
1 Startplatz, 2 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Umfassende Analyse und Leitfaden für das Fluggelände Lauf / Sodkopf: Eine Expertise für Gleitschirm- und Drachenpiloten
Das Fluggelände am Sodkopf in der Gemeinde Lauf im Nordschwarzwald repräsentiert eine der geschichtsträchtigsten und technisch anspruchsvollsten Flugregionen Deutschlands. Gelegen an der markanten Abbruchkante des Schwarzwaldes zur Rheinebene, bietet dieser Standort eine einzigartige Symbiose aus thermischen Aufwinden und dynamischen Soaring-Möglichkeiten. Ursprünglich als reines Drachenfluggelände etabliert, wurde es im Jahr 1996 für Gleitschirmflieger erweitert und wird heute vom Flugsportverein Windeckfalken Lauf e.V. mit hoher Professionalität betreut. Der Sodkopf ist nicht nur ein Startplatz, sondern ein komplexes meteorologisches System, das eine präzise Kenntnis der lokalen Windströmungen, der Luftraumstruktur und der ökologischen Rahmenbedingungen erfordert. Dieser Bericht analysiert alle flugrelevanten Aspekte in einer Tiefe, die über Standarddokumentationen hinausgeht, um Piloten eine fundierte Entscheidungshilfe und ein umfassendes Handbuch für den Besuch dieses Geländes zu bieten.
Executive Summary für Piloten
Der Sodkopf (ca. 800 m ü. NN) ist ein Waldschneisenstartplatz mit einer West-Nordwest-Ausrichtung, der eine Höhendifferenz von etwa 380 m zum Hauptlandeplatz im Laufbachtal aufweist. Er ist charakterisiert durch ein striktes Shuttle-Konzept: Eine private Auffahrt zum Startplatz ist untersagt; der Transport erfolgt ausschließlich über den vereinseigenen Bus, der an fliegbaren Wochenenden ab 13:00 Uhr vom Landeplatz startet. Meteorologisch ist der Standort bei West- und Nordwestwinden ideal, birgt jedoch bei Südwestlagen erhebliche Gefahren durch Leebildung. Die Nähe zu den kontrollierten Lufträumen von Baden-Baden und Straßburg macht eine gewissenhafte Flugvorbereitung und die Nutzung von GPS-gestützten Luftraumwarnungen zur Pflicht. Für Streckenflug-Aspiranten bietet das Gelände ein hohes Potenzial nach Süden, wie der bestehende Rekord von über 128 km eindrucksvoll belegt. Gastpiloten sind willkommen, müssen jedoch eine Einweisung durch ein Vereinsmitglied absolvieren und die spezifischen Gelände- und Flugregeln respektieren.
Geografische und technische Standortanalyse
Die Topografie des Sodkopfes ist typisch für den Westrand des Schwarzwaldes. Der Berg fällt steil zur Rheinebene ab, was eine effiziente Umwandlung von horizontaler Windenergie in vertikalen Auftrieb ermöglicht.
Technische Daten und GPS-Referenzen
Die präzise Kenntnis der Standortkoordinaten und Höhen ist für die Flugplanung, insbesondere bei der Programmierung von Fluginstrumenten und der Berechnung von Gleitpfaden, von essenzieller Bedeutung.
Parameter Spezifikation Startplatz Name
Sodkopf (Lauf)
Höhe Startplatz
ca. 800 m ü. NN
Höhe Landeplatz (In der Au)
ca. 420 m ü. NN
Höhendifferenz
ca. 380 m
GPS-Koordinaten Start
N 48°38'42" E 008°09'30" (Referenzwert)
GPS-Koordinaten Landeplatz
N 48°38'36" E 008°07'48"
Startrichtung
W, NW, WNW
Schwierigkeitsgrad
Mittel (Anspruchsvoller Schneisenstart)
Die Berechnung der aerodynamischen Leistung, die erforderlich ist, um den Hauptlandeplatz sicher zu erreichen, kann über die Gleitzahl G definiert werden. Bei einer Distanz von ca. 2,5 km zwischen Start und Landung ergibt sich folgende Anforderung:
G= H o ¨ hendifferenz Distanz
= 380m 2500m
≈6,58
Während moderne Gleitschirme Gleitzahlen zwischen 8 und 10 erreichen, muss der Pilot einkalkulieren, dass bei Gegenwindkomponenten (Westwind) die Gleitzahl über Grund (G GND
) signifikant sinkt. Eine Sicherheitsreserve für die Landevolte ist zwingend einzuplanen, insbesondere da die Landewiese durch Thermik und Hindernisse eine präzise Einteilung erfordert.
