
1 Startplatz, 1 Landeplatz
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Der Ultimative Pilotenguide: Skihang Wirtsberg & Bartholomä – Eine Monografie des Fliegens auf der Ostalb Einleitung: Die Renaissance des lokalen Fliegens
In einer Ära, in der der Gleitschirmsport oft von der Jagd nach den spektakulärsten alpinen Startplätzen, den höchsten Gipfeln der Dolomiten oder den weiten Streckenflügen in Brasilien dominiert wird, gerät die Essenz des Fliegens an den kleineren, heimischen Hügeln oft in Vergessenheit. Der Wirtsberg in Bartholomä, gelegen im Herzen der Ostalb, ist ein Paradebeispiel für ein solches "vergessenes" Juwel, das bei genauerer Betrachtung eine fliegerische Komplexität und Schönheit offenbart, die in keinem Verhältnis zu seiner bescheidenen Höhendifferenz von vierzig Metern steht.
Dieser Bericht ist weit mehr als eine bloße Erweiterung des offiziellen DHV-Geländeeintrags. Er ist eine tiefgehende Analyse, ein technisches Handbuch und eine Liebeserklärung an das sogenannte "Micro-Soaring" und die präzise Kunst des Groundhandlings. Wir betrachten den Wirtsberg nicht als Lückenbüßer für Tage, an denen die Alpen nicht fliegbar sind, sondern als eine eigenständige Arena, die dem Piloten spezifische Fähigkeiten abverlangt: die Beherrschung des Schirms bei Starkwind, das Verständnis für mikrometeorologische Effekte an kleinen Hangkanten und die Disziplin in einem komplexen Luftraumgefüge.
Die Faszination des Wirtsbergs erschließt sich oft erst auf den zweiten Blick. Es ist die Kombination aus der rauen, fast skandinavisch anmutenden Landschaft des Albuchs, der historischen Bedeutung des benachbarten Segelfluggeländes Amalienhof und der lebendigen Vereinskultur des DHC Aalen. Wer hier fliegt, begibt sich in eine Tradition der Luftfahrt, die tief in der Region verwurzelt ist. Dieser Guide wird die topographischen, meteorologischen und regulatorischen Schichten dieses Ortes abtragen, um dem Piloten ein Werkzeug an die Hand zu geben, das Sicherheit maximiert und das Flugerlebnis intensiviert.
Um das Flugverhalten am Wirtsberg zu verstehen, muss man zunächst die Bühne verstehen, auf der sich das Geschehen abspielt: das Albuch. Dieser nordöstliche Teil der Schwäbischen Alb ist kein klassisches Gebirge mit schroffen Graten und tiefen Tälern, sondern eine Hochfläche, die durch sanfte Wellen, Trockentäler und markante Kuppen geprägt ist. Geologisch gesehen befinden wir uns im Bereich des Weißen Jura, einer Kalksteinschicht, die über Jahrmillionen verkarstet ist.
Der Wirtsberg selbst ist eine solche Kuppe, ein Härtling, der der Erosion widerstanden hat. Er ragt aus der Ebene bei Bartholomä heraus und bildet eine natürliche Barriere für die vorherrschenden West- und Südwestwinde. Die Startplatzhöhe von 685 bis 690 Metern über dem Meeresspiegel mag im Vergleich zu alpinen Startplätzen gering erscheinen, doch ist die relative Exposition entscheidend. Das Albuch liegt wie ein Schild im Windfeld. Luftmassen, die vom Neckartal oder aus dem Remstal aufsteigen, werden hier komprimiert und beschleunigt. Dies führt dazu, dass der Wind am Wirtsberg oft laminarer und kräftiger ansteht als in den zerschnittenen Tälern der Umgebung.
Diese topographische Besonderheit macht den Wirtsberg zu einem Indikatorberg. Wenn im Tal Flaute herrscht, kann hier oben bereits ein strammer Wind wehen. Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass bei stürmischen Wetterlagen im Flachland das Albuch oft "unfliegbar" wird, da die Windgeschwindigkeiten exponentiell zunehmen. Für den Piloten bedeutet dies: Der Wetterbericht für Stuttgart oder Ulm ist nur ein grober Anhaltspunkt; die lokale Topographie des Albuchs modifiziert die Strömung signifikant.
