
1 Startplatz, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Monographie des Einberg: Eine Aerologische und Taktische Tiefenanalyse für den Alpinpiloten
In der dichten Topografie der Salzburger Alpen, eingezwängt zwischen den touristischen Magneten des Salzkammerguts und den schroffen Wänden des Tennengebirges, existiert ein Fluggebiet, das sich der einfachen Kategorisierung entzieht. Der Einberg, mit seiner Gipfelhöhe von 1.688 Metern, ist weder ein reiner "Liftberg" für den Massentourismus, noch ein exklusiver "Hike & Fly"-Geheimtipp, der nur Extremsportlern vorbehalten wäre. Er nimmt eine hybride Stellung ein, die ihn zu einem der faszinierendsten, aber auch anspruchsvollsten Areale für den ambitionierten Gleitschirmpiloten macht.
Während der benachbarte Karkogel durch seine Bergbahninfrastruktur und die damit verbundene Frequenz an Flugschülern und Tandemgästen dominiert wird , repräsentiert der Einberg die Schule des authentischen Alpinfliegens. Hier wird der Pilot nicht nur als Konsument von Höhenmetern angesprochen, sondern als Meteorologe, Taktiker und Athlet. Die orografische Komplexität des Lammertals, in dem der Einberg als nördlicher Pfeiler fungiert, schafft ein mikroklimatisches Laboratorium, in dem thermische Prozesse oft anders ablaufen als in den Standardmodellen der Flugwetterberichte vorhergesagt.
Diese Monographie verfolgt das Ziel, über die rudimentären Informationen der DHV-Geländedatenbank hinauszugehen. Sie ist kein einfacher Reiseführer, sondern eine operative Handreichung für Piloten, die das Lammertal nicht nur befliegen, sondern verstehen wollen. Der Fokus liegt auf der Synthese aus meteorologischem Detailwissen, logistischer Feinplanung und flugtaktischer Kompetenz. Wer den Einberg meistert, erwirbt Fähigkeiten, die weit über den lokalen Rahmen hinausgehen und als Blaupause für das Fliegen in den Nordalpen dienen können.
Der Einberg fordert Respekt. Er belohnt Geduld und bestraft Impulsivität. In den folgenden Kapiteln wird dieses Gelände seziert – von der geologischen Basis bis zur Luftraumstruktur der TMA Salzburg, die wie ein Damoklesschwert über jedem Streckenflugversuch hängt.
Um die aerodynamischen Eigenheiten des Einbergs zu begreifen, ist ein Blick auf die geologische Architektur des Lammertals unerlässlich. Das Tal verläuft in einer groben West-Ost-Ausrichtung und markiert eine signifikante geologische Grenze.
Im Süden erhebt sich das Tennengebirge, ein massiver, verkarsteter Kalkstock, der wie eine Mauer wirkt. Diese Felswände speichern Wärme effizient, geben sie jedoch oft erst spät am Tag in Form von ruppiger, harter Thermik ab. Im Gegensatz dazu gehört der Einberg im Norden zur Osterhorngruppe. Diese Gebirgsgruppe ist geologisch anders beschaffen – geprägt von Flyschzonen und sanfteren, grasbewachsenen Hängen. Diese Dualität ist entscheidend für die Thermikgüte:
Feuchtigkeitsmanagement: Die grasbewachsenen Flanken des Einbergs und der Osterhorngruppe können Feuchtigkeit besser halten als der nackte Karstfels. Dies führt oft zu einer früheren Wolkenbildung über dem Einberg als über dem Tennengebirge. Die "Grasthermik" des Einbergs wird oft als weicher und homogener beschrieben als die "Felsbärte" der Südseite.
Albedo-Effekt: Die dunkleren Wälder und Wiesen des Einbergs heizen sich am Vormittag schneller auf als die hellen Kalkwände im Süden, die einen Großteil der Sonnenenergie zunächst reflektieren. Dies macht den Einberg (speziell die Startplätze Pernegg und Hochstall) zu einem bevorzugten Startpunkt für den frühen Flugtag.
