
2 Startplatzätze, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Das Fluggebiet "Auf dem unteren Mergesfeld": Eine Monografie über das Flachlandfliegen im Nahetal
Exhaustive Analyse, Meteorologie, Logistik und Taktik für Gleitschirm- und Drachenpiloten
In der Welt des Luftsports existieren Mythen und Verwechslungen, die sich hartnäckig halten. Eine der gravierendsten Diskrepanzen, die in Ihrer Anfrage zutage tritt, betrifft die Verortung des Fluggeländes "Auf dem unteren Mergesfeld". Es ist von imperativer Bedeutung, dieses Missverständnis gleich zu Beginn dieser Abhandlung aufzulösen, um eine präzise operative Planung zu ermöglichen.
Das Gelände "Auf dem unteren Mergesfeld" befindet sich nicht im alpinen Raum Schwangau oder am Tegelberg in Bayern. Wer mit dieser Erwartungshaltung anreist, wird statt des Märchenschlosses Neuschwanstein und steiler Kalkfelswände eine sanft gewellte, weinbaulich geprägte Hügellandschaft in Rheinland-Pfalz vorfinden. Das Mergesfeld ist das Herzstück des Nahetals, gelegen zwischen den Ortschaften Roxheim, St. Katharinen und Mandel, unweit der Kurstadt Bad Kreuznach.
Die Verwechslung mag daher rühren, dass sowohl der Tegelberg als auch das Mergesfeld in einschlägigen Datenbanken als populäre Fluggebiete gelistet sind, doch ihre DNA könnte unterschiedlicher nicht sein. Der Tegelberg repräsentiert das klassische alpine Bergfliegen mit Bergbahnunterstützung, während das Mergesfeld die Hohe Schule des Windenschleppstarts im thermisch hochaktiven Flachland verkörpert. Dieser Report widmet sich exklusiv der Realität des Mergesfeldes im Nahetal, da die namentliche Spezifikation eindeutig ist. Er dient als umfassendes Kompendium für den Piloten, der die komplexen Herausforderungen und die subtile Schönheit des Flachlandfliegens meistern möchte.
Das "Untere Mergesfeld" ist weit mehr als nur eine Wiese mit einer Seilwinde. Es ist ein komplexes, über Jahrzehnte kultiviertes System aus Infrastruktur, meteorologischem Wissen und vereinsgetragener Flugkultur. Betrieben vom Drachen- und Gleitsegelclub Nahetal e.V. (DGCN), zählt es zu den leistungsfähigsten Schleppgeländen im südwestdeutschen Raum.
Die topografische Lage auf einem Plateau oberhalb der Nahe (ca. 195m bis 240m NN) bietet einen entscheidenden Vorteil: Es ist frei angeströmt. Anders als Startplätze in tiefen Talschneisen, die oft unter Turbulenzen oder Düsenwirkungen leiden, liegt das Mergesfeld offen für die vorherrschenden West- und Südwestwindströmungen, profitiert aber auch bei Nord- und Ostlagen. Die thermische Güte des Geländes ist legendär; die dunklen Ackerböden und die benachbarten Weinberge fungieren als zuverlässige Hitzekollektoren, die oft schon am späten Vormittag nutzbare Aufwinde generieren.
Das Fluggebiet ist nicht monolithisch, sondern besteht aus einem dualen System von Schleppstrecken, die eine maximale Flexibilität bei unterschiedlichen Windregimen gewährleisten. Diese Redundanz ist ein Schlüsselfaktor für die hohe Anzahl an fliegbaren Tagen im Jahr.
Die primäre Schleppstrecke, intern oft einfach als "Die Nord-Süd" bezeichnet, ist das Rückgrat des Flugbetriebs am Mergesfeld.
Geometrische Daten: Die Strecke erstreckt sich über eine Länge von ca. 1.000 bis 1.100 Metern. Diese Länge ist im Windenflugbetrieb von kritischer Bedeutung, da die erreichbare Ausklinkhöhe direkt mit der Seillänge korreliert. Bei optimalen Bedingungen (leichter Gegenwind) sind Höhengewinne von 400 bis 600 Metern über Grund keine Seltenheit.