Der Südost-Startplatz, bekannt als "Skihang", ist morphologisch betrachtet eine künstlich modifizierte Naturform. Als Skipiste angelegt, ist der Hang von Bewuchs befreit, was eine laminare Anströmung begünstigt. Die Neigung ist progressiv: Oben am Startplatz flacher, fällt der Hang zur Mitte hin steiler ab, bevor er im Auslauf sanft in die Ebene des Landeplatzes übergeht.
Diese Form hat aerodynamische Konsequenzen. Bei schwachem Wind reißt die Strömung an der Kante oft nicht sauber ab, was den Start erschwert. Bei starkem Wind hingegen bildet sich vor dem steileren Mittelteil ein Staupolster, das den Aufwindbereich nach vorne und oben schiebt. Ein Pilot, der dies versteht, weiß, dass der beste Lift oft nicht direkt an der Kante, sondern etwas vorgelagert im dynamischen Aufwindband zu finden ist. Die Breite der Piste erlaubt zudem ein seitliches Ausweichen, was bei viel Betrieb essenziell ist, jedoch lauern an den Rändern Turbulenzen durch den angrenzenden Baumbestand, insbesondere wenn der Wind eine nördliche oder rein östliche Komponente bekommt.
Die Meteorologie am Wirtsberg ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus großräumiger Wetterlage und lokalen Effekten. Ein "Besserer Guide" muss über die einfache Aussage "Startrichtung Südost" hinausgehen und erklären, warum und wann der Berg funktioniert.
Im Herbst und Winter liegt die Schwäbische Alb oft über einer zähen Hochnebeldecke, die das Neckartal und das Donautal bedeckt. In solchen Inversionswetterlagen ragt der Wirtsberg oft als Insel in die Sonne. Während unten im Tal "Suppe" herrscht, bietet Bartholomä strahlend blauen Himmel und – was für den Piloten entscheidend ist – oft einen klaren, laminaren Wind oberhalb der Inversionsschicht.
Diese Situation ist fliegerisch besonders wertvoll. Die Inversion deckelt die Thermik, verhindert aber auch das Durchgreifen von böigen Höhenwinden. Das Ergebnis ist eine "Dead Air"-Masse im Tal und eine sanft gleitende Schichtströmung auf der Höhe. Für den Wirtsberg bedeutet dies oft stundenlanges Soaring in absolut ruhiger Luft, während Piloten im Tal gar nicht erst auspacken. Der erfahrene Pilot prüft daher im Herbst nicht nur das Bodenwetter, sondern studiert Temp-Diagramme (Soundings), um die Höhe der Inversion relativ zur Höhe Bartholomäs (ca. 650m) vorherzusagen.
Eine Besonderheit der Ostalb ist die Anfälligkeit für Ostwindlagen, oft als "Böhmischer Wind" bezeichnet, wenn kalte Kontinentalluft aus Osten einströmt. Für den Skihang (Ausrichtung SO) ist dies eine Gratwanderung.
Reiner Südost (135°): Der Idealfall. Der Wind trifft senkrecht auf die Piste. Der Staudruck ist maximal, das Aufwindband breit und tragend.
Ost-Südost (110°): Noch fliegbar, aber die Anströmung wird schräger. Der Pilot muss beim Soaring weiter nach "links" (Richtung Norden) ausholen, um im besten Steigen zu bleiben.
Reiner Ost (90°): Hier beginnt die Gefahr. Der Wind muss, um auf den Skihang zu treffen, über den östlich vorgelagerten Wald und Teile des Flugplatzes streichen. Dies erzeugt mechanische Turbulenzen, sogenannte "Leewalzen", die genau im Endanflugbereich oder kurz nach dem Start am Wirtsberg einschlagen können. Ein Blick auf den Windsack am Segelflugplatz EDPU ist hier überlebenswichtig: Zeigt dieser strammen Ostwind an, während am Wirtsberg scheinbar noch gute Bedingungen herrschen, ist Vorsicht geboten – man fliegt möglicherweise im geschützten, aber tückischen Lee des Waldes.
Trotz der geringen Höhe ist der Wirtsberg thermisch aktiv. Die primären Abrisskanten und "Hotspots" sind:
Die Waldkante: Der Übergang von der Skipiste zum seitlichen Wald (sowohl nord- als auch südseitig) ist ein klassischer Thermik-Trigger. Die unterschiedliche Albedo (Rückstrahlvermögen) von Grasfläche und dunklem Nadelwald sorgt für Temperaturdifferenzen.
