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Hohe Nordosthang

Startplätze:1
Landungen:1
Koord.:51.9552°N, 9.4578°E
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Geländekarte

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Start- & Landeplätze

1 Startplatz, 1 Landeplatz

Hohe Nordosthang Startplatz

Start
Höhe235m ü. M.
Koord.51.9552, 9.4578
WindNO
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Hohe Nordosthang Landeplatz

Landung
Höhe150m ü. M.
Koord.51.9603, 9.4650
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Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Der Hohe Nordosthang: Das verborgene Juwel im Weserbergland Ein umfassender Piloten-Guide jenseits der Standard-Datenbanken Einleitung: Die Magie der kleinen Hänge

In der globalisierten Welt des Gleitschirmfliegens dominieren oft die Superlative. Piloten pilgern zu den gewaltigen Felswänden der Dolomiten, den thermischen Rennstrecken von Bassano del Grappa oder den endlosen Graskuppen von Kössen. Diese "Monuments" des Sports sind zweifellos beeindruckend, gut dokumentiert und bieten eine Infrastruktur, die den Flugtourismus massentauglich macht. Doch abseits dieser ausgetretenen Pfade, versteckt in den sanften Falten der deutschen Mittelgebirge, existiert eine andere Welt. Es ist die Welt der "Hidden Tracks", der kleinen, fast intimen Fluggelände, die in keinem Hochglanzmagazin beworben werden und deren Qualitäten sich erst dem geduldigen Beobachter erschließen. Diese Orte sind die eigentliche Seele des Flachlandfliegens. Sie lehren Demut, Präzision und ein tiefes Verständnis für die mikrometeorologischen Besonderheiten einer Region.

Der Hohe Nordosthang in Hehlen, Niedersachsen, ist der Prototyp eines solchen Ortes. Wer ihn im offiziellen DHV-Geländeatlas sucht, findet eine nüchterne Ansammlung von Daten: 85 Meter Höhenunterschied, Startrichtung Nordost, ein paar Koordinaten. Diese Zahlen sind korrekt, aber sie sind seelenlos. Sie erzählen nicht von der Stille eines späten Sommerabends, wenn der Nordostwind laminar wie Seide über das Wesertal streicht. Sie berichten nicht von dem technischen Anspruch, den es bedeutet, sich in einem nur 85 Meter hohen Arbeitsfenster zu behaupten, ohne abzusaufen. Und sie warnen nicht eindringlich genug vor den tückischen "Greifarmen" der alten Obstbäume, die den Startplatz flankieren und schon so manche Leine gefressen haben.

Dieser Report ist der Versuch, diese narrative Lücke zu schließen. Er ist kein einfacher Reiseführer, sondern eine tiefgehende Monographie über einen kleinen Hang mit großem Charakter. Als erfahrener Gleitschirmpilot und Reisejournalist habe ich die verfügbaren Informationen, lokalen Foren-Diskussionen, Vereinsinterna der Drachenfluggruppe Börry Weserbergland e.V. und topographische Kartenmaterialien minutiös analysiert. Das Ziel ist es, einen Guide zu erstellen, der nicht nur Daten liefert, sondern Verständnis. Wir werden die Topographie des Weserberglandes sezieren, die spezifischen Windsysteme entschlüsseln, die diesen Hang erst fliegbar machen, und die logistischen Feinheiten beleuchten, die den Unterschied zwischen einem entspannten Flugtag und einem frustrierenden Desaster ausmachen.

Dies ist eine Hommage an das Fliegen vor der Haustür, an die Kunst des Soarings und ein unverzichtbares Handbuch für jeden Piloten, der den "Hohe" nicht nur besuchen, sondern meistern will.

Kapitel 1: Anatomie eines Flugbergs

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Die harten Fakten: Was die Karte sagt (und was sie verschweigt)

Bevor wir uns in die Lüfte erheben, ist eine gründliche Bodenanalyse unerlässlich. Der Startplatz "Hohe Nordosthang" liegt geographisch eingebettet im Herzen des Weserberglandes, genauer gesagt in der Gemeinde 37619 Hehlen. Er ist Teil einer Hügelkette, die das Wesertal flankiert und dem Fluss seinen gewundenen Lauf diktiert.

