
1 Startplatz, 2 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Analyse und Leitfaden für das Gleitschirmgelände Schrattenbach: Eine technologische und meteorologische Untersuchung
Die Fluggebiete rund um den Namen Schrattenbach – primär der Starkwind-Standort im bayerischen Allgäu sowie die komplementären Strukturen im niederösterreichischen Raum – stellen innerhalb der europäischen Gleitschirmszene hochspezialisierte Mikrokosmen dar. Insbesondere das Gelände im Allgäu, gelegen am sogenannten „Allgäuer Tor“, fungiert als technisches Refugium für Piloten, die sich auf laminares Soaring und anspruchsvolle Starttechniken spezialisiert haben. Die folgende Untersuchung bietet eine tiefgehende Analyse der aerodynamischen, logistischen und regulatorischen Rahmenbedingungen, die weit über die Standardinformationen herkömmlicher Geländedatenbanken hinausgeht.
Executive Summary für die Flugplanung
Das Fluggelände Schrattenbach im Allgäu ist ein exklusives Starkwind-Soaring-Revier, das erst bei Bedingungen attraktiv wird, bei denen andere Standorte bereits Sicherheitsbedenken aufwerfen. Mit einer Startrichtung von Südwest bis Nordwest und einer Windrange von 12 km/h bis ca. 30 km/h erfordert es eine exzellente Schirmbeherrschung und eine obligatorische Rückwärtsstarttechnik. Die Waldschneisen-Topografie am Startplatz und die Notwendigkeit der Toplandung machen das Gelände für Anfänger ungeeignet; eine B-Lizenz sowie eine Einweisung durch den Verein Schrattenbachflieger e.V. sind für Gastpiloten zwingend vorgeschrieben.
Zusätzlich zur technischen Herausforderung ist die Lage innerhalb der TMZ Memmingen (ab März 2026 Luftraum Klasse D) ein entscheidender Faktor für die Flugvorbereitung. Das österreichische Pendant bei Grünbach am Schneeberg bietet hingegen ein klassisches thermisches Potenzial mit über 500 Metern Höhendifferenz und dient als Einstieg in die alpinen Streckenflugrouten des Wiener Beckens. Piloten sollten Schrattenbach nicht als einfachen Übungshang, sondern als anspruchsvolles Trainingsgelände für Starkwind-Handling und Präzisionslandungen betrachten.
Geografische und Topografische Standortanalyse
Die Präzision der geografischen Daten ist das Fundament jeder sicheren Flugplanung. Schrattenbach im Allgäu zeichnet sich durch seine strategische Positionierung in der Endmoränenlandschaft aus, die spezifische Strömungsmuster begünstigt.
Standortdaten und Koordinaten (Allgäu) Einrichtung Spezifikation GPS-Koordinaten Höhe (NN) Hauptstartplatz Waldschneise (W-SW-NW) N 47°50'54.20" E 10°17'51.60" 810 m Toplandeplatz Plateau hinter Start N 47°50'54.73" E 10°17'53.03" 810 m Notlandeplatz Hangfuß (Waldrand) N 47°50'53.13" E 10°17'42.71" 740 m Export to Sheets
Die Höhendifferenz von lediglich etwa 70 Metern zwischen Start und Talboden unterstreicht den Charakter des Geländes als reiner Soaring-Hang. Es ist die Dynamik des aufströmenden Windes, die hier Flüge von mehreren Stunden Dauer ermöglicht, solange die Westströmung stabil anliegt.
Das Allgäuer Tor als aerodynamische Düse
Der Standort liegt geografisch an einer Verengung des Illertals, dem „Allgäuer Tor“. Diese topografische Besonderheit führt bei Westwindlagen zu einem leichten Venturi-Effekt, bei dem die Luftmassen zwischen den Hügelketten beschleunigt werden. Für den Gleitschirmflieger bedeutet dies, dass die messbare Windgeschwindigkeit an der Hangkante von Schrattenbach oft signifikant höher ist als im umliegenden Flachland. Die Strömung trifft hier meist laminar auf den Hang, was die hohe Qualität der Soaring-Bedingungen erklärt. Dennoch führt die Bewaldung links und rechts der Startschneise zu mechanischen Turbulenzen, sobald der Wind nicht exakt frontal (West) eintrifft.
Zugang, Logistik und Infrastruktur
Die Erreichbarkeit des Geländes ist für ein Mittelgebirgsrevier außergewöhnlich gut, stellt jedoch hohe Anforderungen an die Disziplin der Nutzer, um Konflikte mit der lokalen Landwirtschaft und den Anwohnern zu vermeiden.
