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Kampenwand

Startplätze:2
Landungen:1
Koord.:47.7533°N, 12.3528°E
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Geländekarte

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Start- & Landeplätze

2 Startplatzätze, 1 Landeplatz

Kampenwand Startplatz 1 oben (Hotelhang)

Start
Höhe1450m ü. M.
Koord.47.7533, 12.3528
WindNW-N
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Kampenwand Landeplatz

Landung
Höhe600m ü. M.
Koord.47.7820, 12.3334
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Kampenwand Startplatz 2 unten (Hirschenstein)

Start
Höhe1360m ü. M.
Koord.47.7571, 12.3520
WindN
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Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Der Ultimative Piloten-Guide: Gleitschirmfliegen an der Kampenwand Executive Summary

Die Kampenwand im Chiemgau zählt zu den renommiertesten, aber auch anspruchsvollsten Fluggebieten der bayerischen Voralpen. Mit ihrer markanten Felskulisse und dem direkten Blick auf das "Bayerische Meer", den Chiemsee, übt sie eine enorme Anziehungskraft auf Gleitschirm- und Drachenflieger aus. Doch die landschaftliche Schönheit täuscht oft über die meteorologischen Tücken hinweg: Die Kampenwand ist kein reiner Anfängerberg für alle Bedingungen.

Für Piloten, die eine schnelle Entscheidungshilfe suchen, lassen sich die Kerneigenschaften wie folgt zusammenfassen: Das Fluggebiet ist thermisch sehr aktiv und bietet exzellente Startmöglichkeiten bei Nord- und Nordwest-Lagen. Die Infrastruktur mit der Kampenwandbahn ist hervorragend, wenngleich logistische Besonderheiten – insbesondere für Drachenflieger beim Transport – zu beachten sind. Das größte Risiko stellt die komplexe Interaktion zwischen dem überregionalen Talwindsystem des Inntals und dem lokalen Priental-Wind dar. Besonders bei südlichen Windströmungen (Föhn) verwandelt sich das Gelände durch die im Süden vorgelagerte Scheibenwand in eine lebensgefährliche Lee-Falle, die selbst erfahrenste Piloten herausfordert.

Dieser Bericht bietet eine erschöpfende Analyse des Fluggebietes. Er geht weit über die Basisdaten hinaus und integriert lokales Expertenwissen, detaillierte meteorologische Analysen und Sicherheitsstrategien, um Piloten optimal auf ihren Flugtag vorzubereiten. Wer die hier dargelegten Regeln und "Geheimzeichen" der Locals beachtet, findet an der Kampenwand einen der schönsten Einstiege in den alpinen Streckenflug. Wer sie ignoriert, riskiert Turbulenzen und gefährliche Situationen, die in der Vergangenheit bereits zu zahlreichen Zwischenfällen geführt haben.

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Geographische und Topographische Einordnung

Die Kampenwand erhebt sich als markantes Felsmassiv südlich von Aschau im Chiemgau und bildet einen der nördlichsten Pfeiler der Chiemgauer Alpen. Ihre exponierte Lage direkt am Alpenrand sorgt für einen ungehinderten Blick in das flache Voralpenland im Norden, während sich im Süden die zentralen Alpenketten aufbauen. Diese Positionierung ist fliegerisch von doppelter Bedeutung: Zum einen dient der Berg als erste Barriere für anströmende Luftmassen aus dem Norden, was zuverlässiges Soaring und Thermikeinstiege ermöglicht. Zum anderen ist er anfällig für komplexe Windsysteme, die durch die Verbindung zum südlich gelegenen Inntal entstehen.