Ausrichtung: Die Exakte Ausrichtung verläuft von Nord-Nordwest (NNW) nach Süd-Südost (SSO). Dies deckt die im Naheland häufigen Windrichtungen ab, bei denen Luftmassen entweder vom Hunsrück herabströmen (Nordkomponente) oder aus Richtung Donnersberg/Pfalz einfließen (Südkomponente).
Startrichtung Süd: Wird bei Nordwind genutzt. Der Pilot blickt beim Start in Richtung Roxheim und Bad Kreuznach. Der Schlepp führt über landwirtschaftliche Nutzflächen, die thermisch oft schon während des Schlepps "ziehen". Es ist nicht ungewöhnlich, dass Piloten noch am Seil massives Steigen spüren und die Winde proaktiv Gas rausnehmen muss ("Step-Towing" Ansätze).
Startrichtung Nord: Wird bei Südwind genutzt. Der Blick geht in Richtung Soonwald. Diese Startrichtung ist besonders beliebt für Streckenflüge Richtung Norden in den Hunsrück hinein oder für das Ausnutzen der Konvergenzlinien, die sich bei Südlagen oft quer zum Nahetal bilden.
Etwa einen Kilometer von der Hauptstrecke entfernt, entlang der Kreisstraße K51 zwischen St. Katharinen und Roxheim, befindet sich die Ost-West-Schleppstrecke.
Taktische Bedeutung: Diese Bahn ist essenziell, wenn der Wind auf "West" dreht – eine der häufigsten Wetterlagen in Mitteleuropa. Während ein Start auf der Nord-Süd-Bahn bei starkem Westwind aufgrund des Seitenwinds (Crosswind) gefährlich wäre (Gefahr des "Lockouts", bei dem der Schirm seitlich ausbricht und unkontrollierbar wird), ermöglicht die Ost-West-Bahn sichere Starts direkt gegen den Wind.
Limitationen: Die Ost-West-Strecke ist logistisch etwas anspruchsvoller in der Anfahrt und Parkplatzsituation, da sie näher an der öffentlichen Straße liegt. Hier ist besondere Disziplin gefordert, um den Straßenverkehr nicht zu irritieren und Zuschauerströme zu lenken.
Der DGCN setzt auf moderne stationäre Winden, oft ausgestattet mit Kunststoffseilen (Dyneema).
Seilcharakteristik: Im Vergleich zu Stahlseilen bieten Dyneema-Seile ein deutlich geringeres Eigengewicht. Dies reduziert den Durchhang des Seils (die sogenannte "Seilkurve") und ermöglicht eine direktere Kraftübertragung auf den Piloten. Das Resultat sind höhere Ausklinkhöhen und ein sanfteres Schleppgefühl.
Doppelsitzer-Zulassung: Die Winde ist vollumfänglich für den Tandembetrieb zertifiziert. Dies eröffnet Gastpiloten die Möglichkeit, auch Passagiere mitzunehmen, sofern sie über die entsprechende Lizenz und Erfahrung verfügen.
Taktung und Effizienz: Ein gut eingespieltes Winden-Team (Startleiter, Windenfahrer, Seilrückholwagen-Fahrer) kann eine beeindruckende Startfrequenz erreichen. An "Hammertagen" starten hier Gleitschirme und Drachen im Minutentakt. Der "Rückholer" spielt dabei eine Schlüsselrolle: Er zieht die ausgeklinkten Seile mit einem Geländefahrzeug oder Quad wieder zum Startplatz zurück. Die Geschwindigkeit und Präzision dieses Vorgangs bestimmt maßgeblich die Wartezeit der Piloten.
Anders als an Bergstartplätzen, wo Start und Landung räumlich und vertikal getrennt sind (z.B. Tegelberg: Start auf 1700m, Landung auf 800m), finden am Mergesfeld alle Phasen auf demselben Plateau statt.
Der Startlauf: Der Untergrund ist Wiese/Ackerland. Die Bodenbeschaffenheit kann je nach Jahreszeit variieren. Im Frühjahr ist das Gras oft hoch, was den Startlauf erschweren kann; im Spätsommer nach der Mahd ist es kurz und schnell. Der Geländewart sorgt in der Regel für gemähte Startkorridore. Ein sauberer Vorwärtsstart (bei wenig Wind) oder Rückwärtsaufziehen (bei Wind) muss sicher beherrscht werden. Ein Startabbruch beim Windenstart ist kritisch und muss erfolgen, bevor der volle Zug der Winde anliegt und der Pilot abhebt.