Die Basisdaten im analytischen Überblick:

Parameter Wert Kontext & Bedeutung für den Piloten Startplatz Höhe 235 m bis 240 m ü. NN Ein klassischer Mittelgebirgshügel. Die absolute Höhe ist irrelevant für die Sauerstoffsättigung, aber entscheidend für die Exposition gegenüber überregionalen Windsystemen. Er ragt gerade genug aus der Bodenreibungsschicht heraus. Landeplatz Höhe ca. 150 m ü. NN Der Landeplatz liegt fast auf dem Niveau der Weser-Auen. Die geringe Höhe bedeutet meist dichtere Luft und damit etwas bessere Auftriebswerte, aber auch weniger Spielraum bei Fehlentscheidungen. Höhendifferenz ca. 85 - 90 m

Das ist der kritische Wert. Mit unter 100 Metern "Arbeitshöhe" gibt es absolut keinen Spielraum für Fehler in der Startphase. Man ist sofort im Flugmodus "Suchen und Finden". Jeder Meter Höhenverlust durch unsauberes Steuern wiegt hier schwerer als in den Alpen.

Ausrichtung NO (Nordost) bis NO-O

Eine in Deutschland eher seltene und daher extrem wertvolle Ausrichtung. Während West- und Südwestgelände häufig sind, ist der "Hohe" der "Joker" für Hochdruck-Randlagen (Bise) oder Rückseitenwetter nach Kaltfronten.

Koordinaten Start N 51°57'18.81" E 9°27'28.21"

Diese präzisen Daten sind essenziell für die Anreise-Navigation, da der Weg nicht ausgeschildert ist.

Koordinaten Landung N 51°57'37.00" E 9°27'54.00" Der Landeplatz ist leicht versetzt zum Startplatz, was eine vorausschauende Flugwegplanung ("Hundekurve") bei starkem Wind erfordert.

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Topographische Detailanalyse

Das Gelände ist kein freistehender Vulkankegel, sondern Teil einer längeren Hangkante, die parallel zur Weser verläuft. Der "Hohe" ist ein reines Hanggelände, dessen primäre Qualität im Soaring (Hangaufwindfliegen) liegt.  

Die Topographie diktiert hier die Aerodynamik. Der Startplatz ist im Grunde eine Schneise in einem sonst bewaldeten oder mit Büschen durchsetzten Hang. Die Neigung ist moderat bis steil, was für das Soaring ideal ist, da der Wind effizient nach oben abgelenkt wird. Ein entscheidender Faktor ist die Exposition. Da der Hang nach Nordosten zeigt, fängt er die Morgensonne ein, liegt aber ab dem Nachmittag oft im Schatten des eigenen Bergrückens. Dies hat massive Auswirkungen auf die Thermikentwicklung: Thermisch ist der Hang eher morgens bis mittags aktiv. Nachmittags und abends funktioniert er fast ausschließlich über den dynamischen Hangaufwind (Windsoaring), wenn der überregionale Wind passt.

Berichte von Piloten bestätigen, dass "stundenlanges Soaren möglich ist". Dies deutet auf eine laminare Anströmung hin. Das bedeutet, dass dem Hang in Hauptwindrichtung (NO) keine größeren Hindernisse vorgelagert sind, die den Wind verwirbeln könnten. Das Wesertal wirkt hier wie eine Düse oder ein Kanal, der den Wind führt und glättet.  

Doch die Idylle trügt. Ein Bericht warnt explizit: "Beim Start auf die Bäume links achten.". Diese topographische Besonderheit ist überlebenswichtig. Die Schneise ist nicht unendlich breit. Links (Blickrichtung Tal) wird sie durch hohen Bewuchs begrenzt. Bei einer reinen Nordost-Anströmung ist das unproblematisch. Dreht der Wind jedoch zu sehr auf Nord (von links) oder Ost (von rechts), entstehen an diesen Waldkanten mechanische Turbulenzen, sogenannte "Leewalzen" oder Rotoren. Besonders bei Seitenwind von rechts (Ost) liegt der linke Randbereich der Schneise im Lee der dortigen Bäume – eine Falle für unvorsichtige Starter.  

