, wurde eine strikte Regelung etabliert:
Die Regel: Das Hotel Rebhan muss einmalig vor Beginn des Flugbetriebs telefonisch informiert werden. Dies ist keine Bitte, sondern eine Bedingung der Aufstiegsgenehmigung.
Kontakt: 09265 – 955 6100.
Der Prozess: Ein Anruf genügt. "Hallo, hier sind die Gleitschirmflieger, wir aktivieren jetzt den Startplatz Neukenroth." Das Hotelpersonal (oft selbst flugaffin) gibt diese Information an startende und landende Piloten weiter.
Zweck: Dies dient dem Prinzip "See and Avoid". Die Motorflieger wissen dann, dass sich in einem bestimmten Sektor langsame, schwer sichtbare Luftsportgeräte befinden und können ihre An- und Abflugrouten entsprechend aufmerksam wählen oder den Sektor meiden. Ein Ignorieren dieser Regel gefährdet nicht nur den einzelnen Piloten, sondern die Zulassung des gesamten Fluggeländes.
Das Hotel Rebhan dient nicht nur als Verkehrsknotenpunkt, sondern auch als meteorologische Referenzstation. Auf dem Hangardach des Privatflugplatzes befindet sich ein großer Windsack. Piloten am Startplatz Neukenroth sind angewiesen, diesen Windsack zu beobachten.
Indikator-Funktion: Der Windsack am Hotel misst den Wind auf Talniveau/Plateau-Ebene, während der Windsack am Startplatz den Wind am Hang misst.
Windscherungs-Erkennung: Wenn der Windsack am Hotel eine völlig andere Richtung anzeigt als am Startplatz (z.B. Hotel: Westwind, Startplatz: Ostwind), ist höchste Vorsicht geboten. Dies deutet auf eine Entkopplung der Luftmassen oder starke Windscherungen hin. In diesem Fall ist ein Startverbot eine sinnvolle Sicherheitsmaßnahme, da der Pilot beim Einflug in die Landephase (Tal) in turbulente Schichten oder Gegenwind geraten könnte, der die Landeeinteilung unmöglich macht.
Die Landung in Neukenroth erfordert Konzentration bis zur letzten Sekunde. Auch hier gilt: Es ist kein riesiger Landeplatz, der Fehler großzügig verzeiht.
Topografie: Der Landeplatz liegt auf ca. 370 m MSL. Er ist von landwirtschaftlichen Nutzflächen (Wiesen) umgeben.
Vegetation und Pacht-Etikette: Ein wiederkehrendes Thema in den Vereinsinfos ist der Zustand der Wiesen. "Nicht im hohen Gras landen" ist eine klassische Vereinbarung mit den Landwirten. Flurschaden (niedergetretenes Futtergras) führt in ländlichen Gebieten schnell zum Verlust von Pachtverträgen. Piloten sollten präzise am Rand oder auf bereits gemähten Flächen landen (wenn vorhanden). Der Abbau des Schirms sollte am Rand erfolgen, nicht mitten in der Wiese.
Lagebeziehung: Der Landeplatz liegt südöstlich des Starts. Piloten müssen eine leichte Talquerung bzw. einen Versatz einplanen. Man fliegt also nicht einfach geradeaus runter, sondern muss sich aktiv zum Landeplatz orientieren.
Aufgrund der Talstruktur muss mit wechselnden Windrichtungen am Boden gerechnet werden. Während am Start Ostwind herrscht, kann sich im Tal ein lokaler Talwind etablieren, der kanalisiert wird.
Windsack-Check: Der Blick zum Windsack am Landeplatz ist vor der Position obligatorisch. Piloten dürfen sich nicht blind auf den Wind am Start verlassen.
Lande-Volte: Eine saubere Landevolte (Position, Gegenanflug, Queranflug, Endanflug) ist der Standard. "Abkreisen" oder wildes Manövrieren über dem Landepunkt ist zu vermeiden, besonders wenn andere Piloten gleichzeitig anfliegen.