Das Lammertal verengt sich im Bereich Abtenau leicht, bevor es sich Richtung Wolfgangsee und Hallstätter See wieder öffnet. Diese Verengung wirkt wie eine Venturi-Düse für die Luftmassen, die zwischen dem Hochkönig-Massiv im Westen und dem Dachstein im Osten zirkulieren. Der Einberg ragt als markanter Eckpfeiler in diese Strömung hinein. Seine Südflanke ist direkt der Sonneneinstrahlung exponiert, während seine Westflanke (Richtung Karkogel) und seine Ostflanke (Richtung Postalm) Kanalisierungseffekte des Talwindes erfahren. Diese Positionierung bedeutet, dass der Pilot am Einberg nicht nur mit der vertikalen Thermik, sondern immer auch mit der horizontalen Komponente des Talwindsystems rechnen muss.
Die Meteorologie des Lammertals ist ein Studienobjekt für sich. Überregionale Wettermodelle (GFS, ECMWF) geben oft nur die Großwetterlage wieder, versagen aber bei der Vorhersage der lokalen Windsysteme im Tal.
Der Talwind im Lammertal ist der dominante Faktor für Sicherheit und Flugtaktik.
Der Mechanismus: Sobald die Thermik in den großen Massiven (Dachstein, Tennengebirge) anspringt, saugt das Tal Luftmassen aus dem Vorland (Salzach-Tal bei Golling) an. Der Wind strömt primär von West nach Ost durch das Tal.
Die Chronologie:
Vormittag (bis 11:00 Uhr): Oft herrscht Windstille oder leichter Bergwind (Abfluss kalter Luft aus dem Talkessel Richtung Golling). Dies ist die Zeit für Anfänger und ruhige Abgleiter.
Mittag (12:00 - 14:00 Uhr): Der Talwind setzt ein. Er beginnt oft ruppig und böig, da er sich mit der thermischen Ablösung vermischt.
Nachmittag (14:00 - 17:00 Uhr): Der Talwind erreicht sein Maximum. An "guten" Tagen können im Talboden Windgeschwindigkeiten von 30-40 km/h erreicht werden. Dies macht Landungen am offiziellen Landeplatz Au oder am Karkogel (Oberseethal) anspruchsvoll bis gefährlich. Piloten sprechen vom "Staubsauger-Effekt".
Indikatoren: Achten Sie auf den Rauch der Bauernhöfe im Tal und die Bewegung der Baumwipfel im Talboden, während Sie oben am Startplatz noch in relativer Ruhe stehen. Ein friedlicher Startplatz auf 1.000m ist kein Garant für landbare Bedingungen auf 700m!
Das Lammertal liegt zwar nördlich des Alpenhauptkamms, ist aber keineswegs sicher vor Föhn.
Südföhn: Bei Südföhn-Lagen drückt der Wind über die Pässe (z.B. Pass Gschütt im Osten oder die Scharten im Tennengebirge). Das Tennengebirge bietet einen gewissen Lee-Schutz für die unteren Schichten, aber dieser Schutz ist trügerisch. Der Föhn kann als Fallwind über die Grate brechen und turbulente Rotoren bis zum Talboden senden.
Warnzeichen: Eine linsenförmige Wolkenbildung (Lenticularis) über dem Dachstein oder eine ungewöhnlich klare Fernsicht gepaart mit warmen Temperaturen am frühen Morgen sind Alarmzeichen. Wenn der Wind am Einberg-Gipfel (Südstart) böig mit 20 km/h+ aus Süd kommt, obwohl im Tal Westwind prognostiziert war, ist höchste Vorsicht geboten.
Im Herbst neigt das Lammertal zur Bildung stabiler Kaltluftseen.
