
1 Startplatz, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Der Ultimative Pilotenguide: Aussichtsturm Hohe Hardt / Morsbach Vorwort: Die verborgene Schule des Oberbergischen
In der Topografie des deutschen Gleitschirmsports nimmt das Oberbergische Land eine Sonderstellung ein. Es ist nicht das Hochgebirge mit seinen kilometerlangen Talquerungen und gletscherbedeckten Gipfeln, die in den Magazinen glänzen. Es ist auch nicht das Flachland, wo die Winde den Piloten bequem in den Himmel zieht. Es ist das Mittelgebirge in seiner reinsten, ehrlichsten und oft auch anspruchsvollsten Form. Das Fluggelände Morsbach Hohe Hardt repräsentiert diesen Charaktertypus wie kaum ein anderes Areal in Nordrhein-Westfalen.
Für den Außenstehenden mag es wie ein unscheinbarer Hügel wirken, dominiert von einem Aussichtsturm, der die Baumwipfel überragt. Doch für den eingeweihten Piloten ist die Hohe Hardt ein mikroklimatisches Laboratorium, eine Arena für präzises Handling und ein Testfeld für taktische Entscheidungen in Bodennähe. Wer hier, bei einer Höhendifferenz von kaum mehr als 120 Metern, den thermischen Anschluss findet und sich über den Turm schraubt, hat mehr über Luftmassenbewegungen gelernt als bei einem stundenlangen, passiven Abgleiter in den Alpen.
Dieser Bericht dient als umfassendes Kompendium für den Piloten, der die Hohe Hardt nicht nur befliegen, sondern meistern will. Wir ersetzen die knappen Datenbankeinträge durch eine tiefgehende Analyse der Aerodynamik, der lokalen Wetterphänomene und der strikten, aber notwendigen Logistik, die diesen Flugberg am Leben erhält. Es ist eine Einladung, das "Hausbergfliegen" als hohe Kunst zu begreifen.
Das Fluggelände befindet sich im südlichsten Zipfel des Oberbergischen Kreises, in der Gemeinde Morsbach (PLZ 51597). Geografisch markiert dieser Bereich den Übergang vom Bergischen Land in den Westerwald und das Siegerland. Diese Grenzlage ist meteorologisch signifikant. Die Hohe Hardt fungiert oft als erste nennenswerte Barriere für Luftmassen, die aus der Kölner Bucht oder über die Hügelketten des Westerwaldes herangeführt werden.
Das Gelände selbst wird durch den Aussichtsturm Hohe Hardt definiert, eine 35 Meter hohe Stahlkonstruktion, die auf der Kuppe (ca. 330–340 m NN) thront. Der Turm ist weithin sichtbar und dient Piloten bereits bei der Anfahrt als unverfehlbare Landmarke.
Die nackten Zahlen des Geländes mögen auf den ersten Blick ernüchternd wirken, doch sie definieren den sportlichen Anspruch:
Parameter Wert / Beschreibung Quelle Startplatzhöhe ca. 330 m NN (am Turm) Landeplatzhöhe ca. 204 – 210 m NN (Ortsmitte) Höhendifferenz ca. 120 – 130 m Distanz (Luftlinie) ca. 400 – 500 m Topografische Schätzung Gleitzahl-Bedarf Mittel bis Hoch (je nach Wind) Aerodynamische Ableitung
Interpretation der Daten: Eine Höhendifferenz von rund 125 Metern klassifiziert die Hohe Hardt technisch als Übungshang. Operativ ist sie jedoch weit mehr. In den Alpen erlaubt eine Höhendifferenz von 1000 Metern dem Piloten eine Phase der Orientierung, des "Vorfühlens" und der Korrektur. In Morsbach entfällt dieser Luxus. Der Flugmodus ist binär: Sofortiger Aufstieg oder Landeeinteilung.
Sobald die Füße den Boden verlassen, befindet sich der Pilot in einem Entscheidungsfenster von wenigen Sekunden. Findet man den Bart? Trägt der dynamische Aufwind? Oder muss man sofort die Position für die Landevolte im engen Tal einnehmen? Diese Zwangsläufigkeit schult das Auge für das Gelände und die Reaktionsschnelligkeit enorm. Wer in Morsbach oben bleibt, beherrscht sein Handwerk.
