
1 Startplatz, 0 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Siegritz: Das thermische Epizentrum der Fränkischen Schweiz
Die Fränkische Schweiz, geografisch eingebettet zwischen den Städten Bamberg, Bayreuth und Erlangen, gilt seit Jahrzehnten als eine der attraktivsten Mittelgebirgslandschaften für den Luftsport in Deutschland. Innerhalb dieses weitreichenden Naturparks nimmt das Fluggelände Siegritz eine Sonderstellung ein. Es handelt sich hierbei nicht um einen klassischen Hangstartplatz, wie man ihn an den Steilabfällen des Jura-Plateaus etwa am Walberla findet, sondern um ein hochmodernes, thermisch außerordentlich aktives Windenschleppgelände auf einem weitläufigen Hochplateau. Betrieben von den Nordbayerischen Drachenfliegern e.V. (NBDF), stellt Siegritz eine kritische Infrastruktur für Streckenflugaspiranten dar, die sich von den geografischen Einschränkungen reiner Hangstartplätze lösen und stattdessen die Weiten des fränkischen Flachlandes sowie die Anschlussmöglichkeiten an den Albtraum und den Thüringer Wald erschließen wollen.
Executive Summary für Piloten
Das Fluggelände Siegritz bietet eine seltene Kombination aus logistischer Effizienz und meteorologischer Exzellenz. Es liegt etwa 2 Kilometer südöstlich von Heiligenstadt in Oberfranken auf einer Höhe von rund 470 Metern über Normalnull. Das Gelände ist primär für den Windenschlepp von Gleitschirmen und Drachen sowie für UL-Schlepp ausgelegt. Durch die Ausrichtung der Schleppstrecke in West-Südwest (WSW) und Ost-Nordost (ONO) kann ein Großteil der in Mitteleuropa vorherrschenden Windlagen abgedeckt werden.
Für Piloten, die eine schnelle Entscheidungshilfe benötigen, lassen sich die wesentlichen Merkmale wie folgt zusammenfassen: Siegritz ist ein Top-Gelände für Streckenflüge, wobei Drachen-Rekorde von über 280 Kilometern die thermische Potenz des Plateaus unterstreichen. Der Gastflugbetrieb ist gegen eine moderate Gebühr von 15 Euro pro Tag (inklusive aller Schlepps) uneingeschränkt möglich, sofern eine gültige Schleppberechtigung, eine Versicherung und eine geprüfte Ausrüstung vorliegen. Die logistische Erreichbarkeit über die A73 und die Nähe zu Heiligenstadt machen es auch für Wochenendbesucher attraktiv. Zu den Herausforderungen zählen die Nähe zur Kontrollzone (CTR) Nürnberg im Süden, die eine strikte Einhaltung der Höhenbeschränkungen und eine sorgfältige Flugplanung erfordert. Die Start- und Landeplätze befinden sich auf demselben Plateau, was mühsame Aufstiege oder Shuttle-Fahrten überflüssig macht.
Merkmal Spezifikation / Wert Startart
Windenschlepp (Gleitschirm, Drachen, Tandem), UL-Schlepp
Startrichtung
WSW (optimal bei Westlagen), ONO (optimal bei Ostlagen)
Höhendifferenz
Ebene (Start und Landung auf ca. 470 m NN)
Schleppstrecke
950 m, erweiterbar auf bis zu 1280 m
Schwierigkeit
Mittel (aufgrund von Mischbetrieb und Hindernissen wie Telefonleitungen)
Gebühren (Gäste)
15,00 € Tagesmitgliedschaft (inkl. Schlepps)
Geographische Analyse und aerologische Bedeutung
Die Fränkische Schweiz ist geologisch Teil des Süddeutschen Schichtstufenlandes, genauer gesagt des Weißen Jura. Das Plateau von Siegritz ist eine der vielen charakteristischen Hochflächen, die durch die Erosion der weicheren Schichten entstanden sind. Diese geologische Beschaffenheit hat direkte Auswirkungen auf die Flugbedingungen. Der Kalkstein des Plateaus ist ein hervorragender Wärmespeicher. Da die Böden oft flachgründig und steinig sind, erwärmen sie sich bei Sonneneinstrahlung sehr schnell, was zu einer frühen und zuverlässigen Ablösung von Thermikblasen führt.
