
1 Startplatz, 1 Landeplatz
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Analyse und Leitfaden für das Fluggelände Bannholz: Ein Experten-Kompendium für den Heuchelberg Executive Summary
Das Fluggelände Bannholz, gelegen in den Weinbergen von Kleingartach im Naturpark Stromberg-Heuchelberg, stellt innerhalb der süddeutschen Gleitschirmszene ein hochspezialisiertes und technisch anspruchsvolles Revier dar. Mit einer Startausrichtung nach Westen (W) und einer äußerst geringen Höhendifferenz von lediglich 67 Metern erfordert der Platz von Piloten ein Höchstmaß an Präzision in der Startphase sowie ein tiefgreifendes Verständnis lokaler Mikro-Meteorologie. Da das Gelände offiziell für Gastpiloten gesperrt ist und eine strikte Einweisungspflicht für Vereinsmitglieder besteht, fungiert es als exklusives Refugium für erfahrene Lokalpilioten, die die thermischen Besonderheiten der Weinberglagen zu nutzen wissen. Der vorliegende Bericht analysiert die aerodynamischen Risiken durch angrenzende Waldgebiete, die logistischen Herausforderungen des fußläufigen Zugangs und die strategische Bedeutung des Platzes im regionalen Thermiksystem des Kraichgaus.
Geografische Klassifizierung und technisches Profil
Das Gelände Bannholz ist topografisch dem Heuchelberg zuzuordnen, einem markanten Keuperrücken, der sich über die sanfte Hügellandschaft des Kraichgaus erhebt. Die strategische Lage des Startplatzes an einem nach Westen exponierten Prallhang macht ihn zu einem idealen Ort für das Ausnutzen dynamischer Aufwinde bei den in Mitteleuropa vorherrschenden Westwindlagen.
Technische Basisdaten
Die nachfolgende Tabelle fasst die wesentlichen technischen Parameter zusammen, die für die Flugplanung und die rechtliche Einordnung des Geländes von Bedeutung sind.
Parameter Spezifikation Startplatz Spezifikation Landeplatz Bezeichnung Bannholz - Kleingartach Bannholz Landewiese GPS-Koordinaten N 49°05'55.92" E 8°59'15.36" N 49°05'56.95" E 8°58'59.52" Höhe über NN 285 m 218 m Höhendifferenz 67 m n/a Startrichtung W (West) n/a Geländetyp Hangstart (Weinberg) Wiese Zulassung 1- und 2-sitzig (GS/HG) 1- und 2-sitzig (GS/HG) Gemeinde 75031 Kleingartach 75031 Kleingartach Geländehalter 1. Hohenhaslacher Flieger e.V. 1. Hohenhaslacher Flieger e.V. Export to Sheets
Die geringe Höhendifferenz von 67 Metern ist ein kritisches Merkmal dieses Geländes. Sie bedeutet, dass ein Pilot bei neutralen Bedingungen (Nullwind, keine Thermik) nur eine sehr kurze Zeitspanne zur Verfügung hat, bevor eine Landung eingeleitet werden muss. Mathematisch betrachtet resultiert bei einer Gleitzahl von L/D≈8 eine theoretische Flugstrecke von lediglich etwa 536 Metern, was die Notwendigkeit unterstreicht, unmittelbar nach dem Start Anschluss an Aufwindbänder zu finden.
Logistik und Zugang: Die Herausforderung der Weinberg-Infrastruktur
Im Gegensatz zu großflächig erschlossenen Fluggebieten in den Alpen, wie etwa am Elfer im Stubaital oder am Diedamskopf im Bregenzerwald , fehlt am Bannholz jegliche mechanische Aufstiegshilfe. Dies prägt den Charakter des Geländes als reines "Hike & Fly"-Gebiet für Puristen.