Die Ortschaft Bartholomä: Bei Westwind (am Schulungshang) schiebt der Wind die Warmluftblasen, die über den Dächern und versiegelten Flächen von Bartholomä entstehen, den Hang hinauf. Diese Thermik ist oft "zerrissen" und eng, kann aber genug Energie liefern, um die entscheidenden Meter über Startplatzhöhe zu gewinnen.
Die Äcker im Vorland: Im Frühjahr und Herbst, wenn die Felder rund um den Amalienhof gepflügt (dunkelbraun) sind, heizen sich diese Flächen enorm auf. Da der Wirtsberg leicht erhöht liegt, können sich diese Blasen lösen und als Paket den Hang hinaufwandern. Piloten berichten von "Fahrstuhl"-Effekten, bei denen man ohne zu kreisen im Geradeausflug gehoben wird.
Der Skihang ist das Herzstück des Gleitschirmfliegens in Bartholomä. Betrieben vom Deutschen Hängegleiter Club Aalen e.V., ist er ein Ort, der Respekt verlangt.
Während an vielen alpinen Startplätzen der Vorwärtsstart dominiert, ist der Wirtsberg fast ausschließlich ein Rückwärtsstart-Gelände. Warum?
Der Wind: Wie erwähnt, ist der Berg oft nur bei Starkwind (20 km/h+) wirklich soarfähig. Ein Vorwärtsstart wäre hier nicht nur ineffizient, sondern gefährlich (Aushebeln, mangelnde Kontrolle).
Das Gelände: Die Skipiste ist zwar hindernisfrei, aber der Startlauf muss präzise sein, um nicht in die seitlichen Begrenzungen oder in den Bereich des Lifts zu geraten.
Die Kontrolle: Der Rückwärtsstart erlaubt den "Visual Check" der Kappe und der Leinen bevor man abhebt. In einem Gebiet, in dem man sich den Luftraum mit Segelfliegern teilt, ist dieser Moment der Kontrolle essenziell, um auch den Luftraum nochmals zu scannen.
Ein ungeschriebenes Gesetz am Wirtsberg lautet: Wer seinen Schirm bei 25 km/h Wind nicht sicher am Boden handhaben kann, gehört nicht in die Luft. Das Gelände dient somit als natürlicher Filter für das Können der Piloten. Es ist der perfekte Ort, um Techniken wie das "Cobra-Launch" oder das Stabilisieren über die C-Ebene zu perfektionieren.
Aufgrund der begrenzten Breite des Aufwindbandes ähnelt das Fliegen am Wirtsberg oft einer liegenden Acht.
Die Wende: Die Wenden sollten immer gegen den Wind ausgeführt werden (vom Hang weg), um nicht in das Lee oder zu nah an das Gelände gedrückt zu werden. Da der Hang relativ kurz ist, ist die Frequenz der Wenden hoch. Dies trainiert die Koordination und das aktive Fliegen.
Vorfahrtsregeln: An Tagen mit guten Bedingungen kann es voll werden. Die Hangflugregeln (Hang rechts vor Hang links, Überholen rechts etc.) sind hier nicht nur Theorie, sondern überlebenswichtig. Kommunikation durch Blickkontakt oder kurze Zurufe ist üblich und erwünscht.
Die "Höhenfalle": Wie in den Snippets erwähnt, ist die maximale Flughöhe auf 300 ft GND (ca. 90m) begrenzt. Das ist extrem niedrig. Viele Piloten unterschätzen, wie schnell ein moderner Schirm im dynamischen Aufwind diese Höhe erreicht. Es gibt keine physische Barriere, aber die psychologische muss stehen. Ein Überschreiten bringt den Piloten direkt in den Anflugsektor der Segelflugzeuge.
Am Wirtsberg ist das Toplanden (Landen oben am Startplatz) nicht nur möglich, sondern oft die bevorzugte Methode, um den mühsamen Wiederaufstieg zu Fuß (denn der Lift läuft für Flieger nicht) zu vermeiden.
Technik: Man nähert sich dem Startplatz von der Seite oder von vorne, lässt sich im Aufwind "parken" und baut dann durch dosierten Bremseinsatz oder "Ohren anlegen" Höhe ab, bis man sanft aufsetzt.
Gefahr: Das Risiko besteht darin, zu weit nach hinten (ins Lee der Kuppe) verblasen zu werden. Dort, hinter der Hangkante, bricht die Strömung abrupt ab, und der Schirm kann kollabieren ("Klapper"). Die Landung muss also auf der Kante oder im vorderen Drittel des flachen Bereichs erfolgen. Dies erfordert Millimeterarbeit und viel Gefühl für den Schirm.
