
4 Startplatzätze, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Gleitschirm-Report: Das Phänomen „Elm“ – Der ultimative Guide für Piloten in Österreich, Deutschland und der Schweiz Executive Summary: Die geografische Trias und die Notwendigkeit der Differenzierung
Die Recherche zu Ihrer Anfrage nach dem Gleitschirm-Startplatz "Elm" in Deutschland oder Österreich offenbart eine bemerkenswerte geografische und fliegerische Ambiguität, die in Standard-Datenbanken wie dem DHV oft nur unzureichend aufgelöst wird. Um einen Guide zu erstellen, der den Anspruch erhebt, "besser als der offizielle DHV-Eintrag" zu sein, müssen wir zunächst die Verwirrung entflechten, die diesen Namen umgibt. Es existieren im deutschsprachigen Raum drei signifikante Standorte, die mit dem Namen "Elm" assoziiert sind und für Gleitschirmflieger relevant sein können. Jeder dieser Orte repräsentiert eine völlig andere Disziplin unseres Sports: das hochalpine Abenteuer, das technische Soaring im Mittelgebirge und das infrastrukturell erschlossene Thermikfliegen.
Erstens existiert im Toten Gebirge in Österreich (Steiermark) der Gipfel Elm, der 2.128 Meter hoch aufragt. Dieser Standort entspricht exakt Ihrer geografischen Eingrenzung "Österreich". Er ist kein klassisches Fluggebiet mit Bergbahn und Windsack am Startplatz, sondern ein hochalpines Hike & Fly-Ziel, das physische Fitness und alpinistische Erfahrung voraussetzt. Die Infrastruktur beschränkt sich auf eine Schutzhütte (Pühringerhütte) und Wanderwege. Für den puristischen Piloten, der Einsamkeit und Naturerlebnis sucht, ist dies das "wahre" Elm.
Zweitens findet sich in Deutschland im Bundesland Saarland der Ortsteil Schwalbach-Elm in unmittelbarer Nähe zur Bergehalde Ensdorf. Auch wenn der Startplatz oft unter "Ensdorf" oder "Saarpolygon" geführt wird, ist er lokal als das Fluggebiet bei Elm bekannt. Hier steht das Soaring an künstlichen Erhebungen der Industriekultur im Vordergrund. Es ist ein technisch anspruchsvolles, aber logistisch einfaches Gelände, das von lokalen Vereinen wie den Gleitschirmfreunden Hochwald betreut wird. Ferner gibt es in Niedersachsen den Höhenzug Elm-Lappwald, der jedoch primär für Wanderer und weniger als eigenständiger Bergstartplatz von überregionaler Bedeutung in Erscheinung tritt , weshalb der Fokus des deutschen Teils dieses Reports auf dem Saarland liegen wird.
Drittens – und das ist entscheidend für das Verständnis der meisten Online-Informationen – gibt es das weltbekannte Elm im Kanton Glarus in der Schweiz. Da Ihre Anfrage spezifisch nach "Bergbahnen", "Shuttles" und "Infrastruktur" fragte, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie eigentlich dieses Gebiet meinen könnten, es aber fälschlicherweise in Deutschland oder Österreich verorten. Dieses Schweizer Elm bietet die volle logistische Unterstützung, die in den anderen beiden Gebieten fehlt.
Dieser Report wird daher eine umfassende Analyse aller drei Standorte vornehmen, mit einem klaren Schwerpunkt auf dem österreichischen Gipfel (da dieser Ihrer geografischen Anforderung am besten entspricht) und dem Schweizer Gebiet (als Referenz für Infrastruktur).
Teil I: Elm (Totes Gebirge, Österreich) – Das alpine Juwel
Der Startplatz für Puristen, Alpinisten und Hike & Fly-Spezialisten
Dieser Abschnitt behandelt den Standort, der Ihre geografischen Kriterien "Österreich" erfüllt. Der Elm im Toten Gebirge ist kein Fluggebiet für den schnellen Konsum. Er ist ein Berg, der erarbeitet werden will. Wer hier startet, tut dies meist allein oder in einer kleinen Gruppe von Gleichgesinnten. Es gibt keinen Startleiter, keinen Windsack (außer vielleicht einem provisorischen Stock mit Flatterband) und keine Seilbahn.
