
1 Startplatz, 1 Landeplatz
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Flugtechnisches Dossier: Bonistock & Melchsee-Frutt – Eine umfassende Analyse der aerologischen und logistischen Parameter für Gleitschirmpiloten
Im komplexen Gefüge der Zentralschweizer Alpen nimmt das Hochplateau von Melchsee-Frutt und insbesondere der Startplatz Bonistock eine strategische Schlüsselposition ein. Gelegen im Kanton Obwalden, fungiert dieses Fluggebiet nicht nur als touristisch erschlossener Ausgangspunkt für genussvolle Abgleiter, sondern als aerologisches Scharnier zwischen den Voralpen und dem hochalpinen Gelände des Berner Oberlandes sowie des Engelbergertals. Für den versierten Gleitschirmpiloten stellt der Bonistock weit mehr dar als eine bloße Startrampe; er ist ein komplexes System aus mikroklimatischen Besonderheiten, thermischen Abrisskanten und anspruchsvollen Talwindsystemen, das eine detaillierte Auseinandersetzung erfordert.
Der Startplatz auf 2.160 Metern über Meer bietet durch seine Exponiertheit und die N-NO-Ausrichtung eine ideale Plattform für den Einstieg in die Thermik, noch bevor die Talinversionen der tieferen Lagen aufgelöst sind. Doch diese Prominenz birgt Risiken: Das Melchtal, welches den primären Flugraum bildet, ist bekannt für seine ausgeprägte Talwinddüse und die Interaktion mit überregionalen Winden wie der Bise. Die Nähe zu militärischen Sperrzonen in Alpnach und Meiringen sowie strikte Wildschutzauflagen verlangen vom Piloten ein Höchstmaß an Disziplin und Vorbereitung.
Dieser Bericht analysiert die flugtechnischen Gegebenheiten des Bonistock in einer Tiefe, die über herkömmliche Geländeführer hinausgeht. Er beleuchtet die physikalischen Gesetzmäßigkeiten der lokalen Luftmassenbewegungen, dekonstruiert die logistischen Ketten für eine effiziente Flugplanung und bewertet das Streckenflugpotential (XC) unter Berücksichtigung der kritischen Sicherheitsmargen. Ziel ist es, dem Piloten ein Instrumentarium an die Hand zu geben, um den Bonistock nicht nur als Startplatz, sondern als komplexes aerologisches System zu verstehen und sicher zu beherrschen.
Um die Flugbedingungen am Bonistock vollumfänglich zu begreifen, ist eine Analyse der zugrundeliegenden Topographie unerlässlich. Das Gebiet Melchsee-Frutt ist ein klassisches Karst-Hochplateau, das sich oberhalb der Baumgrenze erstreckt. Diese geologische Beschaffenheit ist für die Thermikgenese von entscheidender Bedeutung. Fels- und Geröllhalden, wie sie den Bonistock-Grat charakterisieren, besitzen eine deutlich geringere spezifische Wärmekapazität als die feuchten, vegetationsreichen Talböden. Dies führt unter Sonneneinstrahlung zu einer raschen Aufheizung der Oberflächen und damit zur Bildung verlässlicher thermischer Ablösungen.
Das Melchtal verläuft primär in Nord-Süd-Richtung und fungiert als massiver Kanal für den Luftmassenaustausch zwischen dem thermischen Reservoir des Schweizer Mittellandes und den Hochalpen. Diese Konstellation erzeugt spezifische Strömungsmuster, die jeder Pilot verinnerlichen muss.
Die Topographie des Tals wirkt wie eine Düse. An verschiedenen Stellen verengt sich der Talquerschnitt, bevor er sich im Bereich Stöckalp wieder weitet, nur um sich talabwärts erneut zu verjüngen. Dieser Venturi-Effekt führt zu einer signifikanten Beschleunigung des Talwindes. Piloten, die am Landeplatz Stöckalp (1.070 m) operieren, sehen sich oft mit Windgeschwindigkeiten konfrontiert, die jene am Startplatz (2.160 m) um ein Vielfaches übersteigen. Es ist ein klassisches Szenario, bei dem oben am Startplatz noch schwache, thermisch durchsetzte Winde herrschen, während im Talboden bereits ein laminarer Starkwind mit 30 bis 40 km/h das Landen zur Herausforderung macht.