Das Fluggelände Hohe Hardt ist kein "Drive-In"-Berg. Die Logistik ist streng reglementiert, um Konflikte mit der Forstwirtschaft, Anwohnern und dem Naturschutz zu vermeiden. Diese Hürden dienen als Filter: Sie sortieren jene aus, die den Sport nur als Konsum begreifen, und belohnen jene, die bereit sind, für ihren Flug etwas Aufwand zu betreiben.
Die Anreise erfolgt in der Regel mit dem PKW, da die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln für den Transport von Fluggepäck oft unpraktikabel ist, auch wenn Morsbach per Bus erreichbar ist.
Das strikte Auffahrverbot: Es muss mit aller Deutlichkeit betont werden: Die Auffahrt zum Startplatz durch den Wald ist für Gleitschirmflieger verboten. Es gibt keine Grauzone. Zuwiderhandlungen gefährden die Pachtverträge und damit die Existenz des gesamten Fluggeländes.
Die Ausnahme für Drachenflieger: Lediglich Hängegleiter-Piloten (Drachen) können aufgrund des nicht tragbaren Gewichts ihrer Ausrüstung eine Ausnahmegenehmigung erhalten. Dies erfordert jedoch zwingend die Bildung von Fahrgemeinschaften und eine vorherige Abstimmung mit dem Geländehalter oder der Gemeinde. Für alle anderen gilt: Das Auto bleibt unten oder am Wanderparkplatz.
Die Park-Optionen:
Wanderparkplatz "Alzen": Dies ist der primäre Ausgangspunkt für den Aufstieg zum Startplatz.
Anfahrt: In Morsbach an der Tankstelle Schneider rechts abbiegen Richtung Alzen. Nach ca. 1,5 km auf der Höhe rechts der Beschilderung "Zum Aussichtsturm" folgen bis zum Parkplatz vor dem Waldrand.
Landeplatz-Parken: Alternativ kann am Festplatz/Lidl geparkt werden, wenn man plant, nach dem Flug nicht mehr hochzulaufen. Von hier aus ist der Weg jedoch deutlich länger und steiler.
Der Fußweg vom Parkplatz Alzen zum Startplatz dauert etwa 15 bis 20 Minuten. Dieser "Mini-Hike" ist ein integraler Bestandteil des Flugerlebnisses in Morsbach.
Der Weg: Er führt durch Mischwald, der im Sommer angenehmen Schatten spendet.
Meteorologisches Sensing: Nutzen Sie den Weg, um die Atmosphäre zu lesen. Bewegen sich die Wipfel der hohen Fichten? Hören Sie das Rauschen des Windes in den Kronen, während es am Boden still ist? Dies deutet auf einen starken Windgradienten hin, der beim Starten Vorsicht erfordert. Spüren Sie Temperaturunterschiede in Waldschneisen? Dies könnten Indikatoren für thermische Ablösungen sein.
Der folgende visuelle Guide verdeutlicht die räumliche Trennung und die logistischen Pfade, die für einen reibungslosen Ablauf essentiell sind.
Das Fluggelände wird vom Delta-Club Rheinland e.V. betreut und unterhalten. Die Arbeit des Vereins – von der Pachtzahlung bis zur Pflege der Startschneise – ist die Basis für jeden Flug. Respekt gegenüber dem Verein drückt sich in der Einhaltung der administrativen Regeln aus.
Das Gelände ist nicht kostenfrei. Gastpiloten müssen eine Tagesgebühr entrichten.
Kosten: 5,00 Euro pro Tag.
Modus: Holschuld. Es gibt kein Kassenhäuschen. Die Gebühr ist unaufgefordert bei einem anwesenden Vereinsmitglied zu entrichten. Sollte kein Mitglied greifbar sein, ist es eine Frage der Ehre und des Anstands, den Kontakt zum Verein zu suchen (z.B. über die Website oder Telefonnummern am Aushang), um die Zahlung zu regeln. "Schwarzfliegen" schädigt den Ruf aller Gastpiloten.
Für Gastpiloten gilt: Kein Start ohne Einweisung.. Diese Regel ist absolut und nicht verhandelbar.
Ansprechpartner: In der Regel übernimmt der Geländebeauftragte Rainer Bürger (Tel. 0173-2734033) oder ein anderes beauftragtes Vereinsmitglied diese Aufgabe.