Die Landung: Die Landeflächen sind riesig und hindernisfrei, was das Gebiet extrem anfängertauglich macht. Es gibt keine engen Waldschneisen. Dennoch ist eine strikte Landevolte (Landeplatzrunden) einzuhalten. Da sich Startplatz, Vorbereitungsraum und Landeplatz auf einer Ebene befinden, ist die Luftraumbeobachtung im Endanflug lebenswichtig. Kreuzender Verkehr (andere landende Piloten, Seilrückholfahrzeuge) muss antizipiert werden.
Das Nahetal ist klimatisch begünstigt – es zählt zu den wärmsten und trockensten Regionen Deutschlands. Doch für den Flugsport ergeben sich aus der Topografie spezifische Herausforderungen. Das Tal liegt im Lee des Hunsrücks (bei Nordwestanströmung) und des Nordpfälzer Berglandes (bei Südanströmung). Dies erzeugt lokale Windsysteme, die der Pilot verstehen muss.
Die Wahl der richtigen Schleppstrecke und die Entscheidung zum Start hängen von subtilen Faktoren ab.
Windrichtung Eignung & Taktik Mergesfeld Gefahren & Besonderheiten Nord (N) / Nordwest (NW) Ideal (Hauptwindrichtung) Start auf der N-S-Schneise Richtung Süden. Der Wind strömt vom Hunsrück ein. Bei starkem NW kann die Luftmasse turbulent ("bockig") sein, da sie über die Kämme des Soonwaldes und des Gauchswalds strömt und dort verwirbelt wird. Achten Sie auf Leewalzen hinter Waldkanten beim Landeanflug. Süd (S) / Südost (SO) Gut bis Sehr Gut Start Richtung Norden. Hier profitiert man oft von einer Konvergenzlinie, die sich im Nahetal bilden kann, wenn der Südwind auf den überregionalen Westwind trifft. Vorsicht bei Föhnneigung – das Nahetal kann Düseneffekte verstärken, die Windgeschwindigkeit kann am Boden harmlos wirken, aber in 200m Höhe extrem zunehmen (Windscherung). West (W) Mittel / Anspruchsvoll Nutzung der O-W-Strecke. Gefahr von starkem Lee hinter den westlichen Hügelketten. Crosswind auf der N-S-Bahn macht Starts gefährlich. Wenn die O-W-Bahn nicht aufgebaut ist, ist Westwind oft ein "No-Go" für den Flugbetrieb. Ost (O) Mittel Oft stabilere Luftmassen ("Bise"-Charakter), die thermisch weniger ergiebig sind als Westlagen. Der Wind kann sehr laminar sein, was angenehme Abgleiter ermöglicht, aber den Anschluss an die Thermik erschwert. Export to Sheets
Im Flachland fehlt die klassische Abrisskante, wie man sie vom Tegelberg oder anderen alpinen Startplätzen kennt. Thermik löst hier nicht zwangsläufig am Gipfel ab, sondern an Bodenmerkmalen (Kontrastthermik). Das Mergesfeld bietet hierfür exzellente Voraussetzungen:
Die Weinberge: Die umliegenden Hänge, besonders Richtung Mandel und Roxheim, sind oft mit Weinreben bewachsen. Der dunkle Schiefer- und Quarzitboden der Nahe-Region besitzt eine geringe Albedo (reflektiert wenig Licht) und speichert Wärme extrem effizient. Nach dem Ausklinken lohnt sich oft der Flug über die westlich oder östlich gelegenen Weinbergsflächen. Diese "kochen" oft schon, wenn Wiesenflächen noch inaktiv sind.
Waldkanten und Schneisen: Die Übergänge zwischen den Feldflächen des Mergesfeldes und den angrenzenden Waldstücken (z.B. Richtung St. Katharinen) sind klassische Thermikauslöser. Der Temperaturunterschied zwischen dem kühlen Wald und dem heißen Acker sorgt für Ablösungen genau an der Bestandskante.