In den Wintermonaten zeigt sich ein gänzlich anderes Bild. Das Hochplateau von Melchsee-Frutt liegt oft oberhalb der Inversionsschicht, die den Sarnersee und den Vierwaldstättersee bedeckt. Während das Unterland im grauen Hochnebel versinkt, ragt der Bonistock als sonnenverwöhnte Insel heraus. Diese Inversionslage entkoppelt das Höhenwindsystem vom Talwindsystem, was extrem ruhige, laminare Flugbedingungen ermöglicht, solange die Nebelobergrenze eine sichere Landung oder ein "Loch" im Bereich Stöckalp zulässt.
Der Bonistock selbst formt einen Grat, der grob in Ost-West-Richtung verläuft und nach Norden steil in das Melchtal abfällt. Diese Exposition ist für die Thermikqualität entscheidend. Die berühmte Boniwand, ein Eldorado für Sportkletterer, fungiert als primärer Kollektor solarer Energie. Im Tagesverlauf wandert die Sonne von Ost nach West und bestrahlt sukzessive verschiedene Sektoren dieser Kalksteinflanke. Die scharfe Abbruchkante des Plateaus wirkt dabei als perfekter mechanischer Auslöser (Trigger), an dem sich die aufgewärmten Luftpakete vom Fels lösen und in vertikale Steigwerte umwandeln.
Aerologisch komplex wird es bei der Betrachtung der Leeseite. Da der Startplatz nach Nord-Nordost ausgerichtet ist, bietet er zwar Schutz vor schwachen Westwinden, doch bei stärkeren West- oder Südwestlagen gerät der Startplatz in ein klassisches Lee. Die Luft mag am Startplatz ruhig erscheinen oder sogar thermisch zyklisch von vorne anströmen („Lee-Bärte“), doch diese Ruhe ist trügerisch. Sobald der Pilot die schützende Grenzschicht des Grates verlässt, drohen massive Turbulenzen und Rotoren. Umgekehrt trifft eine starke Bise (Nordostwind) frontal auf den Grat. Dies erzeugt zwar exzellente dynamische Soaring-Bedingungen, kann aber bei Windgeschwindigkeiten über 25 km/h zu einer Stauwirkung führen, die das Vorwärtskommen für Gleitschirme niedrigerer Klassifizierung erschwert und das Starten risikoreich gestaltet.
Die Attraktivität des Bonistock als Fluggebiet korreliert stark mit seiner logistischen Erreichbarkeit. Die nahtlose Integration in die Infrastruktur des Skigebiets ermöglicht eine hohe Frequenz an Flügen, erfordert jedoch Kenntnis der saisonalen Betriebsmodi.
Die Reise beginnt für die meisten Piloten in Stöckalp auf 1.070 Metern. Dieser Ort fungiert als logistischer Hub. Hier befindet sich nicht nur der offizielle Landeplatz, sondern auch ein großes Parkhaus sowie Außenparkplätze. Es ist zu beachten, dass die Außenparkplätze im Sommer kostenfrei sind, während das Parkhaus kostenpflichtig ist (ca. CHF 12 pro Tag). In der Hochsaison im Winter kann die Parkplatzsituation angespannt sein, weshalb eine frühe Anreise empfohlen wird.
Der erste Schenkel des Aufstiegs erfolgt mit der Gondelbahn von Stöckalp nach Melchsee-Frutt (1.920 m). Diese Fahrt dauert etwa 20 Minuten und überwindet rund 850 Höhenmeter. Hier erleben Piloten bereits den ersten visuellen Check der Talwindbedingungen: Ein Blick auf die Baumwipfel und Fahnen entlang der Trasse gibt Aufschluss über die Windstärke in verschiedenen Höhenbändern.