Das Fluggebiet erstreckt sich vertikal von der Talsohle in Aschau auf ca. 600 Metern Meereshöhe bis hinauf zu den Startplätzen knapp unterhalb des 1.669 Meter hohen Hauptgipfels. Die Höhendifferenz von rund 850 bis 900 Metern bietet ausreichend Arbeitshöhe für thermische Flüge und Streckenflüge. Topographisch wird das Gelände durch den gezackten Felsgrat der Kampenwand selbst dominiert, der wie eine Barriere wirkt, sowie durch die südlich vorgelagerte Scheibenwand, deren massive Felsflanke bei Südlagen für die berüchtigten Lee-Situationen verantwortlich ist.

Die Orientierung am Berg ist für Erstbesucher relativ einfach, da die Seilbahn als markante Leitlinie dient. Die Startplätze befinden sich im Bereich der Bergstation, während der Landeplatz im Tal gut sichtbar am Rande der Ortschaft Aschau liegt. Dennoch erfordert die komplexe Topographie mit ihren Graten, Mulden und Felskanten ein genaues Studium, um Lee-Fallen und Turbulenzzonen bereits bei der Flugplanung zu identifizieren.

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Meteorologische Komplexität

Das Verständnis der meteorologischen Besonderheiten ist der Schlüssel zu einem sicheren Flugtag an der Kampenwand. Im Gegensatz zu isolierten Bergen im Flachland unterliegt die Kampenwand der Dynamik eines alpinen Talwindsystems, das durch die Nähe zum Inntal massiv verstärkt oder gestört werden kann.

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Das Talwindsystem: Priental und Inntal

Das Priental, in dem Aschau liegt, ist kein geschlossenes System. Es fungiert als eine Art "Ansaugstutzen" oder Nebenarm für das mächtige Inntalsystem, das südlich hinter der Grenze zu Österreich verläuft. An thermisch aktiven Tagen saugt das Inntal riesige Luftmassen aus dem Alpenvorland an. Dieser Sog zieht Luft durch das Priental nach Süden.

Dies führt zu dem Phänomen des "Bayerischen Windes". Während am Vormittag oft noch moderate Bedingungen herrschen, die auch für weniger geübte Piloten handhabbar sind, kann der Wind am Nachmittag drastisch auffrischen. Wenn der Talwind aus dem Vorland (Nord/Nord-Ost) auf die Düsenwirkung des Prientals trifft, entstehen an der Kampenwand oft sehr sportliche Windgeschwindigkeiten.

Kritisch wird es, wenn dieser Wind eine starke Ostkomponente erhält. Da die Kampenwand im Priental auf der östlichen Talseite liegt, bedeutet ein reiner Ostwind, dass der Berg im Lee der östlichen Vorberge liegt oder zumindest seitlich angeströmt wird. Lokale Piloten beschreiben den Flugzustand bei Ostwind oft als "Herumgeeier". Die Luftmassen werden durch die vorgelagerten Kuppen und Einschnitte zerrissen, was zu bockiger Thermik, unvorhersehbarem Sinken und schwierigen Startbedingungen führt. Die Strömung liegt nicht mehr laminar an, sondern wird turbulent. Einheimische Flieger reagieren auf diese Situation oft mit einem sofortigen Talseitenwechsel nach dem Start, hinüber zur westlichen Seite (Haindorfer Berg / Hofalm), die vom Ostwind sauber angestrahlt wird.

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Die tödliche Lee-Falle: Südlagen

Die wichtigste meteorologische Warnung für die Kampenwand betrifft den Südwind (Föhn). Die Topographie ist hierbei entscheidend: Südlich der Startplätze ragt die Scheibenwand empor. Bei einer Südströmung fließen die Luftmassen über diesen Felsriegel und fallen auf der Nordseite – genau dort, wo sich die Startplätze befinden – turbulent ab.

Es bildet sich ein klassischer Lee-Rotor. Das Tückische daran ist, dass die Rückströmung dieses Rotors am Startplatz oft wie ein perfekter Aufwind aus Nord aussieht. Der Windsack steht stramm "von vorne", während wenige hundert Meter höher oder weiter draußen der Wind mit Macht von hinten (Süden) drückt. Wer in dieser Situation startet, wird nach dem Abheben brutal in das Lee gedrückt, mit der Gefahr von massiven Klappern bis hin zum Absturz.  