Logistik und Zugang: Das Shuttle-Konzept
Eine Besonderheit des Sodkopfes ist die strikte Trennung von Individualverkehr und Flugbetriebszugang. Um die ökologische Integrität des Waldgebiets zu wahren und den Wildbestand vor übermäßigem Stress durch wechselnden Fahrzeugverkehr zu schützen, wurde ein bindendes Transportreglement geschaffen.
Der Vereins-Shuttle und Parkraummanagement
Der offizielle Treffpunkt für Piloten ist der Parkplatz am Landeplatz "In der Au". Dieser befindet sich am Ortsrand von Lauf in Richtung Glashütte, schräg gegenüber dem ehemaligen Schwimmbad. Hier befindet sich auch die Vereinsgarage der Windeckfalken.
Der Transport zum Startplatz darf ausschließlich mit dem vereinseigenen Bus erfolgen. An Wochenenden und Feiertagen, sofern das Wetter fliegbar ist, startet dieser Dienst in der Regel ab 13:00 Uhr. Die Gebühr für die Auffahrt beträgt 4 € pro Gleitschirm oder Drachen und ist direkt beim Busfahrer zu entrichten. Dieses System stellt sicher, dass nur eine begrenzte Anzahl von Piloten gleichzeitig am Startplatz ist, was die Sicherheit und die Qualität des Flugerlebnisses erhöht.
Anforderungen für Gastpiloten
Die Windeckfalken Lauf e.V. sind für ihre Gastfreundschaft bekannt, stellen jedoch klare Bedingungen an Besucher, um den Fortbestand des Geländes zu sichern:
Einweisungspflicht: Vor dem ersten Flug am Sodkopf ist eine persönliche Einweisung durch ein Vereinsmitglied zwingend erforderlich. Diese Einweisung umfasst nicht nur die Start- und Landetechnik, sondern auch die kritische Besprechung der Luftraumgrenzen.
Startliste: Jeder Pilot muss sich in die am Startplatz ausliegende Liste eintragen. Dies dient sowohl der statistischen Erfassung als auch der Sicherheit im Falle von Vermisstenmeldungen.
Lärmvermeidung: Der Startplatz liegt in einem sensiblen Bereich. Unnötiger Lärm ist zu vermeiden, um die Akzeptanz des Geländes bei Forstbehörden und Jagdpächtern nicht zu gefährden.
Funk: Die Nutzung eines Funkgeräts wird empfohlen. Der lokale Vereinfunk arbeitet auf LPD Kanal 62 (434,600 MHz) mit dem Subkanal 8 (CTCSS 88,5 Hz).
Flugmeteorologie: Wind, Thermik und Gefahrenpotential
Die Lage des Sodkopfes an der Westkante des Schwarzwaldes macht ihn zu einem exzellenten Standort für Flüge bei Westwetterlagen. Doch die topografische Komplexität erfordert ein tiefes Verständnis der lokalen Luftmassenbewegungen.
Optimale und gefährliche Windrichtungen
Die Entscheidung für oder gegen einen Start am Sodkopf hängt primär von der Windrichtung und -stärke ab. Der Startplatz ist als Waldschneise konzipiert, was spezifische aerodynamische Effekte nach sich zieht.
Windrichtung Bewertung Phänomenologie West (W) Optimal
Direkte Anströmung der Schneise, ideal für dynamisches Soaring und Thermikeinstieg.
Nordwest (NW) Sehr gut
Leichte Queranströmung, oft mit stabileren Aufwindbändern entlang der Waldkante.
Südwest (SW) Gefährlich
Der Startplatz liegt im Lee. Turbulenzen und "Waschküchen-Effekte" in der Schneise möglich. Starts nur bei sehr schwachem Wind vertretbar.
Nord (N) Kritisch
Führt zu Lee-Rotoren am Landeplatz im Tal. Landung wird extrem anspruchsvoll.