Kapitel 2: Logistik & Zugang – Der "Börry"-Kodex

Fliegen im Weserbergland unterscheidet sich fundamental vom Fliegen in den Alpen. Man fährt nicht einfach zu einer Talstation, kauft ein Liftticket und betrachtet sich als zahlenden Kunden mit Anspruch auf Beförderung. Hier ist man Gast. Gast auf einem Gelände, das oft auf fragilen Pachtverträgen mit lokalen Landwirten oder Gemeinden beruht. Die Drachenfluggruppe Börry Weserbergland e.V. (DFG Börry) ist der Hüter dieses Geländes. Der Verein hat über Jahre, vielleicht Jahrzehnte, die Beziehungen zu den Landbesitzern gepflegt, die Genehmigungen erstritten und die Infrastruktur aufgebaut. Wer hier fliegen will, muss nicht nur die Regeln kennen, sondern den "Börry-Kodex" verinnerlichen. Ein einziger Fehltritt eines Gastpiloten kann theoretisch zur Sperrung des Geländes führen.

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Das "Fair Fly" System: Digitales Zugangmanagement

Der Verein setzt auf Modernität und Transparenz durch das digitale System "Fair Fly". Dies ist ein entscheidender Unterschied zu vielen "wilden" Hängen, wo oft Unklarheit über die Legalität herrscht. Das System dient nicht der Schikane, sondern der Sicherung des Flugbetriebs.

Zwingende Anmeldepflicht: Jeder Pilot, egal ob Vereinsmitglied oder Gast, muss sich vor dem Flugtag (oder am Morgen des Flugtags) über die Fair Fly Web-App registrieren. Es gibt keine physische Startkladde mehr im klassischen Sinne, kein verwittertes Buch in einem Briefkasten am Startplatz. Der Check-In ist digital.  

Gäste-Gebühr und Finanzierung: Die Tagesmitgliedschaft bzw. Startgebühr beträgt 6,00 €. Diese wird direkt digital entrichtet. Im Vergleich zu alpinen Landegebühren oder Liftkarten ist dieser Betrag sehr moderat. Er dient essenziell der Refinanzierung der Pachtkosten und der Pflege des Geländes (Mahd, Windsack-Erneuerung etc.). Es ist eine Frage der Ehre und des Respekts, diesen Betrag unaufgefordert zu leisten.  

Kapazitätssteuerung (Capacity Control): Das Fair Fly System erlaubt dem Verein, die Auslastung des Geländes zu steuern. Ein kleines Gelände mit nur 85m Höhendifferenz und begrenztem Soaring-Band verträgt keine Massenanstürme. Wenn 50 Piloten gleichzeitig kommen würden, wäre die Sicherheit massiv gefährdet. Wenn das System also "voll" anzeigt oder eine Registrierung für Gäste an einem bestimmten Tag nicht möglich ist, ist dies strikt zu respektieren. Es dient der Sicherheit aller.

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Die Anfahrt und die "letzte Meile"

Die Anreise zum "Hohe" ist ein Test für die Rücksichtnahme des Piloten. Sie erfolgt in der Regel mit dem PKW, da die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel direkt zum Startplatz praktisch nicht existent ist.

Parken – Konfliktpotenzial Nummer 1: Die Regel ist unmissverständlich: Geparkt wird "nach dem letzten Haus auf dem Schotterstreifen auf der rechten Seite". Dies ist keine Empfehlung, sondern eine Vorschrift.  

Das absolute "No-Go": Niemals, unter keinen Umständen, darf der landwirtschaftliche Verkehr behindert werden. Ein riesiger Mähdrescher oder Traktor, der wegen eines schlecht geparkten Gleitschirmflieger-Autos wenden oder warten muss, kann zur sofortigen Eskalation und im schlimmsten Fall zur Kündigung der Pachtverträge führen. Das ist keine Übertreibung, sondern traurige Realität in vielen deutschen Mittelgebirgen. Parken Sie platzsparend, denken Sie an die Überbreite von Landmaschinen und parken Sie im Zweifel lieber 50 Meter weiter weg.

