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Schluderns

Startplätze:1
Landungen:1
Koord.:46.6857°N, 10.5856°E
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Geländekarte

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Start- & Landeplätze

1 Startplatz, 1 Landeplatz

Schluderns Startplatz

Start
Höhe1586m ü. M.
Koord.46.6857, 10.5856
WindSW
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Schluderns Landeplatz

Landung
Höhe911m ü. M.
Koord.46.6636, 10.5752
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Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Die Aerodynamik der Geschichte: Ein umfassendes Kompendium zum Gleitschirmfliegen in Schluderns und dem Obervinschgau Prolog: Jenseits der Datenbank

Wer den offiziellen Eintrag des Deutschen Hängegleiterverbandes (DHV) für Schluderns aufruft, blickt auf die nackten Knochen eines Fluggebietes: „Hanggelände“, „1586 Meter“, „SW-Startrichtung“, „Italien“. Diese Daten sind präzise, aber sie sind seelenlos. Sie verraten nichts über den Duft der trockenen Nadelwälder am Sonnenberg, wenn die Thermik im August den Hang hinaufkriecht. Sie schweigen über das psychologische Spiel, das der Vinschger Wind mit dem Piloten treibt, wenn er am Nachmittag wie ein unsichtbarer Fluss durch das Tal rauscht. Und sie erzählen nicht von der historischen Wucht, die einen ergreift, wenn man über der Churburg kreist und auf Rüstungen blickt, deren Designprinzipien schon vor 500 Jahren Aerodynamik nutzten.  

Der Vinschgau ist keine einfache Spielwiese für den Gelegenheitspiloten, der nur Abgleiter sucht. Er ist eine aerologische Hochspannungsleitung, ein Tal der Extreme, das meteorologisches Verständnis und fliegerische Demut fordert. Schluderns, geographisch am markanten „Knick“ des oberen Vinschgaus gelegen, fungiert hierbei als Scharnierpunkt von immenser Bedeutung. Es ist der Einstieg in eine der faszinierendsten Flugarenen der Alpen, wo mediterrane Luftmassen auf hochalpine Gletscherwinde treffen.

Dieser Bericht ist kein bloßes Update der Datenbank. Er ist eine aerologische und kulturelle Monographie des Fluggebietes Schluderns. Wir verlassen die Oberfläche der Koordinaten und tauchen tief ein in die Mikrometeorologie, die strategische Flugplanung und die symbiotische Beziehung zwischen der uralten Kulturlandschaft des Vinschgaus und dem modernen Flugsport. Wir richten uns an den Aviator, der nicht nur konsumieren, sondern verstehen will.

Kapitel I: Die Arena – Geographie und Orografie des Obervinschgaus

Um die fliegerische Komplexität von Schluderns zu begreifen, muss man zunächst die Bühne verstehen, auf der wir uns bewegen. Der Vinschgau ist das größte inneralpine Trockental der Ostalpen. Abgeschirmt durch die mächtige Ortler-Gruppe (3905 m) im Süden und die Ötztaler Alpen im Norden, fallen hier weniger als 500 mm Niederschlag pro Jahr. Diese Trockenheit hat direkte Konsequenzen für Basis, Thermikgüte und Vegetation – und damit für jeden Meter unseres Fluges.

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Der „Knick“ als aerodynamischer Siphon

Der Vinschgau verläuft von Meran kommend in Ost-West-Richtung, bis er bei Spondinig und Schluderns einen scharfen Knick nach Norden in Richtung Reschenpass macht. Genau an diesem Gelenk liegt Schluderns auf ca. 920 m Meereshöhe. Aerodynamisch ist diese Topographie entscheidend. Luftmassen verhalten sich ähnlich wie Wasser. Der klassische Talwind, der thermisch bedingt von Meran und Bozen heraufzieht, muss hier „um die Kurve“. Wie ein Fluss, der auf ein Hindernis trifft oder in ein neues Bett gezwungen wird, entsteht hier eine komplexe Strömungsdynamik.