Außenlandungen: Diese sollten unbedingt vermieden werden. Das Gelände rundum ist teils landwirtschaftlich intensiv genutzt, teils bewaldet oder bebaut. Eine "Außenlandung" bedeutet oft Ärger mit Grundstückseigentümern oder im schlimmsten Fall eine Baumrettung, die Kosten und Image-Schäden verursacht.
Der Zugang zu Neukenroth erfordert physische Anstrengung und logistische Planung. Es ist kein "Drive-and-Fly" Gelände, bei dem man mit dem Auto bis zum Schirm fahren kann.
Die Parkkapazitäten sind extrem begrenzt und streng reglementiert, um Konflikte mit Anwohnern und der Forstwirtschaft zu vermeiden.
Der Waldrand-Parkplatz (Die Falle): Es gibt zwar einen kleinen Parkplatz direkt am Waldrand/Aufstiegsweg. Dieser fasst jedoch maximal 3 Fahrzeuge. Er ist meist schnell belegt (oft durch Locals, die früh da sind). Wenn dieser voll ist, darf auf keinen Fall wild an der Straße oder in Waldeinfahrten geparkt werden. Dies blockiert Rettungswege und Forstfahrzeuge.
Die Lösung: Zecherhalle/Ort: Gastpiloten wird dringend geraten, direkt im Ort Neukenroth zu parken. Ein spezifischer Referenzpunkt ist die Zecherhalle. Von dort ist der Startplatz gut zu Fuß zu erreichen.
Koordinaten Zecherhalle/Parkbereich: Die Zecherhalle ist ein bekannter lokaler Veranstaltungsort und leicht zu finden. Das Parken dort ist stressfreier als das Rangieren am engen Waldrand und schont die Nerven der Anwohner.
Fahrverbot: Das Befahren der Forststraße, die von Neukenroth zum Startplatz führt, ist für unberechtigte Fahrzeuge strikt verboten. Es gibt keinen Shuttle-Service.
Der Weg: Der Aufstieg erfolgt zu Fuß über den in der Geländekarte eingezeichneten Weg. Dies dauert je nach Kondition und Gepäckgewicht 15 bis 30 Minuten. Der Weg führt durch den Wald und ist teilweise steil.
Ausrüstung: Da ein Aufstieg zwingend ist, empfiehlt sich leichtes Equipment. Neukenroth ist ideal für die moderne "Hike & Fly"-Ausrüstung. Ein leichter Bergsteigerschirm und ein Wendegurtzeug machen den Aufstieg zum Genuss statt zur Qual.
Der Gleitschirmverein Rennsteig e.V. pflegt eine offene, aber geregelte Gastkultur. Die Erhaltung des Geländes kostet Geld (Pacht, Pflege), daher ist ein Beitrag selbstverständlich.
Tagesgebühr: Die Gebühr beträgt 5,- € pro Tag.
Modernes Payment: Der Verein hat die Zeichen der Zeit erkannt und bietet eine unkomplizierte Zahlung via PayPal an (Link: paypal.me/gsvrennsteig/5). Dies ist extrem praktisch, da oft kein Kassierer am Startplatz steht. Alternativ kann bar gezahlt werden, wenn ein Vereinsmitglied anwesend ist.
Mitgliedschaft: Wer das Gelände regelmäßig nutzt, wird gebeten, dem Verein beizutreten. Dies sichert nicht nur den Erhalt des Geländes, sondern integriert den Piloten in die lokale Gemeinschaft.
Vorrang-Regel: Bei starkem Andrang (z.B. an top Flugtagen am Wochenende) haben Vereinsmitglieder Vorrang am Start. Dies ist eine übliche Regelung an kleinen Startplätzen, um den "Verkehrsfluss" zu steuern und den zahlenden Mitgliedern ihren Heimvorteil zu gewähren. Gastpiloten sollten hier Zurückhaltung üben und sich kooperativ zeigen.
Fliegen in Neukenroth ist sicher, wenn man sich diszipliniert verhält. Die Unfallschwerpunkte lassen sich fast immer auf Missachtung der Windbedingungen, Selbstüberschätzung oder mangelnde Starttechnik zurückführen.