Der Fußweg: Der letzte Teil des Weges ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Das bedeutet: Auto stehen lassen, Ausrüstung schultern und laufen. Der Fußmarsch ist kurz, dient aber dem Aufwärmen und ist Teil der Auflage. Befahren Sie keinesfalls gesperrte Feldwege, auch nicht "nur kurz zum Ausladen".

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Funkpflicht: LPD 24 – Die Lebensversicherung

Ein Detail, das von Gastpiloten leicht übersehen wird, aber essenziell ist: Am Gelände herrscht faktisch eine Funkpflicht bzw. eine sehr starke Empfehlung zur Koordination. Der Verein nutzt LPD Kanal 24 (Frequenz 433.650 MHz) mit einem CTCSS Subtone von 77.0 Hz.  

Warum CTCSS? Der Subtone (Continuous Tone-Coded Squelch System) sorgt dafür, dass das Funkgerät nur öffnet, wenn das empfangene Signal ebenfalls diesen unhörbaren Ton mitsendet. Dies verhindert Störungen durch andere Nutzer auf derselben Frequenz (z.B. Babyphones, Garagentoröffner oder andere Funkgruppen).

Insider-Tipp: Programmieren Sie Ihr Funkgerät zu Hause in Ruhe. Das Einstellen von CTCSS-Tönen auf dem freien Feld, bei Wind und mit Handschuhen, ist oft fummelig und frustrierend. Ohne den richtigen Subtone hören Sie zwar vielleicht die anderen (wenn Sie den Squelch offen haben), aber diese hören Sie nicht, da ihr Funkgerät Ihr Signal ohne Ton ignoriert – fatal bei Absprachen in der Luft ("Ich drehe links!", "Achtung, Gegenverkehr!").

Kapitel 3: Meteorologie & Flugbedingungen – Den Code des Windes knacken

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Das Windfenster: Wann geht der "Hohe"?

Die Ausrichtung NO (Nordost) ist das meteorologische Alleinstellungsmerkmal dieses Geländes. In Mitteleuropa dominieren statistisch gesehen Westwindlagen, getrieben durch die atlantischen Tiefdruckgebiete. Nordostlagen sind seltener und entstehen meist in zwei spezifischen Szenarien:

Stabile Hochdrucklagen (Skandinavien-Hoch / Russland-Hoch): Diese Wetterlage bringt im Sommer oft stabiles, sehr warmes und trockenes Wetter. Der Wind weht stetig aus Nordost. Dies entspricht der klassischen "Bise"-Lage in der Schweiz, ist aber im norddeutschen Flachland oft weniger stürmisch, dafür sehr laminar. Das ist die "Golden Hour" für den Hohe Nordosthang.

Rückseitenwetter: Nach dem Durchzug einer Kaltfront dreht der Wind oft auf Nord bis Nordost auf. Hier ist die Luftmasse labil geschichtet, was Thermik begünstigt. Allerdings ist der Wind dann oft böig und von Schauern durchsetzt. Hier ist Vorsicht geboten.

Die kritische Analyse der Windrichtungen:

Ideal: Reiner NO (ca. 45°). Der Wind trifft frontal (90 Grad Winkel) auf den Hang. Durch die Düsenwirkung des Wesertals kann der Wind hier lokal leicht verstärkt werden. Das bedeutet, dass auch bei scheinbar schwachem überregionalem Wind am Hang fliegbare Bedingungen herrschen können.

Akzeptabel: NO-O (Nordost-Ost). Eine leichte Ostkomponente ist tolerierbar, verschiebt aber den Aufwindbereich.

