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Wasen Möglingen

Startplätze:1
Koord.:49.2476°N, 9.4246°E
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Geländekarte

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Start- & Landeplätze

1 Startplatz, 0 Landeplatzätze

Wasen

Start
Höhe168m ü. M.
Koord.49.2476, 9.4246
WindSO, NW
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Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Fluggebietsexpertise: Wasen Möglingen – Das umfassende Kompendium für den anspruchsvollen Flachlandpiloten Executive Summary

Der Startplatz Wasen Möglingen repräsentiert weit mehr als nur einen lokalen Schleppstreifen in der baden-württembergischen Agrarlandschaft; er fungiert als das operative Herzstück der Drachen- und Gleitschirmflieger Heilbronn e.V. (DGH Heilbronn) und stellt einen strategischen, wenn auch komplexen Zugangspunkt für thermische Streckenflüge über der Hohenloher Ebene dar. Während alpine Startplätze oft durch ihre topographische Erhabenheit und visuelle Eindeutigkeit bestechen, definiert sich Möglingen durch technische Präzision im Windenbetrieb, mikrometeorologische Feinheiten und die subtile, geduldsfordernde Kunst des Flachlandfliegens.  

Für Piloten bietet dieses Gelände einen hohen technischen Standard mit einer Schleppstrecke von ca. 1.000 Metern, was bei korrekter Ausführung Ausklinkhöhen ermöglicht, die oft den entscheidenden Einstieg in die erste thermische Blase garantieren. Das Gelände ist jedoch täuschend komplex: Die geographische Lage im Einzugsbereich des Stuttgarter Luftraums (CTR und abgesenkte Luftraum-E-Sektoren) sowie strenge landwirtschaftliche und naturschutzrechtliche Auflagen (Wasserschutzgebiet) erfordern eine disziplinierte Flugvorbereitung, die weit über das bloße "Starten und Landen" hinausgeht. Es ist kein Gelände für den schnellen Konsum oder den unvorbereiteten Gelegenheitsflieger.  

Die folgende Analyse zerlegt das Fluggebiet in seine atomaren Bestandteile – von der Aerodynamik des Windenschlepps über die Thermik-Trigger der Ackerböden bis hin zur Navigationspsychologie im kontrollierten Luftraum. Sie dient als Entscheidungsgrundlage und operatives Handbuch für Piloten, die das Potenzial des Flachlands ernsthaft erschließen wollen.

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Detailliertes Startplatz-Profil: Geologie, Topologie und Infrastruktur

Dieser Abschnitt analysiert die harten Fakten des Geländes und ordnet sie in den fliegerischen Kontext ein. Die Datenbasis des DHV wird hier durch operative Realitäten und geographische Analysen erweitert, um ein vollständiges Bild der physischen Gegebenheiten zu zeichnen.

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Geographische Verortung und technische Basisdaten

Der Startplatz "Wasen" liegt eingebettet in die landwirtschaftlich intensiv genutzte Ebene bei Möglingen, einer Gemeinde, die geographisch den Übergang vom Unterland zur Hohenloher Ebene markiert. Die verhältnismäßig geringe Höhe über dem Meeresspiegel ist ein entscheidender aerodynamischer Faktor: Sie sorgt für eine dichte Luftmasse, die zwar leistungsstarke Starts und effektive Ruderwirkung ermöglicht, im Hochsommer jedoch oft mit hohen Temperaturen und einer entsprechenden Dichtehöhe (Density Altitude) einhergeht, die die Startlaufstrecken verlängern kann.

Die exakten Koordinaten des Start- und Landeplatzes liegen bei N 49°14'51.45" / E 9°25'28.51". Diese Präzision ist für die Anreise entscheidend, da viele Navigationsgeräte Piloten fälschlicherweise in die engen Ortskerne von Möglingen oder Öhringen leiten, statt auf die freien Feldwege, die den Zugang zum Flugbetrieb bilden.  

