
2 Startplatzätze, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Aerologische Komplexität und taktische Meisterschaft am Grubigstein: Ein umfassendes Handbuch für den leistungsorientierten Gleitschirmpiloten
Der Grubigstein (2.233 m) in den Lechtaler Alpen, gelegen in der Tiroler Zugspitz Arena, nimmt in der Welt des alpinen Gleitschirmfliegens eine Sonderstellung ein. Während Standard-Geländedatenbanken ihn oft lapidar als "Aussichtsberg mit Blick auf die Zugspitze" klassifizieren , offenbart sich dem erfahrenen Piloten bei näherer Betrachtung ein hochkomplexes aerologisches System. Dieses Fluggebiet ist nicht nur ein Startplatz, sondern eine meteorologische Weiche, an der drei signifikante Talsysteme aufeinandertreffen: das Lechtal (via Zwischentoren) im Westen, das Loisachtal (via Ehrwald/Garmisch) im Osten und das Gurgltal/Inntal (via Fernpass) im Süden.
Für den Streckenflieger (XC-Piloten) und den ambitionierten Thermikflieger bietet der Grubigstein ein Szenario, das technische Präzision, fundierte Wetterkenntnisse und strategische Planung erfordert. Die Nähe zur Zugspitze (2.962 m) und die exponierte Lage machen das Gebiet zu einem Seismographen für überregionale Wetterströmungen. Es ist kein Zufall, dass die Region mehrfach als Wendepunkt für die Red Bull X-Alps ausgewählt wurde – ein Beleg für das enorme Potenzial, aber auch für die anspruchsvollen Bedingungen, die hier herrschen können.
Dieser Bericht geht weit über die Basisinformationen hinaus und analysiert die mikro- und mesoklimatischen Besonderheiten, die taktischen Entscheidungsprozesse für Streckenflüge und die logistische Infrastruktur aus der Perspektive eines Profis. Ziel ist es, ein tiefgreifendes Verständnis für die unsichtbaren Strömungen zu wecken, die über Erfolg oder Misserfolg – und im Extremfall über Sicherheit oder Gefahr – entscheiden.
Um den Grubigstein fliegerisch zu beherrschen, muss man zunächst die "Arena" verstehen, in der man sich bewegt. Das Lermooser Becken ("Moos") liegt auf ca. 1.000 m MSL und bildet einen flachen Kesselboden, der von massiven Gebirgsstöcken eingerahmt wird: dem Wettersteingebirge im Osten (Zugspitze), der Mieminger Kette im Südosten und den Lechtaler Alpen (Grubigstein, Gartnerwand) im Westen.
Die größte Herausforderung und zugleich der Motor für dynamische Flugtage ist die Interaktion der Talwinde. Anders als in geschlossenen Tälern herrscht hier eine Konkurrenzsituation zwischen Luftmassen unterschiedlicher Herkunft.
Der dominierende Talwind an thermisch aktiven Tagen strömt aus Westen, vom Lechtal über den Sattel bei Ehrenberg und durch das Zwischentoren (Bichlbach/Lermoos) in den Kessel ein.
Charakteristik: Er setzt meist gegen Mittag ein und stabilisiert sich am Nachmittag. Seine Stärke kann erheblich sein und erreicht am Landeplatz in Lermoos oft 20–30 km/h.
Bedeutung für die Landung: Wenn sich der Westwind durchsetzt, sind die Landebedingungen laminar, aber sportlich. Er ist der "faire" Wind, solange er nicht durch eine überregionale Westlage auf Sturmstärke angehoben wird.
Aus dem Ehrwalder Becken drückt der Talwind aus Richtung Garmisch-Partenkirchen herein.
Konfliktzone: Wenn der Ostwind und der Westwind etwa gleich stark sind, treffen sie sich im Lermooser Kessel. Dies führt zur Bildung einer Konvergenzzone (Scherungslinie).
Indikatoren: Piloten können diese Zone oft an einer Linie von Cumuluswolken erkennen, die sich quer über das Tal bildet, oder an einem vertikalen Aufstieg von Dunstschichten.
Gefahr: Im Mischbereich ("Shear Layer") am Landeplatz kann die Windrichtung innerhalb von Sekunden um 180 Grad drehen. Windsäcke an verschiedenen Ecken des Landeplatzes zeigen dann oft gegensätzliche Richtungen an. Ein Landeanflug in dieser Phase erfordert maximale Aufmerksamkeit und eine flexible Einteilungsstrategie.
Ein für die Region spezifisches Phänomen ist der "Bayerische Wind". Er ist kein klassischer thermischer Talwind, sondern ein Ausgleichswind.