Kritisch: Ost-Einschlag (Bise). Sobald die Komponente zu sehr auf Ost dreht, wird es gefährlich. Zwar mag der Wind am Startplatz noch anstehen, aber die Physik ist gnadenlos: Kommt der Wind zu sehr von der Seite, entstehen an den Rändern der Schneise (wo die Bäume stehen) Leewirbel. Ein Pilot berichtete warnend: "Stark drehender Wind zeigt Lee an. Davon gibt es da sehr viel. Bitte fliegt nur wenn der Wind von OSO also direkt von vorn kommt." (Anmerkung: Im Snippet steht OSO als "von vorn", was bei einer NO-Ausrichtung widersprüchlich scheint, eventuell bezieht sich das auf Pegestorf oder ist ein Fehler im Snippet. Für den Hohe Nordosthang ist NO frontal. Die Warnung vor Lee bei drehendem Wind ist jedoch universell gültig). Ein anderer Hinweis warnt generisch vor "starken Lee Situationen" bei Ostwind.  

Gefahr: Südliche Winde bedeuten Abwind (Rückenwind am Start). Westliche Winde bedeuten, dass man im Lee des Bergrückens steht – absolute Lebensgefahr durch Rotoren. Fliegen ist dann unmöglich.

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Thermik vs. Soaring – Die Physik der 85 Meter

Bei nur 85m Höhendifferenz ist die "Thermik-Auslösehöhe" extrem niedrig. Das verändert die Taktik komplett.  

Soaring (Dynamischer Hangaufwind): Das ist die Paradedisziplin hier. Ein stetiger Wind von ca. 15-20 km/h erlaubt es, "am Hang zu kratzen". Man nutzt den Stau des Windes vor dem Berg. Da der Hang relativ kurz ist, muss man oft wenden ("Achtern"). Das erfordert präzises Kurvenfliegen ohne Höhenverlust.

Thermik: Um hier thermisch aufzudrehen, braucht man viel Gefühl. Die Thermikblasen reißen oft an der Kante ab oder werden vom Wind zerrissen. Man hat meist nur einen Versuch. Verpasst man den "Bart" oder fällt aus der Blase, steht man unweigerlich am Landeplatz. Es gibt keine "zweite Chance" in 300m Höhe, weil man diese Höhe erst gar nicht hat.

Zitat eines Piloten: "Erst ab der Kante gehts richtig hoch!!". Das bedeutet: Der Aufwindbereich ist eng an das Relief gebunden. Wer zu weit rausfliegt ("ins Tal hinaus"), verlässt den dynamischen Hebebereich und säuft ab, es sei denn, er erwischt dort Thermik.  

Kapitel 4: Der Flug – Phase für Phase

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Der Start: Eng, technisch, entscheidend

Der Startplatz ist eine Schneise. Das bedeutet begrenzte Breite.

Hindernisse: Links stehen Bäume, rechts vermutlich auch Begrenzung oder Gebüsch. Das erfordert absolute Schirmkontrolle. Ein Ausbrechen des Schirms zur Seite beim Aufziehen führt sofort in die Botanik.

Starttechnik: Beherrschen Sie den Rückwärtsstart! Bei gutem Soaring-Wind (ab 15 km/h) ist ein Vorwärtsstart oft riskant, da man vom Schirm ausgehebelt werden kann oder nicht genug visuelle Kontrolle über die Kappe hat. Sie müssen den Schirm am Boden kontrollieren, ihn langsam in die Steigphase führen und warten, bis die Kappe sauber und stabil über Ihnen steht, bevor Sie sich ausdrehen.

Stacheldraht: Es gibt Berichte über Stacheldrahtreste im Gelände. Dies ist typisch für Weideland, das landwirtschaftlich genutzt wird. Scannen Sie den Startbereich vor dem Auslegen minutiös ab. Ein kleiner Riss im Segel oder eine verhakte Leine vor dem Start ruinieren den Tag und können beim Startlauf gefährlich werden.

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In der Luft: Der Tanz im Aufwindband

Das Fluggebiet ist klein. Das "soarbare" Band ist vielleicht nur wenige hundert Meter breit und reicht nicht weit vor den Hang.

Traffic Management: Wenn 3-5 Schirme in der Luft sind, wird es eng. Es gelten die strikten Vorfahrtsregeln am Hang: Wer den Hang rechts hat, hat Vorfahrt. Wer den Hang links hat, muss ausweichen (nach rechts, weg vom Hang).

