
1 Startplatz, 0 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Analyse und Pilotenleitfaden für das Fluggelände Hollfeld: Strategien für den Windenschlepp und alpine Alternativen in Mitteleuropa
Das Fluggelände Hollfeld repräsentiert innerhalb der mitteleuropäischen Luftsportgeografie eine faszinierende Dualität. Während der Name primär mit dem spezialisierten Schleppgelände in der Fränkischen Schweiz (Deutschland) assoziiert wird, führt die recherchebasierte Analyse oft zu einer Verwechslung oder bewussten Gegenüberstellung mit dem alpinen Gelände Hollersbach in Österreich. Dieser umfassende Bericht dient als fachspezifisches Referenzwerk für Gleitschirm- und Drachenflieger, die Präzision in der Flugplanung und Tiefe in der Geländekenntnis suchen. Die nachfolgende Untersuchung beleuchtet die technischen Spezifikationen, die mikroklimatischen Besonderheiten und die soziokulturelle Einbettung beider Standorte, um Piloten eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten, die weit über die rudimentären Daten offizieller Register hinausgeht.
Executive Summary für Piloten
Für Piloten, die eine effiziente Entscheidungsgrundlage für ihren nächsten Flugtag suchen, bietet die Region Hollfeld-Kainach in Deutschland ein hochgradig optimiertes Schleppgelände. Es wird von den Nordbayerischen Drachenfliegern e.V. (NBDF) betrieben und zeichnet sich durch eine 800 Meter lange Schleppstrecke aus, die Starts in die Richtungen Nordost (NO) und Südwest (SW) ermöglicht. Das Gelände ist ideal für thermische Einstiege in die Fränkische Schweiz und bietet ein beachtliches Potenzial für Streckenflüge (XC) in Richtung Fichtelgebirge. Die logistische Erreichbarkeit per PKW und die flachen, für Schulungen geeigneten Strukturen machen es zu einem vielseitigen Standort für Piloten aller Könnensstufen.
Im Gegensatz dazu steht das Gelände Hollersbach im österreichischen Pinzgau, das oft in einem Atemzug mit Hollfeld genannt wird. Hier findet der Pilot ein klassisches alpines Hanggelände mit einer Höhendifferenz von 338 Metern vor. Es handelt sich um einen anspruchsvollen Schneisenstartplatz, der insbesondere bei Nordwindlagen hervorragende Bedingungen bietet, jedoch bei Seitenwind aufgrund massiver Rotorengefahren durch den angrenzenden Waldbestand höchste Vorsicht erfordert. Während Hollfeld-Kainach durch die Verlässlichkeit des Windenschlepps und die weite Hügellandschaft besticht, bietet Hollersbach den Einstieg in die Hochalpen mit den entsprechenden thermischen und navigatorischen Herausforderungen.
Der Standort Hollfeld-Kainach (Deutschland)
Das Gelände in Hollfeld, spezifisch im Ortsteil Kainach gelegen, ist ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Etablierung des Windenschleppbetriebs im deutschen Mittelgebirge. Es fungiert als strategischer Knotenpunkt für Piloten aus dem nordbayerischen Raum und darüber hinaus.
Technische Spezifikationen und Geodaten
Die exakte Positionierung und die physikalischen Parameter des Geländes sind für die Flugvorbereitung unerlässlich. Das Gelände ist für Gleitschirme und Hängegleiter zugelassen und bietet eine Infrastruktur, die sowohl für den Freizeit- als auch für den Schulungsbetrieb optimiert ist.
Parameter Spezifikation Offizieller Name
Hollfeld-Kainach
GPS-Koordinaten
N 49°55'30.00" E 11°18'45.00"
Höhe über NN
408 m
Geländetyp
Schleppgelände für Windenstart
Schlepplänge
800 m
Maximale Schlepphöhe
ca. 150 m über Grund
Startrichtungen
Nordost (NO), Südwest (SW)
Zulassung
1-sitzig / Schulung (GS & HG)
Das Gelände zeichnet sich durch seine Einbettung in die landwirtschaftlich genutzte Umgebung aus. Ein entscheidender Faktor für den Flugbetrieb ist der aktuelle Fruchtstand der umliegenden Felder, da die Start- und Landebereiche flexibel an die agrarische Nutzung angepasst werden müssen. Dies erfordert von den Piloten eine erhöhte Sensibilität für die Belange der Landwirte und eine enge Abstimmung mit dem Geländehalter vor Ort.
