
1 Startplatz, 2 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Arvialp & Arvigrat: Das Kompendium für den Gleitschirmpiloten Eine technische und operative Monographie zur Flugregion Sarneraatal Vorwort: Jenseits der Datenbank
In einer Ära, in der digitale Geländedatenbanken wie die des DHV oder Paragliding Map oft als alleinige Informationsquelle dienen, geht das subtile, aber lebenswichtige Wissen über komplexe alpine Fluggebiete oft verloren. Datenbanken liefern Koordinaten; sie liefern jedoch selten den Kontext der lokalen Aerologie, die ungeschriebenen Gesetze der Landwirtschaft oder die feinen Nuancen militärischer Luftraumüberwachung.
Der Startplatz Arvialp, gelegen auf dem markanten Rücken des Arvigrats im Kanton Obwalden, ist mehr als nur ein Wegpunkt auf einem GPS-Gerät. Er ist ein komplexes System aus mikroklimatischen Bedingungen, sensiblen Wildschutzinteressen und einer der anspruchsvollsten Luftraumstrukturen der Schweiz. Dieser Bericht dient als definitives Handbuch für den ambitionierten Piloten, der beabsichtigt, den Arvigrat nicht nur zu befliegen, sondern ihn zu verstehen. Er ersetzt die oberflächliche Betrachtung durch eine tiefgehende Analyse der geographischen, meteorologischen und logistischen Realitäten, die dieses Fluggebiet definieren.
Um die fliegerischen Eigenschaften der Arvialp zu begreifen, ist eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Topographie des Sarneraals und des Engelbergertals unerlässlich. Der Arvigrat ist nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil eines hydraulischen Windsystems.
Der Arvigrat erstreckt sich als markante, schroffe Barriere in einer Südwest-Nordost-Achse. Er fungiert als massive Trennwand zwischen zwei fundamental unterschiedlichen Talsystemen:
Das Sarneraatal (Luv-Seite / Front): Im Westen und Nordwesten gelegen, beinhaltet es den Sarnersee und die Ortschaften Sarnen sowie Kerns. Dies ist die thermische "Vorderseite" für Piloten, die an der Arvialp starten. Die Hänge sind am Nachmittag der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt, was sie zu exzellenten Thermikgeneratoren macht.
Das Engelbergertal (Lee-Seite / Rückseite): Im Osten und Südosten gelegen, tief eingeschnitten und mikroklimatisch oft vom Föhn beeinflusst. Der Grat wirkt hier als Barriere für den Austausch von Luftmassen, was an den Endpunkten oder bei Überströmung zu signifikanten Düseneffekten führen kann.
Der Startplatz Arvialp befindet sich auf der Nordwestflanke dieses Grates auf einer Höhe von ca. 1.800 m MSL (Mean Sea Level). Die Koordinaten (N 46°53'31.45" E 8°19'48.63") platzieren den Piloten strategisch günstig über der Inversionsschicht, die sich im Tal oft hartnäckig hält.
Die Aerologie an der Arvialp wird dominiert durch die Interaktion des überregionalen Meteowindes mit den lokalen Talwindsystemen. Ein Verständnis dieser Strömungen ist für eine sichere Startentscheidung kritisch.
Der Sarneraa-Talwind: Dieser Wind ist der primäre Motor für das Fluggebiet. Er strömt typischerweise vom Alpnachersee (Vierwaldstättersee) südwärts in Richtung Brünigpass. Für einen Piloten an der Arvialp oder am tiefergelegenen Startplatz Ruedlen manifestiert sich dies als zuverlässige Anströmung aus Nord bis Nordwest in den unteren Schichten. Seine Stärke korreliert direkt mit der thermischen Aktivität im Haslital und dem Druckgefälle über den Alpen. An starken Tagen kann dieser Wind im Talboden (Landeplatz Kerns/Sarnen) Geschwindigkeiten von 20–30 km/h erreichen, was anspruchsvolle Landeanflüge zur Folge hat.
Der Engelberger Talwind: Auf der Rückseite des Grates fließt der Wind von Stans in Richtung Engelberg. Obwohl für den Start an der Arvialp nicht direkt relevant, ist seine Beobachtung wichtig für Streckenflüge, die ein Überqueren des Grates oder ein Einfliegen in das Engelbergertal beinhalten.
