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Flugplatz Neustadt - Glewe

Startplätze:1
Koord.:53.3632°N, 11.6074°E
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Start- & Landeplätze

1 Startplatz, 0 Landeplatzätze

Flugplatz Neustadt - Glewe

Start
Höhe32m ü. M.
Koord.53.3632, 11.6074
WindNNO-N
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Overview

Handbuch und Expertenanalyse: Gleitschirmfliegen am Verkehrslandeplatz Neustadt-Glewe (EDAN)

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Exekutive Zusammenfassung und Standortcharakteristik: Das "Luftsportzentrum Nr. 1" im Norden

Der Verkehrslandeplatz Neustadt-Glewe (ICAO-Code: EDAN) nimmt in der Topografie des deutschen Luftsports eine herausragende Sonderstellung ein. Während sich der alpine Gleitschirmflug oft auf enge Täler und komplexe Bergwindsysteme konzentriert, repräsentiert EDAN den Archetyp des norddeutschen Flachlandfluges in seiner reinsten und infrastrukturell am weitesten entwickelten Form. Oftmals im Schatten der medienwirksamen Gebirgsfluggebiete stehend, hat sich dieser Standort am Rande der Lewitz zu einem Luftsportzentrum von überregionaler Bedeutung entwickelt, das den offiziellen Titel "Mecklenburgs Flugplatz für den Luftsport" nicht nur als Marketingclaim führt, sondern operativ durch eine enorme Dichte an Flugbewegungen und Disziplinen untermauert.  

Die Analyse der infrastrukturellen, meteorologischen und logistischen Gegebenheiten offenbart, dass EDAN weit mehr ist als ein reiner Schleppplatz für Wochenendpiloten. Es handelt sich um ein komplexes, hochfrequentes Ökosystem des Mischflugbetriebs, das Gleitschirmpiloten (Paraglidern) enorme Streckenflugpotenziale (XC) bei gleichzeitig hohen Anforderungen an die "Airmanship" – das fliegerische Verhalten und Situationsbewusstsein – bietet. Im Gegensatz zu reinen Vereinsgeländen, die oft nur über rudimentäre Einrichtungen verfügen, operiert Neustadt-Glewe als voll lizensierter Verkehrslandeplatz mit einer festen, professionellen Infrastruktur. Hier integrieren sich Motorflug, Segelflug, Fallschirmsprung, Ballonfahrt, Modellflug und Gleitschirmflug in einem koordinierten Luftraumvolumen.  

Für den ambitionierten Gleitschirmpiloten bedeutet dies einerseits den luxuriösen Zugang zu professioneller Logistik – von der Gastronomie über Briefing-Räume bis hin zum permanenten Windenbetrieb durch ansässige Flugschulen. Andererseits erfordert dieser Komfort eine strikte Disziplin im Hinblick auf Luftraumbeobachtung, Funkkommunikation und Einhaltung der Sektoren. Wer die Dynamik dieses Platzes versteht, findet hier Bedingungen vor, die regelmäßige Streckenflüge von über 100 Kilometern für Gleitschirme und bis zu 500 Kilometern für Segelflugzeuge ermöglichen. Die vorliegende Analyse zielt darauf ab, den offiziellen DHV-Geländeeintrag nicht nur zu ergänzen, sondern durch eine tiefgreifende Betrachtung der lokalen Aerologie, der taktischen Flugplanung und der Sicherheitsarchitektur zu ersetzen und ein umfassendes Kompendium für den leistungsorientierten Flachlandpiloten bereitzustellen.

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Geografische Lage und Strategische Anbindung

Der Flugplatz liegt im Südwesten des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, unmittelbar am südöstlichen Rand der Stadt Neustadt-Glewe, die als „Tor zur Lewitz“ bekannt ist. Mit einer Elevation von nur 32 bis 35 Metern über Normalnull (MSL) repräsentiert das Gelände klassisches norddeutsches Flachland, das jedoch durch seine spezifische Bodenbeschaffenheit thermisch hochaktiv ist. Die geografischen Koordinaten N 53°21'47.62" E 11°36'26.71" verorten den Platz strategisch günstig zwischen den beiden größten deutschen Metropolregionen. Er liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Hamburg und Berlin, was ihn für Tagesgäste und Wochenendpiloten aus beiden Ballungsräumen attraktiv macht. Die verkehrstechnische Anbindung erfolgt hocheffizient über die Autobahn A24. Piloten verlassen die Autobahn an der Abfahrt Neustadt-Glewe; von dort sind es lediglich ca. 1,5 Kilometer bis zum Flugplatzgelände, was die Anreisezeit minimiert und die "Time-to-Fly" maximiert.