Der Elm ist mit seinen 2.128 Metern einer der markanten Gipfel im zentralen Teil des Toten Gebirges in der Steiermark. Er thront über dem steirischen Salzkammergut und bietet einen atemberaubenden Blick über die Karsthochfläche bis hin zum Dachsteinmassiv.
Hard Facts:
Gipfel: Elm
Gebirge: Totes Gebirge (Steiermark/Österreich)
Höhe Startplatz: 2.128 m über dem Meeresspiegel (Gipfelbereich).
Höhe Landeplatz: ca. 730 m (Wiesen bei Gößl am Grundlsee).
Höhendifferenz: ~1.400 Höhenmeter (Ein massiver, langer Abgleiter).
GPS-Koordinaten Start: N 47° 40' 58", E 13° 58' 04" (Gipfelbereich, approximiert).
Startrichtung: Süd bis West (S - W). Ideal ist eine leichte Südwest-Komponente, da diese den Hang direkt anströmt.
Schwierigkeitsgrad: Alpin anspruchsvoll. Der Startplatz selbst ist eine Wiese, aber das umgebende Gelände ist hochalpin, karstig und fehlerunverzeihend.
Charakteristik des Startplatzes
Der Gipfelbereich des Elm ist für das Tote Gebirge typisch: eine Mischung aus schroffen Kalkfelsen und dazwischenliegenden Graspolstern. Die Startmöglichkeiten befinden sich direkt unterhalb des Gipfels auf den süd- bis südwestseitigen Wiesenflächen. Der Untergrund kann durchsetzt sein mit kleineren Felsbrocken, was eine sorgfältige Leinenkontrolle vor dem Start unabdingbar macht. Es ist kein "Teppich-Startplatz". Bei Nullwind muss hier entschlossen angelaufen werden, da die Luftdichte auf über 2.100 Metern bereits spürbar geringer ist und der Auftrieb später einsetzt als im Tal.
Im Gegensatz zu den komfortablen Fluggebieten der Schweiz gibt es hier keine mechanische Aufstiegshilfe. Der Pilot ist sein eigener Shuttle. Dies filtert das Publikum stark und garantiert Ruhe am Gipfel.
Route A: Der Klassiker von Gößl (Grundlsee)
Dies ist die populärste Route für Hike & Fly Piloten, da sie logistisch am einfachsten zu handhaben ist (Start und Landung am selben Ort).
Ausgangspunkt: Parkplatz im Ortsteil Gößl am Ende des Grundlsees (ca. 800 m). Beachten Sie, dass Parkplätze am Grundlsee, besonders im Sommer, kostenpflichtig und schnell belegt sein können. Frühes Anreisen ist essenziell.
Wegverlauf: Vom Parkplatz folgt man dem markierten Wanderweg Nr. 214. Der Weg führt zunächst durch bewaldetes Gebiet hinauf zum Vorderen Lahngangsee. Dieser erste Abschnitt ist bereits steil und schweißtreibend.
Zwischenstationen:
Vorderer Lahngangsee: Ein malerischer Bergsee, der zu einer ersten Rast einlädt.
Hinterer Lahngangsee: Der Weg führt weiter vorbei am hinteren See.
Pühringerhütte (1.638 m): Nach dem Passieren der Lahngangseen und einer Querung über das Hochmoor erreicht man die Pühringerhütte. Bis hierhin sollten Sie mit ca. 3 bis 4 Stunden Gehzeit rechnen, abhängig von Ihrer Kondition und dem Gewicht der Ausrüstung.
Der Gipfelanstieg: Von der Pühringerhütte zum Elm-Gipfel sind es nochmals ca. 500 Höhenmeter. Der Weg wird hier alpiner. Er führt über Karstgelände, Schotter und steilere Grashänge. Dieser Abschnitt erfordert Trittsicherheit. Rechnen Sie mit weiteren 1,5 Stunden.
Gesamtdauer: Ein gut trainierter Hike & Fly Pilot benötigt für die ~1.350 Höhenmeter ca. 4 bis 5 Stunden reiner Gehzeit.
Route B: Die Nord-Süd-Überschreitung (Vom Almsee)
Eine alternative, logistisch aber komplexere Route startet in Oberösterreich.
Ausgangspunkt: Almsee bei Grünau im Almtal.
Route: Über den "Sepp-Huber-Steig" (Weg 213/214) zur Pühringerhütte.