Anreise und Parkraummanagement
Die Anfahrt erfolgt primär über die Bundesautobahn A7 (Ulm-Kempten). Piloten nutzen die Ausfahrt Dietmannsried oder Bad Grönenbach und folgen der Beschilderung Richtung Schrattenbach. Innerhalb des Ortes führt die St. Nikolausstraße zur Steige, einem schmalen Weg, der den Hang hinaufführt.
Da das Gelände direkt mit dem PKW erreichbar ist, entfällt der Bedarf für Seilbahnen oder längere Wanderungen. Dies führt jedoch zu einer kritischen Parksituation. Der Verein hat klare Parkverbotszonen markiert und verlangt ein extrem platzsparendes, schräges Parken, um die Durchfahrt für landwirtschaftliche Fahrzeuge jederzeit zu gewährleisten. Ein Verstoß gegen diese Parkordnung kann zum Entzug der Flugberechtigung führen, da die Akzeptanz des Geländes bei den Grundbesitzern direkt von der Verkehrsdisziplin der Flieger abhängt.
Logistische Besonderheiten für Streckenflieger
Für Piloten, die den Sprung weg vom Hang wagen, ist Schrattenbach logistisch komfortabel, da der Startplatz gleichzeitig der Landeplatz ist (Toplanding). Ein Shuttle-Dienst existiert nicht und ist aufgrund der PKW-Erreichbarkeit auch nicht notwendig. Im Falle einer Außenlandung während eines XC-Flugs ist man auf den öffentlichen Nahverkehr in Dietmannsried oder private Abholungen angewiesen. Die Nähe zur A7 erleichtert das „Rückhol-Management“ erheblich.
Flugbedingungen: Meteorologie und Aerodynamik
Der Kernwert von Schrattenbach liegt in seiner Eignung als Starkwindgebiet. Während alpine Startplätze oft bei Windgeschwindigkeiten über 20 km/h gefährlich werden, fängt der Spaß in Schrattenbach hier erst an.
Thermikzyklen und saisonale Optimierung
Obwohl Soaring die dominierende Flugart ist, bietet Schrattenbach an thermisch aktiven Tagen im Frühjahr und Frühsommer (März bis Juni) beachtliche Aufstiegschancen. Die Thermik löst oft über den westlich vorgelagerten, dunklen Ackerflächen oder direkt an der Hangkante aus. Da die Startplatzhöhe gering ist, muss der Pilot thermische Ablösungen sofort nach dem Start nutzen, um über die Hangkante zu steigen.
Die besten Bedingungen finden sich bei einer labilen Westwetterlage, wenn Cumulus-Bewölkung auf eine stramme Brise trifft. In diesen Phasen sind Flüge bis ins bayerische Seenland möglich. Im Hochsommer kann die Thermik aufgrund der geringen Höhe jedoch zerrissen sein, weshalb die stabilere Luft des Herbstes oft die genussvollsten Soaring-Stunden ermöglicht.
Analyse der Windrichtungen und Gefahrenpotentiale
Das Windfenster für Schrattenbach ist schmal, aber verlässlich.
Windrichtung Bewertung Aerodynamische Konsequenz West (270°) Optimal Laminare Anströmung, maximales Soaring-Band. Südwest (225°) Gut Leichte Schräganströmung, Hebezone verlagert sich nach Süden. Nordwest (315°) Akzeptabel Turbulenzen durch Waldkante links möglich. Ost / Süd / Nord Gefährlich Lee-Situation, Flugbetrieb untersagt. Export to Sheets
Ein spezifisches Risiko stellt der Nordwest-Einschlag dar. Die Waldkante auf der linken Seite des Startplatzes fungiert als Hindernis, das bei NW-Wind Rotoren direkt in die Startschneise wirft. Piloten wird in solchen Fällen geraten, den Start extrem konzentriert durchzuführen oder auf den Start zu verzichten, wenn der Schirm in der Aufziehphase unruhiges Verhalten zeigt.
Die Technik des Starkwindstarts und der Toplandung
Schrattenbach ist ein Übungsfeld für Fortgeschrittene. Wer hier fliegt, muss sein Gerät unter hohem Winddruck beherrschen.
Die Waldschneise als technisches Hindernis
Der Startplatz ist keine freie Wiese, sondern eine in den Wald geschlagene Schneise, die erst flach verläuft und dann steil abfällt. Diese Topografie erfordert, dass der Pilot den Schirm bereits im flachen Bereich stabil über sich bringt. Ein Aufziehen direkt an der steilen Kante führt bei Starkwind oft zum „Aushebeln“ des Piloten, bevor die Kontrolle etabliert ist. Die Rückwärtsstartmethode ist hier nicht nur eine Option, sondern die einzige sichere Methode, um den Schirm vor dem Abheben zu kontrollieren und gegebenenfalls den Startvorgang abzubrechen.
