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Osterhofen

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Koord.:47.9480°N, 9.8148°E
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Start- & Landeplätze

1 Startplatz, 0 Landeplatzätze

Osterhofen

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Höhe600m ü. M.
Koord.47.9480, 9.8148
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Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Aerologische Monographie und Operativer Flugführer: Fluggebiet Osterhofen-Sudelfeld & Wendelstein Eine umfassende Analyse der mikrometeorologischen, topographischen und taktischen Parameter für den leistungsorientierten Gleitschirmflug im Mangfallgebirge

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Einleitung und geographische Einordnung

Das Fluggebiet rund um Osterhofen, Bayrischzell und den markanten Wendelstein stellt innerhalb der bayerischen Alpen eine fliegerische Besonderheit dar, die weit über die bloße Kategorisierung als "Startplatz" hinausgeht. Während populäre Flugberge wie der Wallberg oder die Hochries oft durch ihre einfache Zugänglichkeit und klare Topographie bestechen, verlangt das System Osterhofen-Sudelfeld vom Piloten ein deutlich tieferes Verständnis der lokalen Aerologie und eine differenzierte taktische Planung. Es handelt sich hierbei nicht um einen einzelnen Berg, sondern um ein komplexes Arrondissement aus Hochebenen, steilen Felsflanken, thermischen Abrisskanten und sensiblen Talwindsystemen, das durch den 1.838 Meter hohen Wendelstein dominiert, aber paradoxerweise nicht von ihm aus beflogen wird.

Dieser Bericht dient als erschöpfendes Kompendium für Piloten, die den Anspruch haben, das volle Potential dieses Gebietes auszuschöpfen. Er ersetzt und erweitert die rudimentären Informationen der DHV-Geländedatenbank um empirische Erfahrungswerte, meteorologische Detailanalysen und strategische Routenbeschreibungen für den Streckenflug (XC). Der Fokus liegt dabei auf einer präzisen Nomenklatur: Wenn im Folgenden von "Osterhofen" die Rede ist, so bezeichnet dies primär den logistischen Ankerpunkt im Tal – die Landewiese und die Talstation der Bergbahn. Die fliegerischen Startpunkte befinden sich hingegen auf dem Plateau des Sudelfelds, spezifisch am Vogelsang und der Walleralm. Diese Unterscheidung ist essentiell, um Missverständnisse in der Flugplanung zu vermeiden.

Die geographische Lage des Talkessels von Bayrischzell, eingebettet zwischen dem Seebergkopf im Westen, dem Traithen-Massiv im Osten und dem Wendelstein im Norden, schafft einen mikroklimatischen "Kessel", der sowohl thermisch hochproduktive Tage als auch tückische Windfallen generieren kann. Das Verständnis dieser Topographie ist der Schlüssel, um sicher und effizient in diesem anspruchsvollen Areal zu operieren. Im Gegensatz zu den offenen Voralpenbergen, die oft laminar angeströmt werden, ist das Fluggebiet hier durch die Interaktion verschiedener Talwindsysteme – dem Ursprungtal, dem Leitzachtal und dem Inntal – geprägt. Diese Konfluenzzonen bieten dem kundigen Piloten Möglichkeiten, die in Standard-Wettermodellen oft nicht abgebildet werden.

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Mikrometeorologie und Aerologie des Mangfallgebirges

Die meteorologische Beurteilung des Fluggebietes Osterhofen erfordert eine Abkehr von generalisierten Alpenwetterberichten hin zu einer spezifischen Analyse der lokalen Strömungsmuster. Das dominante und oft missverstandene Phänomen dieser Region ist der Bayerische Wind.

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Die Physik des Bayerischen Windes

In vielen Fluggebieten der Nordalpen ist der tageszeitliche Talwind aus nördlicher oder nordwestlicher Richtung der verlässliche Motor für thermische Flüge. Im Raum Bayrischzell/Sudelfeld hingegen kann dieser Mechanismus durch eine mächtige, regionale Ausgleichsströmung überlagert oder gänzlich außer Kraft gesetzt werden. Der Bayerische Wind ist eine antizyklonale Strömung, die entsteht, wenn sich über dem Alpenvorland (Münchener Schotterebene bis Donau) ein Kaltluftsee bildet oder hoher Luftdruck herrscht, während inneralpin oder südlich des Alpenhauptkamms der Druck relativ niedriger ist.

