StartseiteFluggebieteDeutschlandSchleswig-HolsteinWohlde

Wohlde

Startplätze:1
Koord.:54.3889°N, 9.2808°E
Piloten-GuideStartplätzeInfoAnmelden
In Google Maps öffnen

Geländekarte

3D terrain map preview

Start- & Landeplätze

1 Startplatz, 0 Landeplatzätze

Wohlde

Start
Höhe1m ü. M.
Koord.54.3889, 9.2808
WindW, O
Korrekt?

Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Der ultimative Pilotenguide zum Fluggelände Wohlde: Flachlandmagie im Storchendorf

Die Suche nach dem perfekten Flugspot in Deutschland führt viele Piloten unweigerlich in die Alpen. Doch für den erfahrenen Gleitschirmflieger, der die Kunst des Thermikfliegens in seiner reinsten Form beherrschen möchte, bietet der hohe Norden ein Juwel, das oft unter dem Radar fliegt: das Windenschleppgelände Wohlde in Schleswig-Holstein. Gelegen in der malerischen Flusslandschaft zwischen Treene und Sorge, repräsentiert Wohlde eine Symbiose aus technischer Präzision, biologischen Indikatoren und einer Gemeinschaft, die den Flugsport seit über drei Jahrzehnten lebt und atmet. Dieser Guide ist keine bloße Auflistung von Daten, sondern eine tiefgehende Analyse eines Standorts, der das Herz der norddeutschen Fliegerei bildet.  

Executive Summary: Wohlde auf einen Blick

Für Piloten, die eine schnelle Entscheidungshilfe benötigen, lässt sich Wohlde als ein hochspezialisiertes Flachlandgelände charakterisieren, das primär durch Windenschlepp erschlossen wird. Es ist der ideale Ort für Genusspiloten, die laminare Küstenströmungen mit thermischen Ablösungen kombinieren möchten, und für XC-Interessierte, welche die Herausforderung suchen, ohne Reliefhilfe auf Strecke zu gehen. Die Infrastruktur wird durch den Verein Schleswig-Holsteiner Drachenflieger e.V. „Milan“ auf einem technologisch weltweit führenden Niveau gehalten, insbesondere durch den Einsatz vollelektrischer Winden.  

Die besondere Attraktivität resultiert aus der Lage als „Geestinsel“, die im Sommer als zuverlässiger Thermiktrigger fungiert. Die unmittelbare Nachbarschaft zum Storchendorf Bergenhusen sorgt für eine natürliche „Markierung“ der Aufwinde durch bis zu 300 Weißstörche – ein visuelles Hilfsmittel, das kein Vario der Welt ersetzen kann. Wer Ruhe, Professionalität und eine entspannte Atmosphäre abseits des alpinen Massentourismus sucht, wird in Wohlde fündig. Einsteiger profitieren von großzügigen Landeflächen und einer feinfühligen Windensteuerung, während Profis die komplexen Luftraumstrukturen des Nordens als taktische Herausforderung begreifen.

Korrekt?

Standort-Spezifikationen und Geographie

Das Fluggelände Wohlde befindet sich an einer geographischen Schnittstelle, die für die thermische Aktivität im Flachland entscheidend ist. Es liegt in der Niederung der Flüsse Treene und Sorge, am nördlichen Rand einer sogenannten Geestinsel. Diese Geestinseln sind sandige Erhebungen, die aus der nacheiszeitlichen Landschaftsbildung hervorgegangen sind und sich deutlich schneller erwärmen als die umgebenden, feuchteren Marschwiesen. Diese Temperaturdifferenz ist der Motor für die Warmluftpakete, die hier regelmäßig in den Himmel steigen.  

Feature Detaildaten Wohlde (Schleswig-Holstein) GPS-Koordinaten Start/Winde

54 ∘ 23 ′ 20.00 ′′ N,9 ∘ 16 ′ 51.00 ′′ E

GPS-Koordinaten Landeplatz

54 ∘ 23 ′ 00.00 ′′ N,9 ∘ 16 ′ 00.00 ′′ E

Höhe über NN (Basis)

ca. 1 m

Maximale Schlepphöhe

300 m über Grund (GND)

Startrichtungen

Südost (SO) und Nordwest (NW)

Zulassung

Gleitschirm (GS) & Drachen (HG), 1- und 2-sitzig, Schulung

Schwierigkeitsgrad

Mittel (Anspruchsvoller Schlepp bei Seitenwind)

 

Es ist wichtig, Wohlde (Schleswig-Holstein) nicht mit anderen Standorten gleichen Namens zu verwechseln. In der DHV-Datenbank findet sich beispielsweise ein Eintrag für Wohlde im Rahmen der Halde Hoheward in Nordrhein-Westfalen. Während letzteres ein Hanggelände mit geringem Höhenunterschied (40 m) darstellt, ist das hier behandelte Wohlde bei Bergenhusen ein reines Schleppgelände mit einer potenziellen Ausklinkhöhe von 300 Metern, was es für Streckenflüge weitaus potenter macht.  