Inhalt der Einweisung: Hier geht es nicht um Gängelung, sondern um Sicherheit. Der Einweiser erklärt die spezifischen Tücken des Landeplatzes (Lee-Fallen), die Naturschutzzonen (Wacholder) und die aktuellen Besonderheiten (z.B. Weidezäune oder Forstarbeiten).
Gültigkeit: Die Einweisung muss vor dem ersten Start erfolgen. Ein Anruf am Vortag oder am Morgen des Flugtages ist professionell und vermeidet Enttäuschungen am Berg.
Deutschland: Beschränkter Luftfahrerschein (A-Schein) oder unbeschränkter Luftfahrerschein (B-Schein).
Österreich: Sonderpilotenschein.
International: Gültige Lizenz (IPPI Card Level 4/5 empfohlen) und Versicherungsnachweis.
Schulung: Das Gelände ist für A-Schein-Schulung zugelassen, jedoch mit einer signifikanten Einschränkung: Nicht für die ersten 20 Höhenflüge. Dies unterstreicht den Anspruch des Geländes. Flugschulen wie die Flugschule Oberberg oder Air-Touch nutzen das Gelände, müssen aber ebenfalls eine Einweisung durch den Geländehalter erhalten.
Der Startplatz ist das Herzstück des Geländes. Er liegt unmittelbar unterhalb des Aussichtsturms und ist charakteristisch für Mittelgebirgs-Schneisen.
Ausrichtung: NNW bis NNO (Nord-Nordwest bis Nord-Nordost).
Koordinaten: N 50°51'46.95" E 7°43'26.32".
Höhe: ca. 330 m MSL.
Neigung: Mittelsteil, im oberen Bereich flacher, dann in die Schneise hinein steiler werdend.
Die Windbedingungen entscheiden in Morsbach über Genuss oder Gefahr. Das zulässige Windfenster ist eng definiert und sollte strikt beachtet werden.
Die 25 km/h Grenze: Es herrscht ein offizielles Flugverbot bei Windgeschwindigkeiten über 25 km/h.
Aerodynamischer Hintergrund: Warum ist die Grenze so niedrig, wenn man an der Küste noch bei 30 km/h startet? Der Grund liegt in der Topografie und der Vegetation. Die Hohe Hardt ist bewaldet. Eine Startschneise im Wald erzeugt bei starkem Wind eine Düsenwirkung (Venturi-Effekt). Die Windgeschwindigkeit kann sich in der Schneise lokal drastisch erhöhen.
Rotor-Gefahr: Gleichzeitig erzeugen die seitlichen Bäume bei nicht exakt frontalem Anströmen starke Turbulenzen (Lee-Rotoren) im Randbereich der Schneise. Ein Start bei >25 km/h wird zum russischen Roulette.
Das Start-Ampel-System: Basierend auf den Sicherheitsdaten des DHV und den Geländeregeln lässt sich folgendes Ampelsystem für die Flugentscheidung ableiten:
Zone Windgeschwindigkeit Bedingung Empfehlung GRÜN 0 – 15 km/h Ideal Schulungstauglich (nach den ersten 20 Flügen), entspanntes Starten, gute Thermiksuche möglich. GELB 15 – 20 km/h Anspruchsvoll Nur für routinierte Piloten. Rückwärtsstart zwingend. Erhöhte Aufmerksamkeit auf Böen ("Gusts") in den Holfuy-Daten. ORANGE 20 – 25 km/h Grenzbereich Expertenbereich. Sehr sportliche Bedingungen. Starke Leeturbulenzen am Landeplatz zu erwarten. Gefahr des "Ausgehebelt-Werdens" beim Start. ROT > 25 km/h FLUGVERBOT Lebensgefahr durch Rotoren und unkontrollierbare Startbedingungen. Grounding. Export to Sheets
Hinweis zur Windrichtung: Das Startfenster beschränkt sich strikt auf den Sektor NNW (ca. 330°) bis NNO (ca. 30°). Seitenwindstarts (West oder Ost) sind aufgrund der Waldschneise extrem gefährlich, da der Schirm sofort in die Lee-Seite der Bäume geraten kann.
Eine Besonderheit des Startplatzes ist der Naturschutz. Im Startbereich wurden Wacholdersträucher angepflanzt.
Die Regel: Diese Pflanzen sind sakrosankt. Sie dürfen weder betreten, noch geknickt, noch als "Leinenfänger" missbraucht werden.