Diese Luftmasse strömt, der Orographie des Alpenrandes folgend, primär aus östlicher bis nordöstlicher Richtung. Während sie an vielen Bergen als leichter überregionaler Ostwind wahrgenommen wird, erfährt sie im Inntal und den davon abzweigenden Seitentälern – wie dem Ursprungtal bei Bayrischzell – eine signifikante Kanalisierung und Beschleunigung. Für den Piloten am Sudelfeld bedeutet dies konkret: Selbst wenn die synoptische Karte (z.B. GFS oder ECMWF) eine schwache Westlage oder variablen Wind prognostiziert, kann am Startplatz Vogelsang ein strammer, laminarer Ostwind mit 15 bis 25 km/h anstehen.  

Die Implikationen für die Flugsicherheit und Taktik sind weitreichend. Ein "Bayerischer Wind" führt dazu, dass die klassischen Westhänge (z.B. am Seebergkopf oder die Westseite des Sudelfelds) im Lee liegen. Thermikbärte werden zerrissen oder können sich gar nicht erst sauber vom Boden lösen, da die kühle Ostströmung wie ein Deckel über dem Tal liegt und die Warmluft am Aufsteigen hindert. Piloten berichten häufig von Tagen, an denen trotz strahlendem Sonnenschein und labiler Schichtung "nichts geht", weil die Grundschicht durch den kühlen Ostwind stabilisiert wurde. Das Erkennen dieses Phänomens vor der Auffahrt ist daher entscheidend. Ein Blick auf die Druckdifferenz zwischen München und Salzburg sowie auf die Windmesswerte am Patscherkofel oder der Wendelstein-Wetterstation (wenn verfügbar) ist obligatorisch.

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Die Talwind-Konvergenz: "Magic Lift"

Doch der Bayerische Wind ist nicht nur ein Störfaktor; in der richtigen Konstellation wird er zum Turbo für den Streckenflug. Wenn am späten Vormittag oder frühen Nachmittag der thermisch induzierte Talwind aus Westen (vom Schliersee kommend) stark genug wird, um gegen den Bayerischen Wind (aus Osten) anzudrücken, entsteht im Talkessel von Bayrischzell eine Konvergenzzone. Diese Luftmassengrenze, an der zwei horizontale Strömungen aufeinandertreffen und zum Ausweichen nach oben gezwungen werden, erzeugt großflächiges, ruhiges Steigen.  

Erfahrene Piloten suchen diese Linie oft zwischen dem Ortsteil Aurach und dem Bahnhof Bayrischzell. Sie ist visuell häufig durch eine Wolkenstraße oder eine markante Dunstgrenze markiert. Anders als in der turbulenten Hanglee-Thermik kann man hier in fast laminarer Strömung Höhe gewinnen – ein Zustand, den Locals oft als "Magic Lift" bezeichnen. Diese Konvergenz ist oft der Schlüssel, um die notwendige Arbeitshöhe für den Sprung über das Inntal oder zum Wendelstein zu gewinnen, ohne mühsam eng kreisen zu müssen. Die Position dieser Konvergenz ist jedoch nicht statisch; sie pulsiert je nach Stärke der beiden Windsysteme und kann sich im Tagesverlauf um mehrere Kilometer verschieben.

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Thermische Hotspots und Abrisskanten

Um im Gebiet Osterhofen/Sudelfeld erfolgreich Strecke zu machen, ist das Wissen um die zuverlässigen Abrisskanten essenziell. Die Topographie bietet eine Mischung aus sanften Wiesenkuppen und schroffen Felsabbrüchen, die unterschiedliche Aufheizcharakteristiken aufweisen.

Die folgende Tabelle analysiert die primären Thermikquellen ("Hausbärte") im Detail:

Thermikquelle Geographische Lage & Exposition Thermische Güte & Zuverlässigkeit Beste Tageszeit & Taktik Rosengasse Südöstlich des Sudelfelds; steile Fels/Wiesen-Flanken, Exposition Süd-Südwest.

