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Amisbühl: Das Tor zur Arena von Eiger, Mönch und Jungfrau – Ein umfassendes Dossier
In der Welt des Gleitschirmfliegens gibt es Startplätze, die rein funktional sind, und solche, die eine eigene Seele besitzen. Der Amisbühl in Beatenberg, hoch über dem smaragdgrünen Thunersee und dem tiefblauen Brienzersee gelegen, gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Er ist nicht nur ein Startplatz; er ist eine Institution im Berner Oberland, dem Herzen der Schweizer Alpenfliegerei. Als "Balkon" über Interlaken bietet er eine der spektakulärsten Kulissen weltweit – den direkten Blick auf das berühmte Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau. Doch hinter dieser Postkartenidylle verbirgt sich ein komplexes, hochfrequentiertes und aerologisch anspruchsvolles Fluggebiet, das sowohl Anfänger als auch Weltklasse-Piloten anzieht.
Die Bedeutung des Amisbühls (oft auch lokal "Amisbüel" geschrieben) resultiert aus seiner einzigartigen Lage im mikroklimatischen System des "Bödeli", der Schwemmebene zwischen den beiden großen Seen. Hier treffen Talwindsysteme, hochalpine Thermik und die regulatorischen Anforderungen eines der dichtesten Lufträume für kommerzielle Tandemflüge aufeinander. Für den reisenden Piloten ist der Amisbühl ein Ort der Kontraste: Einerseits bietet er eine fast perfekte Infrastruktur und Logistik, andererseits verlangt er strikte Disziplin und Kenntnis der lokalen Gefahrenherde, wie etwa der Föhnstürme oder der Lee-Situationen bei Bise.
Dieser Bericht analysiert den Amisbühl nicht isoliert, sondern als integralen Bestandteil des Ökosystems "Fluggebiet Interlaken". Wir werden die technischen Feinheiten des Starts, die unsichtbaren Strömungen der Talwinde, die rechtlichen Fallstricke der Lufträume und die logistischen Geheimtipps für einen reibungslosen Aufenthalt detailliert beleuchten.
Der Startplatz Amisbühl ist weit mehr als eine geneigte Wiese; er ist ein sorgfältig verwaltetes Areal, das speziell darauf ausgelegt ist, den massiven Andrang von kommerziellen und privaten Piloten sicher zu kanalisieren. Die genaue Kenntnis der Sektoren und der Starttechnik ist hier nicht optional, sondern essenziell für die Sicherheit und das soziale Gefüge am Berg.
Gelegen auf einer Höhe von etwa 1.350 Metern über Meer (verschiedene Quellen geben Werte zwischen 1.300 m und 1.374 m an), bietet der Amisbühl eine Höhendifferenz von rund 785 Metern zum Hauptlandeplatz Lehn in Unterseen. Die primäre Ausrichtung des Hanges ist Süd-Südost (SSE) bis Süd (S). Diese Exposition macht den Startplatz ab dem späten Vormittag thermisch aktiv, da die Sonne den Hang frontal bescheint und für zuverlässige Ablösungen sorgt.
Die Morphologie des Startplatzes erfordert Aufmerksamkeit. Das Gelände beginnt im oberen Bereich als sanft geneigte Wiese, die ideal für das Auslegen, Sortieren und den Vorwärts-Check des Schirms geeignet ist. Dies verleitet jedoch oft zu Nachlässigkeit. Der kritische Punkt ist der Übergang in den Startlauf: Nach wenigen Metern nimmt die Neigung progressiv zu ("konvexer Hang"), bevor das Gelände in eine steilere Waldschneise übergeht. Diese Charakteristik verlangt vom Piloten einen entschlossenen, beschleunigenden Lauf. Ein Zögern an der Kante kann dazu führen, dass der Schirm nicht genügend Auftrieb generiert, bevor der steile Teil erreicht ist. Zudem ist der Startkorridor links und rechts von hohem Nadelwald flankiert. Diese Bäume bieten zwar willkommenen Windschutz beim Auslegen, bilden aber auch eine Düse, die den Wind im Startbereich verstärken kann. Piloten müssen zwingend mittig starten und sicherstellen, dass sie vor dem Eindrehen genügend Höhe über den Baumwipfeln gewonnen haben, um Lee-Effekte der Waldkanten zu vermeiden.