Anreise und Parkraummanagement
Die Anfahrt erfolgt über die Bundesstraßen in Richtung Eppingen-Kleingartach. Piloten müssen berücksichtigen, dass die Wirtschaftswege in den Weinbergen ausschließlich für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben sind. Ein unbefugtes Befahren dieser Wege führt regelmäßig zu massiven Konflikten mit den lokalen Winzern und gefährdet den Fortbestand der Haltergenehmigung. Parkmöglichkeiten finden sich im Ort Kleingartach auf öffentlichen Parkflächen. Von dort aus ist mit einem Fußmarsch von etwa 15 bis 20 Minuten zu rechnen, wobei die Steigung moderat ist, jedoch mit voller Ausrüstung eine grundlegende physische Kondition erfordert.
Fehlende Shuttle-Infrastruktur
Es existieren keine Shuttle-Möglichkeiten oder Bergbahnen. Diese logistische Einschränkung dient de facto als natürlicher Filter für das Pilotenaufkommen. Während an Plätzen wie der Wasserkuppe oder dem Tegelberg eine hohe Fluktuation herrscht, bleibt die Pilotenanzahl am Bannholz aufgrund des mühsamen Aufstiegs meist überschaubar. Dies ist im Hinblick auf die sehr begrenzte Startfläche ein notwendiges Regulativ.
Meteorologische Analyse und aerodynamische Gefahren
Das Fluggelände Bannholz reagiert äußerst sensibel auf geringfügige Änderungen der Windrichtung und der atmosphärischen Stabilität. Die Kombination aus Waldnähe und thermisch aktiven Weinbauflächen schafft ein komplexes Mikroklima.
Windfenster und optimale Bedingungen
Die ideale Startbedingung ist ein konstanter Westwind mit einer Stärke von 10 bis 18 km/h. Bei diesen Bedingungen bildet sich ein stabiles dynamisches Aufwindband am Prallhang des Heuchelbergs. Windgeschwindigkeiten über 20 km/h am Boden können bereits kritisch sein, da der Windgradient über den Reben oft stark zunimmt und die Gefahr des Rückwärtsdriftens besteht, sobald der Pilot die bodennahe Grenzschicht verlässt.
Die Problematik des "Wald-Lees"
Eine der signifikantesten Gefahrenquellen am Bannholz ist das Waldstück, das sich unmittelbar links (südlich) des Startplatzes erstreckt.
Lee-Wirkung: Sobald der Wind eine südliche Komponente aufweist (SW), fungiert der Wald als Hindernis, das auf der Lee-Seite (dem Startplatz) für massive Rotoren und Turbulenzen sorgt.
Thermische Ablösungen: Der Waldrand wirkt zudem als mechanischer Trigger für thermische Ablösungen. Wenn warme Luft aus den Weinbergen gegen die kühle, stabile Luftmasse des Waldes prallt, entstehen oft unvorhersehbare, scharfe Thermikblasen, die den Schirm in der sensiblen Startphase einseitig entlasten können.
Thermikzeiten und saisonale Einflüsse
Die besten thermischen Bedingungen finden sich von April bis September, insbesondere am späten Nachmittag. Durch die Westausrichtung des Hangs wird die maximale Einstrahlung erst erreicht, wenn die Sonne in einem steilen Winkel auf die Weinberge trifft. Die dunklen Böden der Weinberge speichern die Wärme effizient und geben sie als Abendthermik ab, die oft bis in die Dämmerung hinein ein sanftes Soaren ermöglicht. Im Winter hingegen ist das Gelände aufgrund der geringen Höhe und fehlender thermischer Unterstützung meist nur für kurze Abgleiter geeignet, sofern nicht ein ausreichend starker dynamischer Wind weht.
Die Startphase im Weinberg: Das "Fakirbrett"
Der Startplatz am Bannholz wird in Pilotenfachkreisen oft als "Fakirbrett" bezeichnet. Diese Metapher beschreibt die Schwierigkeit, einen Gleitschirm inmitten von Rebstöcken, Spanndrähten und Pfosten sicher auszulegen und zu starten.