Geologische Triggerpunkte

Die bewaldeten Abschnitte rund um das Gelände wirken als Wärmespeicher. Wenn die Sonne auf die Geestinsel trifft, entsteht ein lokaler Temperaturgradient. Die umliegende Flussniederung bleibt kühler, während die sandigen Böden von Wohlde und Bergenhusen die Luft aufheizen. Dies führt dazu, dass Warmluftblasen bevorzugt über dem Fluggelände abreißen – ein Effekt, der durch die Bewirtschaftung der Wiesen als Viehweide noch verstärkt wird, da das kurze Gras die Erwärmung des Bodens begünstigt.

Korrekt?

Zugang, Logistik und Infrastruktur

Die Erreichbarkeit des Geländes ist für norddeutsche Verhältnisse exzellent, erfordert jedoch eine strikte Einhaltung der lokalen Verkehrsregeln, um die Akzeptanz in der Gemeinde Bergenhusen nicht zu gefährden. Das Gelände ist per Auto und zu Fuß erschlossen.  

Anreise und Parken

Piloten sollten ihr Fahrzeug ausschließlich auf den offiziell gekennzeichneten Parkplätzen in der Gemeinde Bergenhusen abstellen. Der Parkplatz am Friedhof oder die ausgewiesenen Flächen am Michael-Otto-Institut (NABU) sind gute Anlaufpunkte. Von dort aus ist das Gelände in wenigen Gehminuten erreichbar. Es ist streng untersagt, landwirtschaftliche Wege zuzuparken oder auf Privatgrundstücke ohne Genehmigung zu fahren.  

Die Windeninfrastruktur: Der „Elowin“-Standard

Das technologische Herzstück in Wohlde ist seit 2024 die „Elowin“ von Nova – eine vollelektrische Winde. Dieser Umstieg ist ein Meilenstein für den Verein „Milan“. Die Vorteile für den Piloten sind immens:  

Laminarer Kraftaufbau: Die elektronische Regelung erlaubt einen wesentlich feinfühligeren Schlepp als herkömmliche Verbrennungsmotoren. Dies reduziert die Gefahr von Überbelastungen am Schirm und erhöht die Sicherheit für Einsteiger und Leichtgewichte.  

Geräuschemission: Der Schleppvorgang erfolgt fast lautlos, was die Kommunikation am Startplatz verbessert und die Störung der Tierwelt minimiert.  

Umweltaspekt: Der Verzicht auf fossile Brennstoffe sichert langfristig die Flugrechte in der ökologisch sensiblen Flusslandschaft.  

Shuttle und Aufstiegshilfen

Da es sich um ein Flachlandgelände handelt, gibt es keine Bergbahnen oder Lifte. Der „Aufstieg“ erfolgt am Schleppseil. Der Seilrückholwagen (Leppo) sorgt für einen schnellen Turnus, sodass an guten Tagen über 1.000 Starts pro Saison möglich sind. Eine Besonderheit ist der digitale Windenschleppkalender, über den sich Piloten und Schüler vorab registrieren müssen, um Kapazitäten zu planen.

Korrekt?

Flugbedingungen: Die Kunst des Flachlandfliegens

Das Fliegen in Wohlde erfordert ein anderes Mindset als das alpine Fliegen. Hier geht es nicht um Talwindsysteme und Grate, sondern um die Analyse von Wolkenbildern, Windverdriftung und thermischen Ablösungen über flachem Grund.

Typische Thermikzeiten

Die thermische Aktivität beginnt in Wohlde oft früher, als man im Norden vermuten würde. Bereits ab 09:00 Uhr können erste schwache Ablösungen genutzt werden, um „auszukurbeln“.  

Vormittag (09:00 - 11:30): Ideale Bedingungen für Flugschüler und Thermik-Einsteiger. Die Luft ist oft noch ruhig, aber es bilden sich bereits erste nutzbare Blasen.  

Mittag/Nachmittag (12:00 - 15:30): Kernthermikzeit. Hier können Steigwerte von 2-3 m/s erreicht werden. Die Ablösungen sind oft eng und erfordern konzentriertes Zentrieren.  

Spätnachmittag (ab 16:00): Abklingende Thermik, oft Übergang in sehr ruhige „Abendthermik“, die ausgedehnte Gleitflüge über der Sorgeniederung ermöglicht.  

Windrichtungen und Gefahren

Die optimalen Windrichtungen sind Südost (SO) und Nordwest (NW), da diese parallel zur Schleppstrecke verlaufen.  

