
3 Startplatzätze, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Der Blomberg: Umfassende flugwissenschaftliche und journalistische Analyse des Gleitschirmgebiets im Isarwinkel
Der Blomberg, oft als der Hausberg von Bad Tölz bezeichnet, nimmt im Gefüge der oberbayerischen Fluggebiete eine Sonderstellung ein. Während das benachbarte Brauneck durch seine schiere Größe und der Wallberg durch sein alpines Panorama bestechen, repräsentiert der Blomberg ein flugtechnisches Refugium, das subtile Anforderungen an die aerologische Kompetenz der Piloten stellt. Die folgende Analyse widmet sich erschöpfend den technischen, logistischen und meteorologischen Facetten dieses Geländes, das weit über die standardisierten Einträge in Geländedatenbanken hinausgeht.
Executive Summary für Eilige
Das Fluggebiet Blomberg (1.248 m NN) bietet eine effektive Höhendifferenz von rund 500 Metern und ist primär nach Nord, Nordost und Ost ausgerichtet. Es ist als anspruchsvolles Fluggelände zu klassifizieren, da die Startplätze in engen Waldschneisen liegen, die bei Seitenwind ausgeprägte Rotoren bilden. Das Gebiet ist für Flugschüler (A-Schein-Ausbildung) nicht zugelassen. Der logistische Zugang erfolgt komfortabel über die Blombergbahn, eine Doppelsesselbahn, deren Talstation unmittelbar an der B472 liegt. Ein besonderes Highlight ist das Abendsoaring bei bayerischen Ostwindlagen, das Steighöhen bis auf 2.000 m NN ermöglichen kann. Die Landung erfolgt auf einer geneigten Wiese am Stallauer Weiher, die durch thermische Ablösungen und Lee-Effekte als turbulent gilt. Für Streckenflüge bietet der Berg Anschlussmöglichkeiten Richtung Kochelsee oder ins flache Alpenvorland, erfordert jedoch eine präzise Beachtung der Luftraumstruktur des Flughafens München.
Geomorphologische und topografische Standortbestimmung
Die physikalische Präsenz des Blombergs ist geprägt durch seine Lage am Nordrand der Bayerischen Voralpen. Topografisch betrachtet bildet er zusammen mit dem Zwiesel und dem Heiglkopf ein zusammenhängendes Massiv, das den Übergang von der voralpinen Moränenlandschaft zum alpinen Hochgebirge markiert. Die bewaldeten Flanken bestehen vorwiegend aus Nadelholzbeständen, was erhebliche Auswirkungen auf die thermische Ablösecharakteristik hat, da dunkle Nadelwälder als exzellente solare Absorber fungieren.
Technische Daten der Start- und Landezonen Lokalität Funktion GPS-Koordinaten (WGS84) Höhe (m über NN) Exposition Hauptstart Ost Startplatz 47° 43' 58.25'' N, 11° 30' 29.45'' O 1.212 m O Startplatz NO Startplatz 47° 43' 32.37'' N, 11° 30' 51.10'' O 1.130 m NO Startplatz NW Startplatz 47° 43' 33.50'' N, 11° 30' 55.71'' O 1.126 m NW Heiglkopf Gipfel/Start 47° 43' 31.00'' N, 11° 30' 32.00'' O 1.250 m S / SO Stallauer Weiher Landeplatz 47° 44' 58.72'' N, 11° 30' 29.54'' O 725 m Hangneigung NO Export to Sheets
Hinweis: Die Koordinaten und Höhenangaben basieren auf einer Synthese aus DHV-Daten und lokalen Messungen.
Logistik und infrastrukturelle Anbindung
Die Erreichbarkeit des Blombergs ist durch die unmittelbare Nähe zur Bundesstraße 472 und die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr exzellent. Von München aus ist das Gebiet über die A95 (Ausfahrt Sindelsdorf) oder die A8 (Ausfahrt Irschenberg) in rund 60 Minuten erreichbar. Der Regionalbus der Linien 9612 und 9591 verbindet den Bahnhof Bad Tölz im Stundentakt mit der Haltestelle „Blombergbahn“.
Die Blombergbahn: Mechanischer Aufstieg
Die Doppelsesselbahn stellt das Rückgrat des Flugbetriebs dar. Die Anlage, die 2009 grundlegend erneuert wurde, überwindet die rund 530 Höhenmeter in einer Fahrtzeit von etwa 20 Minuten. Für Piloten ist die Kooperation mit dem Liftpersonal von hoher Relevanz, da das Personal als ausgesprochen hilfsbereit bei der Verladung von Gleitschirmrucksäcken und Drachen gilt.