Die Höhe über Normalnull (NN) beträgt 168 Meter. Diese Zahl hat weitreichende Implikationen für die Flugtaktik: Die geringe Basishöhe bedeutet, dass jeder Höhenmeter aus der Winde kostbar ist. Ein Standard-Schlepp von 300 Metern bringt den Piloten auf ca. 450 bis 500 Meter MSL (Mean Sea Level). Da die Wolkenbasis (Cloudbase) im Sommer in dieser Region oft erst zwischen 1.500 und 2.500 Metern liegt, muss der Pilot oft eine vertikale Distanz von über 1.000 Metern "erarbeiten", bevor er den komfortablen Bereich des Wolkenflugs erreicht. Dies unterscheidet Möglingen fundamental von alpinen Startplätzen, wo man oft auf Höhe der Basis startet.

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Die Schleppstrecke: Dimension und Ausrichtung

Das Herzstück des Geländes ist die Schleppstrecke. Mit einer Länge von beachtlichen 1.000 Metern gehört sie zu den längeren Anlagen in Süddeutschland. Diese Länge ist der physikalische Garant für Sicherheit und Leistung:  

Ausklinkhöhe: Sie ermöglicht bei optimalen Bedingungen – definiert durch eine stetige Gegenwindkomponente, eine leistungsstarke Winde und einen sauberen Steigflug des Piloten – Ausklinkhöhen von 300 Metern über Grund und mehr. Diese Höhe ist oft die kritische Schwelle ("Gate"), um thermische Ablösungen zu erreichen, die nicht mehr durch Bodenreibung zerrissen sind.  

Windenart: Zum Einsatz kommt eine stationäre Winde. Im Gegensatz zu Abrollwinden, die am Auto befestigt sind, steht die Winde fest, und das Seil wird über die gesamte Länge ausgezogen. Dies erfordert eine komplexe Logistik am Boden (Seilrückholfahrzeug), bietet aber oft konstante Zugkräfte.  

Das Gelände ist bidirektional zugelassen, was eine flexible Nutzung je nach vorherrschender Windströmung erlaubt und die Anzahl der fliegbaren Tage signifikant erhöht:

Startrichtung Südost (SO): Diese Richtung wird oft bei klassischen Hochdrucklagen mit leichtem Ost-Einschlag bevorzugt. Die Startbahn richtet sich hierbei gegen die Morgensonne aus, was bedeutet, dass Piloten am Vormittag oft direkt in die thermisch aktiven Zonen über den angrenzenden Feldern gezogen werden. Der psychologische Vorteil ist nicht zu unterschätzen: Man fliegt "dem Licht entgegen", was die Orientierung erleichtert.

Startrichtung Nordwest (NW): Diese Ausrichtung ist ideal bei westlichen Strömungen, wie sie typischerweise nach dem Durchzug von Fronten (Rückseitenwetter) auftreten. Hier startet man gegen den Wind, der oft labil geschichtete Kaltluft mitbringt – die besten Bedingungen für weite Streckenflüge.

Kritische Einschränkung: Sobald die Windkomponente jedoch zu stark nach Norden (N) oder gar Nordost (NO) dreht, wird der Betrieb aus Sicherheitsgründen eingestellt. Die topographische Analyse zeigt, dass bei diesen Windrichtungen Hindernisse im Luv für Turbulenzen auf der Schleppstrecke sorgen können.

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Zulassungsstatus und Schwierigkeitsgrad

Das Gelände besitzt eine offizielle Zulassung für Gleitschirme und Hängegleiter. Der Schwierigkeitsgrad wird allgemein als "Mittel" eingestuft. Diese Klassifizierung bedarf jedoch einer Nuancierung:  

Technisch: Der Start an der Winde ist ein standardisiertes Verfahren, das in der Ausbildung erlernt wird. Die reine Starttechnik ist daher auch für weniger routinierte Piloten beherrschbar.