Thermische Charakteristik und Triggerpunkte
Die Thermik am Sodkopf entwickelt sich primär aus den dunklen Waldflächen und den unterhalb gelegenen Weinbergen. Da der Hang nach Westen ausgerichtet ist, setzt die thermische Aktivität oft erst gegen Mittag oder am frühen Nachmittag voll ein, erreicht dann aber eine beachtliche Intensität.
Ein klassischer Thermik-Triggerpunkt befindet sich südlich der Startschneise über einer markanten Felsnische und einem Waldvorsprung. Lokale Piloten nutzen diesen Bereich oft als "Hausbart", um die notwendige Höhe für den Abflug in Richtung Hornisgrinde oder für Streckenflüge nach Süden zu gewinnen. Im Frühjahr, wenn die Temperaturunterschiede zwischen der Rheinebene und den noch kühlen Schwarzwaldhöhen am größten sind, können Steigwerte von über 5m/s erreicht werden. Die Thermikbasis liegt an guten Tagen zwischen 1.800 m und 2.500 m ü. NN.
Die Technik des Schneisenstarts
Der Start am Sodkopf erfolgt aus einer ca. 35 Meter breiten Waldschneise. Dies erfordert eine präzise Starttechnik, da die Bäume zu beiden Seiten keinen Raum für Fehler lassen.
Aerodynamik in der Waldschneise
In einer Waldschneise verhält sich der Wind oft wie in einem Venturi-Rohr. Die Strömungsgeschwindigkeit kann in der Mitte der Schneise höher sein als an den Rändern, während direkt hinter der Baumkante Rotoren entstehen können. Für den Piloten bedeutet dies:
Zentrales Aufziehen: Der Schirm muss absolut mittig und stabil über dem Piloten stehen, bevor der Startlauf beginnt. Ein seitliches Ausbrechen führt unweigerlich in die Bäume.
Beschleunigungsphase: Der Pilot muss den Schirm aktiv führen und darf sich nicht zu früh ins Gurtzeug setzen. In der Schneise ist ein langer, entschlossener Startlauf bis über die Kante hinaus essenziell.
Übergang in den freien Wind: Beim Verlassen der Schneise tritt der Pilot in die ungestörte Strömung ein. Hier kann es zu einem plötzlichen Anstieg des Auftriebs oder zu einem Nickmoment kommen, das durch sensible Bremsführung abgefangen werden muss.
Physikalische Grundlagen des Startvorgangs
Der Auftrieb L eines Gleitschirms beim Start wird durch die Formel L= 2 1
ρv 2 SC L
beschrieben, wobei ρ die Luftdichte, v die Geschwindigkeit gegenüber der Luft, S die Flügelfläche und C L
der Auftriebsbeiwert ist. In der Schneise am Sodkopf ist die Luft oft etwas turbulenter, was die effektive Anströmgeschwindigkeit v schwanken lässt. Ein erfahrener Pilot hält den Schirm daher in der Aufziehphase leicht angebremst, um den C L
zu erhöhen und den Schirm stabil zu halten, bevor er für den eigentlichen Abflug die Bremsen löst, um maximale Geschwindigkeit für den Übergang in den freien Luftraum aufzunehmen.
Navigation und Luftraummanagement
Die geografische Lage des Sodkopfes erfordert eine außergewöhnlich hohe Aufmerksamkeit bezüglich der Luftraumstruktur. Der Standort befindet sich im Einzugsbereich zweier bedeutender Verkehrsflughäfen: Baden-Baden (Karlsruhe/Baden-Airpark) und Straßburg (Entzheim).
Die "unsichtbaren Mauern"
Piloten am Sodkopf operieren in einem Umfeld, das durch komplexe Kontrollzonen (CTR) und Nahkontrollbezirke (TMA) definiert ist.
Luftraum-Objekt Relevanz für den Sodkopf CTR Baden-Baden
Beginnt nördlich des Fluggeländes. Einflug ohne Freigabe strengstens untersagt.
CTR Straßburg
Befindet sich westlich in der Rheinebene. Relevanz bei weiten Talquerungen.
Luftraum Echo
In diesem Bereich darf bis FL 100 (ca. 3.000 m) geflogen werden, sofern keine anderen Beschränkungen vorliegen.
Transponderpflicht
In Deutschland ab 5.000 ft MSL in bestimmten Sektoren. Am Sodkopf ist die Nutzung von Flarm/ADS-B zur Kollisionsvermeidung dringend empfohlen.