Gefährliche Lagen: Starker Westwind kann problematisch sein. Bei Starts in Richtung 280° (West) gibt es strikte Auflagen, um den Straßenverkehr nicht durch das Schleppseil zu gefährden. Wenn die Windgeschwindigkeit 30 km/h überschreitet, muss die Schlepphöhe pro weiteren 10 km/h Windzunahme um jeweils 100 m reduziert werden.  

Lee-Effekte: Da das Gelände von bewaldeten Zonen umgeben ist, kann es bei starkem Seitenwind zu Turbulenzen in Bodennähe kommen. Erfahrene Piloten achten auf das Verhalten der Störche oder die Windfahnen der lokalen Wetterstationen.  

XC-Potential: Der Weg in die Unendlichkeit

Streckenflüge sind von Wohlde aus durchaus möglich, erfordern aber eine exzellente Planung.

Richtung Nord/Ost: Man fliegt in die offene Landschaft der Geest. Die größte Herausforderung ist die Nähe zur Küste und die damit verbundene „Seewindfront“, die die Thermik abrupt beenden kann.  

Richtung Süd: Hier bieten sich Routen Richtung Elbe an, wobei man komplexe Luftraumstrukturen (Kontrollzonen militärischer Flugplätze wie Jagel oder Husum) beachten muss.  

Taktik: Erfolgreiche XC-Piloten in Wohlde nutzen oft „Wolkenstraßen“, die sich durch die laminare Strömung im Norden besonders stabil ausbilden können.

Korrekt?

Geheimtipps: Der wahre Mehrwert für Insider

Das Wissen lokaler Piloten geht weit über die DHV-Datenbank hinaus. In Wohlde dreht sich alles um die Symbiose mit der Natur und technisches Geschick.

Der Storchen-Faktor: Das biologische Variometer

Bergenhusen ist als Storchendorf weltbekannt. Für Piloten bedeutet das: Wir haben die besten Thermik-Sucher der Welt als Partner.  

Insider-Tipp: Wenn die Jungstörche im August ihre ersten Thermikübungen machen, sind oft bis zu 300 Vögel gleichzeitig in der Luft. Sie markieren zuverlässig jeden noch so kleinen Bart. Wer sich zu ihnen gesellt, gewinnt fast garantiert an Höhe. Aber Vorsicht: Die Vögel haben Vorrang, und man sollte einen respektvollen Abstand halten, um sie nicht zu erschrecken.  

Verhalten: Störche segeln extrem energiesparend. Beobachte ihre Flügelstellung: Wenn sie die Handschwingen spreizen („fingern“), befinden sie sich in aktivem Steigen.  

Der "Frühaufsteher-Bart"

Viele Piloten kommen erst gegen Mittag zum Gelände. Lokale Experten wissen jedoch, dass oft schon um 09:00 Uhr ein stabiler Bart direkt über der Geestinsel abreißt. Wer früh am Start ist, hat oft die Chance, das Gelände für sich allein zu nutzen, bevor der große Ansturm kommt.  

Webcams und Echtzeitdaten

Anstatt sich auf allgemeine Wetterdienste zu verlassen, nutzen die Locals spezifische Quellen:

Storchenkamera Bergenhusen: Die Live-Cams des Michael-Otto-Instituts zeigen nicht nur die Vögel, sondern auch die exakte Neigung der Bäume und die Wolkenbildung über dem Dorf.  

Holfuy-Station Wohlde: Der DHV-Link führt zu einer Holfuy-Station, die präzise Winddaten direkt vom Gelände liefert.  

Fehler von Neulingen vermeiden

Ein häufiger Fehler ist das Unterschätzen der Windverdriftung während des Schlepps. Da es im Norden oft eine konstante Grundwindgeschwindigkeit gibt, wird man beim Kreisen schnell vom Gelände weggetrieben. Anfänger sollten darauf achten, immer "Luv-Reserven" einzuplanen, um sicher zum Landeplatz zurückzukommen.

Korrekt?

Drumherum: Einkehr und Aufenthalt

Ein Flugtag endet in Wohlde traditionell in der Gemeinschaft. Die Gemeinde Bergenhusen bietet dafür den perfekten Rahmen.

Beste Einkehr nach dem Flug

Gaststätte „Hoier Boier“: Der inoffizielle Fliegertreffpunkt im Dorf. Hier gibt es bodenständige norddeutsche Küche und die Möglichkeit, den Flugtag Revue passieren zu lassen.  

Kaufmannsladen & Bäcker: Ideal für die Verpflegung zwischendurch. Die lokale Bäckerei wird oft für Besprechungen der Fluglage genutzt.  

Übernachtungsmöglichkeiten

Camping: Der Verein organisiert oft Campingmöglichkeiten in der Nähe des Geländes oder auf kooperierenden Höfen. Eine Nacht auf dem Parkplatz ist unter Beachtung der lokalen Aushänge manchmal gestattet.  