Der Sonnenberg bei Schluderns, an dessen Flanke der Startplatz liegt, wirkt bei Ostwindlagen (Talwind) teils als Prallhang, teils als Leitschiene. Verengt sich das Tal, beschleunigt der Wind (Venturi-Effekt). Bei Schluderns ist das Tal zwar weit und offen – die sogenannte Malser Haide breitet sich nach Norden hin aus – doch genau diese Weite erlaubt das Aufeinandertreffen verschiedener Windsysteme ohne bremsende Engstellen.

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Die solare Exponierung: Der Sonnenberg

Der Name ist Programm: Der Sonnenberg (Monte Sole) ist die südexponierte Flanke der Ötztaler Alpen, die das Tal im Norden begrenzt. Durch die steile Neigung und die extrem trockene Vegetation (Steppengras, Fels, Buschwerk) heizt sich dieser Hang extrem schnell auf. Für den Gleitschirmflieger bedeutet dies:

Früher Thermikbeginn: Bereits am Vormittag lösen sich hier die ersten Bärte, oft früher als auf der gegenüberliegenden Talseite oder im Talgrund.

Harte Thermik: Es ist keine weiche, bayerische Voralpenthermik über feuchten Wiesen. Es ist eine „Puls-Thermik“. Sie reißt aggressiv ab, ist eng zentriert und steigt schnell. Aktives Fliegen ist hier keine Option, sondern Pflicht.

Kapitel II: Meteorologie – Das Unsichtbare sichtbar machen

Das Verständnis des Windsystems ist im Vinschgau überlebenswichtig. Der Begriff „Vinschger Wind“ wird oft pauschal für „zu stark zum Fliegen“ verwendet, doch für den Schluderns-Piloten ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Wir müssen drei Phänomene unterscheiden, die oft gleichzeitig oder in rascher Abfolge auftreten.

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Der thermische Talwind (Die Pumpe)

Er setzt im Vinschgau später ein als in den Südalpen, aber gewaltiger. Während man in Bassano schon am Vormittag fliegt, beginnt der Vinschger Talwind oft erst gegen Mittag richtig zu pumpen. Er kommt aus Osten (von Meran/Bozen) und saugt die Luftmassen in das aufgeheizte Obervinschgau. In Schluderns dreht dieser Wind aufgrund der Orografie oft auf Süd-Ost bis Süd.  

Implikation: Startplätze wie der Watles oder der Ganglegg funktionieren oft erst ab dem späten Vormittag oder Mittag ideal, wenn die Inversion durchbrochen ist, aber bevor der Talwind „nuklear“ wird (25-30 km/h+).

Gefahr: Im Talgrund bei Schluderns kann der Wind am Nachmittag so stark werden, dass eine Vorwärtsfahrt unmöglich ist.

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Der Nordföhn / Überregionale Nordwind (Der Zerstörer)

Dies ist der natürliche Feind des Fluggebietes Schluderns/Watles. Wenn am Alpenhauptkamm Nordstau herrscht, fällt die kalte Luft über den Reschenpass wie ein Wasserfall in den Vinschgau. Dieser Wind wird lokal oft als „Vinschger Wind“ im engeren Sinne oder „Bayrischer Wind“ bezeichnet.

Die Falle: Der DHV-Eintrag warnt zu Recht vor Nordwind. Doch die Gefahr ist subtil. Oft ist es am Startplatz (1586m) noch ruhig oder umlaufend thermisch, während 500 Meter höher die Nordströmung rasiert. Sobald man rausfliegt, gerät man in die Scherungsschicht. Oder noch schlimmer: Der Nordwind bricht bis zum Boden durch. Dies geschieht oft abrupt.  

Indikatoren: Ein Blick auf die Windkraftanlagen am Reschenpass ist obligatorisch. Drehen diese schnell und zeigen Nordwind an, bleibt der Schirm im Sack, auch wenn es in Schluderns noch ruhig scheint.