Schwierigkeit: Der Sepp-Huber-Steig beinhaltet seilversicherte Passagen (Riesengleitersteig) und ist technisch anspruchsvoller als der Aufstieg von Gößl.
Das Logistik-Problem: Wenn Sie vom Almsee aufsteigen und (wie meistens üblich) nach Süden Richtung Grundlsee fliegen, landen Sie in einem anderen Bundesland und Tal. Sie benötigen zwingend ein organisiertes Shuttle oder müssen den öffentlichen Nahverkehr (sehr umständlich) nutzen, um zurück zum Almsee zu kommen. Diese Route empfiehlt sich nur für Piloten, die eine komplette Durchquerung planen.
Übernachtungsmöglichkeit: Pühringerhütte
Die Pühringerhütte ist der strategische Knotenpunkt für diese Tour. Sie liegt auf 1.638 m und bietet Übernachtungsmöglichkeiten.
Geheimtipp für Genussflieger: Steigen Sie am Nachmittag gemütlich zur Hütte auf, genießen Sie den Abend in den Bergen und brechen Sie am nächsten Morgen früh zum Gipfel auf. So sind Sie garantiert vor der thermischen Entwicklung am Startplatz und können oft bei ruhigen Verhältnissen starten. Zudem verteilt sich die körperliche Anstrengung auf zwei Tage.
Kontakt: Telefon +43 660 4086730 (geöffnet Mai bis Mitte Oktober). Reservierung ist dringend empfohlen, besonders an Wochenenden.
Das Tote Gebirge ist ein massiver Kalkstock, der als Wetterscheide fungiert. Die meteorologischen Bedingungen können sich hier rasch ändern.
Windsysteme und Gefahren
Startrichtung: Der Startplatz ist nach Süd bis West ausgerichtet. Dies ist ideal für thermische Flüge, da die Sonne die Südflanken ab dem späten Vormittag aufheizt.
Nordwind (Gefahr!): Das Tote Gebirge ist nach Norden hin offen und oft Staulagen ausgesetzt. Bei einer prognostizierten Nordströmung ist der Start am Elm lebensgefährlich. Der Gipfel liegt dann im Lee der nördlichen Kanten oder wird von Rotoren überspült. Auch wenn am Startplatz Windstille herrscht, kann wenige Meter darüber der Nordwind scheren. Ein genauer Blick auf die 2000er und 3000er Windprognose ist überlebenswichtig.
Talwind Grundlsee: Im Tal am Grundlsee (Landeplatz) entwickelt sich an thermischen Tagen oft ein kräftiger Talwind (Ostwind, auch "Bayerischer Wind" genannt). Dieser kann ab 13:00/14:00 Uhr Stärken erreichen, die eine Landung anspruchsvoll machen oder Rückwärtsfahrten provozieren. Planen Sie Ihren Flug so, dass Sie entweder vor dem Einsetzen des starken Talwinds landen oder über ausreichend Erfahrung im Starkwind-Landen verfügen.
Thermik
Kalk-Thermik: Die hellen Kalkfelsen des Toten Gebirges reflektieren die Sonnenstrahlung stark. Dies führt zu harter, ruppiger Thermik ("Blue Thermals"), die oft eng und turbulent ist.
Hausbart: Lokale Piloten berichten oft von zuverlässigen Aufwindquellen ("Hausbärten") direkt links vom Startplatz über den Geröllfeldern Richtung Rotgschirr oder Wildgößl. Hier sammelt sich die Warmluft aus dem Kessel und löst ab.
Tageszeit: Die beste Zeit für den Start ist der späte Vormittag (ab 10:30/11:00 Uhr), wenn die Thermik einsetzt, aber noch nicht "überentwickelt" ist. Im Hochsommer neigt das Tote Gebirge am Nachmittag schnell zu Gewitterbildungen (Überentwicklungen).
XC-Potential (Streckenflug)
Vom Elm aus starten Piloten oft zu kleineren Streckenflügen entlang der Südkante des Toten Gebirges.
Route: Start am Elm -> Querung zum Salzofen -> weiter Richtung Loser (Altaussee) oder zurück Richtung Osten zum Warscheneck.
Herausforderung: Das Gelände ist weitläufig und landeplatzarm. Wer im Toten Gebirge "absäuft" (landen muss), findet sich oft in unwegsamem Karstgelände wieder, kilometerweit von der nächsten Straße entfernt. Eine Außenlandung auf dem Plateau ist oft unmöglich (Felsspalten, Latschenkiefern). Fliegen Sie immer mit ausreichender Sicherheitshöhe und Gleitwinkelreserve zu den Talrändern.