Von der Bergstation Melchsee-Frutt zum eigentlichen Startplatz Bonistock existieren saisonale Unterschiede:
Sommermodus: Piloten haben die Wahl zwischen einem etwa 15- bis 20-minütigen Fußmarsch zur Talstation des Bonistock-Lifts oder der Nutzung des "Fruttli-Zugs", einer touristischen Wegebahn. Alternativ kann der Sessellift "Distelboden-Bonistock" genutzt werden, sofern dieser in Betrieb ist. Viele Piloten nutzen den Fußmarsch als kurzes Warm-up und zur mentalen Vorbereitung.
Wintermodus: Im Winter ist der Zugang direkter. Der Sessellift "Bettenalp-Bonistock" oder direkte Verbindungen von Stöckalp (via Cheselen) befördern Skifahrer und Piloten (oft mit Skiern an den Füßen) direkt zum Gipfel. Die Kombination "Ski & Fly" ist hier sehr populär und logistisch optimiert.
Eine Besonderheit stellt die Straße von Stöckalp nach Melchsee-Frutt dar. Im Sommer ist diese Bergstraße befahrbar, unterliegt jedoch einem strengen Zeitregime: Bergfahrten sind nur zu geraden Stunden (z.B. 08:00 bis 08:40 Uhr), Talfahrten zu ungeraden Stunden (z.B. 09:00 bis 09:40 Uhr) gestattet. Zudem ist ein Ticket zu lösen. Für die meisten Tagesgäste und Piloten ist die Nutzung der Gondelbahn ökonomisch und logistisch sinnvoller, da der Landeplatz ohnehin in Stöckalp liegt und das Auto dort strategisch besser platziert ist. Im Winter ist die Straße für den Privatverkehr generell gesperrt (mit Ausnahme spezieller Hotelzufahrten), was die Gondelbahn zur einzigen Lebensader macht.
Der Startplatz Bonistock zeichnet sich durch definierte Parameter aus, die wenig Spielraum für Improvisation lassen.
Koordinaten: N 46°46'41.13" E 8°17'25.40"
Höhe: 2.160 m AMSL
Ausrichtung: Nord (N) bis Nordost (NO)
Der Startbereich befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hotel Bonistock und dessen Sonnenterrasse. Diese Nähe zur "Zivilisation" erzeugt oft einen gewissen psychologischen Druck („Publikumseffekt“), den Piloten ausblenden müssen. Der Untergrund beginnt als mäßig steile, gut gepflegte Grasnarbe, die das Auslegen des Schirms erleichtert. Allerdings ist die Startstrecke relativ kurz. Nach wenigen Metern geht das Gelände in eine steile Geröllhalde über.
Diese Topographie impliziert eine binäre Startentscheidung: Sobald der Anlauf begonnen wurde und der Pilot die Kante erreicht, gibt es kaum Raum für einen Startabbruch. Ein unsauberer Startlauf kann im steilen Schottergelände enden, was Verletzungsrisiken und Materialschäden birgt. Konsequente Schirmbeherrschung und ein entschlossener Startlauf sind essenziell. Im Winter entschärft die Schneedecke den Übergang zum Geröll, und Starts mit Skiern sind oft einfacher, da die Gleitphase früher einsetzt und Unebenheiten nivelliert werden.
Die Beurteilung der Windbedingungen am Startplatz ist der erste Sicherheitsfilter des Tages.
Ideale Bedingungen: Ein leichter bis mäßiger Wind aus Nord oder Nordost (5–15 km/h) ist optimal. Er strömt den Hang laminar an und ermöglicht kontrollierte Rückwärtsstarts.
Die Bise: Wie bereits erwähnt, trifft die Bise frontal auf den Startplatz. Eine moderate Bise ist ein Garant für stundenlanges Soaring. Wird die Bise jedoch stark (> 25 km/h), entsteht an der Hangkante eine Kompressionszone. Starten wird dann extrem anspruchsvoll, da der Schirm beim Hochziehen dazu neigt, den Piloten auszuhebeln oder zu überschießen. Zudem ist der Vorwärtsflug gegen die Düse mühsam.