Die größte Gefahr für Piloten am Arvigrat ist die "Bise", ein kalter, trockener Wind aus Nordosten, der charakteristisch für das Schweizer Mittelland ist. An der Arvialp wird die Bise zur aerodynamischen Falle.
Der Mechanismus der Leewalze: Die Geometrie des Arvigrats ist prädestiniert für die Bildung gefährlicher Rotoren bei Bise. Da der Startplatz nach Nordwesten ausgerichtet ist, trifft die Bise aus Nordosten in einem spitzen Winkel oder direkt von "hinten" auf den Grat.
Strömungsabriss: Die Luftmassen strömen über die scharfe Gratkante und reißen auf der Leeseite (der Startplatzseite) ab.
Rotorbildung: Unterhalb der Abrisskante bildet sich ein stationärer Rotor. Für den Piloten am Startplatz kann dies extrem trügerisch sein: Der Windsack zeigt oft einen perfekten "Aufwind" an. In der Realität handelt es sich hierbei jedoch um den Rückstrom des Rotors (Lee-Aufwind).
Die Gefahr: Startet ein Pilot in diesen scheinbaren Aufwind, steigt er zunächst, wird dann aber schlagartig in die extrem turbulente, abwärts gerichtete Luftmasse des Rotors gedrückt. Kappenklapper und Kontrollverlust in Bodennähe sind die häufige Folge.
Indikatoren und Warnzeichen:
Schaumkronen auf dem Sarnersee oder Alpnachersee bei einer Strömung, die nicht dem normalen Talwind entspricht (Nordost).
Prognostizierter Wind auf 2.000 m Höhe aus dem Sektor NO mit mehr als 15 km/h.
In solchen Fällen ist der Startplatz Arvialp, ebenso wie der tiefergelegene Ruedlen, strikt zu meiden.
Im Gegensatz zu den stark kommerzialisierten "Flugparks" im Berner Oberland oder Wallis, wo Bergbahnen Piloten direkt zum Startplatz befördern, verlangt die Arvialp logistische Planung und physischen Einsatz. Sie ist eine "Alp" im traditionellen Sinne – eine bewirtschaftete Hochweide – und der Zugang ist reglementiert, um die Interessen der Landwirtschaft und des Naturschutzes zu wahren.
Der Zugang zur Arvialp ist ein zweistufiger Prozess, der als natürlicher Filter wirkt und sicherstellt, dass der Startplatz selten überlaufen ist.
Phase 1: Die Anfahrt (Sarnen/Kerns zum Holzplatz) Die Reise beginnt in der Ortschaft Kerns. Piloten fahren über die Bergstraße in Richtung Aecherlipass. Diese Straße ist asphaltiert, aber schmal und windet sich den Berg hinauf, wobei sie spektakuläre Ausblicke auf den Sarnersee bietet.
Der Abzweig: Ungefähr 1 Kilometer vor Erreichen der Passhöhe (Aecherli) muss man rechts auf eine Naturstraße abbiegen. Dieser Abzweig ist leicht zu übersehen, wenn man nicht ortskundig ist.
Der Endpunkt (Holzplatz): Man folgt dieser Naturstraße bis zu einem Bereich, der als "Holzplatz" bekannt ist. Hier endet die legale Befahrbarkeit für den Privatverkehr.
Das Fahrverbot: Es existiert ein striktes Fahrverbot ab dem Holzplatz. Das Ignorieren dieses Verbots ist nicht nur ein juristisches Vergehen, sondern gefährdet massiv das Wohlwollen der lokalen Landwirte, die den Grund und Boden besitzen. Der Gleitschirmclub Matthorn (GCM) betont regelmäßig, wie wichtig die Einhaltung dieser Regel für den Erhalt des Fluggebietes ist. Parken ist ausschließlich in den dafür vorgesehenen Bereichen am Holzplatz gestattet, ohne landwirtschaftliche Wege zu blockieren.
Phase 2: Der Marsch (Hike & Fly) Ab dem Holzplatz beginnt der physische Teil.
Dauer: Für einen durchschnittlich fitten Piloten mit ca. 15–20 kg Ausrüstung beträgt die Gehzeit etwa 60 Minuten (1 Stunde).