Der Nebel: Oft liegt Abtenau unter einer zähen Nebeldecke, während am Einberg-Gipfel strahlender Sonnenschein herrscht. Dies sind die Tage für epische "Oben-Bleiben"-Fotos, aber fliegerisch oft frustrierend, wenn der Nebel nicht aufbricht.
Die Inversion: Liegt die Inversionshöhe unterhalb des Startplatzes (z.B. auf 1.400 m), kann man zwar starten, "säuft" aber sofort ab, sobald man in die kältere, stabile Schicht eintaucht. Ein Durchstoßen der Inversion von unten (vom Pernegg-Start aus) ist dann unmöglich.
Frühling (März-Mai): Die beste Zeit für den Einberg. Die Temperaturgradienten sind hoch (kalte Luft in der Höhe, starke Sonne). Die Thermik ist kräftig, aber oft zerrissen. Der Startplatz Pernegg funktioniert hervorragend, da die Schneegrenze oft noch oberhalb liegt und der Kontrast (dunkler Wald/Wiese vs. Schnee) Thermik generiert.
Sommer (Juni-August): Der Einberg-Gipfel kann thermisch "überentwickeln". Die Ablösungen sind brutal und oft von starkem Talwind überlagert. Mittagstarts am Gipfel sind nur für sehr routinierte Piloten empfehlenswert. Der Abendflug (Soaring im Rest-Talwind) ist hingegen ein Genuss.
Herbst (September-Oktober): Die Zeit der Genussflieger. Die Thermik wird sanfter, der Talwind schwächt sich ab. Hike & Fly zum Gipfel ist jetzt besonders attraktiv, da die Temperaturen angenehm sind.
Der Zugang zum Fluggebiet Einberg unterscheidet sich fundamental von den "Lift-and-Fly"-Gebieten. Er erfordert Planung und finanzielle Berücksichtigung.
Die Postalmstraße ist eine private Mautstraße und die einzige Zufahrt zu den unteren Startplätzen (Pernegg, Hochstall) und dem Ausgangspunkt für den Gipfelaufstieg. Sie verbindet Abtenau im Lammertal mit Strobl im Salzkammergut.
Mautsystem und Kosten: Die Maut ist für Gleitschirmpiloten ein relevanter Kostenfaktor. Stand 2025/2026 müssen PKW-Fahrer mit ca. 17,00 € pro Auffahrt rechnen (Normalpreis). Mit einer Gästekarte (TennengauPlus Card) reduziert sich der Preis oft auf ca. 13,50 € bis 15,30 €. Motorradfahrer zahlen ca. 7,00 €.
Vielflieger-Optionen: Für lokale Piloten oder Urlauber, die eine Woche bleiben, lohnt sich die Saisonkarte. Eine Halbjahreskarte (Sommer) kostet ca. 67,00 €. Wer mehr als 4-5 Mal hochfährt, hat die Kosten amortisiert.
Automat vs. Kassenpersonal: Die Mautstelle ist oft personell besetzt, verfügt aber auch über Automaten. Kleingeld oder Karte bereithalten!
Das Parken ist ein sensibler Punkt im Verhältnis zu den lokalen Landwirten.
Startplatz Pernegg/Hochstall: Es gibt kleine Parkbuchten entlang der Straße. Diese sind jedoch begrenzt. An Wochenenden mit gutem Flugwetter sind diese schnell belegt.
Das No-Go: Parken Sie niemals in Einfahrten von Forststraßen oder auf den Wiesen der Bauern. Dies führt unweigerlich zu Konflikten und gefährdet die Pachtverträge des Clubs.
Shuttle-Organisation: Aufgrund der Mautkosten und Parkplatzknappheit ist die Bildung von Fahrgemeinschaften obligatorisch. Der inoffizielle Treffpunkt ist oft der Landeplatz Au oder der Parkplatz der Karkogelbahn (Gasthof Traunstein). Hier lässt sich oft ein "Ride" organisieren.