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Die Malser Konvergenz (Das Katapult)

An manchen Tagen kämpfen der Talwind aus Meran (Südost) und der Wind vom Reschen (leicht Nord/Nordwest) genau über der Malser Haide, nördlich von Schluderns. Wo diese Luftmassen aufeinanderprallen, können sie nicht seitlich ausweichen – sie müssen nach oben. Diese „Malser Konvergenz“ kann traumhafte, wenn auch turbulente Steigwerte bis in enorme Höhen ermöglichen. Sie ist jedoch volatil und kann sich innerhalb von Minuten verlagern.

Kapitel III: Die Startplätze – Detailanalyse und Strategie

Der offizielle DHV-Eintrag spricht lapidar von „Schluderns, 1586 m“. Das ist irreführend vereinfacht. In der Realität des lokalen Fliegers gibt es ein Ökosystem an Startmöglichkeiten rund um Schluderns. Wir müssen hier differenzieren zwischen dem Watles (dem eigentlichen Flugberg der Region) und dem „Geheimtipp“ Ganglegg/Sonnenberg (dem wahrscheinlichen DHV-Referenzpunkt).

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Der Watles: Die Hauptbühne (2200m & 1730m)

Auch wenn der User explizit nach „Schluderns“ fragt, ist der Watles untrennbar damit verbunden. Er ist der Hausberg von Mals und Schluderns und bietet die Infrastruktur, die moderne Piloten suchen.  

Der Obere Startplatz (2200 m)

Lage: Etwa 15 Minuten Fußmarsch von der Bergstation der Sesselbahn, 200 Meter unter dem Gipfel.

Charakter: Alpin. Hier startet man im Sommer oft über der Inversion. Das ist der Schlüssel für weite Streckenflüge, da man nicht erst mühsam durch die stabile Schicht kämpfen muss.  

Startrichtung: Süd-Ost bis Süd. Perfekt für den frühen Vormittag.

Pilotenniveau: B-Schein empfohlen oder erfahrener A-Pilot mit guter Schirmbeherrschung (Rückwärtsstart).

Der Hotel-Startplatz (1730 m)

Lage: Direkt beim Hotel Watles an der Mittelstation.

Zugang: Mit dem Auto erreichbar (Beschilderung folgen) oder per Bahn.

Vibe: Der Hotelchef „Schorsch“ gilt als Legende und extrem fliegerfreundlich.  

Besonderheit: Hier steht der „Hausbart“. Oft kann man direkt vor der Hotelterrasse aufdrehen. Das ist Show-Fliegen par excellence, aber Vorsicht vor den Zuschauern!

Toplanding: Hier gut möglich. Wer absäuft, landet am Hotel, trinkt einen Cappuccino und startet neu.

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Schluderns „Sonnenberg“ / Ganglegg (1586 m) – Der DHV-Spot

Dies ist der Startplatz, auf den sich die DHV-Koordinaten höchstwahrscheinlich beziehen. Er liegt am Sonnenberg, jener extrem steilen, süd-exponierten Flanke nördlich von Schluderns.

Lage & Zugang: Die Koordinate 1586m deutet auf eine Position weit oberhalb der Churburg hin, vermutlich im Bereich der Höfe oberhalb des Gangleggs oder an den Zugängen zu den Waalwegen (Leitenwaal/Berkwaal).

Anfahrt Problematik: Von Schluderns führt eine schmale Bergstraße Richtung Matsch und zu den Höfen am Sonnenberg. Viele dieser Wege sind jedoch für den öffentlichen Verkehr gesperrt oder nur für Anrainer (Höfe) frei. Der DHV sagt „per Auto“. Das ist mit Vorsicht zu genießen. Einheimische Piloten nutzen oft Fahrgemeinschaften oder lassen sich hochshutteln. Der offizielle Parkplatz für Wanderer ist oft weiter unten, was einen Fußmarsch bedeutet.  