Charakteristik: Der Pfad wird als "zünftiger Fussaufstieg" beschrieben. Er führt über alpine Weiden und durch lichte Waldabschnitte. Das Gelände kann stellenweise steil und bei Nässe (Morgentau oder nach Regen) rutschig sein. Gutes Schuhwerk (mindestens knöchelhohe Bergschuhe) ist obligatorisch, nicht nur für den Start, sondern bereits für den Aufstieg.
Hike & Fly: Dieser obligatorische Aufstieg macht die Arvialp zu einem klassischen "Hike & Fly"-Berg. Er filtert Piloten aus, die nicht über die nötige Grundkondition verfügen, was oft zu einem höheren durchschnittlichen Pilotenniveau am Startplatz führt.
Der lokale Hüter dieses Fluggebietes ist der Gleitschirmclub Matthorn. Der Club fungiert als Diplomat zwischen den Piloten, den Landbesitzern und den Luftfahrtbehörden.
Club-Bus: Der Club betreibt einen Bus für bestimmte Fluggebiete (insbesondere für den Startplatz Linderen, der eine Spezialbewilligung zur Zufahrt erfordert). Für die Arvialp ist der Bus weniger relevant als für Linderen, aber er ist ein zentrales Element der Club-Infrastruktur. Die Nutzung wird über ein "Bustool" auf der Webseite organisiert, das in der Regel Mitgliedern vorbehalten ist.
Mitgliedschaft: Für Piloten, die regelmäßig in der Region fliegen (mehr als 3-4 Mal pro Jahr), ist eine Mitgliedschaft fast schon moralisch obligatorisch. Sie unterstützt den Erhalt der Infrastruktur (Windsäcke, Pachtverträge) und bietet Zugang zu internen Informationen, insbesondere was kurzfristige Luftraumänderungen betrifft.
Soziales Zentrum: Der Treffpunkt des Clubs ist oft die "Clubbeiz" (Golferstübli) in der Nähe des Landeplatzes Kerns Golf. Hier findet der soziale Austausch statt, und hier werden oft die "Tacit Knowledge"-Informationen über das Wetter des nächsten Tages ausgetauscht.
Der Startplatz selbst ist eine weitläufige Alpweide, die sich unterhalb des Gipfels erstreckt.
Koordinaten: N 46°53'31.45" E 8°19'48.63".
Höhe: Ca. 1.794 m bis 1.800 m über Meer.
Ausrichtung: Nordwest (NW) bis West (W). Diese Ausrichtung ist ideal, um ab dem späten Vormittag (ca. 11:30 – 12:00 Uhr im Sommer) thermisch aktiv zu werden.
Schwierigkeitsgrad: Mittel. Der Startplatz ist keine gemähte Golfrasenfläche. Er ist durchsetzt mit alpiner Vegetation (Grasbüschel, Steine), was eine saubere Auslegetechnik und einen konzentrierten Startlauf erfordert.
Hindernisse: Unmittelbar in Startrichtung gibt es keine kritischen Hindernisse wie Stromleitungen, aber das Gelände fällt steil in das Sarneraatal ab. Piloten müssen sicherstellen, dass sie genügend Abhebe-Geschwindigkeit generieren, bevor die Kante erreicht wird.
Weidevieh: Im Sommer ist die Arvialp aktiv bestoßen. Kühe können auf dem Startplatz anwesend sein. Es gilt die eiserne Regel: Vieh nicht erschrecken, Abstand halten und Kuhfladen beim Auslegen meiden (Rutschgefahr beim Startlauf).
Keine Informationstafel: Im Gegensatz zu Startplätzen wie Ruedlen oder Linderen gibt es direkt auf der Arvialp keine offizielle Informationstafel des Clubs. Dies bedeutet, dass der Pilot vor dem Aufstieg zwingend über den Luftraumstatus informiert sein muss. Unwissenheit schützt hier nicht vor Strafe.
Die Hauptsaison für die Arvialp erstreckt sich vom Frühling bis in den späten Herbst.