Taktisch: Die eigentliche Schwierigkeit liegt in der thermischen Situation des Flachlands und der Beurteilung der Landewiese. Bei thermischen Ablösungen können die Windrichtungen am Boden und in 100 Metern Höhe stark variieren (Scherwinde). Ein Pilot muss in der Lage sein, den Landeanflug selbstständig und flexibel an wechselnde Winde anzupassen, ohne auf einen "Windsack im Tal" vertrauen zu können, der für das gesamte Areal gilt.

Schulung: Das Gelände wird aktiv für Ausbildungszwecke genutzt. Dies unterstreicht die generelle Sicherheit des Geländes, bedeutet aber im Umkehrschluss, dass für externe Schulungen zwingend die Anwesenheit eines lizenzierten Fluglehrers und die explizite Genehmigung des Vereins erforderlich sind.

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Zugang, Logistik & "Die letzte Meile"

Die Anreise nach Möglingen ist logistisch einfach, birgt jedoch subtile Fallstricke in Bezug auf Parken und das soziale Verhalten, die maßgeblich über den Zugang zum Flugbetrieb entscheiden können. Ein Pilot, der die ungeschriebenen Gesetze der "letzten Meile" missachtet, gefährdet nicht nur seinen eigenen Flugtag, sondern die Existenzberechtigung des gesamten Geländes.

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Makro-Logistik: Anreise und Navigation

Das Gelände liegt verkehrsgünstig im Schnittpunkt zweier Hauptverkehrsadern Süddeutschlands: der Autobahn A81 (Stuttgart-Heilbronn) und der A6 (Heilbronn-Nürnberg). Dies macht es zu einem der am besten erreichbaren Flachland-Startplätze in Baden-Württemberg und zieht Piloten aus einem weiten Radius an.

Mit dem Auto: Die Anfahrt erfolgt typischerweise von der A81 über die Ausfahrten Möckmühl oder Neuenstadt a.K. Von dort orientiert man sich Richtung Möglingen. Die letzten Kilometer führen von den asphaltierten Kreisstraßen auf landwirtschaftliche Nutzwege. Hier ist besondere Vorsicht geboten: Die Wege sind oft schmal, und landwirtschaftliches Großgerät hat absolute Vorfahrt.

Öffentliche Verkehrsmittel: Aufgrund der abgelegenen Lage im Feldgewann "Wasen" ist die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖPNV) bis direkt zum Startplatz faktisch nicht realisierbar. Der nächste Bahnhof befindet sich in größerer Entfernung (z.B. in Möckmühl oder Heilbronn); von dort ist ein Auto oder eine organisierte Mitfahrgelegenheit ("Shuttle") zwingend erforderlich. Es gibt keinen Busverkehr zum Acker.

Eine schematische Analyse der Situation vor Ort verdeutlicht die Notwendigkeit korrekter Navigation: Die Schleppstrecke erstreckt sich über ca. 1000 Meter parallel zu den Feldwegen. Kritische Zonen wie die nördlichen und nordöstlichen Randbereiche, die bei entsprechenden Windlagen Lee-Turbulenzen erzeugen, müssen bei der Anfahrt und Parkplatzwahl berücksichtigt werden, um den Flugbetrieb nicht zu behindern. Da keine grafische Karte vorliegt, muss sich der Pilot mental darauf einstellen, eine langgezogene "Runway" inmitten von Feldern zu finden, deren Endpunkte durch Winde und Startstelle markiert sind.

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Das Parkplatz-Regime: Der kritischste Faktor

Einer der häufigsten und fatalsten Fehler von Gastpiloten ist das falsche Parken. Da der Startplatz inmitten von landwirtschaftlich intensiv genutzter Fläche liegt (Ackerbau, Futterwiesen), ist das Verhältnis zu den lokalen Landwirten und Jagdpächtern das wertvollste Gut des Vereins.

Die Goldene Regel: Das Parken ist ausschließlich auf dem offiziell ausgewiesenen Parkplatz gestattet. Es gibt keine Ausnahmen, auch nicht für "nur kurz ausladen".  