Hike & Fly Option: Man kann vom Bahnhof Schluderns über den Ganglegg-Archäologiepark hochlaufen. Das ist landschaftlich spektakulär (siehe Kultur-Sektion), aber schweißtreibend (ca. 600-700 Höhenmeter in praller Sonne).

Startbedingungen:

Exposition: Süd-West (SW).

Das Fenster: Dieser Startplatz funktioniert oft später am Tag besser als der Watles, wenn der Talwind schon leicht westlich dreht oder die Sonne den Westhang bestrahlt.

Gefahr: Da der Hang extrem steil ist, muss der Startlauf sitzen. Ein Abbruch ist oft schwierig. Zudem heizt sich der dunkle Fels/Boden des Sonnenbergs extrem auf, was zu erheblicher Turbulenzgefahr direkt nach dem Abheben führen kann.

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Spitzige Lun (2324 m) – Das Hike & Fly Juwel

Für den sportlichen Piloten ist die Spitzige Lun die Krönung über Schluderns.  

Start: Matsch (Bergdorf).

Aufstieg: Ca. 2-3 Stunden.

Belohnung: Ein 360°-Panorama auf Ortler, Cevedale und Weißkugel.

Startplatz: Riesige, gutmütige Wiesenkuppe. Start in fast alle Richtungen (S, SW, SO) möglich.

Taktik: Ideal für den Herbst (Oktober/November), wenn die Basis niedriger ist und die Thermik sanfter. Im Hochsommer ist dieser Gipfel oft zu stark windumtost.

Im Folgenden vergleichen wir die drei Hauptoptionen im Detail, um die Entscheidung am Flugtag zu erleichtern:

Attribut Watles (Gipfel) Watles (Hotel) Schluderns (Sonnenberg) Spitzige Lun Höhe 2200 m 1730 m 1586 m 2324 m Zugang Sesselbahn + 15 Min. Gehzeit Auto / Sesselbahn Auto (eingeschränkt) / Hike Hike (2-3 Std.) Startrichtung SO - S SO - S SW S, SO, SW Schwierigkeit Mittel (Alpin) Leicht (Wiese) Mittel/Schwer (Steil/Thermik) Leicht (Kuppe) Beste Tageszeit Vormittag / Mittag Vormittag / Abend (Soaring) Nachmittag Vormittag / Herbst Besonderheit Über der Inversion Hausbart & Toplanding Abendthermik Panorama & Ruhe Export to Sheets Kapitel IV: Die Landeplätze – Das Nadelöhr im Obstgarten

Hier wird der Guide kritisch. Die Informationen aus der Recherche deuten auf eine dynamische und teilweise problematische Situation hin. Das Landen im Vinschgau ist oft anspruchsvoller als das Fliegen selbst.

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Der „Phantom“-Landeplatz Schluderns

In älteren Videos (Burkhard Martens) wird von einem „geplanten riesigen Landeplatz“ in Schluderns gesprochen. Die Realität 2024/2025 sieht anders aus.

Status: Aktuelle Berichte warnen: „Fläche durch Gewächshäuser in der Breite aktuell etwas reduziert“.  

Lage: Südlich von Schluderns im Talboden.

Gefahren:

Gewächshäuser: Diese sind nicht nur Hindernisse, sie sind Thermik-Trigger. Über einem Glasdach oder Folientunnel kann sich bei Sonneneinstrahlung heftige, kleinräumige Thermik lösen („House Thermal“ im negativen Sinne beim Landeanflug). Dies führt zu unberechenbarem Steigen im Endanflug.

Stromleitungen: Wie fast überall im industrialisierten Vinschgau verlaufen Hochspannungsleitungen oft quer durchs Tal oder parallel zur Etsch. Eine genaue Inspektion vor dem Flug ist unabdingbar.

Talwind-Düse: Am Talboden in Schluderns ist der Wind am stärksten. Ein Landen gegen 14:00 Uhr im Hochsommer kann bedeuten: Rückwärts einparken oder mit 0 km/h Vorfahrt sinken.