Winter: Eine Nutzung im Winter ist möglich, aber stark eingeschränkt. Die Zufahrtsstraße zum Holzplatz wird oft nicht geräumt oder ist vereist, und der steile Fußaufstieg im Tiefschnee ist extrem mühsam (Schneeschuhe erforderlich). Zudem ist die thermische Aktivität im Winter an diesem Startplatz oft vernachlässigbar, sodass er sich dann "nur" für Abgleiter eignet.
Das Fliegen in der Zentralschweiz bedeutet Fliegen in einem der komplexesten Lufträume Europas. Die Region Arvialp liegt im Sandwich zwischen militärischen Kontrollzonen (CTR) und zivilen Korridoren. Ein Verstoß gegen die Luftraumregeln ist hier kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die strafrechtlich verfolgt wird und das Fluggebiet als Ganzes gefährdet.
Die Luftraumstruktur wird durch den Militärflugplatz Alpnach (LSMA) und den Flugplatz Buochs (LSZC) diktiert.
CTR Alpnach & CTR Buochs: Diese Kontrollzonen (Control Zones) reichen vom Boden (GND) bis zu einer definierten Obergrenze (meist 1.700 m oder 2.000 m MSL, je nach Sektor). Sie sind aktive militärische Zonen. Innerhalb dieser Zonen herrscht Flugbeschränkung.
TMA Emmen: Über den CTRs liegen die Terminal Manoeuvring Areas (TMA) von Emmen, die den An- und Abflug von Jets und Propellerflugzeugen schützen.
Um den freien Flugsport in diesem kontrollierten Umfeld zu ermöglichen, wurde ein System von "Segelflugsektoren" ausgehandelt. Für Arvialp-Piloten ist insbesondere der Sektor 5 (Kerns) von entscheidender Bedeutung.
Geographische Relevanz: Der Landeplatz Kerns Sand grenzt direkt an diesen Sektor bzw. liegt teilweise darin. Ein Landeanflug erfordert oft das Einfliegen in diesen Sektor.
Status HX: Der Luftraum ist oft als HX klassifiziert (nicht permanent aktiv, Aktivierung nach Bedarf).
MIL ON: Während der militärischen Betriebszeiten (typischerweise Mo–Fr 07:30–12:05 Uhr und 13:15–17:05 Uhr) sind die CTRs meist aktiv. Ein Einflug ist ohne Freigabe verboten.
MIL OFF: An Wochenenden und Feiertagen sowie abends ist der Luftraum oft inaktiv, aber dies ist keine Garantie. Ziviler Verkehr oder spezielle militärische Operationen können eine Aktivierung jederzeit erforderlich machen.
Das Fliegen in oder an den Sektoren erfordert strikte Kommunikationsdisziplin.
Informationspflicht: Vor jedem Flugtag muss der Status abgefragt werden.
Telefon-Info: 041 620 91 06 (Bandansage). Diese Nummer ist im Handy eines jeden Piloten zu speichern.
DABS: Das Daily Airspace Bulletin Switzerland gibt Auskunft über spezielle Aktivierungen (z.B. Schiessübungen).
Funkpflicht: Wenn der Sektor aktiv ist und eine Ausnahmebewilligung zum Einflug besteht (oder angefragt werden soll), ist Funkkontakt obligatorisch.
Frequenzen:
Buochs Tower: 119.625 MHz
Alpnach Tower / Kägiswil Info: 128.475 MHz
Info Alpnach-Buochs-Emmen: 134.130 MHz.
Blindmeldungen (Blind Calls): Es gibt lokale Vereinbarungen (z.B. für den Startplatz Linderen), die das Fliegen auch bei aktiver CTR unter Auflagen erlauben. Hierbei sind "Blindmeldungen" auf der Frequenz abzusetzen, auch wenn keine Antwort erwartet wird, um anderen Verkehr zu warnen.
Beispiel: "Gleitschirm Kerns Süd, Höhe 1000m, weiter Richtung Landeplatz Sarnen Süd.".
Ein erfolgreicher Flug von der Arvialp endet an einem der offiziellen Landeplätze. Jeder dieser Plätze hat seine Tücken, die oft erst im Endanflug sichtbar werden.
Koordinaten: N 46°54'24.6" E 8°17'11.57".
Höhe: 560 m MSL.
Charakteristik: Eine riesige, flache landwirtschaftliche Ebene ("Ried"). Aus fliegerischer Sicht ist dieser Platz sehr einfach und fehlerverzeihend, ideal auch für Drachenflieger.