Öffentlicher Verkehr: Der Postbus fährt in der Hauptsaison (Sommer und Winter) teilweise bis auf die Postalm. Für Inhaber der Gästekarte ist die Nutzung oft kostenlos. Dies ist eine exzellente, umweltfreundliche Alternative, erfordert aber das Studium des Fahrplans (oft nur Di, Do, So).
Für Piloten, die mehrere Tage bleiben, bietet Abtenau diverse Optionen.
Camping: Der Campingplatz Oberwötzelhof in Abtenau ist ganzjährig geöffnet und ein beliebter Stützpunkt.
Ferienwohnungen: Viele Bauernhöfe bieten "Urlaub am Bauernhof" an. Der Club Ikarus verweist oft auf Mitglieder, die Zimmer vermieten.
Gasthof Traunstein: Direkt an der Karkogel-Talstation. Der Wirt ist selbst Pilot, was diesen Ort zum sozialen Zentrum der Szene macht ("Fliegerstammtisch").
Der Einberg bietet eine vertikale Staffelung von Startmöglichkeiten, die eine flexible Anpassung an die Tagesbedingungen erlauben. Wir analysieren diese "Kaskade" von unten nach oben.
Der Startplatz Pernegg ist das Arbeitspferd des Gebiets. Er liegt direkt an einer Kehre der Postalmstraße.
Charakteristik: Eine weitläufige, mäßig steile Wiese, die fast fehlerverzeihend wirkt. Die Neigung ist ideal für kontrollierte Aufziehübungen und Schulungsflüge.
Aerologische Funktion: Trotz der geringen Höhe ist dies oft der thermische Einstieg. Die Thermik löst sich hier meist an der östlichen Waldkante ("Hausbart").
Saisonales Fenster: Pernegg glänzt im Frühjahr (März-Juni). Während oben noch Schnee liegt oder die Bedingungen zu harsch sind, findet man hier unten bereits nutzbare Thermik.
Regularien: Es handelt sich um einen Schulungsstartplatz der Flugschule Alpin Sports. Eine vorherige Anmeldung oder Abstimmung ist ratsam, um den Schulungsbetrieb nicht zu stören. Gastpiloten werden gebeten, sich defensiv zu verhalten.
Gefahren: Achten Sie auf Weidezäune, die im Sommer gespannt sein können. Vor dem Auslegen den Startkorridor ablaufen!
Ein Stück weiter die Mautstraße hinauf, oberhalb der Mautstelle, liegt der Startplatz Hochstall.
Strategischer Vorteil: Durch die Süd-Ost (SO) Ausrichtung bekommt dieser Startplatz die Morgensonne früher als Pernegg. Er ist die Wahl für den "Early Bird"-Flug.
Thermik: Hier findet man oft den Anschluss, wenn es unten in Pernegg noch stabil ist. Der Startplatz liegt näher an der Inversionsgrenze und durchbricht diese oft früher.
Starttechnik: Das Gelände ist etwas anspruchsvoller als Pernegg, oft durch Latschenkiefern oder unebenes Gelände begrenzt. Rückwärtsstart-Kompetenz ist hier von Vorteil, um den Schirm vor dem Abheben sauber zu kontrollieren.
Der Gipfelstart ist die Belohnung für den körperlichen Einsatz.
Zugang (Hike & Fly): Es gibt keinen Lift. Der Aufstieg erfolgt meist ab dem Voglauerhof oder einem Parkplatz an der Postalmstraße.
Route: Weg Nr. 17. Zuerst durch Wald, dann über offene Almen.
Dauer: 1,5 bis 2,5 Stunden, je nach Fitness und Gepäck.
Kondition: 750 Höhenmeter Aufstieg mit 15 kg Ausrüstung erfordern eine solide Grundfitness.
Startgelände: Das Gipfelplateau bietet Startmöglichkeiten in fast alle Richtungen (S, SO, SW, NW).
Untergrund: Typisch alpin – durchsetzt mit Steinen, Grasbüscheln und niedrigen Latschen. Stolpergefahr!