Aufgrund der immensen Popularität des Fluggebietes – Interlaken gilt als eines der Zentren des kommerziellen Tandemfliegens in Europa – hat der lokale Club, der Deltaclub Interlaken (DCI), ein striktes Ordnungssystem etabliert.
Am Hauptstartplatz ("Amisbühl Oben") gilt insbesondere an Wochenenden (Freitag bis Sonntag) eine klare räumliche Trennung, um Konflikte zwischen den oft unter Zeitdruck stehenden gewerblichen Piloten und den Freifliegern zu minimieren: Der Startplatz ist in zwei "Spuren" oder Sektoren unterteilt. Die linke Spur (in Blickrichtung Tal) ist exklusiv für Solopiloten vorgesehen. Die rechte Spur ist hingegen für Tandems (Gleitschirm und Delta) sowie Solo-Drachenflieger reserviert. Diese Trennung sorgt für einen flüssigen Ablauf, da Tandems oft längere Vorbereitungsphasen, aber schnellere Startphasen haben. Es herrscht jedoch eine ungeschriebene Regel der "Friendly Gesture": Sollte die Tandemspur gerade ungenutzt sein, kann sie nach kurzer Absprache auch von Solopiloten genutzt werden, doch haben kommerzielle Operationen faktisch oft Vorrang im Rhythmus.
An Tagen mit extremem Andrang oder bei speziellen Windbedingungen ist es taktisch klug, die Alternativen zu kennen. Sollte der obere Startplatz überfüllt sein oder der Wind eine stärkere Höhenkomponente aufweisen, stehen zwei Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung: Der Startplatz Bergbo befindet sich etwa 20 Höhenmeter unterhalb des Parkplatzes beim Internatsgebäude. Er ist oft weniger frequentiert. Direkt unterhalb des Hauptstartplatzes gibt es zudem den Bereich Amisbühl Unten. Ein wichtiger taktischer Hinweis betrifft die Windbedingungen: Bei stärkerem Bergwind (thermischer Abwind oder überregionaler Wind von hinten oben) wird explizit empfohlen, auf den tieferen Startplatz Bergbo auszuweichen oder den Start ganz zu unterlassen. Der Hauptstartplatz Amisbühl kann in solchen Situationen im Lee liegen, was zu trügerischer Windstille oder turbulenten Ablösungen führt.
Das Fluggebiet Interlaken unterliegt einem ausgeprägten mikroklimatischen System, das durch die geographische "Sandwich-Lage" zwischen dem Thunersee im Westen und dem Brienzersee im Osten sowie den steilen Flanken der Alpenwände definiert wird. Für Piloten ist das Verständnis dieses Systems nicht nur hilfreich für längere Flüge, sondern überlebenswichtig.
Interlaken liegt auf dem sogenannten "Bödeli", der flachen Schwemmebene, die die beiden Seen trennt. An thermisch aktiven Tagen funktioniert dieses System wie eine gigantische Pumpe. Das erhitzte Hinterland (die Täler von Grindelwald und Lauterbrunnen) saugt Luftmassen an. Dies erzeugt einen kräftigen, zuverlässigen Talwind, der typischerweise vom Thunersee (Westen) zum Brienzersee (Osten) strömt.
Dieser Talwind hat zwei Gesichter: Für den Start am Amisbühl selbst ist er meist irrelevant, da der Startplatz hoch genug über der Inversionsschicht des Talwindes liegt. Für die Landung und den Endanflug ist er jedoch der dominierende Faktor. Beim Soaren am Harder Kulm oder beim Queren des Tals muss die Stärke dieses Windes – oft 20 bis 30 km/h – zwingend in die Gleitwegberechnung einbezogen werden. Ein Flug gegen den Talwind zurück zum Landeplatz Lehn kann aus niedriger Höhe unmöglich werden und endet oft in Außenlandungen auf landwirtschaftlichen Flächen, was tunlichst zu vermeiden ist.