Strategien für die Toplandung
Da am Hangfuß kein offizieller Landeplatz existiert, ist die Toplandung die Standardprozedur. Diese wird in Schrattenbach als „Königsdisziplin“ betrachtet. Der Pilot muss das Aufwindband nutzen, um genügend Höhe über der Kante zu gewinnen, und sich dann kontrolliert nach hinten über das Plateau versetzen lassen.
Dabei ist ein massiver Gefahrenpunkt zu beachten: Hinter der Straße, die das Plateau begrenzt, beginnt die Lee-Zone (Rotorbereich). Ein zu weites Einfliegen in den Rückraum führt unweigerlich in turbulente Luftmassen, die zum Klappen des Schirms in Bodennähe führen können. Die Landung sollte daher unmittelbar hinter der Hangkante im laminaren Bereich erfolgen. Der Einsatz des Beschleunigers während des Landeanflugs ist bei starkem Wind oft notwendig, um die Vorwärtsfahrt gegen den Gradienten zu erhalten und nicht nach hinten abgetrieben zu werden.
Luftraumstruktur und die Zäsur im Jahr 2026
Die navigatorische Komplexität von Schrattenbach ergibt sich aus der Nähe zum Allgäu Airport Memmingen. Piloten müssen hier ein hohes Maß an Luftrecht-Kompetenz mitbringen.
Die aktuelle Situation (TMZ Memmingen)
Momentan befindet sich das Gelände unterhalb bzw. am Rande der Transponder Mandatory Zone (TMZ) Memmingen. Gleitschirmflieger müssen die Untergrenzen dieser Zone genau kennen, um Kollisionen mit dem gewerblichen IFR-Verkehr (Instrumentenflug) zu vermeiden. In der TMZ ist die Nutzung eines Transponders (Mode S) und die Hörbereitschaft auf der FIS-Frequenz oder der spezifischen TMZ-Frequenz dringend empfohlen, um für die Fluglotsen sichtbar und ansprechbar zu sein.
Die Umstrukturierung zum 19. März 2026
Eine radikale Änderung steht im Frühjahr 2026 bevor. Die bisherige TMZ Memmingen wird in einen kontrollierten Luftraum der Klasse D (nicht CTR) umgewandelt. Dies stellt eine erhebliche Verschärfung der Regeln dar.
Freigabepflicht: Während in eine TMZ unter bestimmten Bedingungen ohne Funkkontakt eingeflogen werden konnte, erfordert der Luftraum D grundsätzlich eine explizite Einflugfreigabe durch die Flugsicherung.
Ausschluss von VFR-Verkehr: Ohne Funk und Transponder wird das Fliegen in diesem Sektor de facto unmöglich.
Konsequenzen für Schrattenbach: Der Verein betont, dass Flüge in Richtung Obergünzburg weiterhin möglich sein sollten, solange man die neuen vertikalen Grenzen beachtet. Dennoch wird das „wilde“ Streckenfliegen ohne technisches Equipment (Funk/Transponder) in dieser Region ab März 2026 massiv eingeschränkt.
Piloten wird geraten, sich frühzeitig mit den neuen ICAO-Karten 2026 vertraut zu machen und ihre Varios mit aktuellen Luftraumdaten zu aktualisieren.
Insider-Tipps und Expertenwissen
Der wahre Mehrwert dieses Guides liegt in den ungeschriebenen Gesetzen und den Beobachtungen lokaler Piloten, die nicht in Standard-Datenbanken zu finden sind.
Was lokale Piloten raten
Ein häufiger Fehler von Gästen ist das zu frühe Starten bei aufkommendem Wind. Die Einheimischen warten oft, bis die thermischen Böen am Nachmittag einer gleichmäßigeren, laminaren Strömung weichen. Zudem wird empfohlen, bei Starkwind den Schirm nicht klassisch „hochzureißen“, sondern ihn mit minimalem Impuls an den C- oder D-Leinen zu führen, um ein Überschießen zu verhindern.
Die geheime Thermikquelle „Reiterhof“
An Tagen, an denen das reine Soaring nicht ausreicht, um Höhe zu gewinnen, dient der westlich gelegene Reiterhof oft als thermischer Auslöser. Die dunklen Dachflächen und die trockenen Paddocks erzeugen kleine, aber verlässliche Ablösungen. Piloten, die sich trauen, ein Stück vor die Kante zu fliegen, können hier oft den entscheidenden „Lift“ finden, um über das Soaring-Band hinaus aufzusteigen.