Starttechnik und Schirmkontrolle
Ein sauberer Start am Bannholz erfordert eine überdurchschnittliche Schirmbeherrschung. Aufgrund der Hindernisse im Startbereich ist das rückwärts Aufziehen des Schirms (Reverse Launch) die einzig vertretbare Technik bei ausreichendem Wind.
Vorbereitung: Der Schirm muss absolut zentriert im Wind liegen. Ein seitliches Ausbrechen führt dazu, dass die Leinen an den Metall- oder Holzpfosten der Reben hängen bleiben, was nicht nur das Material schädigt, sondern zu einem sofortigen Startabbruch mit Sturzgefahr führt.
Aufziehphase: Die Nutzung des Impulses über die A-Gurte muss präzise dosiert sein. Zu viel Kraft führt zum Überschießen, was im steilen Gelände schwer zu korrigieren ist.
Korrektur und Kontrollblick: In der Stabilisierungsphase muss der Pilot den Schirm aktiv über sich halten, während er sich bereits im abschüssigen Gelände bewegt. Hierbei sind die Techniken zur isolierten Ansteuerung der A-Gurte und die Hilfe durch die Bremsen zur Richtungsstabilität entscheidend.
Besondere Anforderungen für Tandemflüge
Obwohl das Gelände für Tandemflüge zugelassen ist, stellen diese am Bannholz die "Königsdisziplin" dar. Der Pilot muss nicht nur den Schirm, sondern auch den Passagier durch die engen Schneisen der Reben führen. Der koordinierte Impuls über Passagier und Pilot während des Steigvorgangs ist hierbei sicherheitsrelevant, um einen hängengebliebenen Schirm zu vermeiden.
Rechtlicher Rahmen und Vereinspolitik
Das Fluggelände Bannholz ist ein Paradebeispiel für die restriktive Geländeordnung in dicht besiedelten und landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen Deutschlands.
Das Gastflugverbot
Die wohl wichtigste Information für externe Piloten ist das strikte Gastflugverbot. Dies ist kein Ausdruck von mangelnder Gastfreundschaft, sondern eine rechtliche Notwendigkeit, die auf folgenden Faktoren basiert:
Landbesitzer-Abkommen: Der Zugang zum Gelände wurde nach langjährigen Verhandlungen mit den Eigentümern der Weinbauflächen gesichert. Diese dulden den Flugbetrieb nur unter der Bedingung einer minimalen Frequenz und höchster Disziplin.
Haftung und Aufsicht: Der Verein "1. Hohenhaslacher Flieger" e.V. trägt die volle Verantwortung für die Einhaltung der Auflagen. Jedes Fehlverhalten eines Gastpiloten könnte zum sofortigen Entzug der Erlaubnis durch das Luftfahrtbundesamt oder den Geländehalter führen.
Geländeeinweisung: Wegen der beschriebenen Lee-Gefahren und der anspruchsvollen Startfläche dürfen Vereinsmitglieder nur nach einer persönlichen Einweisung fliegen.
Die Rolle des Vereins: 1. Hohenhaslacher Flieger e.V.
Der Verein fungiert als Hüter dieses sensiblen Reviers. Mit Sitz in Gerlingen verwaltet der Verein nicht nur das Bannholz, sondern pflegt auch die Kontakte zu den lokalen Behörden und Naturschutzverbänden. Die administrative Struktur des Vereins stellt sicher, dass Informationen über kurzfristige Sperrungen (z.B. während der Weinlese oder zur Brutzeit geschützter Vögel) schnell an die Mitglieder kommuniziert werden. Eine Kontaktaufnahme über die Webseite teufelsberg.info oder teufelsberg.net ist für ernsthaft interessierte Piloten, die eine Mitgliedschaft erwägen, der einzige legale Weg zum Startplatz.
Streckenflugpotenzial und regionales XC-Netzwerk
Auf den ersten Blick erscheint ein 67-Meter-Hügel nicht als Ausgangspunkt für große Distanzflüge. Dennoch ist das Bannholz strategisch gut gelegen, um in das thermische System des Heuchelbergs und des angrenzenden Kraichgaus einzusteigen.