Westwind-Falle: Bei überregionalem West- oder Südwestwind liegt der Startplatz im aerodynamischen Schatten (Lee). Zyklen können zwar einen startbaren Wind vortäuschen, doch handelt es sich hierbei oft um thermische Ablösungen, die sich durch das Lee mogeln, oder um Rotoren. Ein Start in diese Bedingungen kann unmittelbar nach dem Abheben zu massiven Klappern führen, da der Schirm in die turbulente Leewalze eintaucht.
Für Piloten, denen der Bonistock zu exponiert oder windtechnisch zu anspruchsvoll ist, bietet sich im Sommer der Startplatz Dämpfelsmatt (1.900 m) an.
Lage: Unterhalb des Dorfes Frutt, erreichbar in ca. 7 Minuten zu Fuß von der Station.
Profil: Eine sanft geneigte Alpwiese, deutlich fehlerverzeihender und ideal für Schüler oder Wenigflieger.
Einschränkung: Dieser Startplatz ist ein reiner Sommerstartplatz. Im Winter ist er Teil der Skipisteninfrastruktur und darf nicht genutzt werden.
Sobald der Pilot den Bodenkontakt verliert, eröffnet sich ein taktisches Spielfeld, das je nach Tageszeit und meteo-logischer Großwetterlage völlig unterschiedliche Herangehensweisen erfordert.
Die zuverlässigste Thermikquelle, der sogenannte "Hausbart", befindet sich in der Regel direkt entlang des Felsbandes, das sich vom Bonistock in Richtung Cheselenflue erstreckt.
Mechanik: Die vertikalen Felswände speichern die Sonnenenergie effizient. Die Thermik löst sich bevorzugt an der oberen Kante des Plateaus ab.
Strategie: Nach dem Start führt die Standardroute in einer Rechtskurve (Richtung Osten) entlang des Grates. Hier ist Vorsicht geboten bezüglich der Seile des Bonistock-Lifts. Sollte der Grat nicht tragen, kann ein Vorstoßen in das Tal über die Geröllfelder oft den Anschluss an die Thermik bringen, die sich weiter unten löst.
Diese Route ist ein Klassiker, birgt aber signifikante technische Hürden.
Trajektorie: Bonistock -> Tannenalp -> Jochpass -> Titlis/Brunni-Gebiet.
Schlüsselstelle Jochpass: Der Übergang über den Jochpass ist die aerologische Sollbruchstelle. Hier verlässt man das Windsystem des Melchtals und tritt in dasjenige des Engelbergertals ein. Oft herrschen am Pass Düseneffekte oder Turbulenzen durch konvergierende Talwinde.
Gefahrenzone "Cable Valley": Das Engelbergertal trägt in Fliegerkreisen den Beinamen "Cable Valley" aufgrund der extremen Dichte an Transportseilbahnen, Skiliften und Materialseilen. Piloten müssen hier mit signifikantem Bodenabstand operieren und Kartenstudium betreiben, da viele Seile vor dem Waldhintergrund unsichtbar sind.
Ziel: Der Anschluss an die mächtigen Thermiksysteme der Titlis-Nordwand oder der Wechsel auf die Sonnenseite zum Brunni.
Der Flug nach Süden in Richtung Berner Oberland bietet spektakuläre Panoramen, erfordert aber Höhengewinn.
Trajektorie: Bonistock -> Hochstollen -> Hasliberg -> Meiringen.
Der Hochstollen-Transit: Der Hochstollen (2.480 m) ist der dominante Gipfel südlich von Melchsee-Frutt. Um ins Haslital zu gelangen, muss dieser Gipfel oder seine Schulter überhöht werden. Dies erfordert Geduld und sauberes Zentrieren.
Luftraum-Alarm: Beim Überflug in Richtung Meiringen nähert man sich der Militärflugplatz Meiringen (LSMM). Dies ist eine aktive Jet-Basis (F/A-18 Hornets). Die CTR und TMA Meiringen sind während der Betriebszeiten (meist Mo-Fr) absolut tabu. Am Wochenende sind sie oft inaktiv, doch ist der DABS (Daily Airspace Bulletin) die einzige verlässliche Quelle. Ein Einflug in die aktive CTR kann strafrechtliche Konsequenzen haben und gefährdet die Sicherheit militärischer Operationen.