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Das Start- und Landebahnsystem: Dimensionen und Ausrichtung

Das Bahnsystem von EDAN ist in seinen Ausmaßen beeindruckend und historisch bedingt großzügig dimensioniert, da es sich um einen ehemaligen Luftwaffenflugplatz handelt, auf dem seit 1953 Luftsport betrieben wird. Die schiere Größe des Areals ist der Schlüsselfaktor für den sicheren Mischbetrieb. Es existieren zwei Hauptstartbahnen für den Motor- und Segelflug (Grasbahnen), die eine Ausrichtung ermöglichen, die nahezu alle Windrichtungen abdeckt und somit "Schiebewindstarts" minimiert.  

Hauptbahn 09/27: Diese Ost-West-Achse misst 1200 Meter in der Länge und 40 Meter in der Breite. Sie dient als primäre Achse bei den vorherrschenden Westwindlagen, die für die Region typisch sind.

Querbahn 18/36: Die Nord-Süd-Achse ist mit 900 Metern Länge und 40 Metern Breite etwas kürzer, aber essenziell für Lagen mit reinem Nord- oder Südwind.  

Schleppstrecke und Ausklinkhöhen: Die enorme Ausdehnung des Platzes erlaubt Schleppstrecken, die deutlich über dem Durchschnitt vieler kleinerer Plätze liegen. Lange Schleppstrecken korrelieren direkt mit der erreichbaren Ausklinkhöhe. Obwohl der DHV-Eintrag keine mobile Abrollwinde als Standard spezifiziert , wird der Windenbetrieb durch die ansässigen Vereine und insbesondere die Flugschule NC-Wings mittels leistungsstarker stationärer Winden realisiert. Die Länge der Bahnen ermöglicht bei gutem Gegenwind Ausklinkhöhen von 300 bis 450 Metern über Grund, was den Einstieg in die Thermik signifikant erleichtert.  

Bodenbeschaffenheit: Der Untergrund besteht durchgehend aus gepflegter Wiese/Gras. Dies ist für Gleitschirmpiloten ein wesentlicher Sicherheits- und Komfortfaktor. Im Gegensatz zu Asphalt- oder Schotterflächen ist der Verschleiß am Tuch beim Auslegen und Starten minimal. Allerdings sollte beachtet werden, dass die Lewitz eine Niederung ist; nach starken Regenfällen oder im Frühjahr kann der Boden Feuchtigkeit speichern, weshalb wasserfestes Schuhwerk und gegebenenfalls eine Unterlage für den Schirm ("Concertina Bag") zur Standardausrüstung gehören sollten.

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Die "NC-Wings" Flugschule als zentraler Hub

Ein wesentlicher Unterschied zu vielen reinen Vereinsgeländen, die oft nur am Wochenende aktiv sind, ist die Präsenz der professionellen Flugschule NC-Wings, geführt von Frank und Peter Niemann. Diese Institution fungiert als logistischer und operativer Ankerpunkt für die Gleitschirmfliegerei am Platz.  

Ausbildungsangebot und Infrastruktur: Die Schule bietet das volle Spektrum der Ausbildung an, vom Grundkurs über den A-Schein bis hin zum B-Schein, inklusive spezialisierter Windenschulung und Tandemflügen. Für Gastpiloten bedeutet dies, dass während der Saison (März bis Oktober) eine permanente Infrastruktur vorhanden ist. Es sind Windenfahrer vor Ort, ein Startleiter ist eingeteilt, und der Flugbetrieb läuft strukturiert ab. Dies eliminiert das oft frustrierende "Warten auf den Windenfahrer", das man von kleineren Vereinen kennt.  