Im Gegensatz zu Taltal-Lagen, in denen sich die Kaltluft oft bis weit in den Vormittag hinein hält, beginnt der thermische Motor in Siegritz oft schon zu einem Zeitpunkt zu laufen, an dem Hangstartplätze noch im Schatten liegen oder von Inversionen gedeckelt werden. Die großflächige Erwärmung des Plateaus sorgt für ein großräumiges Steigen, das Piloten nach dem Ausklinken aus der Winde oft direkt den Einstieg in die erste Thermik ermöglicht. Diese "Plateau-Thermik" ist oft weniger zerrissen als Hangthermik, da sie nicht durch mechanische Turbulenzen an schroffen Felswänden gestört wird. Dennoch darf die Stärke dieser Ablösungen im Hochsommer nicht unterschätzt werden; Steigwerte von 5 m/s und mehr sind keine Seltenheit.
Standortparameter und technische Daten
Die präzise Verortung des Startplatzes ist für die Navigation und die Anfahrt essenziell. Der Startplatz liegt auf einem Hochplateau, das eine weite Sicht über die Fränkische Schweiz bis hin zum Fichtelgebirge bietet.
Koordinate / Wert
Detailinformation
GPS-Koordinaten (Start) N 49° 51' 19.92" E 11° 12' 42.54" Höhe NN 468 m Maximale Ausklinkhöhe 760 m über Grund (GND) Funkfrequenz (PMR)
Kanal 1 (446,00625 MHz), Code 10 (94,8 Hz)
Die Schleppstrecke selbst ist eine der längsten in Nordbayern. Mit einer Standardlänge von 950 Metern und einer Erweiterungsoption auf bis zu 1280 Meter ermöglicht sie bei ruhigen Bedingungen Ausklinkhöhen, die weit über den üblichen 300 bis 400 Metern kleinerer Schleppgelände liegen. Dies ist ein entscheidender Vorteil, da die Chance, thermischen Anschluss zu finden, mit jedem gewonnenen Höhenmeter exponentiell steigt. Die Ausklinkhöhe ist rechtlich auf 762 Meter über Grund begrenzt, was unter Berücksichtigung der Geländehöhe eine absolute Höhe von etwa 1230 Metern MSL ergibt. Diese Grenze ist strikt einzuhalten, da Siegritz am nördlichen Rand des Luftraums um Nürnberg liegt.
Zugang, Logistik und Infrastruktur
Die Erreichbarkeit von Siegritz ist für ein Mittelgebirgsgelände außergewöhnlich gut. Durch die Lage auf dem Plateau entfallen die für viele bayerische Fluggebiete typischen schmalen, steilen Passstraßen oder die Abhängigkeit von Bergbahnen.
Anreise mit dem PKW
Die meisten Piloten reisen über die Autobahnen A73 (Nürnberg-Bamberg) oder A9 (Nürnberg-Berlin) an.
Aus Richtung Süden (Nürnberg/Erlangen): Die schnellste Route führt über die A73 bis zur Ausfahrt Seigendorf. Von dort folgt man der Staatsstraße über Friesen, Wernsdorf, Leesten und Teuchatz nach Heiligenstadt. In Heiligenstadt ist der Weg nach Siegritz gut ausgeschildert.
Aus Richtung Norden/Osten: Die Anfahrt über die A9 bietet sich an, wobei man das Gebiet über die Ausfahrt Trockau oder Bayreuth-Süd erreicht und sich dann westwärts Richtung Heiligenstadt orientiert.
Es ist zu beachten, dass bei Großveranstaltungen wie dem Fränkische Schweiz Marathon die B470 zwischen Forchheim und Pottenstein komplett gesperrt sein kann. In solchen Fällen müssen weiträumige Umfahrungen über die Dörfer des Plateaus eingeplant werden.