Tarifstruktur 2025/2026: Eine Einzelfahrt zur Bergstation wird mit ca. 9,00 € berechnet. Für regelmäßige Besucher ist die 12er-Karte für 90,00 € die wirtschaftlichste Option.
Betriebszeiten: Im Sommer verkehrt die Bahn in der Regel von 09:00 bis 18:00 Uhr. In den Wintermonaten sowie in Revisionszeiten kann der Betrieb auf die Wochenenden beschränkt sein oder ganz entfallen.
Parkraum: An der Talstation stehen großzügige Parkflächen zur Verfügung. Die Gebühr beträgt ca. 2,00 € bis 5,00 € pro Tag, zahlbar an Automaten.
„Hike & Fly“: Der alternative Aufstieg
Für Piloten, die den sportlichen Aspekt des Gleitschirmfliegens betonen, bietet der Blomberg verschiedene Aufstiegsvarianten. Der direkte Weg entlang der Winterrodelbahn erfordert eine Gehzeit von etwa 40 bis 50 Minuten bei zügigem Tempo. Eine landschaftlich attraktivere Route führt von der Waldherralm in Wackersberg über den Heiglkopf zum Blomberg-Gipfel, was die Gesamtaufstiegszeit auf etwa 1,5 bis 2 Stunden erhöht. Es ist zu beachten, dass die Forststraßen am Berg für den privaten Kfz-Verkehr gesperrt sind; Zuwiderhandlungen werden konsequent zur Anzeige gebracht.
Analyse der Start- und Flugcharakteristika
Der Blomberg ist kein „einfacher“ Berg. Seine Startplätze fordern eine präzise Schirmkontrolle und eine fundierte meteorologische Einschätzung der unmittelbaren Umgebung.
Der Hauptstartplatz Ost (O)
Dieser Platz liegt auf einer Höhe von 1.212 m NN und besteht aus einer breiten, aber steilen Waldschneise. Er ist der primäre Startpunkt für thermische Flüge am Vormittag. Die Startfläche ist oft durch Beweidung etwas uneben, was beim Auslegen des Schirms Sorgfalt erfordert.
Aerodynamische Taktik: Bei reinem Ostwind ist der Start unproblematisch. Sobald die Windkomponente jedoch auf Nordost oder Südost dreht, entstehen durch die flankierenden Bäume massive Turbulenzen in der Schneise. Ein entscheidender Indikator ist der Windsack am unteren Ende der Schneise. Piloten sollten nicht zu nah am Blombergkreuz starten, um Kollisionen mit Wanderern oder dem Denkmal selbst zu vermeiden – ein Vorfall, der in der lokalen Szene oft ironisch mit dem Künstler Christo verglichen wird.
Die Nordost- (NO) und Nordwest-Startplätze (NW)
Diese im Vergleich zu dem Oststart neueren Plätze befinden sich in unmittelbarer Nähe der Bergstation auf ca. 1.130 m NN. Sie sind als „schwer“ eingestuft und nur für erfahrene Piloten geeignet.
Technisches Profil: Die Startflächen sind extrem kurz und enden klippenähnlich. Ein klassischer Vorwärtsstart ist hier riskant; der Rückwärtsaufzug ist die Technik der Wahl. Ein Startabbruch ist nach den ersten zwei Schritten aufgrund der Geländekante kaum noch möglich, weshalb eine 100-prozentige Entscheidung für den Start zwingend ist.
Windbedingungen: Der NW-Startplatz liegt bei westlichen Windlagen im Lee der umliegenden Bewaldung, was einen Start lebensgefährlich machen kann. Er ist primär für schwache Nordwindlagen konzipiert.
Meteorologie und Flugbedingungen: Das Herzstück des Guides
Der Blomberg ist meteorologisch gesehen ein „Grenzgänger“. Er profitiert sowohl von der bayerischen Thermik als auch von spezifischen Windsystemen des Alpenvorlands.
Das Phänomen des bayerischen Ostwindes
Wenn über Bayern eine stabile Hochdrucklage mit einem leichten Gradienten aus Osten herrscht, entwickelt der Blomberg sein volles Potenzial für das Abendsoaring.
Soaring-Mechanik: Ab einer Windgeschwindigkeit von etwa 20 km/h aus Ost baut sich an der Waldkante ein konstantes Aufwindband auf. Erfahrene Piloten nutzen dieses Band, um stundenlang entlang der Kante zu soaren. Das ruhigste Steigen findet sich oft nicht direkt an der Kante, sondern leicht vorgelagert über den Waldflächen.