Ein kritisches, oft unterschätztes Phänomen entsteht durch die Interaktion des Talwindes mit der Topographie. Bei starkem Talwind (Westwind) oder einer überregionalen Westströmung bildet sich hinter der Geländekante beim Restaurant Luegibrüggli ein ausgeprägtes Lee. Piloten, die auf dem Rückweg vom Amisbühl zu tief kommen und versuchen, gegen den Wind zum Landeplatz Lehn zu kämpfen, geraten hier oft in starke Turbulenzen und Rotoren. Es ist eine klassische Falle: Der Pilot sieht den Landeplatz, kommt aber gegen den Wind nicht voran, sinkt tiefer und gerät genau in die turbulente Zone hinter dem Waldvorsprung. Die Regel lautet daher: Mit ausreichend Höhe über den Talwindbereich gleiten oder bei starkem Westwind direkt den (allerdings mittlerweile geschlossenen) Landeplatz St. Niklausen meiden und alternative Strategien wählen.
Zusätzlich ist die Bise (Nordostwind) ein Spielverderber. Bei Bise liegt der Amisbühl im aerodynamischen Schatten (Lee) des mächtigen Niederhorn-Massivs. Auch wenn es am Startplatz windstill erscheinen mag oder sogar ein leichter "Anströmung" herrscht (oft thermisches Ansaugen im Lee, der sogenannte "falsche Aufwind"), ist der Start extrem gefährlich. Sobald der Pilot die schützende Waldkante verlässt, trifft er auf die zerrissene Luftmasse des Lee-Rotors.
Wie fast alle Alpentäler ist auch Interlaken föhnanfällig. Der Südwind stürzt über die Jungfrau-Kette herab und kann bis in den Talgrund durchgreifen. Warnzeichen sind essenziell: Schaumkronen auf dem Thunersee sind ein absolutes Alarmzeichen. Wenn der Föhn bis auf den See durchgreift und das Wasser aufwühlt, ist das Fliegen lebensgefährlich. Die lokale Faustregel ist unmissverständlich: "Wenn's auf dem See schäumt, räumt man zusammen." Auch wenn es am Startplatz noch ruhig ist, kann der Föhn in Minutenbruchteilen durchbrechen und die laminare Strömung in chaotische Turbulenz verwandeln.
Der Standardflug vom Amisbühl gilt technisch als "Mittel" bis "Leicht", was die reine Flugtechnik betrifft. Die Komplexität entsteht durch die präzise Planung, die aufgrund der Luftraumstruktur, der Hindernisse und der spezifischen Landevolten notwendig ist.
Nach dem Abheben führt der Flugweg geradeaus über die Baumwipfel der Waldschneise. Die Standardroute verlangt ein Rechtsabdrehen in Richtung Interlaken/Unterseen. Man folgt dabei der Geländekontur über dem Plateau von Beatenberg in Richtung Westen/Südwesten. Thermik findet sich an guten Tagen oft direkt vor dem Startplatz über dem Wald ("Hausbart") oder weiter westlich in Richtung Harder Kulm, besonders am Nachmittag, wenn die Westflanken von der Sonne beschienen werden. Viele Piloten nutzen die Höhe für Manöver wie Spiralen oder Wingover über dem See, bevor sie den Landeplatz anfliegen.
Das Lehn (565 m ü. M.) ist eine riesige Wiese in Unterseen, gelegen am westlichen Ende des Golfplatzes. Es ist der Dreh- und Angelpunkt der lokalen Fliegerszene und dient als Hauptlandeplatz für den Amisbühl.
Koordinaten: 46° 40' 50.39'' N, 7° 49' 26.01'' O.
Die Volte (Kritisch!): Die Wahl der Landevolte ist hier keine Geschmacksfrage, sondern strikt windabhängig geregelt, um Konflikte zu vermeiden :
Bei Talwind (vom Thunersee, Westwind): Es wird eine Rechtsvolte geflogen.
Bei Bergwind (aus den Tälern, Ostwind): Es wird eine Linksvolte geflogen.
Die Gefahr "Schiessstand": Östlich des Landeplatzes befindet sich eine aktive militärische Schiessanlage ("The Wall" / Schussbahn). Das Überfliegen oder Landen in der Schussbahn ist nicht nur lebensgefährlich, sondern strengstens verboten. Ein Missachten dieser Zone führt zu massiven Problemen mit den Behörden und gefährdet die Zulassung des gesamten Fluggebietes.
Infrastruktur: Der Landeplatz ist gut ausgestattet mit einem Faltplatz, Windsack und einer Infotafel. Wichtig: Groundhandling auf der Landewiese ist untersagt, solange Flugbetrieb herrscht, um landende Piloten nicht zu behindern.