Während der Skihang oft rau und fordernd ist, zeigt sich der Westhang von einer sanfteren Seite. Dieses Gelände, oft als Schulungsgelände bezeichnet, wird primär von der Flugschule Göppingen genutzt.
Der Westhang ist durch seine laminare Anströmung bei Westwindlagen charakterisiert. Im Gegensatz zum thermisch durchsetzten Südostwind ist der Westwind, der vom Atlantik über Frankreich und den Schwarzwald bis zur Alb weht, oft "ausgeglichener".
Stufenlose Höhe: Ein didaktisches Meisterwerk der Natur ist die Topographie. Der Hang erlaubt Starts von ganz unten (5m Höhendifferenz) bis ganz oben (60m Höhendifferenz). Dies ermöglicht Fluglehrern, Schüler sukzessive an größere Höhen heranzuführen, ohne sie zu überfordern.
Hindernisfreiheit: Der Westhang ist weitläufiger und weniger durch Infrastruktur (wie Lifte oder Hütten) verbaut als der Skihang. Das verzeiht Steuerfehler in der Startphase.
Auch hier ist die Nähe zur Landwirtschaft ein Thema. Der Westhang ist oft Weidefläche.
Weidebetrieb: Wenn Schafe oder Rinder auf der Fläche sind, ist der Flugbetrieb natürlich eingestellt. Der Kot der Tiere kann zudem die Leinen beschädigen (chemische Prozesse, Hygiene), weshalb viele Piloten das Gelände meiden, wenn es frisch beweidet wurde.
Schulungsvorrang: Da es sich um ein eingetragenes Schulungsgelände der Flugschule Göppingen handelt , haben Flugschüler absoluten Vorrang. Gastpiloten müssen sich zwingend mit der Flugschule absprechen. Es ist ein Akt der Höflichkeit und Sicherheit, den Schulungsbetrieb nicht durch aggressives Soaring oder "Im-Weg-Stehen" zu stören.
Der vielleicht kritischste Aspekt des Fliegens in Bartholomä ist die direkte Nachbarschaft zum Sonderlandeplatz Bartholomä-Amalienhof (ICAO-Code: EDPU). Um die Brisanz zu verstehen, muss man die Perspektive wechseln: vom Gleitschirm-Cockpit ins Cockpit eines Hochleistungsseglers.
EDPU verfügt über eine 900 Meter lange Grasbahn mit der Ausrichtung 16/34 (Nord-Nordwest / Süd-Südost).
Die Westplatzrunde: Segelflugzeuge, die auf der Piste 16 landen oder von der 34 starten, nutzen standardmäßig die Westplatzrunde. Der Gegenanflug und der Queranflug dieser Runde führen geographisch gesehen in unmittelbare Nähe des Wirtsbergs.
Geschwindigkeitsdifferenz: Ein Segelflugzeug im Landeanflug fliegt ca. 90-110 km/h. Ein Gleitschirm fliegt ca. 35-40 km/h. Die Reaktionszeit für den Segelflieger ist minimal, zumal Gleitschirme vor dem Hintergrund von Wald oder Wiese extrem schlecht zu sehen sind (mangelnder Kontrast).
Toter Winkel: In der Kurve vom Queranflug in den Endteil hat der Segelflieger oft eine eingeschränkte Sicht nach unten innen – genau dort, wo am Wirtsberg gesoart wird.
Die Beschränkung auf 300 Fuß (ca. 90 Meter) über Grund ist der Sicherheitspuffer, der diese beiden Welten trennt.
Visuelle Referenzen: Da kaum ein Pilot im Stress des Soarings ständig auf den Höhenmesser schaut, braucht es visuelle Marken. Die Baumwipfelhöhe des Wirtsbergs (ca. 800m NN) wird oft als Referenz genannt. Wer deutlich über die Baumkronen des angrenzenden Waldes steigt, ist zu hoch.
Taktische Disziplin: Diese Regel zwingt den Gleitschirmpiloten dazu, nicht das maximale Steigen zu nutzen. Es ist eine paradoxe Situation: Man sucht den Aufwind, muss ihn aber ab einer gewissen Höhe verlassen oder "kaputtfliegen" (durch schnelle Wenden oder Ohren anlegen), um legal zu bleiben.
Es wird dringend empfohlen, vor Flugbeginn Kontakt mit dem Segelflugverein aufzunehmen.