Die CTR-Falle: Dieser Landeplatz liegt geographisch innerhalb der CTR Alpnach-Buochs Grenzen.
Regel: Außerhalb der Tower-Zeiten ist er in der Regel frei anfliegbar. Während der Betriebszeiten benötigt man technisch eine Freigabe (Clearance) oder muss sich strikt an die Sektorenregelung halten. Das Kreuzen der Pistenachsen von Kägiswil oder Alpnach im Tiefflug ist unter allen Umständen verboten.
Logistik & Parkmoral:
Absolutes Parkverbot: Es ist strengstens verboten, direkt am Landeplatz zu parken. Es gibt dort lediglich einen "Umschlagplatz" zum kurzen Einladen.
Parken: Fahrzeuge müssen beim Restaurant Sand oder bei der Dossenhalle (Sporthalle) in Kerns abgestellt werden. Von dort ist es ein Fußmarsch von 5 bis 15 Minuten zum Landefeld. Verstöße gegen diese Regel gefährden die Pachtverträge des Clubs mit den Landwirten massiv.
Koordinaten: Lido Bereich N 46°53'04.7" E 8°14'41.9" / Zeughaus N 46°53'18.8" E 8°14'52.8".
Höhe: ca. 470 m MSL.
Charakteristik: Wiese in der Nähe des Sarnersees.
Gefahren:
Wasser: Bei starkem Talwind (der hier am Seeufer oft stärker ist als im Landesinneren) besteht die Gefahr, in den See abgetrieben zu werden. Schwimmwesten sind bei Flügen über Wasser in der Schweiz nicht obligatorisch, aber empfehlenswert.
Militär: Der Platz liegt tief in der CTR. Funkkontakt oder strikte Einhaltung der lokalen Sektorvereinbarungen ist zwingend.
Verhaltensregeln: Schirme dürfen nicht im hohen Gras gefaltet werden (Nutzung der gemähten Flächen oder Abbauzonen).
Koordinaten: N 46°53'59.71" E 8°16'21.56".
Höhe: 560 m MSL.
Charakteristik: Ein großer Sportplatz bei der Dossenhalle.
Gefahren: Dieser Platz ist technisch anspruchsvoller.
Hindernisse: Hohe Flutlichtmasten und Zäune begrenzen den Anflug.
Turbulenz: Bei Bise-Lagen erzeugen die angrenzenden Schulgebäude und die Sporthalle starke Rotoren im Endanflug. Dieser Platz wird nur erfahrenen Piloten empfohlen, die Punktlandungen sicher beherrschen.
Die Arvialp ist nicht nur ein Berg für Abgleiter; sie ist das Sprungbrett in die Hochalpen.
Der Schlüssel zum "Obenbleiben" liegt im Verständnis der lokalen Thermik-Trigger.
Der Trigger: Die verlässlichste Thermikquelle befindet sich östlich (rechts, wenn man talwärts blickt) der Linie Ruedlen-Arvialp. Dort, wo der Waldrand steil abfällt und in Felsbänder übergeht, heizt die Morgensonne den Boden effizient auf.
Soaring: Bei mäßigem Westwind funktioniert die Hangkante hervorragend für dynamisches Soaring. Piloten können sich entlang des Grates hocharbeiten, oft bis zum Gipfelkreuz des Arvigrats (2.014 m).
Dies ist die "Milk Run"-Strecke für Arvialp-Piloten, oft geflogen im Frühjahr.
Start & Basis: Höhe gewinnen am Arvigrat (mindestens 2.200 m sind ideal für eine stressfreie Querung).
Transition 1 (Grosse Melchaa): Querung des Melchaatals in Richtung Giswilerstock.
Der Schlüssel (Giswilerstock): Dieser Berg ist ein zuverlässiger Thermikgenerator. Hier muss erneut Höhe getankt werden für den Sprung über den Brünig.
Transition 2 (Brünigpass): Der Flug über den Pass ist der "Point of no Return". Sobald man den Brünig überquert hat, befindet man sich im Berner Oberland.
Ziel: Weiterflug entlang der Brienzer Rothorn-Kette in Richtung Interlaken. Diese Route bietet spektakuläre Ausblicke auf Eiger, Mönch und Jungfrau.