Entstehung: Er tritt oft auf, wenn nördlich der Alpen (München/Voralpenland) hoher Luftdruck herrscht und inneralpin der Druck fällt (z.B. postfrontal oder bei Hitzetiefs im Süden). Die kältere, schwerere Luftmasse strömt aus dem Voralpenland über den Sattel bei Griesen/Ehrwald als NNO-Wind in den Kessel.
Auswirkung am Grubigstein: Er fließt wie Wasser über die Pässe und füllt den Talkessel von unten auf. Dies kann die Thermikbasis "deckeln" (Inversion). Während es am Gipfel noch thermisch aktiv sein mag, findet man sich nach dem Start schnell in einer stabilen, laminaren und sinkenden Luftmasse wieder.
Lee-Gefahr: Da der Bayerische Wind aus NNO kommt, liegen die Südhänge des Grubigsteins und der Gartnerwand im Lee dieser Strömung, wenn sie hoch genug reicht, um über die Kämme zu schwappen (was selten ist, meist umfließt er die Massive). Kritischer ist das Lee der nördlichen Begrenzung (Daniel/Upsspitze).
Eine der signifikantesten Gefahrenquellen, die in Standard-Briefings oft zu kurz kommt, ist der "Saug-Effekt" am Fernpass. Der Fernpass ist die niedrigste orographische Öffnung (1.212 m) nach Süden ins Inntal.
Mechanismus: An thermisch guten Tagen entwickelt das Inntal ein massives Talwindsystem (Ostwind im Inntal). Dieser "Inntalwind" saugt Luftmassen aus den Seitentälern an. Das Gurgltal fungiert dabei als Staubsaugerschlauch, der Luft aus dem Lermooser Becken über den Fernpass abzieht.
Die Gefahr: Piloten, die sich südlich des Grubigstein-Gipfels aufhalten und zu tief geraten (unter ca. 1.800 m), können in diesen beschleunigten Luftstrom geraten. Die Windgeschwindigkeit nimmt in der Düse des Passes drastisch zu (Venturi-Effekt).
Szenario: Ein Pilot fliegt vorwärts Richtung Norden (zum Landeplatz), wird aber relativ zum Boden rückwärts Richtung Süden (Nassereith) gespült. Das Gelände südlich des Fernpasses fällt steil und bewaldet ab ("Afrig"), und eine Landung dort ist extrem risikobehaftet bis unmöglich.
Taktische Regel: Fliegen Sie niemals tief in den Bereich südlich der Linie Grubigstein-Gipfel – Gartnerwand ein, es sei denn, Sie haben eine garantierte Arbeitshöhe von mindestens 2.000 m oder planen einen gezielten Streckenflug ins Inntal (siehe Abschnitt 6.2).
Die Basis für einen erfolgreichen Flugtag ist eine reibungslose Logistik. Die Bergbahnen Langes bieten hier eine hervorragende Infrastruktur, die jedoch ihre Eigenheiten hat.
Der Transport zum Startplatz erfolgt in zwei Sektionen:
Grubigsteinbahn I (6er Sessel/Gondel): Von der Talstation (ca. 1.000 m) zur Mittelstation (Brettlalm, 1.338 m).
Grubigsteinbahn II (10er Gondel "Grubig II"): Von der Mittelstation zur Bergstation (Grubighütte, 2.028 m).
Preisstruktur und Empfehlungen
Für Gleitschirmflieger gibt es spezifische Ticketoptionen, die wirtschaftlicher sind als Standard-Wandertickets :
Gleitschirmticket (Einzelfahrt): Eine Bergfahrt bis zum Gipfel kostet ca. 21,00 - 30,30 € (Saisonabhängig, Preise 2024/25 prüfen).
Das "Z-Ticket": Für Piloten, die einen längeren Aufenthalt (ab 3 Tagen) planen, ist das Z-Ticket der Tiroler Zugspitz Arena oft die beste Wahl. Es inkludiert eine tägliche Berg- und Talfahrt und amortisiert sich schnell, wenn man auch andere Aktivitäten nutzt.
Bikepark-Tickets: Achtung, im Sommer teilen sich Flieger die Bahn mit Mountainbikern. Die "Bikepark"-Tickets inkludieren oft die Mitnahme von Sportgeräten (Gleitschirm gilt als solches), sind aber teurer als reine Fußgängertickets. Prüfen Sie an der Kasse explizit nach "Paraglidertickets", da diese oft nicht groß beworben werden.