Risikofaktor Beschreibung Gegenmaßnahme Seitenwind Wind weicht mehr als 20° von Ost (70-100°) ab. Startverbot. Gefahr von massiven Leewirbeln in der Schneise ("Dirty Air"). Schwachwind Wind < 10 km/h. Startverbot (dringende Empfehlung). Gefahr des Hängenbleibens in den hohen Bäumen unterhalb des Starts wegen mangelndem Auftrieb. Startabbruch Schneise endet abrupt im Steilhang/Baumwipfeln. Entscheidung "Go/No-Go" vor dem Anlaufen final treffen. Startlauf aggressiv und ohne Zögern durchziehen. Kollision Motorflugzeuge vom Hotel Rebhan im gleichen Luftraum. Meldepflicht beim Hotel vor Flugbeginn (Tel. 09265 – 955 6100) strikt einhalten. Vegetation Hohes Gras am Landeplatz. Punktlandung am Rand oder auf Wegen anstreben, Flurschaden vermeiden (Pachtschutz). Export to Sheets
Nach dem Flug (oder an nicht fliegbaren Tagen) bietet die Region Frankenwald eine bodenständige, authentische Infrastruktur. Der Flugsport ist hier nicht isoliert, sondern Teil des regionalen Lebens.
Gasthof Fillweber: Direkt in Neukenroth (Ludwigsstädter Str. 25). Dies ist der klassische Anlaufpunkt. Hier gibt es regionale fränkische Küche (z.B. "Schäufele", "Thüringer Klöße") zu fairen Preisen. Ideal für das "Lande-Bier" und die Fluganalyse. Der Gasthof bietet auch Zimmer an.
Hotel Rebhan: Direkt am Flugplatz. Bietet eine gehobenere, oft mediterran inspirierte Küche. Es ist der Hotspot für Gespräche mit den Motorfliegern. Ein Besuch hier kann helfen, die Beziehung zwischen den Luftsportarten zu pflegen – vielleicht um sich persönlich für die gute Koordination am Funk/Telefon zu bedanken.
Food-Store Restaurant: In Stockheim gelegen, bietet es eine modernere Alternative für Piloten, die Abwechslung zur klassischen Wirtshausküche suchen.
Für Piloten, die länger bleiben wollen, um sowohl Neukenroth als auch die Radspitze zu erkunden:
Camping: Für Camper gibt es den "Camping Weides" in Küps oder Wohnmobilstellplätze an der "Lucky Stable Ranch" in Kronach. Wildcampen am Startplatz oder Parkplatz ist nicht gestattet.
Ferienwohnungen: Das "Ferienhaus Maxschacht" oder diverse Airbnb-Optionen direkt in Stockheim bieten komfortable Unterkünfte in unmittelbarer Nähe zum Flugberg.
Neukenroth ist kein "Fast-Food-Fluggebiet". Es bietet nicht die Infrastruktur einer Alpen-Arena mit Sesselbahn und Teppich-Startplatz. Stattdessen bietet es eine ehrliche, fliegerische Herausforderung in einer wunderschönen Naturkulisse des "Grünen Herzens Deutschlands".
Wer hier fliegt, muss sein Handwerk verstehen: Rückwärtsstart in der engen Schneise, präzise Meteorologie-Bewertung jenseits von Apps, und disziplinierte Luftraumbeobachtung. Die Belohnung sind traumhafte Soaring-Stunden über den dichten Wäldern des Frankenwalds, das Potenzial für weite Streckenflüge abseits des Mainstreams und das Gefühl, einen anspruchsvollen Berg gemeistert zu haben.
Der wichtigste Rat für Neulinge: Nehmen Sie beim ersten Besuch Kontakt mit den Locals des Gleitschirmverein Rennsteig e.V. auf. Die Einweisung durch einen ortskundigen Piloten ist in Neukenroth mehr wert als jede Datenbank. Zahlen Sie die 5 Euro Landegebühr gerne via PayPal – sie erhält ein Stück fliegerische Freiheit und Unabhängigkeit.
Guten Flug und Always Happy Landings!