Die Höhematte (568 m ü. M.) im Zentrum von Interlaken ist wohl einer der berühmtesten Landeplätze der Welt. Hier landet man direkt vor dem Victoria-Jungfrau Grand Hotel, beobachtet von tausenden Touristen.
Lage: Zentrale Grünfläche in Interlaken.
Volte: Auch hier bestimmt der Wind die Richtung:
Bei Talwind (Standard): Linksvolte.
Bei Bergwind: Rechtsvolte.
Herausforderung: Die Wiese ist urban umbaut. Bei starkem Talwind entstehen hinter den Häuserzeilen und Hotels Lee-Rotoren. Der Endanflug kann daher überraschend turbulent sein.
Etikette: Aufgrund der hohen Frequenz, insbesondere durch Tandems, gilt die Regel des sofortigen Verlassens ("Packen unter den Bäumen am Höheweg"). Wer seinen Schirm mitten auf der Wiese zusammenlegt, blockiert den Anflugkorridor für nachfolgende Piloten.
Der Flugplatz Interlaken dient zudem als Notlandeplatz, falls die Höhematte nicht erreichbar ist, darf aber regulär nicht angeflogen werden (Ausnahme: Notfälle). Er ist mit großen weißen Punkten markiert.
Interlaken liegt in einem der komplexesten Lufträume der Alpen. Die Nähe zum Militärflugplatz Meiringen und zur Heli-Basis Wilderswil erfordert ständige Wachsamkeit und Disziplin.
Das Fluggebiet liegt teilweise unter oder in unmittelbarer Nähe der CTR/TMA Meiringen. Der Status des Flugplatzes ist "HX" (Hot/Active on request). Das bedeutet, die Kontrollzone (CTR) und der Nahverkehrsbereich (TMA) können jederzeit aktiviert werden – auch an Wochenenden! Es gibt keine fixen Betriebszeiten, auf die man sich verlassen kann. Vor jedem Flug, der in die Nähe der TMA führen könnte (z.B. Richtung Osten/Brienzersee oder XC-Flüge), muss der Status abgefragt werden. Dies geschieht über das Gratis-Telefon 0800 HX MEIR (0800 496 347). Ein Tonband gibt Auskunft über den Status. Die Updates erfolgen fix um 07:30, 13:15 und 17:05 Uhr. Bei Aktivierung ist der Einflug strikt verboten. Dies betrifft vor allem Streckenpiloten, die Richtung Meiringen, Hasliberg oder zum Brünigpass fliegen wollen.
Rund um die Basis der Rettungsflugwacht (REGA) in Wilderswil besteht eine permanente Flugverbotszone. Diese Zone dient dem Schutz der startenden und landenden Rettungshelikopter und darf keinesfalls durchflogen werden. Der Heliport Gsteigwiler liegt südlich von Interlaken am Eingang zum Lauterbrunnental. Hier gilt die Regel, Abstand zu den An- und Abflugschneisen zu halten. Ein tieferer Überflug ist nur nach vorheriger telefonischer Absprache gestattet (+41 33 828 90 00).
Das Bewusstsein für den Naturschutz ist in der Schweiz hoch und wird auch rechtlich durchgesetzt. Besonders im Bereich Hohgant und Augstmatthorn gibt es ausgewiesene Wildruhezonen, in denen Starten und Landen verboten ist. Auch der Überflug sollte mit genügend Höhe erfolgen, um Störungen der Fauna (Steinböcke, Gämsen) zu vermeiden. Diese Zonen sind auf den Infotafeln des SHV (Schweizerischer Hängegleiter Verband) markiert.
Ein oft übersehenes Detail betrifft externe Flugschulen. Gastflugschulen sind im Fluggebiet Interlaken willkommen, unterliegen aber einer Kontingentierung: Sie dürfen das Gebiet nur von Montag bis Donnerstag besuchen, und es sind maximal zwei Gastschulen pro Tag zugelassen. Eine vorherige Anmeldung ist obligatorisch, und die Gebühr beträgt CHF 40.- pro Tag. Dies dient dazu, die Überlastung der Start- und Landeplätze an den hochfrequentierten Wochenenden zu vermeiden.
Obwohl der Amisbühl mit ca. 1.350 m relativ tief liegt, dient er als hervorragendes Sprungbrett für Streckenflüge (XC), besonders im thermisch aktiven Frühjahr und Frühsommer.