Direkt an der Talstation (Adresse: Juch 3) befindet sich die Flugschule Alex Rauter. Sie ist der zentrale Anlaufpunkt für:
Tageszulassungen: Gewerbliche Tandemflüge sind am Grubigstein untersagt. Private Tandemflüge sind erlaubt, erfordern aber zwingend eine Tageszulassung, die in der Flugschule gegen Vorlage von Lizenz und Versicherungsnachweis (Passagierhaftpflicht) ausgestellt wird. Dies ist eine wichtige regulatorische Hürde, um "Wildwuchs" zu vermeiden.
Wetter-Briefing: Die Flugschule betreibt eigene Holfuy-Wetterstationen an den Startplätzen (z.B. "Grubig Süd", "Grubig West"). Da diese Daten oft genauer sind als die öffentlichen Prognosen, lohnt sich ein kurzer Besuch oder Blick auf die Website der Schule vor dem Auffahren.
Die Wahl der Unterkunft kann die Logistik erheblich vereinfachen:
Camping: Das "Happy Camp" in Lermoos liegt strategisch günstig im Talboden. Es bietet direkten Blick auf den Landeplatz und die Windfahnen, sodass man beim Frühstück die Windsituation beurteilen kann.
Hüttenübernachtung: Die Wolfratshauser Hütte (1.753 m) ist ein Geheimtipp. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zum gleichnamigen Startplatz. Eine Übernachtung hier ermöglicht "Sunrise-Flights" oder den Start, bevor der Talwind im Tal zu stark wird.
Hotels: Hotels wie das "Hotel Post" oder "Mohr Life Resort" bieten gehobenen Wellness-Komfort, sind aber auch teurer. Viele Hotels in Lermoos sind auf Sporttourismus eingestellt und bieten Trockenräume für Ausrüstung.
Der Grubigstein verfügt über eine Vielzahl von Startplätzen, die je nach Windrichtung und Könnenstufe variieren. Die Wahl des richtigen Startplatzes zur richtigen Tageszeit ist entscheidend.
Hier befinden sich die Hauptstartplätze auf ca. 2.050 m MSL.
Lage: Unmittelbar links beim Ausgang der Bergstation.
Charakteristik: Einfache, mäßig steile Wiese.
Beste Zeit: Vormittags bis früher Nachmittag.
Aerologie: Dies ist der Haupteinstieg in den "Südkessel" (siehe 5.1). Bei reinem Südwind oder leichtem Ostwind ideal.
Gefahr: Bei starkem Westwind liegt dieser Platz im Lee des Gipfelaufbaus! Turbulenzen möglich.
Lage: Rechts der Bergstation, Richtung Gipfelkreuz.
Charakteristik: Wiesenstart.
Kritische Gefahr: Über dem Startbereich verläuft eine Stromleitung zur Versorgung der Gipfelstation. Bei starker Thermik und gleichzeitigem dynamischen Aufwind besteht die akute Gefahr, nach dem Abheben in die Leitung gedrückt zu werden.
Taktik: Wenn der Wind stark ansteht oder die Thermik bockig ist, steigen Sie unbedingt einige Meter weiter ab ("unter die Leitung"), um mehr Sicherheitsabstand zu gewinnen.
Lage: Über eine Treppe/Zaunübertritt links der Station erreichbar.
Charakteristik: Mittelsteiles Gelände.
Spezifische Warnung: Nach kalten Nächten fließt hier vormittags oft ein lokaler Kaltluftfluss ("Fernpasswind") aus WSW den Hang hinab oder quer dazu (10–25 km/h).
Fehleranalyse: Unerfahrene Piloten interpretieren diesen Wind fälschlicherweise als "guten Startwind". Es handelt sich jedoch um abfließende Kaltluft oder eine Leeströmung, die nicht trägt. Wer hier hinein startet, erlebt oft ein massives "Absaufen" und zerrissene Thermik.
Regel: Warten Sie am SW-Startplatz zwingend, bis der Wind auf SO (thermisch) dreht oder der überregionale Westwind (nachmittags) sauber durchgreift.
Lage: Ca. 10–15 Minuten Fußmarsch von der Station nach rechts (nördlich).
Charakteristik: Anspruchsvoller Klippenstart. Kurzer Anlauf, dann senkrecht abfallend.
Zielgruppe: Nur für routinierte Piloten mit sicherem Startverhalten (Rückwärtsaufziehen).
Potenzial: Hier steht der nachmittägliche Talwind aus Reutte (Westwind) oft laminar und perfekt an, wenn an den Ost-Startplätzen schon Lee-Rotoren oder Rückenwind herrschen. Es ist der "Spätnachmittags-Retter" und der Einstieg für Soaringflüge an der Gartnerwand.