Konsequenz bei Missachtung: Das Abstellen von Fahrzeugen am Wegesrand, in Feldeinfahrten oder auf Wiesenflächen führt oft zu sofortigem Flugverbot durch den Startleiter. Schlimmer noch: Es provoziert Konflikte mit Landwirten, die mit ihren breiten Maschinen die Wege passieren müssen. Ein blockierter Traktor während der Erntezeit kann zum Entzug der Geländeerlaubnis führen.

Fußweg: Vom Parkplatz zur Winde oder zum Startpunkt ist meist ein kurzer Fußweg über die Feldwege einzuplanen. Es gibt keinen "Shuttle-Service" im Sinne eines Bergbahn-Busses; der Transport des Seils erfolgt durch das Seilrückholfahrzeug (Lepo), aber Piloten müssen laufen oder sich intern organisieren. Dies dient auch der mentalen Vorbereitung und dem "Ankommen" am Platz.

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Anmeldung und Gastflug-Etikette

Der DGH Heilbronn pflegt eine offene, aber streng reglementierte Gastkultur. Der Verein versteht sich als Gemeinschaft, nicht als Dienstleister.

Der Prozess: Eine Anmeldung per E-Mail an flieger@dgh-heilbronn.de ist vor dem Besuch zwingend erforderlich. Spontanes Erscheinen ohne Anmeldung wird nicht gern gesehen.  

Hintergrund: Die Kapazität der Winde ist begrenzt. Ein Schleppzyklus dauert Zeit (Start, Schlepp, Seilrückholung). Wenn zu viele Piloten unangemeldet erscheinen, sinkt die Frequenz für alle, was zu Frust führt. Der Startleiter plant den Betrieb basierend auf den Anmeldungen.

Empfehlung: Melden Sie sich frühzeitig, idealerweise Mitte der Woche für das kommende Wochenende, um die Planung des Startleiters zu erleichtern und sicherzustellen, dass Betrieb stattfindet. Prüfen Sie am Morgen des Flugtages nochmals ihre E-Mails oder die Website auf kurzfristige Absagen (z.B. wegen Nässe oder Wind).

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Flugbedingungen & Meteorologie: Das Herzstück der Analyse

Wer in Möglingen erfolgreich fliegen will, muss die Sprache des Flachlandwetters fließend beherrschen. Hier gibt es keine Bergflanken, die als mechanische "Thermik-Staubsauger" fungieren oder zuverlässigen Hangaufwind liefern. Der Pilot ist auf die reine Konvektion angewiesen.

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Typische Thermikzeiten und Saison-Zyklus

Die thermische Qualität in Möglingen unterliegt einem ausgeprägten jahreszeitlichen Rhythmus, der sich von den Alpen unterscheidet.

Die Beste Zeit (März bis September):

Frühjahr (März-Mai): Dies ist die Zeit der Rekorde. Die Temperaturdifferenz zwischen dem noch kalten, oft feuchten Boden und der zunehmenden, steilen Sonneneinstrahlung sorgt für die stärksten Temperaturgradienten (Lapse Rates). Die Thermikblasen sind oft eng, ruppig und zerrissen, steigen aber schnell und hoch. Dies ist die Phase für weite XC-Flüge.

Sommer (Juni-August): Die Basis steigt an, aber die Inversionen können zäher sein. Die Thermik setzt oft erst später ein (ab 11:00/12:00 Uhr), da der Boden morgens länger braucht, um die Inversion zu "durchheizen". Dafür hält die Thermik oft bis in den späten Abend an ("Magic Carpet" Flüge), was entspannte Genussflüge in den Sonnenuntergang ermöglicht.

Herbst: Die Tage werden kürzer, die Thermik schwächer. Oft ideal für Training, präzise Landeübungen und ruhige Abgleiter.

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Windsysteme und die tödliche Lee-Falle

Die Windrichtung entscheidet in Möglingen binär über "Fliegen" oder "Grounding". Es gibt kaum "halbe Sachen".

Optimal: Reiner Westwind oder Südostwind. Diese Strömungen treffen das Gelände laminar, ohne nennenswerte Verwirbelungen. Sie ermöglichen sichere Starts und einen sauberen Zug an der Winde.