Konsequenz für die Starttechnik: Das wilde "Aufziehen und Rausrennen" ist hier fehl am Platz. Der Pilot muss seinen Schirm präzise auslegen und kontrollieren. Ein kontrollierter Rückwärtsstart ist die Methode der Wahl, um sicherzustellen, dass keine Leinen in den Sträuchern verhakt sind, bevor Last auf das System kommt. Wer Pflanzen beschädigt, riskiert nicht nur Ärger mit dem Club, sondern gefährdet die behördliche Zulassung des Geländes.
Der Turm hinter dem Startplatz ist ein Segen für die meteorologische Einschätzung.
Wind-Check: Ein Blick auf die Fahnen oder Besucher auf der 35m hohen Plattform verrät den wahren, ungestörten Wind.
Scherungs-Warnung: Wenn auf dem Turm ein strammer Ostwind bläst, aber in der geschützten Startschneise (die vielleicht etwas tiefer und gedrehter liegt) scheinbar perfekter Nordwind herrscht, ist Vorsicht geboten. Sobald der Pilot die Hangkante verlässt und an Höhe gewinnt, trifft er auf die Scherungsschicht. Ein plötzliches Wegdrehen oder Einklappen kann die Folge sein.
Ein Flug an der Hohen Hardt ist selten ein Selbstläufer. Es ist ein Spiel mit feinen Nuancen.
Aufgrund der geringen Höhendifferenz ist der Übergang zwischen "Abgleiter", "Soaring" und "Thermikflug" fließend.
Das Soaring-Problem: Reines dynamisches Soaring (Hangaufwind) ist an der Hohen Hardt schwierig.
Ist der Wind stark genug zum Soaren (ca. 15-20 km/h), wird der Landeplatz im Tal oft turbulent.
Ist der Wind angenehm schwach, reicht der dynamische Auftrieb der kleinen Hangkante meist nicht aus, um die Höhe zu halten.
Fazit: Verlassen Sie sich nicht auf den Hangaufwind allein. Er ist meist nur der "Zubringer" zur Thermik.
Die Thermik-Trigger: Die Hohe Hardt funktioniert thermisch oft überraschend gut. Die Gründe liegen in der Exposition und dem Vorland.
Ortschaft Morsbach: Die Dächer und Asphaltflächen des Ortes heizen sich auf. Bei Nordwind driften diese Warmluftpakete genau an den Hang der Hohen Hardt.
Waldkanten: Die Übergänge von Wiese zu Wald an den Flanken des Berges dienen oft als Abrisskanten für Thermikblasen.
Taktik: Fliegen Sie aktiv! Suchen Sie nach dem Start nicht nur stur geradeaus. Tasten Sie den Bereich vor der Schneise und leicht seitlich ab. Wenn der Vario piept, gilt: Eng drehen! Weite Kreise führen sofort aus dem schmalen Bart heraus und kosten wertvolle Höhe, die man hier nicht hat.
Frühjahr (März–Mai): Die aktivste Zeit. Der Kontrast zwischen noch kühler Luft und der schon kräftigen Sonne sorgt für knackige Thermik. Hier sind die besten Überhöhungen möglich.
Sommer: Oft zäher. Die Inversionen können tief liegen. Abends jedoch oft wunderbar ruhige Bedingungen für verlängerte Abgleiter (ähnlich dem nahegelegenen Bottenberg ).
Herbst/Winter: Wenn eine stabile Nordwest-Strömung ansteht, kann man hier auch im Winter fliegen, solange der Zugangsweg begehbar ist.
Das Gelände ist offiziell für Toplandungen zugelassen , also das Landen oben am Startplatz.
Privileg: Dies ist nur eingewiesenen Piloten gestattet.
Voraussetzung: "Ausreichende Startüberhöhung". Man darf nicht versuchen, sich "von unten in den Hang zu hungern". Das endet meist in den Büschen oder im Lee.
Gefahr: Hinter der Startkante (Richtung Turm) lauert sofort der Lee-Bereich der Kuppe und des Turms selbst. Eine Toplandung muss präzise auf der Kante oder im vorderen Bereich der Schneise erfolgen. Wer zu weit nach hinten fliegt, fällt vom Himmel.
Abbruch: Wenn der Anflug nicht 100% passt: Durchstarten und zum offiziellen Landeplatz fliegen! Der Ehrgeiz, oben zu landen, hat schon viele Knochen gekostet.