Piloten berichten in Foren von dramatischen Szenen, in denen Schirme im Lee unkontrollierbar wurden. Ein Pilot beschrieb, wie er bei aufziehender Front und turbulenten Bedingungen kämpfen musste, während andere Piloten am Boden zusahen. Der Merksatz "Im Lee is schee!" bezieht sich sarkastisch auf die oft trügerische Ruhe am Startplatz, bevor man in die Turbulenz fliegt.  

Um diese Falle zu erkennen, gibt es für den Piloten nur eine zuverlässige Referenz: Den Blick auf die Gipfelfahne am Andachtskreuz oder den großen Windsack auf dem Felsköpfl. Zeigen diese Südwind an, während am Startplatz Nordwind herrscht, ist dies das absolute Stopp-Signal. Auch Linsenwolken (Altocumulus lenticularis) oder Föhnmauern im Süden sind klare Warnzeichen.

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Saisonale Besonderheiten

Die Kampenwand ist ganzjährig befliegbar, doch jede Jahreszeit hat ihren eigenen Charakter.

Frühjahr (März - Juni): Dies ist die Zeit der starken Thermik und der besten Streckenflugmöglichkeiten. Die Temperaturgradienten sind hoch, und die Schneefelder in den Hochlagen sorgen für Kontrast. Allerdings ist dies auch die Zeit der stärksten Talwinde und der größten Turbulenzgefahr. Zudem gelten in dieser Zeit oft Einschränkungen durch den Adlerschutz (siehe Kapitel Naturschutz).

Sommer (Juli - August): Die Thermik ist oft gedämpfter, aber zuverlässig. Die Gewittergefahr steigt jedoch am Nachmittag deutlich an. Der Talwind setzt früher ein und kann sehr stark werden.

Herbst (September - Oktober): Die Zeit der Genussflieger. Die Luft ist ruhiger, die Sicht oft grandios. Föhnlagen kommen häufiger vor und müssen genau beobachtet werden.

Winter (November - Februar): An sonnigen Tagen sind ruhige Abgleiter möglich. Thermik ist selten, aber das Panorama über den verschneiten Chiemgau ist einzigartig. Vorsicht vor Kaltluftseen im Tal, die die Landung erschweren können.

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Infrastruktur und Logistik

Die Erreichbarkeit der Kampenwand ist exzellent, doch gibt es logistische Fallstricke, die man kennen sollte, um Stress vor dem Start zu vermeiden.

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Anreise und Parkraummanagement

Der zentrale Anlaufpunkt ist die Talstation der Kampenwandbahn in Aschau.

Logistik-Punkt Details Koordinaten / Info Talstation Adresse An der Bergbahn 8, 83229 Aschau im Chiemgau Hauptparkplatz Direkt an der Bahn. Gebührenpflichtig. Oft voll an Wochenenden. Ausweichparkplatz 1 Festhalle Aschau. Oft entspannter, kurzer Fußweg.

GPS: N47°46.xxx E12°19.xxx

Ausweichparkplatz 2 Kohlstatt (Wanderparkplatz zur Maisalm). Ideal für Hike & Fly. Ausweichparkplatz 3 Wanderparkplatz Hintergschwendt. Startpunkt für kürzere Wanderungen.  

Wer mit dem Auto anreist, sollte an schönen Wochenenden früh da sein, da die Kampenwand auch bei Wanderern extrem beliebt ist. Die Parkgebühren an der Bahn sind marktüblich, aber Piloten sollten Kleingeld oder entsprechende Apps bereithalten.

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Die Bergbahn: Regeln und Preise

Die Kampenwandbahn ist eine historische Kleinkabinenbahn. Ihr nostalgischer Charme bringt jedoch Einschränkungen mit sich:

Drachentransport: Hier gilt eine strikte Regel. Drachen werden nur kurzgepackt befördert. Langpack-Drachen passen schlichtweg nicht in die Gondeln oder Transportgestelle. Dies ist ein häufiges Ärgernis für Piloten, die dies vor der Anreise nicht bedacht haben.  