Webcams und Echtzeitdaten
Lokale Experten nutzen nicht nur den allgemeinen Wetterbericht, sondern spezifische Messstationen:
Holfuy „Schraba“: Diese Station liefert im 60-Sekunden-Takt präzise Windwerte direkt von der Hangkante. Ein Blick auf die Böenwerte (Gusts) verrät oft mehr über die Fliegbarkeit als die Durchschnittsgeschwindigkeit.
Webcam Schrattenbachflieger: Hier lässt sich visuell beurteilen, wie viele Schirme bereits in der Luft sind und ob die Windsäcke bereits stabil in der Westströmung stehen.
Das österreichische Pendant: Schrattenbach an der Hohen Wand
Für Piloten, die Schrattenbach in Suchmaschinen eingeben, erscheint oft auch der Bezug zum niederösterreichischen Raum. Hier ist der Verein SC Grünbach-Schrattenbach aktiv, wobei das eigentliche Fluggebiet die Hohe Wand ist.
Technische Daten Hohe Wand Merkmal Detail Höhendifferenz
506 m
Startplätze
Südstart (Postl), Weststart, Oststart
Charakter Thermikrevier mit Klippenstart-Charakteristik Anspruch
Mittel bis hoch (Rotor-Gefahr bei starkem Südwind)
Die Hohe Wand ist das Hausgebiet für Wiener Piloten und bietet im Gegensatz zum Allgäuer Schrattenbach echte alpine Thermik und weite XC-Optionen im Lee der Alpen. Ein Tandemflug-Zentrum sowie mehrere Flugschulen machen dieses Gebiet zu einem Hotspot der österreichischen Gleitschirmszene.
Drumherum: Gastronomie, Übernachtung und Alternativen
Ein perfekter Flugtag wird durch die passende Infrastruktur am Boden abgerundet. Das Allgäu bietet hier eine hohe Lebensqualität.
Kulinarik nach dem Flug
Die unangefochtene Nummer Eins für den „After-Flight-Drink“ oder ein deftiges Abendessen ist der Goldene Hirsch in Schrattenbach.
Spezialitäten: Zwiebelrostbraten, hausgemachte Kässpätzle und Allgäuer Brotzeiten.
Atmosphäre: Hier treffen sich die Vereinsmitglieder, und Gastpiloten finden leicht Anschluss für den Austausch über die Bedingungen des Tages.
Hinweis: Mittwoch und Donnerstag sind Ruhetage. Alternativ bietet Dietmannsried mit dem Gasthaus „Antica da Marcello“ oder der Pizzeria „Etna“ gute Optionen.
Übernachtungsmöglichkeiten
Für Piloten, die ein ganzes Wochenende bleiben möchten, gibt es diverse Möglichkeiten:
Pensionen: In Probstried (ca. 2,5 km entfernt) finden sich modern eingerichtete Gästezimmer mit Alpenblick.
Ferienwohnungen: Direkt in Schrattenbach gibt es Unterkünfte wie „Kathi’s Allgäuliebe“, die ideal für Familienflieger sind.
Camping: Offizielles Wildcamping am Startplatz ist streng untersagt. Es wird empfohlen, auf die Campingplätze am nahen Alpsee oder im Illertal auszuweichen.
Alternative Startplätze bei falschem Wind
Sollte der Wind in Schrattenbach nicht passen (z.B. zu schwach oder falsche Richtung), bietet das Oberallgäu exzellente Ausweichziele:
Mittag (Immenstadt): Ideal bei Nord- oder Nordostwind. Erreichbar mit der Sesselbahn, bietet dieser Berg hervorragende Abendthermik.
Hörnerbahn (Bolsterlang): Beste Wahl bei Ostwind-Lagen. Großer Startplatz und exzellente Infrastruktur durch die Bergbahn.
Nebelhorn (Oberstdorf): Für erfahrene Piloten bei West- oder Südwestwind, wenn die Thermikbasis hoch genug ist, um in die Hochalpen einzusteigen.
Sicherheit, Regeln und Vereinswesen
Das Fliegen in Schrattenbach ist ein Privileg, das auf der ehrenamtlichen Arbeit der Schrattenbachflieger e.V. basiert. Die Einhaltung der Regeln ist die Grundvoraussetzung für den Fortbestand des Geländes.