Shop & Service: Vor Ort besteht Zugang zu einer Werkstatt für Checks und Reparaturen sowie Beratung zum Materialkauf, da die Schule Partner von Swing Paragliders, Fresh Breeze und anderen Herstellern ist. Sollte im Flugurlaub eine Leine reißen oder ein Rettungsgerät neu gepackt werden müssen (Selbstpackerlehrgänge werden ebenfalls angeboten ), ist fachkundige Hilfe direkt am Platz verfügbar.  

Umschulung und Weiterbildung: Besonders interessant für Piloten, die vom Bergfliegen kommen, ist das Angebot der Umschulung auf Windenstart bzw. Flachlandfliegen. Die Schule bietet hierfür spezifische Kurse an, die die Besonderheiten des Schlepps und der Flachlandthermik vermitteln.

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Tanken und Technische Versorgung (Motorisierte Piloten)

Für Motorschirmpiloten oder Begleitfahrzeuge ist die Verfügbarkeit von Treibstoffen relevant. Der Platz bietet JET A1, 100LL und Super Plus an. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Logistikvorteil für Motorschirmflieger, die auf hochwertiges Benzin angewiesen sind und nicht mit Kanistern zur nächsten Straßentankstelle pendeln müssen. Öl und Hangarplätze sind auf Anfrage ("O/R" - On Request) verfügbar, wobei die Hangarierung von Gleitschirmen oder Trikes in der Regel in Absprache mit der Flugschule oder dem Verein erfolgt.

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Meteorologie und Aerologie: Das "Thermische Kraftwerk" Lewitz

Die meteorologische Analyse des Standorts Neustadt-Glewe widerlegt eindrücklich das weit verbreitete Vorurteil, dass Flachlandfliegen aerologisch uninteressant oder "schwach" sei. Im Gegenteil: Die Region Lewitz und die sandigen Böden Mecklenburgs schaffen Bedingungen, die regelmäßig Segelflugstrecken von über 500 Kilometern ermöglichen. Für Gleitschirmpiloten lassen sich aus diesen geologischen und meteorologischen Fakten spezifische taktische Muster ableiten.

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Die Bodenbeschaffenheit und Thermik-Trigger

Die Qualität der Thermik in Neustadt-Glewe wird maßgeblich durch die pedologischen (bodenkundlichen) Eigenschaften der Umgebung bestimmt.

Dominanz der Sandböden: Die Region ist geprägt von leichten, sandigen Böden. Sand hat eine geringe spezifische Wärmekapazität und leitet Wärme schlecht in tiefere Schichten ab. Dies führt dazu, dass sich die Oberfläche bei Sonneneinstrahlung extrem schnell und stark erwärmt. Für Piloten bedeutet dies eine frühe Auslösezeit der Thermik, oft schon am Vormittag gegen 10:00 oder 11:00 Uhr. Wer erst mittags startet, hat oft die besten Stunden des Tages bereits verpasst.  

Kontrastreiche Triggerpunkte: Die Landschaft um Neustadt-Glewe ist ein Mosaik aus trockenen Sandflächen, landwirtschaftlicher Nutzfläche, ausgedehnten Kiefernwäldern und den Feuchtgebieten der Lewitz. Diese Heterogenität schafft idealen thermischen Kontrast.

Waldkanten: Die Übergänge von den dunklen Kiefernwäldern zu den hellen Ackerflächen sind klassische Abrisskanten für Thermikblasen.

Hotspots: Segelflieger und lokale Piloten nutzen sogenannte "Hausbärte" in unmittelbarer Platznähe. Diese befinden sich oft über den trockenen Heideflächen oder Solarparks in der Umgebung. Nach dem Ausklinken sollte man nicht ziellos suchen, sondern aktiv diese bekannten Triggerpunkte anfliegen.  

Einfluss der Feuchtgebiete: Die Lewitz ist eine Niederungslandschaft mit vielen Kanälen und Teichen. Während Wasserflächen tagsüber oft thermisch inaktiv sind (Abschattung), können sie am späten Nachmittag als Wärmespeicher fungieren und im Zusammenspiel mit den schneller abkühlenden Wiesen eine sanfte Umkehrthermik ("Abendthermik") begünstigen.