Ticketpreise (Stand 2025): Die Preise für eine Bergfahrt bewegen sich für Erwachsene zwischen ca. 23,50 € und 26,00 €, abhängig von der Tageszeit (Nachmittagskarte) und Saison. Eine Berg- und Talfahrt kostet ca. 32,00 €. Es lohnt sich, nach speziellen Fliegertickets oder Punktekarten zu fragen, die oft angeboten werden und die Landegebühr inkludieren können.

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Landegebühr

Die Erhaltung der Start- und Landeplätze kostet Geld und Pacht. Die Landegebühr beträgt in der Regel 3,00 € bis 4,00 €. Diese ist oft im Bahnticket enthalten. Piloten, die zu Fuß aufsteigen (Hike & Fly), werden dringend gebeten, die Gebühr fairerweise zu entrichten. Der lokale Verein "Kampenwand-Flieger" bietet hierfür sogar moderne Lösungen wie PayPal an. Schwarzfliegen gefährdet die Pachtverträge und damit das Fluggebiet für alle.

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Die Startplätze im Detail

Die Wahl des richtigen Startplatzes ist die erste taktische Entscheidung des Tages. Die Kampenwand bietet zwei Hauptoptionen, die je nach Wind und Andrang unterschiedliche Vorzüge haben.

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Startplatz 1: "Oberer Startplatz" (Hotelhang)

Dieser Startplatz ist der prominenteste, da er unmittelbar unterhalb der Bergstation und der Terrasse der Sonnenalm liegt.

Lage: Nördlich unterhalb der Bergstation auf ca. 1450 m MSL.

Koordinaten: N47°45.197 E12°21.166.  

Ausrichtung: Nord (N) bis Nord-West (NW).

Charakteristik: Es handelt sich um eine Wiese, die teilweise mit Matten ausgelegt ist, um die Grasnarbe zu schonen. Der Platz ist relativ kurz und mündet in steileres Gelände.

Besonderheiten:

Publikumsdruck: Man startet direkt vor den Zuschauern der Sonnenalm. Dies verleitet manche Piloten zu überhasteten Starts oder "Show-Einlagen". Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Sicherheit geht vor Applaus.

Platzmangel: Aufgrund der begrenzten Fläche dürfen maximal drei Schirme gleichzeitig ausgelegt werden. Dies erfordert Kommunikation und Rücksichtnahme. Bauen Sie Ihren Schirm erst auf, wenn Sie startbereit sind (Pre-Flight-Check am Rand erledigen).  

Kuh-Regel: Wenn Weidevieh auf der Startwiese steht, herrscht absolutes Startverbot. Versuchen Sie nicht, die Kühe zu vertreiben, und starten Sie nicht zwischen ihnen hindurch. Dies ist eine Auflage der Almbauern.

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Startplatz 2: "Unterer Startplatz" (Hirschenstein)

Dieser Startplatz wird oft unterschätzt, bietet aber häufig die besseren Bedingungen.

Lage: Etwa 10 Minuten Fußweg von der Bergstation entfernt. Man folgt dem Ziehweg (im Winter Skiabfahrt) bergab Richtung Osten. Er liegt ca. 90 Höhenmeter tiefer als der obere Startplatz (ca. 1360 m MSL).  

Koordinaten: N47°45.428 E12°21.119.  

Ausrichtung: Nord (N) ist ideal, NW und leichtes NO sind möglich.

Charakteristik: Der Hang ist steiler als oben, was den Startlauf verkürzt. Er liegt etwas abgesetzt vom Hauptgrat und wird oft laminarer angeströmt, besonders wenn der Wind am Hotelhang durch Gebäude oder Kanten leicht turbulent ist.