Dies ist der klassische Einstieg ins Streckenfliegen in dieser Region. Vom Startplatz Amisbühl fliegt man den Grat entlang nach Nordosten in Richtung Gemmenalphorn und weiter zum Niederhorn. Die Taktik erfordert Geduld: Oft muss man am Waldrand oberhalb des Starts "basteln", bis man den rettenden Bart findet, der einen auf Grathöhe bringt. Sobald man den Grat erreicht hat, trägt die Thermik meist zuverlässig bis zum Gipfel. Als Ziel bietet sich eine anspruchsvolle Top-Landung am Niederhorn an oder der Rückflug zum Lehn.
Für fortgeschrittene Piloten ist der Sprung über den Thunersee die logische Fortsetzung. Nachdem man am Niederhorn oder Gemmenalphorn maximale Höhe gemacht hat (Basis oft über 2.500 m), erfolgt der Talsprung Richtung Süden über den See zum Morgenberghorn oder zum Därliggrat. Planung ist hierbei alles: Piloten müssen sich mentale Mindesthöhen setzen – oft als "rote Zonen" in der Flugplanung visualisiert – unterhalb derer der Talsprung abgebrochen werden muss. Zudem ist der Talwind, der wie ein blauer Pfeil durch das Bödeli schießt, als Drift-Faktor einzukalkulieren. Der Anschluss am Därliggrat funktioniert oft erst am Nachmittag gut, wenn der Talwind ansteht und die Westflanken von der Sonne beschienen sind. Der Rückflug erfolgt dann entspannt mit dem Talwind im Rücken zurück zum Lehn.
Der Weg Richtung Brienz und Meiringen ist verlockend, aber tückisch. Der Talwind vom Brienzersee kann sehr stark werden ("Düse"), und man gerät schnell in Konflikt mit der CTR Meiringen. Die Route führt über den Harder Kulm den Grat entlang Richtung Augstmatthorn. Dies ist landschaftlich einer der schönsten Flüge der Alpen (Gratsoaring über den Steinböcken), erfordert aber präzises Thermikfliegen und eine permanente Luftraumüberwachung.
Der Amisbühl ist optimal an den öffentlichen Verkehr (ÖV) angebunden. Die Anreise mit dem eigenen PKW ist hingegen eher hinderlich und wird nicht empfohlen. Die Standardanreise erfolgt mit dem Bus. Vom Bahnhof Interlaken West oder Interlaken Ost (via Unterseen) nimmt man das Postauto der Linie 101 in Richtung Beatenberg. Die klassische Ausstiegsstelle ist die Haltestelle Waldegg. Von hier aus führt ein Fußweg in etwa 20 bis 35 Minuten bergauf zum Startplatz. Der Weg führt durch den Wald und ist gut begehbar. Manche Buskurse fahren weiter hinauf; die Haltestelle "Beatenberg, Amisbühl" verkürzt den Zustieg signifikant auf ca. 10 Minuten.
Eine bequeme Alternative bieten die Shuttle-Dienste. Viele lokale Flugschulen und Tandemunternehmen bieten Shuttles vom Landeplatz Lehn oder der Höhematte an. Als Solopilot kann man oft gegen einen Unkostenbeitrag (ca. 5–10 CHF, Preise variieren) mitfahren, sofern Plätze in den Bussen frei sind. Dies spart den Fußmarsch und erleichtert die Logistik.
Ein wichtiger Hinweis für Autofahrer: Am Startplatz selbst herrscht striktes Parkverbot! Die Zufahrt ist für Anlieger, Landwirte und berechtigte Shuttles reserviert. Autos müssen an der Station Waldegg oder auf den öffentlichen Parkplätzen im Dorf Beatenberg abgestellt werden. Wer illegal am Startplatz parkt, riskiert nicht nur hohe Bussen, sondern zieht auch den Zorn der Landeigentümer auf sich, was langfristig den Startplatz gefährden könnte.
Das Fluggebiet wird vom Deltaclub Interlaken (DCI) mit großem Aufwand gepflegt. Pachtverträge für Start- und Landewiesen, Windsäcke und Infotafeln müssen finanziert werden. Nicht-Mitglieder zahlen daher eine Tageslandegebühr. Diese beträgt je nach Quelle und Aktualität ca. CHF 5.00 (oder CHF 2.00 pro Einzellandung). Die Bezahlung ist mittlerweile oft bequem via TWINT am Landeplatz möglich. Fairness ist hier Ehrensache: "Schwarzfliegen" schadet der Gemeinschaft und der Infrastruktur, die allen zugutekommt.