Leinen-Check: Sorgfältiges Sortieren der Leinen ist essenziell, da sich diese leicht in den harten Berggräsern oder Wurzeln verhaken.
Thermische Warnung: Im Hochsommer ist der Gipfelstart oft extrem. Die Thermik kann hier oben explosionsartig auslösen. Locals meiden den Gipfelstart an labilen Sommertagen zwischen 12:00 und 15:00 Uhr. Die ideale Zeit ist der späte Nachmittag oder der Herbst, wenn die Luftmassen ruhiger sind.
Ein Flug am Einberg folgt oft einer Dramaturgie in drei Akten: Starten, "Absaufen" vermeiden, Aufdrehen.
Nach dem Start in Pernegg befindet man sich oft nur 300-400 Meter über dem Talboden. Hier ist der "Überlebenskampf" am intensivsten.
Die Waldkante: Fliegen Sie nach dem Start direkt nach Osten an die Waldkante. Hier steht oft der erste Bart. Er ist meist eng und ruppig, da er vom Talwind zerrissen wird.
Technik: Flaches Drehen ist hier oft unmöglich. Man muss den Bart "zentrieren und würgen". Enges Kreisen mit viel Gewichtsverlagerung ist notwendig, um im Kern zu bleiben.
Geduld: Oft hält man die Höhe minutenlang ("Nullschieber"), bevor der Zyklus durchzieht und das Steigen einsetzt. Wer hier nervös zum Landeplatz abfliegt, verliert den Tag.
Hat man die Waldgrenze überwunden und nähert sich der Gipfelhöhe, ändert sich die Charakteristik.
Die Leeleiten: Der Südhang des Einbergs ("Leeleiten") heizt sich stark auf. Die Thermikblasen lösen sich hier großflächiger ab und vereinigen sich oft über dem Grat zu einem starken Aufwindband.
Versatz beachten: Der Wind (meist Westwind in der Höhe oder Talwind von unten) versetzt die Bärte stark Richtung Osten (Postalm). Wer beim Kreisen nicht konsequent vorhält (gegen den Wind), wird über das Plateau der Postalm "verblasen". Ein Rückflug von dort gegen den Wind ist oft mühsam bis unmöglich.
Viele Piloten versuchen, vom Einberg westwärts zum Karkogel zu queren.
Das Problem: Zwischen Einberg und Karkogel liegt der Einschnitt der Karalm. Hier wird der Talwind kanalisiert und drückt oft mit erhöhter Geschwindigkeit durch (Düseneffekt).
Das Risiko: Wer zu tief quert, gerät in starkes Sinken und Turbulenzen. Die Querung sollte nur mit deutlicher Überhöhung (mindestens 200-300m über Grat) in Angriff genommen werden.
Der Einberg ist ein exzellentes Sprungbrett für Streckenflüge (Cross Country - XC), aber er erfordert eine defensive Routenwahl.
Diese Route bleibt über den "freundlichen" Grasbergen der Osterhorngruppe und vermeidet die Querung großer Täler.
Wegführung: Einberg -> Trattberg -> Schmittenstein -> Regenspitz -> zurück.
Charakter: Man hangelt sich von Gipfel zu Gipfel. Die Abstände sind gering, die Notlandemöglichkeiten auf den Almen zahlreich.
Schlüsselstelle (Crux): Der Sprung vom Einberg zum Trattberg. Man muss gegen den (oft westlichen) Wind anfliegen. Nutzen Sie die Wolkenstraßen, die sich oft über dem Grat bilden, um Höhe zu machen, bevor Sie die Talquerung zur Trattberg-Alm ansetzen.
Der Flug zum Dachstein ist der Königsweg, aber mit signifikanten Risiken verbunden.
Wegführung: Einberg -> Querung des Lammertals nach Süden -> Anschluss an den Nordwänden des Tennengebirges -> Weiterflug Richtung Osten zum Dachstein-Massiv.