Sollte der Wind am Gipfel zu stark sein ("Föhnspitzen" oder Höhenwind), bieten die tieferen Plätze Schutz:
Wolfratshauser Hütte (1.753 m): Erreichbar durch Wanderung (15 Min). Ausrichtung NO-SO. Gutmütiger Wiesenstart. Oft fliegbar, wenn oben 30 km/h blasen.
Skihütte / Wasserloch (1.900 m): Einfache Plätze an der Skipiste. Vorsicht vor Weidezäunen und Skifahrern im Winter.
Sobald man in der Luft ist, beginnt das taktische Spiel. Der Grubigstein bietet verlässliche, aber scharf abgegrenzte Thermikquellen.
Der primäre Thermikmotor ist der Kessel direkt südlich unterhalb des SO-Startplatzes.
Struktur: Der Kessel ist mit Latschenkiefern und Fels durchsetzt – ideale Kontrastflächen für Thermikablösung.
Taktik: Nach dem Start am SO-Platz fliegt man direkt in diesen Kessel ein. Suchen Sie die Ablösung nicht zu nah am Relief, da der Kessel trichterförmig wirkt.
Pulsieren: Die Thermik hier ist zyklisch. Wenn Sie absaufen, haben Sie oft noch eine Chance an der "Zirbe" (tieferer Grat) oder an der Wolfratshauser Hütte, bevor Sie zum Landeplatz müssen.
Ein "Insider-Tipp" für den Nachmittag ist die Konvergenzlinie nördlich des Talkessels.
Phänomen: Wenn der Westwind (Reutte) um den Daniel (2.340 m) und die Upsspitze strömt, trifft er im Lee (auf der Lermooser Seite) oft auf thermische Aufwinde oder den Ostwind.
Nutzung: Diese Konvergenz steht oft wie eine Mauer und ermöglicht sportliches Steigen, selbst wenn die normale Thermik schwächelt. Sie ist der Schlüssel, um zur Mieminger Kette zu springen oder Höhe für das Abendsoaring zu tanken.
Warnung: Konvergenzen sind turbulent. Aktives Schirmhandling ist Pflicht.
Am späten Nachmittag, wenn der Westwind laminar steht, verwandelt sich die Gartnerwand (westlich des Grubigsteins) in ein Soaring-Paradies.
Route: Man quert vom NW-Startplatz oder nach Thermikgewinn am Gipfel nach Westen.
Erlebnis: Die steilen Felswände der Gartnerwand bieten kilometerlanges, stressfreies Soaring im dynamischen Aufwind bis in den Sonnenuntergang. Dies ist oft der ästhetische Höhepunkt eines Flugtages in Lermoos.
Der Grubigstein ist ein exzellenter Ausgangspunkt für FAI-Dreiecke und Streckenflüge, erfordert aber eine genaue Routenplanung, um nicht in den Sackgassen der Täler zu landen.
Ein geschlossenes Dreieck innerhalb der Sichtweite des Landeplatzes ist die sicherste Option.
Schenkel 1: Start Grubigstein -> Querung nach Westen zur Gartnerwand -> Wende bei Bichlbach/Berwang.
Schenkel 2: Querung des Talkessels nach Norden zum Daniel/Upsspitze. Hierbei muss der Talwind (oft starker Westwind im Tal) berücksichtigt werden – Vorhaltewinkel beachten!
Schenkel 3: Soaring am Daniel/Upsspitze und Nutzung der Konvergenz, dann Querung Richtung Plattberg oder direkt zurück zum Grubigstein/Landeplatz.
Vorteil: Man hat fast immer Gleitwinkel zum sicheren Landeplatz im Moos.
Dies ist die "Königsroute" Richtung Inntal, birgt aber das höchste Risiko (siehe Abschnitt 2.2 "Fernpass-Sog").
Vorbereitung: Maximale Höhe am Grubigstein machen (Basishöhe, idealerweise 2.500 m+).
Die Querung: Man fliegt mit Rückenwind (Nordwind-Komponente oder Bayerischer Wind) über den Fernpass Richtung Süden. Ziel ist der Tschirgant oder die Hänge bei Nassereith/Imst.
Das Risiko: Wenn man zu tief ankommt, wird man in die Düse bei Nassereith gespült. Dort gibt es kaum Landemöglichkeiten (steile Wiesen, Leitungen, Verkehr).
Der Rückweg: Gegen den Talwind (oft Nordwind am Pass oder Bayerischer Wind) zurückzukommen, ist extrem schwer. Viele Piloten planen dies als "One-Way"-Ticket und nutzen den Bus von Imst/Nassereith zurück.