Die Missachtung dieser Lufträume führt nicht nur zu rechtlichen Konsequenzen für den Einzelnen, sondern gefährdet die Zulassung des gesamten Fluggeländes. Die Windeckfalken stellen hierzu detaillierte Informationen und KML-Dateien für Navigationsgeräte zur Verfügung, deren Nutzung für Gastpiloten als obligatorisch betrachtet werden sollte.
Streckenflugpotenzial (XC) und Taktikanalyse
Der Sodkopf ist weit mehr als ein Übungshang. Für erfahrene Piloten dient er als Startpunkt für anspruchsvolle Streckenflüge durch den Schwarzwald. Die Thermikentwicklung am Westhang ermöglicht Flüge, die tief in den Südschwarzwald führen können.
Analyse des Rekordfluges von Arthur Schäfert
Am 29. Mai 2022 wurde am Sodkopf ein neuer Streckenflugrekord aufgestellt, der die Leistungsfähigkeit dieses Standorts demonstriert. Arthur Schäfert flog eine Distanz von 128,5 km vom Sodkopf bis nach Schopfheim an der Schweizer Grenze.
Die Flugtaktik dieses Rekordes lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Der Einstieg: Trotz böigem Nordwind gelang es, über dem Sodkopf in der Thermik auf ca. 1.000 m ü. NN aufzusteigen.
Die Route: Der Flug führte über Kappelrodeck, Oberkirch und Oppenau nach Süden. In diesem Bereich wurde die Thermik mit zunehmender Dauer stabiler.
Das Hochgebirge: Kurz vor Triberg erreichte der Pilot mit 2.371 m ü. NN die maximale Höhe des Tages.
Das Hindernis: Der Flug wurde schließlich nicht durch fehlende Thermik beendet, sondern durch die Luftraumgrenzen der Flughäfen Basel und Zürich, die ein Weiterfliegen Richtung Süden unmöglich machten.
Dieser Flug beweist, dass der Sodkopf bei entsprechender Wetterlage (Nord- bis Nordwestwind) ein ideales Sprungbrett für "Downwind"-Streckenflüge entlang der Schwarzwaldkante ist. Die Piloten müssen jedoch permanent die Lufträume im Auge behalten und gegebenenfalls "Slalom" zwischen den Kontrollzonen fliegen.
Der Landeplatz "In der Au" und die Landevolte
Die Landung im Laufbachtal gilt als technisch anspruchsvoll, da der Platz von Bäumen und Gebäuden umgeben ist und die Wiese leicht nach Westen abfällt.
Spezifika für Gleitschirme und Drachen
Es ist eine wichtige Unterscheidung zu treffen: Der Hauptlandeplatz "In der Au" ist nur für Gleitschirme zugelassen. Drachenflieger müssen auf einen separaten Landeplatz beim Sportplatz Lauf ausweichen, für den eine gesonderte Einweisung erforderlich ist.
Parameter Landeplatz Gleitschirm Landeplatz Drachen Name
In der Au (über dem Schwimmbad)
Sportplatz Lauf
Charakteristik
Große Wiese, nach Westen abfallend
Ebene Fläche, Einweisung nötig
Gefahren
Thermik auf der Wiese, Lee bei Nordwind
Hindernisse im Anflug
Die Landevolte bei thermischen Bedingungen
Aufgrund der Westexposition des Landeplatzes kann sich die Wiese im Sommer stark aufheizen und eigene Thermik ablösen. Dies führt dazu, dass Piloten im Endanflug oft mit unerwartetem Steigen konfrontiert werden.
Positionsbestimmung: Das Abbauen der Höhe erfolgt über dem ehemaligen Schwimmbad oder dem Parkplatz.
Gegenanflug: Parallel zum Laufbach in Richtung Berg.
Queranflug: Über die Obstbaumreihen am Rand der Wiese. Vorsicht: Hier dürfen keine Schirme in die Bäume geraten.
Endanflug: Gegen den Wind. Da die Wiese abfällt, muss der Pilot damit rechnen, dass der Ausschwebeweg deutlich länger ist als auf ebenem Gelände.
Bei Nordwindlagen ist die Situation am Landeplatz besonders kritisch. Der Wind streicht dann über die nördlichen Hügelketten und fällt turbulent in das Tal ab. In diesem Fall ist die Landung am offiziellen Platz oft gefährlich, und es sollten vorab mit dem Verein besprochene Notlandeplätze genutzt werden.