Die Gastflugregelung im Detail
Der Verein hat eine der striktesten, aber auch transparentesten Gastflugregelungen im Allgäu :
DHV-Pflicht: Nur Mitglieder des DHV dürfen starten.
B-Schein: Gastpiloten benötigen zwingend die unbeschränkte Lizenz.
Einweisung: Ein Flug ohne vorherige Gelände- und Gefahreneinweisung durch ein Vereinsmitglied ist untersagt.
Ausrüstung: Rettungsschnur für Baumlandungen ist Pflicht.
Tagesgebühr: 10 Euro sind vor dem ersten Start zu entrichten (Eintrag ins Flugbuch!).
Verhalten im Notfall
Aufgrund der Waldschneise ist das Risiko einer Baumlandung statistisch erhöht. Der Verein führt regelmäßig Rettungstrainings und „Retterpack-Tage“ durch, um die Piloten für solche Szenarien zu sensibilisieren. Im Falle einer Baumlandung sollte der Pilot nicht versuchen, sich selbst ohne Sicherung aus hohen Bäumen zu befreien. Die Rettungskette im Allgäu ist hochprofessionell; die Bergwacht ist über den Notruf 112 schnell vor Ort.
Kontakt zum Verein
Der Geländehalter ist der Schrattenbach Flieger e.V.. Die Vorstände Peter Heckelsmüller und Michael Schneider (Luftaufsicht) sind für ihre Offenheit gegenüber Gästen bekannt, solange diese sich respektvoll gegenüber der Natur und den Regeln verhalten. Anfragen können per E-Mail an info@schrattenbachflieger.de gestellt werden.
Wissenschaftliche Betrachtung der Flugstabilität bei Starkwind
In Schrattenbach kommt der Physik des Langsamflugs eine besondere Bedeutung zu. Um die Mindestgeschwindigkeit v min
nicht zu unterschreiten und gleichzeitig die Vorwärtsfahrt gegenüber dem Wind v w
zu erhalten, muss der Pilot die Balance zwischen Anstellwinkel und Beschleunigereinsatz finden.
Die effektive Geschwindigkeit über Grund v g
berechnet sich nach der einfachen Vektoraddition:
v g
=v a
+v w
Wobei v a
die Geschwindigkeit des Gleitschirms gegenüber der Luftmasse ist. In Schrattenbach ist v w
oft so hoch, dass v g
nahe Null sinkt oder sogar negativ wird (Rückwärtsfliegen).
In solchen Momenten ist die aerodynamische Stabilität des Profils entscheidend. Moderne Schirme der Kategorien EN-A und EN-B verfügen über eine hohe Klappstabilität, doch die hohe kinetische Energie der turbulenten Luftmassen in der Nähe der Hangkante kann bei einem Klapper zu heftigen Reaktionen führen. Die Empfehlung der lokalen Piloten, bei Starkwind stets mit „leichtem Zug auf der Bremse“ (aktives Fliegen) zu agieren, ist physikalisch begründet, um den Innendruck der Kappe hochzuhalten.
Fazit und abschließende Empfehlungen
Schrattenbach ist ein Juwel für Piloten, die das Handwerk des Soarens und das Starkwind-Handling perfektionieren wollen. Es ist kein Ort für „Casual-Flieger“, die einen entspannten Abgleiter suchen, sondern ein technisches anspruchsvolles Gelände, das volle Konzentration vom Auslegen bis zur Toplandung erfordert.
Strategische Checkliste für den Besuch
Wettercheck: Westwind-Vorhersage zwischen 15 und 25 km/h? Check der Holfuy-Station „Schraba“.
Lizenz & Verein: B-Schein und DHV-Ausweis im Gepäck? Genügend Kleingeld für die Tagesmitgliedschaft?.
Ausrüstung: Ist die Rettungsschnur im Gurtzeug integriert?.
Einweisung: Ist ein Vereinsmitglied am Startplatz für das Briefing?.
Luftraum: Sind die aktuellen Grenzen der TMZ Memmingen im Vario gespeichert? (Vorbereitung auf die Änderungen 2026!).
Wer diese Punkte beachtet und die Topografie der Waldschneise sowie die Tücken der Rotorzone respektiert, wird in Schrattenbach Flugerlebnisse finden, die in ihrer Dynamik und Aussicht – weit über das Allgäu bis zu den Alpen – ihresgleichen suchen. Das Gelände beweist eindrucksvoll, dass im Allgäu nicht nur die hohen Gipfel, sondern auch die geschickt genutzten Mittelgebirgshänge Weltklasse-Flugsport ermöglichen.