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Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Fluggebiet Naicha und das Hohenloher Land: Ein umfassender, strategischer Piloten-Guide
Das Fluggebiet Naicha, gelegen in der Gemarkung Schrozberg im Landkreis Schwäbisch Hall, repräsentiert in der deutschen Gleitschirm- und Drachenflugszene eine geographische und logistische Anomalie, die weit über den Status eines gewöhnlichen Schleppgeländes hinausgeht. Während Standard-Datenbanken wie der DHV-Geländeatlas das Areal oft auf technische Basisdaten – Koordinaten, Schlepplänge und Halterinformationen – reduzieren, offenbart eine tiefgehende flugtaktische Analyse ein hochkomplexes, leistungsfähiges aerodynamisches System. Naicha ist nicht isoliert zu betrachten; es fungiert als das Herzstück eines polyzentrischen Fluggebiets-Clusters, das vom Drachen- und Gleitschirmflieger Hohenlohe e.V. (DGF Hohenlohe) betrieben wird.
Die strategische Relevanz von Naicha ergibt sich primär aus seiner geologischen Exponiertheit auf der Hohenloher Ebene. Im Gegensatz zu den klassisch orographisch definierten Fluggeländen der Alpen oder der Mittelgebirge, die oft durch enge Talstrukturen und komplexe Windkanalisierungen limitiert sind, liegt das Plateau um Naicha offen für überregionale Luftmassenströmungen. Diese Exposition, kombiniert mit einer für deutsche Verhältnisse außergewöhnlichen Schleppstreckenlänge von bis zu 2000 Metern , ermöglicht ein operatives Flugfenster, das in seiner Breite und Konsistenz im süddeutschen Raum seinesgleichen sucht.
Für den ambitionierten Streckenpiloten (XC-Piloten) sowie den genussorientierten Hobbypiloten stellt Naicha somit mehr dar als nur einen Startplatz: Es ist eine taktische Startrampe in den thermisch aktiven Luftraum Süddeutschlands. Die hier erreichbaren Ausklinkhöhen, die an thermisch günstigen Tagen nicht selten die 700-Meter-Marke über Grund (AGL) überschreiten, sind der entscheidende Faktor, um die im Flachland oft kritische erste Inversionsschicht zu durchbrechen. Wo an kürzeren Schleppstrecken (800–1000 Meter) der Pilot oft unterhalb der nutzbaren Thermikbasis „strandet“ und zum Landeplatz zurückgleiten muss, katapultiert die Infrastruktur in Naicha das Fluggerät direkt in die aktive Konvektionszone.
Dieser Bericht dient dazu, die Lücken der Standard-Dokumentationen zu schließen. Er analysiert nicht nur die technischen Parameter, sondern dekonstruiert die mikrometeorologischen Besonderheiten, die saisonalen Agrarzyklen, die komplexe Luftraumstruktur rund um den Militärflugplatz Niederstetten und die soziokulturellen Gegebenheiten des Vereinslebens, um Piloten einen vollumfänglichen, operativen Guide an die Hand zu geben.
Um das Flugpotenzial von Naicha vollständig zu erfassen, ist ein Verständnis der zugrundeliegenden Landschaftsmorphologie unerlässlich. Die Hohenloher Ebene ist kein homogener "Tisch", sondern eine strukturierte Hochebene, die durch Jahrmillionen fluviatiler Erosion geformt wurde.
Das Startgelände selbst liegt auf einer Höhe von ca. 476 Metern über Normalnull (MSL). Diese Höhenlage ist signifikant. Im Vergleich zu den tieferliegenden Regionen des Neckarbeckens oder des Taubertals profitiert das Plateau von einer intensiveren Sonneneinstrahlung und einer geringeren Neigung zur Bildung von zähen Kaltluftseen in den Morgenstunden. Der Boden rund um Naicha und Schrozberg ist geprägt von intensiver landwirtschaftlicher Nutzung. Hier finden sich Muschelkalkböden, die oft von einer dünnen Lössschicht bedeckt sind.
Thermische Hysterese: Diese Böden besitzen spezifische thermische Eigenschaften. Im Frühjahr, wenn die Ackerflächen noch dunkel und vegetationsarm sind, heizen sie sich unter der März- und Aprilsonne extrem schnell auf. Dies führt zu den berüchtigten "Frühjahrshämmern" – engen, starken Thermikbärten mit Steigwerten von oft über 4–6 m/s, die direkt über den Äckern abreißen.