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Windregime, Startrichtungen und die "Sea Breeze"

Der Platz erlaubt Starts in fast alle Richtungen, wobei NNO-N im DHV-Eintrag spezifiziert ist, das weitläufige Gelände jedoch Anpassungen an fast jede Windkomponente erlaubt.  

Süd- bis Südwestlagen (Die "Hammer-Tage"): Dies sind die klassischen Streckenfluglagen für Neustadt-Glewe. Die Luftmasse ist oft labil geschichtet, und der Winddrift versetzt die Piloten in Richtung der Mecklenburgischen Seenplatte (Müritz) oder weiter Richtung Polen. Hier werden die großen Distanzen geflogen.

Nordlagen und die Ostsee-Konvergenz: Bei Nordwind besteht eine spezifische meteorologische Gefahr für die Thermikgüte. Kühle, stabile maritime Luft von der Ostsee kann einfließen ("Sea Breeze Front"). Diese Luftmasse ist oft feuchter und stabiler, was die Thermik dämpfen kann ("Blue Thermals" oder schnelle Überentwicklung/Ausbreitung). Piloten sollten bei Nordlagen die Taupunktsdifferenzen (Spread) genau beobachten; ein geringer Spread ist oft ein Indikator für niedrige Basishöhen und Wolkenstraßen, die schnell "zu machen".

WeGlide-Datenanalyse: Die Analyse von WeGlide-Daten deutet darauf hin, dass die "Rennstrecken" oft entlang der Konvergenzlinien verlaufen, die sich zwischen dem maritimen Einfluss der Ostsee und der kontinentalen Luftmasse bilden können. Erfahrene Piloten nutzen diese Linien wie eine Autobahn, um ohne Höhenverlust im Geradeausflug Strecke zu machen.

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Flugbetrieb und Verfahren: Spezifika für Gleitschirmflieger

Der Betrieb in Neustadt-Glewe unterscheidet sich fundamental vom "freien Fliegen" am Berg. Er ist durch das Miteinander verschiedener Luftsportarten geprägt und regulatorisch stärker durchdrungen. Dies erfordert eine detaillierte Kenntnis der lokalen Verfahren.

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Voraussetzungen und "Gatekeeping" für Gastpiloten

Gastpiloten sind in EDAN willkommen, müssen jedoch spezifische Auflagen erfüllen, die über die Standard-DHV-Regeln hinausgehen und der Sicherheit im Mischverkehr dienen:

Zwingende Einweisungspflicht: Aufgrund der Komplexität des Mischbetriebs (siehe Kap. 6) ist eine formelle Einweisung für den Betrieb auf Flugplätzen zwingend vorgeschrieben. Es reicht nicht, einfach aufzutauchen und den Schirm auszulegen. Diese Einweisung erfolgt in der Regel durch die Fluglehrer der NC-Wings oder autorisierte Mitglieder der ansässigen Vereine wie des HDGF (Hamburger Drachen- und Gleitschirmflieger). Sie umfasst die lokalen Sektoren, die Funkverfahren und das Verhalten bei Notfällen.  

Flugfunk-Disziplin: Die Nutzung von Flugfunk wird im DHV-Eintrag als "dringend erwünscht" bezeichnet. In der Praxis ist dies als verpflichtend anzusehen. Gleitschirme haben eine extrem kleine Silhoutte und sind für schnelle Motorflugzeuge im Landeanflug oder die Absetzmaschine (Cessna Caravan) schwer visuell zu erfassen. Eine ständige Hörbereitschaft auf der Platzfrequenz (siehe Kap. 5) ist ein essenzieller Überlebensfaktor. Ein einfaches LPD/PMR-Funkgerät reicht hier nicht aus; ein Flugfunkgerät (mit entsprechender Lizenz BZF/AZF oder zumindest Einweisung in die Hörbereitschaft) ist der Standard.  

Lizenzierung und Könnensstand: Zwar ist das Gelände als "einfach" klassifiziert, für Streckenflüge und das Verlassen des unmittelbaren Gleitbereichs des Platzes ist jedoch faktisch die B-Lizenz (unbeschränkter Luftfahrerschein) notwendig. Dies gilt insbesondere für Flüge, die in kontrollierte Lufträume ragen könnten oder eine Navigation über unbekanntem Terrain erfordern.