Trajektorie: Bonistock -> Widderfeld -> Pilatus -> Stanserhorn -> Landung.
Dynamik: Diese Route nutzt die Ostflanken am Vormittag. Der Flug in Richtung Pilatus erfordert die Querung des Melchtalausgangs. Der Pilatus selbst ist ein formidabler Thermikgenerator, aber bei Bise berüchtigt für seine ruppigen Bedingungen.
Die Landung in Stöckalp (1.070 m) gilt technisch als die kritischste Phase eines Standardfluges vom Bonistock. Nicht wegen topographischer Hindernisse, sondern aufgrund der unsichtbaren Dynamik der Luftmassen.
Der Landeplatz Stöckalp liegt an einer Stelle, wo der Talboden relativ flach ist, jedoch von steilen Flanken flankiert wird.
Talwind-Beschleunigung: Wenn die Nachmittagssonne die weiten Felsflächen der Titlis- und Susten-Region im Süden aufheizt, saugt das Tal massiv Luft aus dem Vorland an. Dieser Talwind beschleunigt sich durch den Venturi-Effekt der Talverengungen. Bereits am frühen Nachmittag (14:00 - 16:00 Uhr) sind Windgeschwindigkeiten von 30-40 km/h am Landeplatz keine Seltenheit.
Mechanische Turbulenz: Der Landeplatz ist von Bäumen und Gebäuden (Talstationskomplex) gesäumt. Bei starkem Talwind erzeugen diese Hindernisse auf der Leeseite rotierende Wirbel (Rotoren), die bis in den Anflugbereich hineinreichen.
Überlebensstrategie:
Abbauhöhe im Luv: Niemals eine Standard-Landevolte fliegen, wenn der Wind stark ist. Stattdessen muss die Höhe durch "Achtern" (S-Kurven) im Luv (vor dem Landeplatz, gegen den Wind) abgebaut werden.
Geschwindigkeitsreserve: Der Schirm darf nicht "totgebremst" werden. Fahrt ist Sicherheit, um durch den Windgradienten zu dringen.
No-Go Zone: Positionieren Sie sich niemals hinter der Baumreihe oder den Gebäuden im Lee. Die dortigen Rotoren drücken den Schirm unweigerlich zu Boden ("Fahrstuhleffekt").
Hochspannungsleitungen: Durch das Tal verläuft eine Hochspannungsleitung. Obwohl die Masten sichtbar sind, hängen die Kabel oft tief durch und sind schwer einzuschätzen.
Seilbahn-Infrastruktur: Neben den offensichtlichen Gondelkabeln existieren Materialseile an den Hängen, die oft dünn und vor dem Waldhintergrund kaum sichtbar sind. Der Flugführer weist explizit auf "Seil b" an der Talstation hin, das bei Hangsoaring-Manövern in Bodennähe extrem gefährlich ist.
Geländebeschaffenheit: Der Landeplatz ist nicht perfekt eben; er weist ein leichtes Gefälle auf und wird von einer Steinmauer begrenzt. Präzision in der Endanflugeinteilung ist gefordert.
Die fliegerische Freiheit im Kanton Obwalden wird durch ein dichtes Netz an Vorschriften begrenzt, die sowohl der nationalen Sicherheit als auch dem Naturschutz dienen. Ein Verstoß gegen diese Regeln gefährdet nicht nur die Lizenz des Einzelnen, sondern den Fortbestand des Fluggebiets.
Das Fluggebiet liegt im Einflussbereich zweier bedeutender Militärbasen: Alpnach (Helikopter) und Meiringen (Jets).
CTR Buochs-Alpnach: Diese Kontrollzone erstreckt sich vom Seeniveau bis auf ca. 1.050 m AMSL (variabel). Stöckalp liegt technisch oft knapp außerhalb oder unterhalb relevanter Sektoren, aber bei Flügen in Richtung Sarnen oder Stans tritt man unweigerlich in die CTR ein.