Psychologie: Die Querung des Lammertals ist mental fordernd. Man verlässt die sichere Höhe und fliegt in den "Abgrund" des Tals, in dem der Talwind tobt.
Technik: Man muss am Einberg die Basis maximieren. Der Anflug an das Tennengebirge muss so hoch wie möglich erfolgen, um nicht im Lee der Felswände oder im Talwindsystem "zerschellt" zu werden. Man zielt auf die sonnenbeschienenen Flanken (Westseiten), die am Nachmittag aktiv werden.
Warnung: Das Tennengebirge ist ein riesiges Karstplateau. Eine Außenlandung oben ist extrem gefährlich (Dolinen, Felsspalten, kein Wasser, kein Netz). Man muss stets den Gleitwinkel ins Tal (nach Werfenweng oder Abtenau) im Auge behalten.
Eine weitere Option ist der Flug nach Norden/Osten Richtung Wolfgangsee.
Hürde: Man muss über das Postalm-Plateau fliegen. Dies ist ein riesiges Hochplateau mit wenig thermischen Abrisskanten in der Mitte. Wenn man hier tief kommt, muss man auf der Postalm landen (einfache Wiesen) und per Anhalter oder Bus zurückfahren.
Das Fliegen am Einberg erfordert juristische Disziplin. Der Luftraum um Salzburg ist einer der komplexesten in Österreich.
Der Einberg liegt im Einflussbereich des Flughafens Salzburg (LOWS). Über dem Lammertal spannt sich die TMA Salzburg.
Die Sektoren: Die Untergrenzen der kontrollierten Lufträume (Class C/D/E) variieren.
Im Bereich Gaisberg (nördlich) liegt der Deckel extrem tief (TRA Gaisberg: 1.527 m MSL). Das ist unterhalb der Einberg-Gipfelhöhe!.
Im Bereich Lammertal/Einberg (oft als TRA Schwarzenberg oder ähnlich bezeichnet) sind die Freigaben meist höher, oft bis ca. 2.134 m MSL (7.000 ft) für Streckenflüge.
Das Risiko: Ein unbedachter Flug nach Norden (Richtung Salzburg Stadt) führt unweigerlich in die tieferen Sektoren der Einflugschneise. Radarüberwachung ist aktiv. Luftraumverletzungen werden von der Austro Control rigoros verfolgt und können zum Entzug der Lizenz und hohen Geldstrafen führen.
Pflicht: Fliegen Sie niemals ohne aktuelles Luftraum-File auf Ihrem Vario/GPS! Die Sektoren und Höhen können sich saisonal ändern. Checken Sie vor jedem Flug die ICAO-Karte Österreich (online verfügbar über Austro Control oder Apps wie Burnair/XContest).
Sensible Zonen: Das Kar vor dem Kleinen Traunstein (links vom Karkogel) ist ein ausgewiesenes Wildschutzgebiet. Ein tiefer Überflug stört das Gamswild empfindlich. Halten Sie Abstand!.
Jägerschaft: Das Verhältnis zwischen Jägern und Fliegern ist im Lammertal stabil, aber fragil. Provokationen (Low-Level-Flüge über Futterstellen) gefährden dieses Gleichgewicht.
Der Einberg ist kein Unfallschwerpunkt, aber seine Gefahren sind subtil.
Die Startplätze Pernegg und Hochstall sind von dichtem Wald umgeben.
Protokoll: Sollten Sie im Baum landen:
Ruhe bewahren. Nicht bewegen, um Absturzgefahr zu minimieren.
Sichern. Sichern Sie sich mit der Rettungsleine oder Bandschlinge am Stamm.
Hilfe rufen. 144 (Alpinnotruf) oder 112. Geben Sie genaue GPS-Koordinaten durch.
Nicht selbst absteigen. Die Gefahr, abzurutschen, ist höher als das Warten auf die Bergrettung.