Ferienwohnungen: In Bergenhusen gibt es zahlreiche reetgedeckte Häuser, die Ferienzimmer anbieten – ideal, um das Flair des Storchendorfes aufzusaugen.  

Alternativprogramm bei Fehlwind

Wenn der Wind für Wohlde nicht passt:

Stohl (Ostsee): Der einzige offizielle Küstenflugspot Schleswig-Holsteins, ebenfalls vom Verein „Milan“ betrieben. Soaring an der Steilküste ist bei Nordostwind möglich (Beachtung der Sperrzeit 15.04. - 01.10.!).  

Michael-Otto-Institut (NABU): Die Storchenausstellung ist ein Muss, um die biologischen Hintergründe des Geländes zu verstehen.

Korrekt?

Sicherheit, Regeln und Physik des Schlepps

Der Windenschlepp ist eine technisch anspruchsvolle Startart, die klare Regeln erfordert. In Wohlde wird Sicherheit großgeschrieben.

Physikalische Grundlagen und Berechnungen

Beim Schlepp wirkt die Zugkraft der Winde F Zug ​

entgegen dem Luftwiderstand D und der Gewichtskraft m⋅g. Die resultierende Steigrate wird durch den Anstellwinkel beeinflusst. In Wohlde wird angestrebt, eine maximale Höhe von 300 m über eine Schleppstrecke von ca. 800-1000 m zu erreichen.

Die Steigrate v y ​

lässt sich näherungsweise beschreiben durch:

v y ​

= m F Zug ​

⋅cos(θ)−L ​

⋅sin(γ)

wobei θ der Seilwinkel und γ der Steigwinkel ist. Dank der E-Winde kann F Zug ​

in Echtzeit an thermische Einflüsse angepasst werden, was die Gefahr eines Seilrisses minimiert.  

Wichtige Regeln in Wohlde

Lizenzpflicht: Das Fliegen ist nur mit gültiger Lizenz (A-Schein) und Windenschleppstartberechtigung gestattet.  

Einweisung: Jeder Gastpilot benötigt vor dem ersten Start eine Einweisung durch ein Vereinsmitglied oder den Startleiter.  

Straßenschutz: Die Auflagen bezüglich des Überfliegens von Straßen und der Windgeschwindigkeiten sind zwingend einzuhalten, um die Zulassung des Geländes nicht zu gefährden.  

Luftraum: Die Überwachung des Luftraums ist essenziell. Da Wohlde in einem Bereich mit viel Sportflugverkehr liegt, ist "Lookout" lebenswichtig.  

Kontakt und Notfall

Geländehalter: Schleswig-Holsteiner Drachenflieger e.V. „Milan“.  

Ansprechpartner: Andreas Scholz (Tel.: +49 (0)4881/1826 oder mobil: 01757479133).  

Notfall: Die nächste Rettungsstation befindet sich in Kropp oder Schleswig. Ein Erste-Hilfe-Set ist immer am Windenwagen vorhanden.  

Kategorie Information Vereinsname

GDF S-H e.V. "Milan"

Mitglieder

ca. 90 Piloten

Gegründet

20.06.1992

Winden-Typ

Nova Elowin (Elektrowinde)

Gastgebühr

15 € pro Schlepp (max. 45 €/Tag)

  Fazit: Warum Wohlde ein Muss für jeden Piloten ist

Wohlde ist kein Ort für Adrenalinjunkies, die sich von hohen Klippen stürzen wollen. Es ist ein Ort für Ästheten, für Beobachter der Natur und für Techniker am Seil. Die Kombination aus modernster E-Winden-Technologie, der einzigartigen Unterstützung durch die Bergenhusener Störche und der herzlichen, norddeutschen Fliegergemeinschaft macht diesen Spot zu einem der hochwertigsten Fluggelände im deutschen Flachland.  

Wer hier fliegt, lernt das "aktive Fliegen" in einer Umgebung, die Fehler verzeiht, aber Präzision belohnt. Die Weite der norddeutschen Landschaft, das Klappern der Störche in der Thermik und das lautlose Gleiten über der Sorgeniederung hinterlassen Eindrücke, die man in den überfüllten alpinen Flugzentren oft vergeblich sucht. Wohlde ist eine Reise wert – für einen Tag, ein Wochenende oder eine ganze Fliegerkarriere.

Korrekt?

Fluggebiete in der Nähe

Stohl
Schleswig-Holstein
Fischbek
Niedersachsen
Segelflugplatz Holste - Hellingst
Niedersachsen
Riekenbostel
Niedersachsen
Kirchwalsede
Niedersachsen
Mehr in Schleswig-Holstein
Bergrettung
112