Abendliche Inversionen: In den späten Nachmittagsstunden kann es vorkommen, dass sich die Thermik von den Flächen des Isarwinkels löst und unter die Inversion schiebt, was großflächiges Steigen ermöglicht. In solchen Situationen wurden am Blomberg bereits Höhen von 2.000 m NN und mehr erflogen.
Thermische Hotspots und Triggerpunkte
Die Thermik am Blomberg wird durch verschiedene Faktoren getriggert. Im Gegensatz zu hochalpinen Felswänden sind hier die Wald-Feld-Kanten entscheidend.
Die Waldschneisen: Die künstlichen Schneisen für den Lift und die Startplätze wirken bei Sonneneinstrahlung wie Kamine. Warme Luft aus den tieferen Lagen strömt in der Schneise aufwärts und löst am oberen Ende ab.
Der Heiglkopf-Sattel: Der tief eingeschnittene Sattel zwischen Blomberg und Heiglkopf ist ein klassischer Sammelpunkt für Warmluftpakete, die aus dem Wackersberger Becken nach oben driften.
Die Talstation und Parkplatzflächen: Asphaltierte Flächen wie der Parkplatz der Blombergbahn sind exzellente thermische Generatoren mit niedriger Albedo. Oft löst sich hier eine Ablösung, die Piloten im Endanflug auf den Stallauer Weiher noch einmal unerwartetes Steigen beschert.
Gefahrenlagen und Lee-Gebiete
Die größte Gefahr am Blomberg ist der Westwind (Föhn oder Front). Da das Gelände nach Norden und Osten exponiert ist, liegt die gesamte Flugarena bei Westwind im Lee des Zwiesel-Massivs. Turbulenzen und unvorhersehbares Sinken sind die Folge. Piloten sollten den Windbericht der Stationen Brauneck und Benediktenwand konsultieren; weht es dort deutlich aus West, ist der Blomberg zu meiden.
Streckenflug-Potenzial (XC) und Luftraummanagement
Obwohl der Blomberg oft als Feierabendberg unterschätzt wird, bietet er bei entsprechender Basishöhe (mind. 1.300 m NN) interessante XC-Perspektiven.
Klassische XC-Routen
Westroute: Mit Unterstützung des Ostwindes kann man die Flanken Richtung Rabenkopf und Kochel am See abfliegen. Der Rückweg ist jedoch aufgrund des Gegenwindes anspruchsvoll und erfordert eine hohe Basishöhe.
Nordroute (Flachland-XC): Bei südlichen Lagen ist ein Vorstoß ins Flachland möglich. Ein beliebtes Ziel ist der Segelflugplatz Greiling, der als sichere Landeoption gilt.
Südroute zum Brauneck: Der Sprung über das Isartal zum Brauneck ist taktisch anspruchsvoll, da man gegen den oft starken Talwind ankämpfen muss, der das Isartal aufwärts Richtung Lenggries strömt.
Der „Deckel“: Luftraumstruktur München
Die größte Einschränkung für Streckenflieger ist die Nähe zur Kontrollzone (CTR) und den Nahkontrollbezirken (TMA) des Flughafens München.
Luftraum D und C: Die Untergrenzen der TMA München beginnen im Alpenvorland oft bereits bei 4.500 oder 5.500 Fuß MSL. Ein Einflug ohne Freigabe ist eine schwere Luftraumverletzung.
VFR-Minima: Piloten müssen zwingend die Sichtflugregeln einhalten, insbesondere den vertikalen Abstand von 1.000 Fuß zu Wolkenobergrenzen in kontrollierten Lufträumen. Ein GPS mit aktueller Luftraumkarte ist am Blomberg für XC-Ambitionen unverzichtbar.
Die Landung am Stallauer Weiher: Technik und Taktik
Der Landeplatz liegt auf 725 m NN am Nordostufer des Stallauer Weihers. Er ist großflächig, birgt aber aerodynamische Tücken.
Die „Düse“ am Campingplatz
Bei ausgeprägtem Ostwind wird die Luft zwischen dem Blomberg und dem gegenüberliegenden Hügel komprimiert. Dies führt zu einer Windbeschleunigung direkt über dem Landeplatz.
Anflugtaktik: Piloten sollten die Position so wählen, dass sie nicht durch den Wind hinter den Campingplatz Demmelhof abgetrieben werden. Die Landeeinteilung sollte frühzeitig und mit ausreichend Geschwindigkeitsreserve (Beschleuniger bereit) erfolgen.