Zugang, Logistik und Infrastruktur
Die Erreichbarkeit von Hollfeld-Kainach ist durch die Anbindung an das regionale Straßennetz der Fränkischen Schweiz als sehr gut zu bewerten. Da es sich um ein Schleppgelände handelt, entfällt die Abhängigkeit von Bergbahnen oder komplexen Shuttle-Systemen.
Anreise per PKW: Die Anfahrt erfolgt über gut ausgebaute Landstraßen. Parkmöglichkeiten befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Schleppgelände, wobei darauf zu achten ist, dass landwirtschaftliche Wege und Durchfahrten unter keinen Umständen blockiert werden.
Fußweg: Der Zugang zum Startbereich ist aufgrund der flachen Topografie unkompliziert und erfordert keine besondere physische Kondition. Dies macht das Gelände besonders attraktiv für Piloten mit schwerer Ausrüstung (z.B. klassische Hängegleiter).
Öffnungszeiten und Einschränkungen: Der Flugbetrieb findet primär an Wochenenden und Feiertagen statt, koordiniert durch den betreuenden Verein. Es wird dringend empfohlen, vor der Anreise Kontakt mit dem Geländehalter aufzunehmen, um die aktuelle Betriebsbereitschaft und etwaige Einschränkungen durch den landwirtschaftlichen Anbau zu klären.
Die logistische Einfachheit des Geländes wird durch das Fehlen von Aufstiegshilfen wie Liften unterstrichen. Dies fördert eine autarke Flugplatzkultur, bei der das soziale Miteinander im Verein eine zentrale Rolle spielt.
Das alpine Pendant: Hollersbach (Österreich)
Um die Rechercheanfrage vollständig zu bedienen, muss das Gelände Hollersbach detailliert analysiert werden, da es oft als das "österreichische Hollfeld" in Pilotenkreisen gehandelt wird. Die Unterschiede in Charakteristik und Anforderungsprofil sind signifikant.
Standortanalyse und Geografie
Hollersbach liegt im Bundesland Salzburg und bietet eine völlig andere fliegerische Kulisse als das oberfränkische Hollfeld. Es ist ein Hanggelände, das den Einstieg in das Pinzgau und die Hohen Tauern ermöglicht.
Parameter Spezifikation Standort
5731 Hollersbach, Österreich
GPS-Koordinaten
N 47°15'54.60" E 12°25'38.70"
Starthöhe NN
1145 m
Landeplatzhöhe NN
807 m
Höhendifferenz
338 m
Startrichtung
NW - N
Alpine Herausforderungen und Startplatzcharakteristik
Der Startplatz in Hollersbach wird als Schneisenstart klassifiziert. Er liegt unterhalb eines Heustadels in der letzten Kurve vor dem Gasthof Berghof. Diese Konfiguration bringt spezifische Gefahrenmomente mit sich, die eine präzise meteorologische Einschätzung erfordern.
Rotorengefahr: Die den Startplatz flankierenden Bäume verursachen bei seitlichem Wind unangenehme Leerotoren. Flugversuche sollten daher nur unternommen werden, wenn der Wind sauber von vorne in die Schneise einströmt.
Thermische Aktivität: Beste Flugbedingungen herrschen in den Monaten Mai bis August, wobei sich die Luftmassen oft erst ab 16:00 Uhr stabilisieren und einen ruhigen Fluggenuss ermöglichen.
Landeplatz: Die offizielle Landewiese befindet sich südlich der Sportanlagen in der Nähe des Badesees. Es handelt sich um eine großzügige Wiese, die auch für Schulungszwecke geeignet ist.
Der Zugang erfolgt per PKW über die Beschilderung Richtung Gasthof Berghof. Piloten sind angehalten, ihre Fahrzeuge ausschließlich am Gasthof zu parken und nicht entlang der Straße am Startplatz. Dies ist eine wichtige Regelung zur Aufrechterhaltung des Einvernehmens mit den lokalen Anwohnern und Behörden.