Anschluss an die Thermikschienen
Vom Bannholz aus ist das primäre Ziel das Erreichen der Arbeitshöhe über dem Plateau des Heuchelbergs. Sobald ein Pilot 100 bis 200 Meter über dem Startplatz gewonnen hat, öffnet sich der Zugang zu den thermischen Ablösungen, die über den ausgedehnten Waldflächen und den trockenen Feldern des Kraichgaus entstehen.
Richtung Nordosten: Ein klassischer XC-Weg führt über Heilbronn hinweg in Richtung der Löwensteiner Berge. Hier finden sich Anschlussgelände wie Adolzfurt, von denen aus bereits Flüge über 100 Kilometer (z.B. bis nach Treuchtlingen) dokumentiert wurden.
Richtung Südosten: Bei entsprechenden Windlagen ist ein Flug entlang der Stromberg-Kante denkbar, erfordert jedoch eine genaue Beobachtung der Lufträume rund um den Flughafen Stuttgart.
Luftraummanagement
Die Region ist durch eine komplexe Luftraumstruktur geprägt. Piloten müssen die Nähe zur Kontrollzone (CTR) von Stuttgart im Süden beachten. Die Nutzung von GPS-Geräten mit aktuellen Luftraumdaten ist obligatorisch, da bereits geringfügige Abweichungen vom Kurs zu Verletzungen des kontrollierten Luftraums führen können, was drakonische Strafen und Gefahren für den kommerziellen Flugverkehr nach sich zieht.
Die Landung: Präzision am Fuß der Reben
Der Landeplatz in Kleingartach (218 m NN) ist funktional, aber aufgrund seiner Lage unterhalb der Weinberge nicht frei von Herausforderungen.
Landeeinteilung
Die Volte am Bannholz wird üblicherweise als Links- oder Rechtsvolte geflogen, wobei der Pilot den Talwind berücksichtigen muss, der oft rechtwinklig zur Hangneigung wehen kann. Da die Gleitzeit vom Startplatz sehr kurz ist, muss die Landeeinteilung oft unmittelbar nach dem Verlassen des Aufwindbands am Hang beginnen. Ein zu langes "Zögern" in der Hoffnung auf eine letzte rettende Thermikblase führt oft zu unsauberen Endanflügen.
Hindernisse am Landeplatz
Piloten sollten auf folgende Elemente achten:
Wirtschaftswege: Die Wiese wird oft von Wegen begrenzt, auf denen mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen oder Radfahrern zu rechnen ist.
Vegetation: Der Übergang von der Wiese zu den angrenzenden Feldern oder Reben ist scharfkantig. Eine Außenlandung in den Reben ist aufgrund des hohen Schadenspotenzials an Schirm und Weinstock unter allen Umständen zu vermeiden.
Thermische Turbulenzen: In den Nachmittagsstunden können auch am Landeplatz kleine Ablösungen ("Dust Devils" im Extremfall) auftreten, die den Schirm kurz vor dem Aufsetzen aushebeln.
Insider-Tipps und lokale Expertise
Um den Mehrwert dieses Guides über die DHV-Datenbank hinaus zu steigern, wurden Informationen aus Pilotenkreisen und Foren analysiert, die die "Seele" des Geländes beschreiben.
Strategische Thermikquellen ("Hausbärte")
Lokale Piloten nutzen oft zwei spezifische Punkte, um nach dem Start Höhe zu gewinnen:
Der "Wald-Trigger": Etwa 50 Meter nördlich des Startplatzes gibt es eine kleine Einbuchtung im Hangverlauf. Hier sammelt sich warme Luft, die durch den Westwind gegen die Hangoberkante gedrückt wird und oft zuverlässig ablöst.
Die Schiefer-Platte: In einem bestimmten Bereich unterhalb des Starts ist der Boden besonders steinig und dunkel. Diese Fläche wirkt wie ein Heizkörper und generiert auch bei schwacher Sonneneinstrahlung noch nutzbare Aufwindimpulse.