Die folgenden Informationen finden Sie selten in offiziellen Datenbanken, sondern stammen aus der Erfahrung der lokalen Hike & Fly Community :
Der "Lahngang-Retter": Sollten Sie nach dem Start unerwartet stark sinken und den Gleitwinkel zum Grundlsee nicht schaffen (z.B. bei starkem Gegenwind), sind die Wiesenflächen bei der Pühringerhütte und am Elmsee eine mögliche Notlandewiese. Es ist zwar keine offizielle Landefläche, aber im Notfall die einzige Option, um nicht im Wald oder Fels zu landen. Von dort müssen Sie allerdings wieder absteigen.
Baden gehen: Packen Sie leichte Badebekleidung ein. Der Landeplatz in Gößl liegt nur wenige Gehminuten vom Ufer des Grundlsees entfernt. Es gibt in der Fliegerszene kaum ein schöneres Ritual, als nach einem 1.400-Meter-Flug direkt in den kühlen See zu springen.
Naturschutz: Sie bewegen sich in einem hochsensiblen Naturraum. Das Tote Gebirge ist Rückzugsgebiet für Gams- und Rotwild sowie Steinadler. Vermeiden Sie strikt Tiefflüge über Graten und Felsköpfen, wo Tiere stehen könnten. Respektieren Sie die Natur, um dieses Fluggebiet langfristig zu erhalten.
Teil II: Elm (Saarland, Deutschland) – Soaring an der Industriekultur
Der lokale Spot für Soaring-Piloten und Geschichtsinteressierte
Wenn Sie in Deutschland nach "Elm" suchen, landen Sie unweigerlich im Saarland, in der Gemeinde Schwalbach-Elm bzw. der Nachbargemeinde Ensdorf. Hier ist der Flugsport eng mit der Industriegeschichte der Region verknüpft. Die Flugberge sind keine natürlichen Alpenriesen, sondern von Menschenhand geschaffene Bergehalden des Steinkohlebergbaus.
Der relevante Startplatz, der oft synonym mit "Elm" genannt wird (da er an den Ortsteil Elm grenzt), ist die Bergehalde Ensdorf (auch Halde Duhamel genannt).
Hard Facts:
Standort: Ensdorf/Saarland (nahe Schwalbach-Elm).
Höhe über NN: ca. 300 - 330 m (Gipfelplateau).
Höhendifferenz: ca. 150 m.
Startrichtung: Nord, Ost, Südost bis Südwest (je nach genauer Startstelle auf der Halde).
Schwierigkeitsgrad: Einfach bis Mittel (Soaring).
Das Wahrzeichen: Saarpolygon
Auf dem Gipfel der Halde thront das Saarpolygon, ein begehbares Stahldenkmal, das an den Bergbau erinnert. Für Gleitschirmflieger ist dies eine einzigartige Kulisse. Um das Polygon zu soaren, ist ein besonderes Erlebnis, das man so in den Alpen nicht findet.
Anfahrt: Über die A620 oder A8. Folgen Sie der Beschilderung nach Ensdorf oder zum "Erlebnisort Reden" (für die benachbarte Halde Reden, die oft im gleichen Kontext genannt wird).
Parken: Es gibt Parkplätze am Fuß der Halde. Von dort führt ein Fußweg auf das Plateau.
Aufstieg: Der Aufstieg erfolgt zu Fuß. Es gibt keine Seilbahn für Piloten (obwohl es Pläne für touristische Erschließungen gibt, ist der Pilot auf seine Beine angewiesen). Der Weg dauert ca. 20-30 Minuten.
Soaring: Die Halde steht frei im Saartal und wird vom Wind laminar angeströmt. Dies ermöglicht stundenlanges Soaring bei entsprechenden Windbedingungen.
Thermik: Durch die dunkle Farbe des Abraums heizt sich die Halde bei Sonneneinstrahlung extrem schnell auf. Dies erzeugt oft sehr kräftige, eng begrenzte Thermikblasen, die sich vom Haldenkörper ablösen. Piloten sollten auf turbulente Ablösungen an den Kanten gefasst sein.