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Startarten, Windenbetrieb und UL-Schlepp

Die Startlogistik in EDAN ist vielfältig und auf Effizienz getrimmt.

Stationäre Winde: Es wird primär stationärer Windenbetrieb durchgeführt. Die langen Schleppstrecken auf den 900m bzw. 1200m langen Bahnen ermöglichen, kombiniert mit modernen Kunststoffseilen, Ausklinkhöhen, die im Flachland überdurchschnittlich sind. Höhen von 300 bis 450 Metern über Grund sind bei passendem Wind keine Seltenheit. Dies gibt dem Piloten mehr Zeit, den "Bart" zu finden, bevor er wieder am Boden steht.

UL-Schlepp als Joker: Neben der Winde ist auch UL-Schlepp (Ultraleicht-Schlepp) etabliert. Ein Ultraleichtflugzeug (Trike oder 3-Achser) schleppt den Gleitschirm dabei auf Höhe. Dies ist eine hervorragende Alternative an thermisch schwachen Tagen ("Blauthermik"), da der Schlepppilot den Gleitschirm gezielt in weit entfernte oder bekannte Aufwindquellen ziehen kann, die mit der stationären Winde unerreichbar wären. Zudem ist die Ausklinkhöhe beim UL-Schlepp flexibel und kann deutlich höher (z.B. 600-800m) gewählt werden, was die Chance auf Thermikanschluss drastisch erhöht.  

Ausbildungsintegration: Da NC-Wings intensiv schult (Grundkurse, Höhenflugkurse) , müssen sich Gastpiloten in den Schulungsbetrieb einfädeln. Dies erfordert Geduld und Rücksichtnahme auf Schüler, bietet aber den Vorteil einer permanent besetzten Startstelle. Gastpiloten sollten sich morgens beim Startleiter melden und in die Startreihenfolge ("Startliste") eintragen lassen.

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Geheimtipp: Der "Abendflug" und Sunset-Soaring

Während tagsüber die Thermik stark, zerrissen und turbulent sein kann (für Anfänger weniger geeignet), bieten die späten Nachmittags- und Abendstunden oft das Phänomen der "Magic Air". Die Rückstrahlung der aufgeheizten Sandböden und Kiefernwälder erzeugt ein großflächiges, ruhiges und laminares Steigen. Dies ist die Zeit für Genussflüge und "Sunset-Soaring" in den Sonnenuntergang hinein. Da der Flugbetrieb der Motorflieger und Springer gegen Abend oft abnimmt, gehört der Luftraum dann fast exklusiv den Gleitschirmen und Segelfliegern.

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Luftraumstruktur und Flugsicherung: Navigieren im System

Die Luftraumsituation um Neustadt-Glewe ist komplex und dynamisch. Ein Verständnis der vertikalen und horizontalen Sektoren ist für jeden Piloten obligatorisch, um Luftraumverletzungen zu vermeiden.

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Luftraum E und Höhenbeschränkungen

Über dem Platz beginnt ab einer gewissen Höhe der kontrollierte Luftraum E. In Deutschland liegt die Untergrenze des Luftraums E in der Regel bei 2500 ft AGL (Above Ground Level), kann aber lokal variieren (z.B. 1000 ft AGL in der Nähe von Kontrollzonen).

Staffelung und Sichtflug: Im Luftraum E wird IFR-Verkehr (Instrumentenflug) von der Flugsicherung kontrolliert, VFR-Verkehr (Sichtflug, also Gleitschirme) fliegt jedoch unkontrolliert, aber unter Beachtung der Sichtflugregeln.

Wolkenabstände: Die Abstände zu Wolken (1,5 km horizontal, 1000 ft vertikal) müssen im Luftraum E strikt eingehalten werden. Dies ist im norddeutschen Flachland besonders kritisch, da die Wolkenbasis (Cloudbase) oft niedriger liegt als im Gebirge (oft nur 1200m bis 1800m MSL). Ein Einflug in die Wolke ("Whitout") ist nicht nur lebensgefährlich, sondern im Luftraum E auch eine schwere Verletzung der Verkehrsregeln, die IFR-Verkehr gefährden kann.

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Der Faktor Parchim (EDOP): Ein "Zombie-Flughafen"?