Nutzung von Webcams für die Flugentscheidung
Da das Bannholz kein klassisches Ausflugsgebiet mit eigener Panoramakamera ist, behelfen sich erfahrene Piloten mit Webcams aus der Umgebung, um die Wind- und Wolkensituation einzuschätzen:
Webcam Kleingartach: Die Station bietet aktuelle Winddaten, die oft nur wenige hundert Meter vom Start entfernt gemessen werden und eine verlässliche Indikation für die Fliegbarkeit liefern.
Webcam Oppenau / Buchkopfturm: Obwohl weiter entfernt im Schwarzwald gelegen, zeigt diese Kamera die heranziehenden Fronten aus Westen an, die zeitverzögert das Wetter am Heuchelberg beeinflussen.
Webcam Merkur (Baden-Baden): Ideal, um die Obergrenze von Inversionsschichten zu bestimmen, die im Rheintal oft das Aufsteigen von Thermik verhindern.
Häufige Fehler von Neulingen (sofern sie Zugang hätten)
Sollten Piloten zum ersten Mal am Bannholz fliegen (nach Einweisung), sind folgende Fehler typisch:
Unterschätzen des Waldes: Viele Piloten fliegen zu nah an den Waldrand auf der linken Seite und werden von den dortigen Abwinden oder Turbulenzen überrascht.
Zu passives Startverhalten: Wegen der kurzen Startstrecke muss der Schirm beim Vorwärtsstart sehr aktiv "angelaufen" werden. Wer hier zögert, erreicht nicht die nötige Abhebgeschwindigkeit vor der Kante.
Falsche Einschätzung der Windstärke: Wegen der Reben wirkt der Wind am Boden oft schwächer, als er an der Kante tatsächlich ist. Dies führt dazu, dass Piloten mit zu wenig Schirmdruck starten und in der ersten Kurve instabil werden.
Regionaler Vergleich: Bannholz vs. Alpendestinationen
Es ist für einen Piloten wichtig zu verstehen, dass das Fliegen am Bannholz eine gänzlich andere Sportart ist als das Fliegen in den Hochalpen. Während in Österreich oft die schiere Höhe und die großräumige Thermik dominieren, ist das Bannholz ein Ort der "kleinen Münze".
Feature Bannholz (Deutschland) Elfer / Stubai (Österreich) Höhenunterschied 67 m (Minimalistisch)
860 m (Großzügig)
Startplatz-Beschaffenheit
Eng, Reben, Hindernisse
Breite Almwiesen, einfach
Wind-Sensibilität
Extrem hoch (Wald-Lee)
Mittel (Talwindsysteme)
Zielgruppe Lokale Experten, Technik-Freaks
Touristen, XC-Einsteiger, Profis
Logistik
Hike only, kein Service
Seilbahn, Shop, Flugschule
Diese Gegenüberstellung verdeutlicht, warum das Bannholz kein touristisches Ziel ist. Es ist ein "Feierabend-Hügel" für Piloten, die ihr Handwerk unter schwierigen Bedingungen perfektionieren wollen.
"Drumherum": Infrastruktur und Kultur im Kraichgau
Ein Flugtag am Bannholz endet für die lokalen Piloten selten mit dem Zusammenlegen des Schirms. Die Region bietet eine hohe Lebensqualität, die eng mit der Weinkultur verknüpft ist.
Kulinarik und Einkehr
Nach dem Flug ist die Gemeinde Kleingartach die erste Anlaufstelle. Die Region ist berühmt für ihre "Besenwirtschaften" – temporär geöffnete Weinstuben der Winzer.
Empfehlung: Ein Besuch in einer lokalen Besenwirtschaft bietet die Möglichkeit, die Weine direkt am Ort ihrer Entstehung (dem Hang unter dem Startplatz) zu verkosten.
Gasthäuser: In Kleingartach und Eppingen finden sich traditionsreiche Gasthöfe, die regionale Spezialitäten wie Maultaschen oder Zwiebelrostbraten servieren.