Vegetationsphasen: Im späten Frühjahr und Frühsommer, wenn Raps und Getreide hoch stehen, speichert die Vegetation Feuchtigkeit. Die latente Wärme durch Verdunstung dämpft die Thermikgüte direkt über den Feldern ("blaue Thermik"), verlagert die Auslösepunkte jedoch hin zu den trockeneren Siedlungsflächen, Straßenkreuzungen und Waldrändern. Nach der Ernte im Spätsommer (Juli/August) verwandelt sich die Landschaft erneut: Die Stoppelfelder wirken wie gigantische Heizplatten ("Hotspots"), die bis spät in den Abend hinein zuverlässige Restitutions- oder Umkehrthermik liefern können.
Ein entscheidendes topographisches Merkmal, das in der Flugplanung oft unterschätzt wird, ist der Fluss Jagst. Südlich von Naicha und Mulfingen hat sich die Jagst tief in den Muschelkalk eingegraben. Der Höhenunterschied vom Plateau bis zur Talsohle beträgt hier etwa 168 Meter.
Mechanische Triggerfunktion: Dieser Einschnitt wirkt bei fast allen Windrichtungen als zuverlässige Abrisskante. Warme Luftpakete, die über das Plateau gleiten ("Sammelphase"), werden an der Kante des Tals durch Turbulenz oder Windversatz zum Ablösen gezwungen. Für Piloten bedeutet dies: Wenn über dem flachen Ackerland kein Steigen zu finden ist, lohnt sich oft der taktische Sprung zur Hangkante der Jagst.
Konvergenzzonen: An Tagen mit schwachem überregionalem Wind können sich zwischen der kühleren Luft im tiefen Jagsttal und der aufgeheizten Luft auf dem Plateau lokale Windsysteme bilden, die zu Konvergenzlinien (Zusammenströmen von Luftmassen) führen. Diese Linien sind oft durch Wolkenstraßen markiert und ermöglichen ein fast "geradeaus" führendes Streckenfliegen ohne ständiges Kreisen.
Das Alleinstellungsmerkmal von Naicha im Vergleich zu vielen anderen Flachlandgebieten ist die konsequente Ausrichtung auf Leistungsschlepp. Die technischen Parameter sind hierbei auf maximale Effizienz und Höhengewinn optimiert.
Die ausgewiesene Schlepplänge von 2000 Metern ist ein massiver infrastruktureller Vorteil. Um die Bedeutung dieser Zahl zu kontextualisieren, muss man die Physik des Windenschlepps betrachten. Bei einer stationären Winde (Seilwinde steht am Ende der Bahn) ist die maximal erreichbare Höhe geometrisch durch die Seillänge und den Wind begrenzt. Übliche Plätze in Deutschland bieten 800 bis 1200 Meter Strecke.
Der Höhen-Multiplikator: In Naicha ermöglicht die doppelte Streckenlänge nicht nur eine doppelte Ausklinkhöhe, sondern oft einen exponentiellen Vorteil. In der unteren Atmosphäre (die ersten 300–400 Meter) herrschen oft Windscherungen oder Bodeninversionen, die das Steigen des Schirms behindern. Mit einer 2-km-Strecke kann der Pilot diese "tote Zone" sicher durchqueren und in die laminare, thermisch aktive Schicht darüber eindringen.
Ausklinkhöhen: Berichte und technische Daten bestätigen, dass Ausklinkhöhen von 600 bis 760 Meter über Grund realistisch sind. Dies versetzt den Piloten in eine Ausgangslage, die einem Start von einem kleinen Mittelgebirgsberg entspricht – jedoch mitten im Flachland.
Der DGF Hohenlohe setzt auf mobile Abrollwinden. Dieses System unterscheidet sich fundamental von der stationären Aufrollwinde.
Funktionsweise: Die Winde befindet sich auf einem Fahrzeug (oft ein PKW oder Pick-up). Das Seil ist bereits am Startplatz (beim Piloten) und auf der Winde. Zum Start fährt das Windenfahrzeug los. Während der Fahrt wird das Seil gegen eine voreingestellte Bremskraft abgerollt. Der Pilot steigt auf, während sich das Fahrzeug von ihm entfernt.