Flugbedingungen und Meteorologie in der Fränkischen Schweiz
Die Meteorologie der Region Hollfeld ist geprägt durch die sanften, aber thermisch aktiven Hügelketten der Fränkischen Schweiz. Das Verständnis der lokalen Windsysteme und thermischen Triggerpunkte ist für den Erfolg eines Flugtages in Hollfeld-Kainach entscheidend.
Thermikquellen und mikroklimatische Zyklen
Die Fränkische Schweiz fungiert als exzellenter Wärmespeicher. Die Kalksteinplateaus und die tief eingeschnittenen Täler der Wiesent und Kainach erzeugen signifikante Temperaturdifferenzen, die die Ablösung von Thermikblasen begünstigen.
Triggerpunkte: In Hollfeld dienen oft die Hangkanten der umliegenden Plateaus als natürliche Abrisskanten. Besonders bei Sonneneinstrahlung auf die nach Südwesten ausgerichteten Hänge entstehen verlässliche Aufwindbänder.
Thermikzeiten: Im Flachland-Schleppgelände beginnt die thermische Aktivität meist gegen 11:00 Uhr vormittags. Die stärksten Bärte werden zwischen 13:00 und 15:00 Uhr beobachtet. Ein lokales Phänomen ist das "Abendsteigen", bei dem die abgegebene Restwärme der Wälder und Felsen oft ein sanftes Soaring bis zum Sonnenuntergang ermöglicht.
Windrichtungen: Für den Schleppbetrieb in Hollfeld sind Windrichtungen aus Nordost oder Südwest optimal, da sie parallel zur Schleppstrecke verlaufen. Seitenwindkomponenten von mehr als 15 km/h machen den Schleppbetrieb technisch anspruchsvoll und für Anfänger riskant.
Saisonale Besonderheiten
Die Flugsaison in Hollfeld erstreckt sich primär vom Frühjahr bis zum Spätherbst. Im Frühling (April bis Juni) ist die Thermik oft kräftig und labil, bedingt durch die hohen Temperaturunterschiede zwischen dem noch kalten Boden und der intensiven Sonneneinstrahlung. In dieser Zeit sind Steigwerte von über 4 m/s keine Seltenheit. Der Hochsommer bietet stabilere Bedingungen mit höherer Basis, während der Herbst oft durch ruhige Umkehrthermik besticht, die ideal für entspannte Genussflüge ist.
Streckenflug-Potenzial (XC) und navigationsstrategische Analysen
Hollfeld-Kainach ist weit mehr als ein Übungshang. Es ist ein anerkannter Ausgangspunkt für ambitionierte Streckenflüge im nordbayerischen Raum. Die Analyse historischer Flugdaten im DHV-XC offenbart beeindruckende Distanzen und Routenführungen.
Die Rottmann-Route und regionale XC-Klassiker
Ein Name, der untrennbar mit dem Streckenflug in Hollfeld verbunden ist, ist Hannes Rottmann. Seine dokumentierten Flüge führen oft über markante geografische Wegpunkte hinweg und demonstrieren das Potenzial des Geländes bei entsprechender Wetterlage.
Route Fichtelgebirge: Ein klassischer XC-Flug startet in Hollfeld, nutzt die Thermik über der Fränkischen Schweiz, um den Sprung über Bayreuth zum Ochsenkopf im Fichtelgebirge zu schaffen. Von dort aus führen Routen weiter zum Weißenstädter See. Solche Flüge erfordern eine präzise Höhenplanung, um die bewaldeten Gebiete des Fichtelgebirges sicher zu überqueren.
Statistik und Wettbewerb: Der betreuende Verein NBDF belegt in der Mannschaftswertung des DHV-XC regelmäßig vordere Plätze, was auf die hohe Qualifikation der lokalen Piloten und die Güte der von Hollfeld aus erreichbaren Thermik hindeutet.
Navigatorische Herausforderungen und Luftraum
Beim Streckenflug ab Hollfeld müssen Piloten komplexe Luftraumstrukturen beachten. Die Nähe zu Bayreuth und die Korridore des zivilen und militärischen Flugverkehrs erfordern eine aktuelle Luftraumkarte auf dem Vario.