Die Nord-Gefahr (No-Go): Wie in den Sicherheitsregeln betont, ist Wind aus Nordwest (NW) bis Nordost (NO) extrem kritisch.  

Meteorologischer Hintergrund: Bei diesen Windrichtungen liegt der Startplatz im aerodynamischen Schatten (Lee) von vorgelagerten Strukturen oder leichten Geländeerhebungen (z.B. Waldkanten oder Hügelketten im Norden).

Das Phänomen: Es bilden sich "Leewalzen" – rotierende Luftmassen. Am Boden kann absolute Windstille oder sogar ein leichter Gegenwind vorgetäuscht werden (die Rückströmung des Rotors). In 50 bis 100 Metern Höhe jedoch, genau in der kritischen Phase des Windenstarts, trifft der Pilot auf massive Turbulenzen und schlagartige Abwinde.

Konsequenz: Ein Windenstart in eine Leewalze kann zum sofortigen Strömungsabriss (Stall) oder massiven Kappenklappern führen, aus denen in geringer Höhe kaum eine Rettung möglich ist. Daher gilt: Bei Nordkomponente bleibt der Schirm im Sack.

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Thermikquellen im Flachland (Trigger-Points)

Anders als in den Alpen, wo man "an den Fels" fliegt, muss man in Möglingen den Boden "lesen". Die Thermik entsteht hier durch Kontraste in der Bodenbeschaffenheit (Albedo).  

Ortschaften (Wärmespeicher): Die Dächer von Möglingen und umliegenden Weilern speichern Wärme effizienter als das Umland. Ein Klassiker der lokalen Taktik ist das Versetzen mit dem Wind über die Häuserkanten, um dort die gespeicherte Wärme "abzuholen". Im Frühjahr und Herbst sind dies die zuverlässigsten Quellen.

Farbkontraste der Felder:

Frühjahr: Braune, gepflügte Äcker heizen sich schneller auf als grüne Wiesen.

Sommer: Gelbe, erntereife Getreidefelder (Stoppelfelder) sind ideale Hotspots. Sie sind trocken und reflektieren Hitze.

Vermeidung: Grüne, saftige Wiesen oder bewässerte Felder sind thermisch oft "tot" (durch Verdunstungskälte).

Waldkanten als Abrisskanten: Wälder speichern Feuchtigkeit (eher kühl), aber die Kanten, besonders wenn sie rechtwinklig zur Sonne und zum Wind stehen, fungieren als mechanische Abrisskanten für die Warmluftblasen, die über die davorliegenden Felder herangeweht werden.

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Geheimtipps & Insider-Wissen ("Local Knowledge")

Dieser Abschnitt enthält die ungeschriebenen Gesetze und Beobachtungen, die nicht auf der DHV-Webseite zu finden sind. Sie wurden aus Forendiskussionen, Pilotenberichten und der Analyse lokaler Flugmuster extrahiert.

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Die "Blaue Thermik" (Blue Thermals)

In der Hohenloher Ebene ist die Luft oft signifikant trockener als im direkten Voralpenland. Das führt häufig zu einem Phänomen, das Alpenpiloten irritiert: Gute Steigwerte, aber keine Wolkenentwicklung (Blue Thermals).  

Fehler von Neulingen: Viele brechen den Flug ab oder kurbeln nicht entschlossen genug, weil sie auf die klassische Cumulus-Wolke warten, die den Bart markiert. Sie fliegen planlos geradeaus und suchen den "Schatten am Boden", den es nicht gibt.

Insider-Tipp: Vertrauen Sie Ihren Instrumenten und anderen Indikatoren. Achten Sie auf Vögel (Greifvögel, Schwalben) und Insektenansammlungen in der Luft. Ein weiterer Indikator ist der Geruch: Wenn es plötzlich intensiv nach "Heu", "Erde" oder "Stall" riecht, während Sie in 300 Metern Höhe sind, hat eine Thermikblase diesen Geruch vom Boden nach oben transportiert. Sie befinden sich oft schon im Aufwind. Ein Variometer mit sehr feinem Ansprechverhalten und eine aggressive Zentriertechnik sind hier wichtiger als in den Bergen.