Aktivierungsstatus: Diese Zonen operieren oft im HX-Modus (inaktiv an Wochenenden, aktiv an Werktagen zu Bürozeiten, aber potenziell jederzeit aktivierbar). Piloten müssen vor jedem Flug an Werktagen das DABS konsultieren oder die Info-Hotline (041 620 91 06) anrufen. Ein Einflug in eine aktive militärische CTR ohne Freigabe ist eine schwere Luftraumverletzung.
LSPG Kägiswil: Ein ziviler Flugplatz bei Sarnen. Hier gilt es, einen Radius von 5 km einzuhalten oder Funkkontakt herzustellen, falls die Zone aktiv ist.
Die Schweiz vollzieht einen Paradigmenwechsel hin zu strikterem Wildschutz, insbesondere im Winter, um Tiere vor stressbedingtem Erschöpfungstod zu bewahren.
Eidgenössische Jagdbanngebiete: Das Gebiet auf der rechten Talseite des Melchtals (talaufwärts blickend), von Hohmad bis Rütialp, ist ein solches Reservat. Tiefe Überflüge sind verboten. Thermikfliegen ist nur gestattet, wenn genügend Abstand zum Gelände und zu sichtbaren Tieren gewahrt wird.
No-Fly Zone Chlisterli: Dies ist eine spezifische, lokale Restriktion. Die "Chlisterlialp" ist aufgrund hoher Wilddichte eine strikte Flugverbotszone. Piloten dürfen den Graben nördlich der Stepfenalp in niedriger Höhe nicht überfliegen.
Saisonale Wildruhezonen (1. Dez - 30. April): Während dieser Periode werden zusätzliche Schutzzonen aktiviert. Kartenmaterial hierzu hängt an den Stationen der Bergbahnen aus. Verstöße werden mit empfindlichen Bußen geahndet.
Jenseits der offiziellen Karten und Flugführer existiert ein Wissen, das oft nur lokal weitergegeben wird.
Für Piloten, die dem Trubel am Bonistock entfliehen wollen, ist der Abgschütz (2.263 m) ein echter Geheimtipp.
Die Mission: Man nimmt die Gondel bis Frutt und wandert dann ca. 1,5 Stunden zum Abgschütz-Pass.
Der Lohn: Ein Startplatz, der hervorragend bei Ost- und Südostwind funktioniert – Windrichtungen, die am Bonistock oft problematisch (Seitenwind) sind.
Der Flug: Von hier aus kann man das Gental hinunter in Richtung Meiringen fliegen (Luftraum beachten!) oder zurück Richtung Stöckalp gleiten. Das Ambiente ist deutlich alpiner und wilder als am Hotel Bonistock.
Der Bonistock ist einer der wenigen Orte in der Schweiz, wo man Klettern und Fliegen so effizient kombinieren kann. Der Boni-Klettergarten bietet über 160 Routen in südseitigem Kalkfels. Ein klassischer "Climb & Fly"-Tag beinhaltet das Klettern in der Morgensonne, das Sichern am Standplatz und anschließend den Start mit dem Gleitschirm nur 50 Meter vom Ausstieg der Route entfernt. Dies erfordert jedoch eine leichte Ausrüstung, die im Zustieg nicht behindert.
Im Dezember und Januar liegt das Schweizer Mittelland oft unter einer zähen Hochnebeldecke. Melchsee-Frutt liegt mit 1.920 m meist sicher darüber.
Der Tipp: Prüfen Sie die Webcams am Bonistock. Wenn Sie ein Nebelmeer sehen, ist es fliegbar. Der Flug über dem Nebel ist surreal schön.
Landung: Das Risiko ist die Landung. Wenn Stöckalp im Nebel liegt, können Sie dort nicht landen. Sie müssen entweder oben landen (im Winter ohne Skier riskant wegen tiefem Schnee) oder sicherstellen, dass die Nebeldecke in Stöckalp aufgelockert genug ist. Oft reißt der Nebel im Tagesverlauf auf, aber das Timing ist essenziell.
Start: Die Terrasse des Hotel Bonistock ist der Ort für den Kaffee vor dem Flug und den letzten Windcheck. Der Windsack auf der Terrasse ist der primäre Indikator für die Startbedingungen.