Luftraumtyp Bedeutung für Hollfeld-Piloten Luftraum E
Kontrollierter Luftraum, in dem Sichtflugregeln gelten. Oft ab einer Höhe von 2500 ft (ca. 760 m) oder 1000 ft GND.
Kontrollzone Bayreuth
Bei Flügen in Richtung Osten ist die Kontrollzone des Verkehrslandeplatzes Bayreuth zu beachten.
ED-R Gebiete
Zeitweilig aktive Beschränkungsgebiete für militärische Übungen müssen vor Flugbeginn geprüft werden.
Die Nutzung von Instrumenten mit Luftraumwarnung wird dringend empfohlen. Ein Verstoß gegen Luftraumvorgaben führt im DHV-XC zur sofortigen Nichtwertung des Fluges und gefährdet die langfristige Zulassung des Startplatzes.
Die Nordbayerischen Drachenflieger e.V. (NBDF)
Hinter dem Flugbetrieb in Hollfeld steht eine der traditionsreichsten Fliegervereinigungen Bayerns. Der Verein Nordbayerische Drachenflieger e.V. wurde bereits im März 1976 gegründet und öffnete sich 1995 für Gleitschirmflieger.
Vereinskultur und Geschichte
Die Geschichte des Vereins ist eng mit der Pionierzeit des Drachenfliegens verknüpft. Die Gründung wurde maßgeblich durch einen Artikel in "Reader's Digest" aus dem Jahr 1974 inspiriert, der das Interesse des Fluglehrers Anton Juri weckte. Seitdem hat sich der Verein zu einer Institution entwickelt, die nicht nur Gelände pflegt, sondern auch die technische Infrastruktur vorantreibt.
Infrastruktur: In unzähligen Eigenleistungen erstellten die Mitglieder Gebäude und Hallen für den Flugbetrieb, wobei allein die Kosten für eine zentrale Halle im Jahr 1993 rund 150.000 DM betrugen.
Innovation: Aktuell setzt der Verein verstärkt auf Elektromobilität beim Windenschlepp. Elektrowinden gelten als zukunftsweisende Vision, um Lärmemissionen zu reduzieren und die Akzeptanz des Flugsports in der Bevölkerung zu erhöhen.
Gastflugregelungen und Mitgliedschaft
Der NBDF pflegt eine offene Gastflugkultur, stellt jedoch klare Anforderungen an die Sicherheit und den Versicherungsschutz.
Tagesmitgliedschaft: Gastflieger müssen vor dem ersten Start eine Tagesmitgliedschaft erwerben. Diese kostet ca. 15 Euro für einen Schlepptag und beinhaltet alle durchgeführten Schlepps.
Voraussetzungen: Erforderlich sind eine gültige Lizenz, eine Halterhaftpflichtversicherung und eine geprüfte, zugelassene Ausrüstung.
Haftungsbeschränkung: Piloten müssen vorab eine Haftungsbeschränkungserklärung unterzeichnen und dem Windenführer vorlegen.
Kommunikation: Der Verein nutzt moderne Kanäle wie WhatsApp-Gruppen, um über aktuellen Schleppbetrieb zu informieren. Die Funkkommunikation erfolgt meist über PMR (Kanal 1, Code 10).
Die Mitgliedschaft im Verein ermöglicht den uneingeschränkten Zugang zu allen Geländen des NBDF, einschließlich Hollfeld, Siegritz, Walberla und Hainberg.
Logistik, Zugang und regionale Integration
Die Einbettung des Flugplatzes in die Region Hollfeld ist ein Musterbeispiel für sanften Tourismus. Die Koexistenz von Landwirtschaft, Naturschutz und Luftsport wird hier aktiv gelebt.
Die Anreise und das Gelände Kainach
Hollfeld-Kainach ist für Piloten aus dem Großraum Nürnberg, Bamberg und Bayreuth innerhalb von 30 bis 60 Minuten erreichbar.
Parken: Es wird dringend darum gebeten, Fahrgemeinschaften zu bilden und die ausgewiesenen Parkflächen zu nutzen. Wildes Parken auf Wiesen oder Waldwegen ist strikt untersagt.
Geländecharakter: Es handelt sich um eine offene Wiesenlandschaft. Der Startplatz ist eben, was das Auslegen des Schirms und die Startvorbereitungen für Hängegleiter extrem erleichtert.