Der Flughafen Schwerin-Parchim (EDOP) liegt nordöstlich von Neustadt-Glewe und stellt eine operative Besonderheit dar.  

Status-Ungewissheit: Obwohl Berichte über eine Schließung, Insolvenz oder Inaktivität existieren, sind die Frequenzen und Lufträume (CTR, RMZ, TMZ) in den offiziellen ICAO-Karten oft noch verzeichnet.

Verfahren: Piloten dürfen sich nicht auf Gerüchte verlassen. Vor dem Start muss der aktuelle Status von EDOP geprüft werden (via NOTAMs oder Anruf bei der Flugleitung EDAN). Selbst wenn der Platz für den Linienverkehr "zu" ist, kann der Luftraum aktiv sein, etwa für Frachtflüge oder Schulungen.

Frequenzen: Die historischen Frequenzen für Parchim (TWR 128.900, ATIS 126.130) sollten bekannt sein und idealerweise auf dem Kniebrett notiert oder im Funkgerät gespeichert sein, falls eine Kontaktaufnahme oder das Einholen einer Freigabe nötig wird.

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Funkkommunikation (EDAN Info)

Frequenz: Die Standardfrequenz für Neustadt-Glewe (Neustadt Info) muss am Funkgerät eingestellt sein. Es ist essenziell, die aktuellen ICAO-Karten zu konsultieren, da sich Frequenzen durch die Umstellung auf das 8.33 kHz Raster geändert haben können. Alte Quellen im Internet nennen oft veraltete 25 kHz Frequenzen. Die aktuelle Frequenz laut Fluglehrerteam-Snippet ist 118.815 (Stand 2019, zwingend aktuell prüfen!).  

Meldepflicht: Gleitschirmflieger sollten sich bei der Flugleitung anmelden ("Neustadt Info, Gleitschirm am Start") und auch abmelden, besonders wenn sie den Platzbereich für einen Streckenflug verlassen. Dies dient der Sicherheit: Wenn ein Pilot abends nicht zurückkehrt, weiß die Flugleitung, dass er auf Strecke war und nicht irgendwo im Platzbereich abgestürzt ist.

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Sicherheit und Risikomanagement im Mischbetrieb

Das größte Risiko in EDAN ist nicht das Gelände selbst (welches hindernisfrei und flach ist), sondern der Verkehr. Das "See and Avoid" Prinzip muss hier aggressiv gelebt werden.

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Gefahrenanalyse: Skydiver und Absetzmaschine

Der Fallschirmsportclub Mecklenburg e.V. (Skydive-MV) operiert intensiv am Platz. Die Absetzmaschine (oft eine Cessna Grand Caravan "SuperVan") ist ein leistungsstarkes Turboprop-Flugzeug, das schnell steigt und Springer aus 4000m abwirft.  

Gefahr 1: Wirbelschleppen (Wake Turbulence): Die Caravan erzeugt beim Start und vor allem im langsamen Landeanflug massive Wirbelschleppen, die unsichtbar absinken und zur Seite driften. Ein Gleitschirm, der in eine solche Wirbelschleppe gerät, kann unkontrollierbar kollabieren. Es gilt ein absolutes Startverbot für Gleitschirme unmittelbar nach Start oder Landung der Absetzmaschine! Windenfahrer und Startleiter achten darauf, aber der Pilot hat die letzte Verantwortung.

Gefahr 2: Die "Drop Zone": Während des Absetzvorgangs und des freien Falls der Springer ist der Luftraum über dem Platz vertikal blockiert. Gleitschirme müssen den Bereich der "Drop Zone" (meist über dem Platz oder leicht luvseitig versetzt) zwingend meiden. Ein Zusammenstoß mit einem Freifaller (ca. 200 km/h) ist fatal. Achten Sie auf Funksprüche wie "Springer abgesetzt" oder "Jumper in the air".

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Gefahrenanalyse: Segelflug-Windenstart

Segelflieger im Windenstart steigen steiler und schneller als Gleitschirme. Das Stahlseil ist in der Luft kaum zu sehen.

Seilrissbereich: Der Bereich vor der Segelflugstartstelle ist tabu. Sollte ein Seil reißen, schießt es unkontrolliert zurück oder fällt herab.