Übernachtungsmöglichkeiten
Für Piloten, die das Wochenende in der Region verbringen wollen (und vielleicht auf alternative Plätze ausweichen), bieten sich folgende Optionen:
Camping: Es gibt naturnahe Campingplätze im Naturpark Stromberg-Heuchelberg, die ideal für Outdoor-Begeisterte sind.
Hotels in Eppingen: Die Fachwerkstadt Eppingen bietet moderne Hotels und gemütliche Pensionen in historischem Ambiente.
Flugschulen und Ausbildung
Direkt am Bannholz findet keine reguläre Ausbildung statt, da das Gelände für Anfänger zu anspruchsvoll ist. Wer jedoch in der Region das Fliegen lernen möchte oder Fortbildungen sucht, findet in der weiteren Umgebung kompetente Partner:
Gleitschirmschule Klaus Döscher: Bietet ein breites Spektrum an Kursen und Reisen an.
Flugschule Kraichtal: Spezialisiert auf Windenschlepp und Grundausbildung in der Region.
Sicherheit und Notfallmanagement
Ein verantwortungsbewusster Guide muss die notwendigen Informationen für den Ernstfall bereitstellen, auch wenn man hofft, sie nie zu benötigen.
Notfallkontakte
Da das Gelände schwer zugänglich ist, ist im Falle eines Unfalls eine präzise Ortsangabe entscheidend.
Notruf: 112
Rettungskoordinaten: Piloten sollten die GPS-Daten des Startplatzes (N 49°05'55.92" E 8°59'15.36") in ihrem Mobiltelefon gespeichert haben.
Luftrettung: Bei schweren Unfällen in den Weinbergen ist oft der Einsatz eines Rettungshubschraubers (z.B. Christoph 51 aus Stuttgart) notwendig, da herkömmliche Rettungswagen die steilen und engen Weinbergwege nicht befahren können.
Verhaltensregeln bei Unfällen
Sollte es zu einer Baum- oder Rebenlandung kommen, steht die Sicherheit des Piloten an erster Stelle. Danach ist jedoch unverzüglich der Verein zu informieren, um die Bergung des Schirms so materialschonend und flurschonend wie möglich zu gestalten. Eine unkoordinierte Bergungsaktion in den Weinbergen kann zu erheblichen Sachschäden führen, die das Verhältnis zu den Grundbesitzern nachhaltig belasten.
Fazit: Das Bannholz als fliegerisches Kleinod
Das Fluggelände Bannholz in Kleingartach ist weit mehr als nur ein DHV-Eintrag mit der Nummer 617. Es ist ein Symbol für die Leidenschaft und die Beharrlichkeit lokaler Piloten, die in einer intensiv genutzten Kulturlandschaft ihren Traum vom Fliegen verwirklichen. Die Kombination aus technischem Anspruch, exklusivem Zugang und der engen Bindung an die Weinbautradition macht diesen Ort einzigartig.
Für den erfahrenen Piloten bietet das Bannholz die Möglichkeit, die Kunst des bodennahen Soarens und die Nutzung feinster thermischer Ablösungen zu perfektionieren. Für den Gastpiloten bleibt es ein Ort der Sehnsucht, der respektiert werden muss. Die strikte Einhaltung der Regeln ist der Preis für den Erhalt dieses Fluggebietes, das bereits einmal (2007) am Rande des Verschwindens stand. Wer das Privileg hat, hier zu fliegen, wird mit einem Blick über die schier endlosen Rebenreihen des Heuchelbergs belohnt und erlebt eine Form des Fliegens, die puristischer und technischer kaum sein könnte.
Die Zukunft des Geländes hängt maßgeblich von der Disziplin der Piloten und dem fortwährenden Dialog mit den Winzern ab. In einer Welt des Massentourismus am Berg bleibt das Bannholz ein stilles, anspruchsvolles Statement für die Qualität statt Quantität im Gleitschirmsport.