Schleppbetrieb: Die Winde ist meist am Ende der Schleppstrecke positioniert. Die Kommunikation zwischen Windenführer und Pilot erfolgt über Funk oder standardisierte Handzeichen.
Vergleichbare Gelände in der Umgebung
Sollte der Wind für Hollfeld nicht passen, bieten die Nordbayerischen Drachenflieger und benachbarte Vereine exzellente Ausweichmöglichkeiten.
Gelände Windrichtung Typ Besonderheiten Siegritz W, SW, NO, O Winde
Gilt als bestes Schleppgelände Oberfrankens.
Walberla SW, W, NW Hang
Anspruchsvoller Hangstart, Toplanden verboten.
Radspitze W, WSW, SW Schneise
Waldschneise bei Seibelsdorf.
Hainberg WSW, W, NW Schneise
Nahe Stadtsteinach, Naturstartplatz.
Die Vielfalt der Gelände in einem Radius von 30 Kilometern garantiert, dass bei fast jeder Windrichtung ein Flugbetrieb möglich ist.
Sicherheit und technische Aspekte des Windenschlepps
Der Windenschlepp ist eine hochgradig kontrollierte Startart, erfordert aber spezifisches Wissen und Disziplin. In Hollfeld wird nach den strengen Richtlinien des DHV verfahren.
Der Schleppvorgang und Sicherheitsregeln
Ein sicherer Schlepp beginnt bei der Vorbereitung. Die Schleppberechtigung muss in der Lizenz des Piloten eingetragen sein.
Klinke und Seil: Die Verwendung von geprüften Schleppklinken ist obligatorisch. Das Seil wird beim Start durch einen Vorbeschleuniger unter Spannung gesetzt, um ein sanftes Abheben zu ermöglichen.
Klinkhöhe: In Hollfeld werden Höhen von bis zu 150 Metern über Grund erreicht. Dies reicht in der Regel aus, um thermischen Anschluss zu finden.
Seilriss: Piloten müssen für das Szenario eines Seilrisses in geringer Höhe geschult sein. In Hollfeld bietet das flache Gelände in alle Richtungen ausreichend Notlandemöglichkeiten.
Funkpflicht: Während des Schlepps besteht Funkkontakt zwischen Pilot und Windenführer, um Korrekturen der Zugkraft oder Richtungsanweisungen unmittelbar durchzugeben.
Besondere Gefahren: Lee und Turbulenzen
Obwohl Hollfeld ein Flachlandgelände ist, können thermische Ablösungen starke Turbulenzen verursachen. Besonders in Bodennähe bei böigem Wind ist Vorsicht geboten. Lokale Experten warnen vor den "Staubteufeln" (Dust Devils), die an heißen Sommertagen über den abgeernteten Feldern entstehen können. Hier ist aktives Fliegen und eine erhöhte Aufmerksamkeit beim Start und bei der Landung gefordert.
Geheimtipps und Expertenwissen für Hollfeld
Was Hollfeld für Profis so attraktiv macht, sind die feinen Details, die man erst durch langjährige Erfahrung lernt. Lokale Piloten wie Werner Witt oder Wolfgang Huberth haben dieses Wissen über Jahrzehnte perfektioniert.
Optimierung des Thermikeinstiegs
Nach dem Ausklinken beginnt die Suche nach dem "Bart". In Hollfeld gibt es bewährte Strategien:
Die 3-Sekunden-Regel: Sobald das Vario ein konstantes Steigen anzeigt, sollte man innerlich bis drei zählen, bevor man den Kreis einleitet. Dies stellt sicher, dass man sich tief genug im Thermikkern befindet und nicht nur den Rand touchiert.
Zentriertechnik: Erhöht sich das Steigen, sollte der Kreis etwas geöffnet werden (Nachzentrieren), verringert es sich, wird der Kreis enger gezogen, um wieder in das Zentrum zu gelangen.
Vogelbeobachtung: Bussarde und Milane sind in der Fränkischen Schweiz zahlreich. Sie sind die besten Thermikanzeiger. Beobachtet man kreisende Vögel luvseitig der Schleppstrecke, ist der Anschluss fast garantiert.