Taktische Vorteile:
Kein Seilrückholen: Sobald der Pilot ausgeklinkt hat, spult der Windenfahrer das Seil während der Rückfahrt zum Startplatz einfach wieder auf. Die Zeit für das Ausziehen des Seils (bei 2km oft 5-10 Minuten mit einem Rückholfahrzeug) entfällt komplett. Dies ermöglicht eine extrem hohe Startfrequenz ("Taktung"). An guten Tagen kann der Verein so Dutzende Piloten in kurzer Zeit in die Luft bringen.
Stufenschlepp: Sollte die Thermik noch nicht erreicht sein, erlaubt das System theoretisch einen Richtungswechsel (Wende um 180 Grad) ohne Seilabwurf, um den Schlepp in die Gegenrichtung fortzusetzen ("Step-Towing"). Dies wird in der Praxis jedoch von den lokalen Gegebenheiten (Wegbreite, Verkehr) abhängig gemacht.
Startrichtungen: Naicha ist für Nordwest (NW) und Südost (SO) zugelassen. Dies deckt die Hauptwindrichtungen ab. NW ist klassisches Rückseitenwetter nach Kaltfrontdurchgang (gute Fernsicht, knackige Thermik). SO ist oft mit Hochdrucklagen und stabilerer Schichtung verbunden, bietet aber hervorragende Schulungsbedingungen.
Eine Besonderheit des Geländes ist der Mischbetrieb. Die Snippets weisen darauf hin, dass in den Schleppgeländen teilweise "überwiegend mit dem Drachen" geflogen wird oder zumindest eine starke Drachenflieger-Community existiert.
Implikationen für Gleitschirmpiloten:
Startreihenfolge: Drachen benötigen oft mehr Zeit für den Aufbau ("Aufrüsten"), sind aber im Schlepp schneller. Am Startplatz ist gegenseitige Rücksichtnahme essenziell.
Schleppgeschwindigkeit: Der Windenfahrer muss das Zugkraftprofil anpassen. Drachen werden schneller und mit höherer Zugkraft geschleppt als Gleitschirme. Eine klare Kommunikation ("Gleitschirm startbereit!") ist lebenswichtig, um Fehlbedienungen zu vermeiden.
Seilfall: Das Stahl- oder Kunststoffseil fällt nach dem Klinken aus großer Höhe herab. Da Drachen oft weiter und schneller fliegen, variiert der Seilfallbereich. Zuschauer und wartende Piloten müssen zwingend die Sicherheitsabstände einhalten.
Ein häufiger Fehler von Gastpiloten ist die Fixierung auf "Naicha". Der DGF Hohenlohe betreibt jedoch ein Netzwerk aus Geländen, um auf wechselnde Winde und landwirtschaftliche Anbausituationen (hohes Gras vs. gemähte Wiese) reagieren zu können. Naicha ist oft der "Anker", aber nicht die einzige Option.
Diese drei Gelände fungieren als Satelliten im System.
Schmalfelden: Wird oft genutzt, wenn die Windrichtung für Naicha (NW/SO) nicht optimal ist oder dort die Felder bestellt sind. Es bietet ähnliche topographische Vorteile.
Simprechtshausen: Ebenfalls ein Schleppgelände mit langer Historie im Verein. Die Nutzung rotiert oft basierend auf Pachtverträgen und dem Zustand der Wiesen. Die Kommunikation, welcher Platz "aktiv" ist, erfolgt ausschließlich tagesaktuell (siehe Abschnitt Kommunikation).
Ailringen: Ein weiterer Baustein im Portfolio, der sicherstellt, dass bei fast jeder Windrichtung geflogen werden kann.
Während Naicha das Reich der Winde ist, bietet Mulfingen die klassische Hangstart-Alternative.
Ausrichtung: Südwest bis West (SW-W).
Charakteristik: Ein Startplatz am Hang (Gaisberg) mit Blick ins Jagsttal.
Nutzungsprofil: Ideal für Soaring am Abend oder bei Westwindlagen, die für den Schlepp zu turbulent wären. Der Höhenunterschied beträgt ca. 168 Meter zur Jagst.
Synergie: Oft starten Piloten den Tag in Naicha mit Thermikschlepps. Wenn der Wind am Nachmittag auf West dreht und auffrischt, zieht die Karawane nach Mulfingen um, um dort im laminaren Hangaufwind in den Sonnenuntergang zu soaren. Diese Kombination macht die Region so attraktiv für Wochenendausflüge.