Exzellent. Dies ist der "Motor" des Gebietes. Die steilen Flanken heizen sich früh auf und bieten oft den stärksten Bart des Tages.

11:30 - 14:00 Uhr. Ideal als erster Anlaufpunkt nach dem Start am Vogelsang. Hier wird die Basishöhe für den Weiterflug Richtung Osten gemacht. Vorsicht bei starkem Westwind, da teilweise turbulente Ablösung. Vogelsang West Unmittelbar vor dem West-Startplatz; Wiesenhang mit Latschenfeldern. Mittel bis Gut. Stark abhängig von der Überlagerung durch den Bayerischen Wind. Ab 16:00 Uhr. Funktioniert am besten im "Abend-Westwind" oder an Tagen ohne Ostkomponente. Wenn der Ostwind dominiert, ist dieser Bereich thermisch tot oder leeseitig verwirbelt. Seebergkopf (Ostflanke) Westlich von Bayrischzell; bewaldete Flanke mit Felsdurchsetzugen. Gut (Vormittag). Durch die Ostausrichtung profitiert dieser Hang von der Morgensonne. 10:00 - 12:00 Uhr. Oft die erste Anlaufstelle für Piloten, die früh starten. Vorsicht: Bei einsetzendem West-Talwind liegt diese Flanke schnell im Lee! Traith-Kessel Östlich des Sudelfelds; großes Felskar unterhalb des Kleinen Traithen. Sehr Stark (aber Anspruchsvoll). Ein Sammelbecken für Warmluft, die oft explosionsartig abreißt. 13:00 - 15:00 Uhr. Nur für geübte Piloten. Die Thermik ist hier oft eng und durchmischt, bringt einen aber zuverlässig auf Gipfelhöhe für den Talsprung.

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Infrastruktur und Logistik: Der Zugang zum Himmel

Die operative Logistik in Osterhofen unterscheidet sich signifikant zwischen Sommer- und Wintersaison und stellt Erstbesucher oft vor Herausforderungen. Im Gegensatz zu reinen Sommerfluggebieten ist die Infrastruktur hier stark durch den Wintersporttourismus geprägt, was zu saisonalen Diskrepanzen in der Erreichbarkeit führt.

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Parkraummanagement und Anreise

Der zentrale Anlaufpunkt für Gleitschirmflieger ist der Ortsteil Osterhofen. Hier befindet sich die Talstation der Wendelstein-Seilbahn und der Zugang zur Sudelfeldstraße. Es ist von größter Wichtigkeit, die offiziellen Parkflächen zu nutzen, um Konflikte mit Landwirten und Anwohnern zu vermeiden. Das "wilde Parken" am Rande der Landewiese wird strikt geahndet und gefährdet den Pachtvertrag des Geländes.

Empfohlen wird der große Parkplatz an der Talstation der Wendelsteinbahn (gebührenpflichtig) oder die Parkflächen am Bahnhof Osterhofen für Nutzer der Bayerischen Oberlandbahn (BOB). Von dort ist der Fußweg zum Landeplatz mit ca. 5-10 Minuten moderat und dient als gutes Warm-up. Die Anreise mit der Bahn ist aufgrund der direkten Anbindung von München (ca. 1h 15min) eine sehr attraktive und umweltfreundliche Alternative, die zudem das Parkplatzproblem eliminiert.

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Auffahrtslogistik: Sommer vs. Winter

Die Erreichbarkeit der Startplätze ist das wohl komplexeste Thema im Fluggebiet Sudelfeld und eine häufige Quelle für Frustration bei unvorbereiteten Piloten.

Sommersaison (Mai bis November): Es existiert kein Sommerbetrieb der Sesselbahnen am Sudelfeld für Gleitschirmflieger oder Wanderer, der direkt zum Startplatz führt! Die 8er-Sesselbahn Sudelfeldkopf ist oft außer Betrieb oder transportiert keine Flugsportgeräte (dies variiert, ist aber die Regel).