Die besten Webcams und Informationsquellen
Erfahrene Piloten nutzen eine Kombination aus modernen Apps und klassischen Wetterstationen.
Holfy Wetterstation: Die Windeckfalken betreiben eine Station am Sodkopf, deren Daten oft Rückschlüsse auf die allgemeine Windentwicklung in Süddeutschland zulassen.
Webcams Fränkische Schweiz: Kameras in Pottenstein oder Gößweinstein helfen dabei, die Basis-Entwicklung und die Bewölkung in Echtzeit einzuschätzen.
Burnair Map: Ein modernes Tool, das statistische Thermik-Hotspots visualisiert und besonders im Frühjahr wertvolle Hinweise auf Heizflächen bietet.
Die touristische Komponente: Fränkische Schweiz
Hollfeld ist nicht nur ein Ort zum Fliegen, sondern das Tor zu einer der kulturell reichsten Regionen Deutschlands. Die Fränkische Schweiz ist bekannt für ihre unberührte Natur, ihre Burgen und ihre einzigartige Gastronomie.
Kulinarik: Die Welt der Brauereien
Nach einem langen Flugtag gehört die Einkehr in eine fränkische Wirtschaft zum Pflichtprogramm. Die Region hat die höchste Brauereidichte der Welt.
Gastronomie in Hollfeld: Im Stadtkern finden sich traditionelle Gasthäuser, die regionale Spezialitäten wie "Blaue Zipfel" oder das klassische "Schäufele" anbieten.
Brennereien: Ein Geheimtipp ist der Besuch kleiner Obstbrennereien, die Verkostungen ihrer Destillate in gemütlichen Probierstuben anbieten.
Das "Backofenfest": Ende August findet in Hollfeld-Kainach oft das Backofenfest statt – ein idealer Zeitpunkt, um Fliegen und lokale Kultur zu verbinden.
Übernachtung und Aufenthalt
Für Piloten, die eine weite Anreise haben, bieten sich verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten an.
Unterkunftstyp Empfehlung Hotel
Hotel Josefshaus in Hirschau – bekannt für die Ausrichtung von Flieger-Events.
Camping Zahlreiche Plätze in der Umgebung von Pottenstein und Waischenfeld, ideal für Naturfreunde. Ferienwohnungen Viele Anbieter direkt in Hollfeld und Kainach, oft mit Stellplätzen für Pilotenbusse.
Für Begleitpersonen bietet die Region zudem exzellente Möglichkeiten zum Wandern, Klettern oder Fliegenfischen an der Wiesent – eine Methode, die hier exklusiv an vielen Gewässerabschnitten erlaubt ist.
Zusammenfassung und abschließende Empfehlungen
Der Standort Hollfeld ist ein Juwel für Piloten, die die Verlässlichkeit des Windenschlepps mit dem thermischen Potenzial eines Mittelgebirges verbinden wollen. Durch die professionelle Betreuung der Nordbayerischen Drachenflieger e.V. ist ein hohes Maß an Sicherheit und Qualität gewährleistet.
Fazit für den ambitionierten Piloten
Hollfeld-Kainach bietet eine flache, sichere Startumgebung, die den Kopf frei macht für das Wesentliche: das Lesen der Thermik und die Planung von Streckenflügen. Die logistische Einfachheit und die hervorragende Einbettung in die fränkische Kultur machen es zu einem idealen Ziel für Tagesausflüge oder längere Fliegerurlaube. Während Hollersbach in Österreich die spektakuläre alpine Kulisse bietet, punktet Hollfeld mit Beständigkeit, einer starken Vereinskultur und einem Streckenflugpotenzial, das bei den richtigen Bedingungen keine Wünsche offen lässt.
Wer Hollfeld besucht, sollte nicht nur den Schirm einpacken, sondern auch Zeit für die Menschen und die kulinarischen Genüsse der Fränkischen Schweiz mitbringen. Es ist die Kombination aus technischer Präzision im Schlepp und der herzlichen Bodenständigkeit der Region, die diesen Startplatz zu einem der besten in Deutschland macht. Ein Anruf beim Geländehalter, ein Blick auf die Windräder am Horizont und der Fokus auf die kreisenden Bussarde – so beginnt in Hollfeld ein unvergesslicher Flugtag.