Infrastruktur: Auch hier gibt es Windsäcke und oft einen Erste-Hilfe-Kasten. Ein großer Windsack auf dem benachbarten Felsköpfl (Hirschenstein) dient als wichtige Referenz.

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Die Drachenrampe und Regeln

Drachenflieger starten oft von einer Rampe oder direkt von der Wiese.

Vorrangregelung: Aufgrund der eingeschränkten Beweglichkeit am Boden haben Drachenflieger an den gemischten Startplätzen Vorrang vor Gleitschirmfliegern. Helfen Sie mit, den Startbereich für Drachen frei zu halten, wenn diese aufbaut sind.  

Südstartverbot: Es wird immer wieder beobachtet, dass Piloten versuchen, am Münchner Haus oder anderen Stellen nach Süden zu starten. Dies ist streng verboten. Solche Aktionen gefährden die behördliche Zulassung des gesamten Fluggeländes. Auch wenn die Wiese einladend aussieht: Tun Sie es nicht.

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Insider-Tipps: Das Geheimwissen der Locals

Während die offiziellen DHV-Datenbanken die Basis liefern, sind es die lokalen Besonderheiten, die über einen erfolgreichen Flug entscheiden. Hier sind die Informationen, die Piloten normalerweise erst nach Jahren vor Ort lernen.

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Der "Blaue Wimpel" der Gorialm

Ein unscheinbares, aber extrem wertvolles Detail für die Windanalyse ist die Beflaggung der Gorialm. Diese Almhütte liegt im Skigebiet unterhalb der Startplätze.

Das Signal: Wenn die Alm bewirtschaftet ist, hängt oft eine große, blau-weiße Brauereifahne draußen.  

Die Analyse: Diese Fahne fungiert als idealer Indikator für die Ankopplung der Thermik und den Talwind.

Weht die Fahne stramm bergauf (Nord)? Dies signalisiert, dass der Talwind die Thermik unterstützt und eine gute Ankopplung herrscht.

Hängt sie schlaff herab? Die Thermik ist zäh, eventuell gibt es eine Inversion oder der Talwind hat noch nicht eingesetzt.

Weht sie aus Ost? Vorsicht! Dies ist ein Frühwarnsystem für den einsetzenden "Bayerischen Wind" (Ostwind aus dem Inntal). Oben am Startplatz mag der Wind noch gut anstehen, aber in der Arbeitshöhe wird die Luft bald zerrissen und turbulent sein. Ein Blick auf die Gorialm kann Ihnen einen bockigen Flug ersparen.

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Strategischer Talseitenwechsel

Einheimische Piloten wenden bei aufkommendem Ostwind eine bewährte Taktik an: Sie verweilen nicht an der Kampenwand, sondern queren das Tal.

Das Problem: Bei Ostwind liegt die Kampenwand als östliche Talbegrenzung ungünstig. Die Strömung kommt seitlich oder leicht von hinten über die Vorberge.

Die Lösung: Sofort nach dem Start wird die Talseite gewechselt, hinüber zur westlichen Seite Richtung Hofalm oder Haindorfer Berg. Diese Flanken werden vom Ostwind direkt angestrahlt (Luv) und bieten oft ruhiges, laminares Soaring, während Piloten an der Kampenwand mit Turbulenzen kämpfen. Diese Entscheidung muss jedoch frühzeitig getroffen werden, bevor man zu viel Höhe verliert.

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Webcams für Profis

Zur Flugvorbereitung ist der Blick auf die Webcam obligatorisch. Doch welche Kamera liefert die relevanten Daten?

Kampenwand / Andachtskreuz: Die Webcam von foto-webcam.eu bietet die beste Bildqualität. Sie blickt nach Norden über den Chiemsee.  

Analyse: Achten Sie nicht nur auf den Nebel im Tal. Schauen Sie auf die Wolkenbildung über dem Chiemsee und die Windfahnen im Bild. Zeigen sich Schaumkronen auf dem See? Dies deutet auf starken Talwind oder Fronten hin.