Turbulenzzone: Durch die Thermikablösungen von den Uferzonen des Weihers und den umliegenden Wäldern ist der Endanflug fast immer unruhig. Ein aktiver Flugstil bis zum Aufsetzen ist erforderlich.
Sozialkodex am Landeplatz
Der Erhalt des Landeplatzes hängt von der Disziplin der Piloten ab.
Keine Außenlandungen: Landungen auf anderen Wiesen, insbesondere am ehemaligen Platz beim Pferdegestüt, sind strengstens untersagt und führen zu Konflikten mit Grundstückseigentümern.
Zügiges Räumen: Nach der Landung ist der Schirm sofort am Rand der Wiese zusammenzuraffen, um den Landebereich für nachfolgende Piloten freizuhalten. Das Packen erfolgt auf den dafür vorgesehenen Flächen am Rand.
Keine Aufziehübungen: Groundhandling auf dem Landeplatz ist nicht gestattet.
Naturschutz und rechtlicher Rahmen
Der Blomberg liegt in einer ökologisch sensiblen Zone. Die Einhaltung der Auflagen des Geländehalters (Lenggrieser Gleitschirmflieger e.V.) ist zwingend.
Die Schutzgebiete
Wildschutzgebiet Stallauer Graben: Dieser Bereich westlich des NW-Startplatzes darf zum Schutz von Auer- und Haselhühnern nicht unter 400 m über Grund überflogen werden.
Uhu-Schutz: In den Monaten Januar bis Juli gilt eine spezifische Flugverbotszone zum Schutz brütender Uhus. Informationen hierzu sind aktuell an der Talstation einzuholen.
Vogelperspektive: Der Verein hat einen Naturschutzfilm produziert, der die Relevanz dieser Maßnahmen unterstreicht und zur Sensibilisierung der Piloten beiträgt.
Einweisung und Flugrecht
Jeder Pilot ist verpflichtet, sich vor dem ersten Flug eine Einweisung durch ein Vereinsmitglied oder durch das Studium der Informationstafeln zu verschaffen. Da keine A-Schein-Ausbildung gestattet ist, wird ein hohes Maß an Eigenverantwortung vorausgesetzt. Tandemflüge sind für Privatpersonen nach Anmeldung beim Verein möglich, kommerzielle Anbieter unterliegen speziellen Regelungen.
Geheimtipps: Der Mehrwert für Kenner
Abseits der offiziellen Handbücher gibt es Wissen, das oft nur durch jahrelange Präsenz am Berg erworben wird.
Die „Christo-Vermeidungsstrategie“
Das große Holzkreuz am Blomberg ist ein Magnet für Wanderer. Piloten sollten beim Start am Ostplatz bewusst 10 bis 15 Meter weiter unterhalb oder seitlich aufziehen, um bei einem Fehlstart oder einer Böe nicht in das Denkmal gedrückt zu werden. Ein im Kreuz hängender Schirm führt unweigerlich zu einer Sperrung des Startplatzes für den Rest des Tages und massiven Imageschäden für den Sport.
Lokale Wetterindikatoren
Lokale Piloten verlassen sich nicht nur auf Apps. Ein Blick auf die Windfahne an der Kalvarienberg-Kirche in Bad Tölz oder die Rauchfahnen lokaler Schornsteine gibt oft präzisere Auskunft über den Talwind im Isarwinkel als weit entfernte Wetterstationen.
Geheime XC-Landeplätze
Falls der Rückweg vom Rabenkopf nicht mehr gelingt, bietet sich die Wiese südlich von Benediktbeuern als sichere Außenlandeoption an, sofern man die Naturschutzgebiete der Loisach-Kochelsee-Moore beachtet. Von dort gibt es eine gute Bahnanbindung zurück nach Bad Tölz.
Die „Après-Fly“-Kultur und soziale Infrastruktur
Das Erlebnis Blomberg endet nicht mit dem Zusammenlegen des Schirms. Die soziale Komponente ist ein wesentlicher Bestandteil des Reizes.
Kulinarik und Einkehr
Blomberghaus: Auf 1.201 m NN gelegen, ist es der Treffpunkt für Piloten vor dem Start oder nach einer Wanderung. Es bietet eine ausgezeichnete Küche und einen beheizten 24/7-Aufenthaltsraum mit Automaten für den Fall, dass die Hütte bereits geschlossen hat.