Herabfallendes Seil: Nach dem Ausklinken fällt das Seil am Fallschirm herab. Gleitschirme dürfen die Schlepptrasse niemals kreuzen, solange der Windenbetrieb läuft und das Seil nicht am Boden liegt.

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Notverfahren und Außenlandung

Außenlandung: Im Flachland ist die Außenlandung keine Notlage, sondern der Normalfall beim Streckenflug. Die Lewitz bietet viele riesige Wiesen.

Die Graben-Falle: Vorsicht vor den Entwässerungsgräben in der Lewitz. Diese sind aus der Luft oft schwer zu sehen, da sie mit Schilf oder hohem Gras bewachsen sind. Eine Landung quer zum Graben kann zu Verletzungen führen. Landefelder genau inspizieren!

Baumlandung: Aufgrund der vielen Waldstücke in der Umgebung ist ein Baumrettungsset (Sicherungsschlinge, Karabiner) und eine Trillerpfeife im Gurtzeug sehr empfehlenswert, um sich im dichten Forst bemerkbar zu machen, falls eine Baumlandung unvermeidbar war.

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Streckenflug (XC): Strategien für EDAN

Neustadt-Glewe ist ein idealer Ausgangspunkt für "Flatland-XC". Wer die Technik beherrscht, kann hier Flüge realisieren, die im Gebirge aufgrund der Topografie unmöglich wären.

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Routenplanung: Die "Rennstrecken"

Die "Rennstrecke" Ost: Bei Westwind (der häufigsten Windrichtung in Norddeutschland) führt der klassische Weg mit dem Wind ("Downwind") Richtung Osten. Ziele sind Plau am See, die Müritz und weiter Richtung Neubrandenburg oder Anklam. Hier reihen sich thermische Quellen aneinander. Die Seen bieten Orientierung, können aber bei starkem Wind thermisch "abschatten" (blaue Löcher), da die kühle Wasseroberfläche die Thermik unterbricht. Die Strategie ist hier, die Seen an den Rändern zu umfliegen oder Wolkenstraßen zu nutzen, die oft parallel zu den Seenketten verlaufen.

Das FAI-Dreieck: Ambitionierte Piloten versuchen, geschlossene Aufgaben (FAI-Dreiecke) zu fliegen. Dies ist im Flachland die Königsdisziplin, da man gegen den Wind zurückfliegen muss.

Taktik: Ein Schenkel gegen den Wind sollte idealerweise am Anfang des Tages geflogen werden, wenn die Thermik noch nicht verblasen ist und der Wind oft noch schwächer ist. Ein Starten gegen 11:00 Uhr, Vorfliegen gegen den Wind bis zur ersten Wende, und dann mit dem Wind zurück und den Schenkel schließen, ist eine bewährte Taktik.

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Analyse von Tracklogs und Flugstil

Die Analyse erfolgreicher Flüge (z.B. via WeGlide, XContest oder DHV-XC) von EDAN aus zeigt klare Muster.  

Delphin-Stil: Piloten, die hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten fliegen, "kurbeln" nicht jeden Bart bis zur Basis aus. Sie nutzen den "Delphin-Stil", bei dem sie unter Wolkenstraßen im Geradeausflug Höhe in Energie umsetzen. Das reine "Ausurbeln" jedes schwachen Bartes kostet im Flachland bei starkem Wind zu viel Strecke und versetzt einen zu schnell nach Lee.

Drift-Kalkulation: Der Windversatz (Drift) ist im Flachland enorm. Wer in einem Bart kreist, wird bei 20 km/h Wind pro 1000m Höhengewinn mehrere Kilometer versetzt. Dies muss bei der Routenplanung und Luftraumbeobachtung einkalkuliert werden.

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Logistik, Unterkunft und "Après-Fly"

Ein Aufenthalt in Neustadt-Glewe endet nicht mit der Landung. Die Infrastruktur am Boden ist für Pilotenbedürfnisse optimiert und bietet auch für Begleitpersonen Attraktivität.