Hochries-Cams: Da die Hochries westlich liegt, geben ihre Webcams Aufschluss über die überregionale Westströmung. Wenn es an der Hochries schon "ballert", wird der Wind an der Kampenwand bald folgen.

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Flugphasen und Thermikquellen

Nach dem Start beginnt die Suche nach dem Aufwind. Wo stehen die "Hausbärte"?

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Der "Hotelbart"

Direkt links vor dem oberen Startplatz (Hotelhang) löst sich oft die erste Thermik ab. Durch die Kanten des Gebäudes und die Geländeform ist dieser Bart oft eng und etwas zerrissen. Hier ist präzises Zentrieren gefordert, oft unter den Augen der Zuschauer.

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Der "Felskopf" (Hirschenstein)

Westlich neben dem unteren Startplatz liegt ein markanter kleiner Felskopf mit einem Windsack. Dies ist eine klassische Abrisskante (Triggerpunkt). Hier steht oft der zuverlässigste und stärkste Bart des Gebietes. Er ist meist einfacher zu zentrieren als der Hotelbart und zieht sauber nach oben durch.

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Die Scheibenwand

Südlich der Startplätze lockt die mächtige Felswand der Scheibenwand. Sie heizt sich in der Sonne enorm auf und produziert starke Thermik. Aber: Ein Anflug ist nur ratsam, wenn man sicher über Grathöhe ist oder der überregionale Wind absolut passt. Bei der geringsten Südkomponente oder Unklarheit ist dieser Bereich tabu (Lee-Gefahr!).

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Streckenflug (XC) Potential

Für Streckenflieger ist die Kampenwand ein guter Ausgangspunkt, auch wenn sie nicht ganz die "Rennstrecken-Qualität" der Pinzgauer Grasberge besitzt.

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Route Ost: Zum Hochfelln

Der Klassiker ist der Flug nach Osten Richtung Hochfelln.

Start und Höhengewinn an der Kampenwand (Hirschenstein).

Querung zur Hochplatte. Hier muss man oft geduldig suchen, da der Talwind zwischen den Bergen stark sein kann.

Weiterflug zum Hochfelln. Der Hochfelln ist ein thermisch sehr zuverlässiger Berg und markiert oft den Wendepunkt für kleinere Aufgaben.

Rückflug auf derselben Route. Herausforderung: Die Querung der Täler erfordert eine gute Einschätzung der Talwindsysteme, die einen tief in die Einschnitte ziehen können ("Venturi-Effekt").

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Route West: Zur Hochries

Der Weg nach Westen zur Hochries ist mühsam, da man oft gegen den vorherrschenden Westwind anfliegen muss. Bei seltenen Ostlagen kann dies jedoch eine schnelle Strecke sein. Die Hochries selbst ist ein exzellentes Fluggebiet, und ein Wechsel dorthin (mit Rückholung per Bahn/Auto) ist eine beliebte Option für One-Way-Strecken.

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Luftraumstruktur

Der Luftraum im Chiemgau ist im Vergleich zum Hochgebirge (Innsbruck) oder der Nähe zu Flughäfen (Salzburg) relativ entspannt, aber nicht regelfrei.

Grenze: Beachten Sie die Nähe zur österreichischen Grenze.

Salzburg: Wer weit nach Osten fliegt, nähert sich dem kontrollierten Luftraum des Flughafens Salzburg. Aktuelle ICAO-Karte ist Pflicht.

Segelflug: An guten Tagen ist der Luftraum voll mit Segelfliegern. Ein FLARM-Gerät zur Kollisionswarnung ist dringend empfohlen, da Segelflieger oft deutlich schneller unterwegs sind und Gleitschirme schwer sehen.

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Der Landeanflug in Aschau

Der Landeplatz in Aschau erfordert volle Konzentration. Er ist kein riesiges Feld, sondern eine definierte Wiese mit Hindernissen.