Telefon: Ein kurzer Anruf beim Startleiter EDPU (Nummer oft am Vereinsheim oder online verfügbar) klärt die Lage: "Wir sind heute mit 5 Schirmen am Wirtsberg."
Funk: Das Mitführen eines Flugfunkgeräts (Frequenz 135.115 MHz) erlaubt es, die Situation passiv zu überwachen. Wenn man hört "D-XXXX im Queranflug 16", weiß man: Jetzt Augen auf und Höhe abbauen oder zum Hang hin ausweichen.
Der Wirtsberg ist kein 365-Tage-Fluggebiet. Er unterliegt einem strengen Kalender, der durch menschliche Nutzung (Ski) und biologische Rhythmen (Landwirtschaft) diktiert wird.
Der Name "Skihang" ist Programm. Sobald der erste Schnee fällt und der Liftbetrieb vorbereitet wird, endet die Flugsaison abrupt.
Infrastruktur: Der Verein installiert Schnee- und Leitzäune. Diese sind aus der Luft schwer zu erkennen (dünne Netze, Pfosten) und stellen ein tödliches Risiko bei einer Landung oder einem tiefen Vorbeiflug dar.
Loipen: Die Langlaufloipe kreuzt den Hang im unteren Bereich. Ein landender Gleitschirmflieger könnte mit einem Skilangläufer kollidieren. Daher gilt: Selbst wenn der Lift nicht läuft, ist bei präparierter Loipe Flugverbot. Das Betreten der Spur zerstört zudem die Arbeit des Loipenspurgeräts und sorgt für massiven Ärger mit dem Skiclub.
Im späten Frühjahr (Mai/Juni) erreicht das Gras seine maximale Höhe vor der Mahd ("Heuet").
Hohes Gras: In dieser Zeit ist das Betreten der Wiese tabu. Ein zertrampelter Wiesenbestand erschwert das Mähen und mindert den Ertrag für den Landwirt. Das Verhältnis zu den Landwirten ist das Kapital jedes Fluggebiets. Ein Pilot, der dies missachtet, gefährdet die Zulassung des Geländes für alle.
Weidetiere: Wenn Schafe weiden, ist der Hang gesperrt. Schafe sind Fluchttiere und können in Panik geraten, wenn ein großer Schatten (der Schirm) über sie huscht.
Warum sollte man hier fliegen, wenn man in die Alpen könnte? Weil der Wirtsberg ein unverzeihlicher Lehrmeister ist.
Die DHV-Datenbank nennt "Aufziehübungen". Das klingt banal, ist aber essenziell. Am Wirtsberg lernt man das Handling in "Dirty Air". Der Wind ist zwar laminarer als im Tal, aber durch die Bodenrauigkeit (Gras, Büsche) immer noch turbulenter als in der freien Atmosphäre. Wer hier seinen Schirm stundenlang über dem Kopf halten kann, dabei rückwärts den Hang hochläuft oder seitlich versetzt ("Cobras"), der beherrscht sein Gerät wirklich. Es ist der perfekte Ort, um das Muskelgedächtnis für reflexartige Korrekturen zu trainieren.
Viele Piloten haben Angst vor Windgeschwindigkeiten über 20 km/h. Am Wirtsberg ist das der Normalzustand für gute Flüge. Hier lernt man Techniken, um den Schirm zu depowern (C-Ebene, A/C-Technik), um nicht ausgehebelt zu werden. Man lernt, den Körper als Anker einzusetzen und die Energie des Schirms beim Aufziehen dynamisch in Auftrieb umzusetzen, ohne nach hinten gerissen zu werden.
Ein kritischer Punkt, der in jedem Guide fett gedruckt sein sollte: Parken Sie niemals direkt am Skilift oder auf den Feldwegen!. Der Wanderparkplatz ist die einzig legale Option. Der Fußweg von dort zum Startplatz beträgt ca. 100-200 Meter. Dies ist kein Schikane, sondern Ergebnis jahrelanger Verhandlungen mit der Gemeinde und den Anwohnern. Ein Auto mit Gleitschirm-Aufkleber, das den Rettungsweg zur Skihütte blockiert, wirft ein schlechtes Licht auf die gesamte Community.
Die Skihütte des Skiclubs Heubach Bartholomä ist mehr als nur ein Unterstand. Sie ist bewirtschaftet (unregelmäßig, oft an Wochenenden/bei Liftbetrieb) und bietet eine warme Stube und lokale Spezialitäten. Für den Piloten ist sie der Ort, um sich nach einem kalten Herbstflug aufzuwärmen und mit den Locals ins Gespräch zu kommen. Hier werden Geschichten ausgetauscht, und hier erfährt man die wahren Insider-Tipps ("Heute trägt's drüben am Waldrand besser").