Die Ortschaft Roxheim (Restitution): Am späten Nachmittag und frühen Abend geben die versiegelten Flächen (Asphalt, Ziegeldächer) und das Mauerwerk des Ortes die tagsüber gespeicherte Wärme wieder ab. Dies erzeugt das Phänomen der "Restitution" oder des "Umkehrthermik". Ein sanftes Abgleiten über den Ortsrand (mit sicherem Höhenabstand!) kann überraschendes, sanftes Steigen bringen – der sogenannte "Abendthermik-Genussflug".
Die "Blaue Thermik": Im Flachland ist Thermik oft "blau", d.h. nicht durch Cumuluswolken markiert, besonders bei trockenen Ostlagen. Hier muss der Pilot nach anderen Indikatoren suchen: Vögel (Greifvögel, Schwalben), Staubaufwirbelungen am Boden, oder das Verhalten anderer Piloten ("Leierkasten-Methode": Wo einer kreist, ist meist was).
Herbstnebel: Im Herbst neigt das Nahetal zu zähen Inversionen. Während es auf dem Donnersberg oder im Hunsrück sonnig sein kann, liegt das Mergesfeld oft unter einer Hochnebeldecke. Die kalte Luft sammelt sich im Trog der Nahe. Ein Blick auf die Webcams ist vor der Anreise im Herbst/Winter obligatorisch, um die "Suppe" zu vermeiden.
Starkwind: Windenstarts sind bei Windgeschwindigkeiten über 20-25 km/h am Boden kritisch. Die Gefahr des "Sackflugs" beim Seilriss (der Schirm schießt nicht vor, sondern fällt durch) oder eines "Lockouts" steigt exponentiell. Der DGCN stellt den Betrieb bei böigen Bedingungen konsequent ein – eine Sicherheitsmaßnahme, die man als Gast respektieren muss, auch wenn es am Boden "fliegbar" aussieht.
Der Flugbetrieb am Mergesfeld ist hochorganisiert und folgt strengen Regeln. Dies ist notwendig, um die Sicherheit bei hoher Pilotendichte zu gewährleisten und die behördliche Zulassung des Geländes nicht zu gefährden. Wer hier als Gastpilot auftaucht, sollte sich der lokalen Etikette anpassen.
Ein zentrales, fast rituelles Element der Startorganisation beim DGCN ist die sogenannte Helmreihe. Sie regelt die Startreihenfolge demokratisch und transparent.
Das Prinzip: Piloten, die startbereit sind, legen ihren Helm (oder Packsack) in eine physische Reihe am Startplatz. Die Position des Helms markiert den Platz in der Warteschlange.
Der Prozess: Wenn ein Schlepp beendet ist und das Seil zurückkommt, rückt die Reihe auf. Der Pilot, dessen Helm vorne liegt, macht sich fertig und hängt sich ein.
Die Etikette:
Kein "Reservieren": Man legt den Helm erst, wenn man wirklich fast fertig ist. Schirm ausgelegt, Gurtzeug angezogen (oder zumindest griffbereit). Es gilt als unhöflich, den Helm hinzulegen und dann erst mal 20 Minuten Kaffee zu trinken oder Leinen zu sortieren, wenn die Reihe schnell läuft.
Startbereitschaft: Wenn man an der Reihe ist ("Helm vorne"), muss es zügig gehen. Wer dann noch Probleme mit dem Funk hat oder seine Handschuhe sucht, wird übersprungen und muss sich oft hinten wieder anstellen.
Für Gastflieger: Beobachten Sie das System erst 10 Minuten. Fragen Sie den Startleiter aktiv: "Wo ist das Ende der Helmreihe? Darf ich mich einreihen?" Das signalisiert Respekt und Verständnis für die lokalen Gepflogenheiten.
Gäste sind am Mergesfeld willkommen, unterliegen aber klaren Reglementierungen.
Anmeldung: Eine vorherige Anmeldung ist erwünscht, oft aber an regulären Flugtagen (Wochenende) direkt vor Ort beim Startleiter möglich.
Dokumentationspflicht: Folgende Dokumente müssen unaufgefordert vorgelegt werden:
Gültige Lizenz (A-Schein oder höher).
Windenstartberechtigung (Eingetragen im Schein! Ein Bergflugschein reicht nicht!).
Versicherungsnachweis (Halterhaftpflicht).
Unterzeichnete Enthaftungserklärung des Vereins.