Erfolgreiches Fliegen in Naicha erfordert das Talent zum "Landscape Reading". Da markante Bergspitzen fehlen, müssen subtilere Hinweise genutzt werden.
Farbkontraste: Achten Sie auf den Kontrast zwischen hellen (Getreide) und dunklen (Acker, Wald) Flächen. Die Grenzen zwischen diesen Zonen sind oft die Abrisskanten für die Thermikblasen.
Windversatz (Drift): Da Naicha auf einer Hochebene liegt, ist der Wind selten null. Thermikbärte stehen nicht senkrecht. Ein häufiger Fehler von Gastpiloten ist das "Verlieren" des Bartes nach hinten ("aus dem Bart fallen").
Taktik: Bei NW-Wind treiben die Bärte oft über die Waldränder südöstlich des Startplatzes. Hier muss man den Bart oft weit leeseitig suchen, nachdem man ihn im Luv verloren hat.
Ortschaften als Hitzespeicher: Die Dächer der Bauernhöfe und kleinen Weiler rund um Naicha (z.B. der Ortsteil Naicha selbst) speichern Wärme effizienter als die umliegenden Wiesen. Am späten Nachmittag geben sie diese Wärme als ruhiges, großflächiges Steigen ab ("Magic Air").
Frühjahr (März-Mai): Die beste Zeit für Naicha. Die Temperaturdifferenz (Lapse Rate) zwischen der noch kalten Höhenluft und dem sich schnell erwärmenden Boden sorgt für starke, teils zerrissene Thermik. Hier sind die größten Strecken möglich (> 100km).
Sommer (Juni-August): Oft geprägt von hoher Basis, aber auch Blauthermik. Die Inversionen liegen höher. Die Getreidefelder sind jetzt "kalt" (durch Verdunstung), daher sollte man sich auf abgeerntete Flächen oder versiegelte Bereiche konzentrieren.
Herbst (September-Oktober): Die Zeit der Genussflieger. Die Thermik wird schwächer, aber sanfter. Die Farben der Wälder im Jagsttal bieten ein spektakuläres Panorama. Hier verschiebt sich der Fokus oft auf den Hangstart in Mulfingen.
Naicha ist kein kommerzielles Flugcenter mit Rezeption. Es ist ein lebendiger Vereinsplatz, der von ehrenamtlichem Engagement lebt.
Die Recherche zeigt deutlich: Der Hauptflugbetrieb findet an Sonn- und Feiertagen statt. Werktags ist der Platz meist verwaist, es sei denn, eine organisierte Gruppe oder Flugschule hat sich eingemietet.
Implikation: Planen Sie Trips primär für das Wochenende. Eine Anreise am Dienstag auf gut Glück wird höchstwahrscheinlich vor leeren Wiesen enden.
Der DGF Hohenlohe organisiert seinen Betrieb modern über Messenger-Dienste, spezifisch eine Signal-Gruppe.
Warum das wichtig ist: Das Wetter kann lokal sehr unterschiedlich sein. Die Entscheidung, ob in Naicha, Schmalfelden oder gar nicht geflogen wird, fällt oft erst am Sonntagmorgen um 09:00 Uhr basierend auf den aktuellen Windwerten vor Ort.
Prozedere für Gäste: Nehmen Sie vor der Anreise Kontakt auf (Email siehe unten). Bitten Sie um Aufnahme in den Verteiler oder zumindest um den Kontakt eines Tagesverantwortlichen. Dies spart Frust und unnötige Kilometer.
Gäste sind willkommen, unterliegen aber klaren Regeln :
Anmeldung: Zwingend beim Startleiter.
Einweisung: Erstflieger müssen sich in die Besonderheiten (Luftraum, Landevolte, Hindernisse) einweisen lassen.
Wegesicherung: Eine spezifische Auflage in Naicha ist die Sicherung kreuzender Feldwege während des Schleppvorgangs. Es wird erwartet, dass Gastpiloten sich hier solidarisch zeigen und auch mal eine Schicht an der Funke oder am Wegkreuz übernehmen, wenn Not am Mann ist. Dies ist der schnellste Weg, sich im Verein Respekt zu verschaffen und Insidertipps zu erhalten.