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Lage und Anflug

Der offizielle Gleitschirm-Landeplatz befindet sich am Naturfreibad (Moorbad) in Aschau.

Koordinaten: N47°46.920 E12°20.004.  

Höhe: 600 m MSL.

Trennung: Es gibt separate Bereiche für Drachen und Gleitschirme. Die Gleitschirmwiese liegt südlich des Hochseilgartens, die Drachenwiese westlich davon. Gleitschirme haben auf der Drachenwiese nichts verloren (außer im Notfall), da unterschiedliche Anflugmuster kollisionsgefährlich sind.

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Die Volte und Hindernisse

Aufgrund des vorherrschenden Talwindes (meist Nord) wird in der Regel eine Linksvolte geflogen.  

Positionskreis: Westlich des Landeplatzes Höhe abbauen.

Gegenanflug: Parallel zum Landeplatz Richtung Süden.

Queranflug: Südlich des Landeplatzes.

Endanflug: Gegen den Wind nach Norden auf die Wiese.

Gefahren:

Hochseilgarten: Nördlich der Landewiese steht ein Hochseilgarten mit hohen Masten und Bäumen. Bei einer leichten Ostkomponente im Talwind steht dieser im Luv des Landeplatzes, was Turbulenzen im Endanflug verursachen kann. Halten Sie ausreichend Abstand und fliegen Sie nicht zu tief über die Anlage.

Wasserschutzgebiet: Östlich der Wiese befindet sich ein eingezäuntes Wasserschutzgebiet. Der Zaun ist oft mit Stacheldraht versehen und aus der Luft schwer zu erkennen. Halten Sie sich von der östlichen Begrenzung fern!  

Hohes Gras: Manchmal ist die Wiese nicht gemäht. Einheimische Piloten warnen davor, deshalb auf Nachbarwiesen auszuweichen. Landen Sie immer auf der offiziellen Fläche, auch im hohen Gras. Außenlandungen verärgern die Landwirte massiv und können zur Sperrung des Geländes führen.

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"Absaufen" im Tal

Sollten Sie auf dem Weg zum Landeplatz zu tief kommen, besonders im Bereich südlich von Hohenaschau (Schloss), ist Vorsicht geboten. Der Talwind zieht hier oft stark durch. Wer zu tief ist, schafft es gegen den Wind oft nicht mehr zum Landeplatz. Planen Sie immer mit ausreichender Reservehöhe (mind. 300-400m über Grund bei Ankunft im Talbereich), um den Landeplatz sicher zu erreichen.

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Gefahrenanalyse und Risikomanagement

Zusammenfassend lassen sich die Hauptgefahren in drei Kategorien einteilen:

Meteorologisch:

Südföhn (Lee): Absolutes Flugverbot. Indikatoren: Lenticularis-Wolken, Föhnmauer, Windsack am Gipfel (nicht Startplatz!).

Starker Ostwind ("Bayerischer"): Zerrissene Thermik, Turbulenzen. Indikator: Blaue Fahne an der Gorialm weht aus Ost.

Gewitter: Im Sommer oft schnelle Entwicklung über den Bergen. Der Chiemgau ist gewitterreich.

Topographisch:

Lee der Scheibenwand: Nie unter Grathöhe südlich der Startplätze fliegen.

Hochseilgarten: Turbulenzen bei Landung.

Menschlich:

Gruppendruck: Starten, weil alle starten (auch wenn die Bedingungen fragwürdig sind).

Selbstüberschätzung: XC-Versuche bei marginalen Bedingungen.

Case Study aus dem Forum : Ein Pilot startete trotz herannahender Front ("Wetter war schon bäh") mit einem EN-B Schirm (Ozone GEO5). Er kämpfte massiv, musste abspiralen, erhielt beim Ausleiten einen Frontklapper und wurde durchgeschüttelt. Währenddessen beobachteten andere Piloten das Szenario. Lehre: Die Fronten ziehen im Voralpenland oft schneller als gedacht. Wenn der Himmel dunkel wird oder der Wind unvorhersehbar dreht: Landen, nicht kämpfen.