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Der Standard-Landeplatz: Schleis (1070 m)

Wer am Watles startet, landet meist in Schleis , nordwestlich von Schluderns.  

Charakter: Eine Wiese am östlichen Ortsausgang.

Die optische Täuschung: Der Platz ist leicht abfallend nach Süden.

Physik: Man landet meist gegen den Südwind (Talwind). Da der Boden aber nach Süden abfällt, fliegt man parallel zum fallenden Gelände. Das verlängert die Ausschwebephase (Flare) extrem! Man glaubt, man steht gleich, aber der Boden weicht zurück.

Konsequenz: Man schießt leicht über das Ziel hinaus.

Hindernis: Stromleitung am südlichen Ende! Wer zu weit gleitet, riskiert eine Kollision mit dem Draht.

Strategie: Den Landepunkt lieber etwas früher anpeilen. Nicht zu hoch anfliegen und auf den Talwindgradienten achten.

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Außenlandungen: Die Apfel-Falle

Der Vinschgau ist der „Obstgarten Europas“. Das klingt romantisch, ist für Gleitschirmflieger aber ein Albtraum.

Das Problem: Ab Schlanders bis Meran ist der Talboden fast lückenlos mit Apfelplantagen zugepflastert. Diese sind mit Hagelschutznetzen überspannt.  

Die Betonpfähle: Die Netze werden von massiven Betonpfeilern gehalten. Eine Baumlandung ist hier keine „weiche“ Sache, sondern eine Kollision mit Beton und gespanntem Stahldraht.

Die Regel: Niemals auf die Plantagen spekulieren. Immer einen sicheren Wiesen-Landeplatz (z.B. Fußballplätze, frisch gemähte Wiesen – nur wenn ausdrücklich erlaubt!) im Gleitwinkel haben. Eine Landung in den Apfelbäumen verursacht nicht nur massiven Sachschaden an der Ausrüstung, sondern auch Flurschaden, der das Verhältnis zu den Landwirten nachhaltig stört.

Kapitel V: Cross-Country (XC) – Die Vinschgau-Rennstrecke

Der Vinschgau ist berühmt für seine Streckenflug-Qualitäten. Es ist eine Autobahn für XC-Piloten, aber eine mit Geschwindigkeitsbegrenzung nach unten (wer zu langsam fliegt, steht).

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Die Standard-Route: Richtung Reschenpass

Vom Watles/Schluderns aus fliegt man oft nach Norden Richtung Nauders/Reschenpass.

Vorteil: Man nutzt die thermischen Hänge der Sesvenna-Gruppe.

Herausforderung: Man fliegt oft gegen den überregionalen Nordwind (wenn schwach) oder nutzt die Konvergenz.

Ziel: Der Reschensee mit dem versunkenen Turm. Ein optisches Highlight.

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Die Klassiker-Route: Richtung Meran

Dies ist der „Downwind-Run“ mit dem Talwind.

Wegführung: Vom Watles querend zum Sonnenberg (Schluderns) -> Schlanders -> Naturns -> Texelgruppe.

Schlüsselstelle „Schluderns“: Hier muss man vom Watles-Massiv über das Tal springen oder den Hang entlang „kratzen“, um an den Sonnenberg zu kommen. Die Querung des Tales bei Schluderns ist kritisch, da hier der Talwind oft stark durchbläst und Sinken verursacht.

Der Sonnenberg: Sein Name ist Programm. Er ist eine Kilometer lange, südausgerichtete Heizplatte. Hier steht die Thermik zuverlässig. Aber: Es ist extrem trockenes, felsiges Gelände. Turbulenz ist garantiert.

Streckenrekorde: Flüge von 100km+ bis ins Pustertal sind von hier aus möglich.  