Wenn der Talwind zu stark wird, um den offiziellen Landeplatz Au zu erreichen, oder man auf Strecke "absäuft":
Wahl der Wiese: Landen Sie nur auf gemähten Wiesen. Hohes Gras (Futtergras) ist tabu! Der wirtschaftliche Schaden für den Bauern ist real.
Verhalten: Schirm sofort raffen (Rosette), Wiese auf kürzestem Weg verlassen. Packen Sie am Wegrand oder auf asphaltierten Flächen, nicht mitten im Feld.
Notruf: 144 (Alpinnotruf), 112 (Euro-Notruf).
Funk: PMR Kanal 8 (mit CTCSS-Tönen je nach Region oft unterschiedlich, Standard oft offen). Lokale Flieger nutzen oft spezifische Frequenzen – fragen Sie beim Club Ikarus oder am Stammtisch nach.
Klasse: Für den Einberg ist ein Schirm der Klasse EN-B (High-B) oft der ideale Kompromiss aus Leistung und Sicherheit. Die passive Sicherheit hilft bei Turbulenzen im Talwind, während das Handling enges Zentrieren in den kleinen Bärten bei Pernegg erlaubt.
Wendigkeit: Ein agiler Schirm ist wichtiger als maximale Gleitzahl. Die Bärte sind oft eng.
Protektor: Ein vollwertiger Protektor (Schaum oder Airbag) ist Pflicht. Die Startplätze am Gipfel sind steinig.
Retter: Achten Sie auf frische Packung. Die niedrigen Höhen beim "Kratzen" lassen wenig Zeit für die Öffnung.
Auch im Sommer kann es auf Basis (2.500 m+) empfindlich kalt werden (ca. 0°C bis 5°C). Handschuhe sind obligatorisch, auch um Verletzungen an den Leinen beim Start zu vermeiden.
Das Fliegen ist nur die halbe Miete. Die Integration in die lokale Szene ist der Schlüssel zu Insider-Infos.
Der Flugsportclub Ikarus Abtenau ist der Hüter des Geländes.
Rolle: Sie pflegen die Startplätze, verhandeln mit Bauern und organisieren Events (Ikarus Open, Clubmeisterschaften).
Etikette: Als Gast ist man willkommen, sollte sich aber als Gast benehmen. Eine kurze Kontaktaufnahme (Email oder am Landeplatz) bricht das Eis.
Mitfliegen: Versuchen Sie, sich an lokale Piloten ("Locals") "dranzuhängen". Sie kennen die Abrisskanten, die nicht im Lehrbuch stehen.
Direkt an der Talstation der Karkogelbahn liegt der Gasthof Traunstein.
Status: Inoffizielles Clubheim. Der Wirt fliegt selbst.
Info-Börse: Hier erfährt man beim Landebier, warum es heute am Einberg nicht ging, während der Bischling "gehämmert" hat. Hier werden auch Fahrgemeinschaften für den nächsten Tag geschmiedet.
Wenn der Schnürlregen einsetzt oder der Föhn tobt:
Sommerrodelbahn Karkogel: Adrenalin am Boden.
Wandern: Die Postalm ist das größte Almgebiet Österreichs und ein Wanderparadies.
Salzburg: Die Stadt ist nur 45 Minuten entfernt (Kultur, Shopping, Red Bull Hangar-7).
Epilog
Der Einberg ist ein Charaktertest. Er bietet keine "Garantie" auf Flugzeit wie ein Küsten-Soaring-Gebiet. Er verlangt Auseinandersetzung mit der Natur, Demut vor dem Wetter und Respekt vor den lokalen Strukturen. Wer bereit ist, diesen Preis zu zahlen, wird mit Flügen belohnt, die in ihrer Intensität und landschaftlichen Schönheit kaum zu übertreffen sind. Ein Flug vom Einberg zum Dachstein und zurück ist mehr wert als hundert Abgleiter am Gaisberg.
Happy Landings!