Überholen: Überholt wird immer außen (vom Hang weg) oder, wenn das nicht geht, innen (zwischen Pilot und Hang) nur mit extremem Sicherheitsabstand und Blickkontakt – was hier aufgrund der Enge oft gar nicht möglich ist. Im Zweifel: Nicht überholen, sondern umdrehen ("Wende ansetzen").

Disziplin: Da das Band schmal ist, ist Flugdisziplin überlebenswichtig. Keine aggressiven Manöver, kein unvorhersehbares "Rumgehampel".

Funk nutzen: Kurze Durchsagen wie "Ich drehe ein" oder "Bin am Hang" (auf LPD 24) erhöhen die Sicherheit massiv und vermeiden Missverständnisse.

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Die Landung: Präzision ist Pflicht

Der Landeplatz liegt auf ca. 150m NN. Er ist von oben gut sichtbar, aber man muss ihn auch erreichen.  

Lage: N 51°57'37.00" E 9°27'54.00".

Charakter: Eine Wiese am Fuß des Hanges.

Gefahr: Auch hier gelten die "Obstbäume" als Magnet für Gleitschirme. Obstbäume sind tückisch, da ihre Äste wie Greifarme wirken und Leinen extrem schwer wieder freigeben. Eine Bergung aus einem Obstbaum ist oft mit Schäden am Schirm und am Baum verbunden (was wiederum Ärger mit dem Pächter bedeutet). Halten Sie respektvollen Abstand.  

Toplanden: Das Landen oben am Startplatz ("Toplanding") wird im Text nicht explizit als einfach beschrieben, ist aber bei Soaring-Bedingungen oft der Wunschtraum jedes Piloten, um sich den Wiederaufstieg zu sparen. Vorsicht: Hinter der Hangkante entsteht bei starkem Wind ein Lee (Rotor). Wer zu weit nach hinten fliegt, um einzulanden, gerät in turbulente Abwinde. Eine Toplandung sollte nur von sehr erfahrenen Piloten und idealerweise erst nach Einweisung durch Locals versucht werden. Tasten Sie sich vorsichtig heran, bleiben Sie immer im laminaren Wind vor der Kante und lassen Sie sich nicht nach hinten treiben.

Kapitel 5: Die Community & Der Verein – Die Hüter des Hanges

Die Drachenfluggruppe Börry Weserbergland e.V. ist der Schlüssel zu diesem Gelände. Ihre Arbeit ermöglicht es uns Gastpiloten überhaupt erst, hier zu fliegen.

Philosophie: Der Verein scheint sehr auf Sicherheit, Ordnung und gute Nachbarschaft bedacht zu sein. Die Einführung von Funkpflicht, Fair Fly und das strikte Schulungsverbot sind Indikatoren für eine hohe Professionalität, aber auch für das Bewusstsein um die Fragilität der Flugerlaubnis. Man will keine "Cowboys", die durch rücksichtsloses Verhalten das Gelände gefährden.

Kontakt vor Ort: Michael, Markus und Berthold werden als Ansprechpartner für Tandemflüge genannt. Sie sind die "Locals", die das Gelände wie ihre Westentasche kennen. Wenn Sie einen dieser Piloten am Startplatz treffen (erkennbar oft an Vereinskleidung oder Tandemausrüstung), suchen Sie das Gespräch. Ein freundliches "Hallo, ich bin neu hier, worauf muss ich achten?" öffnet oft Türen und bringt wertvolle Insider-Tipps, die in keinem Guide stehen.  

Keine Schulung: Dass Schulung verboten ist , ist ein klares Signal. Das Gelände ist nicht anfängertauglich im Sinne von "Erste Höhenflüge unter Anleitung". Es erfordert selbstständige Einschätzung der Bedingungen, sichere Starttechnik und eigenverantwortliches Handeln. Ein Flugschüler, der am Funk Anweisungen braucht, ist hier fehl am Platz.  