PKW-Auffahrt: Die primäre Methode ist die Auffahrt mit dem privaten PKW oder in Fahrgemeinschaften (Shuttle-Busse des Clubs gibt es in der Regel nicht). Die Auffahrt erfolgt über die mautpflichtige Sudelfeldstraße. Die Mautstelle befindet sich kurz nach dem Ortsausgang Bayrischzell in Richtung Sudelfeld. Die Straße führt bis zum Oberen Sudelfeld.

Zielpunkt: Parken an der Walleralm oder der Speckalm. Von dort sind es noch ca. 10-15 Minuten Fußmarsch mit Ausrüstung bis zum Startplatz Vogelsang.

Hike & Fly: Alternativ bietet sich der Aufstieg zu Fuß an. Von Osterhofen/Grafenherberg führen Wanderwege über Almwiesen hinauf. Der Aufstieg dauert je nach Kondition ca. 1,5 Stunden und überwindet etwa 700 Höhenmeter. Dies ist landschaftlich reizvoll und thermisch oft schon aufschlussreich.

Wintersaison (Dezember bis April): Im Winter verwandelt sich das Sudelfeld in ein Großraumskigebiet.

Bergbahn: Die moderne 8er-Sesselbahn Sudelfeldkopf ist in Betrieb.

Restriktion "Ski & Fly": Ein kritischer Punkt ist, dass die Beförderung von Gleitschirmen oft zwingend an das Mitführen von Skiern gekoppelt ist. Fußgänger werden an den Drehkreuzen häufig abgewiesen, da der Abstieg über die Pisten zu Fuß aus Sicherheitsgründen untersagt ist und es keinen Taltransport für Fußgänger gibt. Piloten müssen also in der Lage sein, mit Skiern zum Startplatz abzufahren und ggf. bei schlechten Bedingungen auch mit Skiern wieder ins Tal zu gelangen.  

Startplätze: Im Winter wird oft direkt von den präparierten Pisten oder den freien Flächen daneben gestartet. Hier ist absolute Koordination mit dem Pistenbetrieb notwendig. Starts sind nur erlaubt, wenn keine Skifahrer gefährdet werden.

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Administrative Hürden: Gebühren und Club-Regularien

Das Gelände wird mit viel Engagement vom Drachenfliegerclub Bayrischzell e.V. (DCB) betreut und gepflegt. Die Einhaltung der administrativen Regeln ist keine bloße Formalität, sondern existenzsichernd für das Fluggebiet.

Tagesmitgliedschaft: Gastpiloten sind willkommen, müssen jedoch zwingend eine Tageskarte lösen. Die Gebühr beträgt aktuell 5,00 €.  

Digitales Bezahlsystem: Der Club hat ein vorbildliches, modernes System etabliert. Die Zahlung kann bequem per PayPal über einen QR-Code erfolgen, der an der Informationstafel an der Walleralm oder auf der Club-Webseite zu finden ist. Dies eliminiert die Suche nach Kleingeld.

Flugbuch: Die Eintragung in das Flugbuch an der Walleralm ist obligatorisch. Dies dient nicht nur der Statistik, sondern im Notfall auch der Überprüfung, ob alle Piloten sicher gelandet sind.

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Detaillierte Anatomie der Startplätze

Das "Fluggebiet Osterhofen" bezieht sich meist auf die Startplätze am Vogelsang, einem sanften Bergrücken im Bereich des Oberen Sudelfelds. Die topographische Beschaffenheit ist ideal für Gleitschirme, birgt aber spezifische Gefahren, die im DHV-Eintrag oft nur als Randnotiz erscheinen.

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Startplatz Vogelsang / Walleralm

Höhe: 1.558 m MSL.  

Höhendifferenz: ca. 760 m bis zum Landeplatz Osterhofen.

Koordinaten: N 47°39'47.76" E 12°02'04.56".  

Startsektor Nord-Ost (NO) & Ost (O): Die Standard-Rampe Dies ist der am häufigsten frequentierte Startplatz, da er perfekt vom Bayerischen Wind angeströmt wird.

Topographie: Eine mittelsteile Wiese, die im Winter als Skipiste genutzt wird. Der Untergrund ist grasbewachsen und hindernisfrei, was den Startlauf erleichtert.