Interlaken ist ein internationaler Schmelztiegel. Die "Après-Fly"-Kultur ist hier so vielfältig wie in kaum einem anderen Fluggebiet der Alpen.
Für Piloten, die aufs Budget achten und Anschluss suchen, ist die Backpackers Villa Sonnenhof eine Institution. Sie bietet spezielle Angebote für Abenteurer, inklusive gratis ÖV-Ticket und Waschmöglichkeiten, und ist sehr auf die Bedürfnisse von Outdoor-Sportlern eingestellt. Wer es naturnäher mag, findet rund um den Thunersee zahlreiche Campingplätze (z.B. Manor Farm), die im Sommer sehr beliebt sind, aber frühzeitig gebucht werden sollten.
Ein klassischer Anlaufpunkt ist das Restaurant Luegibrüggli auf dem Weg nach Beatenberg. Es ist berühmt für seine Terrasse mit Blick über den See – perfekt, um vor der Auffahrt den Wind auf dem See zu checken oder nach dem Flug einzukehren. (Vorsicht beim fliegerischen Überfliegen: Lee-Gefahr!). Direkt an den Landeplätzen gibt es ebenfalls Verpflegungsmöglichkeiten. An der Höhematte ist das Restaurant Hooters ein bekannter Treffpunkt für Tandempiloten, während am Lehn oft mobile Buvetten stehen oder nahegelegene Cafés in Unterseen genutzt werden.
Die Sicherheit steht an oberster Stelle. Jeder Pilot sollte die folgenden Nummern im Handy gespeichert haben:
REGA (Rettungsflugwacht): 1414 (innerhalb der Schweiz) oder +41 333 333 333 (aus dem Ausland/Grenzgebiet).
Polizei: 117.
Versicherungsschutz ist in der Schweiz streng geregelt. Eine Haftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von mindestens 1 Million CHF ist obligatorisch. Ausländische Piloten müssen den entsprechenden Nachweis (IPPI-Card und Versicherungsbestätigung) stets mitführen. Zur Vermeidung von Konflikten mit dem Naturschutz wird dringend empfohlen, Apps wie die Swiss Topo App oder Paragliding Map zu nutzen, um Wildruhezonen live im Blick zu haben und nicht versehentlich in geschützte Bereiche einzufliegen.
Der Amisbühl in Beatenberg ist ein Traum-Startplatz, der einen scheinbar mühelosen Zugang zur hochalpinen Welt des Berner Oberlandes bietet. Doch die Einfachheit täuscht. Das komplexe Windsystem im Tal, die dichte Luftraumstruktur mit HX-Zonen und Heliports sowie der massive kommerzielle Betrieb verlangen vom Piloten Respekt, Disziplin und eine hohe Anpassungsfähigkeit.
Wer sich jedoch an die Regeln hält, die Landevolte sauber plant und die meteorologischen Zeichen – insbesondere den Föhn – respektiert, wird hier mit Flügen belohnt, die ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Interlaken ist nicht umsonst eines der berühmtesten Flugmekkas der Welt – und der Amisbühl ist sein schönster, wenn auch anspruchsvoller Balkon.
Tabelle 1: Wichtige Frequenzen und Kontakte
Stelle Kontakt / Frequenz Zweck Flugplatz Meiringen 0800 496 347 (0800 HX MEIR) Statusabfrage HX (CTR/TMA) Heliport Gsteigwiler +41 33 828 90 00 Anfrage für tieferen Überflug REGA Alarm 1414 Notfall / Rettung Polizei 117 Notfall Deltaclub Interlaken via Website Gebietsinfos & Kontakt Export to Sheets
Tabelle 2: Kenndaten der Start- und Landeplätze
Ort Typ Höhe (m ü. M.) Ausrichtung Besonderheit Amisbühl Startplatz ~1.350 m S / SO Hauptstartplatz, Sektoren beachten Bergbo Startplatz ~1.290 m S Ausweichplatz bei Andrang/Bise Lehn Landeplatz 565 m - Hauptlandeplatz, Schiessstand beachten! Höhematte Landeplatz 568 m - Zentrum Interlaken, Turbulenzgefahr Export to Sheets
Zitierte Quellen und Referenzen: .