Parken und Verhalten vor Ort
Ein kritischer Punkt für den Erhalt des Fluggeländes ist das Parken. Die Schleppstrecke verläuft entlang landwirtschaftlich genutzter Wege. Es ist strikt darauf zu achten, dass Fahrzeuge nur auf den ausgewiesenen Parkplätzen am Rand des Plateaus oder an den vereinbarten Sammelpunkten abgestellt werden. In der Vergangenheit kam es zu Konflikten mit Landwirten, wenn Rettungswege oder Zufahrten zu Äckern durch Piloten-PKWs blockiert wurden. Eine gute Faustregel ist es, das Fahrzeug so abzustellen, dass ein breiter Traktor mit Anhänger problemlos passieren kann.
Logistik des Schleppbetriebs
Siegritz ist ein hochfrequentes Gelände. Der Verein nutzt moderne Doppeltrommelwinden, oft ergänzt durch den Einsatz von Quads oder Motorrädern zum Rückholen der Seile. Dies minimiert die Wartezeiten zwischen den Schlepps erheblich. Für Piloten bedeutet dies, dass sie sich in einer gut organisierten Startliste einreihen müssen. Der Mischbetrieb zwischen Gleitschirmen und Drachen erfordert dabei eine besondere Disziplin. Drachenpiloten benötigen aufgrund des Aufbaus mehr Platz und Zeit am Start, während Gleitschirmpiloten flexibler reagieren können. Es hat sich bewährt, dass Gleitschirmflieger erst dann ihren Schirm auslegen, wenn sie unmittelbar an der Reihe sind und der vorherige Pilot bereits in der Luft ist.
Aerodynamik und Mechanik des Windenschlepps
Der Windenschlepp ist ein hochdynamischer Vorgang, der physikalisch von der Zugkraft der Winde und dem resultierenden Auftrieb des Fluggeräts bestimmt wird. In Siegritz, wo oft bei thermischen Bedingungen geschleppt wird, müssen Piloten die Interaktion zwischen der Seilspannung und thermischen Ablösungen verstehen.
Die auf den Schirm wirkende Gesamtkraft F total
während des Schlepps setzt sich aus der Gewichtskraft G, dem Auftrieb L und der Seilzugkraft S zusammen. Ein stationärer Steigflug wird durch das Gleichgewicht dieser Vektoren beschrieben:
L + S + G =0
Bei thermischen Turbulenzen während des Schleppvorgangs kann die Seilspannung massiv schwanken. Die Windenführer in Siegritz sind erfahren darin, diese Schwankungen durch eine feinfühlige Regulierung des Bremsdrucks oder der Motordrehzahl auszugleichen. Dennoch ist der Pilot gefordert, den Schirm durch aktives Fliegen über sich zu halten. Ein Ausbrechen des Schirms ("Lock-out") muss sofort durch beherztes Gegensteuern oder im Extremfall durch das Kappen des Seils verhindert werden. In Siegritz ist ab einer Ausklinkhöhe von 450 Metern eine Funkverbindung zwischen Pilot und Windenführer zwingend vorgeschrieben, um in solchen Situationen unmittelbar kommunizieren zu können.
Flugbedingungen: Thermik, Wind und Meteorologie
Die Qualität eines Flugtages in Siegritz hängt fast ausschließlich von der thermischen Aktivität und der Windstärke ab. Da es keinen Hang gibt, der dynamischen Aufwind bietet, sind Piloten auf thermische Ablösungen ("Bärte") angewiesen.
Thermikzyklen und zeitliche Planung
Die Thermik in Siegritz folgt einem klassischen Tagesgang, wird aber durch die Plateau-Lage modifiziert.
Vormittag (bis 11:00 Uhr): Oft noch ruhige Luft. Ideal für Schulungsflüge oder Tandemflüge. Erste kleine Blasen lösen sich an den Waldkanten ab.
Mittag (12:00 - 14:00 Uhr): Die thermische Aktivität erreicht ihren Höhepunkt. Die trockenen Felder des Plateaus produzieren kräftige Ablösungen. Dies ist die beste Zeit für XC-Abflüge.