Kostenstruktur (Stand 2025/2026):
Schleppgebühr Solo: 8,00 € pro Schlepp.
Schleppgebühr Tandem (Gastpilot): 16,00 €.
Es gibt oft keine separate Tagesgebühr ("Geländegebühr"), da diese über den erhöhten Schleppreis für Gäste abgegolten wird.
Vorrangregelung: Bei hohem Andrang (>10 Piloten) haben Vereinsmitglieder laut Satzung Vorrang. In der Praxis wird dies oft über ein Reißverschlussverfahren oder separate Helmreihen (eine für Mitglieder, eine für Gäste, im Wechsel) gelöst. Bringen Sie als Gast an "Hammertagen" Zeit und Geduld mit.
Hier liegt die vielleicht größte operative Herausforderung des Gebiets, die es vom alpinen Fliegen unterscheidet. Das Nahetal liegt im Einzugsbereich der Kontrollzone (CTR) und der Nahverkehrsbereiche (TMA) des Großflughafens Frankfurt (EDDF) sowie des Flughafens Hahn (EDFH) und diverser militärischer Sektoren (US Airbase Ramstein, Spangdahlem etc.).
Laut den DHV-Datenbanken und Pilotenberichten existieren signifikante Höhenbeschränkungen, die den freien Luftraum nach oben deckeln.
Luftraum C (Charlie): Über dem Mergesfeld beginnt der Luftraum C in Sektoren teilweise schon ab 1.350m MSL (ca. 4.400 ft).
Die operative Konsequenz:
Startplatzhöhe: ca. 200m MSL.
Ausklinkhöhe: ca. 500-600m MSL.
Nutzbares Steigfenster: Man hat effektiv oft nur ca. 750m bis 800m vertikales Potenzial über der Ausklinkhöhe, bevor man in den kontrollierten Luftraum C einfliegt.
Gefahrenpotenzial: Ein Einflug in Luftraum C ohne Freigabe durch die Flugsicherung (DFS) ist eine Straftat (keine Ordnungswidrigkeit!) und gefährdet den gesamten Flugbetrieb des Vereins massiv. Radardaten werden ausgewertet.
Transponderpflicht (TMZ): In benachbarten Sektoren oder für Höhenflüge kann eine Transponderpflicht (Transponder Mandatory Zone) bestehen. Segelflieger nutzen diese regelmäßig, für Gleitschirme ist dies oft technisch nicht möglich, was die effektive Flughöhe begrenzt.
Trotz dieser Deckelung ("Der Deckel") ist das Mergesfeld ein hervorragender Ausgangspunkt für Streckenflüge (XC), wenn man horizontal plant statt vertikal.
Richtung Donnersberg (Süd/Südost): Dies ist die klassische Route. Nach dem Start versucht man, Anschluss an die Hügelketten südlich der Nahe zu finden. Das Ziel ist der Donnersberg (höchste Erhebung der Pfalz, 686m). Die Schwierigkeit liegt im Queren der Nahe-Senke und dem "Anschleichen" an das ansteigende Gelände, ohne "abzusaufen". Der Luftraum steigt Richtung Pfalz teilweise an, was mehr Freiheit gibt.
Das "Flache Dreieck" (Nahe-Dreieck): Viele Piloten fliegen flache FAI-Dreiecke innerhalb des Nahetals, indem sie zwischen den Wendepunkten Roxheim, Bad Kreuznach, Waldböckelheim und ggf. nördlich Richtung Stromberg pendeln. Hier bleibt man weitgehend unter dem Luftraum C.
Downwind zum Rhein: Bei starkem Westwind ist ein Flug Richtung Rheinhessen/Rhein möglich. Hier wird das Gelände flacher, die Thermik schwächer, aber der Rückenwind schiebt enorm. Achtung: Der Luftraum um Frankfurt/Mainz senkt sich hier drastisch ab (Anflugsektoren!).
Experten-Tipp: Prüfen Sie vor jedem Flugtag die tagesaktuellen NOTAMs (Notice to Airmen) und die offizielle ICAO-Karte. Die Sektorengrenzen um Frankfurt sind komplex und starr. Nutzen Sie moderne Fluginstrumente (Skytraxx, Oudie, Flymaster) mit aktuellen Luftraumdatenbanken, die bei Annäherung akustisch warnen.