Vom Grubigstein nach Westen Richtung Reutte und weiter ins Lechtal.
Herausforderung: Man fliegt oft gegen den vorherrschenden Westwind.
Taktik: Nutzung der Südflanken der Lechtaler Alpen. Dies funktioniert am besten an Tagen mit schwachem überregionalem Wind oder leichtem Ostwind.
Der Landeplatz in Lermoos ("Im Moos") sieht von oben riesig aus, hat aber Tücken.
Lage: Oberhalb der Talstation, markiert mit Windsack.
Topographie: Leichtes Gefälle.
Hindernisse: Stromleitung am oberen Rand! Ein zu kurzer Endanflug endet in der Leitung oder im Kabel der Bergbahn.
Bodenbeschaffenheit: Wiese. Achten Sie auf Weidezäune, die im Sommer oft versetzt werden.
Wie in Abschnitt 2.1.2 beschrieben, ist die Windrichtung oft nicht eindeutig.
Beobachtung: Checken Sie die Fahnen an der Talstation UND den Windsack am Landeplatz. Widersprüchliche Anzeigen deuten auf die Konvergenz/Scherung hin.
Rechtsvolte: In der Regel wird eine Rechtsvolte geflogen (vom Hang weg).
Die "Falle" der Talstation: Fliegen Sie im Endanflug nicht zu nah über das Gebäude der Talstation. Thermische Ablösungen vom Gebäude oder Düseffekte zwischen den Häusern können zu abruptem Sinken oder Heben kurz vor dem Aufsetzen führen.
Alternative: Bei extremen Bedingungen (z.B. Bayerischer Wind trifft Westwind) weichen viele Piloten auf die großen Wiesen weiter draußen im Moos aus. Achtung: Dies wird von den Bauern nicht gerne gesehen (hohes Gras!). Nutzen Sie dies nur als absolute Sicherheits-Notlandung.
Bedingungen: Stärkste Thermik, hohe Basis.
Gefahr: Der Temperaturgradient ist extrem. Der Schnee auf den Bergen und die bereits warme Sonne im Tal sorgen für heftige Talwindsysteme und ruppige Thermik. Der "Bayerische Wind" ist im Frühjahr oft besonders kalt und schneidend.
Tipp: Beste Zeit für XC-Flüge, aber anspruchsvoll.
Bedingungen: Thermik setzt früher ein, ist aber oft "weicher" als im Frühjahr. Gewittergefahr am Nachmittag beachten!
Logistik: Hochbetrieb durch Touristen und Biker. Wartezeiten an der Bahn einplanen.
Bedingungen: Die "Golden Season". Stabile Schichtungen, sanftere Thermik, traumhafte Fernsicht.
Inversion: Oft bildet sich eine Inversion im Tal, die schwer zu durchstoßen ist. Startplätze am Gipfel liegen oft über der Inversion.
Fernpasswind: Die morgendlichen Kaltluftflüsse (SW-Startplatz) halten im Herbst oft bis zum Mittag an.
Ski & Fly: Startplätze sind oft präpariert oder festgetreten. Start mit Skiern ist möglich und beliebt.
Thermik: Kaum vorhanden, meist reine Abgleiter.
Kleidung: Beheizbare Handschuhe sind Pflicht, da der Fahrtwind bei -10°C extrem auskühlt.
Der Grubigstein ist ein Fluggebiet mit zwei Gesichtern: Einem einladenden Lächeln in Form von perfekter Infrastruktur und traumhaftem Panorama, und einem ernsten Blick in Form von komplexen Windsystemen und Lee-Fallen.
Die drei goldenen Regeln für den Grubigstein-Piloten:
Traue keinem Talwind: Rechne im Lermooser Becken jederzeit mit abrupten Windwechseln (West vs. Ost vs. Bayerisch) und plane den Landeanflug mit Reserven.
Meide den Fernpass-Sog: Die Linie Grubigstein-Gartnerwand ist die südliche "Hard Deck"-Grenze, solange man nicht über massig Höhe verfügt.
Geduld am Morgen: Der SW-Wind am Startplatz ist oft katabatisch. Ein Start hinein ist der sicherste Weg, den Flugtag nach 5 Minuten zu beenden. Warten auf thermische Ablösung oder den Westwind lohnt sich.
Wer diese Regeln verinnerlicht und das Gelände nicht nur als Startrampe, sondern als aerologisches Puzzle betrachtet, wird am Grubigstein Flüge erleben, die in Erinnerung bleiben – sei es das abendliche Soaring an der Gartnerwand im roten Licht der untergehenden Sonne oder das erfolgreiche Schließen eines FAI-Dreiecks rund um den Daniel.