Insider-Tipps und Geheimnisse der Lokalen Piloten
Der wahre Wert eines Fluggebietsführers liegt in den Informationen, die nicht in den offiziellen Handbüchern stehen. Die Windeckfalken haben über die Jahrzehnte ein tiefes Wissen über die "Eigenheiten" ihres Berges entwickelt.
Die besten Thermikquellen ("Hotspots")
Erfahrene Piloten wissen, dass die Thermik am Sodkopf nicht zufällig entsteht. Neben dem bereits erwähnten "Hausbart" gibt es weitere verlässliche Quellen:
Die Schattengrenze: Am späten Nachmittag, wenn die Sonne tiefer steht, bilden sich an den Waldrändern südwestlich des Startplatzes oft kleine, aber sehr beständige Ablösungen. Diese "Abendthermik" ist oft sanfter als die Mittagsthermik und ermöglicht stundenlanges Soaring.
Der "Laufer Schloss"-Effekt: Die Windfahne am Laufer Schloss ist ein exzellenter Indikator für das Talwindsystem. Zeigt sie einen stetigen Westwind, während es am Startplatz noch schwachwindig ist, steht der thermische "Durchzug" meist unmittelbar bevor.
Häufige Fehler von Neulingen
Unterschätzung des Lee bei SW-Wind: Viele Piloten lassen sich von schwachem Wind am Startplatz täuschen. Wenn die großräumige Strömung aus Südwest kommt, ist die Luft am Sodkopf oft großräumig gestört. Dies kann zu plötzlichen Klappern in Bodennähe führen.
Zu spätes Verlassen des Berges: Bei einsetzender Abschattung oder heranziehenden Fronten kann das Sinken im Laufbachtal massiv sein. Wer dann zu lange am Hang "kratzt", erreicht den Landeplatz unter Umständen nicht mehr sicher und muss in den Gärten der Wohnsiedlungen notlanden.
Missachtung der Wildruhe: In der Dämmerung sollte der Startplatz gemieden werden. Die Windeckfalken legen großen Wert auf das gute Einvernehmen mit der Jägerschaft. Piloten, die sich nicht an die Betriebszeiten (bis 19:00 Uhr im Sommer) halten, riskieren den Unmut der Gemeinde.
Webcams und Wetterstationen
Um nicht umsonst nach Lauf zu fahren, nutzen lokale Experten eine Kombination aus verschiedenen Datenquellen:
Holfuy Wetterstation Sodkopf: Liefert Echtzeitdaten von Windgeschwindigkeit, Richtung und Böigkeit direkt am Startplatz.
Webcam Laufbachtal: Zeigt die Bewölkung und die Sichtweite in Richtung Rheinebene. Ein Blick auf diese Kamera verrät oft mehr als jede Vorhersage.
Windfahne Laufer Schloss: Ein mechanischer, aber sehr zuverlässiger Indikator für die Anströmung im Tal.
Das soziale und kulinarische Umfeld: "After-Fly" in Lauf
Ein Flugtag am Sodkopf ist erst mit der gemeinsamen Einkehr komplett. Die Gemeinde Lauf bietet hierfür hervorragende Möglichkeiten, die eng mit der Fliegerszene verbunden sind.
Gastronomie und Einkehr
Nach der Landung führt der Weg meist in eines der lokalen Gasthäuser, um die Flüge zu analysieren und das Erlebte zu teilen.
Lokalität Besonderheit Entfernung zum Landeplatz Sportgaststätte Lauf
Treffpunkt der Drachenflieger, bodenständige Küche.
Direkt am Ausweichlandeplatz. Gasthaus Rebstock
Traditionelle badische Küche, sehr beliebt bei Wanderern und Piloten.
Ca. 500 m. Schlosskeller
Gehobenes Ambiente in historischem Gemäuer.
Ortsmitte Lauf. Hotel Garni Zur Linde
Ideal für Piloten, die über Nacht bleiben wollen.
Ortsmitte Lauf. Übernachtungsmöglichkeiten für Fliegerurlauber
Für Piloten, die ein ganzes Wochenende am Sodkopf verbringen möchten, bietet die "Ferienwohnung am Laufbach" eine strategisch perfekte Lage. Sie befindet sich nur ca. 200 m vom Landeplatz entfernt, was den logistischen Aufwand minimiert. Auch das "Hotel Garni Zur Linde" bietet speziellen Service für Aktivurlauber an.