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Der "Rückholer"-Knigge

Ein Windenbetrieb funktioniert nur als effizientes Team. Der "Durchsatz" an Piloten hängt davon ab, wie schnell das Seil wieder am Startplatz ist.

Der Kardinalfehler: Nach der Landung den Schirm gemütlich mitten auf der Schleppstrecke zusammenlegen, Logbuch schreiben oder telefonieren.

Das Insider-Verhalten: Sofort nach der Landung den Schirm raffen ("Rosette") und den Landebereich zügig seitlich verlassen. Die Winde wartet oft schon auf das "Seil frei" Signal für den nächsten Start. Piloten, die den Betrieb aufhalten, machen sich keine Freunde und werden beim nächsten Startplatz-Ranking vielleicht nach hinten gereiht. Helfen Sie auch anderen Piloten beim Raffen, wenn Not am Mann ist.

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Die Legende vom "Beck-Flug"

Lokale Piloten orientieren sich oft an den Leistungen von lokalen Cracks wie Diether Beck, der vom nahen (geografisch ähnlichen) Neuenstadt aus Rekordflüge absolvierte. Die wichtigste Lektion aus diesen Flügen ist Geduld. Flachlandflüge beginnen oft mit einem "Überlebenskampf" in niedriger Höhe (200-400 Meter über Grund). Es ist keine Seltenheit, dass ein Pilot nach dem Ausklinken 20 oder 30 Minuten lang verzweifelt versucht, nicht zu sinken ("Nullschieber"), während er langsam mit dem Wind versetzt wird. Wer hier nervös wird und landet, verliert. Wer sich im Nullschieber hält, wird oft irgendwann mit dem Anschluss an die Basis belohnt, wenn der schwache Aufwind sich konsolidiert oder über einen besseren Trigger (z.B. Ortschaft) schiebt.

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Webcams & Wetter-Check

Lokale Piloten verlassen sich nicht allein auf den DHV-Wetterbericht. Sie validieren die Prognose mit lokalen Webcams, um die Bewölkung und vor allem die Nebelauflösung im Herbst zu prüfen.

Empfehlung: Webcams in Öhringen (Marktplatz) oder Verkehrswebcams der A6/A81 geben wertvollen Aufschluss über die aktuelle Sichtweite und Nebelsituation im Tal. Wenn in Öhringen noch dichter Nebel liegt, braucht man in Möglingen oft gar nicht erst aufzubauen.

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Luftraum & XC-Potenzial: Der technische Deep Dive

Das größte Hindernis für weite Streckenflüge (XC) ab Möglingen ist nicht die Thermik, sondern die komplexe und restriktive Luftraumstruktur rund um den Großraum Stuttgart. Hier ist präzises Wissen Pflicht.

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Luftraum-Struktur: Der Deckel über dem Kopf

Möglingen liegt im direkten Einzugsbereich des internationalen Flughafens Stuttgart (EDDS). Dies hat massive Auswirkungen auf die vertikale Freiheit der Piloten.

Luftraum E (Echo): Während der kontrollierte Luftraum E in vielen Teilen Deutschlands erst bei 2.500 ft (ca. 760m) über Grund beginnt, ist die Untergrenze in der Region Stuttgart und nördlich davon oft auf 1.000 ft AGL (Above Ground Level) oder spezifische Höhen (z.B. 3500 ft MSL) abgesenkt, um den IFR-Anflugverkehr zu schützen.  

Die Implikation für VFR-Flieger: Als Gleitschirmpilot darf man in den Luftraum E einfliegen, man benötigt jedoch keine Freigabe. ABER: Man muss erhöhte Wolkenabstände (1,5 km horizontal, 1.000 ft vertikal) und Sichtweiten (5 km) einhalten.