Verein: Das Gelände wird unter anderem von den Gleitschirmfreunden Hochwald e.V. betreut.
Wichtig: Gastpiloten sollten zwingend vorab Kontakt aufnehmen oder die Website des Vereins (gleitschirminfo.de) checken. Oft gibt es spezifische Regelungen für Gastflieger oder Tagesmitgliedschaften.
Einschränkungen: Achten Sie auf Luftraumgrenzen, da das Saarland dicht besiedelt ist und Verkehrsflughäfen (Saarbrücken) in der Nähe sein können.
Sollte der Wind an der Halde Ensdorf nicht passen, nutzen lokale Piloten oft die Halde Reden (Landsweiler-Reden).
Halde Reden: Bietet Startmöglichkeiten nach Nord (N) und Ost (O).
Kombination: Durch die Nähe der beiden Halden lässt sich bei fast jeder Windrichtung im Umkreis von wenigen Kilometern fliegen.
Teil III: Exkurs – Elm (Glarus, Schweiz) – Die Infrastruktur-Referenz
Der Guide für den Piloten, der eigentlich in die Schweiz wollte
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Ihre Suche nach "Bergbahnen" und "Shuttles" eigentlich auf diesen Ort abzielte. Elm im Kanton Glarus ist ein weltbekanntes Fluggebiet, das genau diese Infrastruktur bietet. Um diesem Guide den Anspruch auf Vollständigkeit zu geben, analysieren wir diesen Standort mit derselben Tiefe.
In Elm (CH) gibt es nicht nur einen Startplatz, sondern mehrere Optionen, die je nach Wetter und Jahreszeit genutzt werden.
A. Schabell (Der Klassiker) – 2.036 m
Lage: Hochalpin am Grat oberhalb der Baumgrenze.
Erreichbarkeit: Früher per Sessellift. Aktuelle Situation: Die Gondelbahn bringt Piloten von Elm zur Bergstation Ämpächli. Von dort musste man früher in den Sessellift Schabell umsteigen. Aktuelle Berichte weisen jedoch auf ein zeitweises Transportverbot für Gleitschirme am Sessellift hin, während die Gondelbahn Transporte erlaubt. Dies bedeutet oft: Hike & Fly ab Ämpächli (ca. 45-60 Min steil bergauf) oder Checken der tagesaktuellen Regeln bei den Sportbahnen Elm.
Charakter: Startrichtung SO bis SW. Ideal für den Einstieg in die Thermik, die an den Südostflanken früh zündet.
B. Ämpächli (Der Komfort-Start) – 1.485 m
Lage: Direkt oberhalb der Bergstation der Gondelbahn.
Vorteil: Kein langer Fußmarsch. Große Wiesen, ideal für Schüler und Genussflieger.
Nachteil: Liegt tiefer im Tal. Man muss sich oft erst thermisch "ausgraben", um Anschluss an die Gipfelhöhe zu finden.
Thermik-Tipp: Der "Hausbart" steht oft direkt links (östlich) der Bergstation an der Waldkante, wo die Sonne den Hang früh bescheint.
C. Tschinglenalp (Der Geheimtipp) – 1.480 m
Zugang: Über die spektakuläre Tschinglenbahn – eine kleine Kistenbahn, die abenteuerlich durch die Schlucht führt.
Charakter: Ruhiger, uriger. Oft eine gute Ausweichoption, wenn am Schabell der Wind zu stark ist.
Das wichtigste Sicherheitswissen für Elm (CH) betrifft den Landeplatz. Der offizielle Landeplatz liegt bei der Talstation in Elm (Wiese). Er ist von Kabeln umgeben.
Gefahr 1: Ein Kabel quert den Hang oberhalb des Landeplatzes (auf der Seite der Liftstation).
Gefahr 2: Ein weiteres Kabel quert den Bach (Sernf) und endet fast unsichtbar im Wald auf der gegenüberliegenden Seite.
Unfallursache: Piloten versuchen oft, Höhe durch weites Ausholen abzubauen und fliegen dabei in die Peripherie, wo die Kabel lauern.
Lebenswichtige Regel: Fliegen Sie eine strikte Linksvolte. Bauen Sie Höhe präzise über dem freien Raum ab. Vermeiden Sie es, "ins Gelände" hineinzufliegen oder über den Bach/Waldrand zu kreisen, wenn Sie tief sind.