Nachmittag (ab 15:00 Uhr): Die Thermik wird großflächiger und oft auch etwas ruhiger ("Hausbart-Zeit"). Piloten können nun oft über Stunden am Plateau soaren, indem sie zwischen den bekannten Abrisskanten pendeln.
Abend: Mit nachlassender Einstrahlung stellt sich oft ein sanftes Umkehrthermik-Phänomen ein, wenn die umliegenden Täler schneller abkühlen als das Plateau.
Windrichtungen und deren Auswirkungen
Optimal sind Windgeschwindigkeiten zwischen 5 und 15 km/h aus WSW oder ONO.
WSW-Wind: Der Wind weht parallel zur Hauptschleppstrecke. Dies ermöglicht maximale Ausklinkhöhen, da der Schirm durch den Gegenwind einen höheren effektiven Auftrieb erfährt.
Seitenwind: Bei Wind aus Nord oder Süd wird der Schleppvorgang anspruchsvoller. Die Winde muss das Seil schräg zur Windrichtung einziehen, was die Gefahr von Seilrissen oder Schrägstarts erhöht. Ab einer Seitenwindkomponente von etwa 15 km/h wird der Betrieb in Siegritz oft eingestellt.
Gefahr Lee-Turbulenzen: Obwohl Siegritz flach erscheint, gibt es an den Rändern des Plateaus signifikante Hangkanten. Bei starkem Wind aus Richtungen, die nicht mit der Schleppstrecke übereinstimmen (z.B. reiner Nordwind), können sich im Lee der Baumreihen oder kleinerer Kuppen gefährliche Rotoren bilden. Piloten sollten insbesondere im Endanflug auf die Windfahnen an beiden Enden der Strecke achten, da der Wind am Boden aufgrund von Thermikablösungen oft schlagartig drehen kann.
Geheimtipps für den Erfolg in Siegritz
Der Mehrwert eines Guides liegt in den Informationen, die über die offiziellen Datenbanken hinausgehen. Lokale Piloten haben über Jahrzehnte ein intuitives Verständnis für das Gelände entwickelt.
Die besten Thermikquellen ("House Thermals")
Wenn man in Siegritz ausgeklinkt hat, stellt sich sofort die Frage: Wohin?
Die "West-Kante": Unmittelbar westlich der Schleppstrecke fällt das Gelände leicht ab. Die dort stehenden Baumreihen fungieren als mechanische Auslöser für die über dem Plateau erwärmte Luft. Wer hier in geringer Höhe ankommt, findet oft den rettenden Bart.
Das "Heiligenstadt-Kraftwerk": Etwas weiter nordwestlich, über den bebauten Flächen von Heiligenstadt, steht oft eine zuverlässige Thermik, die durch die Wärmeabstrahlung der Dächer und Asphaltflächen genährt wird.
Die südlichen Ackerflächen: Im Hochsommer sind die abgeernteten Getreidefelder südlich der Schleppstrecke wahre Thermikmotoren. Besonders an den Übergängen von hellen Feldern zu dunklen Waldstücken ist die Wahrscheinlichkeit für Ablösungen sehr hoch.
Typische Anfängerfehler
Viele Piloten, die zum ersten Mal in Siegritz fliegen, unterschätzen die Komplexität des Geländes.
Zu frühes Klinken: In der Hoffnung, eine vermeintliche Thermik direkt über dem Seil zu nutzen, klinken viele Neulinge zu früh aus. In Siegritz ist es meist besser, die volle Höhe des Schlepps auszunutzen (oft bis zu 600 m), um in die stabilere Schichtung oberhalb der Bodeninversion zu gelangen.
Mangelnde Luftraumbeobachtung: In Siegritz herrscht oft reger Flugbetrieb. Neulinge neigen dazu, sich zu sehr auf ihr Variometer zu konzentrieren und dabei andere Schirme im Mischbetrieb (besonders die schnellen Drachen) zu übersehen.
Unterschätzung der Hindernisse: Die Telefonleitung am westlichen Ende der Strecke ist aus der Luft oft schwer zu erkennen. Ein zu tiefer Anflug bei Westwind kann hier fatale Folgen haben. Es ist ratsam, den Landepunkt so zu wählen, dass man immer eine Sicherheitsreserve über den Hindernissen hat.