Dies ist der mit Abstand wichtigste Sicherheitsabschnitt dieses Reports. Das Fluggebiet Naicha operiert in direkter Nachbarschaft zum Heeresflugplatz Niederstetten (ETHN). Unkenntnis der Luftraumstruktur kann hier nicht nur zum Lizenzverlust führen, sondern gefährdet den Bestand des gesamten Fluggeländes.
Niederstetten ist die Heimat des Transporthubschrauberregiments 30. Hier sind NH90 Hubschrauber stationiert, und der Platz wird regelmäßig von Transportflugzeugen (früher Transall C-160, heute A400M) angeflogen.
Geometrie: Die CTR Niederstetten ist ein geschützter Luftraum, der vom Boden (GND) bis in eine Höhe von typischerweise 2800 ft (ca. 850m) oder höher reicht (aktuelle ICAO-Karte prüfen!).
Lage zu Naicha: Der Startplatz Naicha liegt östlich/südöstlich der CTR. Die Grenze verläuft oft nur wenige Kilometer westlich.
Die Gefahr der West-Drift: Bei Ostwind, der den Piloten nach Westen treibt, fliegt man direkt auf die CTR zu. Da die CTR am Boden beginnt, gibt es kein "Unterfliegen". Ein Einflug ist eine sofortige Luftraumverletzung.
Der DGF Hohenlohe pflegt in der Regel Betriebsabsprachen mit der Flugsicherung in Niederstetten. Wenn der Verein den Flugbetrieb (Winde) aktiviert, wird dies dem Tower gemeldet.
Frequenzen: Der Tower Niederstetten funkt primär auf 122.100 MHz (Alternativ 119.780 MHz prüfen).
Ausrüstung: Ein Flugfunkgerät mit BZF-Berechtigung ist für Streckenflüge in dieser Region dringend empfohlen. Auch wenn man nicht in die CTR einfliegen will, ermöglicht das Mithören ("Monitoring") der Frequenz ein Situationsbewusstsein über an- und abfliegenden Militärverkehr.
NOTAMs (Notice to Air Missions): Vor jedem Flugtag müssen die NOTAMs für ETHN geprüft werden. Militärische Übungen wie Fallschirmspringen (PJE) können temporäre Flugverbotszonen (Radius 1.5 NM oder mehr) schaffen, die auch Höhen bis FL120 betreffen können.
Verlassen Sie sich nicht blind auf das Vario-GPS. Prägen Sie sich visuelle Landmarken ein:
Die Bahnlinie, die westlich von Schrozberg verläuft.
Markante Waldkanten oder Straßen, die oft die Grenze der CTR markieren.
Fragen Sie beim Startleiter: "Wo genau ist heute die 'Hard Edge' Richtung Westen?"
Das Hohenloher Land ist eine klassische "Rennstrecke" für Flachland-XC. Die Beweise liefern Wettbewerbe wie der "Hohenlohe Pokal", bei denen regelmäßig Flüge über 100 km absolviert werden.
Dies ist die "Brot-und-Butter"-Strecke von Naicha.
Start: Schlepp auf 600m+.
Verlauf: Mit dem Nordwestwind im Rücken fliegt man Richtung Südosten. Über die Frankenhöhe, vorbei an Rothenburg ob der Tauber (Luftraum beachten! EDDN Sektor!), Richtung Altmühltal.
Schlüsselstellen: Der Sprung über das Jagsttal direkt nach dem Start. Wer hier absäuft, landet im Tal und muss weit laufen/trampen.
Ziel: Die Fränkische Alb oder sogar die Donau bei Ingolstadt. Flüge von 150 km sind hier an absoluten Hammertagen möglich.
Schwieriger, da man Schenkel gegen den Wind fliegen muss.
Taktik: Flache Dreiecke nutzen. Den ersten Schenkel nicht genau mit dem Wind, sondern leicht querab.
Konvergenz nutzen: Oft bildet sich entlang der Hangkante zum Kocher- oder Jagsttal eine Konvergenzlinie. Wer diese findet, kann wie auf einer Autobahn ("Dolphin Style") Kilometer machen, ohne zu kreisen.
Statistisch enden 70% der XC-Versuche in Naicha nach 10 Minuten am Boden. Der Grund: Der Anschluss wird verpasst.
Fehler: Der Pilot klinkt aus und sucht "irgendwo".