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Naturschutz und Koexistenz: Das Steinadler-Projekt

Ein besonderes Augenmerk gilt dem Artenschutz. Die Kampenwand ist Lebensraum des Steinadlers. Das "Steinadler-Projekt" ist eine Kooperation zwischen dem DHV, lokalen Vereinen und Naturschutzbehörden.  

Brutzeit (Horstschutzzone): Während der Brut (meist Januar bis Juli/August) werden um den Horst Schutzzonen eingerichtet. In diesen Zonen herrscht absolutes Flugverbot.

Aktuelle Infos: Piloten müssen sich vor jedem Flug (besonders im Frühjahr) über den Status informieren. 2025 wurde die Zone südlich der Kampenwand aufgehoben, da die Brut abgebrochen wurde , doch dies kann sich im Folgejahr ändern.  

Verhalten: Sehen Sie einen Adler (besonders im "Girlandenflug" / Wellenflug, der Balz signalisiert), drehen Sie sofort ab. Stören Sie nicht.

Wildschutz: Im Winter und Frühjahr sollten die südseitigen Hänge (Gams-Einstände) mit großem Abstand überflogen werden, um das Wild nicht aufzuscheuchen.

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Alternativen und Ausweichgebiete

Wenn der Wind an der Kampenwand nicht passt (z.B. Südwind oder starker Ostwind), bieten sich folgende Alternativen an:

Kössen (Unterberghorn / Österreich): Ca. 25-30 Min. Autofahrt. Das Unterberghorn ist bekannt als "Föhn-Ausweichgebiet", da es etwas geschützter liegt. Dennoch gilt auch hier Vorsicht bei starkem Föhn. Die Infrastruktur ist extrem fliegerfreundlich (Fliegerbar, Shuttle).

Hochries (Samerberg): Westlich der Kampenwand. Bietet bei reinem Westwind oft bessere Soaring-Bedingungen. Hat ebenfalls eine Bergbahn und ist ein Top-Streckenflugberg.

Hochfelln (Bergen): Östlich der Kampenwand. Anspruchsvollerer Startplatz, aber thermisch sehr ergiebig.

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Gastronomie, Soziales und Vereine

Nach dem Flug ist vor dem Flug. Die soziale Komponente ist an der Kampenwand stark ausgeprägt.

Sonnenalm: Direkt an der Bergstation. Ideal für Kaffee und Kuchen oder das Warten auf besseres Wetter. Hier mischt man sich unter die Touristen.

Gorialm: Der Treffpunkt der Locals. Urig, gute bayerische Küche, und man hat den "blauen Wimpel" im Blick.

Verein: Der Drachen- und Gleitschirmfliegerclub Aschau-Kampenwand e.V. ist der Geländehalter. Er kümmert sich um die Pacht, die Windsäcke und die Verhandlungen mit den Behörden. Gastpiloten sind willkommen, sollten sich aber strikt an die Regeln halten, um die Arbeit des Vereins nicht zu gefährden. Kontakt und aktuelle Infos finden sich oft auf der Webseite kampenwand-flieger.de.  

Fazit

Die Kampenwand ist eine "Grande Dame" des bayerischen Gleitschirmsports – wunderschön, aber mit Allüren. Sie belohnt den geduldigen und wissenden Piloten mit traumhaften Flügen vor einer einzigartigen Seekulisse. Sie bestraft jedoch Unwissenheit und Leichtsinn, insbesondere bei Föhnlagen, gnadenlos. Nutzen Sie diesen Guide als Fundament, aber fliegen Sie stets mit offenen Augen und Respekt vor der Natur. Beobachten Sie die Gorialm-Fahne, respektieren Sie die Adler und landen Sie sicher in Aschau.

Glück ab, gut Land!

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