Die Seilbahn-Falle (Critical Hazard): Das dominierende Gefahrenmoment an diesem Startplatz ist die Trasse der 8er-Sesselbahn Sudelfeldkopf. Nach dem Start in Richtung Nordosten müssen Piloten oft nach links (Norden/Westen) abdrehen, um zum Landeplatz zu gelangen oder Thermik zu suchen. Dabei muss die Seilbahn überquert werden.  

Taktische Anweisung: Starten Sie nur, wenn eine thermische Unterstützung oder ausreichender dynamischer Aufwind sicherstellt, dass Sie sofort an Höhe gewinnen. Ein "Absaufer" unmittelbar nach dem Start ist brandgefährlich, da er Sie unweigerlich in die Nähe der Seile oder, noch schlimmer, in den Bereich des Speichersees unterhalb der Bahn führen kann. Es gilt die eiserne Regel: Höhe vor Strecke. Überfliegen Sie die Bahn nur mit deutlichem Sicherheitsabstand (min. 50m vertikal).

Startsektor West (W): Das Abend-Juwel Dieser Startplatz liegt etwas unterhalb des Plateaus, oft in der Nähe der alten Drachenrampe.

Charakteristik: Ein einfacher, aber etwas kürzerer Wiesenstart.  

Eignung: Dieser Startplatz ist die erste Wahl für die legendären "Sunset-Soaring"-Flüge im Sommer. Wenn der Bayerische Wind einschläft und der überregionale Westwind oder das lokale Talwindsystem dominiert, steht hier oft ein perfekter, laminarer Aufwind an.

Lee-Gefahr: Bei vorherrschendem Ostwind liegt dieser Startplatz im Lee des Bergrückens! Vertrauen Sie niemals blind dem Wind im geschützten Startbereich. Ein Blick auf die Windfahnen am Gipfelkreuz oder an der Bergstation ist obligatorisch. Wenn dort Ostwind angezeigt wird, ist der Weststartplatz tabu, auch wenn es im Startbereich windstill erscheint (Rotor!).

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Hike & Fly Spezial: Jägerkamp / Nagelspitz

Für Piloten, die die Einsamkeit suchen und dem Trubel des Skigebiets entkommen wollen, bietet der Jägerkamp eine exzellente, wenn auch anstrengendere Alternative.

Startplatz: Nagelspitz, ca. 1.490 m.  

Zugang: Dieser Startplatz ist ausschließlich zu Fuß erreichbar. Die Aufstiegsrouten führen entweder von Josefstal (Schliersee-Seite) oder von Aurach (Bayrischzell-Seite) hinauf. Rechnen Sie mit 1,5 bis 2 Stunden Gehzeit.

Startrichtungen: Ost und West. Dies macht den Berg flexibel nutzbar.

Naturschutz und Etikette: Der Jägerkamp ist sensibles Weidegebiet. Es gilt absolute Rücksichtnahme auf Weidevieh. Starten Sie niemals, wenn Tiere in unmittelbarer Nähe sind, um Panikreaktionen zu vermeiden. Schäden an Zäunen müssen unverzüglich der zuständigen Almerin gemeldet werden. Das Prinzip "Leave no Trace" ist hier oberstes Gebot.

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Landeplatz Osterhofen / Bayrischzell: Der finale Anflug

Der offizielle Landeplatz in Osterhofen ist großzügig dimensioniert und hindernisfrei, doch seine Lage im Schnittpunkt dreier Täler macht ihn aerologisch anspruchsvoll.

Lage: Eine große Wiese südöstlich der Kreuzung B307 (Alpenstraße) / Sudelfeldstraße.

Koordinaten: N 47°40'14.75" E 12°01'00.52".  

Höhe: 790 m MSL.

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Das komplexe Windregime im Talboden

Am Landeplatz treffen drei Windsysteme aufeinander, deren Dominanz sich im Tagesverlauf oder je nach Wetterlage abrupt ändern kann:

Talwind West: Der "normale" Talwind, der vom Schliersee heraufzieht. Er ist meist laminar und gut berechenbar.