Landung: Das Restaurant Bahnhöfli oder das Bistro Stöckalp an der Talstation sind die traditionellen Orte für das "Lande-Bier". Hier trifft man sich zum Debriefing und Austausch mit lokalen Piloten.
Das Wetter im Melchtal ist nicht bloß ein Abbild der Schweizer Prognose, sondern besitzt eine eigene Persönlichkeit, geprägt durch die Orographie.
Die Bise (NO-Wind) wird in die Täler der Zentralschweiz kanalisiert.
Effekt: Am Bonistock erzeugt eine schwache Bise perfekte Soaringbedingungen, da der Grat senkrecht zur Anströmung steht.
Gefahr: Wenn die Prognose auf 2000 m eine Bise von über 15 Knoten (ca. 28 km/h) vorhersagt, kann das Melchtal zum Windkanal werden. Die Konvergenz der Bise mit dem lokalen thermischen Talwind kann "atomare" Steigwerte erzeugen, aber auch extreme Turbulenzen.
Indikator: Beobachten Sie die Windstationen auf Titlis oder Pilatus. Zeigen diese zunehmenden NO-Wind, ist mit einer Verstärkung am Bonistock 1-2 Stunden später zu rechnen.
Frühling (März-Mai): Der Temperaturkontrast zwischen den verschneiten Gipfeln und den bereits grünen Talböden erzeugt mächtige, "zerrissene" Thermik. Steigwerte von 6–8 m/s sind keine Seltenheit. Dies ist die Zeit für XC-Cracks.
Sommer (Juni-Aug): Die Luftmasse ist stabiler. Die Thermik wird weicher, aber der Talwind in Stöckalp wird stärker und dominanter. Dies ist die Saison für Genussflüge und "Restitution" (Abendthermik).
Herbst (Sept-Nov): Der Talwind lässt nach. Die Luft wird laminar ("Öl"). Dies ist die beste Zeit für Hike & Fly und Präzisionslandungen, da die "Windfalle" Stöckalp entschärft ist.
Der Bonistock ist fliegerisch als Klasse B Gelände einzustufen.
Anfänger: Sollten nur am Vormittag oder späten Abend unter Aufsicht einer Flugschule fliegen und die thermisch aktive Mittagszeit sowie den starken Nachmittagstalwind meiden. Der Startplatz Dämpfelsmatt ist vorzuziehen.
Fortgeschrittene: Finden am Bonistock ein exzellentes Trainingsgelände für thermisches Fliegen und Soaring. Das breite Tal bietet Sicherheit, solange die Landeeinteilung in Stöckalp respektiert wird.
Experten: Nutzen den Bonistock als Tor zur Welt. Er ist der Startblock für große Touren durch die Zentralalpen. Die Herausforderung liegt hier nicht im Fliegen an sich, sondern in der strategischen Navigation durch Lufträume und Wetterfenster.
Fazit: Der Bonistock bietet eine extrem hohe Ausbeute an Flugzeit im Verhältnis zum logistischen Aufwand. Seine Infrastruktur erlaubt mehrere Flüge pro Tag, was ihn zum idealen Trainingsplatz macht. Die "Windfalle" von Stöckalp verzeiht jedoch keine Nachlässigkeit. Wer den Talwind respektiert, dem öffnet das Melchtal seine Himmel.
Konsolidierte Datentabellen Tabelle 1: Technische Geländespezifikationen Merkmal Details Quelle Startplatz Bonistock Koordinaten N 46°46'41.13" E 8°17'25.40" Höhe 2.160 m AMSL Ausrichtung N, NO (Nord, Nordost) Landeplatz Stöckalp Landehöhe 1.070 m AMSL Höhendifferenz ~1.090 m Berechnet Bester Wind N, NO (5-15 km/h) Gefahren Kabel (Engelberg), Talwind (Stöckalp), Lee (Westwind) Tabelle 2: Logistische Eckdaten Kategorie Details Transport Gondel Stöckalp-Frutt (20 min). Sessellift/Zug zum Bonistock. Club Gleitschirmclub Matthorn (Link) Webcam
Bonistock 360° ()
Funkfrequenz 134.130 MHz (Alpnach Info) Notfall REGA 1414