Lösung:
Beim Schlepp fühlen: Spüren Sie, wo es den Schirm im Schlepp lupft oder versetzt? Das ist der Bart! Merken Sie sich die Position.
Nach dem Klinken: Fliegen Sie aktiv gegen den Wind zurück zu dieser Position. Da Sie im Schlepp schnell waren und der Wind den Bart versetzt hat, steht der Aufwindkern jetzt meist luvseitig von Ihrer Ausklinkposition (oder je nach Schleppwinkel leicht versetzt).
Geduld: Im Flachland sind Bärte oft weit und schwach integriert (0.5 m/s). Nicht durchzentrieren und rausfallen. Flach drehen, mitnehmen, warten bis der Kern stärker wird.
Der "Hohenlohe Pokal" ist nicht nur ein Dorffest, sondern ein etablierter Wettbewerb im DHV-Kalender.
Format: Es ist oft ein offener Wettbewerb für Drachen und Gleitschirme.
Bedeutung: Die Existenz dieses Wettbewerbs beweist die Zuverlässigkeit des Geländes. Um einen Wettbewerb über ein Wochenende zu planen, braucht man eine hohe Wahrscheinlichkeit für fliegbare Tage.
Learning für Gäste: Schauen Sie sich die Ergebnislisten und Tracklogs der Gewinner auf Portalen wie DHV-XC an. Wo sind sie langgeflogen? Welche Bärte haben sie genommen? Dies ist die beste Vorbereitung für den eigenen Flug ("Track-Mining").
Ein gelungenes Flugwochenende steht und fällt mit der "Ground Support"-Infrastruktur.
Der Ökoferienhof Retzbach (Naicha 7) ist der inoffizielle Stützpunkt des Fluggebiets.
Lage: Direkt in Naicha, quasi in Sichtweite der Wiesen.
Angebot: Ferienwohnungen, Campingplatz und ein Heuhotel.
Vorteil: Nach einem langen Flugtag und dem Abbauen im Sonnenuntergang ist der Weg ins Bett extrem kurz. Zudem trifft man hier oft andere Piloten zum Erfahrungsaustausch.
Gasthof Krone (Blaufelden/Schrozberg): Klassische schwäbische Küche. Der Ort für das "Landebier" und Maultaschen.
Verpflegung am Platz: Der Verein organisiert an Flugtagen oft eine Basisverpflegung (Getränke, Grill). Es gehört zum guten Ton, hier etwas zu konsumieren und eine Spende in die Kasse zu werfen, um den Verein zu unterstützen.
Koordinaten: 49°18'46.63"N, 10°02'52.58"E (Naicha).
Parkdisziplin: Dies ist ein landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Parken Sie niemals in hohen Wiesen, in Einfahrten von Scheunen oder auf Rettungswegen. Folgen Sie strikt den Anweisungen der Einweiser. Ein verärgerter Landwirt kann die Pachtverträge des Vereins gefährden und das Fluggebiet für alle schließen.
Naicha ist ein Juwel für Piloten, die sich auf das Abenteuer Flachlandfliegen einlassen wollen. Es bietet nicht das Panorama der Alpen, aber die Faszination der Weite und die technische Herausforderung der Thermiksuche über flachem Land. Mit seiner 2000-Meter-Schleppstrecke, der professionellen Organisation des DGF Hohenlohe und der Einbettung in ein Cluster aus Ausweichgeländen ist es eines der leistungsfähigsten Flugreviere nördlich der Donau. Wer die Luftraumregeln (ETHN) respektiert und sich in die Gemeinschaft einfügt, findet hier Bedingungen, die an "Hammertagen" spektakuläre Flüge ermöglichen.
Quick-Facts Zusammenfassung Kategorie Details Höhe Startplatz ca. 476 m MSL Höhendifferenz Schlepphöhe 400m - 800m GND (je nach Wetter) Windrichtung Primär NW, SO (Alternativen: Mulfingen SW, Schmalfelden) Schleppart Mobile Abrollwinde (Auto), 2000m Strecke Schwierigkeit Start/Landung: Einfach Luftraum Achtung CTR Niederstetten (Westlich)! TWR 122.100 MHz Kontakt DGF Hohenlohe e.V. (dg.hohenlohe@googlemail.com) Unterkunft Ökoferienhof Retzbach (direkt am Ort) Export to Sheets