Bayerischer Wind (Ost): Er drückt böig aus Richtung Bayrischzell/Kufstein herein. Wenn er durchbricht, dreht der Wind am Landeplatz innerhalb von Minuten um 180 Grad.

Südwind (Ursprungtal): Besonders am Abend oder bei Föhnneigung kann kalte Luft aus dem Ursprungtal (Süden) in den Talkessel fließen.  

Sicherheitshinweis: Der Windsack am Landeplatz ist Ihr wichtigstes Instrument. Beobachten Sie ihn bereits aus der Höhe intensiv. Es ist nicht ungewöhnlich, dass in 100m Höhe noch Westwind herrscht, während am Boden bereits der Bayerische Wind aus Osten durchgegriffen hat (Windscherung!). Planen Sie Ihre Landevolte flexibel und entscheiden Sie sich frühzeitig für eine Landerichtung.

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Landevolte und Gefahrenzonen

Verkehrswege: Die Bundesstraße 307 und die Bahnlinie begrenzen das Landeareal. Es ist zwingend erforderlich, stets ausreichenden Sicherheitsabstand zu diesen Verkehrswegen zu halten.  

Die 100-Meter-Regel: Eine spezifische Auflage des Geländes besagt, dass tangierende Straßen mit einer Mindesthöhe von 100 Metern überflogen werden müssen. Dies dient dem Lärmschutz und verhindert, dass Autofahrer durch tief fliegende Schirme abgelenkt werden. Verstöße gegen diese Regel gefährden die Zulassung des Geländes!  

Volteneinteilung: Standard ist eine Linksvolte. Aufgrund der wechselnden Winde kann jedoch auch eine Rechtsvolte notwendig werden ("Rechts vor Links" beachten!). Der Abbau von Höhe sollte über den freien Wiesenflächen erfolgen, nicht über den Häusern von Osterhofen oder der Straße.

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Der Wendelstein: Mythos, Realität und die "No-Go"-Zone

Der Wendelstein ist das unbestrittene Wahrzeichen der Region. Seine markante Silhouette mit der Antenne und dem Observatorium zieht die Blicke jedes Piloten auf sich. Doch fliegerisch ist er ein "Falscher Freund". Viele Gastpiloten fragen nach Startmöglichkeiten direkt vom Gipfel – hierzu muss eine klare, sicherheitsrelevante Absage erteilt werden.

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Warum der Gipfel tabu ist

Topographie: Der Gipfelbereich ist extrem felsig, verbaut (Observatorium, Sender, Kapelle, Bergbahnstation) und bietet keine geeignete, hindernisfreie Startfläche für Gleitschirme. Jeder Versuch, hier einen Schirm auszulegen, grenzt an Materialmord und Selbstgefährdung.  

Exposition: Der Gipfel steht als solitärer Monolith frei im Wind. Er wird von allen Seiten ungebremst angeströmt, was zu extremen Turbulenzen, Rotoren und Abrisskanten führt. Es gibt keinen geschützten Startbereich.

Fazit: Der Wendelstein ist ein Flugziel zum Anschauen (aus der Luft vom Sudelfeld startend), aber kein Startberg. Genießen Sie die Aussicht von der Panoramaterrasse, aber lassen Sie den Schirm im Sack.

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Die Taktik "Rund um den Wendelstein"

Obwohl ein Start unmöglich ist, nutzen Streckenpiloten den Wendelstein oft als Wendepunkt oder optisches Highlight.

Annäherung: Wer vom Vogelsang oder der Rosengasse genug Höhe macht (Basis > 2000m), kann den Talsprung Richtung Norden wagen.

Südflanke: Die Südflanke des Wendelsteins ist steil und felsig. Sie ist thermisch oft sehr aktiv und heizt sich stark auf. Hier kann man – entsprechenden Abstand zum Fels vorausgesetzt – starke Bärte finden. Doch Vorsicht: Die Thermik ist hier oft "ruppig" und durchmischt.

Die Lee-Falle: Bei starkem Bayerischen Wind (Ost) bildet sich auf der Westseite des Wendelsteins (Richtung Brannenburg/Inntal abfallend) ein gigantisches Lee. Fliegen Sie niemals tief in den Lee-Schatten des Massivs ein! Die Turbulenzen dort können unfliegbar sein. Die sichere Seite ist meist die Luv-Seite oder der Flug mit ausreichendem Abstand über dem Gipfelniveau.