Kapitel VI: Logistik, Unterkunft & Kultur – Der „Après-Fly“ Faktor

Ein Fliegerurlaub besteht nicht nur aus Airtime. Der Vinschgau bietet eine Infrastruktur, die ihn von vielen anderen Gebieten abhebt und die Logistik erheblich vereinfacht.

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Die Vinschgerbahn: Der beste Rückholer der Welt

Das vielleicht stärkste Argument für Schluderns ist die Vinschgerbahn.  

Das System: Sie fährt im Taktfahrplan durch das ganze Tal (Mals bis Meran).

Pilotennutzen: Wer auf Strecke geht und in Schlanders, Naturns oder Meran landet, muss nicht per Anhalter fahren. Er geht zum nächsten Bahnhof, steigt in den modernen Zug und fährt zurück nach Schluderns/Mals.

Kosten: Mit der VinschgauCard (die man in vielen Unterkünften, z.B. Hotel Watles oder Campingplätzen , kostenlos erhält) ist die Fahrt oft gratis! Das ist ein massiver logistischer und finanzieller Vorteil gegenüber Gebieten, wo man teure Taxis braucht.

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Unterkunft für Piloten

Hotel Watles: Wie erwähnt, der „Place to be“ für Piloten, die Luxus (5-Gänge-Menü) mit direktem Startplatz-Zugang verbinden wollen. Schorsch, der Wirt, kennt das Wetter besser als manche App.

Camping: In Mals und Glurns (nahe Schluderns) gibt es hervorragende Campingplätze. Glurns („Camping im Park“) liegt direkt an der Stadtmauer.

Urlaub auf dem Bauernhof: Zahlreiche Höfe am Sonnenberg bieten authentische Unterkunft. Vorteil: Man wohnt oft schon auf halber Höhe zum Startplatz.

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Kultur & Alternativen (für nicht-fliegbare Tage)

Wenn der Nordföhn bläst – und das wird er an einigen Tagen – bietet Schluderns Weltklasse-Kultur, die man nicht ignorieren sollte:

Churburg (Castel Coira): Sie thront direkt über Schluderns und ist eines der besterhaltenen Schlösser Südtirols. Sie beherbergt die größte private Rüstungskammer Europas. Für technikaffine Gleitschirmflieger ist es faszinierend zu sehen, wie schon vor 500 Jahren an Aerodynamik (Pfeile, Rüstungsformen) und Leichtbau (Plattenpanzer) getüftelt wurde. Die Grafen Trapp besitzen die Burg seit 1504.  

Glurns: Die kleinste Stadt Südtirols, komplett von einer mittelalterlichen Mauer umgeben. Ein architektonisches Juwel, nur 3 km von Schluderns entfernt. Perfekt für einen Abendspaziergang.  

Waalwege: Die alten Bewässerungskanäle (Leitenwaal, Berkwaal) bieten flache Wanderwege am steilen Hang. Sie sind nicht nur touristisch interessant, sondern auch meteorologisch: Da sie oft entlang der Hangkanten verlaufen, kann man hier hervorragend die Windsysteme am Boden studieren und potenzielle Startplätze für Hike & Fly scouten.  

Kapitel VII: Sicherheit & Risikomanagement

Dieser Abschnitt ist der wichtigste. Der Vinschgau verzeiht Fehler schlechter als der Bregenzerwald oder der Tegelberg. Die Energiedichte der Atmosphäre ist hier höher.

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Die Lee-Fallen

Bei Nordüberdruck entsteht hinter dem Alpenhauptkamm (Ötztaler Alpen) ein massives Lee. Der Vinschgau liegt eigentlich im Lee.

Das Paradox: Oft ist es am Boden noch fliegbahr, während in der Höhe die Rotoren drehen.

Warnzeichen: Lenticularis-Wolken (Lentis) über dem Ortler oder den Ötztaler Alpen. Wer „Föhnfische“ sieht, bleibt am Boden. Keine Diskussion. Bereits Druckdifferenzen von 4 hPa zwischen Nord und Süd können kritisch sein.