Webcams und Informationsquellen der Profis
Um nicht umsonst nach Siegritz zu fahren, nutzen lokale Piloten ein Netzwerk aus Wetterstationen und Kameras.
Holfuy-Stationen: Es gibt mehrere Holfuy-Stationen in der Fränkischen Schweiz (z.B. an der Friesener Warte oder am Walberla), die einen sehr guten Eindruck vom aktuellen Windregime auf dem Plateau vermitteln.
PMR-Funk: An aktiven Flugtagen ist der Funk das wichtigste Kommunikationsmittel. Wer sich unsicher ist, kann schon bei der Anfahrt auf Kanal 1 reinhören, um den aktuellen Status des Schleppbetriebs zu erfahren.
Streckenflug (XC) Potential und Strategien
Siegritz ist berühmt für seine Streckenflugmöglichkeiten. Der Rekord von über 280 Kilometern ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer geografischen Gunstlage.
Klassische XC-Routen
Die "Ost-Route": Bei Westwindlagen ist dies die Standardroute. Man folgt dem Albtrauf in Richtung Pegnitz und weiter in die Oberpfalz. Der Vorteil hierbei ist, dass man lange Zeit außerhalb komplexer Luftraumstrukturen bleibt.
Der "Thüringer-Wald-Run": Bei Südwestwind kann man versuchen, den Sprung über das Maintal in den Thüringer Wald zu schaffen. Dies erfordert jedoch eine gute Basis (mindestens 1800 m), um die thermisch toten Zonen über den großen Waldgebieten sicher zu überbrücken.
Das "Fränkische Dreieck": Erfahrene Piloten nutzen die thermische Zuverlässigkeit von Siegritz, um FAI-Dreiecke innerhalb Frankens zu fliegen, wobei Wendepunkte oft im Fichtelgebirge oder im Steigerwald liegen.
Luftraum-Management: Die Nürnberg-Hürde
Die größte Herausforderung für XC-Piloten in Siegritz ist der Luftraum Nürnberg. Die Kontrollzone (CTR) beginnt nur wenige Kilometer südlich des Geländes.
Vermeidungsstrategie: Ein Abflug direkt nach Süden ist ohne Freigabe (die für Gleitschirme praktisch nie erteilt wird) unmöglich. Piloten müssen sich nach dem Start entweder nach Osten oder nach Westen orientieren, um die CTR zu umgehen.
Höhenbänder: Man muss die gestaffelten Höhen des Luftraums C und D genau kennen. Ein GPS-Gerät mit aktuellen Luftraumdaten ist in Siegritz keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Ein Verstoß gefährdet nicht nur die eigene Lizenz, sondern den Fortbestand des gesamten Fluggeländes.
Das "Drumherum": Kulinarik und Übernachtung
Ein Flugtag in der Fränkischen Schweiz ist erst dann perfekt, wenn auch der gesellschaftliche Teil stimmt. Siegritz bietet hierfür eine hervorragende Infrastruktur.
Beste Einkehr nach dem Flug
Franken ist bekannt für seine Bierkultur und deftige Küche.
Brauereigasthof Rothenbach (Heiligenstadt): Nur 5 Minuten vom Startplatz entfernt. Hier gibt es das typische "Heiligenstädter" Bier und klassische fränkische Gerichte wie Schäuferla oder Bratwürste. Es ist der informelle Treffpunkt der lokalen Piloten nach Flugende.
Landgasthaus Sponsel: Eine sehr gute Adresse für Piloten, die etwas gehobener essen möchten, aber dennoch die regionale Authentizität schätzen.
Biergärten der Umgebung: In den Sommermonaten locken zahlreiche Keller (Biergärten) in den umliegenden Wäldern, wo man unter alten Eichen den Flugtag Revue passieren lassen kann.
Übernachtungsmöglichkeiten
Für Piloten, die ein ganzes Wochenende bleiben möchten, gibt es verschiedene Optionen.