Das 45. Fliegerfest: Ein kulturelles Highlight
Einmal im Jahr, traditionell an Christi Himmelfahrt, veranstalten die Windeckfalken ihr großes Fliegerfest am Festplatz "Beim alten Schwimmbad". Dies ist die beste Gelegenheit, mit lokalen Piloten ins Gespräch zu kommen, Ausrüstung zu begutachten oder einen Tandemflug zu unternehmen. Das legendäre "Drachenfutter" – ein vegetarisches Reisgericht – hat unter Fliegern Kultstatus erreicht.
Sicherheit, Regeln und Notfallmanagement
Die Sicherheit ist das Fundament des Flugbetriebs am Sodkopf. Der Verein überwacht die Einhaltung der Geländeordnung streng und informiert regelmäßig über aktuelle Sicherheitsmitteilungen des DHV.
Besondere Flugregeln
Tandemflüge: Sind am Sodkopf grundsätzlich möglich, erfordern aber eine hohe Kompetenz des Piloten aufgrund des Schneisenstarts. Passagiere sollten körperlich fit sein und bis zu 100 kg wiegen.
Schulungsbetrieb: Ist nur in Abstimmung mit dem Geländehalter gestattet. Flugschüler benötigen Funkkontakt zum Fluglehrer am Landeplatz.
Umweltauflagen: Das Befahren der Waldwege mit privaten PKW führt zum sofortigen Entzug der Startberechtigung.
Notfall-Infos und Erste Hilfe
Im Falle eines Unfalls ist schnelles Handeln erforderlich. Da der Startplatz Sodkopf nur über Forstwege erreichbar ist, ist die Angabe der Rettungspunkte essenziell.
Notruf: 112
Standortangabe: Sodkopf, Gemeinde Lauf, Baden-Württemberg.
Nächste Krankenhäuser: Achern oder Bühl.
Flugschul-Support: Die Flugschule der "Borkies" in Sasbachwalden oder Papillon in Oppenau können bei technischen Problemen oder nach einer Baumlandung oft mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Alternative Fluggelände bei unpassenden Bedingungen
Sollte der Wind am Sodkopf nicht passen (z.B. zu starker Nordwind oder Südostlagen), gibt es in der näheren Umgebung exzellente Alternativen, die oft von denselben Piloten frequentiert werden:
Omerskopf: Ebenfalls von den Windeckfalken oder Nachbarvereinen betreut, oft einfacher zu starten und eine gute Alternative bei bestimmten Windlagen.
Schlossberg (Sasbachwalden): Das Gelände der "Borkies". Ideal bei leicht unterschiedlichen Windrichtungen und bekannt für seine hervorragende Infrastruktur.
Merkur (Baden-Baden): Ein Top-Gelände mit Bergbahnanschluss. Bietet West- und Nordost-Startplätze, ist jedoch thermisch oft sehr anspruchsvoll ("bockig").
Fazit und abschließende Empfehlungen
Der Sodkopf in Lauf ist ein Juwel des Nordschwarzwaldes. Er bietet eine Flugqualität, die in Mittelgebirgen ihresgleichen sucht. Doch diese Qualität ist an Bedingungen geknüpft: Disziplin in der Logistik, Präzision in der Starttechnik und Wachsamkeit in der Navigation.
Für einen erfolgreichen Erstbesuch wird empfohlen:
Prüfen der Wetterdaten auf der Holfuy-Station am Vormittag.
Ankunft am Landeplatz gegen 12:30 Uhr, um den ersten Shuttle um 13:00 Uhr zu erwischen.
Aktives Zugehen auf Vereinsmitglieder für die obligatorische Einweisung.
Konsequente Nutzung eines Variometers mit integrierter Luftraumkarte.
Wer diese Regeln befolgt, wird am Sodkopf nicht nur einen Flug, sondern ein echtes Schwarzwälder Flugerlebnis genießen, das von der Thermik der Weinberge bis zum Panorama der Vogesen reicht. Die Windeckfalken Lauf e.V. haben hier ein Gelände geschaffen, das Tradition und Moderne des Flugsports auf höchstem Niveau vereint.