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XC-Potential und Streckenflug-Manual

Das Fluggebiet Sudelfeld ist ein hervorragender Ausgangspunkt für Streckenflüge, wenn man die lokalen "Triggpoints" kennt. Es bietet Optionen für Einsteiger bis hin zu ambitionierten Dreiecksfliegern.

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Route 1: Die "Kleine Runde" (Einsteiger-XC)

Diese Route ist ideal, um das Thermikfliegen im Gebiet kennenzulernen, ohne den sicheren Gleitwinkel zum Landeplatz zu verlassen.

Verlauf: Start Vogelsang -> Überhöhung an der Rosengasse -> Talsprung/Querung zum Seebergkopf -> Zurück zum Landeplatz Osterhofen.

Schlüsselstelle Rosengasse: Nach dem Start queren Sie nach rechts (Süden) zu den Felswänden der Rosengasse. Hier steht oft der Hausbart. Geduld ist gefragt: Drehen Sie diesen Bart bis zur Basis aus.

Querung: Mit maximaler Höhe gleiten Sie über das Ursprungtal Richtung Westen zum Seebergkopf. Achten Sie auf die Konvergenzlinie im Tal (siehe 2.2).

Rückkehr: Vom Seebergkopf haben Sie meist genügend Höhe, um sicher zum Landeplatz zu gleiten.

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Route 2: Der "Kaiser-Express" (Ost-Route nach Kössen)

Dies ist die "Rennstrecke" bei Westlagen und bietet spektakuläre Ausblicke auf den Wilden Kaiser.

Verlauf: Start Vogelsang -> Rosengasse -> Traithen -> Brünnstein -> Oberaudorf -> Kössen.

Taktik: Nach der Rosengasse arbeiten Sie sich am Grat des Großen Traithen entlang. Der Traithen ist ein zuverlässiger Thermikspender. Weiter geht es zum Brünnstein.

Das Inntal-Querung: Vom Brünnstein aus müssen Sie das breite Inntal queren. Dies ist die psychologische und taktische Schlüsselstelle. Zielen Sie auf den Unterberghorn in Kössen oder die Hänge bei Oberaudorf, um wieder Anschluss zu finden.

Rückweg: Der Rückweg gegen den oft einsetzenden Bayerischen Wind (Ost) kann mühsam werden. Oft endet der Flug in Kössen ("One-Way-Ticket"), und die Rückreise erfolgt per Bahn/Bus oder Autostop. Planen Sie dies ein!

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Insider-Tipps: Das Wissen der Locals

Hier sind die Informationen, die man nicht in der Standard-Datenbank findet und die den Unterschied zwischen einem durchschnittlichen und einem genialen Flugtag ausmachen:

Der "Abend-Westwind" (Sunset Soaring): Wenn der offizielle DHV-Wetterbericht "schwacher Wind umlaufend" oder "abflauend" ansagt, geht in Bayrischzell im Sommer ab ca. 17:00 Uhr oft erst richtig die Post ab. Die tiefstehende Sonne scheint dann perfekt in die Westflanken oberhalb von Bayrischzell. Ein Start am Weststartplatz Vogelsang ermöglicht dann stundenlanges, laminares Soaren in den Sonnenuntergang. Das Licht ist magisch, die Luft ruhig ("ölig") – ein Genuss für Seele und Kamera.  

Gastronomie-Taktik: Nach dem Flug trifft man sich oft in Bayrischzell, aber der wahre Insider-Tipp ist die Einkehr direkt auf der Walleralm oder Speckalm vor dem finalen Abgleiter (vorausgesetzt man hat das Auto im Sommer oben geparkt oder wird abgeholt). Den Flugtag mit einer Brotzeit auf der Hütte zu beenden und dann in der Dämmerung ins Tal zu gleiten, ist ein unvergessliches Erlebnis.