Der Landeplatz in Morsbach genießt einen gewissen Ruf. Er wird in Datenbanken offiziell als "schwer" geführt. Dies ist keine Untertreibung, sondern eine Warnung.
Ort: Der Festplatz der Gemeinde Morsbach.
Markantes Merkmal: Er liegt direkt hinter dem Lidl-Supermarkt. Aus der Luft ist das große Flachdach des Discounters die perfekte Orientierungshilfe.
Koordinaten: N 50° 51' 47'' O 07° 43' 28''.
Höhe: ca. 204 m NN.
Der Landeplatz liegt tief im Tal, umgeben von Bebauung und Vegetation.
Das Lidl-Lee: Bei Nordwind (Startrichtung) muss man über den Lidl oder seitlich daran vorbei anfliegen. Hinter dem Gebäude und den umliegenden Häusern entstehen Leerotoren und Turbulenzen.
Effekt: In den letzten 10 bis 20 Metern über Grund – genau dann, wenn man die Landung ausflairt – kann die Luft extrem unruhig werden ("Waschmaschine"). Plötzliches Durchsacken oder asymmetrische Klapper im Endanflug sind möglich.
Gegenstrategie:
Fahrt ist Sicherheit: Fliegen Sie im Endanflug mit maximaler Trimmspeed (Hände hoch!). Bremsen Sie den Schirm nicht tot, um "genau auf dem Punkt" zu landen. Die Energie der Geschwindigkeit hilft, Turbulenzen zu durchschneiden und gibt Reserve für das Ausflairen.
Aktiv sitzen: Beine früh raus, aufrechte Körperhaltung, bereit für eine aktive Landung (Laufbereitschaft). Keine "Arschlandung" planen.
Ordnung ist am engen Landeplatz das halbe Überleben.
Westwind-Tendenz: Rechtsvolte (Rechts herum anfliegen).
Ostwind-Tendenz: Linksvolte (Links herum anfliegen).
Drachenflieger: Für Hängegleiter ist der Landeplatz "recht kurz". Ein präziser Endanflug ist essentiell. Ein Überschießen führt in Hindernisse (Zäune, Böschung).
Veranstaltungen: Der Name "Festplatz" ist Programm. Findet hier eine Kirmes, ein Zirkus oder ein Markt statt, ist der Landeplatz gesperrt. Die Belange der Gemeinde haben absoluten Vorrang.
Check: Vor dem Start vom Turm aus prüfen: Stehen Festzelte oder Wagenburgen auf dem Platz? Wenn ja: Flugverbot.
Wer in Morsbach fliegt, bewegt sich nicht im luftleeren Raum. Das Luftraumgefüge in NRW ist komplex.
Luftraum G (Unkontrolliert): Vom Boden bis 2500 ft AGL (Above Ground Level) bzw. 1000 ft AGL, je nach Sektor. Hier gilt Sichtflug (VFR).
Luftraum E (Kontrolliert): Beginnt darüber. Für Gleitschirme meist frei nutzbar, aber mit erhöhten Sichtweiten (1,5 km horizontal, 1000 ft vertikal Wolkenabstand).
Segelflugsektoren: Der Sektor "Köln Süd A" liegt nordwestlich. Wenn dieser aktiv ist, gelten spezifische Regeln. Meist tangiert er den lokalen Flugbetrieb an der Hohen Hardt jedoch nicht direkt, solange man keine weiten Streckenflüge nach Norden plant.
Siegerland Airport (EDGS): Der Flughafen Siegerland liegt östlich.
Gefahr: Bei Streckenflügen Richtung Osten (mit dem Westwind) kommt man der Kontrollzone (CTR) und den Anflugschneisen näher. Eine genaue Kenntnis der ICAO-Karte ist für XC-Piloten Pflicht. Die CTR Siegerland ist Luftraum D und für Gleitschirme ohne Freigabe tabu.
Baumlandung: Sollte der Start misslingen und man im Wald landen: Ruhe bewahren. Nicht abschnallen, solange man nicht gesichert ist. Hilfe rufen (Handy, Funk). Der Delta-Club hat Erfahrung mit Bergungen, aber die offizielle Rettungskette (112) ist im Zweifel vorzuziehen.
Funk: Frequenz des Delta-Clubs erfragen. Offizielle LPD/PMR Frequenzen nutzen.
Morsbach ist ein zugelassenes Gelände für Streckenflüge (XC) , auch wenn die Statistik keine 200-km-Rekorde ausweist.