Bartholomä ist touristisch gut erschlossen.
Landhotel Wental: Gehobene Gastronomie und Wellness. Ideal, wenn der Partner nicht fliegt und verwöhnt werden möchte, während man selbst am Hang steht.
Campingplatz Amalienhof: Nur einen Steinwurf entfernt. Perfekt für das Low-Budget-Wochenende. Lagerfeuerromantik und Sternenhimmel auf der Albhochfläche inklusive.
Scheunenwirtin: Ein Bio-Hofgut mit regionaler Küche, das den nachhaltigen Charakter der Region unterstreicht.
In den Snippets tauchen Begriffe wie "Teamflug zum Rekord" auf. Dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Wirtsberg primär kein XC-Gelände ist. Dennoch sind Streckenflüge möglich – für Experten.
XC-Fliegen vom Wirtsberg bedeutet meist, dass man sich aus sehr geringer Höhe "ausgraben" muss. Man startet im dynamischen Wind, sucht eine thermische Ablösung, die oft zerrissen und windverblasen ist, und driftet mit dieser nach hinten ab.
Das Problem: Man darf dabei nicht in den Luftraum von EDPU geraten. Das bedeutet, man muss sofort Versatz machen, weg vom Flugplatz, oft Richtung Nordwesten oder Südosten, parallel zur Albkante.
Der Anschluss: Hat man die ersten 300-400 Meter gewonnen und die Platzrunde sicher überhöht (oder seitlich umflogen), öffnet sich das Potenzial. Die Albhochfläche bietet eine "Rennstrecke" entlang der Kante Richtung Heubach oder Aalen.
Die erwähnten Rekorde des DHC Aalen sind oft Flüge, die die schwierigen Bedingungen der Ostalb meistern. Es sind Flüge, die durch Geduld und das Ausnutzen kleinster Aufwindquellen (ein sonnenbeschienener Hang, ein Steinbruch) gekennzeichnet sind. Sie sind weniger durch Distanz als durch technische Brillanz bemerkenswert. Der "DHV-XC" listet solche Flüge als Inspiration. Sie zeigen, was möglich ist, wenn man das Gelände perfekt liest.
Ein Flugtag am Wirtsberg lässt sich hervorragend mit anderen Aktivitäten kombinieren, was den Spot familienfreundlich macht.
Wental Felsenmeer: Ein absolutes Highlight. Nur wenige Kilometer entfernt, bietet dieses Trockental bizarre Felsformationen aus Dolomitgestein. Ein Spaziergang hier fühlt sich an wie eine Reise in eine andere Welt.
Steinheimer Becken: Ein geologisches Wunder – ein Einschlagkrater eines Meteoriten. Der Klosterberg im Zentrum ist der Zentralberg des Kraters. Für naturwissenschaftlich interessierte Piloten ein Muss.
Radfahren & Wandern: Die Alb ist ein Paradies für Mountainbiker und Wanderer. Der Albsteig (HW1) verläuft in der Nähe.
Der Skihang Wirtsberg in Bartholomä ist ein Fluggebiet der Kontraste. Klein in der Höhe, aber groß im Anspruch. Einfach zu erreichen, aber schwer zu meistern. Ein Ort der Freiheit, aber eingezwängt in strikte Regeln.
Für den Anfänger (am Westhang) ist er der sanfte Einstieg in die Welt des Fliegens. Für den Fortgeschrittenen (am Skihang) ist er das Fitnessstudio für Schirmbeherrschung und Starttechnik. Und für den Profi ist er an jenen speziellen Tagen im Herbst, wenn der Nebel im Tal liegt und die Sonne den Albuch wärmt, ein Tor zu magischen Stunden in der Luft.
Dieser Guide soll dazu dienen, dieses Potenzial sicher und respektvoll zu nutzen. Respektieren Sie die 300ft-Regel, parken Sie richtig, und grüßen Sie die Segelflieger. Dann wird der Wirtsberg Sie mit Flugerlebnissen belohnen, die in keinem Logbuch fehlen sollten.
Disclaimer: Flugsport ist risikobehaftet. Dieser Guide ersetzt keine Flugausbildung und keine tagesaktuelle Wetter- und Geländeprüfung. Konsultieren Sie immer die offiziellen Quellen (DHV, Verein) vor Ort.