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Stromleitungen

Wir haben es erwähnt, aber es muss wiederholt werden: Der Vinschgau ist ein Energie-Tal (Wasserkraft). Hochspannungsleitungen kreuzen das Tal oft an unerwarteten Stellen (z.B. bei Laas oder direkt am Landeplatz Schleis).

Regel: Vor dem ersten Flug zwingend eine Bodenbesichtigung (Landing Check) machen oder Google Earth studieren. Blindes Anfliegen ist russisches Roulette.

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Der Talwind-Gradient

Der Übergang vom Hangaufwind (Thermik) in den Talwind kann abrupt sein.

Szenario: Man soart gemütlich am Sonnenberg in 1600m. Man beschließt zu landen und fliegt raus in die Talmitte.

Effekt: In 1200m trifft man auf den laminaren Talwind. Der Schirm wird plötzlich nach hinten versetzt (Groundspeed sinkt dramatisch), und das Sinken nimmt zu.

Gegenmaßnahme: Immer mit Geschwindigkeitsreserve (nicht angebremst) in den Talwind einfliegen. Vorhaltewinkel beachten. Nicht warten, bis man über dem Landeplatz steht, um Höhe abzubauen, sondern Position so wählen, dass man nicht abgetrieben wird.

Kapitel VIII: Gastronomie – Nach dem Flug

Ein erfolgreicher Flugtag endet nicht mit dem Packen des Schirms, sondern mit der lokalen Küche. Der Vinschgau bietet eine Mischung aus Tiroler Deftigkeit und italienischer Raffinesse.

Pizzeria Remo (Schluderns): Ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Piloten. Hier kann man bei einer Pizza die Flugroute des Tages analysieren.  

Gasthöfe in Matsch: Wer nach dem Hike & Fly von der Spitzigen Lun hungrig ist, findet in den Gasthöfen im Matschertal (z.B. Glieshof am Talschluss) authentische Vinschger Kost (Schlutzkrapfen, Vinschger Paarl).

Fazit und Empfehlung

Schluderns und der obere Vinschgau sind kein Gebiet für den absoluten Anfänger ohne Betreuung. Die DHV-Beschreibung „Hanggelände“ ist eine Untertreibung. Es ist ein hochalpines Leistungszentrum.

Für den Genuss-Piloten:

Geh zum Watles.

Nutze den Hotel-Startplatz.

Flieg am späten Vormittag.

Lande in Schleis oder am Hotel.

Genieß das Panorama und das Essen bei Schorsch.

Für den Abenteurer (Hike & Fly):

Ignoriere die Bahn.

Wandere von Schluderns über die Churburg und die Waalwege hoch zum Ganglegg oder weiter zur Spitzigen Lun.

Starte am späten Nachmittag, wenn der Sonnenberg „glüht“ und der Talwind sanfter wird (Magic Air).

Lande vorsichtig auf einer erkundeten Wiese oder (wenn möglich) nahe dem Bahnhof Schluderns (Achtung: Gewächshäuser!).

Der Vinschgau belohnt denjenigen, der ihn respektiert. Wer die Winde liest wie ein Buch, wird hier Flüge erleben, die in Bassano oder Kössen unmöglich sind – wilder, höher, einsamer. Wer aber glaubt, der DHV-Eintrag sei die ganze Wahrheit, wird schnell lernen, dass im Vinschgau der Wind das letzte Wort hat.

Packliste für Schluderns:

Gleitschirm: Am besten EN-B oder höher mit gutem Speed-System (gegen den Talwind).

Vario: Mit integrierten Luftraumdaten (obwohl hier wenig Beschränkungen sind, hilft es bei der Orientierung).

Kleidung: Auch im Sommer warm anziehen (Basis oft auf 3000m+ -> 0°C).

VinschgauCard: Für die kostenlose Rückreise mit der Bahn.

Demut: Vor dem Nordföhn.

Viel Spaß am Sonnenberg!

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