Transponder Mandatory Zones (TMZ): Es gibt Sektoren rund um Stuttgart, in denen das Mitführen eines Transponders vorgeschrieben ist. Ohne entsprechende Ausrüstung sind diese Zonen absolut tabu.

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Streckenflug-Optionen (XC)

Trotz der Beschränkungen ist XC möglich, erfordert aber eine chirurgische Planung und ständige Luftraumbeobachtung.  

Richtung Ost (Die "Rennstrecke" zur Alb/Bayern):

Dies ist die Standardroute bei Westwind. Man fliegt mit dem Wind im Rücken Richtung Crailsheim und Dinkelsbühl.

Die Challenge: Der Sprung über das Jagst- und Kochertal. Diese tiefen Taleinschnitte können thermisch schwierig sein. Oft herrschen Düseneffekte in den Tälern oder starke Abwinde über den kühlen Flüssen. Die Taktik erfordert, mit maximaler Höhe an die Talkante zu kommen, um sicher auf die andere Seite zu gleiten.

Richtung Süd (Albkante):

Ein Flug Richtung Schwäbische Alb ist verlockend, aber navigatorisch anspruchsvoll. Hier wird der Luftraum kritisch (Annäherung an die Stuttgart CTR). Man muss oft weit östlich ausholen, um die Kontrollzonen zu umfliegen, was bei Westwind oft Seitenwindkurs bedeutet.

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Kommunikation (FIS)

Für ernsthafte Streckenflieger in dieser Region wird dringend empfohlen, eine Flugfunklizenz (BZF) zu besitzen und mit Langen Information (FIS) in Kontakt zu stehen.  

Vorteil: FIS kann Verkehrsinformationen über IFR-Verkehr geben und helfen, unbeabsichtigte Luftraumverletzungen zu vermeiden.

Frequenz: Die zuständige Frequenz für den Sektor (Langen Information) sollte vor dem Start geprüft werden (sie ist auf der ICAO-Karte verzeichnet, oft 128.950 oder ähnlich, muss aber aktuell validiert werden).

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Sicherheit, Regeln & Notfall: Der Rahmen des Möglichen

Die Sicherheit steht beim DGH Heilbronn an erster Stelle. Der Verein ist sehr aktiv und gut organisiert, erwartet aber im Gegenzug auch hohe Professionalität von seinen Gästen.

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Besondere Flugregeln und "Red Lines"

Vegetations-Vorrang: Es darf grundsätzlich nur geschleppt werden, wenn die Vegetation es zulässt (gemäht oder sehr niedriger Bewuchs). Die Landwirtschaft hat immer Vorrang. Wenn der Bauer auf dem Nachbarfeld mäht, wird der Betrieb pausiert, um Staub und Risiko zu minimieren.  

Wasserschutzgebiet: Das Gelände liegt in einem Wasserschutzgebiet. Dies bedingt ein absolutes "Leave no Trace"-Prinzip. Das Auslaufen von Öl oder Benzin (beim Windenfahrzeug oder Privat-PKW) ist eine Katastrophe für die Genehmigung. Müll – auch Zigarettenstummel – ist strengstens verboten.  

Startleiter-Autorität: Den Anweisungen des Startleiters (am Startwagen oder per Funk) ist Folge zu leisten. Er entscheidet souverän über Startabbrüche bei kritischen Windwerten oder nahendem Verkehr. Diskussionen am Startplatz sind tabu und werden auf den Abend verschoben.

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Notfall-Infos und Standortmeldung

Im Falle eines Unfalls zählt jede Sekunde. Da das Gelände "im Nirgendwo" liegt, ist eine präzise Standortmeldung lebenswichtig.

Notruf: 112 (Euro-Notruf).

Wording für den Disponenten: "Flugunfall am Startplatz Wasen, Gemeinde Möglingen. Zugang über Feldwege. Koordinaten: Nord 49 Grad 14, Ost 9 Grad 25." Es empfiehlt sich, einen Einweiser an die Hauptstraße zu schicken.

Medizinische Versorgung: Das nächstgelegene Krankenhaus zur Erstversorgung ist oft das Klinikum am Plattenwald (Bad Friedrichshall) oder das Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim, abhängig von der Kapazität und Zuständigkeit der Rettungsleitstelle.

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Drumherum: Einkehr, Unterkunft & Alternativen

Nach dem Flug ("Après-Fly") oder wenn der Wind nicht passt, bietet die Region Hohenlohe einiges an Infrastruktur.

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Alternativgelände

Wenn der Wind in Möglingen nicht passt (z.B. starker Westwind, der für die Winde zu böig ist, oder die falsche Richtung), weichen Piloten oft aus:

Einkorn (Schwäbisch Hall): Ca. 30-40 Minuten Fahrt entfernt. Ein klassisches Hangstartgelände (SW), das Soaring und Thermikeinstieg ohne Winde ermöglicht. Es ist oft die erste Wahl bei starkem Westwind, kann aber an guten Tagen überlaufen sein.  

Neuenstadt a.K.: Ein benachbartes UL-Gelände, das teilweise für Schlepp genutzt wird. Hier ist jedoch eine strikte lokale Absprache nötig, da es primär ein Motorflugplatz ist.

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Unterkunft & Verpflegung: Die "Besen"-Kultur

Die Region ist kulinarisch geprägt.

Einkehr: In Möglingen und Neuenstadt gibt es gutbürgerliche Gasthöfe. Ein kulturelles Muss ist jedoch der Besuch einer "Besenwirtschaft". Diese saisonal geöffneten Weinstuben bieten lokalen Wein und deftige Hausmannskost in einfacher, geselliger Atmosphäre. Ein "Viertele" nach dem Flug gehört zum guten Ton.

Übernachtung:

Camping: Wildes Campen am Startplatz ist in der Regel nicht gestattet (Wasserschutzgebiet/Landschaftsschutz).

Gasthöfe: In Neuenstadt oder Öhringen bieten diverse Gasthöfe (z.B. "Lamm", "Krone") Zimmer zu fairen Preisen an.

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Ausrüstungsempfehlungen für das Flachland

Um in Möglingen erfolgreich zu sein, sollte die Ausrüstung auf die speziellen Bedingungen abgestimmt sein.

Der Schirm: Ein Schirm mit guter Gleitleistung gegen den Wind (beschleunigt) ist von Vorteil, um bei Gegenwindpassagen im XC-Flug Boden gutzumachen. Reine "Floater"-Schirme haben es im Flachlandwind oft schwer.

Das Gurtzeug: Eine Beinsack-Gurtzeug (Pod) ist nicht nur aerodynamisch sinnvoll, sondern auch thermisch: Selbst im Sommer kann es auf 1.500 Metern empfindlich kalt werden.

Instrumente: Ein Vario mit integrierter Luftraumkarte (z.B. Skytraxx, Oudie, XCTrack auf dem Handy) ist aufgrund der komplexen Luftraumstruktur um Stuttgart faktisch Pflicht. Wer ohne Luftraumwarnung fliegt, riskiert unwissentlich schwere Verstöße.

Fazit

Wasen Möglingen ist kein Startplatz für Piloten, die schnelle Action und einfache Bedingungen suchen. Er erschließt sich nur demjenigen, der bereit ist, sich auf die Technik des Windenfliegens, die Feinheiten der Flachland-Meteorologie und die Gemeinschaft des Vereins einzulassen. Wer diese Hürden nimmt, findet hier eines der leistungsfähigsten thermischen Sprungbretter im süddeutschen Flachland, fernab vom Trubel der überlaufenen Alpenspots.

Kontakt für Anmeldung: Drachen- und Gleitschirmflieger Heilbronn e.V. E-Mail: flieger@dgh-heilbronn.de Web: www.dgh-heilbronn.de

Hinweis: Alle Angaben basieren auf dem Recherchestand Februar 2026. Bitte vor jedem Flug die aktuellen Infos auf der Vereinswebsite prüfen.

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