Alternative bei Nordstau: Bayrischzell liegt sehr nah am Alpenrand. Wenn die Nordalpen in Wolken stecken (Nordstau), ist es hier oft grau und nass. Ein Blick auf die Webcams im Inntal oder südlich des Alpenhauptkamms lohnt sich. Oft reicht eine Fahrt von 30 Minuten weiter südlich (z.B. hinter den Wendelstein ins Inntal oder nach Tirol), wo der Föhneinfluss die Wolken bereits auflöst und fliegbare Bedingungen schafft.

Funk-Disziplin: Nutzen Sie ein LPD/PMR Funkgerät. Da Start- und Landeplatz sichtverbunden sind, tauschen Locals oft Windinfos aus. "Wie schaut's unten aus? Hat der Bayerische schon durchgedrückt?" – diese kurze Frage kann vor einem ungemütlichen Lee-Flug bewahren. Frequenzen sind oft am schwarzen Brett angeschlagen (Standard PMR Kanal 8 CTCSS beachten).

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Sicherheitshinweise & Notfallmanagement

Sicherheit beginnt im Kopf und bei der Vorbereitung. Das komplexe Gelände verzeiht wenig Fehler.

Helikopter-Operationen: Das Gebiet um den Wendelstein und das Sudelfeld wird intensiv von der Bergwacht und für Materialtransporte genutzt. Bei Anflug eines Helikopters gilt: Sofortiges Startverbot! Befinden Sie sich in der Luft, halten Sie 500 m Abstand (horizontal und vertikal) und machen Sie den Luftraum frei. Wenn der Heli am Landeplatz steht (das Bergwachtgebäude befindet sich direkt dort), weichen Sie auf Ausweichlandeflächen aus. Landen Sie keinesfalls direkt neben einem laufenden Rotor!  

Baumlandungen: Das Gelände unterhalb der Seilbahn und im Bereich Seeberg ist teils dicht bewaldet. Sollte eine Baumlandung unvermeidbar sein: Richten Sie den Körper auf, Beine zusammen, Visier schließen. Sichern Sie sich nach der Landung sofort gegen Absturz (Sicherungsleine!). Versuchen Sie nicht, den Schirm selbst zu bergen, wenn dies Kletterei erfordert – rufen Sie die Bergwacht.

Telefonnummern: Speichern Sie vor dem Flug die Nummer der Bergwacht Bayrischzell und der Wendelsteinbahn (für Infos zum Seilbahbetrieb) in Ihr Handy. Das Mobilfunknetz ist am Startplatz meist gut (LTE), in den tiefen Talsenken Richtung Ursprungtal kann es jedoch Funklöcher geben.

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Ausrüstung und Vorbereitung

Schirmwahl: Das Gebiet ist für alle Schirmklassen (A bis CCC) geeignet, jedoch sollten Piloten ihren Schirm sicher beherrschen (Rückwärtsstart!). Für Hike & Fly Touren auf den Jägerkamp sind leichte Bergschirme oder Single-Skin-Schirme ideal.

Vario: Ein Vario mit guter Mittelwertbildung ist hilfreich, um in der teils zerrissenen Thermik das Zentrum zu finden.

Kleidung: Auch im Sommer kann der Bayerische Wind am Startplatz empfindlich kühl sein. Eine Windstopper-Jacke gehört ins Gurtzeug, auch wenn im Tal 30 Grad herrschen.

Fazit

Das Fluggebiet Osterhofen/Sudelfeld ist weit mehr als nur eine "Alternative" zu den großen Flugbergen. Es ist ein fliegerisches Kleinod, das seinen Charakter erst demjenigen offenbart, der sich mit den Launen des Bayerischen Windes und den Feinheiten der Topographie auseinandersetzt. Es ist kein Gebiet für "Konsumflieger", die einen einfachen Shuttle-Service und laminaren Wind "auf Knopfdruck" erwarten. Wer jedoch bereit ist, Wetterkarten zu lesen, die Zeichen der Konvergenz zu deuten und auch mal einen Fußmarsch in Kauf zu nehmen, wird mit traumhaften Flügen vor der Kulisse des Wendelsteins belohnt.

Fly safe, respect the locals and enjoy the Bavarian Sky!

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