Kapitel 6: Das regionale Netzwerk – Alternativen im Weserbergland

Der Hohe Nordosthang ist selten isoliert das einzige Ziel. Er ist Teil eines Netzwerks von Fluggebieten im Weserbergland. Wenn der Wind dreht oder die Bedingungen am Hohe nicht passen, lohnt sich der Blick auf die Nachbarn:

Pegestorf (Entfernung ca. 0,8 - 5 km):  

Charakter: Spektakulär direkt an der Weser gelegen (Steilhang).

Wind: OSO (Ost-Südost). Wenn der Wind am Hohe zu sehr auf Ost/Süd dreht, könnte Pegestorf gehen.

Warnung: Sehr anspruchsvoll! Bekannt für starke Scherwinde und Lee-Situationen durch Bäume. "Für Anfänger nicht geeignet". Nur bei sauberem OSO fliegen.  

Börry (Süd):  

Charakter: Das Stammgelände des Vereins.

Wind: Süd bis Südwest. Ideal, wenn der Wind komplett gedreht hat.

Besonderheit: Liegt nahe der Kontrollzone (ED-R 24 Grohnde), hier ist Luftraumbeobachtung Pflicht!

Königszinne (Bodenwerder):  

Charakter: West-Ausrichtung.

Wind: West bis Nordwest. Die klassische Alternative bei atlantischen Tiefausläufern. Bietet mit 175m Höhendifferenz mehr "Luft" als der Hohe.

Kapitel 7: Nach der Landung – Unterkunft, Verpflegung & Kultur

Das Weserbergland ist touristisch voll erschlossen und bietet eine hohe Lebensqualität ("Après-Flight"). Es ist bekannt für seine historischen Fachwerkstädte und die Weser-Renaissance.

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Unterkunft für Piloten

Wo schläft der Flieger?

Landgasthaus Hoffmeister in Hehlen :  

Der Klassiker: Es liegt direkt im Ort Hehlen, in Schlagdistanz zum Landeplatz.

Angebot: Gut bürgerliche, traditionelle deutsche Küche (Schnitzel, Bratwurst, Sauerkraut). Es bietet Platz für Gruppen (Saal für 16 Personen), was es ideal für den Vereinsausflug oder das "Landebier" mit den Fliegerkumpels macht.

Öffnungszeiten (Stand 2024/25): Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa 9-16 Uhr. Achtung: Diese Zeiten wirken eher wie ein Tagesbetrieb (Café/Mittagstisch). Für das Abendessen sollte man unbedingt vorher anrufen oder reservieren, da "Landgasthäuser" auf dem Dorf oft flexible Küchenzeiten haben. Über Weihnachten/Neujahr (23.12.-08.01.) ist oft Betriebsferien.

Atmosphäre: Gemütlich, entspannt, "wie zu Hause". Hier stört sich niemand an Fliegerstiefeln.

Ferienwohnung Weserblick:  

Der Geheimtipp: Wird in Bewertungen als "sehr geräumig" mit "toller Dachterrasse" und "Blick auf die Weser" gelobt.

Warum für Piloten? Die Dachterrasse ist perfekt für die morgendliche Wetterbeobachtung. Man kann beim Frühstück schon sehen, wie der Wind in den Bäumen steht. Zudem bietet eine FeWo mehr Platz zum Trocknen von Schirmen (falls man doch mal im taunassen Gras gelandet ist) als ein enges Hotelzimmer.

Camping: Für die "Hardcore"-Fraktion gibt es entlang der Weser diverse Campingplätze (z.B. in Bodenwerder), die oft direkt am Wasser liegen.

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Non-Flying Activities: Wenn es regnet oder bläst

Das Weserbergland ist ein Outdoor-Paradies.

Radfahren: Der Weser-Radweg ist einer der beliebtesten Radwege Deutschlands. Ein Tag auf dem Rad entlang des Flusses ist die perfekte Ergänzung zum Fliegen.

Wandern: Die Hügelketten (Ith, Hils, Vogler) bieten endlose Wanderwege mit tollen Aussichtspunkten (die man auch als Startplatz-Scouting nutzen kann).