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Unterkunft direkt am Platz: "Pilot Camp"

Camping: Der Luftsportverein bietet großzügige Campingmöglichkeiten für Wohnwagen und Zelte direkt am Platz an. Dies schafft eine echte "Fliegerlager-Atmosphäre". Abends sitzt man gemeinsam am Grill, tauscht Erfahrungen aus und analysiert die Flüge. Die Gebühren sind moderat und fliegerfreundlich (ca. 10€/Tag für Wohnmobile, 5€ für Zelte pro Person).  

Sanitäranlagen: Die Nutzung der Vereinsanlagen (Duschen/WC) ist in der Regel in der Campinggebühr enthalten. Der Standard ist funktional und sauber ("Vereinsstandard"), kein Luxus, aber vollkommen ausreichend.

Zimmer: Es gibt einfache Übernachtungsmöglichkeiten ("Bunkhouse") oder Zimmer im Clubheim. Diese sind jedoch oft vorrangig für Kursteilnehmer der Flugschulen oder Vereinsmitglieder reserviert. Eine vorherige Anmeldung und Reservierung ist zwingend erforderlich.

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Gastronomie und Verpflegung

Am Platz: Ein Imbiss ist am Wochenende oft beim Fallschirmsportclub (nahe der Packzone) verfügbar. Hier gibt es den klassischen "Flieger-Kaffee" und Snacks. Für Selbstversorger bietet das Clubheim oft eine Küche; die Nutzung muss jedoch mit dem Verein abgeklärt werden.  

In der Stadt (Geheimtipps):

Burg Neustadt-Glewe: Das "Restaurant & Café Alte Burg" ist der kulinarische Tipp für den Abend. Es bietet gehobene Küche in historischem Ambiente einer Burganlage aus dem 13. Jahrhundert. Perfekt für das "Landing Beer" oder ein festliches Abendessen nach einem erfolgreichen 100km-Flug.  

Barracuda Beach: Nur wenige Minuten entfernt am Neustädter See gelegen, ist dies der ideale Ort für heiße Sommertage, wenn die Thermik zu stark ist oder man auf die Abendthermik wartet. Mit Beach-Bar, Badestrand und entspannter Atmosphäre ist es der perfekte Ausgleichssport. Der Eintritt ist günstig (ab ca. 3€), und es bietet sich an, Badesachen im Fluggepäck zu haben.

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Preise und Kosten (Kalkulationsbasis Stand 2025/2026)

Die Kostenstruktur in EDAN ist transparent, aber Piloten sollten Bargeld bereithalten, da Kartenzahlung nicht an allen Vereinsstationen garantiert ist.

Tandemflug: Ein Erlebnisflug kostet ca. 99€.  

Schnuppertag: Ein kompletter Tag zum Reinschnuppern liegt bei ca. 200€, wobei dieser Betrag oft auf eine spätere Ausbildung angerechnet wird.  

Schleppgebühren: Diese variieren je nach Anbieter (Verein oder Schule), liegen aber meist im marktüblichen Bereich für Windenstarts (ca. 8-15€ pro Schlepp).

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Fazit und Experten-Einschätzung

Der Flugplatz Neustadt-Glewe (EDAN) ist ein Hidden Champion der deutschen Gleitschirmszene. Er bietet eine seltene Kombination aus professioneller Infrastruktur, enormem Streckenflugpotenzial und einer lebendigen Community, die man an vielen reinen "Hügel-Geländen" vergeblich sucht.

Der Schlüssel zum Erfolg in EDAN liegt in der Integration: Wer sich als Gleitschirmpilot nicht als "Gast", sondern als Teil des Luftverkehrssystems versteht, sich aktiv in den Funkverkehr einbringt, die Regeln des Mischbetriebs respektiert und die aerologischen Besonderheiten der sandigen Lewitz nutzt, wird mit Flügen belohnt, die denen in den Alpen an Distanz in nichts nachstehen – nur eben "flach". Für Piloten aus dem Großraum Hamburg ist EDAN zweifellos das nächstgelegene "echte" Thermikrevier, das den Aufwand der Anreise durch Zuverlässigkeit und Infrastruktur mehr als wettmacht. Es ist kein Platz für Einzelgänger, die "nur mal schnell fliegen" wollen, sondern für Piloten, die Luftsport als Gemeinschaftserlebnis und Disziplin verstehen.

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