Am Mergesfeld wird mit modernen Kunststoffseilen geschleppt, dennoch ist ein Seilriss (Materialversagen oder Sollbruchstelle) möglich.
Reaktion: Sofortiges "Nachdrücken" (Kappenbeschleunigung) ist überlebenswichtig, um einen Sackflug zu verhindern.
Entscheidungsmatrix:
Unter 50m: Geradeaus landen. Keine Kurven!
Über 50m: Je nach Position eine verkürzte Landevolte fliegen. Niemals versuchen, mit Gewalt zum Startplatz zurückzukehren, wenn die Höhe nicht reicht (Gefahr des "Aushungerns" und Abkippens in Bodennähe).
In der Brutzeit (oft 01.04. bis 31.07.) gelten strikte Auflagen zum Schutz der Avifauna (Vogelwelt).
Tiefflugverbot: Über gewissen Waldgebieten oder Biotopen darf eine Mindesthöhe nicht unterschritten werden, um brütende Greifvögel nicht aufzuschrecken.
Meidung von Tieransammlungen: warnt explizit vor einer Pferdekoppel am Fuße eines nahegelegenen Berges (hier wohl Verwechslung im Snippet mit einem anderen Gebiet, aber generell gilt am Mergesfeld: Meiden Sie Schafherden und Pferdekoppeln weiträumig).
Vereinsadresse: Bergstraße 38a, 55595 Roxheim – Dies ist oft die Adresse für Post oder Treffen, das Fluggelände selbst liegt außerhalb.
Navigation: Geben Sie für das Navi Koordinaten nahe St. Katharinen ein oder folgen Sie der Beschilderung ab Roxheim Richtung "Mergesfeld".
Parkdisziplin: Nutzen Sie ausschließlich die vom Verein ausgewiesenen Parkflächen. Parken Sie keinesfalls auf landwirtschaftlichen Wegen oder in Feldeinfahrten. Die Kooperation mit den Landwirten ist existenziell für den Verein; ein blockierter Traktorweg kann zur sofortigen Geländesperrung führen.
Nach einem langen Flugtag bietet die Region Naheland, bekannt für ihre Weine, hervorragende Möglichkeiten zur Einkehr.
Gasthaus Hörning (Roxheim): Ein traditioneller Treffpunkt für Lokale und Wanderer. Solide pfälzische Küche, ideal für das "Landebier" und die Fluganalyse.
Vogelpark Gaststätte (Bobenheim-Roxheim): bietet eine schöne Terrasse und gutbürgerliche Küche, besonders im Sommer attraktiv.
Übernachtung:
Wein- & Gästehaus Merz: Direkt in Roxheim. Ideal gelegen, namentlich passend und authentisch (Winzerhof).
Camping: Wildcampen am Flugplatz ist streng verboten (außer bei expliziten Vereinsevents wie Fluglagern). Offizielle Campingplätze finden sich an der Nahe (z.B. Camping Nahetal oder Aumühle).
Sollte der Wind am Mergesfeld nicht passen oder kein Schleppbetrieb stattfinden, bietet der Verein Alternativen:
Sponsheimer Berg: Ein hervorragendes Hangstartgelände in der Nähe. Hier ist echtes Soaring möglich, wenn der Wind passend auf den Hang steht.
Odernheim / Duchroth: Weitere Gelände im Umkreis, die teils vom Verein oder befreundeten Clubs genutzt werden.
Das Fluggelände "Auf dem unteren Mergesfeld" ist ein technisches und taktisches Highlight für Piloten, die sich vom alpinen "Rummel" am Tegelberg lösen und die Faszination des Flachlandfliegens entdecken wollen. Es erfordert Disziplin (Luftraumbeobachtung, Windenstartprozeduren) und meteorologisches Gespür für feine Thermik, belohnt aber mit stundenlangen Flügen über der malerischen Weinbergslandschaft der Nahe.
Die Goldene Regel für Ihren Besuch: Kommen Sie als Gast, verhalten Sie sich wie ein Freund. Respektieren Sie die Helmreihe, die Landwirte und die Luftraumgrenzen. Dann werden Sie am Mergesfeld unvergessliche Flüge erleben – eine Erfahrung, die dem alpinen Fliegen in nichts nachsteht, sondern eine ganz eigene, stille Qualität besitzt.