Der Flaschenhals: Das Hauptproblem ist der Einstieg. Mit nur 130 m Arbeitshöhe muss der erste Bart sofort zentriert werden. Man hat selten eine zweite Chance.
Typische Routen:
Richtung Süden/Südost: Mit Nordwind Richtung Westerwald. Hier öffnet sich das Gelände und die Thermikquellen werden zahlreicher.
Herausforderung: Die Waldgebiete sind groß. Außenlandemöglichkeiten müssen vorausschauend geplant werden (Wiesen im Tal).
Vergleich: Im Gegensatz zu Winden-Schleppgeländen wie dem Bottenberg (wo man 450-500m Ausklinkhöhe hat und entspannt suchen kann ), ist der XC-Start in Morsbach ein "Kampfstart". Aber genau das macht den Reiz aus. Ein 30-km-Flug von der Hohen Hardt ist fliegerisch oft höher zu bewerten als ein 100-km-Flug vom Alpenhauptkamm.
Wenn der Wind nicht passt (Parawaiting) oder nach der Landung, bietet Morsbach eine angenehme Infrastruktur.
Ein guter Flugtag endet traditionell mit der Landebier-Analyse.
Bistro Alt Morsbach: Ein beliebter Treffpunkt. Die Terrasse bietet einen schönen Blick über den Ort – ideal, um den Flugtag Revue passieren zu lassen. Hier gibt es Frühstück (Sonntags) und klassische Bistro-Küche.
Restaurant Tri Angeli: Bietet einen interessanten Mix aus deutscher, indischer und italienischer Küche.
Hotel Goldener Acker: Wer länger bleibt: Ein Hotel, das explizit Hunde willkommen heißt und Arrangements für Wanderer (und somit auch Piloten) anbietet.
Der Skywalk: Auch ohne Schirm bietet der Aussichtsturm Nervenkitzel. Eine Stahlplattform ("Skywalk") ragt über den Abgrund. Perfekt, um die Höhenangst zu bekämpfen oder Begleitpersonen zu unterhalten.
Mountainbiking: Die Region verfügt über attraktive Trails, wie den "Trail vom Turm". Ein Mountainbike im Auto ist die perfekte Versicherung gegen fliegerischen Frust.
Ausweichfluggebiete:
Bottenberg (Freudenberg): Ca. 14 km entfernt. Ein Schleppgelände, ideal für entspannte Abendflüge.
Nordhelle: Ca. 19 km entfernt. Mit 610 m deutlich höher, aber andere Windausrichtung.
Wer sich in Morsbach unsicher fühlt, kann professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
Flugschule Oberberg: Bietet Ausbildung und kennt das Gelände bestens. Arno Gröbner ist ein Urgestein der Szene.
Flugschule Air-Touch: Nutzt das Gelände ebenfalls für Schulungen (nach den ersten 20 Flügen).
Morsbach Hohe Hardt ist ein Juwel für Piloten, die den Sport in seiner Breite verstehen. Es ist keine "Ballerwiese", sondern ein technisches Gelände, das Respekt einfordert. Wer hier sauber fliegt, fliegt überall sicher.
Um den Erhalt dieses Geländes zu sichern, bitten wir jeden Gastpiloten, diese fünf goldenen Regeln zu verinnerlichen:
Keine Einweisung = Kein Flug. (Ruf Rainer Bürger an! Es dient deiner Sicherheit.)
Zahle die 5 Euro Startgebühr unaufgefordert. (Ehrensache.)
Lauf zum Start. (Das Auto bleibt unten. Der Wald gehört den Tieren und Wanderern.)
Respektiere den Landeplatz. (Achte auf das Lidl-Lee und lande niemals im Festzelt.)
Achte auf das Windlimit. (Bei über 25 km/h oder starken Böen bleibst du am Boden. Der Berg läuft nicht weg.)
Wir wünschen "Happy Landings" im Oberbergischen!
Haftungsausschluss: Gleitschirmfliegen ist ein Risikosport. Dieser Bericht basiert auf den zum Zeitpunkt der Recherche verfügbaren Daten (Stand 2024/2026). Flugbedingungen, Auflagen, Telefonnummern und Ansprechpartner können sich ändern. Die Konsultation der aktuellen Aushänge vor Ort, der DHV-Datenbank und die Rücksprache mit dem Geländehalter sind vor jedem Flug obligatorisch.