Der Kanton Glarus ist bekannt für seine Föhnanfälligkeit ("Glarner Föhn").
Warnzeichen: Wenn der Föhn in den klassischen Föhntälern (Altdorf, Chur) durchbricht, ist er in Elm oft schon präsent oder steht kurz bevor. Ein zuverlässiger Indikator sind die Fahnen an der Munggä Hüttä. Zeigen diese stramm nach Norden, obwohl die überregionale Prognose Westwind ansagt: Bleiben Sie am Boden!
Martinsloch: Das berühmte Felsloch in den Tschingelhörnern ist eine meteorologische Kuriosität. Durch das Loch pfeift der Wind oft wie durch eine Düse. Auch wenn Profis wie Chrigel Maurer hindurchgeflogen sind (unter extrem kontrollierten Bedingungen), ist dies für Normalpiloten streng verboten bzw. lebensgefährlich. Die Turbulenzen im Lee des Lochs sind unberechenbar.
Sernftaler Talwind: Am Nachmittag saugt der Talwind das Sernftal hinauf. Dies kann am Landeplatz zu sportlichen Bedingungen führen und die Thermik am Ämpächli "zerreißen". Die beste Zeit für genussvolle Flüge liegt oft zwischen 11:00 und 15:00 Uhr.
Elm ist ein hervorragender Ausgangspunkt für Streckenflüge.
Route 1 (Kleine Glarner): Start Schabell -> Querung zum Kärpf -> weiter Richtung Schwanden -> Talsprung auf die Seite des Vrenelisgärtli -> Rückflug. Diese Route bleibt im Talbereich und ist landschaftlich extrem reizvoll.
Route 2 (Surselva-Connection): Überquerung des Alpenhauptkamms via Panixerpass oder Segnespass nach Flims/Laax.
Voraussetzung: Basishöhe von mind. 2.600 - 2.800 m.
Risiko: Der Rückweg ist ohne Auto extrem mühsam (Flims -> Chur -> Ziegelbrücke -> Elm dauert Stunden mit dem Zug). Planen Sie diese Route nur an Tagen mit extrem hoher Basis und zuverlässiger Thermik.
Suworow Cheller: Nach dem Flug trifft man sich im Suworow Cheller in Elm. Das Lokal ist benannt nach dem russischen General Alexander Suworow, der 1799 mit seiner Armee einen dramatischen Rückzug über den Panixerpass antrat. Die Geschichte ist im Tal allgegenwärtig.
Flugschule Robair: Die lokale Instanz für Ausbildung, Tandemflüge und Material. Ein Besuch im Shop in Mollis oder am Landeplatz lohnt sich für aktuelle Wetterinfos.
Teil IV: Synthese und Handlungsempfehlungen
Die Antwort auf Ihre Frage nach "Elm" hängt vollständig von Ihrem Pilotenprofil ab. Dieser Report bietet Ihnen nun die Entscheidungsgrundlage:
Für den Alpinisten (Österreich): Wenn Sie die Berge lieben, fit sind und Stille suchen, fahren Sie nach Gößl am Grundlsee. Der Aufstieg zum Elm (2.128 m) ist hart, aber der Flug über den Grundlsee ist eine Trophäe, die Sie nie vergessen werden. Dies ist das "Elm", nach dem Sie geografisch fragten.
Für den Soaring-Fan (Deutschland): Wenn Sie im Südwesten Deutschlands sind und unkomplizierten Flugspaß suchen, besuchen Sie die Bergehalde Ensdorf im Saarland. Die Industriekulisse mit dem Saarpolygon bietet einzigartige Fotomotive.
Für den Thermik- & Streckenflieger (Schweiz): Wenn Ihre Frage nach "Bergbahnen" implizierte, dass Sie Komfort suchen, dann war Ihre geografische Annahme falsch, aber Ihr Instinkt richtig: Fahren Sie in die Schweiz nach Elm (Glarus). Nutzen Sie die Gondelbahn, aber achten Sie penibel auf die Kabel am Landeplatz.
Abschließender Rat: Egal für welches Elm Sie sich entscheiden, bereiten Sie sich spezifisch vor. In Österreich brauchen Sie Kondition und alpines Wetterwissen. In Deutschland brauchen Sie Kenntnis der Soaring-Regeln. In der Schweiz brauchen Sie Disziplin bei der Landeeinteilung.
Fly safe, check your lines, and respect the cables.