Fortgeschrittene Piloten nutzen den Arvigrat als westlichen Wendepunkt für FAI-Dreiecke, die folgende Punkte verbinden:
Pilatus (Nord): Anspruchsvoll wegen der CTR Alpnach, die dazwischen liegt.
Titlis/Brunni (Ost): Hochalpin und thermisch stark.
Arvigrat (West): Der Ankerpunkt.
Vorsicht: Diese Route erfordert das Navigieren durch die engen Korridore zwischen der CTR Alpnach und den hohen Gipfeln, oft unter Ausnutzung der Sektoren 2 und 5.
Materialseilbahnen (Cables): Das Engelbergertal (östlich der Arvialp) ist berüchtigt für seine hohe Dichte an Materialseilbahnen. Viele sind dünn, unmarkiert und schwer vor dem Hintergrund des Waldes zu erkennen. Beim Tiefflug im Tal oder beim "Absaufen" gilt: Immer mindestens 150 m Abstand zum Grund halten. Das Studium der Hinderniskarte (Obstacle Map) ist vor dem Flug Pflicht.
Nebel: Der Grat ist eine Wetterscheide. Wolken können sich hier sehr schnell bilden oder stauen. Wenn die Basis absinkt, kann der Startplatz innerhalb von Minuten im Nebel verschwinden.
Talwind-Scherung: Bei der Landung in Sarnen oder Kerns am späten Nachmittag taucht der Pilot aus der ruhigen Höhenluft in den starken Talwind ein. Diese Schichtgrenze (Shear Layer) kann sehr turbulent sein. Aktives Fliegen und genügend Fahrtreserve sind hier überlebenswichtig.
REGA: 1414 (Schweizerische Rettungsflugwacht).
Polizei: 117.
Selbstrettung: Es wird dringend empfohlen, ein Funkgerät mitzuführen, das auf dem REGA-Kanal (161.300 MHz) senden kann, oder die REGA-App zu nutzen, die bei Alarmierung direkt die GPS-Koordinaten übermittelt.
Wildschutz: Besonders in den Morgen- und Abendstunden ist auf Rotwild Rücksicht zu nehmen. Ein "Gewöhnungseffekt" tritt zwar ein, aber unnötiges Tieffliegen über äsendem Wild ist zu vermeiden, um Konflikte mit Jägern und Förstern zu minimieren.
Um die Arvialp sicher und legal zu befliegen, muss ein Pilot folgendes Profil erfüllen:
Lizenzierung: Gültiges Schweizer Brevet (SHV) oder IPPI 4/5 Äquivalent.
Informationsdisziplin: Konsultation des DABS und Anruf der Info-Hotline (041 620 91 06) vor jedem Flugtag.
Respekt vor dem Eigentum: Parken ausschließlich vor dem Fahrverbotsschild am Holzplatz.
Physische Fitness: Fähigkeit, 15 kg Ausrüstung in einer Stunde ca. 400-500 Höhenmeter steil bergauf zu tragen.
Ausrüstung: Flugfunk (Airband) für CTR-Kommunikation, PMR für Club-Kommunikation, Helm, Rettungsschirm und festes Schuhwerk.
Fazit
Die Arvialp bietet ein Flugerlebnis, das puristischer und rauer ist als das der touristisch erschlossenen Modefluggebiete. Sie belohnt den Piloten, der bereit ist, sowohl physische Anstrengung für den Aufstieg als auch mentale Anstrengung für die Luftraumplanung zu investieren. Wer das Fahrverbot am Holzplatz respektiert, die Grenzen der CTR Alpnach kennt und die Macht der Bise nicht unterschätzt, findet hier einen der besten Ausgangspunkte der Zentralschweiz für große Streckenflüge. Dies ist kein Berg für den Gelegenheitspiloten; es ist ein Revier für den dedizierten Aviator.
Datenquellen & Zitationen
Koordinaten & Lage:
Startplatzdetails (Höhe/Ausrichtung/Hike):
Landeplätze (Kerns/Sarnen):
Luftraum & Regeln (CTR/Funk):
Gefahren (Bise/Seilbahnen/Wild):
Logistik (Parken/Club):
XC Routen: