
1 Startplatz, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Alpen-Aero-Log: Das aerologische Phänomen Teichalm – Ein umfassendes Kompendium für den taktischen Alpinpiloten Vorwort: Jenseits der Standard-Datenbank
In der modernen Ära des Gleitschirmfliegens, in der digitale Datenbanken und Apps den Takt vorgeben, neigen wir dazu, Fluggebiete auf ihre reinen Zahlenwerte zu reduzieren: Startrichtung Südwest, Höhendifferenz 200 Meter, Gleitzahlbedarf 4.0. Doch wer die Teichalm, dieses majestätische Hochplateau im Herzen des steirischen Naturparks Almenland, auf diese Metriken reduziert, verpasst ihre wahre fliegerische Seele – und begibt sich unter Umständen in Gefahr.
Dieser Bericht ist kein gewöhnlicher Reiseführer. Er ist das Ergebnis akribischer Recherche, lokaler Expertise und der Analyse mikroklimatischer Besonderheiten, die in keinem offiziellen DHV-Eintrag zu finden sind. Wir bewegen uns hier in einem Gebiet, das oft als "Rettungsanker" der Grazer Szene dient, wenn der Föhnsturm die klassischen Rennstrecken der Alpen lahmlegt, das aber gleichzeitig seine eigenen, tückischen Zähne zeigt, wenn man die subtilen Zeichen der Natur missachtet.
Die Teichalm ist mehr als nur ein Startplatz; sie ist ein komplexes aerologisches System, bestehend aus dem Dreigestirn Heulantsch, Osser und Hochlantsch. Diese drei Erhebungen formen eine Arena, die vom sanften Abend-Soaring bis zum anspruchsvollen Streckenflug-Einstieg alles bietet. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten – in Form von Lee-Fallen, unsichtbaren Weidezäunen und Weidevieh-Konflikten.
Dieser Report richtet sich an den mündigen Piloten, der verstehen will, warum die Luft sich hier bewegt, wie sie es tut, und wie man dieses Wissen nutzt, um sicher und genussvoll zu fliegen, während andere am Boden bleiben.
Um die Aerologie der Teichalm zu verstehen, muss man zunächst den Boden betrachten, über dem wir fliegen. Das Teichalm-Plateau liegt auf durchschnittlich 1.200 Metern Seehöhe und ist eines der größten zusammenhängenden Almweidegebiete Europas. Geologisch betrachtet befinden wir uns im Grazer Bergland, einem Ausläufer der östlichen Zentralalpen.
Im Gegensatz zu den schroffen Kalkalpen weiter nördlich oder den kristallinen Zentralalpen im Westen, ist das Almenland durch sanftere, aber dennoch signifikante Formen geprägt. Der Untergrund besteht weitgehend aus Schöcklkalk und paläozoischen Schiefern. Diese geologische Basis hat zwei entscheidende Auswirkungen auf das Fliegen:
Thermische Speicherkapazität: Die dunklen Schiefergesteine und die dichte Heidekraut-Vegetation ("Latschen" und Almwiesen) heizen sich unter Sonneneinstrahlung extrem schnell auf. Sie wirken wie gigantische Heizplatten. Anders als nackter Fels, der die Wärme schnell und impulsiv ("bockig") abgibt, speichert der feuchte Waldboden und die Wiesenkrume die Energie und gibt sie oft zeitverzögert und großflächiger ab. Das resultiert in der legendären "weichen" Abendthermik der Teichalm.
Wasserhaushalt und Inversion: Das Plateau wirkt wie eine Schüssel. Der Teichalmsee selbst ist ein künstlich angelegter Speicher, aber das umliegende Hochmoor zeugt von der Wasserspeicherkapazität. Dies führt dazu, dass sich in klaren Nächten Kaltluftseen bilden, die extrem stabil sein können. Für den Piloten bedeutet das: Während im Grazer Becken oder im Mürztal zäher Nebel liegt, steht man am Heulantsch oft über einem strahlenden Wolkenmeer in kristallklarer Luft.
Die fliegerische Arena wird durch drei dominante Erhebungen definiert, die in einer fast perfekten Triangulation zueinander stehen:
Der Heulantsch (1.473 m): Im Südwesten des Plateaus gelegen, ist er der gutmütige Riese. Seine sanften, grasbewachsenen Flanken sind perfekt nach Süd-Südwest ausgerichtet und fangen den vorherrschenden Wind ideal ein. Er ist das Zentrum der fliegerischen Aktivität.
Der Osser (1.548 m): Östlich des Sees gelegen, ist er der wilde Bruder des Heulantsch. Etwas höher, etwas steiler und deutlich weniger erschlossen. Er bietet eine exzellente Alternative für Piloten, die Ruhe suchen und bereit sind, für ihren Flug zu "arbeiten" (Hike & Fly).
Der Hochlantsch (1.720 m): Im Norden thront der Höchste der Gruppe. Mit seinen senkrechten Felswänden, die nach Norden ins Mürztal abbrechen, ist er eine imposante Barriere. Für Gleitschirmflieger ist er jedoch primär als Gefahrenquelle (Lee-Generator bei Nordwind) und als thermischer "Hotspot" für XC-Profis relevant, weniger als klassischer Startberg.
Diese topographische Konstellation schafft ein Mikroklima, das sich oft signifikant vom Wetter im nur 20 Kilometer entfernten Graz oder im nördlichen Mürztal unterscheidet.
Das wohl wichtigste Alleinstellungsmerkmal der Teichalm ist ihre relative Föhnresistenz. Um dies zu nutzen, muss man die Mechanismen des Alpenföhns in der Oststeiermark verstehen.
Der Schöckl (1.445 m), der Hausberg der Grazer Fliegerszene, steht als isolierter "Wächter" am Rande des Grazer Feldes. Bei Südföhn-Lagen prallt die Luftmasse ungebremst auf diesen Berg. Die Folge sind oft extrem hohe Windgeschwindigkeiten an der Startstelle, die ein sicheres Abheben unmöglich machen. Windspitzen von 50 bis 70 km/h sind keine Seltenheit, während im Tal noch ein laues Lüftchen weht.
Die Teichalm profitiert hier von ihrer Lage "in der zweiten Reihe".
Orographische Abschirmung: Die Luftmassen, die vom Süden kommen, müssen zunächst den Schöckl und den Passailer Kessel überwinden. Dabei verlieren sie oft einen Teil ihrer kinetischen Energie durch Verwirbelung und Reibung, bevor sie als laminarer Strom auf das Teichalm-Plateau treffen.
Das "Teichalm-Fenster": Es existiert ein spezifisches meteorologisches Fenster, in dem der Schöckl "verblasen" ist (Wind > 30 km/h), der Heulantsch aber ideale Soaring-Bedingungen (Wind 15-25 km/h) bietet. Dieses Phänomen ist der Hauptgrund, warum an Föhntagen Pilotenkarawanen von Graz nach Norden ziehen.
Warnung: Dieser Puffer ist nicht unendlich. Steigt die Druckdifferenz zwischen Bozen und Salzburg/Wien über kritische Werte (ca. 4-6 hPa), bricht der Föhn auch auf der Teichalm gnadenlos durch. Das Plateau verwandelt sich dann in eine turbulente Falle, da der Wind über die Kanten der vorgelagerten Berge (Schöckl, Rote Wand) bricht und Rotoren bildet.
Ein professioneller Pilot verlässt sich nicht auf Glück. Die Analyse der Windwerte ist essenziell. Folgende Tabelle zeigt die Korrelation zwischen den Windwerten am Schöckl und den zu erwartenden Bedingungen an der Teichalm.
Wetterlage (Sektor Süd/Südwest) Wind Schöckl (Gipfel) Wind Heulantsch (Prognose) Flugempfehlung Teichalm Schwachwind 0 - 10 km/h 0 - 5 km/h (evtl. anabatischer Wind) Thermik & Hike: Ideal für Anfänger, Thermik suchen. Startlauf erforderlich. Ideales Soaring 10 - 20 km/h 10 - 15 km/h (laminar) Genussflug: Beste Bedingungen. Top-Landung möglich. Sportliches Soaring 20 - 30 km/h 15 - 25 km/h (kräftig) Erfahrene Piloten: Rückwärtsstart zwingend. Dynamisches Fliegen. Föhn-Durchbruch 30 - 45 km/h 25 - 35 km/h (böig) Grenzbereich: Nur für absolute Experten mit Starkwinderfahrung. Gefahr des Rückwärtsfliegens! Sturm / Unfliegbar > 45 km/h > 35 km/h (turbulent) Grounding: Lebensgefahr. Kaffeetrinken beim Teichwirt. Export to Sheets
Da es direkt am Heulantsch-Startplatz keine permanent verfügbare, öffentliche Holfuy-Station gibt (oft offline oder Club-intern), müssen Piloten lernen, die Natur zu lesen.
Der Teichalmsee als Windmesser: Die Wasseroberfläche des Sees ist der zuverlässigste Indikator für die Böigkeit im Tal. Da der See im Kessel liegt, zeigt er an, ob der Wind bis zum Boden durchgreift oder ob eine Entkopplung vorliegt.
Spiegelglatt: Windstille oder schwacher Wind im Tal. Vorsicht vor Talwind-Umkehr.
Dunkle Kräuselung ("Katzenpfoten"): Einsetzender Talwind oder thermisches Ansaugen. Gut.
Schaumkronen (Whitecaps) und Sprühnebel: Alarmstufe Rot. Wenn auf diesem kleinen See Schaumkronen zu sehen sind, herrschen im Tal Böen über 30-40 km/h. Oben am Berg ist es dann meist noch stärker. Nicht starten!
Die Latschenkiefern: Beobachten Sie die Vegetation am Grat des Heulantsch. Latschen sind starr. Wenn sich ganze Latschenzweige deutlich bewegen oder biegen, haben wir > 25 km/h Wind. Grasbewegung allein ist oft täuschend, da es schon bei 10 km/h stark wellen kann.
Der Heulantsch ist das Herzstück des Fluggebietes. Seine Popularität verdankt er der einfachen Erreichbarkeit und der gutmütigen Aerodynamik. Doch auch hier lauern Details, die über einen erfolgreichen Flugtag entscheiden.
Es gibt keinen Lift zum Gipfel. Das sortiert das Publikum vor. Wer hier fliegen will, muss gehen. Doch es gibt Wege und "Wege".
Der offizielle Startplatz: Er befindet sich nicht exakt am Gipfelkreuz, sondern zieht sich über den gesamten südwestlich ausgerichteten Wiesenhang unterhalb des Grates.
Höhe: ca. 1.450 m.
Ausrichtung: S-SW (180° - 240°).
Untergrund: Almwiese, durchsetzt mit Heidekraut und Steinen. Vorsicht: Kuhfladen sind hier allgegenwärtig und können beim Startlauf zur Rutschpartie werden.
Zugangsvarianten:
Die "Touristen-Route" (vom Teichwirt): Startet direkt am See (1.172 m). Ein schöner, aber langer Weg (ca. 45-60 Min). Mit 15kg Ausrüstung im Sommer eine schweißtreibende Angelegenheit.
Die "Piloten-Route" (vom Sattel): Man fährt mit dem Auto am See vorbei Richtung Breitenau bis zum Passübergang ("Auf dem Sattel", 1.263 m). Hier gibt es begrenzte Parkmöglichkeiten (Schotterplatz). Von hier aus sind es nur noch ca. 15–20 Minuten und knapp 200 Höhenmeter über einen moderat steilen Wiesenpfad. Dies ist die effizienteste Methode.
Eine goldene Regel der Locals besagt: "Geh nur so hoch, wie der Wind es erlaubt." Viele Gastpiloten machen den Fehler, stur bis zum Gipfelkreuz zu marschieren. Bei den häufigen Südwest-Lagen wird der Wind durch den Düsen-Effekt über den Grat komprimiert (Venturi-Effekt).
Szenario: Am Parkplatz weht ein laues Lüftchen. Am Gipfelkreuz bläst es mit 35 km/h.
Lösung: Legen Sie Ihren Schirm 50 bis 100 Höhenmeter unterhalb des Gipfels aus. Dort ist der Wind oft 5-10 km/h schwächer. Starten Sie dort kontrolliert und soaren Sie dann im Hangaufwind ("Lift") langsam nach oben. Das erspart Stress und gefährliche Aushebel-Situationen am Grat.
Der Heulantsch ist ein klassischer Soaring-Berg. Thermikbart-Zentrieren ist hier oft zweitrangig.
Die "Achter-Bahn": Bei konstantem Wind (15-20 km/h) kann man stundenlang vor dem Hang hin- und herpendeln. Die tragende Zone ist breit. Wichtig: Beachten Sie die Vorflugregeln! Da der Hang beliebt ist, herrscht oft reger Verkehr. Hangflugregel: Der Pilot mit dem Berg zur Rechten hat Vorfahrt. Wenn Sie überholen, tun Sie dies immer nach außen (vom Hang weg), niemals innen durchquetschen.
Top-Landung: Die Kuppe ist breit und flach, was Top-Landungen ermöglicht.
Technik: Fliegen Sie niemals direkt von vorne/unten auf die Kuppe zu, um dann "irgendwie" abzusetzen. Sie werden sonst ins Lee hinter das Gipfelkreuz gespült.
Korrekt: Nähern Sie sich seitlich, tasten Sie sich langsam gegen den Wind über die Kante, bauen Sie Höhe ab ("Ohren anlegen" oder tiefes Bremsen im Sinkflug, aber Vorsicht vor Stall!) und setzen Sie im luvseitigen Bereich auf.
Während der Heulantsch oft wie ein Bienenstock wirkt, herrscht am Osser meist Stille. Doch Vorsicht: Verwechseln Sie diesen Berg nicht mit dem gleichnamigen "Osser" im Bayerischen Wald (Grenze zu Tschechien), der ebenfalls ein beliebtes Fluggebiet ist. Wir sprechen hier vom steirischen Osser.
Der Osser liegt östlich des Teichalmsees. Er ist steiler, felsiger und weniger erschlossen. Es gibt keinen "offiziellen" Startplatz mit Windsack und Infotafel wie am Heulantsch. Fliegen hier ist Wildstyle – geduldet, aber auf eigene Verantwortung.
Aufstieg: Der klassische Startpunkt ist der Gasthof Angerwirt (1.195 m). Der Weg führt zunächst über Forststraßen, dann steil durch den Wald ("Direttissima") auf den Gipfel. Rechnen Sie mit 60 bis 75 Minuten Gehzeit und einer ordentlichen Portion Schweiß.
Belohnung: Der Blick vom Osser ist dramatischer. Man schaut steil hinab auf den See, und die Perspektive auf das Plateau ist einzigartig. Zudem ist man hier oft allein.
Die Startmöglichkeiten am Osser sind anspruchsvoller.
Platzmangel: Die Wiesen am Gipfel sind durch Latschenfelder und Felsblöcke unterbrochen. Es gibt nur wenige "Gassen", in denen man einen Schirm sauber auslegen kann.
Steilheit: Der Startbereich fällt steiler ab als am Heulantsch. Das ist gut für den Startimpuls bei wenig Wind, verzeiht aber weniger Fehler beim Startlauf. Ein Stolperer endet hier schneller im steinigen Gelände.
Aerologie: Der Osser profitiert ebenfalls von Südwest-Lagen, liegt aber oft im leichten Lee des Plankogels oder wird vom Talwind aus Richtung Fladnitz anders angeströmt. Prüfen Sie die Windrichtung genau. Wenn der Wind zu westlich kommt, kann der Startplatz im Rotor des Heulantsch liegen!
Der Hochlantsch ist der König des Almenlandes – und für Gleitschirmflieger oft ein "Verbotener Berg".
Der Hochlantsch bricht nach Norden mit gewaltigen, senkrechten Felswänden ab. Dies ist ein Kletterparadies, aber für Flieger eine aerologische Falle.
Szenario Nordwind: Wenn überregionaler Nordwind herrscht, staut sich die Luft an der Nordwand und fällt dann (katabatisch oder als Rotor) auf der Südseite (Teichalm) herab.
Die Lee-Falle: Wer bei Nordlage am Heulantsch steht, mag trügerische Windstille oder sogar leichten thermischen Südwind spüren. Das ist das klassische "Lee-Saugen". Sobald man startet und etwas Höhe gewinnt, gerät man in die brutale Scherung der Nordströmung, die über den Hochlantsch schwappt.
Merkregel: Bei Nordwind in der Höhenströmung (> 10 km/h auf 2000m) ist das gesamte Teichalm-Gebiet (Heulantsch und Osser) unfliegbar. Ignorieren Sie lokale Südwind-Anzeiger am Boden; sie sind eine Illusion.
Der Hochlantsch wird meist nicht beflogen, indem man dort startet, sondern indem man ihn anfliegt. Für Streckenflieger, die vom Schöckl kommen, ist er oft der erste große Wendepunkt.
Die "Rote Wand": Die Südwände des Hochlantsch und der Roten Wand sind massive Thermikgeneratoren. Hier stehen oft die stärksten Bärte des Tages (4-6 m/s integriert).
Der Sprung: Die Querung vom Heulantsch zum Hochlantsch erfordert eine gute Arbeitshöhe, um nicht in den "Saugtal"-Effekt der Breitenau zu geraten.
Das Almenland hat einen eigenen Kalender. Die "beste Zeit" ist nicht zwingend der Hochsommer.
Charakter: Oft stabile Hochdrucklagen. Während Graz im Nebel versinkt ("Inversions-Suppe"), herrscht auf der Teichalm strahlender Sonnenschein.
Vorteile: Keine Kühe! Die Wiesen sind frei. Zäune sind oft abgebaut oder unter Schnee begraben.
Nachteil: Kälte. Da man oft soart und wenig arbeitet, kühlt man extrem schnell aus. Beheizbare Handschuhe sind kein Luxus, sondern Notwendigkeit.
Achtung Skibetrieb: Die Teichalmlifte (Schlepplifte) sind in Betrieb. Landen auf den Pisten ist streng verboten und führt zu Konflikten mit den Liftbetreibern.
Charakter: Die "Hammer-Zeit". Die Luft ist noch kalt (instabil), die Sonne hat schon Kraft. Die Thermik ist brachial.
Gefahr: Der Talwind springt im Frühjahr extrem schnell an. Was um 11:00 Uhr noch sanft war, kann um 13:00 Uhr ein 35 km/h "Gebläse" sein. Wachsamkeit ist geboten.
Dies ist die heikelste Zeit. Die Teichalm ist primär Weideland.
Die Kuh-Regel: Es gibt eine klare Vereinbarung zwischen dem Paragleitclub Steiermark und den Almgenossenschaften: Kein Start und keine Landung auf Wiesen, auf denen sich Weidevieh befindet!
Warum? Kühe sind schreckhaft. Ein landender Schirm kann eine Panik auslösen ("Stampede"). Kälber können verletzt werden, Zäune niedergerannt werden.
Konsequenz: Wenn am Startplatz Kühe stehen -> Nicht starten. Wenn am Landeplatz Kühe stehen -> Ausweichlandeplatz suchen (was schwierig ist). Ignoranz gefährdet das Fluggebiet für alle!.
Charakter: Die schönste Zeit. Die Kühe sind oft schon im Tal ("Almabtrieb"). Die Thermik wird sanfter ("Butter-Thermik"). Die Farben des Almenlandes (goldenes Heidekraut, dunkelgrüne Latschen) sind spektakulär.
Magic Move: Spätnachmittags im Oktober, wenn die Sonne tief steht, trägt der Heulantsch oft bis zum Sonnenuntergang ("Sunset Soaring"). Das ist der Moment, für den lokale Piloten leben.
Abseits der Aerologie lauern auf der Teichalm Gefahren, die man kennen muss.
Das gesamte Almenland ist parzelliert. Die Weiden sind durch Zäune getrennt.
Das Problem: Viele Zäune bestehen aus dünnen, nicht-reflektierenden Drähten oder Litzen an unscheinbaren Holzpflöcken. Aus 50 Metern Höhe sind sie vor dem Hintergrund (Gras/Heidekraut) unsichtbar.
Konsequenz: Tiefe Hangflüge ("Low Saves") oder Außenlandungen auf "irgendeiner" Wiese sind russisches Roulette.
Tipp: Landen Sie nur auf Flächen, die Sie vorher genau gescoutet haben oder die offensichtlich zaunfrei sind (z.B. der offizielle Landebereich, wenn gemäht/kuhfrei).
Im Talbereich und an den Zubringerstraßen verlaufen Mittelspannungsleitungen.
Ortung: Achten Sie auf die Schneisen im Wald. Wo eine Schneise ist, ist oft eine Leitung.
Landeanflug: Planen Sie Ihren Landeanflug so, dass Sie niemals tief über Straßen oder Gebäude kreuzen müssen, wo Hausanschlüsse verlaufen könnten.
Das Heidekraut (Latschen) sieht von oben weich aus. Es ist aber extrem zäh und verholzt.
Baumlandung: Eine Landung in den Latschen ("Einbomben") ist oft verletzungsfrei, aber die Bergung des Schirms ist ein Albtraum. Die Leinen verfangen sich unlösbar im dichten Geäst. Oft muss das Material herausgeschnitten werden. Meiden Sie die Latschenfelder am Grat!
Der Konflikt: An schönen Wochenenden platzt die Teichalm aus allen Nähten. Wanderer, Ausflügler, Motorradfahrer. Parkplätze sind Mangelware.
Pilot-Parking: Der Parkplatz am Sattel (Übergang zur Breitenau) ist klein.
Etikette: Parken Sie platzsparend ("Kuschelparken"). Blockieren Sie keine Forstwege (Holztransporte auch am Wochenende!).
Alternative: Wenn am Sattel voll ist, fahren Sie zurück zum See. Ja, der Weg ist weiter, aber ein Strafzettel oder abgeschlepptes Auto ist teurer.
Das Fluggebiet wird vom Paragleitclub Steiermark gepflegt. Pachtverträge sind teuer und fragil.
Tagesgebühr: Gastpiloten werden gebeten, eine Tagesmitgliedschaft von 4 Euro zu entrichten. Dies geschieht oft unbürokratisch an der Kassa der Teichalmlifte oder beim Teichwirt.
Ehrensache: Niemand kontrolliert Sie mit der Stoppuhr. Aber das Nicht-Zahlen dieser symbolischen Summe gefährdet den Fortbestand des Fluggebietes. Seien Sie fair.
Tandem: Kommerzielle Tandemflüge bedürfen der Genehmigung des Geländehalters. Private Tandemflüge sind willkommen.
Ein Flugtag auf der Teichalm endet traditionell kulinarisch.
Der Klassiker: Almgasthof Teichwirt. Direkt am See. Hier trifft man sich zum "Landebier". Die Küche ist bodenständig steirisch (Backhendl, Schweinsbraten).
Die Luxus-Variante: Almwellness Hotel Pierer. Wenn Sie nicht-fliegende Begleitung haben, buchen Sie sie hier in den Day-Spa ein. Das erhöht die Akzeptanz für Ihre "nur noch einen Flug"-Ausreden signifikant.
Budget: Gasthof Angerwirt oder Privatzimmer in Fladnitz bieten solide Übernachtungsmöglichkeiten für Piloten, die mehrere Tage bleiben wollen.
Die Teichalm ist kein Fluggebiet für Höhenrekordjäger oder Acro-Weltmeister. Sie ist ein Gebiet für Genießer und Taktiker. Sie belohnt denjenigen, der das Wetter lesen kann, der bereit ist, ein paar Meter zu Fuß zu gehen, und der die Natur respektiert.
Wer das "Teichalm-Fenster" bei Föhn erwischt, wird mit stundenlangem, butterweichem Soaring über einer der schönsten Landschaften Österreichs belohnt, während der Rest der Welt am Boden sitzt. Wer jedoch die Nordwind-Warnung ignoriert oder Kühe provoziert, wird schnell lernen, dass auch sanfte Hügel hart austeilen können.
Packen Sie Ihre Hike & Fly Ausrüstung, checken Sie den Wind am Schöckl, vergessen Sie die 4 Euro nicht – und erleben Sie die Steiermark von ihrer schönsten Seite.
Glück ab, gut Land!
Anhang: Schnellreferenz Daten Parameter Heulantsch Osser Höhe Start 1.450 m 1.548 m Höhe Landung 1.250 m 1.200 m (variabel) Startrichtung S - SW S - SW Zugang 15 min (Sattel) 60 min (Angerwirt) Schwierigkeit Einfach bis Mittel Mittel (Gelände) Gefahren Weidezäune, Kühe, Lee bei N Latschen, Steine, Lee Beste Saison Okt - April Okt - April Export to Sheets
Wichtige Links & Kontakte:
Paragleitclub Steiermark:
Notruf: 144 (Rettung), 140 (Bergrettung)
Wetter: Webcam Teichalmsee (Windfahnen beachten!)