Camping am Fluggelände: Bei großen Events wie dem Testival oder XC-Camps erlaubt der Verein oft das Campen direkt am Gelände. Es gibt jedoch keine sanitäre Infrastruktur (kein Wasser, kein Strom), man muss also autark sein.
Heiligenstädter Hof: Ein gemütliches Hotel im Ort, das auf Wanderer und Flieger eingestellt ist.
Campingplätze in Pottenstein: Wer professionelles Camping mit Duschen und Strom sucht, findet im nahegelegenen Pottenstein (ca. 15 Min. Fahrt) mehrere hervorragende Plätze, wie den Campingplatz Bärenschlucht oder den Campingplatz Fränkische Schweiz.
Sicherheit und Regeln: Der professionelle Rahmen
Flugsicherheit wird in Siegritz großgeschrieben. Der NBDF hat eine detaillierte Geländeordnung erarbeitet, die jeder Pilot vor dem ersten Start kennen sollte.
Spezielle Flugregeln
Mischbetrieb-Vorrang: Drachenflieger haben aufgrund ihrer geringeren Manövrierfähigkeit am Boden oft Vorrang beim Aufbau. In der Luft gelten die üblichen Ausweichregeln, wobei Gleitschirmflieger bedenken sollten, dass Drachen deutlich höhere Geschwindigkeiten fliegen.
Ausklinken: Das Seil darf erst ausgeklinkt werden, wenn der Windenführer den Zug deutlich reduziert hat. Ein "Klinken unter Zug" sollte vermieden werden, da dies die Winde und das Seil unnötig belastet.
Außenlandungen: Sollte man es nicht zurück zum Plateau schaffen, sind Außenlandungen auf bestellten Feldern strikt zu vermeiden. Es gibt genügend gemähte Wiesen im Tal, die sicher angeflogen werden können.
Notfall-Infos
Im Falle eines Unfalls ist die Rettungskette gut eingespielt.
Notruf: 112 (Notarzt/Feuerwehr).
Koordinatenangabe: Bei einem Notruf sollten die GPS-Koordinaten des Plateaus bereitgehalten werden.
Nächstes Krankenhaus: Klinikum Forchheim.
Erste Hilfe: Ein Erste-Hilfe-Set und oft auch ein Defibrillator befinden sich im Vereinsheim bzw. am Windenwagen.
Alternative Startplätze in der Region
Wenn der Wind in Siegritz nicht passt, bietet die Fränkische Schweiz hervorragende Ausweichmöglichkeiten.
Walberla (Ehrenbürg): Ideal bei West-Südwest-Wind. Es ist jedoch ein reiner Hangstartplatz und aufgrund der Turbulenzen an den Felsen nur für erfahrene Piloten geeignet. Eine Gastflugregelung gibt es hier nur für Drachen; Gleitschirmpiloten müssen Mitglieder in einem der lokalen Vereine sein.
Hohenmirsberger Platte: Ein weiteres Schleppgelände in der Nähe, das oft eine gute Alternative ist, wenn in Siegritz zu viel Betrieb herrscht oder die Windrichtung leicht variiert.
Laufer Terrassen: Für Piloten aus dem Nürnberger Raum eine gute Adresse bei Ostwindlagen, allerdings mit deutlichen Luftraumeinschränkungen.
Fazit: Siegritz als Gesamterlebnis
Siegritz ist mehr als nur ein Flugplatz; es ist ein Mikrokosmos des nordbayerischen Flugsports. Die Professionalität des NBDF, die thermische Potenz des Geländes und die herzliche fränkische Atmosphäre machen es zu einem Ort, an den Piloten immer wieder gerne zurückkehren. Wer die Geduld aufbringt, den richtigen thermischen Moment abzupassen, und wer die Disziplin besitzt, die Luftraumgrenzen zu respektieren, wird in Siegritz Flugerlebnisse finden, die ihn tief in die fränkische Landschaft entführen und vielleicht sogar zu seinem persönlichen Streckenrekord führen. Der Guide zeigt deutlich: Siegritz ist das Herz der Fränkischen Schweiz für jeden, der das lautlose Gleiten liebt.