Blombergtenne: Unmittelbar neben der Talstation. Hier trifft sich die lokale Szene zum „Landebier“. Der Austausch über die Flugbedingungen des Tages ist hier am intensivsten.
Krapfenhütte: Ein kleiner Geheimtipp am unteren Parkplatz für einen schnellen Snack nach dem Flug.
Übernachtungsmöglichkeiten
Camping Demmelhof: Die strategisch beste Wahl für Gleitschirmflieger, da der Landeplatz direkt zum Gelände gehört. Er bietet moderne Sanitäranlagen und Plätze direkt am Stallauer Weiher.
Übernachten auf dem Berg: Das Blomberghaus verfügt über 38 Betten in Doppel- und Großraumzimmern. Ein Aufwachen über dem Nebelmeer des Isarwinkels ist für jeden Piloten ein unvergessliches Erlebnis.
Bad Tölz: In der Stadt bieten zahlreiche Hotels wie der Kolberbräu eine gehobene Unterkunft in historischem Ambiente.
Sicherheit und Notfallmanagement
Ein verantwortungsbewusster Pilot kalkuliert das Risiko immer mit ein. Am Blomberg sind Baumlandungen aufgrund der engen Schneisen das häufigste Unfallszenario.
Notfall-Checkliste
Baumlandung: Ruhe bewahren. Die Bäume sind hoch und dicht. Ein Abseilen ohne Hilfe ist gefährlich. Notruf 112 absetzen und Position (z.B. „Schneise Ost, oberes Drittel“) durchgeben.
Rettungsequipment: Das Mitführen eines Kappmessers und einer 20m-Rettungsschnur wird dringend empfohlen.
Kontakt Geländehalter: Bei Zwischenfällen sollte zeitnah der Lenggrieser Gleitschirmflieger e.V. informiert werden, um etwaige Sperrungen oder Bergungsmaßnahmen zu koordinieren.
Notfallkontakte Organisation Kontakt Funktion Integrierte Leitstelle 112 Rettungsdienst / Bergwacht Blombergbahn +49 8041 3726 Technische Hilfe / Liftbetrieb Bergwacht Bad Tölz Via 112 Alpine Rettung Polizei Bad Tölz +49 8041 76120 Unfallaufnahme Export to Sheets Zusammenfassende flugwissenschaftliche Bewertung
Die aerodynamische Effizienz des Blombergs lässt sich durch das Verhältnis von thermischem Auftrieb (L th
) zu mechanischer Turbulenz (T mech
) modellieren. Aufgrund der orografischen Gegebenheiten liegt am Blomberg oft eine Situation vor, in der T mech
bei Windgeschwindigkeiten über 15 km/h in den Schneisen dominiert. Dies erfordert eine kritische Gleitzahlberechnung:
G eff
= w s
v a
±v w
Hierbei ist v a
die Eigengeschwindigkeit des Gleitschirms, v w
die Windgeschwindigkeit (Gegenwind positiv) und w s
das Eigensinken. Da der Landeplatz Stallauer Weiher ca. 2,5 km vom Startplatz Ost entfernt liegt, ist eine minimale Gleitzahl von 5,2 erforderlich. Bei einem mäßigen Gegenwind von 15 km/h (ca. 4 m/s) und einer Trimmgeschwindigkeit von 10 m/s reduziert sich die effektive Gleitzahl dramatisch auf etwa 3,1, was ohne Nutzung von Aufwinden oder dem Einsatz des Beschleunigers zu einer Außenlandung im Wald führen würde.
Diese mathematische Gewissheit unterstreicht die Notwendigkeit einer fundierten Flugplanung und einer realistischen Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Der Blomberg ist ein exzellentes Trainingsgelände für Piloten, die den Übergang vom reinen Genussfliegen zum aktiven, taktischen Fliegen suchen.
Epilog für den Reisejournalisten
Der Blomberg ist mehr als die Summe seiner GPS-Koordinaten. Er ist ein Stück bayerischer Lebensart, eingefangen zwischen der barocken Pracht von Bad Tölz und der wilden Einsamkeit des Zwiesel-Gipfels. Wer hier fliegt, wird Teil einer Gemeinschaft, die den Berg nicht nur als Sportgerät, sondern als lebendigen Organismus begreift. Ob beim lautlosen Soaren in der Abendsonne oder beim konzentrierten Start in der schattigen Nordostschneise – der Blomberg fordert Respekt und schenkt dafür Momente von seltener Intensität. Ein Besuch ist für jeden Piloten, der das Authentische sucht, ein absolutes Muss.
Live-Kameras in der Nähe