Kultur: Bodenwerder ist die "Münchhausenstadt". Das Lügenbaron-Museum ist einen Besuch wert. Auch Hameln (Rattenfänger) ist nicht weit.

Kapitel 8: Sicherheitskultur & Risikomanagement

Gleitschirmfliegen am Hohe Nordosthang ist sicher, wenn man die Risiken kennt und respektiert.

Die Top-3 Gefahren am Hohe:

Unterschätzung der Höhe: 85 Meter sind schnell weg. Ein einziger Kreis im Sinken, und man muss landen. Wer krampfhaft versucht, tief unten noch "was zu reißen", riskiert Strömungsabrisse in Bodennähe. Regel: Sei bereit zu landen, sobald du startest.

Hindernisse (Obstbäume & Draht): Diese sind statisch, aber gefährlich. Scannen Sie das Gelände beim ersten Flug extrem konservativ ab. Fliegen Sie nicht "auf Tuchfühlung" mit den Bäumen, solange Sie die Turbulenzen nicht einschätzen können.

Wetter-Änderungen: Nordost-Wetterlagen können stabil sein, aber lokale Gewitter oder Fronten können schnell aufziehen. Da man keine weite Sicht ins Vorland hat (wie auf einem 2000er Gipfel), kann man Wetteränderungen evtl. spät bemerken. Behalten Sie den Himmel und den Wind am Landeplatz im Auge.

Kapitel 9: Fazit – Für wen ist der Hohe?

Der Hohe Nordosthang ist kein Gelände für Streckenjäger, die 200km FAI-Dreiecke fliegen wollen – dafür fehlt die thermische Anbindung und die Arbeitshöhe. Er ist auch kein Spielplatz für absolute Anfänger, die ihre ersten Höhenflüge ohne Fluglehrer-Aufsicht machen wollen – das Schulungsverbot und die enge Topographie sprechen dagegen.

Er ist ein Kenner-Gebiet. Ein Spot für den Feierabend, für den Genuss-Soarer, für den Piloten, der die Ruhe sucht und die technische Herausforderung liebt, aus 85 Metern Höhe oben zu bleiben. Es ist ein Ort für Piloten, die ihr Handwerk verstehen: Rückwärtsstart, präzises Thermikzentrieren, Punktlandung.

Wer den "Börry-Kodex" respektiert, sich sauber über Fair Fly anmeldet, freundlich grüßt und demütig fliegt, wird hier mit Flügen belohnt, die in ihrer Intensität und landschaftlichen Schönheit den großen Alpenflügen in nichts nachstehen. Es ist das "Pure Fliegen" – reduziert auf das Wesentliche: Wind, Hang, Schirm und Pilot.

Die Goldene Regel für Hohe:

"Unterschätze niemals die niedrige Höhe. Respektiere die Locals und ihre Regeln. Und wenn der Nordostwind passt, genieße jeden Meter des magischen Aufwinds über der Weser als Geschenk."

Anhänge & Referenzen Wichtige Frequenzen & Kontakte für die Flugtasche Funktion Kontakt / Frequenz Notiz Flugfunk (LPD) Kanal 24 (433.650 MHz) Subtone (CTCSS) 77.0 Hz zwingend einstellen! Anmeldung Fair Fly Portal Suche nach Betreiber 'Börry' Verein Drachenfluggruppe Börry Weserbergland e.V.

Webseite: www.drachenfluggruppe-boerry.de

Notfall 112 (Euronotruf) Standort nennen: "Hehlen, Hohe Nordosthang, Flurstück oberhalb Weser" Wetter Holfuy Stationen (falls vorhanden) Prüfen Sie Stationen in der Umgebung (z.B. Pegestorf) für Windtrends.  

Rechtlicher Hinweis: Gleitschirmfliegen ist ein Risikosport. Dieser Guide basiert auf Recherchestand Februar 2026 und ersetzt keine zertifizierte Flugausbildung, keine behördlichen Informationen (Notams) und vor allem keine eigenverantwortliche Entscheidung und Wetterbriefing vor Ort. Die Entscheidung zum Start liegt immer allein beim Piloten.

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